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Wieso mit Optionen handeln

Es gibt gute Gründe für den Handel mit Optionen Der Handel mit Optionen boomt. Die Umsätze haben Höchststände erreicht und man kann beobachten, dass das Interesse vor allem bei Privatanlegern immer stärker zunimmt. Allein in Deutschland waren im Juli 2000 über 13.000 verschiedene Optionsscheine – eine spezielle Form von Optionen, auf die wir nachher noch ausführlich eingehen – im Umlauf. Zwei Jahre vorher lag die Zahl der Emissionen noch bei gut der Hälfte. Doch was macht Optionen so interessant? Es gibt viele Gründe, warum sich ein Aufleger für eine Option entscheidet anstatt Aktien oder andere Finanzprodukte zu wählen. Wir wollen in den kommenden drei Abschnitten zeigen, dass Optionen viele Eigenschaften besitzen, die andere Finanzprodukte nicht haben.

Hebeleffekt
Fragt man Anleger, warum sie sich für Optionen entscheiden, antworten die meisten, dass sie Optionen wegen ihres Hebeleffekts kaufen. Denn mit Optionen Lassen sich erheblich höhere Renditen erzielen als mit herkömmlichen Kassaprodukten. Nehmen wir ein Beispiel: Ein Anleger kauft eine DaimlerChrysler-Aktie für 60 Euro. Für denselben Betrag bekommt er auch zehn Calls – ein Call kostet aktuell 6 Euro – die ihm jeweils das Recht geben, in einem Jahr eine DaimlerChrysler-Aktie für 60 Euro kaufen zu dürfen. Ist der Börsenkurs ein Jahr später auf 72 Euro angestiegen, hat der Anleger mit der Aktie 12 Euro verdient. Seine Rendite beträgt 20 Prozent. Nun unterstellen wir, dass ein anderer Anleger sein Geld nicht in Aktien anlegt, sondern Calls kauft. Bei einem Kursanstieg der Aktie werden die Optionen ausgeübt. Der Anleger zahlt 600 Euro (10 mal 60) an den Stillhalter und erhält im Gegenzug 10 DaimlerChrysler- Aktien. Die Papiere kann er sofort zum höheren Börsenkurs wieder verkaufen. Seine Erlöse betragen 720 Euro (10 mal 72). Subtrahiert man den Kaufpreis (600 Euro) bleiben 120 Euro übrig. Sein Anfangskapital (60 Euro) hat sich also verdoppelt, sodass seine Rendite bei 100 Prozent liegt. Von dem Kursanstieg der Aktie hat der Optionsanleger also fünfmal stärker profitiert als der Aktienanleger. Sein Hebel beträgt 5. Allerdings-wirkt der Hebel auch in die umgekehrte Richtung: Notiert die Daimler Chrysler-Aktie in einem Jahr bei 59 Euro, hat der Aktienanleger lediglich einen Euro verloren (Rendite: minus 1,7 Prozent), während der Inhaber der Calls zehn wertlose Optionen besitzt und sein gesamtes Kapital aufgebraucht hat (Totalverlust). Fazit: Spekulationen mit Optionen sind erheblich riskanter als mit Aktien. Zwar bieten Optionen überdurchschnittliche Gewinnchancen, sie sind aber auch mit einem deutlich größeren Totalverlustrisiko behaftet. Wir werden später noch erfahren, dass es Optionen mit kleinen und solche mit großen Hebeln gibt. Wovon die Hebelwirkung im Einzelnen abhängt, werden wir ebenfalls in einem der folgenden Artikel besprechen. Wir wollen an dieser Stelle lediglich festhalten, dass die hohen Gewinnchancen (und Verlustrisiken) für viele Anleger den größten Reiz darstellen und deshalb einer der Hauptgründe sind, warum Optionen gekauft werden.

Absicherung gegen Verluste
Der Kauf von Optionen bedeutet nicht zwangsläufig, dass Risiken entstehen. Man kann mit Optionen auch Risiken reduzieren. Betrachten wir zur Verdeutlichung einen Anleger, der eine Daimler- Chrysler-Aktie besitzt. Das Papier hat momentan einen Wert von 60 Euro. Der Anleger mochte die Aktie gern verkaufen, allerdings nicht heute, sondern erst in sechs Monaten. Er will noch an der nächsten Hauptversammlung teilnehmen, die aber erst in einem halben Jahr stattfindet. Während dieser Zeit kann sich der Wert der Aktie natürlich verändern, ihr Kurs kann steigen, ebenso gut sind Verluste möglich. Um sich vor einem Kursrückgang zu schützen, kann der Anleger einen Pnt kaufen, der ihm das Recht verleiht, in einem halben Jahr eine DaimlerChrysler-Aktie zum Preis von 60 Euro zu verkaufen. Damit ist ihm ein Mindestpreis von 60 Euro garantiert. Sollte die Aktie in Zukunft niedriger notieren, macht der Anleger von seinem Verkaufsrecht Gebrauch. Steigt der Kurs hingegen, lässt man den Put einfach verfallen und verkauft das Papier direkt an der Börse. Man sieht, dass durch die Option keine neuen Risiken verursacht werden, sondern ganz im Gegenteil das Verlustrisiko der Aktie begrenzt wird. Mit Calls versichert man sich indes gegen steigende Preise, ohne dafür die Chance auf geringe Kaufpreise aufzugeben. Ein Beispiel: Angenommen, wir kaufen einen Call, der uns das Recht gibt, in einem Jahr eine T-Aktie für 80 Euro kaufen zu dürfen. Liegen die Börsenkurse in Zukunft über dem Basispreis, üben wir unser Kaufrecht aus. Aufgrund der Option werden wir nie mehr als 80 Euro bezahlen. Es kann allerdings durchaus sein, dass wir weniger zahlen, denn bei Kursen unter dem Basispreis verzichten wir auf die Ausübung und kaufen das Wertpapier direkt. Der Stillhalter ist also ein Versicherungsgeber, während wir in der Position des -nehmers sind. Deshalb betrachtet man den Preis für eine Option häufig auch als Versicherungsprämie. Ein bedeutendes Motiv für den Kauf von Calls ist demnach die Absicherung gegen steigende Preise. Mancher Leser fragt sich bestimmt, warum man aus Angst vor steigenden Kursen die Aktie nicht jetzt gleich erwirbt, statt den Kauf in die Zukunft zu verschieben und eine Absicherung vorzunehmen. Die Frage ist berechtigt. Doch es gibt Situationen, in denen der Aufschub unausweichlich ist. Ein Beispiel: Ein Anleger hat sein Geld in einen Sparbrief investiert, der erst in einem Jahr getilgt wird. Er könnte momentan, auch wenn er wollte, gar keine T-Aktien kaufen, da er zunächst auf die Rückzahlung seines Kapitals warten muss. Unser Sparer hätte also ein Motiv, Calls zu kaufen, wenn er sein Geld aus dem Sparbrief später in T-Aktien umschichten möchte.

Umsetzung bestimmter Markterwartungen
Mit Optionen können Anleger bestimmte Markterwartungen gewinnbringend umsetzen, was – zumindest für Normalanleger – mit anderen Finanzprodukten nicht möglich ist. Nehmen wir zum Beispiel einen Anleger, der in Zukunft mit sinkenden Kursen bei der T- Aktie rechnet und gerne darauf spekulieren möchte. Eine Spekulation mit der Aktie selbst ist im Allgemeinen ausgeschlossen, denn das Wertpapier müsste dafür leerverkauft werden, was jedoch institutionellen Marktakteuren wie Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen Vorbehalten ist. Bei einem Leerverkauf wird etwas verkauft (z. B. T-Aktie), was der Verkäufer in Wirklichkeit gar nicht besitzt (aus diesem Grund die Bezeichnungen). Um zum Beispiel eine T-Aktie zu verkaufen, die man nicht im Besitz hat, muss das Wertpapier für einen bestimmten Zeitraum (z. B. 6 Monate) zunächst ausgeliehen werden (zum Beispiel bei einer Bank). Anschließend verkauft man die Aktie sofort wieder und kassiert den aktuellen Kurs (z. B. 60 Euro). Da die Aktie lediglich entliehen wurde, muss sie nach Ablauf der Leihfrist an den Verleiher zurückgegeben werden. Ist der Aktienkurs dann gesunken (z. B. auf 45 Euro), entsteht ein Gewinn, denn der Leerverkäufer hat für das Papier beim Rückkauf weniger bezahlt als er beim Verkauf erlöst hat. Steigt der Aktienpreis dagegen, ist er gezwungen, das Papier teurer zurück zu kaufen und es entstehen Verluste – doch nun zurück zu Optionen. Mit einem Put, der sich auf T-Aktien bezieht, erzielt man denselben Effekt wie mit einem Leerverkauf. Betrachten wir einen Put, der uns das Recht gibt, die T-Aktie in einem halben Jahr für 60 Euro zu verkaufen. Ist der Aktienkurs in sechs Monaten sagen wir auf 45 Euro gesunken, kaufen wir Aktien an der Börse, üben unsere Puts aus und verkaufen die Papiere für 60 Euro pro Stück an den Stillhalter. Fazit: Mit Puts kann man ebenso wie mit einem Leerverkauf auf sinkende Preise spekulieren. Nicht immer bewegen sich Aktienkurse eindeutig nach oben oder nach unten. Es kommt vor, dass die Wertentwicklung bestimmter Aktien oder vielleicht sogar des gesamten Marktes eine gewisse Zeit lang weitgehend stagniert und – wie Fachleute sagen – einer Seitwärtsbewegung folgt. Viel verdienen (und verlieren) kann man mit einer Aktie dann nicht und auch der Kauf einer Option lohnt sich in solchen Fällen nicht, da der Basispreis nicht weit genug überschritten wird. Doch es gibt eine Strategie, mit der man Gewinne erzielt, wenn sich Kurse seitwärts bewegen: das Schreiben von Optionen. Ein Beispiel: Wir prognostizieren, dass die DaimlerChrysler-Aktie, die momentan bei 60 Euro notiert, in den nächsten Monaten ihr Kursniveau in etwa beibehält. Starke Ausschläge nach oben wie nach unten sind nicht zu erwarten. Auf diese Entwicklung möchten wir gerne spekulieren. Darum schreiben wir eine Call-Option, die das Recht beinhaltet, in einem halben Jahr eine DaimlerChrysler-Aktie für 60 Euro kaufen zu dürfen. Dafür kassieren wir eine Prämie von 5 Euro. Unsere Vorhersage tritt tatsächlich ein. Der Kurs hat sich überhaupt nicht verändert. Die Aktie notiert ein halbes Jahr später unverändert zum Kurs von 60 Euro. Der Call wird daher von seinem Inhaber nicht in Anspruch genommen. Wir dagegen haben einen Gewinn in Höhe von 5 Euro erzielt und damit vom unveränderten Kursniveau profitiert.

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