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Worin man investieren kann – Aktien, Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe

Heutzutage kann man kaum noch aufzählen, was alles investierbar ist. In den letzten Jahren war in den Industrieländern so viel Kapital verfügbar, dass die Anleger immer neue Objekte suchen mussten, mit denen sich Geld verdienen ließ. Nicht unschuldig an der Entwicklung waren die historisch niedrigen Zinsen in den USA, Europa und Japan. Die amerikanische Notenbank hatte die Leitzinsen Anfang diesen Jahrtausends auf ein Prozent gesenkt, um die Wirtschaft nach der Rezession, den Terrorattentaten vom September 2001 und der Börsenbaisse wieder anzukurbeln. Parallel dazu gab es einen Boom auf vielen Immobilienmärkten, so dass Anleger, Unternehmen und Immobilienbesitzer sich billig und recht gefahrlos verschulden konnten.

Effektiv kosteten Kredite kaum mehr als die Inflationsrate, Geld war praktisch umsonst zu haben. In Europa war das Vergnügen nicht ganz so groß, aber Leitzinsen von zwei Prozent sind auch nicht gerade als Bremse auf den Märkten zu verstehen. Ein Teil dieses billigen Geldes wurde an unterschiedlichsten Märkten angelegt. Da Aktien in der Niedrigzinsphase billig waren (das ist kein Zufall, sondern meist der Fall), lohnte sich für Investoren der Kauf von Dividendenpapieren, und zwar auch auf Pump. Dies bekamen nicht nur die amerikanischen und europäischen Märkte zu spüren, sondern auch die so genannten Emerging Markets, also Länder wie Indien, China, Brasilien, Südafrika oder die Türkei. Die Risikobereitschaft war groß, mit sicheren Anlagen in Renten war kaum Geld zu verdienen.

Einige dieser Emerging-Markets konnten Kurssteigerungen von 100 Prozent und mehr verbuchen, und zwar innerhalb eines Jahres! Dabei wird auch dem risikofreudigsten Anleger klar, dass das nicht ewig so weitergehen kann und so stellt er sich die Frage, was sonst noch in Frage kommt. Zwar ist es nicht neu, in Kunst und Rohstoffe zu investieren, doch landete auch hier einiges Geld und so schossen die Kurse zum Beispiel für Bilder oder Gold in die Höhe. Die Jahre 2005 und 2006 waren folglich von extremen Kursveränderungen gezeichnet, auf einen kräftigen Boom folgte immer auch eine ebenfalls fulminante Korrektur, die die Preise wieder einigermaßen ins Lot brachte.

Verschiedene Unternehmen erkannten die Chance und brachten Wertpapiere auf den Markt, mit deren Hilfe auch Privatanleger an der Preisentwicklung teilhaben können – natürlich nicht nur nach oben, sondern auch nach unten. Nicht alle Investitionsobjekte können im Hinblick auf eine langfristige Anlage empfohlen und systematisch behandelt werden. Sehen wir uns zunächst die Klassiker an: Aktien und Anleihen. Der größte Teil aller Geldanlagen entfällt immer noch auf diese beiden Kategorien, die Märkte sind weit entwickelt und das Angebot ist umfangreich, in allen Teilen der Welt.

Viele Investoren kümmern sich bei der Vermögensplanung in erster Linie um die Aufteilung ihres Geldes auf diese beiden Kategorien. Prinzipiell wird unterstellt, dass in bestimmten Zeiten Aktien besser laufen als Anleihen bzw. umgekehrt. So sollte es möglich sein, Risiken abzufedern und immer etwas zu finden, womit man Geld verdienen kann. Wie schon angedeutet, ist das Spektrum damit lange nicht erschöpft. Zudem stimmen die klassischen Zusammenhänge kaum noch.

Mit Aktien an Unternehmen beteiligen
Aktien sind grundsätzlich Beteiligungen am Eigenkapital eines Unternehmens. Der Aktionär ist also Miteigentümer, Eigenkapitalgeber. Der Wert der Aktie hat allerdings nicht unbedingt etwas mit dem Wert des Unternehmens zu tun. Eine Aktie verbrieft einen konstanten Anteil am Grundkapital des Unternehmens, sie kann zum Beispiel einen Nennwert von i (Minimum) oder 2,56 Euro (oder 4,00 Schweizer Franken) haben und damit den Anspruch auf 1 bzw. 2,56 Euro des Grundkapitals verbriefen. Allerdings darf man sich das nicht so vorstellen, dass man jederzeit zum Unternehmen gehen und die Aktie gegen Geld oder Gegenstände tauschen könnte. Genauso wenig kann man nach einem offiziellen Kurs Aktien bei dem Unternehmen direkt kaufen. An- und Verkauf gehen immer nur direkt zwischen den Handelspartnern.

Wenn eine Aktie einen Nennwert hat (es gibt auch nennwertlose, so genannte Quotenaktien, dabei ändert sich aber substanziell nichts), dann entspricht dieser nicht dem Preis, zu dem sie gehandelt wird. Normalerweise liegt der Preis weit über dem Nennwert, je nachdem, wie die Wertschätzung von Käufer und Verkäufer für die Aktie ist. Wenn ein Unternehmen erfolgreich arbeitet und Gewinne erzielt, dann steigt das Eigenkapital. Der Kurswert der Aktie wird im Normalfall immer auch den Wert des Eigenkapitals spiegeln. Steigende Gewinne erhöhen die Haftungsmasse des Unternehmens und auch die Fähigkeit, Dividenden zu zahlen.

Damit steigt die Zahlungsbereitschaft für eine Aktie. Den umgekehrten Weg gibt es auch, und so entstehen Kursschwankungen. Aktionäre müssen sich immer der Tatsache bewusst sein, dass durch den Kurswert (den Preis) einer Aktie keinerlei Anspruch begründet wird, diesen Preis irgendwann von irgendjemandem zurückzubekommen. Wenn andere Investoren eine schlechtere Meinung von dem Unternehmen gewinnen, sinkt ihre Zahlungsbereitschaft, nicht selten auch ohne konkrete Gründe.

Daraus ergibt sich, dass Aktienhandel immer auch etwas mit Psychologie zu tun hat. Es gibt zwar Ansätze, einen fairen Wert von Aktien zu bestimmen, doch daran muss sich niemand halten. So kommt es immer wieder vor, dass Aktien eines Unternehmens oder allgemein eine Zeitlang als über- oder unterbewertet gelten, das heißt man stellt fest, dass eine zu positive oder zu negative Stimmung herrscht. Es liegt auf der Hand, dass man zu dem Zeitpunkt kaufen sollte, wenn eine Unterbewertung vorliegt, und verkaufen, wenn eine Überbewertung vorliegt. Man muss sich allerdings der herrschenden Stimmung entziehen, die diese Über- und Unterbewertung hervorruft.

Neben der Kurssteigerung können sich Aktionäre oft noch auf eine Dividendenausschüttung freuen. Damit wird ein Teil des erwirtschafteten Gewinns (hierzulande einmal jährlich, in angelsächsischen Ländern vierteljährlich) an die Aktionäre ausgezahlt. Sie bekommen also einen Barmittelzufluss, ähnlich den Zinsen auf eine Anleihe. Einen Anspruch auf die Dividende gibt es aber nicht, die Ausschüttung kann auch von Jahr zu Jahr unterschiedlich hoch werden. Aber Achtung: Kostet die Aktie eines Unternehmens zum Stichtag (Tag der Hauptversammlung) zum Beispiel 10,00 Euro und wird eine Dividende von 0,30 Euro ausgeschüttet, dann wird bei der Aktie auch der Dividendenabschlag vorgenommen, das heißt sie notiert am Ausschüttungstag 0,30 Euro niedriger, hier bei 9,70 Euro.

Der Aktionär hat damit erst einmal nichts gewonnen, weil er beim Verkauf jetzt die Dividende weniger bekäme. Man geht aber davon aus, dass dieser Abschlag wieder im Laufe der Zeit durch Kurssteigerungen im normalen Handel aufgeholt wird. Sie ist ja auf dem Papier billiger und damit attraktiver geworden. Viele eher konservative Investoren kaufen bevorzugt Unternehmen mit hoher Dividendenrendite, weil sie über eine konstantere Kursentwicklung verfügen. Als Miteigentümer muss sich jeder Aktionär darüber im Klaren sein, dass er auch Risikokapitalgeber ist. Geht es dem Unternehmen schlecht, kommt es zum Beispiel zur Insolvenz, und er geht möglicherweise leer aus. Fremdkapitalgeber sind zuerst am Zug.

Unternehmen Kredit geben durch Anleihen
Als Käufer einer Unternehmensanleihe sind Sie Fremdkapitalgeber. Damit werden Sie rechtlich besser gestellt als der Aktionär, können im Allgemeinen aber mit einer geringeren Rendite rechnen und sind auch nicht ganz frei von Risiken. Neben Unternehmen begeben vor allem Staaten Anleihen, wobei natürlich der Vergleich mit einer Aktie nicht möglich ist. Anleihenbesitzer haben Anspruch auf eine Verzinsung und die Rückzahlung des Nennwerts. Wenn Sie zum Beispiel eine Anleihe am Emissionstag zu 100 Euro kaufen, sie eine Laufzeit von 5 Jahren bei 4 Prozent Zinsen hat, dann erhalten Sie fünf Jahre lang 4 Euro Zinsen und am Ende Ihre 100 Euro zurück. Im Normalfall ist das eine sichere, wenn auch langweilige Sache. Ist der Schuldner ein Staat, der als sehr kreditwürdig eingeschätzt wird (zum Beispiel Deutschland, Frankreich, Niederlande), dann können Sie sich der Rückzahlung sehr sicher sein. Entsprechend werden Sie auch nur mit einem niedrigen Zinssatz entlohnt.

Sind Sie risikofreudiger, können Sie auf Schuldner ausweichen, die einen schlechteren Ruf haben. Dazu gehören bestimmte Arten von Unternehmen und Staaten mit hohen wirtschaftlichen und politischen Risiken. Während Aktionäre sich über ihre Renditevorstellungen erst individuell Gedanken machen müssten, ist dies bei Renten besser geregelt. Ob ein Schuldner (Unternehmen wie Staaten) kreditwürdig ist, wird im Rahmen von Ratings festgestellt. Darum kümmern sich verschiedene Agenturen (zum Beispiel Standard & Poor’s, Moody’s, Fitch) und Banken. Sie bewerten die wirtschaftliche Situation und bestehende Zahlungsverpflichtungen und schätzen damit, inwieweit ein Anleger mit einer zuverlässigen Zinszahlung und Tilgung rechnen kann.

Dadurch kommt es kaum zu Über- oder Unterbewertungen, wie sie am Aktienmarkt üblich sind. Unterschiedliche Anleihen sind leicht untereinander vergleichbar, auch weniger erfahrene Anleger können schnell und recht sicher eine Entscheidung fällen. Jedoch sind auch hier mehr oder weniger vollständige Verluste nicht auszuschließen. Es kann passieren, dass ein Staat den Schuldendienst einstellt, indem er sich für zahlungsunfähig erklärt (wie Ende des Jahres 2001 in Argentinien geschehen). Genauso kann auch ein Unternehmen zahlungsunfähig werden und nicht mehr in der Lage sein, alle Forderungen zu erfüllen. Auch ein Rating ist kein hundertprozentiger Schutz vor Ausfällen.

Wenn man sich vorstellt, dass Zinssätze von drei bis zehn Prozent üblich sind, zurzeit noch eher am unteren Rand, dann ist mit Renten meist weniger zu verdienen als mit Aktien. Interessanter wird es daher, wenn Anleihen nicht nur in der Heimatwährung und nicht nur bei der Emission gekauft und zur Fälligkeit veräußert werden. Sofern die Anleihen börsennotiert sind, haben sie einen täglichen Kurs. Der verändert sich mit der Zinssituation. Werden die Zinsen erhöht, dann ist eine alte Anleihe mit niedrigen Zinsen weniger wert als vorher. Das ist auch logisch: Wer wollte das alte Papier sonst haben, wenn er mit einer neuen Anleihe eine bessere Rendite erzielen könnte? Für den neuen Käufer ist es am Ende egal, ob er eine alte oder neue Anleihe kauft. Ist der Zinssatz niedriger, ist auch der Kurs niedriger.

Der Gesamtertrag ist für den Anleger gleich. Grundsätzlich ist damit der Kauf von Anleihen in Zeiten steigender Zinsen wenig attraktiv. Sinken dagegen die Zinsen, können Kursgewinne erzielt werden, so dass Anleihen besonders attraktiv werden. Nicht zu vergessen sind die Möglichkeiten, Währungsgewinne und -Verluste zu erzielen. Investiert man nämlich in einer Währung, deren Wert steigt, dann kommen zu den Zins- und gegebenenfalls Kurserträgen auch Währungsgewinne. Steigt jedoch unerwarteterweise die Heimatwährung, dann werden diese Erträge schnell zunichtegemacht.

Beton statt Geld: Sicherheit durch Immobilien?
Zu Immobilien haben gerade die Deutschen eine besondere Beziehung. So gilt der Bausparvertrag als Inbegriff der konservativen Geldanlage und kümmern sich Banken und Versicherungen und bis vor kurzem auch der Fiskus intensiv um Häuslebauer, im internationalen Vergleich gibt es jedoch recht wenig Immobilienbesitz. Überdurchschnittlich viele Deutsche leben zur Miete. Zudem wurde als einer der wenigen der deutsche Immobilienmarkt nicht vom Boom der letzten fünf bis zehn Jahre erfasst. Während in den USA und Großbritannien ein Platzen der Immobilienblase nach exorbitanten Preissteigerungen befürchtet wird, gibt es hierzulande Leerstand auf Rekordniveau.

Nichtsdestotrotz wurde vor allem mit dem Rückgang der Aktienkurse seit dem Jahr 2000 kräftig in ein deutsches Unikum investiert, nämlich den offenen Immobilienfonds. Diese Produkte sind inzwischen meist milliardenschwere Dickschiffe des Fondsmarktes und boten zumindest bis 2004 geringe, aber stabile Renditen von vier bis sechs Prozent. Für sicherheitsorientierte Anleger wurden sie zum Standardinvestment. Die Fondsgesellschaften wurden mit Geld zugeschüttet. Fast schon logischerweise kam es zu diversen Krisen und vor allem einem deutlichen Rückgang der Renditen. Es zeichnet sich allerdings ab, dass die Durststrecke überwunden ist und zumindest wieder Stabilität einkehrt, wenn auch noch bei bescheidenen Renditen.

Anteile an offenen Immobilienfonds können genauso gehandelt werden wie die an Aktien- oder Rentenfonds. Der Kreis der Anteilseigner ist somit nicht beschränkt, der Fonds muss auch mit Rückgaben von Anteilen rechnen, die den Bestand gefährden können. Geschlossene Fonds (oft Immobilien, aber auch Containerschiffe) sind meist Personengesellschaften, das heißt der Anteilseigner ist Mitunternehmer. Sein Kapital soll dauerhaft zur Verfügung stehen, ein freier An- und Verkauf von Anteilen nach der Auflage ist nicht vorgesehen (wenngleich nicht unmöglich).

Andere Länder kennen eine besondere Form des Immobilieninvestments, mit dessen Einführung sich die deutsche Politik schwertut. Dort gibt es nämlich die Real Estate Investment Trusts (REITs), die unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich besonders bevorzugt werden. Dabei handelt es sich um Aktiengesellschaften mit in aller Regel sehr hohen Dividendenausschüttungen, die oft bei fünf Prozent und mehr liegen. Auch wenn die starken Kurssteigerungen der letzten Jahre kaum zu wiederholen sein werden, können Anleger immerhin auf die Dividendenrendite setzen, die auch ein kontinuierliches Interesse an den Aktien sicherstellen dürfte.

Auf REITs haben sich eine Reihe von Fonds spezialisiert und ermöglichen so zum Beispiel auch Anlagen in ganz Europa, Amerika oder Fernost. Investoren unterliegen damit nicht dem Risiko einer Beteiligung an einem einzelnen Gebäude, sondern können streuen wie bei einem anderen Fonds auch. Allerdings unterliegen REITs auch Risiken, wie sie bei Aktien üblich sind. Die Kursbildung unterliegt Angebot und Nachfrage, und die orientiert sich mehr am Aktienmarkt allgemein als an der Immobilie.

Mehr Stabilität auf der Ertragsseite versprechen geschlossene Immobilienfonds, über die Anleger in einzelne Objekte investieren können. Meist handelt es sich um Bürogebäude, Einkaufszentren oder Wohnblocks. Sofern diese Objekte gut vermietet werden können, lassen sich oft stabile Renditen erzielen, die über denen offener Immobilienfonds liegen. Allerdings handeln sich Anleger das Risiko ein, dass der Standort nicht dauerhaft erfolgreich ist beziehungsweise auch der Initiator insolvent wird. Nicht zuletzt leiden diese Anlagen meist unter einer hohen Gebührenbelastung, weil die Anteile nicht an der Börse gehandelt, sondern direkt vertrieben werden müssen. Insofern müssen Anleger eine besondere Vorsicht walten lassen.

Verdienen mit Rohstoffinvestments, wenn die Benzinpreise steigen?
Wie bereits erwähnt, erfreuen sich Investitionen in Rohstoffe mindestens seit 2005 großer Beliebtheit. Damit ist für viele Privatanleger die Hoffnung verbunden, eine Art Ausgleich für gestiegene Benzinpreise zu erhalten beziehungsweise allgemein am Rohstoffhunger der wachsenden Weltwirtschaft und insbesondere China teilzuhaben. Wenn man dann hört, dass die Preise einiger Metalle, von Silber und Öl in einem Jahr eine Verdopplung oder sogar noch mehr schaffen, dann wird schnell zum Einstieg geblasen.

Grundsätzlich ist das auch zu verstehen. Es wird jedoch nicht beachtet, dass Rohstoffpreise einer anderen Logik folgen als Aktien oder Rentenkurse. Zwar lassen sich langfristige Trends, meist zu steigenden Preisen, erkennen, jedoch gibt es immer wieder heftige Rückschläge und eine starke Zyklik. Das heißt: Rohstoffpreise sind in der Vergangenheit auch immer wieder zurückgegangen, weil auch die Weltwirtschaft sich immer wieder mal abschwächt. Problem an der ganzen Sache ist, dass es bei Rohstoffen immer Mechanismen gibt, die die Preisentwicklung wieder eindämmen können. Zum einen werden die konjunkturabhängigen Rohstoffe (vor allem Metalle, die für die Produktion verwendet werden, aber auch Öl) bei einem Abflauen der Wirtschaft weniger nachgefragt, was automatisch die Preise drückt. Zum anderen wird die Produktion gesteigert, wenn sich mit Rohstoffen mehr Geld verdienen lässt. Das betrifft auch die Materialen, für die die Nachfrage konstanter ist, etwa Nahrungsmittel oder Baumwolle.

Nun könnte man auf die Idee kommen, dann in Rohstoffe zu investieren, wenn sie gerade historisch billig sind. Mit dem nötigen Vertrauen in Preissteigerungen ließe sich nach mehr oder weniger langer Zeit Geld verdienen. Es sei denn, der historische Tiefstand kommt noch… Beobachtet man Investoren, dann stellt man ein ausgesprochen zyklisches Verhalten fest. Viele kaufen die Rohstoffe, die sich in einem positiven Trend befinden und auf deutliche Preissteigerungen zurückblicken können. Rohstoffe, die sich lange nicht bewegt haben, werden gerne gemieden. Dabei sind es gerade diese, die ein erhebliches Steigerungspotenzial aufweisen. Rohstoffinvestments sind daher oft nicht annähernd so profitabel, wie man es sich gewünscht hätte.

Anders als bei Aktien, für die sich Kennzahlen berechnen lassen mit der Erkenntnis, dass eine Aktie billig oder teuer ist, geht dies bei Rohstoffen nicht. Die Nachfrage kann erheblich schwanken, das Angebot kann mehr oder weniger zufällig steigen oder sinken, das Wetter kann eine Ernte vernichten und schließlich kann Versorgungsangst aufkommen. All dies beeinflusst die Preise, kann sie innerhalb kürzester Zeit um ein paar hundert Prozent in die Höhe treiben, aber auch wieder in sich zusammenfallen lassen. Wenn im Nahen Osten ein Konflikt ausbricht, dann ist für Öl auch ein hoher Preis gerechtfertigt. Wenn die Weltwirtschaft in die Knie geht, dann hilft auch ein deutlicher Preisrückgang nicht, man braucht dann einfach weniger Öl. Selbst wenn sich der Preis halbiert, ist Öl dadurch nicht billig geworden, zumindest gibt es keinen Grund welches zu kaufen. Schließlich ist ja die Nachfrage so gering.

Anleger müssen vor allem auch beachten, dass jeder Rohstoff eigenen Gesetzen folgt. Insofern kann man durchaus von einer guten Diversifikationsmöglichkeit sprechen, ohne jedoch die Gewissheit zu haben, damit dauerhaft Geld verdienen zu können. Daher muss stets beachtet werden, was Angebot und Nachfrage beeinflusst und welche Störfaktoren auftreten können. Nach all dem stellt sich die nicht ganz unbedeutende Frage, wie man in Rohstoffe investieren kann. Sie müssen sie nicht direkt kaufen, benötigen also keine Lagerflächen, müssen Ihr Wohnzimmer nicht mit Schweinebäuchen und Kupferdraht teilen. Sinnvoll investierbar sind Rohstoffe, die an einer Börse gehandelt werden. Sollte Ihnen jemand Rohstoffanlagen außerhalb der Börsen andrehen wollen, sollten Sie ausgesprochen vorsichtig sein. Solche Geschäfte sind schwer durchschaubar, die Preisbildung ist intransparent und einem Betrug sind Tür und Tor geöffnet.

Gibt es den Böisenhandel und entsprechende Futures (das sind Terminkontrakte, also Versprechen, etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vereinbarten Preis zu zahlen), kann auch ein Produkt für Privatanleger gezimmert werden. Sie müssen also nicht selbst an einer Warenbörse tätig werden bzw. dürfen dies auch gar nicht. Es gibt aber inzwischen eine Vielzahl von Zertifikaten, über die Sie an der Preisentwicklung von Rohstoffen teilhaben können. Deren Preise variieren mit den Kursen an den Terminbörsen, sind aber nicht nur davon abhängig. Der Teufel steckt jedoch auch hier im Detail. So kann es passieren, dass Sie trotz steigender Kurse nicht gewinnen oder nicht in dem Maße, wie die Kurse steigen. Wer weiß schon (vorher), dass das Preisverhältnis zwischen lang- und kurzfristigen Kontrakten eine wesentliche Rolle spielt?

Zudem weiß man oft nicht so ganz genau, worin man eigentlich investiert. So gibt es eine ganze Reihe von Rohstoffindizes, die aber jeweils unterschiedlich zusammengesetzt sind. Wer nicht auf ein bestimmtes Material wie etwa Zink, Silber, Baumwolle oder Öl setzen will, investiert besser in einen umfassenden Index. Leider hat jeder Index eine andere Zusammensetzung, so dass man mitunter so stark auf Öl ausgerichtet ist, dass man auch gleich ein entsprechendes Zertifikat nehmen könnte. Der Vorteil ist dann zumindest, dass es sich lohnt, sich mit dem Markt zu beschäftigen.

Die Palette der investierbaren Rohstoffe wird kontinuierlich erweitert. Neben verschiedenen Indizes, mit denen Sie mehr oder weniger gut gestreut in praktisch alle Kategorien investieren können, gibt es die wichtigsten Energieträger, Produktionsmaterialien, Lebensmittel, Textilrohstoffe oder auch Spezialitäten.
Nicht alle Rohstoffe sind aber sozusagen liquide, das heißt es kommt zu starken Preisschwankungen, wenn sich die Nachfrage nur leicht ändert. Dabei entstehen oft hohe Ausschläge nach oben, die Anleger in Scharen anlocken, nur um kurz danach wieder nach unten zu stürzen, um eben diese Anleger zu verärgern. Nur wenige Rohstoffe wie Öl oder Weizen werden in so großen Volumina gehandelt, dass solche Kurskapriolen unwahrscheinlich sind.

Eine besondere Rolle spielt das Gold, das zwar auch in der industriellen Produktion verwendet wird, im Wesentlichen jedoch ein Angst-Anlageobjekt ist. So flüchten viele Anleger in das Gold, wenn sie ihrer Währung nicht trauen und mit erheblichen Kursverlusten rechnen. Dem Gold trauen sie eine höhere Stabilität und Wertsicherung zu. Ob dieses Vorgehen in irgendeiner Form sinnvoll ist, kann kaum abschließend gesagt werden. Die einen vertrauen auf Gold, die anderen verweisen auf die sinkende Bedeutung für die Weltwirtschaft. Dass Gold als Schmuck unverändert beliebt ist, mag ein gewisses Gefühl der Sicherheit verleihen. Wenn Ihnen jemand irgendeine Goldspekulation anbietet, weil in Indien gerade Hochzeitssaison ist und für Schmuck viel Gold gebraucht wird, dann sagen Sie ihm doch, dass Sie lieber in Kaffee investieren, weil Sie gerade ganz fürchterlichen Kaffeedurst haben.

Investoren sollten aber auch daran denken, dass Rohstoffe nicht nur über entsprechende Futures zu haben sind, sondern auch über Aktien der rohstofffördernden Unternehmen. In der letzten Zeit war dies die bessere Alternative. Zudem erhält man über unterschiedliche Fonds leichten Zugang zu dem Segment. Da einige Unternehmen gleich in mehreren Bereichen tätig sind, besteht die Möglichkeit der Diversifikation schon mit einer Aktie. Wer es riskanter mag, kann aber auch in einzelne Goldminen investieren.

Nicht so einfach wie im Urlaub:
Handeln mit Währungen
Wer das Risiko mag und auch in anderen Bereichen Chancen suchen will, kann in Währungen investieren. Wenn man bedenkt, dass eine Währung innerhalb eines Jahres ohne Weiteres um 20 oder 30 Prozent steigen kann, sind Investitionen in Währungen eine Überlegung wert. Dies gilt auch für die Tatsache, dass Kursstürze um 20 bis 30 Prozent innerhalb von wenigen Tagen möglich sind. Eine Möglichkeit, auf Währungen zu setzen, besteht darin, Geld auf ein Währungskonto einzuzahlen und zu warten, bis sich diese Währung bewegt. Einfacher kann es sein, einen Geldmarktfonds in der Zielwährung zu kaufen, zumal dann auch Zinserträge anfallen. Allerdings ist das Angebot an Geldmarktprodukten in fremden Währungen gering. Sie konzentrieren sich meist auf die großen Währungen Dollar, Pfund und Yen.

Für Investitionen in Schwellenlandwährungen bieten sich so genannte Zins-Zertifikate an. Dabei handelt es sich meist um Produkte, die an die Kursentwicklung von Geldmarktpapieren gekoppelt sind. Durch die kurze Laufzeit sind diese Papiere kaum von Leitzinsänderungen abhängig, so dass neben einer geringen Verzinsung vor allem Wechselkurschancen und -risiken bestehen.
Wer es etwas riskanter mag, kann Optionen auf eine Währung kaufen. Damit kann man sowohl von steigenden als auch fallenden Währungen profitieren, hat aber auch das Risiko des Totalverlusts. Im Allgemeinen sollten Privatanleger von solchen Dingen die Finger lassen, weil die Risiken unkalkulierbar sind. Die Verlockung von Währungsoptionen ist groß, zumal man auch dann Geld verdienen kann, wenn alle anderen Anlageklassen sich nach unten verabschieden. Jedoch sind Profis nicht mit einer halbwegs akzeptablen Trefferwahrscheinlichkeit in der Lage, Wechselkursentwicklungen einzuschätzen. Einen Sinn haben Währungsoptionen dann, wenn Aktien- oder Rentenanlagen gegen Währungsverluste abgesichert werden sollen. Dann kann man sie als eine Art Versicherungsprämie betrachten.

Keine Bremse fürs Depot: ABS
Noch ziemlich unbekannt in Deutschland sind ABS als Anlageobjekt. Das sind Asset Backed Securities, was für die Verbriefung von Vermögenswerten steht. Anders gesagt: Ein Unternehmen macht aus einem Teil seines Vermögens ein Wertpapier, das es dann verkauft. Der Vorteil: Das Unternehmen bekommt sofort Geld und kann damit arbeiten. Einen Sinn ergibt das natürlich nur, wenn die Vermögensposition nicht aus Geld besteht, sondern eine Forderung gegenüber Dritten darstellt. Daher werden vor allem Kredite und andere finanzielle Forderungen verbrieft. Der Käufer dieses Wertpapiers (einer ABS) hat als Sicherheit die Forderung gegenüber dem Dritten und erhält vom Verkäufer einen Zins. Dieses Geschäft ist praktisch unabhängig von der aktuellen Situation am Rentenmarkt, so dass die Zinssätze gering, aber sehr stabil sind und zudem kein Kursrisiko besteht.

Eine andere Spielart der ABS, die häufig stillschweigend dazugezählt wird, sind die Mortgage Backed Securities. Dabei handelt es sich um nichts anderes als um Mietansprüche, die in Form eines Wertpapiers verkauft werden. Auch hier hat der Emittent den Vorteil der sofortigen Liquidität. ABS sind umso interessanter, je niedriger die Zinsen sind. Das führte in den letzten Jahren zu einem Wettlauf um die besten ABS mit entsprechenden Auswirkungen auf die Rendite. Man kann gegenwärtig nicht reich werden damit, hat aber eine Alternative zu Geldmarktpapieren.