Neue Kraftwerksstrategie: Deutschland und EU finden gemeinsamen Kurs
Deutschland und die Europäische Union haben sich auf eine neue Kraftwerksstrategie verständigt und damit einen zentralen Baustein für die zukünftige Stromversorgung des Landes festgelegt. Die Vereinbarung sieht vor, ab 2026 neue Kraftwerkskapazitäten mit einer Gesamtleistung von 12 Gigawatt auszuschreiben. Im Mittelpunkt stehen dabei Anlagen, die zunächst mit Gas betrieben werden und später auf klimafreundliche Alternativen umgestellt werden können.
Die Einigung gilt als wichtiger Durchbruch, da sie Planungssicherheit in einer Phase schafft, in der Deutschland gleichzeitig aus der Kohleverstromung aussteigt und den Anteil erneuerbarer Energien massiv ausbaut.
Versorgungssicherheit in einem volatilen Energiesystem
Mit dem zunehmenden Ausbau von Wind- und Solarenergie steigt auch der Bedarf an flexiblen Kraftwerken, die einspringen können, wenn Wetterbedingungen die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen begrenzen. Genau hier setzt die neue Kraftwerksstrategie an.
Die Bundesregierung betont, dass die geplanten Ausschreibungen nicht nur kurzfristig Engpässe vermeiden sollen, sondern langfristig die Stabilität des Stromnetzes sichern. Eine verlässliche Stromversorgung gilt dabei als Grundvoraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie.
Großteil der neuen Kapazitäten für dauerhafte Leistung
Von den insgesamt 12 Gigawatt sollen rund 10 Gigawatt so ausgelegt sein, dass sie über längere Zeiträume Strom liefern können. Diese sogenannten gesicherten Leistungen sind entscheidend, um auch bei hoher Nachfrage oder geringer Einspeisung aus erneuerbaren Energien ausreichend Strom bereitzustellen.
Zwar wird ein Großteil dieser Kapazitäten voraussichtlich durch Gaskraftwerke abgedeckt, doch die Strategie ist bewusst technologieoffen formuliert. Entscheidend ist weniger der heutige Brennstoff als die Fähigkeit, zuverlässig und flexibel Strom zu erzeugen.
Wasserstoff als langfristige Perspektive
Ein zentrales Element der neuen Strategie ist die Verpflichtung, dass die Kraftwerke spätestens bis 2045 vollständig mit Wasserstoff betrieben werden können. Damit sollen sie mit dem deutschen Ziel der Klimaneutralität in Einklang stehen.
Gleichzeitig lässt der Plan den Betreibern Spielraum. Der Umstieg auf Wasserstoff soll nicht zu festen Zeitpunkten erzwungen werden, sondern sich an der Verfügbarkeit von Infrastruktur und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen orientieren.
Beihilferecht noch nicht abschließend geklärt
Trotz der politischen Einigung sind noch nicht alle formalen Schritte abgeschlossen. Die beihilferechtliche Prüfung der staatlichen Unterstützung ist noch im Gange, und die endgültige Genehmigung durch die Europäische Kommission steht noch aus.
Erst nach dieser finalen Zustimmung kann die Kraftwerksstrategie vollständig umgesetzt werden. Die Bundesregierung geht jedoch davon aus, dass die verbleibenden Verfahren erfolgreich abgeschlossen werden.
Energieversorger drängen auf Investitionssicherheit
Die großen deutschen Energieversorger verfolgen die Entwicklungen mit großem Interesse. Unternehmen wie :contentReference[oaicite:0]{index=0}, :contentReference[oaicite:1]{index=1} und :contentReference[oaicite:2]{index=2} hatten seit Längerem auf klare politische Signale gewartet.
Milliardeninvestitionen in neue Kraftwerke sind nur dann realistisch, wenn Betreiber davon ausgehen können, dass sich der Betrieb wirtschaftlich trägt. Die nun vorgestellte Strategie wird daher als wichtiger Schritt hin zu mehr Planungssicherheit gesehen.
Uniper lobt pragmatischen Ansatz
Uniper-Chef Michael Lewis bezeichnete die Einigung als dringend notwendigen Schritt, um die Energiewende bezahlbar und umsetzbar zu gestalten. Besonders positiv bewertete er, dass Betreiber flexibel entscheiden können, wann der Wechsel zu Wasserstoff erfolgt.
Diese Offenheit soll verhindern, dass zu starre Vorgaben Investitionen verzögern oder unnötige Kosten verursachen.
Weitere Ausschreibungen bereits vorgesehen
Die Ausschreibung über 12 Gigawatt im Jahr 2026 ist nicht das Ende der Planungen. Das Bundeswirtschaftsministerium kündigte an, in den Jahren 2027 sowie 2029/2030 weitere Ausschreibungen für neue Kraftwerkskapazitäten zu starten.
Auch diese Anlagen sollen spätestens 2031 einsatzbereit sein und das Stromsystem in einer Übergangsphase stabilisieren.
Fazit: Brückentechnologie mit langfristiger Wirkung
Die neue Kraftwerksstrategie markiert einen Balanceakt zwischen Versorgungssicherheit, Klimaschutz und wirtschaftlicher Realität. Gasbasierte Kraftwerke sollen kurzfristig Stabilität liefern und langfristig den Übergang zu einer wasserstoffbasierten Energieversorgung ermöglichen.
Ob dieser Ansatz erfolgreich ist, hängt davon ab, wie schnell Ausschreibungen umgesetzt werden, Investitionen folgen und die notwendige Infrastruktur für Wasserstoff entsteht. Klar ist jedoch: Mit der Einigung zwischen Deutschland und der EU liegt erstmals ein belastbarer Rahmen für diesen Übergang vor.
FAQ
Worum geht es bei der neuen Kraftwerksstrategie?
Deutschland und die Europäische Union haben sich auf einen Plan geeinigt, neue Kraftwerkskapazitäten aufzubauen, um die Stromversorgung langfristig abzusichern. Kern der Strategie ist der Bau neuer, flexibel einsetzbarer Kraftwerke als Ergänzung zu erneuerbaren Energien.
Wie viel neue Leistung soll aufgebaut werden?
Geplant ist eine Ausschreibung über insgesamt 12 Gigawatt neuer Kraftwerkskapazität, die im Jahr 2026 starten soll. Weitere Ausschreibungen sind für die Jahre danach vorgesehen.
Welche Art von Kraftwerken ist geplant?
Der Schwerpunkt liegt zunächst auf gasbetriebenen Kraftwerken. Die Strategie ist jedoch technologieoffen gestaltet, solange die Anlagen zuverlässig Strom liefern können.
Warum spielen Gaskraftwerke eine zentrale Rolle?
Gaskraftwerke können flexibel betrieben werden und schnell einspringen, wenn Wind- und Solarenergie nicht ausreichend verfügbar sind. Sie gelten daher als wichtige Brückentechnologie in der Energiewende.
Müssen die neuen Kraftwerke später auf Wasserstoff umgestellt werden?
Ja. Spätestens bis 2045 sollen die neuen Anlagen vollständig wasserstofffähig sein, um mit Deutschlands Ziel der Klimaneutralität in Einklang zu stehen.
Ab wann sollen die neuen Kraftwerke Strom liefern?
Die Anlagen sollen spätestens ab dem Jahr 2031 in Betrieb gehen und zur Stabilisierung des Stromsystems beitragen.
Warum ist die Kraftwerksstrategie jetzt notwendig?
Deutschland steigt schrittweise aus der Kohleverstromung aus und baut erneuerbare Energien stark aus. Um Versorgungslücken zu vermeiden, werden zusätzliche gesicherte Kapazitäten benötigt.
Welche Rolle spielt die Europäische Kommission?
Die Europäische Kommission muss die Strategie, insbesondere im Hinblick auf staatliche Beihilfen, final genehmigen. Erst danach können die Ausschreibungen vollständig umgesetzt werden.
Wie reagieren die großen Energieversorger?
Unternehmen wie RWE, Uniper und EnBW begrüßen die Einigung grundsätzlich, da sie mehr Planungssicherheit für Investitionen in neue Kraftwerke schafft.
Werden weitere Ausschreibungen folgen?
Ja. Neben der Ausschreibung 2026 sind weitere Vergaberunden für 2027 sowie 2029/2030 geplant, ebenfalls mit dem Ziel, die Kapazitäten bis 2031 bereitzustellen.
Was bedeutet die Strategie für Verbraucher und Industrie?
Langfristig soll sie eine stabile und bezahlbare Stromversorgung sicherstellen. Davon profitieren sowohl private Haushalte als auch energieintensive Industriebetriebe.
Ist die neue Kraftwerksstrategie ein dauerhafter Ersatz für Kohle?
Nein. Sie ist als Übergangslösung gedacht, die Versorgungssicherheit gewährleistet, während der Umbau hin zu einem klimaneutralen Energiesystem weiter voranschreitet.
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