35 Millionen Euro im Fokus: Deutschland verschärft Vorgehen im libanesischen Finanzskandal
Die Affäre rund um den ehemaligen Gouverneur der libanesischen Zentralbank, Riad Salameh, zieht immer weitere Kreise – und Deutschland spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Staatsanwaltschaft München hat beim zuständigen Landgericht beantragt, Vermögenswerte im Gesamtwert von rund 35 Millionen Euro endgültig einzuziehen. Dabei handelt es sich um Immobilien in München und Hamburg sowie um Unternehmensanteile an einer Düsseldorfer Immobiliengesellschaft.
Die Objekte waren bereits im Rahmen eines umfassenden Geldwäscheverfahrens beschlagnahmt worden. Nun soll gerichtlich geklärt werden, ob sie dauerhaft eingezogen werden können.
Internationale Ermittlungen gegen Ex-Zentralbankchef
Seit mehreren Jahren ermitteln europäische Behörden gegen Salameh und weitere Beschuldigte. Neben Deutschland führen auch Frankreich und Luxemburg Untersuchungen durch. Im Raum steht der Verdacht, dass hohe zweistellige Millionenbeträge – möglicherweise sogar hunderte Millionen Euro – aus öffentlichen Mitteln der libanesischen Zentralbank veruntreut und anschließend über komplexe Strukturen nach Europa transferiert wurden.
Im Zentrum der Ermittlungen steht die Firma Forry Associates, die vom Bruder Salamehs kontrolliert worden sein soll. Nach Darstellung der Ermittler sollen über dieses Unternehmen rund 330 Millionen Euro an Provisionen geflossen sein, die letztlich aus öffentlichen Geldern stammten. Die Brüder bestreiten sämtliche Vorwürfe und weisen jede Form von Fehlverhalten zurück.
Was genau wurde in Deutschland beschlagnahmt?
Bereits im Februar 2024 hatte die Münchner Staatsanwaltschaft drei gewerblich genutzte Immobilien in München und Hamburg mit einem geschätzten Gesamtwert von etwa 28 Millionen Euro sichergestellt. Hinzu kamen Unternehmensanteile im Wert von rund sieben Millionen Euro an einer Immobiliengesellschaft mit Sitz in Düsseldorf.
Die Gesamtsumme der gesicherten Vermögenswerte beläuft sich damit auf rund 35 Millionen Euro. Im Januar 2026 stellten die Ermittler den formellen Antrag auf Einziehung beim Landgericht München. Sollte das Gericht dem Antrag stattgeben, würden die Vermögenswerte dauerhaft dem Zugriff der Beschuldigten entzogen.
Ungewisse Zukunft der Vermögenswerte
Ob und wie die eingezogenen Vermögenswerte verwendet würden, ist derzeit offen. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht zu möglichen Szenarien. Allerdings haben die libanesischen Behörden bereits signalisiert, dass sie eine Rückführung der Gelder anstreben.
Der Libanon kämpft seit dem Finanzkollaps im Jahr 2019 mit einer tiefgreifenden wirtschaftlichen Krise. Die Staatskassen sind stark belastet, die Währung hat massiv an Wert verloren, und ein Großteil der Bevölkerung leidet unter drastisch gesunkenen Lebensstandards. Eine mögliche Rückführung beschlagnahmter Gelder könnte daher auch politische und symbolische Bedeutung haben.
Parallelverfahren im Libanon
Unabhängig von den deutschen Ermittlungen läuft im Libanon ein eigenes Strafverfahren gegen Salameh. Ihm werden unter anderem Veruntreuung öffentlicher Gelder, Urkundenfälschung und unrechtmäßige Bereicherung vorgeworfen. Der langjährige Zentralbankchef war rund 13 Monate in Haft und wurde nach Zahlung einer Kaution in Höhe von 14 Millionen Euro freigelassen.
Er befindet sich weiterhin im Libanon, unterliegt einem Ausreiseverbot und betont seine Unschuld. Sein Anwalt erklärte gegenüber Medien, man werde die Vorwürfe juristisch anfechten und belegen, dass es sich bei den beschlagnahmten Investitionen um rechtmäßig erworbene private Mittel handele.
Ermittlungen vorläufig ausgesetzt – Unschuldsvermutung gilt
Die Münchner Staatsanwaltschaft teilte zudem mit, dass das Ermittlungsverfahren vorläufig ausgesetzt wurde, da sich einige Beschuldigte derzeit nicht auffinden lassen. Dennoch bleibt das Einziehungsverfahren bestehen.
Wichtig ist: Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt die Unschuldsvermutung. Die Beschuldigten gelten juristisch weiterhin als unschuldig.
Ein Fall mit internationaler Signalwirkung
Der Fall zeigt eindrucksvoll, wie eng Finanzströme und Vermögenswerte heute international verflochten sind. Geldwäsche-Ermittlungen überschreiten längst nationale Grenzen, und europäische Behörden gehen zunehmend konsequent gegen mutmaßlich unrechtmäßig erworbene Vermögenswerte vor.
Ob das Münchner Gericht der Einziehung zustimmt, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Der Fall Salameh ist längst mehr als ein nationales Verfahren – er steht exemplarisch für die juristische Aufarbeitung internationaler Finanzskandale.
FAQ
Worum geht es in dem Verfahren in Deutschland?
Die Staatsanwaltschaft München beantragt die Einziehung von Vermögenswerten im Wert von rund 35 Millionen Euro. Diese stehen im Zusammenhang mit einem internationalen Geldwäscheverfahren gegen den ehemaligen Gouverneur der libanesischen Zentralbank und weitere Beschuldigte.
Welche Vermögenswerte wurden beschlagnahmt?
Beschlagnahmt wurden drei Gewerbeimmobilien in München und Hamburg sowie Unternehmensanteile an einer Düsseldorfer Immobiliengesellschaft. Der Gesamtwert liegt bei etwa 35 Millionen Euro.
Was bedeutet „Einziehung“ konkret?
Eine Einziehung bedeutet, dass Vermögenswerte dauerhaft staatlich eingezogen werden, sofern ein Gericht feststellt, dass sie aus rechtswidrigen Handlungen stammen oder im Zusammenhang mit Straftaten stehen.
Ist Riad Salameh in Deutschland angeklagt?
Nein. In Deutschland läuft ein Vermögenseinziehungsverfahren im Rahmen von Geldwäsche-Ermittlungen. Separate strafrechtliche Anklagen bestehen im Libanon.
Was passiert mit dem Geld, wenn das Gericht die Einziehung genehmigt?
Das ist derzeit offen. Möglich wäre, dass die Vermögenswerte dem deutschen Staat zufallen oder – bei entsprechender internationaler Abstimmung – an den Libanon zurückgeführt werden.
Warum ermitteln mehrere europäische Länder?
Die mutmaßlichen Geldflüsse sollen über verschiedene europäische Finanz- und Immobilienmärkte gelaufen sein. Daher führen auch Frankreich und Luxemburg eigene Untersuchungen durch.
Gilt die Unschuldsvermutung?
Ja. Bis zu einer rechtskräftigen gerichtlichen Entscheidung gelten alle Beschuldigten als unschuldig. Die Vorwürfe werden derzeit juristisch geprüft.
Welche Bedeutung hat der Fall international?
Der Fall zeigt, wie eng internationale Finanzsysteme vernetzt sind und wie grenzüberschreitend Geldwäsche-Ermittlungen heute geführt werden. Er hat daher über den Einzelfall hinaus politische und rechtliche Signalwirkung.
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