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Warren Buffett – der Bescheidene

Warren Buffett, Jahrgang 1931, ist der zweitreichste Mann der Welt. Niemand hat je allein mit Aktien ein so riesiges Vermögen aufgebaut: etwa 36 Milliarden Dollar (Stand: Juni 1999). Wer 1956 mit 10 000 Dollar angefangen hätte, ihm in seinen Investitionen und Entscheidungen zu folgen, wäre 1998 mit 150 Millionen Dollar Multimillionär gewesen.

Buffett zeigt seinen Megareichtum jedoch nicht. Er trägt schlecht sitzende Anzüge, liebt Fast Food und Coca-Cola mit Kirschgeschmack, die er auch selbst einkaufen geht, er fährt sein Auto selbst, und einmal die Woche gönnt er sich ein Essen im Steakhouse. Buffett lebt noch heute in einem einfachen Haus in Omaha (Nebraska), das er vor 33 Jahren für 31 500 Dollar gekauft hat. Dort im Schlafzimmer und auf der Sonnenterrasse begannen seine Geschäfte, die ihn erfolgreich und berühmt machten.

Buffett pflegt auch keine kostspieligen Hobbys. In den letzten 17 Jahren genehmigte er sich nur ein Jahresgehalt von 100 000 Dollar. Damit ist er einer der am schlechtesten bezahlten Firmenchefs und Manager mit dem besten Gehalt-Performance-Verhältnis. Buffett hat drei Kinder, den Großteil seines Vermögen will er jedoch gemeinnützigen Zwecken zukommen lassen.

Das tägliche Auf und Ab der Kurse, Marktstimmungen und Charts hat Buffett nie interessiert. Seine Investmentstrategie war stets langfristig angelegt. Buffett folgt ausschließlich wertorientierten Anlageprinzipien, so wie er es von seinem Professor Benjamin Graham an der New Yorker Columbia University gelernt hatte. Auf kurze Sicht ist die Börse eine Wahlurne, auf lange Sicht eine Waage, sagte Graham seinen Schülern.

1965 übernahm Buffett die Kontrolle des damals maroden Textilunternehmens Berkshire in New England, der Aktienkurs lag bei unter 20 Dollar. Heute ist daraus eine Investmentholding geworden, und ihr Aktienkurs betrug im März 2000 etwa 42 000 Dollar, damit war es das teuerste Papier an der New Yorker Börse. Das lange Festhalten Buffetts an den gekauften Werten machte die Aktien seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway zu einer der renditeträchtigsten Kapitalanlagen der zurückliegenden 35 Jahre.

Berkshire Hathaway war eine Zeit lang im Prinzip ein geschlossener Investmentfonds. Heute ist die Gesellschaft ein Versicherungskonzern mit einem größeren Aktienbesitz und einigen skurrilen unternehmerischen Aktivitäten, darunter eine Milchbarkette, Schuhgeschäfte und ein Juwelier, aber auch ein Möbelhaus im Stil von Ikea. Gut 70 Prozent der operativen Erlöse kommen inzwischen aus dem Rückversicherungsgeschäft. Kerngesellschaften sind der Rückversicherer General Re, der Ende 1998 zugekauft wurde, sowie Geico, einer der beiden führenden Direktversicherer Amerikas. Berkshire macht keine Werbung und wird nicht einmal in den Blue-Chip-Listen erwähnt. Buffets Erfolgsstrategie lässt sich verhältnismäßig einfach beschreiben: Er kauft in schlechten Zeiten zu niedrigen Preisen und verkauft fast nie. Er kauft nur Aktien, von deren Unternehmen er überzeugt ist, achtet dabei auch auf Konkurrenten und wichtige Einflussfaktoren und deren Wirkungsweisen. Seine Vorliebe gilt deshalb Markenartiklern mit globalem Potenzial wie American Express, Coca-Cola oder Gillette. Voraussetzung für einen Kauf war für ihn stets, dass der innere Wert eines Unternehmens unter dessen Marktpreis liegt.

Die Zahl seiner Verehrer ist nach wie vor enorm. Der Pilgerzug zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway in Omaha (Nebraska), dem Geburtsort Buffetts, ist jedes Jahr rund 10 000 Aktionäre lang. Buffett macht es inzwischen richtig Spaß, ein Guru zu sein und seine Erfolgsrezepte zu predigen.

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