Deutschland-Initiative: 631 Mrd. € von Siemens, Deutscher Bank & Co. bis 2028

„Made for Germany“: Milliardenoffensive von Siemens, Deutsche Bank und weiteren Konzernen soll Vertrauen in den Standort Deutschland stärken

Während Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft lauter werden, setzen 61 führende Unternehmen ein klares Zeichen für Optimismus und Erneuerung. Gemeinsam haben sie angekündigt, bis 2028 Investitionen in Höhe von insgesamt 631 Milliarden Euro in Deutschland zu tätigen. Mit dabei sind große Namen wie Siemens und die Deutsche Bank, aber auch eine Vielzahl weiterer Schlüsselakteure aus Industrie, Finanzwesen und Technologie. Ihr Ziel: Den Industriestandort Deutschland wieder attraktiv und zukunftssicher zu machen – unter dem programmatischen Titel „Made for Germany“.

Am Montagabend wird die Initiative offiziell Bundeskanzler Friedrich Merz sowie Finanzminister Lars Klingbeil vorgestellt. Die Botschaft ist deutlich: Die Wirtschaft ist bereit, ihren Teil zu leisten – nun müsse auch die Politik liefern. Gefordert werden vor allem schnellere Genehmigungen, weniger bürokratische Hürden und stärkere staatliche Unterstützung für Forschung, Digitalisierung und Infrastruktur.

Investitionen mit langfristiger Perspektive

Die gewaltige Summe von 631 Milliarden Euro umfasst neben direkten Kapitalinvestitionen auch umfangreiche Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Darüber hinaus beinhaltet sie auch Zusagen von internationalen Investoren, die wieder Vertrauen in den deutschen Markt fassen sollen. Wie hoch der Anteil neu geplanter Investitionen ist und wie viel bereits länger vorgesehen war, wurde bislang nicht konkret aufgeschlüsselt – doch die Signalwirkung bleibt klar: Deutschlands Schlüsselindustrien wollen handeln, nicht abwarten.

Roland Busch, Vorstandsvorsitzender von Siemens, betonte gegenüber dem Handelsblatt die Notwendigkeit enger Abstimmung mit der Politik. Besonders bei Infrastrukturprojekten sei Tempo gefragt: Genehmigungsverfahren müssten deutlich beschleunigt werden. Auch der Arbeitsmarkt steht unter Druck – vor allem der akute Fachkräftemangel erfordert schnelle und wirksame Gegenmaßnahmen. „Wir brauchen alle an Bord“, so Busch.

Politische Spielräume und neue Prioritäten

Parallel zur Initiative der Wirtschaft öffnet auch die Bundesregierung neue finanzielle Spielräume: Eine Reform der Schuldenregeln sowie die Einrichtung eines Sonderfonds für Infrastrukturprojekte ermöglichen milliardenschwere Investitionen in Zukunftsthemen. Der Staat will verstärkt in Bereiche wie Digitalisierung, Energiewende, Schienenverkehr und Bildung investieren – ein Schulterschluss zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft scheint nun greifbarer denn je.

Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, bewertet die Initiative positiv – mahnt aber zur Zurückhaltung: „Es ist zweifellos ein wichtiges Signal. Entscheidend wird aber sein, ob daraus eine langfristige, tragfähige Entwicklung entsteht oder ob es bei einem schuldenfinanzierten Impuls bleibt, der schnell verpufft.“

Ruf nach Vertrauen und Erneuerung

Erste Details der Initiative waren bereits Anfang Juli durch eine Reuters-Meldung bekannt geworden. Sie zielt nicht nur auf konkrete Investitionen ab, sondern auch auf die Wiederherstellung des Vertrauens internationaler Kapitalgeber. In Zeiten wachsender Kritik an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland soll „Made for Germany“ ein Gegengewicht setzen – und neue Zuversicht vermitteln.

Ob das gelingt, hängt jedoch nicht allein von den Unternehmen ab. Auch die Politik steht nun unter Zugzwang, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen – von Steuerpolitik über Energieversorgung bis hin zur Innovationsförderung. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob aus der Ankündigung ein nachhaltiger Aufbruch entsteht – oder ob es bei einer symbolischen Geste bleibt.