Börse für Anfänger – Talentschuppen Börse

Während seines Wirtschafts- und Politikstudiums jobbte Pierre Drach (Jahrgang 1966) als Aktienhändler bei dem Makler Ballmaier & Schultz an der Frankfurter Börse. Als es ihm zu stressig wurde, setzte er seine Idee von einer Aktienanalyseabteilung (Research) durch und hatte bald acht Mitarbeiter. Das hieß für den 27-jährigen Studenten Drach: 40 Stunden Uni – 40 Stunden Research.

Zwei Jahre später – genau vor dem deutschen Aktienboom — wurde der Bereich von Drach ausgegliedert und die Independent Research (IR) gegründet, mit Drach als Geschäftsführer. Die neue Geschäftsidee vom bankenunabhängigen, bezahlten Research wurde ein Erfolg. Das ist Drachs Konzept: Er konstruiert ein Angebot nach dem Baukastenprinzip; jeder kann sich das Passende zusammenstellen.

Die Analystenrunde, ein heiß begehrtes Börsen-Wochenblatt, ist das Basisprodukt. Zusatzinfos gibt’s per Fax oder E-Mail. Institutionelle Kunden werden bei neuen Firmennachrichten beraten; für Neuemissions- Kandidaten schrieb er etliche der rund 150 Emissionsstudien im Jahr.

Drachs Erfolg: Der Umsatz verdoppelte sich seit 1995 jedes Jahr.

Es zahlt sich immer aus, den Trend zu verfolgen, meint Drach. Am Neuen Markt sind seiner Ansicht nach viele Werte sehr hoch bewertet. Dort setzt er nur auf Marktführer und lässt die Finger von solchen Firmen, bei denen die Umsetzbarkeit ihrer Geschäftsstrategie fragwürdig ist. Nicht die Ergebnisverbesserung, sondern die Umsatzsteigerung im Quartal zählt für ihn.

Drach sieht Aktien als gute Altersvorsorge. Eine Steuerfreiheit bei allen Aktienanlagen wäre seiner Ansicht nach ein Anreiz gerade für Kleinanleger, mehr Mut am Aktienmarkt zu zeigen und auch kurzfristiger zu investieren.

Man muss dem Vorstandschef in die Augen schauen können, ist eine seiner Maximen beim Aktienkauf. Vor allem sollte man unterbewertete Aktien suchen, interessante Werte aus der zweiten Reihe mit einem überzeugenden Unternehmenskonzept und mit Übernahmefantasien. Drach setzt auf Marktführer mit guten Investor Relations und Shareholder-Value.

Pierre Drach gilt privat als sparsam, fast geizig. Er habe seinen Nissan Sunny nur gegen einen Mercedes SL getauscht, weil der Steuerberater mehr Kosten sehen wollte, heißt es. Wassili Papas (Jahrgang 1970) ist gebürtiger Grieche. Er studierte in den USA Betriebswirtschaft und machte im Alter von 22 Jahren als Jahresbester den Abschluss. Nebenbei hat er Philosophie studiert, was ihm nach eigenen Worten heute mehr nützt als die ganze Betriebswirtschaftslehre.

Er arbeitete zunächst in New York bei der Credit Suisse First Boston als Analyst des First Boston Special Situations Fonds, einem Hedge-Fonds, der sich auf Wertpapiere und Unternehmen mit finanziellen Schwierigkeiten spezialisiert hatte. Ein Jahr später wechselte er als Senior Analyst zu Value Management & Research in Königstein bei Frankfurt, einer Kapitalanlagegesellschaft, die institutionelles und Privatkundenvermögen verwaltet. Seit 1996 managt er bei der Union Investment GmbH deutsche und internationale Fonds mit mittleren und kleinen Aktien.

Mit 29 Jahren managte Papas schon sechs Aktienfonds bei der Völks- und Raiffeisenbank-Fondsgesellschaft Union Investment. Vier bis fünf Millionen Euro bewegte er täglich. Von seinem Büro in Frankfurt verwaltete er über 1,7 Milliarden Euro. Sein Erfolg mit den Fonds EuroAction Midcap und UniDynamic Europa brachte ihm die zweimalige Ehrung zum Fondsmanager 1998 der Zeitschrift Finanzen. Und 1999 wurde er mit dem Standard & Poor’s Award ausgezeichnet, was sozusagen der Oscar der Investmentbranche ist. Mittlerweile wacht Papas über mehr als 5 Milliarden Euro Kundengelder. Papas lebt total in der Börsenwelt. Morgens Punkt sieben liest er das Wall Street Journal und die Börsenzeitung. Er arbeitet täglich zehn Stunden, oft auch am Wochenende. Entspannung findet er bei Waldspaziergängen, beim Joggen oder Schwimmen. Über sein Privatleben redet er nicht, weil er angeblich keines hat.

Papas hat eine Vorliebe für Aktien von Gesellschaften, die nach ihrer Marktkapitalisierung zu den 100 größten europäischen Unternehmen zählen. Das tägliche Kursgeschehen interessiert Papas weniger, vielmehr setzt er auf langfristige Trends. Hightechaktien sollte man seiner Ansicht nach längerfristig halten, weil sie für Spekulationen zu schnelllebig seien. Grundsätzlich hält er wenig von kurzfristigen Anlagen. So macht er für das Desaster am Neuen Markt auch das Verhalten institutioneller Anleger mit kurzfristigen Engagements verantwortlich. Dabei zitiert Papas gern Warren Buffett: Wer eine Aktie nicht im Bewusstsein kauft, sie mindestens zehn Jahre zu halten, der sollte sie auch keine zehn Minuten besitzen.

Die Anlagestrategie von Papas beruht auf einer fundierten Analyse von Markt und Branche. So versucht er die richtigen Wachstumswerte möglichst frühzeitig aus dem Angebot herauszufiltern. Papas hat einen ganz klaren Auswahlprozess, der in fünf Stufen abläuft. Erstens: Wie ist die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells, wie die strategische Positionierung, und ist es ein Markt mit möglichst großen Wachstumschancen? Zweitens: Wie ist die Managementqualität? Drittens: Internes Wachstum gilt als Qualitätssiegel und nicht Wachstum allein durch Akquisitionen. Viertens prüft Papas die Bilanzierungsmethode. Dann erst folgt die Bewertung der Aktie. Die von ihm präferierten Aktiengesellschaften sollten zum Beispiel ein deutlich größeres Gewinnwachstum pro Aktie vorweisen als branchenüblich. Bei denen, die noch mit Verlusten arbeiten, stehe im Vordergrund, wann mit welchen Gewinnen zu rechnen sei. Die Medizin- und Biotechnologiebranche ist Papas zu risikoreich, auch die Medien- und Telekommunikationswerte interessieren ihn nicht, dagegen die Informationstechnologie-Software und der Internet-Infrastrukturbereich.

Eckard Sauren (Jahrgang 1971) gilt als der erfolgreichste Dachfondsmanager Deutschlands. Dachfonds sind Investmentfonds, deren Vermögen ganz oder vorwiegend in Anteilen anderer Fonds angelegt sind. Er wurde in Aachen geboren, machte eine Ausbildung zum Datenverarbeitungskaufmann und ist seit 1991 selbstständiger Unternehmensberater. Er gründete die Sauren Finanzdienstleistungen. Der Sauren Global Growth hat ein Volumen von 120 Millionen Euro und schaffte innerhalb eines Jahres eine Rendite von 48,2 Prozent.

Saurens Erfolgsrezept ist, Fonds genau zu analysieren und mehr zu wissen als andere. Dem Privatanleger rät er, in allen Regionen und Branchen zu investieren, um so das Risiko zu streuen.

Sascha Hirsch (Jahrgang 1970) ist seit 1997 bei der Dresdner-Bank- Tochter Deutsche Investment Trust als Spezialist für europäische kleine und mittlere Unternehmen erfolgreich tätig. Er betreut als Fondsmanager den DIT Spezial und als Ko-Fondsmanager den DIT Neue Märkte Europa. DIT Spezial verwaltet ein Volumen von 196 Millionen Euro und erreichte innerhalb eines Jahres eine Performance von 56,8 Prozent.

Hirsch steht nicht gern im Vordergrund, er weist immer auf sein Team hin, die anderen Fondsmanager und die Analysten, die Hirsch zu seinen Gesprächen mit den Managern der Unternehmen mitnimmt. Ungefähr 300 davon führt er pro Jahr. Hirsch setzt auf fundamentale Fakten. Zunächst sieht er sich den Markt an, danach das Management. Zum Schluss folgt ein Blick in die Bilanz, er- prüft, ob das Ergebnis dynamisch wächst.

 

Über den Dingen stehen

André Kostolany (1906 – 1999) war besonders in Deutschland und Frankreich eine der bekanntesten und bedeutendsten Persönlichkeiten im Zusammenhang mit der Börse. Und selbst jetzt, einige Jahre nach seinem Tode, steht sein Name noch als Markenzeichen für das, was man Börsenkultur nennen kann.

Eigentlich wollte der geborene Ungar Kunstkritiker werden. Schon mit zwölf Jahren begann seine Börsenkarriere in Wien, nachdem seine wohlhabende Familie in den Wirren nach dem Ersten Weltkrieg aus Budapest fliehen und einen großen Teil ihres Vermögens zurücklassen musste. Dann ging es weiter nach Paris, das für ihn bis zu seinem Tode mit einigen Unterbrechungen zur eigentlichen Heimat wurde. Dort assistierte er dem erfolgreichen Börsenmakler Adrien Perquel und wurde bald selbst zum Spekulanten.

1930 stürzte die Pariser Börse in die Tiefe, und Kostolany hatte auf der richtigen Seite investiert. Auf einen Schlag war er reich und hatte, wie so oft, entgegen der allgemeinen Meinung Recht behalten mit seiner Baissespekulation. Nur seine Kollegen und Freunde waren plötzlich arm. Aber schon vier Jahre später, in der anschließenden Hausse, verlor er sein Vermögen wieder fast bis auf den letzten Pfennig. Man wollte Anfang 1934 sogar seine Möbel versteigern.

Da entschloss er sich, eher zwangsweise, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten. Eine neue Erfahrung, die ihm so gut gefiel, dass er entschied, dabei zu bleiben, wie er selbst schreibt. Er wurde Makler. 1936 verdiente er bereits 150 000 Franc, das entspräche, an der Kaufkraft gemessen, heute etwa einer Viertelmillion Dollar. Bereits mit Mitte 30 war er bereits Generaldirektor, Präsident und Hauptaktionär der G. Ballai and Cie Financing Company.

Dann kam die Flucht vor den Nationalsozialisten nach Amerika. Mit 200 000 Dollar (heutiger Wert etwa 4 Millionen Dollar) begab er sich erneut ins Börsengeschäft. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er zurück nach Europa. Weil nicht alle Geschäfte so gut liefen wie erwartet, begann er Zeitschriften und Bücher zu schreiben sowie Seminare abzuhalten. 1957 erschien sein erstes Buch, das noch kein Bestseller war wie die späteren. Bis zu seinem Lebensende schrieb er für französische Zeitschriften, den NDR und die Capital monatliche Börsenkolumnen. Von Ruhestand wollte er nichts wissen.

1,5 Millionen Menschen haben seine polemisch-bissigen Bücher gelesen. Tausende ließen sich ein Kostolany-Börsenwochenende 1000 Euro kosten. In Frankreich wurde er für seine Leistungen mit dem Orden Ritter der französischen Ehrenlegion ausgezeichnet. Mit seinem scharfen Verstand und seinen Erfahrungen aus den Weltkriegen und Wirtschaftskrisen schaffte Kostolany sich einen auskömmlichen Lebensstandard. Dauerhaften Reichtum gewann er nicht – und wollte er wohl auch nicht, denn er war mit Leib und Seele Spekulant, der allerdings mit zunehmenden Alter immer weiser wurde. Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet allerdings nicht, Multimillionär zu sein. Jemand mit geringen Lebensansprüchen kann auch schon mit einem sehr kleinen Vermögen finanziell unabhängig sein-, sagte der große Meister einmal selbst. Bei meinen Geschäften habe ich zu 49 Prozent falsch und zu 51 Prozent richtig gelegen. Diese 2 Prozent haben den Erfolg ausgemacht.

Hauptberuf Börsen-Guru
Bodo Schäfer (Jahrgang I960) traf mit seinem Buch Der Weg zur finanziellen Freiheit. In sieben Jahren die erste Million 1998 genau den Nerv der deutschen Nation. Jeder wollte schnell reich werden, und wenn ihm dafür einfache Rezepte geboten wurden, umso besser. Wie er selbst zu seinem Vermögen gekommen ist, verschleiert Schäfer gern dezent, sagt aber umso deutlicher, dass er als 26-Jähriger auf einem großen Schuldenberg gesessen hat.

Aber es geht ihm auch gar nicht um seine finanzielle Situation, sondern um die finanzielle Situation seiner Mitmenschen. Und die möchte er als so genannter Money Coach nachhaltig verbessern. Gegen seine Rezepte ist nichts einzuwenden. Sie sind mehrheitlich von ganz solider Natur. Allerdings hat sich bei seinem Auftritt in einer Sendung im Hessischen Rundfunk gezeigt, dass die konkreten Ratschläge, Geld in bestimmte Fonds zu investieren, nicht unbedingt von Erfolg gekrönt waren. Auch hier sollte sich der private Anleger also lieber auf sein eigenes Gespür verlassen.

Ob man nun unbedingt immer einen 1 OOO-Euro-Schein in der Brieftasche tragen, ob man als Vegetarier leben und auf Schlaf verzichten sollte, um mehr Bücher zu lesen, sei dem persönlichen Geschmack überlassen. Dass auch nicht jeder in sieben Jahren die erste Million zusammenhaben wird, dürfte ebenfalls den meisten klar sein. Aber so genau nimmt’s ja auch niemand. Es reicht schon das schöne Gefühl, es möglicherweise schaffen zu können.

Börse für Anfänger – Verschärfte Regeln an Neuen Markten

Nach heftiger Kritik durch die Aktionärsschützer hat die Deutsche Börse zum Jahresanfang 2001 ihre Regeln für den Neuen Markt verschärft. Wichtigste Neuerung ist die Einführung einer Meldepflicht für Geschäfte mit Aktien der eigenen Gesellschaft. Die Unternehmen selbst und die Insider, das sind die Vorstände und Aufsichtsräte, müssen seit März unverzüglich, spätestens aber innerhalb von drei Tagen veröffentlichen, wenn sie Aktien der eigenen Gesellschaft kaufen oder verkaufen. Außerdem müssen sie beim Börsengang im Emissionsprospekt einzeln aufschlüsseln, wie viele Aktien ihrer Firma sie besitzen. Vorher musste nur die Gesamtzahl genannt werden. In den USA gehen die Regeln noch weiter. Da müssen Insider Aktienverkäufe sogar vor der Transaktion anmelden. Man will mit dieser Neuregelung verhindern, dass Insider ihre Aktien einfach verkaufen, bevor sie Informationen, die sich negativ auf den Kurs auswirken könnten, ad hoc mitteilen, und nur die anderen Aktionäre nachher die Verluste hinnehmen müssen.
Investmentfonds können mit ihren großen Aktienpaketen auch die Kurse beeinflussen. Sie sind jedoch von der Meldepflicht für Wertpapier geschälte nicht betroffen. Aktionärsschützer hoffen, dass dieses mit Verabschiedung des vierten Finanzmarktförderungsgesetzes geschehen wird.

Seit Januar 2001 werden auch strengere Maßstäbe an die Quartalsberichte der Unternehmen am Neuen Markt gelegt und Verstöße harter bestraft. Quartalsberichte sind jetzt umfangreicher geworden; es ist eine standardisierte Form vorgeschrieben, und sie müssen bestimmte wichtige Kennzahlen enthalten. Außerdem müssen Quartalsberichte die Bilanz für den Berichtszeitraum enthalten sowie die Anzahl der Aktien, die vom Unternehmen, den Vorständen und Aufsichtsräten gehalten werden. Volker Potthoff, Mitglied des Vorstands der Deutsche Börse AG, sagte, man wolle mit den Neuerungen wieder ein Zeichen für das Qualitätsmerkmal Transparenz setzen, das den Erfolg des Neuen Marktes ausmache. Allerdings wies er auch darauf hin, dass das Regelwerk weder sinkende Kurse noch Fehlverhalten der Vorstände verhindern könne. Die neue Form der Quartalsberichte biete eine bessere Vergleichbarkeit. Das stimmt sicher. Aber Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Für den Kleinaktionär wäre es besser, wenn auch vorgeschrieben wird, dass die Quartalsberichte von Wirtschaftsprüfern testiert werden müssen, das brauchen sie nämlich nach der jetzigen Rechtsprechung, auch nach der Verschärfung, nicht.

Halten die Unternehmen die Vorgaben für die Quartalsberichte nicht ein oder liefern sie diese nicht innerhalb von 60 Tagen, dann wird das im Internet unter neuer-markt*com veröffentlicht, und die Börse behält sich zusätzlich vor, die Aktiengesellschaft abzumahnen, mit einem Bußgeld von bis zu 100 000 Euro zu belegen oder auch vom Neuen Markt auszuschließen. Dies ist Ende Februar 2001 erstmalig geschehen. Der zuständige Ausschuss der Börse hat der Gigabell AG die Zulassung zur Börsennotierung entzogen. Begründet wird dieser Schritt damit, dass das Unternehmen den Bericht für das dritte Quartal 2000 trotz mehrfacher Mahnungen nicht vorgelegt hat. Gigabell hatte im Herbst als erstes Unternehmen am Neuen Markt Insolvenz angemeldet. Eine Übernahme durch einen finnischen Internetprovider platzte. Wenn die Gigabell-Aktie mit Ablauf des 23. Februar den Neuen Markt verlässt, rückt sie nicht automatisch in das Börsensegment des geregelten Marktes. Dazu müsste sie zusammen mit einem zugelassenen Kreditinstitut erst einen Antrag stellen.

Den Aktionärsschützern gehen die Verschärfungen der Bestimmungen des Neuen Marktes noch nicht weit genug. Sie fordern, dass wie in den USA Aktienkäufe bereits vorher angemeldet werden müssen, dass die Lock-up-Periode verlängert wird und dass die Zulassungsbedingungen für Börsenkandidaten am Neuen Markt verschärft werden.

Ad-hoc-Meldungen: gut gemeint, oft schlecht gemacht
In der schönen neuen Aktienwelt gibt’s das Wort unverzüglich oder ad hoc. Auch wer beim Latinum geschlafen hat, zuckt an der Börse bei einer Ad-hoc-Meldung zusammen, wenn die – von wem auch immer – über den Bildschirm flattert. Sonne oder Gewitter? Schon wieder eine Gewinnwarnung oder diesmal was Positives? Vorstand und Investor-Relations- Abteilung formulieren sie, die Gesellschaft für Ad-hoc-Publizität in Frankfurt bringt sie unters Volk: an Nachrichtenagenturen, Zeitungen, Funk und TV. Damit alle gleichzeitig informiert sind und – wie auch immer – handeln können. Alles im Sinne des fairen Anlegerschutzes und genau geregelt. Bei Ankündigungen mit gravierenden Kursfolgen (Verlust- oder Gewinnansage, Fusionsabsichten, drastische Strukturänderungen im Unternehmen) sicherlich auch zweckmäßig.

Oder auch nicht. Was heißt denn erhebliche Kursrelevanz? Schon wenn im Vorstand Stühle gerückt werden, wenn Aufträge kommen oder storniert werden, eine Tochtergesellschaft verkauft, saniert, was immer wird? Könnte ja alles erhebliche Auswirkungen auf den Kurs haben, wenn ein Großauftrag abgesagt, der Finanzvorstand gegangen wird oder Ähnliches. Die Unsicherheit jedenfalls ist seit der Einführung groß. Auch beim Bundesaufsichtsamt, das sich bei Anfragen bedeckt hält und sich höchstens hinterher äußert, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.

Etwa beim Börsenwert Borussia Dortmund, der ad hoc die Krankheit eines Stürmerstars mit dem Hinweis meldete, er leide an einem Gehirntumor. Das erregte und rührte die ganze Nation: eine Ad-hoc-Meldung über eine Veränderung eines Vermögenswerts in der Bilanz. Doch – es ist ein Mensch und keine Maschine! Muss das sein? Nein, es muss nicht, sagt das Amt. Krankmeldung ja, denn ein wichtiger Aktivposten der Aktiengesellschaft Borussia fällt aus. Das reicht, die Art der Erkrankung ist Intimsphäre.

Solche Klarstellungen wünscht sich die Börse öfter, sonst würden nicht Meldungen ins Kraut schießen, die Marketingabteilungen massenhaft als ad hoc, also höchst wichtig ansehen: Wir haben eine neue Software, unsere Telefontarife werden gesenkt oder am nächsten Montag kommen Analysten zu uns ins Haus. Toll, alles mit erheblicher Kursrelevanz. Die für Anleger wichtigsten Informationen, nämlich die Prognosen, dürfen leider nicht Inhalt von Ad-hoc-Meldungen sein. Genau die wären’s aber, denn an Börsen wird ausschließlich Zukunft gehandelt. Nur neue Tatsachen, die einer objektiven Klärung zugänglich sind, machen den Kohl nicht fett. Die Ad-hoc-Regelung ist wichtig, aber offen für Missbrauch und daher stark verbesserungsfähig.

Ob es früher, zu Zeiten des Börsenaltmeisters André Kostolany, als es noch keine Ad-hoc-Meldungen gab, besser um Informationen bestellt war? Für die Presse und für viele der Börsenteilnehmer auf jeden Fall interessanter. Es gab immer was zu hören und zu sagen, was andere noch nicht wussten. Heute reduziert sich das Parkettgeflüster oft auf belanglose Informationen oder eben nur Gerüchte. Kursrelevante Informationen müssen allen gleichzeitig zur Verfügung gestellt werden. Wer hat also heute noch einen Informationsvorsprung? Selbst wenn man einen Manager der zweiten Reihe anruft, heißt es: Sony, wir vom Führungskreis dürfen die Informationen aufgrund der Gesetzgebung des Wertpapierhandels nicht nach draußen geben. Also: Auch der normale Mitarbeiter eines Unternehmens ist Insider, darf nichts ausplappern. Wenn’s wichtig ist und es kommt raus, wird er verknackt.

Nur ein Verweis an die Pressestelle oder an die Abteilung Investor Relations ist erlaubt. Nur die sind befugt, etwas zu sagen.

Die Zahl der Ad-hoc-Meldungen ist im Jahre 2000 geradezu explodiert. 1995 verzeichnete das Bundesamt für den Wertpapierhandel gerade einmal 1001 Ad-hoc-Meldungen, 1999 waren es schon 3 417 und 2000 genau 5 693- In sechs Fällen hat das Bundesaufsichtsamt im Jahr 2000 wegen falscher Angaben Bußgelder verhängt, 1999 waren es zwei. Die meisten eingeleiteten Verfahren enden mit einer Einstellung.

Nach der Krise am Neuen Markt fühlen sich inzwischen auch Politiker für die Kleinanleger verantwortlich. Die vom Bundeskanzler im Sommer 2000 eingerichtete Grundsatzkommission Corporate Governance sollte ursprünglich Regeln für Firmenübemahmen und moderne Unternehmensführung aufstellen. Nun hat sie die Aufgabe bekommen festzustellen, ob die Rechte der Kleinanleger nicht auch per Gesetz gestärkt werden müssen. Die Mitglieder der Kommission – Banker, Börsenmanager, Aktionärsschützer, Vorstände börsennotierter Unternehmen, Juristen und Politiker -, sind sich bisher keinesfalls einig. Vor allem die Banker und Börsianer fürchten eine Überregulierung. Auch das Deutsche Aktieninstitut ist der Ansicht, dass keine Gesetzesänderungen nötig sind, es reiche eine bessere Durchsetzung der bestehenden Regeln. Rüdiger von Rosen, Chef des Deutschen Aktieninstituts, fordert eine starke Börsenaufsicht nach dem Muster der amerikanischen SEC.

Arthur Levitt, ehemaliger Chef der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission), gilt als Anwalt der Investoren. Er verfolgte vor allem ein Ziel: den Aktienhandel für Privatanleger transparenter zu machen. Aus diesem Grund hat er sich auch viele Feinde an der Wall Street gemacht.

In seinen acht Amtsjahren hat Levitt für den Kleinanleger gekämpft. Dabei hat er den Fondsmanagern und Analysten das Leben schwer gemacht, vor allem denjenigen, die im Fernsehen ihre Tipps zum Besten gaben. Er hat sich auch mit den führenden amerikanischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften angelegt, weil diese immer mehr in das Beratungsgeschäft eingestiegen sind, anstatt ihrer Prüfungsaufgabe nachzugehen. Eine von ihm eingeführte SEC-Regelung verbietet den Wirtschaftsprüfern zwar nicht ganz die (besser als die Prüfung bezahlten) Beratungsgeschäfte, erschwert aber ziemlich stark die Verknüpfung beider Mandate.

Kurz vor seinem Abtritt hat Levitt noch eine ganze Reihe von Regeln zur Verbesserung der Transparenz beim Aktien- und Fondskauf eingeführt. So schaffte er das Privileg der Wertpapieranalysten ab, von den Unternehmen vorher mit kursrelevanten Informationen versorgt zu werden. Den Fondsgesellschaften drückte er einige neue Vorschriften auf, die dem Anleger helfen, Fonds besser vergleichen zu können.

George Soros — der Undurchschaubare

George Soros wurde 1930 als Dzjehdzhe Shorash in der ungarischen Hauptstadt Budapest geboren. Nach seiner Flucht vor den Kommunisten studierte der Ungar in London Karl Poppers. Als Broker und Analyst verschiedener Effektenhäuser wurde er 1956 in den USA sesshaft.

1967 sorgte er dafür, dass bei seinem Arbeitgeber Arnhold & Bleichroeder unter seiner Leitung der konventionelle Eagle Fund aufgelegt wurde. 1969 folgte dann außerhalb der USA der Hedge-Fonds Double Eagle. Mit seinem Partner Jim Rogers, einem brillanten Analysten, machte sich Soros 1973 mit dem Soros Fund Management selbstständig. Er übernahm im Team die Rolle des Traders.

Mit seinen hoch riskanten Hedge-Funds spekulierte er auf kurzfristige Entwicklungen. Die Kernstrategie ist das Shortselling: Er verkauft Aktien, die er nicht besitzt, auf Termin, in der Hoffnung, sie am Stichtag billiger als zu seinem Verkaufskurs erwerben zu können. Heute verwaltet die Soros Fund Management sechs zusammen 70 Milliarden schwere Off-shore-Hedge-Funds. Das Fachmagazin Institutional Investor feierte Soros 1981 als besten Anleger der Welt.

Anfang der achtziger Jahre hatte er 25 Millionen Dollar. Das reichte ihm eigentlich. Und als sein Quantum-Fonds 100 Millionen Dollar schwer war, beschloss er, dass er genug Geld habe. Kurz vor der Jahrtausendwende soll Soros 5 Milliarden US-Dollar besessen haben. George Soros ist Argentiniens größter Grundbesitzer (etwa 400 000 Hektar) und Viehzüchter (160 000 Stück), er besitzt die größten Einkaufszentren in Buenos Aires, Hotels und Firmenbeteiligungen. In Mexiko investierte er 1,3 Milliarden US-Dollar in den Bau eines Büro-, Hotel- und Apartmentkomplexes.

Soros ist aber nicht Großinvestor und Fondsmanager, er ist auch Philanthrop und Philosoph. Er unterbreitete Margaret Thatcher und George Bush Vorschläge zur Gestaltung der weltwirtschaftlichen Finanzbeziehungen und sprach vor dem US-amerikanischen Kongress. Das kapitalistische Weltsystem ist von Finanzkrisen erschüttert und buchstäblich am auseinanderbrechen … ich bin fest überzeugt, dass wir grundlegende Veränderungen brauchen.

Bei dem Hearing über die internationale Wirtschaftskrise vor dem Ausschuss für Banken des amerikanischen Kongresses forderte der gefürchtete Investor und Spekulant Eingriffe in den Kapitalmarkt, warnte vor einem Zusammenbruch des globalen Finanzsystems und – als dessen Folge – vor dem des internationalen freien Handels, wenn man weiterhin der kapitalistischen Ideologie des freien Marktes folgt. Soros verdiente durch die Abwertung des britischen Pfunds im Europäischen Währungssystem 1992 eine Milliarde Dollar. Soros warnte: Wenn Leute wie ich ein Währungsregime stürzen können, stimmt etwas mit dem System nicht. Da ich mit Derivaten und anderen künstlichen Produkten eine erhebliche Hebelwirkung entfalten kann, könnte es passieren, dass ganz automatisch eine Kettenreaktion in Gang kommt und der Markt zusammenbricht.

Über verschiedene Stiftungsnetzwerke und -Organisationen versucht er, fast die halbe Erdkugel zu einer neuen Marktwirtschaft zu reformieren. Es scheint, als wolle der mächtige Soros mit seinem pragmatisch-philan- trophischen Engagement seine eigene Gesellschaftsordnung gründen. Im ukrainischen Czernowitz lehren englische, deutsche und österreichische Professoren die Mechanismen der offenen Gesellschaft. Der Börsenmanager stellte 1992 dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen 50 Millionen Dollar für die Einwohner von Sarajewo zur Verfügung. 1996 war er der großzügigste amerikanische Spender, als er 360 Millionen US-Dollar für legale Einwanderer spendete.

Während Greenspan sich von Zahlen verzaubern lässt und ihnen immer neue Informationen abgewinnt, die anderen Menschen offensichtlich verborgen bleiben, Buffett der typische Vertreter des amerikanischen Mittelstands ist, der mit einfachen Rezepten, Durchhaltevermögen und Vertrauen in die soliden amerikanischen Grundwerte den Traum vom Reichtum verwirklicht hat, ist Soros der kühle Stratege, der einerseits gnadenlos die Schwächen des kapitalistischen Systems bis an die Grenzen des Möglichen zu seinem Vorteil ausbeutet und andererseits mit seinem Vermögen und seinem Einfluss für die Begrenzung dieser Möglichkeiten kämpft. Auf dem berühmten Weltwirtschaftsforum in Davos saß er zwar auf der Seite der Mächtigen dieser Welt, engagierte sich aber für die Ziele der Demonstranten gegen eine Globalisierung, in der das reiche Zentrum das gesamte System kontrolliert.

Es gibt wohl kaum drei Persönlichkeiten, die so unterschiedlich sind wie Greenspan, Buffett und Soros, und doch sind sie es, die das Universum der Finanzen entscheidend mitbestimmen und nach deren Denken und Handeln sich Hunderttausende anderer Menschen richten. Für die ist die Börsenweisheit the trend is your friend sicher richtig. Es bedarf schon ganz außergewöhnlicher Informationen, um die amerikanische Wirtschaffsentwicklung begründet anders einzuschätzen als Greenspan, es bedarf guter Gründe, gegen die soliden Unternehmen Buffetts zu spekulieren, und es ist sicher nicht falsch, über die Auswüchse eines Systems nachzudenken, das man bis in die Details so gut kennt wie Soros.

Börse für Anfänger – guter Rat der Börsengurus

Gurus haben unter echten Börsenfachleuten längst keine so große Konjunktur wie in der breiten Masse der Kleinanleger. Irgendwann hat jeder Guru mal Recht, heißt es unter den Profis, nur weiß man leider vorher nicht, wann. Hinterher ist natürlich jeder schlauer. Erstaunlich ist auch, dass bei vielen Gurus das Erfolgserlebnis schon ziemlich lange zurückliegt. Besonders die Vorhersage des Crashs vom Oktober 1987 hat viele berühmt gemacht. Andererseits hatten manche von den Jung-Gurus damals noch nicht mal das Abitur in der Tasche und finden heute manchmal mehr Beachtung als Leute mit 30 Jahren Erfahrung. Man muss also auch etwas dafür tun, damit der Ruhm nicht verblasst, wie einige Beispiele zeigen.

Unter den von anderen so bezeichneten und verherrlichten Börsengurus sind erstaunlich viele, die überhaupt keinen Wert auf diese Bezeichnung legen und sogar strikt davon abraten, dem Rat von Gurus zu folgen. Das sind natürlich hauptsächlich jene, die davon leben, ihre Erkenntnisse selbst zu nutzen und in harte Währung umzuwandeln, bevor sie anderen davon erzählen. Aber auch die Zahl deren, die sich lieber auf den Ratgeberseiten der Zeitschriften, im Buchhandel oder in Seminarsälen tummeln, wächst. Die Gurus sind eben ein buntes Völkchen.

Das Gespür der Frauen für Geld
Man sagt immer, Frauen würden sich im Gegensatz zu den Männern mehr auf ihr Gefühl verlassen und auch bei Aktiengeschäften eher aus dem

Bauch heraus entscheiden. Auf die beiden wichtigsten amerikanischen weiblichen Gurus und auch auf unsere deutsche Spitzenfrau trifft das keineswegs zu. Es fällt auf, dass diese drei Frauen im Gegenteil wesentlich mehr Wert auf Zahlen legen als die männlichen Gurus.

Die kleine, stille, stets unauffällig und konservativ gekleidete Abby Joseph Cohen (Jahrgang 1953) ist Chefanalystin bei Goldman Sachs und einer der meistrespektierten Gurus der Wall Street, ln der Rangliste des US-Wirtschaftsmagazins Fortune hat sie es auf einen der ersten zehn Plätze der einflussreichsten Frauen der US-Unternehmenswelt geschafft. Ihr Berufsleben startete sie in der Abteilung Forschung und Statistik der US- Zentralbank Fed, kam dann zur Fondsgesellschaft T. Rowe Price und dem Investmenthaus Drexel Burnham Lambert. Seit 1990 bei Goldman Sachs, wurde sie im Crash-Herbst 1998 dort Partner und gehört damit zum innersten Führungskreis.

Seit fast zehn Jahren sagt Abby Cohen steigende Aktienkurse voraus, und ihr Daueroptimismus gibt ihr meist Recht. Kein Wunder, dass sie in den USA zur Kultfigur geworden. Sie hat nicht nur den Riecher für das, was sich an der Börse tun wird, sondern auch die Gabe, Zusammenhänge einfach und verständlich zu erklären.

Den Crash im Herbst 1998 begründete sie damit, dass die Anleger immer mehr auf Kredit investiert hatten. Wegen der damit verbundenen wachsenden Forderungen der Geldgeber mussten viele Anleger wertvolle Positionen verkaufen, was dann zu den kräftigen Kursrückgängen führte. Den Grund dafür, dass die Kursschwankungen an der Wall Street heute stärker sind als früher, sieht Cohen darin, dass die US-Werte vor ein paar Jahren unterbewertet waren und deshalb auch gern länger gehalten wurden. Heute sind sie mit einem fairen Preis bewertet und werden häufiger verkauft, was also zu stärkeren Kursschwankungen führt.

Abby Cohen rechnet für ihre langfristigen Analysen mit bis zu zwölf verschiedenen mathematischen Modellen und konzentriert sich mehr auf den S&P-500-Index als auf den Dow Jones, weil dieser aus ihrer Sicht das beste Börsenbarometer für den US-Aktienmarkt ist. Sie bevorzugt Branchen, die von der jeweiligen Konjunkturlage profitieren.

Elaine Garzarelli (Jahrgang 1947) analysiert seit mehr als 20 Jahren die Börse. Die diplomierte Volkswirtin hatte einige Semester mit Alan Green- span studiert. Wie er hat sie eine Leidenschaft für Zahlen. Sie promovierte in Statistik. Zum Guru wurde sie ganz plötzlich, als sie den Börsencrash 1987 voraussagte. Danach lag sie auch mit der Prophezeiung der Baisse von 1990 sowie der Hausse von 1995 richtig. Seitdem hieß sie nur die Kassandra der Wall Street. Ein Jahr später lag sie dann mit ihrer Prognose voll daneben. Sie blies zum Ausstieg, aber die Börse erlebte ihre längste Boomphase.

Zehn Jahre war Elaine Garzarelli Marktstrategin beim Investmenthaus Lehman Brothers. Als ihr Investmentfonds von 1989 bis 1994 nur 38 Prozent zulegte, während der Dow Jones in dieser Zeit um 74 Prozent stieg, endete die Zusammenarbeit ziemlich abrupt und Elaine Garzarelli geriet vorübergehend in Vergessenheit. Kurz darauf machte sie sich mit ihrer Vermögensverwaltungsfirma Garzarelli Capital Inc. selbstständig.

Mittlerweile betreut sie Kundengelder von über einer Milliarde Dollar. Sie ist regelmäßig in Fernsehmagazinen präsent, in Sendungen wie ABC Good Morning America, CNBC The Nightly Business Report, CNN Moneyline und Fox Business News. Jeweils zwei Wochen eines Monats recherchiert Garzarelli für ihre Monatsreports, die sie dann anschließend ihren institutionellen Klienten präsentiert.

Sie benutzt ihre Garzareil¡-Indikatoren, um das zeitliche Verhalten der Börse vorherzusagen und lukrative Branchen zu identifizieren. Dieses System hat sie in über zehn Jahren entwickelt. Es basiert auf 14 Indikatoren aus der Gewinnerwartung, der Geldpolitik, der fundamentalen Aktienbewertung sowie der Stimmung am Markt.

Elaine Garzarelli wurde als eine der erfolgreichsten Marktstrateginnen der USA vom Fortune Magazine als Business Wömen of the Year ausgezeichnet. Ans Aufhören denkt Garzarelli, die in New York und Florida wohnt, selbst nach 20 Jahren Wall Street noch nicht. Aussteigen will sie erst mit 80, da bisher jeder Versuch, sich ein ruhiges Leben zu machen, gescheitert ist.

Das sind Elaine Garzarellis Erfolgstipps: Bevorzugen Sie Staatsanleihen mit zweijähriger Laufzeit, kurzfristig rückzahlbare Geldmarktpapiere, die Branchen Banken, Pharma, Halbleiterindustrie und Lebensmittel, da deren Produkte immer, auch in einer Rezession gebraucht werden. Von Auto- und Textilwerten die Finger weg. Elisabeth Weisenhorn (Jahrgang 1957) studierte in München Volkswirtschaft und lernte bei Kostolany die Geheimnisse des Börsengeschäfts. Nach Stationen bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank und an der Wall Street ging sie zur Deutsche Bank Fondgesellschaft DWS, wo sie seit 1991 das Fondsmanagement für europäische Aktien leitete. Mit ihrem Fonds erreichte sie eine traumhafte Wertsteigerung von 125 Prozent pro Jahr.

Im März 2000 hat sie sich selbstständig gemacht, gemeinsam mit fünf Partnern gründete sie die Weisenhorn & Partner Financial Services, darunter ihr Bruder Johann Weisenhorn, Exvorstand bei Merrill Lynch in Wien. Er ist für amerikanische Fonds verantwortlich, sie für europäische. Dabei betreut sie weiterhin den Neuer-Markt-Fonds der DWS. Gemeinsam verwalten die Geschwister Aktiendepots vermögender Privatkunden, und zwar für den stolzen Satz von 10 Prozent Gewinnbeteiligung.

Elisabeth Weisenhorn gilt als Topfrau der deutschen Fondsszene, will sich aber nicht als Guru verstanden sehen. Guru sei jemand, dem man blind vertraut. Genau das aber sollen ihre Anleger nicht tun. Als ihr Erfolgsrezept nennt sie, dass sie sich streng und ausschließlich an die nackten Zahlen hält. Die Fakten zählen, nicht der persönliche Eindruck. Die Anleger sollten analytisch und langfristig handeln, vor allem sei es wichtig zu diversifizieren.

Börse für Anfänger – Welt Indizes

Um Sie nicht zu langweilen, will ich Ihnen aus der Vielzahl der vorhandenen Indizes nur die wichtigsten europäischen und amerikanischen kurz vorstellen.

Europa ist im Kommen
Im EuroStoxx 50 sind die Aktien der 50 größten europäischen Unternehmen zusammengefasst. Es handelt sich vor allem um traditionsreiche Unternehmen, aber auch um einige Hightechwerte. Der EuroStoxx 50 misst die Entwicklung der Börsen im ganzen Euroland und nimmt deshalb mit Hinblick auf die Europäische Währungsunion an Bedeutung zu. Vielleicht wird er auch einmal die vielen nationalen Indizes ablösen.

Der CAC 40 umfasst die 40 umsatzstärksten Aktien an der Pariser Börse, gemessen an ihrer Börsenkapitalisierung, und der FTSE 100 die 100 nach der Börsenkapitalisierung größten Unternehmen, die an der Londoner Börse gelistet sind.

Amerikas Orientierungssysteme für die Welt
Der bekannteste amerikanische Index ist der Dow Jones Industrial Average, ein reiner Kursindex, der stets gemeint ist, wenn man verkürzt vom Dow Jones spricht. Er wurde bereits 1886 durch Charles H. Dow eingeführt. Damals enthielt er zwölf Aktien von großen Industrieunternehmen. Seit 1928 umfasst er 30 Aktien. Der Dow ist wohl der wichtigste Index der Welt, weil New York nach wie vor die Weltleitbörse ist. Fällt der Dow Jones stark, gehen meist weltweit die Aktienkurse zurück, und sie steigen umgekehrt, wenn der Index steigt. Seinen bisherigen Höchststand erreichte der Dow Jones Ende August 2000.

Der Standard & Poor’s 500 ist für die USA ein sehr wichtiger Index, denn er enthält die Aktien der 500 größten US-Unternehmen – das sind 400 Industrieaktien, 40 Versorgungsaktien, 40 Finanzaktien und 20 Transportaktien -, und zeigt so im Prinzip die Entwicklung des gesamten US- Marktes an. Weil der Standard & Poor’s breiter angelegt ist und auch modernere Technologiewerte mit einbezieht, halten ihn einige Investoren für noch wichtiger als den Dow Jones.

Nasdaq ist die Abkürzung für National Association of Securities Dealers Automated Quotation Systems. Dabei handelt es sich um die größte elektronische Börse der Welt. Sie nahm im Februar 1971 ihren Betrieb auf. Ursprünglich war sie wie bei uns der Neue Markt als Börse für kleinere Unternehmen gedacht, die zwar gute Ideen, aber nicht genügend Geld hatten. Davon sind allerdings heute viele sehr groß geworden, wie Dell, Microsoft oder Yahoo!. Die Nasdaq wird auch Technologiebörse genannt, da sie von Hightech- und Internetaktien beherrscht wird.

Als Index gibt es den Nasdaq All Composite Index, der alle rund 5000 Aktien umfasst, und einen Nasdaq-100-Index, der die 100 größten Unternehmen an der Börse einbezieht. Der Nasdaq-Index ist in der Vergangenheit deutlich stärker gestiegen als der Dow Jones, und es gibt auch erheblich stärkere Kursausschläge als bei den Standardwerten.

Machen wir zum Schluss noch einen Abstecher nach Tokio. An der Tokioter Börse gibt es zwei Nikkei-Indizes, einen mit 225 und einen mit 300 Werten. Der 1949 eingeführte Nikkei 225 ist ein Kursindex, zur Kursfeststellung wird einfach das arithmetische Mittel der im Index enthaltenen Kurse gebildet. Der 1993 eingeführte Nikkei 300 berücksichtigt, ähnlich wie der DAX, neben der Kursentwicklung auch die Börsenkapitalisierung der in ihm vertretenen Aktien.

Die Finanzanalysten zwischen Dichtung und Wahrheit

Finanzanalysten: An der Börse werden sie schon mal verächtlich Geschmeiß- genannt. Anleger erwarten, dass sie so etwas wie Hellseher sind.

Im günstigsten Fall sind sie Fachleute. Und wenn sie auch noch Erfolg haben, sind sie eine wirkliche Rarität. Finanzanalyst kann sich nämlich (fast) jeder nennen.

Schon Endzwanziger, direkt von der Uni und per Schnellkurs angelernt, dürfen sich Internet-Analyst“ nennen. Wenn sie den Daumen heben oder senken, in ihren immer hastiger auf den Markt geworfenen Analysen etwas von akkumulieren, strong buy, underweighten, seil, Outperformer, Market Performer und Underperformer flüstern, beben Kurse, zittern oder frohlocken Manager, weil Investoren fast blind und umgehend den Empfehlungen folgen.

Früher waren sie die Erbsenzähler von Firmendaten, die Unternehmensdetektive im Auftrag ihrer Arbeitgeber, der Banken. Daten der Aktiengesellschaften gewichten, sie im Vergleich zum Kurs und der Branche werten. Das war ihr Job. Die Experten – kaum bekannt, aber meist erfahrene, ausgebuffte Bilanzprofis, die manch faulen Trick in der Bilanz entdeckten —, und das alles für ein mageres Gehalt.

Heute gehören Analysten zu den besser verdienenden Bankangestellten, bereits nach ein bis zwei Berufsjahren sind Gehälter von rund 100 000 Euro durchaus üblich. Gute Leute sind schwer zu bekommen, die Fluktuation ist hoch.

Finanzanalysten sind also Wertpapierfachleute, die ein möglichst genaues Bild über die Situation der Aktiengesellschaft und der Kurschancen ihrer Aktien zu gewinnen versuchen. Dies tun sie mithilfe der technischen Chartanalyse und der Fundamentalanalyse. Dann geben sie Empfehlungen, die Aktie zu halten, zu kaufen oder zu verkaufen. Mit ihrem Urteil können Finanzanalysten Kurse in die Höhe treiben oder aber auch einen Absturz auslösen.

Charts sind die Kurven, welche die Kursentwicklung einer Aktie nachzeichnen. Manchmal werden die Kurscharts auch mit den Börsenumsätzen der betreffenden Aktie kombiniert. Aus den Charts der Vergangenheit versuchen die Chartisten Trends für die Zukunft abzulesen.

Die Fundamentalanalyse beschäftigt sich mit fundamentalen Daten, die Einfluss auf die Kursentwicklung haben. Dazu gehören unternehmensspezifische und branchenspezifische Daten, aber auch allgemeine Konjunkturdaten. Der Fundamentalist versucht, damit die zukünftige Entwicklung der Aktiengesellschaft abzuschätzen und so einen realistischen Aktienwert für die Zukunft zu errechnen. Liegt dieser Wert über dem derzeitigen Aktienkurs, dann ist die Aktie unterbewertet, und der Analyst wird den Kauf empfehlen. Umgekehrt wird er bei einer überbewerteten Aktie zum Verkauf raten.

Unter den Finanzanalysten gibt es mehr fundamental orientierte und mehr charttechnisch orientierte. In der Praxis kommt aber keiner mit einer der beiden Analysetechniken allein aus, die Finanzanalysten benutzen immer eine Kombination aus beiden Methoden, aber eben mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Heute, bei den innovativen und schnelllebigen Kapitalmärkten, werden die Analysten als Börsengurus hoch gehandelt, sie sind die heimlichen Stars an der Börse. Keine Börsensendung, kein Börsen- oder Anlegerblatt ohne sie und ihre Meinung. Eine boomende Gilde toller Hechte.

Die Verdichtung der Prognosen in den Medien ist unverantwortlich“, klagt die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung (DVFA), der Berufsverband der 1200 Kapitalmarktexperten, die mit ihren heiß gehandelten Tipps/Prognosen/Empfehlungen noch nie so danebengehauen haben wie im Jahr 2000.

Vor allem im Zusammenhang mit den Wirren am Neuen Markt sind die Finanzanalysten ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Sie lagen mit ihren Empfehlungen und Prognosen immer häufiger absolut falsch. Und sie scheinen allzu oft nicht unabhängig zu urteilen, sondern eher im Interesse ihres Arbeitgebers, der Bank, ganz besonders bei den Neuemissionen am Neuen Markt.

Die Empfehlungen lauten nämlich meist kaufen (75 Prozent!), wie eine Studie ergab. Kein Wunder, meinen Sie? Denn: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing? Weil die Analysten der Researchabteilung dem Kundenressort der Banken nicht die Geschäfte vermasseln dürfen? Alles übertrieben, kontert die Guru-Lobby, denn: Kundeneinheiten und Research würden überall voneinander unabhängig geführt und der Fluss sensibler Informationen zwischen diesen durch Chinese Walls verhindert. Das schreibe auch das Wertpapierhandelsgesetz (§ 32/33) vor.

In der Praxis funktioniert das jedoch eher nicht. Wenn der Analyst eine Aktie negativ beurteilt und der Berater am Banktresen kann sie gut verkaufen, weil er einen Kunden hat, der scharf darauf ist, wird dieser wohl kaum in diesem Moment die Studie aus der Schublade zieht und sagen: Unsere Analysten raten aber davon ab. Der Analyst macht seine Gutachten sicherlich neutral. Aber was dann mit neutralen Gutachten weiter passiert, wenn die weitergereicht und interpretiert werden oder wenn man sie einfach in der Schublade lässt, wer weiß das im Einzelfall?

Aber das Entscheidende ist ja, dass drei Viertel der Empfehlungen der Analysten Kaufempfehlungen sind. Weil aber der Investor offensichtlich der Meinung ist, dass das nicht ganz stimmen kann, richtet er sich komischerweise nicht danach.

Nur ein kleiner Prozentsatz dieser Analystenstudien sagt: Verkaufen. Und danach richten sich die Investoren dann wiederum sehr stark. Beim Kaufen hat man also Bedenken, weil man davon ausgeht, dass die Analysten vielleicht befangen sind, aber beim Verkauf, da ist man sofort bei der Sache.

Manche Merkwürdigkeiten im Jahre 2000 (so war EM.TV noch kurz vor der folgenschweren Gewinnwarnung einen Kauf wert!) deuten eher auf Schweizer Käse als auf die chinesische Mauer hin. Die Analysten haben die Kursstürze am Neuen Markt nicht vorausgesehen und Pleiteunternehmen wie Gigabell und die Teamwork Information Management AG bis kurz vor ihrem Absturz hoch gelobt.

Ganz abgesehen von der Qualität der Empfehlungen: Immer mehr unerfahrene Analysten erhalten Verantwortung, dürfen Empfehlungen abgeben. Es gibt keine Regeln, keine Qualitätskontrollen, nur Standesrichtlinien für die DVFA-Mitglieder. Alles weit entfernt von den Spielregeln in den USA und auch in London, wo die Leistungen der Analysten regelmäßig abgefragt und in einem Ranking aufgelistet werden. Wer in London Finanzanalyst lernt, der muss dort eine Zunftprüfung ablegen, ähnlich wie hier bei der DVFA – hierzulande ist sie allerdings nur eine Kann-Vorschrift, in England dagegen ein Muss.

Sicher: Ein Analyst darf (§14 Wertpapierhandelsgesetz) nur öffentlich bekannte Tatsachen verwenden. Hätte er andere Informationen und verwertet sie, macht er sich eventuell strafbar (Insidervergehen). Aber bitte, ein wenig mehr an Informationen, Treffsicherheit und weniger Überraschungen (Die Höhe der Verluste hat uns total überrascht) dürfte man bei Profis schon erwarten.

Dass eine Investmentbank noch Ende Oktober einen Halbleiterhersteller am Neuen Markt auf die Empfehlungs-, also Kaufliste setzt, um ihn sechs Wochen später nach einer Gewinnwarnung drastisch abzustufen (Market Underperformer), hat die Aktie um über 60 Prozent im Kurs gebeutelt und die Glaubwürdigkeit der Zunft der Analysten weiter erschüttert. Analysten haften nicht bei fehlerhaften Empfehlungen. Nach Berechnungen von Capital haben im Jahr 2000 Anleger, die auf Börsenneulinge am Neuen Markt setzten, 3,9 Milliarden Euro verloren. Allein die beiden großen Börsengänge von T-Online und Lycos Europe wiesen zum Jahresende 2000 einen Wertverlust von 2,1 Milliarden Euro auf. Irrungen und Wirrungen – noch nie gab es sie so häufig wie im Jahr 2000. Also: Trau, schau, wem? Antwort: Der beste Analyst ist der Anleger selbst!

Analysten im Vergleich
Um die Qualität der Empfehlungen zu überprüfen, verglich der Londoner Informationsdienst AQ Publications den von den führenden Analysehäusern geschätzten Gewinn je Aktie von insgesamt 88 europäischen Blue Chips (Telebörse 32/2000). Über einen Zeitraum von fünf Jahren stellte er die Prognosen den tatsächlichen Ergebnissen gegenüber und ermittelte daraus den Genauigkeitsquotienten AQ. Ein hoher AQ bedeutet geringe Abweichungen und seltene Korrekturen der Vorhersagen, ein niedriger Wert entsprechend ungenaue Prognosen und häufige Änderungen. Bei der Treffgenauigkeit der Analysten ergaben sich große Unterschiede. Sieger war die BfG Bank mit einem AQ von rund 36, wobei sie ihren Erfolg damit begründet, dass man sich bei der Analyse nur auf wenige Aktien konzentriert. Um die könne man sich dann auch besonders gut kümmern, das erhöhe die Treffergenauigkeit.

Es folgten JP Morgan Securities und die Baden-Württembergische Bank mit einen AQ von jeweils rund 31. Mit Werten von 29 bis 20 belegten Merck Finck & Co, Merrill Lynch, HypoVereinsbank, MM Warburg, Deutsche Bank, UBS Warburg, WestLB Panmure, BNP Paribas, Salomon Smith Barney, Commerzbank und HSBC Securities das Mittelfeld. Danach folgten Julius Bär mit 18, Sal. Oppenheim mit 17, Lehman Brothers mit 16 und die DG Bank mit 15.

Im Auftrag des Manager Magazin  testet Reinhart Schmidt vom Lehrstuhl für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der Universität Halle- Wittenberg regelmäßig die Qualität von Aktienempfehlungen deutscher Banken. In der 2000 veröffentlichten Untersuchung erfasste er 10 798 Kauf- und Verkaufsempfehlungen von Analysten aus 17 deutschen Kreditinstituten zwischen Juli 1998 und Juni 1999- Es ging ihm dabei nicht nur um die Rendite, sondern in erster Linie um die Begrenzung des Risikos. Bei den DAX-Empfehlungen siegte das Team der Hamburger Sparkasse. Sie ist das einzige Geldhaus, das den DAX geschlagen hat. Sowohl den Nemax All-Share, als auch den M-DAX und den Stoxx 50 konnte kein Analyst schlagen.

Seit zwei Jahren geht es im Analysegeschäft so richtig rund. Immer schneller und immer umfassender müssen die Analysten ihr Urteil abgeben. Früher hatten sie in der Regel Monate Zeit, um das Unternehmen gründlich zu durchleuchten, heute muss ein Analyst etwa zwei Studien pro Monat produzieren.

Kein Wunder, wenn dabei die Qualität leidet. Wir Finanzanalysten

haben so kleine Augen, weil wir so wenig schlafen. Wir arbeiten 13, 14, 15 Stunden pro Tag, hat mir einmal einer gesagt.

Quartalsberichte werden überbewertet an der Börse

Q ist mittlerweile der wichtigste Buchstabe im Börsenalphabet. Nein, das hat nichts mit Quiz zu tun, sondern steht für Quartal. Wenn über die Nachrichten-Bildschirme Q-Zahlen laufen, zucken DAX und Nemax zusammen. Nie waren sie so wichtig wie heute – oder werden dafür gehalten: Quartalsberichte.

Für die US-Börsen sind sie Alltag, für uns noch relativ neu. Strahlend gab der Chef der Deutschen Bank am 1. Februar die Rekordzahlen für 2000 bekannt. Alles im schwarzen Bereich, bis die Kollegen der Agentur Reuters aus dem 2000er-Zahlenwerk das letzte Quartal rauszogen. Und schau an: operativer Verlust beim Branchenführer. Sofort Schlagzeilen und heftige Spekulationen: Wie sieht’s denn beim Wettbewerb aus? An der Börse ein Schlag für den Kurs. Die schöne Schau der tollen Zahlen – alles umsonst. Die PR-Abteilung muss sich vor Wut irgendwohin gebissen haben.

Nächstes Beispiel: Motorola, nach Nokia größter Handyproduzent, schreibt rote Zahlen im ersten Quartal. Riesenaufregung an den Börsen: Geht der Handyboom zu Ende? Dann müssten auch alle Zulieferer Probleme haben! Die Folge: ein herber Kurseinbruch bei den führenden Hightechaktien.

Sicher, das letzte Quartal ist das aktuellste, weist grob den zukünftigen Weg. Und bestätigt die Urteile der Analysten (oder auch nicht).

SAP, ein DAX-Schwergewicht, wird aus den Depots der Fonds rausgekickt, um einen Tag später wieder eingekauft zu werden. Das kapieren viele Kleinanleger nicht, die mit der Devise Aktie ist Langfristanlage zum Kauf verführt wurden. Sie werden täglich durch solche Q-Dramen geschockt – und verlieren womöglich das Vertrauen in das Börsengeschehen. Eigentlich wollten wir die amerikanische Aktienhysterie beim Aufbau unserer Aktienkultur vermeiden. Und nun? Wie ein hypnotisiertes Karnickel starrt die Börse auf Q-Zahlen, Analysten heben und senken die Daumen – über Dreimonatszahlen, die die Unternehmen oft mühsam aufgemöbelt haben, damit ihnen die Börsen wohlgesinnt sind. Die Kurzschlussreaktionen der Börsen – sie haben viel mit dieser Q-urzsichtigkeit zu tun. Nur ein Unternehmen wollte partout nicht am Q-Zirkus teilnehmen. Nein, sagte Porsche, Quartalsberichte machen wir nicht!

Daytrading: Bungeespringen für Börsianer
Der Extremsport der Börsianer heißt Daytrading. Das ist eine Form des Wertpapierhandels, bei der in der Regel innerhalb eines Tages sämtliche Positionen eingehen und wieder aufgelöst werden. Man hört am Tagesende auf, egal ob man im Plus oder im Minus liegt. Ziel ist es, kleinste Kursveränderungen zu nutzen. Und da die Schwankungen bei Aktien in der Regel geringer sind, handeln Daytrader zumeist mit Futures und Optionen. Über elektronische Ordersysteme hat der Daytrader Zugriff auf alle aktuellen Informationen ohne Zeitverlust. Denn bei diesem Geschäft spielen Sekundenbruchteile eine Rolle, Zeitverzögerungen kann man sich nicht leisten.

Wer eine entsprechende technische Ausrüstung hat, kann direkt vom heimischen Computer aus daytraden. Die meisten gehen aber in so genannte Daytrading-Center, die die technische Ausstattung zur Verfügung stellen. Dort kann man sich für ein paar Stunden, einen Tag oder einen ganzen Monat einen Handelsplatz mieten. Die Monatsmiete dafür beträgt etwa 750 bis 1 000 Euro im Monat, hinzu kommen die Gebühren für jede einzelne Transaktion.

Daytrader gucken nur gespannt auf die Charts und handeln sehr schnell, ohne viel Hintergrundwissen anzusammeln. Daytrading muss man lernen. Die meisten Daytrading-Center bieten Schulungen und Probe-Daytrading an. Dann kann man virtuell mit fiktiven Wertpapieren üben, bevor man richtig loslegt. Inzwischen gibt es auch einige spezielle Seminaranbieter, die sehr gut verdienen. In Deutschland zahlt man für ein Grundprogramm etwa 3 500 bis 4 000 Euro, hinzu kommen eventuelle betreute Trainingstage mit je 500 Euro. In den USA kostet eine Ausbildung zum Daytrader bis zu 35 000 Dollar. Mittlerweile gibt es in Deutschland drei Direktbanken, bei denen das Daytrading in vollem Umfang online, also von zu Hause über den PC möglich ist: Consors, ComDirectbank und Direktanlagebank.

In den USA gibt es bereits mehr als 50 000 klassische Daytrader, in Deutschland werden sie auf etwa 5 000 geschätzt. Daytrading ist ein hoch spekulatives Geschäft, man kann innerhalb eines Tages sehr schnell und sehr viel Geld verdienen, aber ebenso schnell auch verlieren. Wer mindestens 25 000 Euro als Spielgeld zur Verfügung hat, der kann Daytrading als Hobby anfangen. Wer aber davon leben will, braucht mindestens 50 000, besser sind 250 000 Euro. Wie hoch ist das Risiko? 15 bis 30 Prozent aller Daytrader verdienen Geld, der Rest verzockt es. Also lautet der Rat: Finger weg vom Daytrading.

Zusammenfassung
GEM-Projekts Global Equity Market. Zwischen zehn Börsen der Welt (von New York über Tokio und Hongkong, Australien, Mexiko bis zum europäischen Euronext) soll ein Netz installiert werden. Dann wird der Anleger in Paris (Euronext) mitten in der Nacht in den USA, Australien oder in Frankreich notierte Aktien zu ein und denselben Konditionen kaufen oder verkaufen können. Gut, da gibt’s noch Hürden wie unterschiedliche Regeln und Bilanzierungsvorschriften. Und bisher ist außer der Ankündigung im Sommer 2000 noch nichts passiert. Aber die 24- Stunden-Börse wird kommen, eine einzige Weltbörse also. Fein für die Anleger: hier das kleine Spezialitätenprogramm der Regionalbörsen, da die Aktien der großen weiten Welt. Und jeder predigt, die größere Kundennähe mit noch attraktiveren Konditionen auf seiner Seite zu haben. Die Börsen im Umbruch: Das ist spannend, aufregend und hat (endlich) enorme Vorteile für den Privatanleger. Er wird der eigentliche Nutznießer sein.