Wie kaufe ich Aktien – Gebühren beim Aktienkauf

Sie werden sich fragen: Welche Kosten kommen auf mich beim Kauf einer Aktie zu? Die erste Gebühr, die Ihnen begegnen wird, ist die Bankprovision, die beim Kauf und Verkauf von Aktien in der Regel bei einem Prozent liegt. Obwohl viele Anleger wenig auf die Gebühren achten, können sich die Ausgaben bei vielen Wertpapiertransaktionen und großen Beträgen relativ schnell summieren. Kluge Anleger versuchen daher, diese Kosten möglichst zu reduzieren. Wenn Sie bei einer Bank ein Millionenvermögen besitzen, werden Sie den Kundenberater schnell dazu überreden können, die Provision zu senken. In den meisten Fällen wird man ohnehin von selbst auf Sie zukommen und Ihnen entsprechende Offerten unterbreiten, Bei Kleinanlegern sieht die Sache anders aus: Auch auf hartnäckige Nachfrage wird der Kundenberater nicht bereit sein, die Provision zu senken oder zumindest einige Zugeständnisse zu machen. In einem solchen Fall können Sie zu einer Direktbank wechseln. Direktbanken sind meist Tochtergesellschaften renommierter Großbanken wie der Commerzbank und betreiben alle Bankgeschäfte online oder per Telefon.

Obwohl in letzter Zeit das Beratungsgeschäft ausgeweitet wurde, erhalten Sie in einer Direktbank keine oder nur wenig Beratung. Sie müssen also bereits selbst wissen, welche Wertpapiere Sie möchten. Direktbanken haben meist den Nachteil, dass sie kein Filialnetz unterhalten. Ihren Ansprechpartner können Sie daher nur online oder per Telefon erreichen. Auch über eigene Bankautomaten verfügen Direktbanken in der Regel nicht, so dass Sie Ihr Geld an den Automaten anderer Institute abheben müssen, was im Zweifelsfall mit hohen Gebühren verbunden ist. Einige Direktbanken unterhalten allerdings Kooperationen mit Großbanken oder sind einem Verbund angeschlossen, so dass Sie auch hier ohne zusätzliche Gebühren Geld abheben können. Erkundigen Sie sich genau, bevor Sie ein Konto bei einer Direktbank eröffnen, denn die Gebühren am Geldautomaten sind ein deutlicher Minuspunkt.

Die Bankprovision bei den meisten Direktbanken liegt bei zirka 0,5 Prozent je Aktienkauf oder -verkauf. Sie sparen durch den Wechsel immerhin fünfzig Prozent der Provisionen. Doch es kommt noch besser: Aktienfonds haben in der Regel einen Ausgabeaufschlag von 5 bis 6 Prozent. Auch hier bekommen Sie bei Direktbanken einen Nachlass von mehr als 50 Prozent; es gibt sogar vereinzelt Investmentfonds, die noch günstiger abgegeben werden. Wenn Ihnen der Berater Ihrer Hausbank versichert, bei ihm gebe es Investmentfonds ganz ohne Aufschlag, dann sollten Sie wissen: Es gibt tatsächlich zwei Formen von Investmentfonds, die ohne Aufschlag angeboten werden. Zum einen handelt es sich um so genannte No-load-funds; bei diesen wird der Ausgabeaufschlag auf die Laufzeit verteilt und jedes Jahr von der Wertentwicklung abgezogen. Von diesem Vorgang bekommen Sie als Anleger nichts mit; diese Investmentfonds sind also keine wirklichen Schnäppchen, schindern sogar teuerer; die Gebühren werden klammheimlich abgezogen, ohne dass Sie etwas merken. Selbstverständlich steht das in dem entsprechenden Prospekt – nur lesen die meisten Anleger solche Prospekte nicht wirklich durch. Solche No-load-funds eignen sich nur, wenn Sie Gelder kurzfristig anlegen möchten, Langfristig sind sie teurer als herkömmliche Investmentfonds mit Ausgabeaufschlag. Andere Fonds ohne Ausgabeaufschlag sind Exchange Traded Funds (ETF). Die meisten Fonds werden nicht an der Börse gehandelt, sondern direkt von den Investmentgesellschaften über Banken an den Kunden verkauft. Eine Ausnahme sind die Exchange Traded Funds, die über die Börse gehandelt werden und keinen Ausgabeaufschlag haben. Doch auch hier fallen Gebühren an, denn Sie müssen beim Kauf und Verkauf von Exchange Traded Funds die Bankprovision entrichten, die je nach Kreditinstitut zwischen 0,5 und 1 Prozent liegt. Selbst wenn Sie je Transaktion ein Prozent entrichten, belaufen sich die Gebühren insgesamt auf höchstens 2 Prozent, was gegenüber 5 oder 6 Prozent Ausgabeaufschlag noch ein Vorteil ist. Leider ist jedoch nur ein geringer Teil der Investmentfonds über die Börse erhältlich. Die ETFs erfreuen sich aber bei vielen Anlegern großer Beliebtheit.

Eine zweite Gebühr, die gelegentlich auf Ihrer Wertpapierabrechnung auftauchen wird, ist die Maklercourtage. Immer wenn eine Aktie über einen Börsenmakler
ge – oder verkauft wird, fällt eine solche Gebühr an.

Noch Anfang der 1990er Jahre wurde der gesamte Börsenhandel auf dem Parkett abgewickelt, d.h. Börsenmakler nahmen die Kursstellung vor und handelten mit Wertpapieren. Mit dem Einzug der Elektronik hat sich das grundlegend geändert. Seit dem wird ein Großteil der Aufträge von einem Computer durchgeführt, der in Sekundenschnelle einen Kurs ermittelt und die Transaktion abwickelt. Der Computerhandel, der in Deutschland XETRA heißt, dominiert heute bereits den Markt, und nur ein verschwindend geringer Teil des Handels wird noch von Börsenmaklern bestritten. Durch die zunehmende Globalisierung ist der Computerhandel fast in allen Ländern der Welt Realität, so dass die Börsenmakler zunehmend unter Druck geraten. Nur noch für Spezialwerte lohnt sich das Maklergeschäft, und selbst dann müssen sie den Anlegern erhebliche Sonderkonditionen einräumen.

Wenn Sie sich also die Maklercourtage, die nur Bruchteile eines Prozents beträgt, sparen wollen, geben Sie Ihre Order über das elektronische System XETRA ab. Nicht bei allen Aktien ist das möglich – insbesondere ausländische Aktien müssen über einen Makler abgewickelt werden -, aber in zirka 90 Prozent der Fälle kann XETRA bei inländischen Aktien gewählt werden. Eine andere, aber wenig empfehlenswerte Möglichkeit, die Maklercourtage einzusparen, ist der Handel über elektronische Plattformen, die weltweit auf dem Vormarsch sind. Eine elektronische Plattform ist eine Art private Online-Börse, die meist von einer Bank unterhalten wird. Statt über eine Börse können Sie das Papier direkt von der jeweiligen Bank kaufen. Da in diesem Fall kein Börsenmakler zwischengeschaltet ist, entfällt die Courtage. Solche Plattformen gewinnen an Zulauf.

Ein neuer Trend ist, dass eine solche elektronische Börse von einem Bankenverbund gegründet wird. Die Ursache dafür liegt darin, dass sich die großen etablierten Börsen zu langsam entwickeln und mit dem Tempo der Globalisierung nicht Schritt halten. Obwohl sich immer mehr Börsen zusammenschließen und von den frei werdenden Synergien profitieren, scheitert eine solche Fusion häufig an versteckten Interessen und nationalen Vorbehalten. Insbesondere die Deutsche Börse tut sich schwer, einen geeigneten Partner zu finden Noch immer sind die Börsen in Europa zersplittert und national organisiert, was eine Senkung der Transaktionskosten weitgehend verhindert. Durch die Gründung von bankenabhängigen Plattformen sind die staatlich reglementierten Börsen gezwungen, schneller zu fusionieren. Der schnelle, kostengünstige und effiziente Computerhandel wird sich immer weiter ausbreiten.

Neben der Bankprovision und der Maklercourtage berechnen manche Banken auch noch Auslagen für Korrespondenz und andere Posten. Wenn Sie Aktien kaufen wollen, benötigen Sie ein Wertpapierdepot, das Sie bei Ihrer Hausbank oder der Bank Ihrer Wahl erhalten. Wenn Sie Wertpapiere kaufen, wird der Gegenwert von Ihrem Girokonto abgebucht, und die Wertpapiere werden dann in Ihrem Depot registriert. Für die Verwaltung werden Ihnen am Jahresende wiederum Gebühren berechnet, die jedoch im Promillebereich liegen, d.h. Sie zahlen für die Depotverwaltung nur Bruchteile eines Prozents. Die Bank sorgt laufend dafür, dass Sie rechtzeitig über alle Veränderungen informiert werden, beispielsweise wenn die Aktiengesellschaft eine Hauptversammlung anberaumt.

Portfoliomanagement – Investmentfonds und Zertifikate

Investmentfonds haben den entscheidenden Vorteil, dass sie das Risiko wesentlich senken, denn ein durchschnittlicher Investmentfonds verwaltet zwischen 50 und 100 Aktien, die nach sorgfältigen, wissenschaftlichen Kriterien ausgesucht wurden. Das Management kann jederzeit Papiere veräußern oder hinzukaufen und die aktuelle Marktlage berücksichtigen. Besonders gute Investmentfonds haben ihre Experten meist vor Ort und können so auch in Schwellenländern das Marktgeschehen ständig beobachten.

In vielen Fachpublikationen werden daher Investmentfonds als die ideale Geldanlage für die Altersvorsorge angepriesen. Mit Abtrichen ist diese Behauptung sicherlich wahr; aber dennoch sollten Sie auch die Nachteile kennen. Mehr als 90 Prozent der Investmentfonds schaffen es nicht einmal, den Vergleichsindex zu übertreffen. Im Gegenteil: Viele Fonds schneiden sogar schlechter ab, da hohe Gebühren und ein häufiges Umschichten der Papiere dаs Ergebnis beeinträchtigen. Die meisten Fondsmanager kaufen das, was andere Fonds oder Marktteilnehmer auch kaufen. Dieses Herdenverhalten führt dazu, dass viele Fonds sich nur mittelmäßig entwickeln. Bei einem Crash oder einem drastischen Börsenrückgang können auch die angeblich so gut informierten Fondsmаnager nicht rechtzeitig verkaufen oder Gegenmaßnahmen einIeiten. Bei einer Baisse verlieren Investmentfonds oft noch mehr als der Marktdurchschnitt. Die Gebühren sind relativ hoch, denn Sie müssen den so genannten Ausgabeaufschlag bezahlen, der bei Aktienfonds zwischen 5 und 6 Prozent liegt. Rentenfonds, die Anleihen enthalten, verlangen einen Ausgabeaufschlag von 3 Prozent, was sehr viel ist. Ein Rentenfonds lohnt sich deshalb nur, wenn Sie das Risiko von Fremdwährungsanleihen oder Anleihen aus Schwellenländern (Emerging-Market-Bonds) streuen wollen. Wahre Geldverschwendung ist es, Rentenfonds mit deutschen Staatsanleihen zu kaufen. Denn solche Bundeswertpapiere können Sie selbst kaufen und sparen sich den Ausgabeaufschlag von 1 Prozent.

Bei Aktienfonds sollten Sie vor allem auf zwei Aspekte achten. I‘. gibt internationale Rating-Agenturen, die sich auf Investmentfonds spezialisieren und deren Ertragschancen prüfen. Dabei werden das Management und die Anlagestrategie sorgfältig unterteilt. Wichtige Rating-Agenturen sind beispielsweise Feri Trust, Morningstar und Standard & Poor’s. Diese Organisationen vergeben „Sterne“ oder andere Qualitätsmerkmale für Investmentfonds. Sie sollten nur Fonds kaufen, die qualitativ hoch eingestuft werden und die höchste Auszeichnung besitzen.

Rating-Agentr
Feri Trust
Standard & Poor’s
Morningstar

Auch Fonds, die in der Vergangenheit Spitzenergebnisse erzielt haben, sind kein Garant für eine überdurchschnittliche Wertentwicklung. Das Ergebnis kann auf Zufall beruhen. Es gibt eine unüberschaubare Vielzahl unterschiedlicher Fonds. Einige Fonds setzen gezielt auf Standardwerte, wie sie im DAX enthalten sind, während andere Small Caps bevorzugen. Andere wiederum haben sich auf einzelne Branchen wie die Biotechnologie oder das Internet spezialisiert. Darüber hinaus setzen viele Investmentfonds auf Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien, während andere eine bestimmte Anlagestrategie verfolgen.

Für risikoscheue Anleger empfiehlt sich ein breit anlegender Fonds, der sich auf eine Region wie Europa bezieht oder international aktiv ist. Sie sollten allerdings wissen, dass solche international anlegenden Fonds meist nur eine schwache Wertentwicklung erzielen. Je größer die Streuung ist, desto mehr pendelt sich die Performance auf einem unteren Niveau ein. Andererseits kann es äußerst riskant und verlustreich sein, wenn Sie ausschließlich auf spekulative Fonds setzen, die in China, Lateinamerika oder in Technologiewerte investieren. Solche Investmentfonds eignen sich allenfalls als Beimischung und für äußerst spekulativ eingestellte Anleger, die auch große Verluste verkraften können.

Informationen über Investmentfonds
Fondscheck
Fondsweb
On vista

Ein andere Alternative, die in den letzten Jahren regen Zulauf gefunden hat, sind die Zertifikate. Es handelt sich dabei um Schuldverschreibungen einer Bank, die beispielsweise an einen Aktienindex gekoppelt sind. Dadurch haben Sie die Möglichkeit, den Index direkt zu kaufen. Stellen Sie sich vor, der DAX steigt von 6900 Punkten auf 8000 Punkte. Um diese Wertentwicklung nachzuvollziehen, müssten Sie ohne Zertifikat alle 30 Aktien, die im DAX enthalten sind, kaufen. So etwas wäre umständlich und aufgrund der Bankprovisionen relativ teuer. Stattdessen gibt es Zertifikate; wenn Sie ein solches Wertpapier kaufen, steigt der Kurs automatisch entsprechend der Punktzahl des Index. In der Praxis gibt es ein Bezugsverhältnis, d.h. Sie kaufen nicht ein einziges DAX-Zertifikat im Wert von 6900 Euro, sondern eines, das nur 69 Euro kostet. Steigt der DAX dann auf 8000 Punkte, ist Ihr Zertifikat 80 Euro wert. Diese Bezugsverhältnis wendet man an, damit auch Kleinanleger zum Zug kommen.

Das Risiko bei Zertifikaten besteht darin, dass diese Wertpapiere rechtlich Schuldverschreibungen, also Anleihen der Bank, sind. Wenn die Bank Insolvenz anmelden muss, sind die Zertifikate völlig wertlos. Darum raten Experten im Bereich der Altersvorsorge von Zertifikaten ab. Wenn Sie jedoch auf sichere Großbanken setzen, die eine hohe Bonität genießen, ist das Risiko einigermaßen gering. Natürlich kann niemand sagen, wie es um die Zahlungsfähigkeit dieser Banken im Jahre 2030 oder 2040 bestellt ist. Aber im Allgemeinen werden Großbanken nicht so schnell insolvent werden. Bei Investmentfonds besteht dieses Problem nicht, da die Aktien als Sondervermögen unantastbar sind und nicht in das Insolvenzverfahren mit einfließen.

Bei Zertifikaten gibt es neben den Indexzertifikaten, die auf viele Aktienindizes erhältlich sind, auch noch Basketzertifikate, die auf einer Auswahl von Aktien beruhen. Basketzertifikate sind weniger empfehlenswert, da deren Zusammensetzung nicht fortlaufend überprüft wird. Bei Zertifikaten erfolgt die Revision im besten Fall nur vierteljährlich. Ein Investmentfonds ist in dieser Hinsicht flexibler. Ein Basketzertifikat macht nur dann Sinn, wenn dadurch ein Aktienmarkt abgedeckt wird, der durch keinen sinnvollen Index rekonstruiert oder abgebildet wird.
Darüber hinaus gibt es Strategiezertifikate, die einzelne Strategien verfolgen, die in der Finanzmarktforschung untersucht wurden und eine höhere Rendite als der Marktdurchschnitt ermöglichen.

Informationen über Zertifikate
Finanztreff
On vista
Zertifikate-Journal
Zertifikate Check

Portfoliomanagement beim Aktienhandel

Grundlage jeder vernünftigen Altersvorsorge ist ein sinnvolles Portfoliomanagement. Das Portfolio oder das Portefeuille ist die Gesamtheit aller Anlageformen und Wertpapiere, die sich in Ihrem Depot befindet. Die wichtigste Frage, die sich für Anleger generell stellt, ist: Wie hoch sollte der Aktienanteil sein, und welche anderen Anlageformen benötigt man noch für ein ausgewogenes Portfolio? Eine alte Faustregel lautet: Der Aktienanteil beträgt 100 minus Lebensalter. Wenn Sie also jetzt 30 Jahre alt sind, sollte Ihr Aktienanteil im Portfolio zirka 70 Prozent betragen. Doch solche schematischen Kegeln eignen sich nicht für die komplexe Lebenswirklichkeit der meisten Anleger. Wenn Ihre Risikobereitschaft geringer ausgeprägt ist, können Sie auch mit einem Aktienanteil von 20 Prozent zufrieden sein. Es ist besser, wenn Sie auf riskante Anlagen verzichten, dafür aber beruhigt schlafen können. Bedenken Sie stets, dass Aktienmärkte enormen Schwankungen unterliegen. In kurzen Zeiträumen wie einem Jahr können Aktien in schwierigen Situationen durchaus um 50 Prozent oder sogar noch mehr fallen. Im allerschlimmsten Fall muss das Unternehmen Insolvenz anmelden, und Sie erleiden einen Totalverlust.

Nur wenn Sie die Wertpapiere langfristig halten, d.h. mehr als fünf oder besser noch zehn Jahre, kommen Sie in den meisten Fällen in die Gewinnzone. Es ist aber immer sinnvoll, das Risiko über viele Aktien, Wertpapiere, Länder und Währungen zu streuen.

Wie hoch der Aktienanteil bei Ihnen sein sollte, hängt letztlich von Ihren persönlichen Lebensumständen ab. Jeder verantwortungsvolle Berater wird Sie ohnehin zuerst danach fragen und sich nach Ihren Zielen erkundigen. Es macht einen großen Unterschied, ob Sie in zehn Jahren Millionär sein oder sich nur ein Auto anschaffen wollen. Die meisten Anleger werden Ihr Geld für die Altersvorsorge verwenden. Denken Sie auch daran, dass Sie es sich nicht leisten können, Geld durch riskante Anlageformen zu verlieren. Das Geld, das Sie eingebüßt haben, müssen Sie erst wieder verdienen und erwirtschaften; dadurch fallen Sie in Ihrem Sparplan weiter zurück, denn der sehr mächtige, exponentiell steigende Zinseszinseffekt arbeitet gegen Sie. Andererseits können Sie es sich nicht leisten, Ihr Geld mit zwei oder drei Prozent Zinsen anzulegen. Zwar haben Sie durch den Zinseszinseffekt auch hier noch einige Vorteile, aber langfristig reicht dies kaum aus, um die inflationsbedingte Geldentwertung auszugleichen. Angesichts der Anhebung des Renteneintrittalters müssen Sie in Zukunft damit rechnen, dass Ihnen die gesetzliche Rentenversicherung nur noch ein bescheidenes Auskommen garantiert. Die Anhebung bedeutet nämlich faktisch eine drastische Rentenkürzung, da kaum ein Arbeitnehmer in Deutschland bis zum 67. Lebensjahr berufstätig ist. Die jetzige Rentnergeneration wird wohl eine der wohlhabendsten der deutschen Geschichte sein. Für die nachfolgenden Generationen bahnt sich jedoch eine zunehmende Altersarmut an.

In Anbetracht eines solchen Szenarios sollten Sie das Beste aus Ihrem Geld machen und nach optimalen Anlageformen suchen. Renten- und Lebensversicherungen, die nur eine mäßige Rendite erwirtschaften, sind dafür nicht wirklich geeignet. Andererseits sollten Sie auch nicht willkürlich auf das Stockpicking setzen. Wenn Sie einfach ein paar Aktien auswählen, kann Ihnen niemand garantieren, dass sich diese Einzeltitel auch in Zukunft optimal entwickeln. In den meisten Fällen werden Sie mit diesen Aktien nach zehn Jahren eine sehr akzeptable Wertentwicklung erzielen, wenn Sie die Papiere sorgfältig ausgewählt haben. Aber denken Sie daran: Niemand kann Aktienkurse Vorhersagen. Einige Unternehmen können aufgrund von Managementfehlern oder Marktbereinigungen an den Rand einer Insolvenz geraten.

Zu Ihrer Absicherung sollten Sie daher Folgendes beachten: Es ist besser, wenn Sie das Prinzip der Streuung konsequent beachten. In Ihrem Portfolio sollten nicht nur deutsche, sondern auch ausländische Werte vertreten sein. Auch die Streuung über mehrere Währungen ist sinnvoll, denn dadurch sichern Sie sich zusätzlich ab. Sie brauchen außerdem andere Anlageformen, um Ihr Portfolio auf eine solide Grundlage zu stellen. Dazu gehören beispielsweise Anleihen, Rohstoffe und Immobilien. Früher galt der Grundsatz: ein Drittel Aktien, ein Drittel Anleihen, ein Drittel Immobilen. Ein solches Schema ist nur ein Anhaltspunkt, denn Sie sollten die Struktur Ihres Portfolios sowie die Auswahl und Gewichtung der Vermögensanlagen, was man im Fachjargon ,,Asset Allocation“ nennt, Ihren persönlichen Umständen, Zielen und Präferenzen unpassen.

Auch Anleihen können lukrativ sein, wenn sie hohe Zinsen ubwerfen und eine hohe Bonität haben. Kaufen Sie nur Qualitätsunleihen, die über ein so genanntes A-Rating verfügen. Die Schuldner von festverzinslichen Wertpapieren, die bereits in der H Kategorie eingeordnet sind, können insolvenzgefährdet sein. Am sichersten sind in diesem Zusammenhang immer noch Staatsanleihen von Schuldnern mit einem A-Rating. Jedoch haben diese meist eine eher niedrige Verzinsung. Vorsichtig sollten Sie mit Fremdwährungsanleihen sein, denn diese bergen ein enormes Währungsrisiko in sich. Zwar erhält man zurzeit für Anleihen in türkischen Lira 18 Prozent Zinsen und isländische Anleihen bringen immerhin noch 12 Prozent, doch ist die Gefahr, dass die Währung gegenüber dem Euro nachgibt, relativ groß. Solche Fremdwährungsanleihen eignen sich nur für äußerst risikobewusste, spekulativ eingestellte Anleger.

Bei Immobilien sollten Sie nicht nur an ein selbstgenutztes Maus oder eine Eigentumswohnung denken. Denn bei diesen ist die Rendite vergleichsweise gering; in einigen strukturschwachen Regionen kann die Rendite sogar bei Null liegen oder in die Verlustzone kommen. Auch vermietete Immobilien haben ihre Tücken, denn Sie können als Vermieter sehr viel Ärger und Ungemach haben, wenn Ihre Mieter nicht zahlen oder ständig Wohnungsmängel reklamieren und die Miete mindern. Auch Fehler in der Baufinanzierung oder der Kauf völlig überteuerter Wohnungen, die sich im Nachhinein als unverkäuflich heraussteilen, können Sie schnell in den Ruin treiben. Seien Sie daher bei Immobiliengeschäften äußerst vorsichtig. Im Zweifelsfall beauftragen Sie vor dem Kauf besser einen unabhängigen Sachverständigen oder Architekten, der den tatsächlichen Wert der Immobilie ermittelt und Ihnen dies in einem schriftlichen Gutachten bestätigt.

Wenn Sie dies alles abschreckt, haben Sie die Möglichkeit, so genannte Immobilienzertifikate zu kaufen. Diese Wertpapiere beziehen sich auf eine Auswahl von Immobilienaktien oder einen Immobilienindex. Immobiliengesellschaften können nämlich börsennotiert sein. Es ist allerdings sicherer, keine einzelne Immobilienaktie zu kaufen, sondern das Risiko zu streuen, indem Sie eine Auswahl nehmen, die bereits in einem Immobilienzertifikat zusammengefasst ist. Noch vorteilhafter ist es, wenn Sie auf einen Immobilienindex setzen, denn dieser umfasst eine Vielzahl von Immobiliengesellschaften. Zertifikate gibt es bereits auf deutsche, europäische, internationale und amerikanische Immobilien. Es sind auch Zertifikate erhältlich, die den australischen, südafrikanischen, türkischen, japanischen, osteuropäischen und chinesischen Markt abbilden.

In Ihrem Portfolio sollten Sie nur Einzelaktien haben, wenn Sie bereit sind, das Risiko auf sich zu nehmen. Wenn Sie mit Ihrer Aktiengesellschaft daneben liegen, kann dies auch einen Totalverlust bedeuten. Deshalb ist es wichtig, wenn Sie dieses Risiko ein- gehen, dass Sie den Wert in regelmäßigen Abständen, beispielsweise einmal in der Woche, beobachten. Für weniger risikobereite Anleger, die nicht auf Aktienanlagen verzichten möchten, kommen zur Risikominimierung auch Investmentfonds und Zertifikate in Frage.

Anlagestrategien für Aktionäre – die Marktanomalien

Tatsächlich zeigte sich, dass es Anlagestrategien gibt, die langfristig eine höhere Rendite als der Markt erzielen. Sie beruhen auf so genannten Marktanomalien; das sind besondere Phänomene, die man sich in der Strategie zunutze machen kann. Ein solches Phänomen ist beispielsweise der so genannte Januar-Effekt. Langfristige Untersuchungen, die sich auf einen Zeitraum von 1904 bis 1974 erstreckten, zeigten augenscheinlich, dass die Aktienkurse generell im Januar am stärksten steigen. Der Januar ist mit Abstand der beste und gewinnträchtigste Monat im ganzen Jahr. Insbesondere die erste Januarwoche zeichnet sich durch eine überdurchschnittliche Wertentwicklung aus. Anleger, die im Januar investiert waren, erzielten im Durchschnitt eine Rendite, die um 3 Prozentpunkte höher lag. Als Ursache vermutet man, dass manche Anleger vor Weihnachten ihr Depot leeren, um entspannt den Weihnachtsurlaub genießen zu können oder um die Depotgebühren zu sparen, da zumindest früher viele Banken die Gebühr nach einem Stichtag am Jahresende berechneten. Eine andere Vermutung lautet, dass Investmentfonds, die Milliardensummen verwalten, zum Jahresende Nieten aus dem Portfolio werfen, um im Abschlussbericht vor den Anlegern besser dazustehen. Ein solches Vorgehen nennt man „Window Dressing“.

Dennoch überzeugen die vorgebrachten Erklärungsversuche nicht, denn aufgrund dieser Verkäufe müssten die Aktienkurse im Dezember sinken, was aber nicht der Fall ist. Der Dezember ist vielmehr ein relativ guter Börsenmonat. Wahrscheinlicher ist, dass der Januar-Effekt durch die Zuversicht und den Optimismus der Marktteilnehmer ausgelöst wird, wenn nach der Silvesternacht das neue Jahr beginnt.

Insgesamt ist die Wertentwicklung in den einzelnen Monaten sehr unterschiedlich. Als die besten Monate gelten der Januar und der Februar. Die Aufwärtstendenz hält in der Regel mit einer immer schwächer werdenden Performance bis April an. Der Mai ist bereits ein sehr mäßiger Börsenmonat und kann bereits mit größeren Kursrückgängen verbunden sein. Ein altes Börsensprichwort lautet deshalb: „Seil in May and go away.“ Die nachfolgenden Sommermonate, in denen anscheinend viele Anleger Urlaub machen, sind sehr schwach. Der gefährlichste Monat ist übrigens der September. Langfristige Untersuchungen konnten zeigen, dass im September die größten Kursverluste entstehen. Landläufig gilt der Oktober als Katastrophenmonat, wenngleich der September im Langfristvergleich noch schlechter abschneidet. Der Oktober wird deshalb als Krisen- und Katastrophenmonat angesehen, weil sich zu dieser Zeit mehrere schwere und verhängnisvolle Crashs ereigneten. So begann die desaströse Weltwirtschaftskrise von 1929 im Oktober und führte selbst bei Standardwerten zu Kurseinbrüchen von mehr als 90 Prozent. In der Wall Street stürzten sich viele Spekulanten in ihrer Verzweiflung aus dem Fenster, und die nachfolgende Massenarbeitslosigkeit brachte fast die gesamte westliche Welt an den Rand eines Abgrunds. Ein anderer fataler Crash fand ebenfalls im Oktober statt: am 19.10.1987 fielen die meisten großen Börsen um mehr als 20 Prozent. Der amerikanische Aktienindex S&P 500 verlor an diesem Tag mehr als 23 Prozent. Besonders gefürchtet ist der Freitag im Börsenmonat Oktober.

Als Anleger sollten Sie daher Folgendes beherzigen: In der Regel, auch wenn es in manchen Jahren kleinere Abweichungen oder Besonderheiten geben mag, ist der Januar der beste Monat, vor allem die erste Woche nach dem Jahreswechsel. Der positive Trend hält normalerweise mit sich abschwächender Tendenz bis
März. In diesen Monaten sollten Sie auf jeden Fall investiert ein.
Problematisch wird es im Monat Mai, der bereits mit heftigen Kursrückgängen einsetzen kann. Diese turbulente Zeit mit fallenden Kursen hält den ganzen Sommer an. Der Höhepunkt ist im September erreicht; dann drohen gravierende Verluste. Auch der Oktober als häufiger Krisenmonat hat schon vielen Anlegern schwerste Verluste und dramatische Crashs eingebracht. Erst im Dezember beginnt wieder die zaghafte Erholung der Kurse. Auf den Grundlagen dieser Erkenntnisse wurden saisonale Anlage Strategien entwickelt.

Ein anderes Phänomen ist der Monatswechsel-Effekt; die Kursgewinne sind immer zum Monatswechsel höher als in der Mitte des Monats. Vermutlich liegt dies daran, dass dann die Gehälter ausgezahlt werden und mehr Kleinanleger sich entscheiden, Wertpapiere zu kaufen.

Andere wichtige Marktanomalien beruhen auf Besonderheiten der Kennzahlen. So hat man herausgefunden, dass Aktien mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis langfristig den Markt übertreffen. Da bei ihnen die Relation von Kurs und Gewinn günstig i(, haben sie im übertragenen Sinne ein besseres „Preis-Leistungs- Verhältnis“, wenngleich es auch hier Einschränkungen gibt. Aktien mit einem besonders niedrigen KGV performen oft schlechter als der Gesamtmarkt. Aktien mit einem niedrigeren Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und einem günstigen Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) schneiden besser ab als der Gesamtmarkt.
Detaillierte Untersuchungen haben noch andere Zusammenhänge zutage gefördert, die bisweilen einen kuriosen Anschein erwecken. So hat man herausgefunden, dass die Börsenkurse eher bei Sonnenschein steigen als an Regentagen, was nur den großen Einfluss psychologischer Faktoren unterstreicht. Anscheinend haben die Anleger bei sonnigem Wetter eine größere Kauflaune. Auch die Zahl der Sonnenflecken übt einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen aus. Darüber hinaus stellte man fest, dass die Rocklänge ein Indikator für die Inflationsentwicklung sein kann. Als 1923 in Deutschland eine Hyperinflation ausbrach, bei der man bereits für einen Laib Brot Millionen Reichsmark zahlen musste, trugen die Damen sehr kurze Röcke, was auch in den inflationsgebeutelten 1970er Jahren der Fall war, als die Minirockmode aufkam. Um das Jahr 2000 hingegen, als in vielen Ländern die Inflation deutlich zurückging und in Japan schon fast deflationäre Tendenzen sichtbar wurden, kamen knöchellange Röcke in Mode, wie man sie bereits in der Belle Epoque um 1900 getragen hatte.

Das Emissionsverfahren von Aktien

Bei kleineren Emissionen betreut meist nur eine Bank den Börsengang. Bei großen Emissionen hingegen, die sogar in mehreren Abschnitten, Tranchen, abgewickelt werden, sind mehrere Banken, die zu einem Konsortium zusammengefasst sind, zuständig. Bei der Emission sind zwei verschiedene Verfahren gängig: das Festpreisverfahren und das Bookbuilding-Verfahren.
Beim Festpreisverfahren, das bis Mitte der 1990er Jahre üblich war, vereinbaren der Emittent und die Emissionsbank gemeinsam einen festen Preis, zu dem die Anleger die Aktie zeichnen können. Das Festpreisverfahren wurde weitgehend aufgegeben, da es zu wenig flexibel ist und nicht auf das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage eingeht. Beim Festpreisverfahren kam es bereits wenige Minuten nach der ersten Börsennotierung entweder zu starken Kursrückgängen, da der Festpreis zu hoch angesetzt worden war, oder zu enormen Kurssteigerungen, wenn die Emissionsbank und der Emittent die Nachfrage unterschätzten.

Das Bookbuilding-Verfahren, das heute ausschließlich angewendet wird, stammt aus den USA. In Deutschland wurde es vor allem durch den Börsengang der Deutschen Telekom im Jahre 1996 populär. Bei diesem Verfahren geben der Emittent und die Emissionsbank eine Preisspanne vor. Innerhalb dieser Bandbreite können die interessierten Anleger innerhalb eines bestimmten Zeitraums, meist zwei Wochen, ein Zeichnungsangebot über ihre Depotbank abgeben. Wenn die Nachfrage zu groß ist, kann die Emissionsbank das Verfahren vorzeitig abschließen. Sie sollten daher, wenn Sie an einer Neuemission interessiert sind, rechtzeitig Ihr Zeichnungsangebot abgeben. Anleger, die es nicht mehr schaffen, ein Angebot einzureichen, werden bei der Zuteilung nicht mehr berücksichtigt. Daher ist es sinnvoll, immer schon in den ersten Tagen ein Angebot zu machen. Nachdem die Emissionsbank die Orderbücher geschlossen hat, legt sie anhand der vorhandenen Angebote den Ausgabekurs fest, zu dem die Anleger, die gezeichnet haben, die Aktien am ersten Börsentag erhalten. Die anderen Anleger, die nicht mehr vormerken konnten oder bei der Zuteilung Pech hatten, können die Aktie erst über die Börse kaufen, was häufig teurer ist, da die Aktien am ersten Tag meist deutlich zulegen. In einer solchen Situation ist es empfehlenswert, ein paar Tage abzuwarten und erst zu kaufen, wenn der Kurs etwas nachgibt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Bankenkonsortium den Kurs in den ersten Wochen stützt, indem es selbst Aktien über die Börse erwirbt oder massive Kundenempfehlungen ausspricht. Für jede Emissionsbank ist es nämlich eine Frage des Ansehens und des Renommees, dass die von ihr begleitete Aktiengesellschaft ein Erfolg wird. Emissionsbanken werden daher alles daransetzen, dass zumindest in den ersten Wochen nach dem Börsengang der Neuling nicht floppt, denn in dieser Phase wird die Aktie von der Fachpresse sehr genau beobachtet. Daher sollten Anleger, die bei der Zuteilung nicht berücksichtigt wurden, erst einige Zeit abwarten, bis der Kurs sich etwas konsolidiert. Bei besonders aussichtsreichen Aktien sollte man jedoch nicht zu lange warten, denn gerade diese steigen in den ersten Monaten deutlich an.

Da die Zuteilung immer problematisch ist, wenn die Neuemission mehrfach überzeichnet ist, hat man sich etwas einfallen lassen, um den Wünschen der Anleger besser gerecht zu werden. Die Emissionsbank kann 10 bis 15 Prozent der Aktien als Platzierungsreserve zurückhalten; wenn während der Zeichnungsfrist die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt, kann sie die zurückgehaltenen Aktien zur Zeichnung freigeben. Man nennt dies eine Mehrzuteilungsoption oder den sog. Greenshoe. Der Name Greenshoe stammt von einem englischen Schuhhersteller, der dieses Verfahren erstmals anwandte. Die Mehrzuteilungsoption muss bereits im Emissionsprospekt bekannt gegeben werden.

Neben dem Festpreis- und dem Bookbuilding-Verfahren gibt es noch das Auktionsverfahren, das bisher seltener eingesetzt wurde.
Beim Auktionsverfahren gibt die Emissionsbank keine Preisspanne vor, sondern nur eine Empfehlung für eine bestimmte Bandbreite. Die Anleger können dann innerhalb der Zeichnungsfrist frei Angebote abgeben. Aus der Vielzahl der Zeichnungsangebote der Kunden berechnet dann die Emissionsbank einen optimalen Zeichnungspreis, zu dem die Emission trotz eines möglichst hohen Preises eine hohe Nachfrage erzielt. Die Anleger, die während der Zeichnungsfrist zu niedrig geboten haben und unter dem festgelegten Zeichnungspreis liegen, gehen leer aus. Das Auktionsverfahren ist umstritten, zumal Privatanleger aufgrund fehlender Hintergrundinformationen selten abschätzen können, was der voraussichtliche Zeichnungspreis sein wird. Im Zweifelsfall werden darum viele Anleger bei ihrer Hausbank einen zu hohen Preis angeben und damit das Ganze in die Höhe treiben. Viele institutionelle Anleger werden sich aufgrund der überhöhten Bewertung zurückhalten. Nach dem Börsengang hat diese Aktie kaum noch einen Spielraum nach oben und wird eher zurückgehen.

Eine andere Möglichkeit, sich Neuemissionen vorab zu sichern, gibt es über den grauen Markt. Spezialisierte Finanzdienstleister und Wertpapierhändler bieten die Papiere zum Kauf – wie es im Fachjargon heißt: „per Erscheinen“ – an. Ein solcher Kauf stellt aber immer ein Risiko dar; als Privatanleger sollten Sie den Kauf über einen solchen Finanzdienstleister immer sorgsam limitieren oder besser ganz darauf verzichten. Die Graumarktkurse haben allerdings eine wichtige Informationsfunktion: Wenn Sie vor der Zeichnung bei Ihrer Hausbank diese Kurse beobachten, können Sie eher abschätzen, wie hoch der Emissionspreis voraussichtlich sein wird.

Wertpapierhändler Internetadresse
Lang & Schwarz | quotecenter*de

 

Der Aktiensplit richtig verstehen

Beim Aktiensplit wird der Wert einer Aktie einfach halbiert oder durch eine andere Zahl geteilt. An dem Grundkapital der Aktiengesellschaft ändert sich dadurch gar nichts; diese Operation dient nur einem „optischen Zweck“. Es ist so, als würden Sie in einem Geschäft einen Hundert-Euro-Schein in fünf Zwanzig- Euro-Scheine wechseln lassen. Obgleich ein Aktiensplit auf den ersten Blick unsinnig erscheint, hat er viele Vorteile. In den USA war dieses Verfahren schon lange üblich; in Deutschland hat es sich vor allem in den 1990er massiv durchgesetzt.
Die meisten Kleinanleger schrecken davor zurück, eine Aktie im Wert von 1000 oder 2000 Euro zu kaufen. Obwohl diese Angst rein psychologisch begründet ist und keinen realen Hintergrund hat, erscheinen Aktien mit hohen Kurswerten teuer und luxuriös. Die meisten Investoren kaufen lieber hundert Aktien zu einem Wert von 10 Euro als eine, die gleich mit 1000 Euro zu Buche schlägt. Daher sind Aktien mit hohem Kurswert im Nachteil und werden häufig gesplittet. Wenn Sie nun eine Aktie im Wert von 1000 Euro besitzen und diese wird durch 10 geteilt, dann erhalten Sie automatisch in Ihrem Depot 10 Aktien zu 100 Euro. Diesen Vorgang macht die Bank von selbst, so dass Sie den Aktiensplit kaum bemerken.

Sowohl für die Aktionäre als auch für das Unternehmen hat diese rein kosmetische Operation etliche Vorteile. Die Porsche- Aktie beispielsweise stand zeitweise bei über 4000 Euro. Für Kleinanleger, die nur 1000 oder 2000 Euro anlegen, ist diese Aktie schon unerschwinglich. Aber auch andere Anleger mögen solche Elefanten werte nicht, denn wer möchte sich schon eingestehen, dass er bei einem Gesamtwert von 40.000 Euro nur zehn Aktien im Depot hat? Für Großanleger sind solche Aktien mit hohen Werten auch dann von Nachteil, wenn sie eine exakte prozentuale Verteilung in ihrem Portfolio erreichen wollen. Manche Depots folgen bestimmten Strategien, bei denen Branchen, Länder oder einzelne Unternehmen genau prozentual aufgegliedert und gewichtet sind. Aktien mit hohen Kurswerten lassen sich nicht teilen. Aus diesen Gründen sind viele Aktiengesellschaften schnell bereit einen Split durchzuführen. Optisch billige Aktien lassen sich einfach leichter vermarkten.

Untersuchungen haben zudem verdeutlicht, dass Aktiensplits eine positive Signalwirkung haben, denn Unternehmen, deren Kurs fällt, führen in der Regel keinen Split durch. Ein Aktiensplit hat eine psychologische Wirkung und führt dazu, dass sich Aktiengesellschaften, die häufiger eine solche Maßnahme beschließen, am Markt über wehschnittlieh entwickeln, obwohl der Split keinen Einfluss auf das Grundkapital oder die Ertragslage hat. Das Phänomen ist rein psychologisch bedingt. Experten haben daraus sogar eine eigene Aktiensplit-Strategie entwickelt, bei der Anleger, die eine überdurchschnittliche Performance erreichen wollen, vor allem auf Aktien setzen, die einen Split hinter sich haben.

Splits haben jedoch auch einige Nachteile. Die meisten Anleger verlieren nach mehreren Splits die zahlenmäßige Übersicht über ihr Depot, da sich die Stückzahlen ändern. Schwierig ist das Ganze auch, wenn man eine technische Analyse durchführt oder die Performance berechnet. Auf einem Aktienchart lässt sich die Kursentwicklung grafisch nicht sinnvoll kontinuierlich darstellen. Wenn
Sie plötzlich auf einem Schaubild einen Kurssturz von 50 Prozent entdecken, kann dies auch durch einen Aktiensplit bedingt sein. Zu ähnlichen Problemen in der grafischen Darstellung führt die Währungsumstellung der Kurse von D-Mark auf Euro. Dabei wird meist der Kurs in der Vergangenheit in Euro umgerechnet.
Auch im Depot führen Aktiensplits zu Problemen, denn als Anleger müssen Sie drei bis vier Tage warten, bis die Umstellung vollzogen ist und die neue Stückzahl in Ihr Depot eingebucht wurde. Verkaufen Sie auf keinen Fall vorher, denn dann wird die alte Stückzahl zugrunde gelegt, der Kurswert der Aktien ist aber bereits gesplittet worden.

Die Aktie als Wertpapier verstehen

Aktien sind Wertpapiere, von denen es unterschiedliche Formen gibt. Die wichtigste Unterscheidung ist die zwischen Stamm- und Vorzugsaktien. Stammaktien beinhalten ein Stimmrecht und werden daher bevorzugt von institutionellen Anlegern wie Banken und Investmentfonds gekauft. Für solche Investoren ist die Mitbestimmung und damit das Stimmrecht von herausragender Bedeutung.
Die Aktiengesellschaft hat die Möglichkeit, auch stimmrechtslose Aktien herauszugeben; hierbei handelt es sich meistens um Vorzugsaktien, die zum Ausgleich für den Verlust des Stimmrechts eine höhere Dividende ausschütten. Vorzugsaktien werden daher vor allem von Privatanlegern erworben, die weniger am Stimmrecht interessiert sind, aber sich über eine höhere Dividendenausschüttung freuen. Der Vorteil kann unterschiedlich ausgestaltet sein. Manche Aktiengesellschaften garantieren eine Mindestdividende, die auch dann ausgeschüttet wird, wenn die Stammaktionäre aufgrund eines Verlusts oder einer mäßigen Gewinnentwicklung leer ausgehen. Eine andere Konstruktion besteht darin, dass die Dividende für Vorzugsaktionäre um einen festen oder prozentualen Betrag aufgestockt wird; man spricht dann von Mehrdividende. Eine andere Konstruktion sieht vor, dass bei einer Gewinnausschüttung Vorzugsaktionäre zuerst bedient werden müssen, bevor die Dividende auf Stammaktien ausgeschüttet wird. Man nennt solche Aktien auch Prioritätsaktien. Insbesondere Familienunternehmen bedienen sich der Vorzugsaktien: In diesem Fall hält die Gründerfamilie die Mehrheit der Stammaktien und beteiligt das Publikum über stimmrechtslose Vorzugsaktien an dem Unternehmen.

Wenn Sie Aktien kaufen und die Wahl zwischen Stamm- und Vorzugsaktien, sollten Sie abwägen, welche Aktienform Sie bevorzugen wollen. Für viele Anleger bietet die Vorzugsaktie eine höhere Dividendenrendite und damit mehr Sicherheit, da die Dividende teilweise Kursverluste in geringem Maße ausgleichen kann. Wenn beispielsweise der Kurs der Aktie um drei Prozent einbricht, die Dividendenausschüttung aber drei Prozent des Kurses ausmacht, hat der Anleger den Verlust wieder kompensiert. Allerdings sollten Sie Ihr Augenmerk nicht ausschließlich auf die Dividendenrendite richten, denn wenn eine Aktie stark sinkt, nützt Ihnen die höhere Dividendenausschüttung letztlich nichts. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Ausschüttungen noch stärker beachtet wurden, richtet man heute die Aufmerksamkeit vorwiegend auf die Kursstärke einer Aktie. Unter diesem Gesichtspunkt sind häufig Stammaktien im Vorteil. Obwohl sich die Kurse von Stamm- und Vorzugsaktien fast parallel entwickeln, profitieren Stammaktien von wichtigen Entscheidungen über die Zukunft des Unternehmens wegen ihres Stimmrechts. So kann es zeitweilig Vorkommen, dass sich Stammaktien deutlich besser entwickeln als Vorzugsaktien. Der Vorteil kann gelegentlich sogar 10 bis 30 Prozent erreichen. Wenn jedoch der Termin der Dividendenausschüttung naht, holen die stimmrechtslosen Vorzugsaktien meist etwas auf.

Wenn Sie unschlüssig sind, ob Sie Stammaktien oder Vorzugsaktien wählen sollen, dann entscheiden Sie sich trotz möglicherweise geringerer Rendite besser für Stammaktien. Ein Beispiel soll Ihnen erläutern, weshalb dies die bessere Wahl ist. Im Jahre 2003 unterbreitete der amerikanische Konzern Procter & Gamble den Aktionären des deutschen Kosmetikherstellers Wella ein Übernahmeangebot. Obwohl Stamm- und Vorzugsaktien nahezu auf gleichem Kursniveau notierten, erhielten die Stammaktionäre ein Angebot von 92,25 Euro, während sich die Vorzugsaktionäre mit 65 Euro zufrieden geben mussten. Angesichts dieser großen Differenz wird deutlich, dass Vorzugsaktionäre im Zweifelsfall wenig von einer höheren Dividende haben. Ohne das entscheidende Stimmrecht bleiben Sie bei einer Übernahme oder anderen wichtigen Ereignissen Aktionär zweiter Klasse.

Eine weitere Unterscheidung ist die zwischen Inhaberaktien und Namensaktien. Inhaberaktien sind in Deutschland weit verbreitet; denn sie sind in der technischen Handhabung relativ unkompliziert. Sie können problemlos übertragen werden. Bei Namensaktien hingegen werden die Namen der Aktionäre in ein Buch eingetragen, das die Aktiengesellschaft einsehen kann. Obwohl dadurch die Anonymität durchbrochen wird, hat dieses Verfahren in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Aktionäre, die verhindern wollen, dass das Unternehmen ihren Namen und ihre Adresse erfährt, können der Eintragung widersprechen und die Depotbank in das Aktionärsbuch eintragen lassen. Dennoch sind Namensaktien auf dem Vormarsch. Was in den USA längst Pflicht ist, findet auch hier zunehmend Verbreitung: Namensaktien ermöglichen es, die Aktionäre persönlich zu informieren. Eine Spezialform, die Professoren häufig als knifflige Frage in Abschlussprüfungen dient, ist die vinkulierte Namensaktie. Das lateinische Wort „vinkuliert“ bedeutet wörtlich übersetzt .gefesselt“; diese Aktien sind an bestimmte Aktionäre gebunden, d.h. Sie können solche Aktien nur erwerben, wenn das Unternehmen seine Zustimmung erteilt. Glücklicherweise sind vinkulierte Namensaktien äußerst selten, da die Prozedur umständlich ist. Dieses Verfahren wird insbesondere von Medienunternehmen gewählt, die sich vor einer feindlichen oder schleichenden Übernahme schützen wollen.

International gibt es noch einige Sonderformen, die auch in Deutschland gehandelt werden. Hierzu gehören die ADRs (American Depositary Receipts). Dieses spezielle Verfahren wählen oft Aktiengesellschaften aus Schwellenländem wie Russland und China, um den Handel mit ihren Aktien in den USA zu vereinfachen. Da die Börsenzulassung ein schwieriges und hürdenreiches Verfahren ist, gibt es die Möglichkeit, Auslandsaktien einfacher zu handeln. Dabei muss die jeweilige Aktiengesellschaft eine größere Anzahl von Aktien bei einer amerikanischen Treuhänderbank hinterlegen. Diese spezialisierte Bank gibt dann auf diese Pakete ein Zertifikat heraus, das einer amerikanischen Namensaktie gleichgestellt ist. Solche Zertifikate nennt man ADR. Als Anleger sollten Sie auf jeden Fall beachten, dass nicht immer ein ADR auch einer Aktie entspricht. Häufig ist es so, dass 10 oder mehr ADRs einer Aktie entsprechen. Achten Sie daher beim Kauf von ADRs immer auf das Bezugsverhältnis. Das Verfahren ist relativ sicher, da die amerikanische Treuhänderbank bei Problemen das Aktienpaket, das dem ADR zugrunde liegt, herausgeben muss. Das Verfahren wird auch bei mehr oder minder exotischen Schwellenländern angewandt, in denen Einzelinvestoren keine Aktien kaufen dürfen. Größere Investmentgesellschaften haben in manchen Ländern eine Ausnahmegenehmigung und geben auf ihre Aktienpakete ADRs heraus.

Ein solches Vorgehen findet man auch bei der Unterscheidung zwischen A- und B-Aktien. ln der Regel dürfen B-Aktien nur von ausländischen Anlegern gekauft werden. Diese B-Aktien haben häufig ein eingeschränktes oder gar kein Stimmrecht und werden nur in einer beschränkten Zahl verkauft. Das kann dazu führen, dass die ausländischen Anleger in der Hauptversammlung nicht abstimmen können. Da es viel weniger B-Aktien gibt, verhält sich deren Aktienkurs auch bisweilen anders als der von A-Aktien, die nur von Einheimischen erworben werden dürfen. Ein solches Verfahren findet man nicht nur in Schwellenländern, sondern auch in Skandinavien wie in Norwegen. Der Zweck solcher Restriktionen ist es, ausländischen Einfluss in Kapitalgesellschaften zurückzudrängen.

Eine besonders vielschichtige Differenzierung findet sich bei chinesischen Aktien. Während die A-Aktien nur Chinesen Vorbehalten sind und an der Börse in Shanghai und Shenzhen gehandelt werden, können B-Aktien auch von Ausländern erworben werden. Zusätzlich gibt es noch H-Aktien. Der Buchstabe H steht für Hongkong; solche Wertpapiere werden in Hongkong gehandelt und dürfen nur von Ausländern gekauft werden. Außerdem sind noch so genannte „Red Chips“ im Börsenhandel; bei diesen Aktien handelt es sich um Werte, die in Hongkong notiert und ausländischen Anlegern frei zugänglich sind. Ihre Besonderheit besteht darin, dass die chinesische Regierung daran einen größeren Aktienanteil hält.

Manche Beobachter nehmen an, dass eine Freigabe der A-Aktien für ausländische Investoren einen ebenso starken Kursanstieg auslösen würde wie die Freigabe der Hongkong-Aktien für chinesische Anleger auf dem Festland. Einige Experten vertreten die Auffassung, dass die Unterscheidung zwischen A – und B-Aktien früher oder später von den noch wenigen Ländern, in denen ein solches System vorhanden ist, aufgegeben wird, da dieses Zweiklassensystem nicht mehr in das Zeitalter der Globalisierung passt.

Information und News über die Aktien – Investor Relations

Sie können sich über die Webseite Ihrer Aktiengesellschaft die neuesten Informationen, Pressemitteilungen, Analystengutachten, aktuelle Aktiencharts und Geschäftsberichte besorgen. Dadurch sind Sie stets auf dem Laufenden und wissen über Ihr Unternehmen Bescheid. In den USA ist es sogar Gesetz, dass Analysten keine privilegierten Informationen erhalten dürfen; alle wichtigen und relevanten Neuigkeiten müssen zeitgleich auch der allgemeinen Öffentlichkeit und den Privatanlegern bekannt gegeben werden. Die Webseite Ihrer Aktiengesellschaft ist daher für Sie eine äußerst wichtige Informationsquelle, die Sie nutzen sollten.
Bevor Sie eine bestimmte Aktie kaufen, schauen Sie sich die Webseite Ihres Unternehmens sorgfältig an. Dabei sollten Sie nicht nur die für Aktionäre bestimmten Informationen lesen, sondern auch die anderen Seiten durchgehen. Welche Produkte bietet Ihr Unternehmen an? Welche Marken gibt es? Welchen Eindruck macht die Qualität der Produkte und Dienstleistungen auf Sie? Informieren Sie sich auch über andere Fakten. Welche Niederlassungen hat das Unternehmen? Wird der größte Umsatz in Deutschland, in der EU oder in anderen Ländern erzielt? Welche Kooperationen und Joint Ventures gibt es?

Danach sollten Sie sich die speziellen Informationen für Aktionäre heraussuchen. Im modernen Jargon wird diese Abteilung der Unternehmenskommunikation als Investor Relations bezeichnet. Während in Deutschland früher die Anteilseigner eher stiefmütterlich behandelt wurden, hat sich dies in den letzten Jahren nach US-amerikanischem Vorbild deutlich gewandelt. Inzwischen finden Sie den Menüpunkt „Investor Relations“ bereits an prominenter Stelle auf der Eingangsseite.
Unternehmen, die meinen, die Informationen für Aktionäre verstecken zu müssen, sollten sich fragen, ob sie sich ein solches Image leisten können. Tatsächlich gibt es auch fragwürdige Präsentationen, bei denen sich die Aktionäre und Anleger erst durch eine Vielzahl von Seiten klicken müssen, bis sie die relevanten Informationen gefunden haben. Als Anleger sollten Sie eine solch nachlässige Informationspolitik nicht akzeptieren, denn schließlich sind Sie als Aktionär, auch wenn Sie nur eine einzige Aktie besitzen, Miteigentümer des Unternehmens.
Wenn Sie Fragen haben und diese per E-Mail an die Investor- Relations-Abteilung richten, sollten Sie prompt und zuverlässig eine sachkundige Antwort erhalten.

Das sind die Merkmale sehr guter Investor Relations:
• Schon auf der Eingangsseite befindet sich ein deutlich sichtbarer Link im Hauptmenü, der Sie zur Abteilung Investor Relations führt. Gut aufgemachte Seite präsentieren bereits im Eingangsportal einige Pressemitteilungen oder einen Aktienchart.
• Ein detailliertes Unternehmensprofil, das alle Bereiche des Unternehmens darstellt und die Produkte und Dienstleistungen ausführlich beschreibt. Im Profil sollte auch ein kurzer Abriss der Unternehmensgeschichte enthalten sein.
• Ein aktueller Börsenkurs in Echtzeit, eventuell auch Kurse von Auslandsbörsen, wenn das Unternehmen dort eine Notierung hat. Darüber hinaus sollte ein Aktienchart abrufbar sein, der für verschiedene Zeiträume ausgewählt werden kann; die Aktienkurse sollten mindestens fünf oder besser noch zehn Jahre zurückgehen. Bei besonders guter Darstellung hat der Betrachter die Möglichkeit, einen Vergleichsindex wie beispielsweise den DAX in die Darstellung zu projizieren. Tools der technischen Analyse wie gleitende Durchschnitte sollten abrufbar sein.
• Alle Geschäfts- und Quartalsberichte der letzten fünf oder gar zehn Jahre stehen zum Download in Form von PDF-Dateien zur Verfügung. Auf Wunsch sind die wichtigsten Berichte auch in englischer Sprache erhältlich.
• Ein umfassender, stets aktueller Börsenkalender gibt eine Vorschau aller wichtigen Termine für die nächsten 6 oder 12 Monate. Die Termine beziehen sich auf die Veröffentlichung von Quartals- und Geschäftsberichten, die Hauptversammlung, Analystenkonferenzen, besonderen Veranstaltungen für Aktionäre, Roadshows (so nennt man die Präsentation der Unternehmensdaten bei einzelnen Analysten) und die anberaumten Online Chats für Anleger. Auch ein Tag der offenen Tür oder eine öffentlich zugängliche Jubiläumsveranstaltung sollten im Börsenkalender vermerkt sein.
• Darüber hinaus sollten die Investor-Relations-Seiten ein vollständiges Archiv aller Pressemitteilungen enthalten, wobei die für die Aktionäre relevanten Presseinformationen in einer eigenen Rubrik gespeichert sein sollten. Neben der eigentlichen Pressemitteilungen sollten auch die Ad-hoc-Meldungen gesondert abrufbar sein.
• Das Management und der Vorstand können in die Präsentation mit einbezogen werden; dann erhält jeder Vorstand eine eigene Seite, die eine kurze Vita umfasst und alle für die Anteilseigner wichtigen Daten. An dieser Stelle können auch strategische Vorstellungen und Ausrichtungen mit einbezogen werden. Diese Informationen können deshalb von erheblicher Bedeutung sein, da viele Analysten die Erfolgschancen eines Unternehmens am Managementstil ausmachen.
• Ein weiterer wichtiger Punkt bei einer gut gemachten Investor- Relations-Abteilung sind einzelne Studien und Analystengutachten, die zum Download bereitstehen sollten. Auch Börseninformationsdienste mit kurzen Statements können mit einbezogen werden.
• Zusätzlich geben manche Investor-Relations-Seiten auch Informationen zur Selbstverpflichtung einer Aktiengesellschaft (der so genannten Corporate Governance) heraus. Solche Informationen beziehen sich darauf, inwieweit sich das Unternehmen ethisch verpflichtet fühlt, freiwillige Informationen zu publizieren und für Transparenz zu sorgen.
• Zu guter Letzt zeichnet sich eine sehr gute Investor-Relations- Seite durch Interaktivität aus, d.h. der Aktionär erhält die Möglichkeit selbst ein Feedback zu geben oder Fragen zu stellen. Hierzu dienen Online Chats mit wichtigen Vorständen oder die Möglichkeit, beispielsweise weitere Kennzahlen über E-Mail anzufordem. Ein besonders wichtiges Instrument der Investor Relations ist ein Newsletter, der auf die im Börsenkalender ver- zeichneten Ereignisse und Events eingeht und den Abonnenten rechtzeitig an den Termin erinnert. Außerdem sollte es einen Newsletter geben, der Pressemitteilungen für Aktionäre versendet. Die Online-Übertragung der Hauptversammlung ist weiteres wichtiges Feature einer gut gemachten Webseite.

Denken Sie daran, dass die Arbeit der Unternehmenskommunikation auch ein Aushängeschild für das Unternehmen ist und die Corporate Identity widerspiegeln sollte. Nachlässigkeit lässt zumindest teilweise Rückschlüsse auf die gesamte Unternehmens- Organisation zu. Bevor Sie also ein Unternehmen kaufen, sollten Sie sich sorgfältig die Webseite ansehen.

Anlagestrategien für Aktionäre – die Nachteile des Stockpicking

Unter Stockpicking versteht man die gezielte Auswahl von Aktien mit Hilfe der Fundamental- und der technischen Analyse. Obwohl Investmentfonds über gut ausgebildetes Personal und exzellente Informationen verfügen, sind die meisten Ergebnisse mehr als mager. Häufig ist die Performance, die ein solcher Investmentfonds erzielt, geringer als die Wertentwicklung des Vergleichsmarktes. Es stimmt schon nachdenklich, wenn ein Aktienfonds, der sich auf deutsche Qualitätsaktien spezialisiert hat, schlechter abschneidet als der DAX. Für Sie als Anleger wäre es auf jeden Fall sinnvoller und lukrativer gewesen, gleich den DAX über ein Zertifikat zu kaufen, ln vielen Publikationen werden dennoch Investmentfonds als Königsweg der Altersvorsorge angepriesen. Sie sollten aber bedenken, dass Sie es sich angesichts der Probleme in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht leisten können, in Investmentfonds zu investieren, die nur eine karge Rendite mit sich bringen. Wenn Ihr Investmentfonds nicht mindestens den Marktdurchschnitt erreicht, sollten Sie solche Investmentfonds besser verkaufen.
In der Finanzmarktforschung ist man schon lange der Auffassung, dass Aktienkurse nicht vorhergesagt werden können. Auch ausgezeichnete Bilanzkennzahlen sind kein sicheres Indiz für eine überdurchschnittliche Wertentwicklung, da all diese Kennziffern nur etwas über die Vergangenheit des Unternehmens aussagen. Auch Chartanalytiker irren und können häufig eine Trendumkehr oder einen Kurseinbruch nicht zuverlässig Vorhersagen. Angesichts dieser Unwägbarkeiten kommen manche Experten zu dem Schluss, dass Stockpicking, also die gezielte Auswahl einzelner Aktien, nicht wirklich zu einer guten Rendite führt. Man kann durch einen Zufallstreffer Glück haben oder im schlimmsten Fall auf eine Niete setzen, die mit hohen Kursverlusten verbunden ist.

Eine Untersuchung der Universität Halle konnte zeigen, dass die meisten Analysten mit ihren Empfehlungen häufig daneben liegen. Im Zeitraum von Juni 2000 bis März 2002 verlor der Stoxx- 50, der die wichtigsten europäischen Standardwerte umfasst, 24 Prozent. Der Niedergang der New Economy und der Fall der Internetaktien riss auch die Blue Chips mit in die Tiefe, wenngleich die Kursverluste in diesem Börsensegment weniger dramatisch waren. Die Untersuchung nahm die Analystenempfehlungen im gleichen Zeitraum unter die Lupe und ermittelte eine Performance, die sogar ein Prozent unter dem Marktdurchschnitt lag, also minus 25 Prozent erreichte. Angesichts der vermeintlich ausgeklügelten Analysemethoden ist es verwunderlich, dass selbst die Börsenprofis noch schlechter abschnitten als der ohnehin schon schwache Markt. In den USA untersuchte Michael O’Higgins die Gewinnprognosen von Analysten und förderte Verblüffendes zutage. Er untersuchte die Gewinnvorhersagen für Dow-Jones-Unternehmen im Zeitraum von 1974 bis 1990. Die Analystenschätzungen wichen bis zu 48 Prozent vom tatsächlichen Ergebnis ab; selbst zwei Wochen vor dem Ende des Geschäftsjahrs, wenn die Gewinnprognose wesentlich erleichtert war, wich die Vorhersage immer noch um 18 Prozent ab. Aus diesem Grund verwendet man übrigens bei der Berechnung von Kennzahlen, die auf Gewinnprognosen beruhen, so genannte Konsensusschätzungen; dabei handelt es sich um einen Mittelwert, der mehrere Analystenschätzungen zusammenfasst.

Im Jahr 2000, als sich der katastrophale und verheerende Zusammenbruch des Neuen Marktes und der Technologiewerte ankündigte, waren über 70 Prozent aller Analystenaussagen Kaufempfehlungen, und nur ein Prozent riet explizit zum Verkauf von Aktien. Analysten sind von Berufs wegen ständig optimistisch, und selbst bei einem bevorstehenden Crash werden die Warnsignale so gut wie nie rechtzeitig erkannt. Selbst nach einem deutlichen Kursrückgang empfehlen Analysten notorisch weiter, Aktien – nun auf verbilligtem Niveau – zu kaufen.

Sie sollten als Anleger Analystengutachten immer kritisch beurteilen. Zwar ist die Aufbereitung der Bilanzkennzahlen sehr sorgfältig und gewissenhaft und die Marktanalyse vortrefflich, dennoch können Analysten in den seltensten Fällen einen Aktienkurs zielsicher Vorhersagen. In vielen Fällen liegen sie sogar weit daneben. Aufgrund dieses Umstandes gingen in den USA in den 1970er Jahren viele Pensionsfonds, die Gelder in Milliardenhöhe verwalten, dazu über, nur noch auf Indexstrategien zu setzen. Obwohl diese Vorgehensweise anfangs als „langweilig“ belächelt wurde, denn schließlich ist die Wertentwicklung dann genauso gut oder schlecht wie der Gesamtmarkt, hat sie sich bewährt. Denn mit dieser Indexstrategie konnte man die meisten Investmentfonds und Analysten übertreffen.
Erst seitdem einige Überrendite-Effekte wissenschaftlich nachgewiesen werden konnten, macht man sich auf die Suche nach einer Methode, wie man den Markt noch übertrumpfen kann.

Aktienarten – die mittleren Werte Mid Caps

Diese Aktiengesellschaften haben eine mittlere Marktkapitalisierung und nehmen somit eine Zwischenstellung zwischen den großen Standardwerten und den kleinen Aktiengesellschaften ein. Die mittleren Werte werden in einem eigenen Aktienindex, dem MDAX, zusammengefasst, der aus 50 Aktien besteht. Zu den Mid Caps zählen beispielsweise der bekannte Brillenhersteller Fielmann, das Bauunternehmen Hochtief, der Finanzdienstleister AWD, der Fernsehsender Premiere und der Sportartikelhersteller Puma.

Diese Unternehmen haben den Vorteil, dass sie eher Mittelständlern gleichen und daher flexibler und offener sind. Anders als große Konzerne müssen sie sich stetig an den internationalen Markt anpassen und neue Ideen entwickeln. Fehlentscheidungen und gravierende Managementfehler schlagen sich sofort in Verlusten nieder und führen im schlimmsten Fall zur Pleite. Diese Unternehmen sind viel weniger etabliert als die großen Konzerne des DAX und daher erheblich anfälliger für Krisen und Probleme. Denken Sie nur an den Fernsehsender Premiere, dessen Erfolg von der Übertragung von Bundesligaspielen abhängig ist. Ein weiteres Beispiel ist das Handelsunternehmen KarstadtQuelle, das aufgrund eines veralteten Marketing-Konzepts in eine schwere Krise schlitterte.

Für Privatanleger ist es äußerst riskant, ausschließlich auf ein solches Unternehmen zu setzen, denn wenn das Unternehmen in eine Schieflage gerät, ist nicht gewährleistet, dass es auch die Krise bewältigt. Börsianer bezeichnen solche Unternehmen, die sich am Rande einer Insolvenz oder einer Existenzkrise befinden, als Turn- around-Kandidaten. Sie können das Risiko umgehen, indem Sie eine Vielzahl solcher Unternehmen bündeln und beispielsweise ein Zertifikat auf den MDAX kaufen. Da der MDAX aus vielen Werten besteht, verteilt sich Ihr Risiko auf diese Unternehmen. Selbst wenn eines der Unternehmen insolvent würde, hätte dies so gut wie keinen Einfluss auf Ihr Zertifikat.

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass sich ein Investment in diese Mid Caps gelohnt hätte. Der MDAX schnitt wesentlich besser ab als der behäbigere DAX. Diesen Effekt, der bereits in den 1980er Jahren beschrieben wurde, bezeichnen Wissenschaftler als „Small-Cap-Effekt“. Kleine oder mittelgroße Aktiengesellschaften sind viel beweglicher, dynamischer und innovativer als die großen Konzerne des DAX. Neue, weltbewegende Produktideen werden häufig zuerst von Tüftlern und Erfindern in Klein- und mittelständischen Unternehmen entdeckt. Anders als in den überbürokratisierten Riesen sind mittelständische Unternehmen kundennah und kennen die Probleme vor Ort. Die Umsatzentwicklung wird sorgfältig beobachtet, denn schon geringe Fehler und Kundenverluste können dramatische Folgen haben. Während Konzerne Krisen und Managementfehler oft jahrelang „aussitzen“ und ignorieren können, müssen mittelständische Unternehmen schnell handeln und Fehler sofort korrigieren. Kleinere Unternehmen können oft auch nicht die internationale Ausrichtung optimal ein- setzen und sich die Steuervorteile in anderen Ländern zunutze machen. Sie müssen daher sehr viel härter und nachdrücklicher um neue Absatzmärkte kämpfen.

Mittelgroße und kleine Aktiengesellschaften weisen häufig ein größeres Umsatz- und Gewinnwachstum auf als etablierte Konzerne, denn diese Klein- und mittelständischen Unternehmen stehen erst am Anfang. Daher ist die Rendite, die Sie mit solchen Aktien erzielen können, oft sehr viel größer als bei Blue Chips – vorausgesetzt, Sie wählen die richtige Aktie aus. Viele Unternehmen, die noch nicht lange am Markt sind, erweisen sich möglicherweise als nicht wettbewerbsfähig und müssen aufgeben. Auch scheinbar stabile Unternehmen können durch Marketingfehler oder unzulängliche Innovationen an den Rand einer Katastrophe geraten.

Aus diesem Grund sollten Anleger, die auf einzelne Aktien setzen, vorsichtig und umsichtig agieren. In den meisten Fällen ist es besser, ein Indexzertifikat zu kaufen, das das Risiko auf eine Vielzahl von Aktien verteilt. Anleger, die sich mit einer Indexstrategie nicht zufrieden geben, können auch Anlagestrategien wählen, die zu Überrenditeeffekten führen, wie sie in einem späteren Artikel vorgestellt werden.