Das Modell von Lent, Brown und Hackett (1994) gehört bis heute zu den wichtigsten Ansätzen, wenn es darum geht, berufliche Entscheidungen, Interessen und Leistungen zu verstehen. Es basiert auf der sozial-kognitiven Lerntheorie von Albert Bandura und stellt ein Konzept in den Mittelpunkt, das heute aktueller ist denn je: die Selbstwirksamkeit.
Gerade in einer Arbeitswelt, die sich durch Digitalisierung, Unsicherheit und ständigen Wandel auszeichnet, entscheidet oft nicht nur das Können über den Erfolg – sondern vor allem der Glaube an die eigenen Fähigkeiten.
Was bedeutet Selbstwirksamkeit?
Definition und Bedeutung
Selbstwirksamkeit beschreibt die Überzeugung eines Menschen, eine bestimmte Aufgabe erfolgreich bewältigen zu können. Es geht also nicht primär um die tatsächlichen Fähigkeiten, sondern um die eigene Einschätzung dieser Fähigkeiten.
Diese Überzeugung ist:
- dynamisch und veränderbar
- abhängig von Erfahrungen
- spezifisch für einzelne Lebensbereiche
Das bedeutet:
Jemand kann sich im beruflichen Kontext sehr sicher fühlen, während er in anderen Bereichen unsicher ist – oder umgekehrt.
Warum Selbstwirksamkeit oft wichtiger ist als Talent
Studien zeigen, dass Selbstwirksamkeit einen enormen Einfluss auf das Verhalten hat – oft unabhängig von den tatsächlichen Kompetenzen.
Wer an sich glaubt:
- setzt sich höhere Ziele
- bleibt länger dran
- geht Herausforderungen aktiv an
Wer dagegen zweifelt:
- vermeidet Risiken
- gibt schneller auf
- nutzt vorhandene Fähigkeiten nicht aus
Der Verstärkungseffekt: Ein Kreislauf aus Erfolg und Misserfolg
Ein zentrales Element des Modells ist ein sich selbst verstärkender Mechanismus.
Positive Spirale
Hohe Selbstwirksamkeit
→ stärkere Interessen
→ anspruchsvollere Ziele
→ aktives Handeln
→ Erfolg
→ noch höhere Selbstwirksamkeit
Negative Spirale
Geringe Selbstwirksamkeit
→ wenig Motivation
→ niedrige Ziele
→ halbherzige Umsetzung
→ Misserfolg
→ noch geringere Selbstwirksamkeit
Gerade in der heutigen Arbeitswelt – mit Konkurrenz, Social Media Vergleich und Unsicherheiten – geraten viele Menschen schneller in diese negative Spirale.
Erwartungen und Ziele: Zwei oft unterschätzte Faktoren
Neben der Selbstwirksamkeit spielen zwei weitere Faktoren eine wichtige Rolle:
Ergebniserwartungen
Diese beschreiben, welche Konsequenzen jemand von seinem Verhalten erwartet.
Ein Beispiel:
Eine Person ist überzeugt, eine Aufgabe gut zu meistern (hohe Selbstwirksamkeit), glaubt aber nicht, dafür eine Chance zu bekommen (geringe Erfolgserwartung).
Das führt häufig zu Demotivation.
Heute sieht man das oft bei:
- Bewerbungen ohne Netzwerk
- stark umkämpften Jobs
- internen Beförderungen
Persönliche Ziele
Ziele steuern unser Verhalten, unsere Ausdauer und unseren Einsatz.
Wichtig dabei:
Sie wirken auch ohne äußere Belohnung.
Menschen mit klaren Zielen:
- handeln strukturierter
- bleiben länger motiviert
- entwickeln mehr Disziplin
Aktuelle Forschung: Was Studien heute zeigen
Die grundlegenden Erkenntnisse von damals wurden in den letzten Jahren mehrfach bestätigt und erweitert.
Es gilt heute als gesichert:
- Selbstwirksamkeit beeinflusst Berufswahl und Karriereverlauf
- Sie wirkt sich direkt auf Leistung und Durchhaltevermögen aus
- Sie erhöht die Wahrscheinlichkeit, einen Job zu finden
- Sie fördert aktives Suchverhalten und Eigeninitiative
Gerade im Bereich Jobsuche zeigen aktuelle Studien:
Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit:
- schreiben mehr Bewerbungen
- bleiben länger dran
- gehen aktiver auf Chancen zu
- haben bessere Erfolgschancen
Lernen durch Erfahrung und Umfeld
Berufliche Präferenzen entstehen oft durch:
- positive Erfahrungen
- Vorbilder (Mentoren, Führungskräfte)
- soziale Bestätigung
Auch heute – trotz Digitalisierung – bleibt dieser Punkt entscheidend.
Selbstwirksamkeit im modernen Arbeitsmarkt
Die Arbeitswelt hat sich stark verändert:
- Remote Work
- häufige Jobwechsel
- steigende Anforderungen
- weniger Sicherheit
Das führt dazu, dass Selbstwirksamkeit noch wichtiger geworden ist.
Wer heute erfolgreich sein will, muss:
- eigenständig handeln
- Unsicherheiten aushalten
- sich ständig weiterentwickeln
Kann man Selbstwirksamkeit gezielt steigern?
Ja – und genau hier setzen moderne Trainings und Coaching-Ansätze an.
Studien (z. B. Gainor, 2006) zeigen, dass Selbstwirksamkeit durch gezielte Maßnahmen verbessert werden kann.
Wirksame Methoden sind:
- praktische Erfahrungen (Learning by Doing)
- kleine, erreichbare Ziele setzen
- positive Rückmeldungen
- Beobachtung erfolgreicher Vorbilder
- Coaching und Beratung
Gerade in der Karriereberatung wird dieses Wissen heute aktiv genutzt.
Fazit: Der Glaube an sich selbst ist ein Karrierefaktor
Die Theorie von Lent, Brown und Hackett ist heute aktueller denn je.
Denn in einer komplexen und schnelllebigen Arbeitswelt gilt:
Nicht nur Wissen entscheidet über Erfolg –
sondern vor allem die Überzeugung, dieses Wissen auch einsetzen zu können.
Wer seine Selbstwirksamkeit stärkt, verbessert nicht nur seine Chancen im Beruf, sondern auch seine Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen und langfristig erfolgreich zu sein.

FAQ – Häufige Fragen zur Selbstwirksamkeit im Beruf
Was versteht man unter Selbstwirksamkeit?
Selbstwirksamkeit ist der Glaube daran, eine Aufgabe erfolgreich bewältigen zu können – unabhängig von den tatsächlichen Fähigkeiten.
Warum ist Selbstwirksamkeit im Beruf wichtig?
Sie beeinflusst Motivation, Zielsetzung, Verhalten und letztlich auch den beruflichen Erfolg.
Kann man Selbstwirksamkeit lernen?
Ja, durch Erfahrungen, Training, Coaching und positive Rückmeldungen kann sie gezielt aufgebaut werden.
Was ist der Unterschied zwischen Selbstwirksamkeit und Selbstvertrauen?
Selbstwirksamkeit bezieht sich auf konkrete Aufgaben, während Selbstvertrauen eher ein allgemeines Gefühl ist.
Wie wirkt sich geringe Selbstwirksamkeit aus?
Sie führt oft zu Unsicherheit, geringerer Motivation und schlechteren Leistungen – selbst bei vorhandenen Fähigkeiten.
Welche Rolle spielt Selbstwirksamkeit bei der Jobsuche?
Eine hohe Selbstwirksamkeit erhöht die Aktivität, Ausdauer und damit die Chancen, erfolgreich einen Job zu finden.
Bandura zentrale Konzept der Selbstwirksamkeit (Bandura, 1977).

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