Behavioral Finance – die verhaltensorientierte Kapitalmarktforschung

Inzwischen sind nicht nur die Gesellschaftswissenschaftler, sondern auch die Bankmanager zu der Überzeugung gelangt, dass das, was gelegentlich als irrationale Abweichung einzuordnen war, letztlich das Normale und in vieler Hinsicht das wirksamere Element bei Anlageentscheidungen ist: das emotionale und irrationale Verhalten vieler Anleger.

Die Kurse an den Börsen unterliegen eben der kollektiven Psyche der Marktteilnehmer viel stärker, als man es noch vor wenigen Jahren vermutete oder wahrhaben wollte. Deshalb wird das Verhalten der Anleger auch zu einem ständig wachsenden Forschungsgegenstand, und in der Deutschen Bank gibt es sogar schon eine eigene Abteilung für Technical Analysis and Behavioral Finance. In Amerika existieren bereits mehr als 20 Professuren für die verhaltensorientierte Kapitalmarktforschung, und auch in Deutschland wächst die Nachfrage nach solchen Forschungs- und Beratungsleistungen. Professor Rüdiger von Nitzsch an der RW TH Aachen gilt als einer der profiliertesten Vertreter dieser Forschungsrichtung in Deutschland.

Nach seiner Meinung ist zwar jeder Investor anders, aber alle, ob Profi oder Privatanleger, machen die gleichen Fehler. Zu diesen typischen Fehlern gehört, dass Verluste zu spät und Gewinne zu früh in tatsächliches Handeln umgesetzt werden. Bei den Verlusten spielt die Hoffnung eine Rolle, dass sich der Trend doch noch umkehren möge, ohne dass man selbst aktiv wird, und bei den Gewinnen ist man bereit, lieber den Spatz in der Hand mitzunehmen als auf die Taube auf dem Dach zu warten. Ein besonderes Problem ist, dass Verluste emotional viel schwerer wiegen als Gewinne. Die meisten Anleger, ob Profis oder Privatleute, überschätzen ihre

Fähigkeit, Kurse zu prognostizieren. Dabei sind die Profis sogar noch schlimmer dran als die Privatinvestoren.

Weil jeder Profi auf die gleichen professionellen Informationen zurückgreift wie alle anderen Profis auch, kommen sie alle auch in ihren Entscheidungen zu den gleichen Ergebnissen, zu den gleich falschen, kann man sogar sagen. Die Trefferquote der Vorhersagen professioneller Anleger liegt nach verschiedenen Studien so ungefähr bei 40 Prozent. Privatanleger, denen nicht so viele Informationen zur Verfügung stehen und die emotional an die Sache herangehen, haben eine Trefferquote von etwas über 50 Prozent. Gleich gute Ergebnisse lassen sich auch durch das Werfen einer Münze erreichen.

Aber da man seinen eigenen Fähigkeiten ja viel zutraut, ist man auch bereit, Risiken einzugehen, die in Wirklichkeit kaum zu kalkulieren sind. Außerdem neigt der Mensch dazu, seine eigenen Entscheidungen und Meinungen zu rechtfertigen und sie im Zweifelsfall auch schönzureden.

Erschwerend kommt hinzu, dass man, wenn man einmal eine Meinung gefasst hat, auch nur nach Informationen Ausschau hält, die genau diese Meinung bestätigen und untermauern, gegensätzliche Informationen jedoch ignoriert. Im Ergebnis sieht es dann oft so aus, dass die Verlierer sagen: Meine Prognose war richtig, nur der Markt hat sich falsch verhalten.

In diesem Zusammenhang weist Nitzsch auch darauf hin, dass die Mehrzahl der Menschen viel zu verliebt in die eigenen Entscheidungen ist, um diese aufzugeben, selbst wenn sie sich als falsch erwiesen haben. Man bleibt dabei und basta! Verluste nimmt man trotzig in Kauf und frägt sie stolz, wie Studenten der schlagenden Verbindungen in der Vergangenheit ihre Narben zur Schau trugen.

Ebenfalls eine menschliche Eigenschaft scheint es zu sein, dass man nach Verlustphasen ängstlich reagiert und vor lauter Vorsicht selbst offensichtliche Gewinnchancen in den Wind schlägt, während man nach einigen Gewinnen sofort übermütig wird, über die Stränge schlägt und noch größere Risiken eingeht, bis das Gewonnene wieder zerronnen ist.

Nach verschiedenen Untersuchungen schaffen es tatsächlich nur 5 Prozent der Investoren, auf Dauer besser abzuschneiden als die normale Marktentwicklung.

In den USA ist man zu der Erkenntnis gelangt, dass dort die durchschnittlichen Anleger ihre Aktien viel zu häufig kaufen und verkaufen. Der typische amerikanische Anleger schichtet sein Portfolio pro Jahr zu 70 Prozent um. Kostolany und seine Schlaftabletten sind dort bis heute wohl unbekannt geblieben. Es ist eigentlich erstaunlich, dass Verluste viel mehr schmerzen, als Gewinne glücklich machen. Um die Verluste nicht sichtbar werden zu lassen, behält man eben einfach die Verliereraktien und verkauft die Gewinner mit kleinem Profit.

Und was macht man dann mit dem Geld? Man kauft erneut Aktien, bloß, wie die Statistiken zeigen, bringen die im Schnitt noch 6 Prozent weniger als die, die man verkauft hat, um die neuen kaufen zu können. Wohin geht dabei der Trend? Ganz klar nach unten! Die Portfolios der Anleger füllen sich mit Verliereraktien, aber irgendwo müssen natürlich auch die Gewinner bleiben. Und wo? Bei den Leuten, die mit kühlem Sachverstand und möglichst noch einer Checkliste an die Aktien heran- gehen.

Wie heißt es doch so schön unter den Börsianern: Hin und her macht Taschen leer. Ob long, ob short, das Geld ist fort! Auch dieser Spruch hat sich in der Praxis bestätigt. Frauen sind für dieses Hin und Her nicht so anfällig wie Männer und erst recht nicht so anfällig wie männliche Singles, die zu 67 Prozent häufiger ihre Aktien kaufen und verkaufen als die weiblichen Pendants.

Besonders riskant ist es, die Aktiengeschäffe übers Internet abzuwickeln, denn das animiert geradezu zum schnellen Kaufen und Verkaufen. Vergleicht man Onlinedepots mit traditionell geführten Aktiendepots, dann lässt sich sehr schnell beweisen, dass die Umschlaghäufigkeit im Internet auf bis zu 120 Prozent pro Jahr steigen kann. Dazu trägt nicht zuletzt auch die Informationsflut bei, die uns per Internet ins Haus kommt.

Die meisten Menschen glauben, je mehr Informationen sie hätten, desto besser wären sie in der Lage, Voraussagen zu treffen. Das ist jedoch nicht der Fall. Die meisten Informationen vernebeln nur das Gehirn. Die Börse funktioniert eben nur zu einem kleinen Teil aufgrund von Informationen und zu einem großen Teil aufgrund von Gefühlen.

Auch Rüdiger von Nitzsch hat fünf verschiedene Anlegertypen definiert und zudem entsprechende Tests entwickelt, mit denen jeder Anleger feststellen kann, zu welcher Kategorie er gehört. Ziel dieses Tests ist es aber nicht, nur die Selbsterkenntnis zu fördern, sondern auch die typbezogenen Fehler zu vermeiden und nach Möglichkeit sein Verhalten sogar zu ändern.

Der erste Typ ist der Einstandspreisorientierte. Er weiß immer genau, zu welchem Preis er eine bestimmte Aktie gekauft hat, und sein Ziel ist es, mit jeder Aktie Gewinn zu machen. Mit dieser Methode verliert er natürlich die Risikostreuung aus dem Auge und ist blind für die Erkenntnis, dass fast 50 Prozent aller Geschäfte nicht von Erfolg gekrönt werden.

Eine besonders originelle Idee ist die häufig gegebene Empfehlung, dass man weitere Aktien des gleichen Unternehmens kaufen sollte, wenn der Aktienkurs unter den gezahlten Einstandspreis fällt. So würde man rein statistisch die Verluste pro Aktie minimieren, da man ja die sinkenden Preise mit den höheren verrechnen könne. In der Konsequenz bedeutet dieser Ratschlag, der wirklich gar nicht so selten ist und in der Literatur immer wieder auftaucht, dass man bei fallenden Kursen immer mehr Verlustaktien kaufen soll, bis zum Schluss das ganze Portfolio nur noch aus Verlustbringern besteht, die nichts mehr wert sind. Aber wenigstens sind sie alle gleichmäßig nichts mehr wert.

Rüdiger von Nitzsch gibt den einstandspreisorientierten Anlegern den Tipp, sich immer wieder daran zu erinnern, dass es nicht wichtig ist, zu welchem Kurs man eine Aktie gekauft hat, sondern nur, welche Zukunftsaussichten sie hat.

Der nächste Anlegertyp ist derjenige, der vorschnell handelt. Er ist mit den Informationen zufrieden, die ihm gerade zur Hand sind, und macht sie zur Grundlage seiner Entscheidungen. Der Tipp für diesen Anleger lautet: Auch wenn etwas sehr plausibel ist, muss es noch lange nicht stimmen. Diesem Typ sehr ähnlich sind die Anleger, die an ihren Entscheidungen hängen und sich nicht eingestehen mögen, etwas falsch gemacht zu haben.

Hier lautet ein weiterer Tipp: Wer keine Fehler zugeben kann, macht damit zwei neue. Erstens verpasst er die Chance, aus der Vergangenheit zu lernen, und zweitens läuft er Gefahr, dass auch die zukünftigen Entscheidungen ebenso unvernünftig ausfallen wie die vergangenen. Es geht nicht darum, die eigene Vergangenheit schönzureden, sondern für die Zukunft tragfähige Grundlagen zu schaffen.

Der zu vorsichtige Anleger möchte jedes Risiko vermeiden und alles unter Kontrolle haben. Deshalb verpasst er viele Chancen. Hier ist der Tipp: Wenn man nur deshalb so vorsichtig ist, weil man glaubt, zu wenig über die Börse zu wissen, dann sollte man sich auf den Hosenboden setzen und dazulernen.

Der unvorsichtige Anlegertyp neigt dazu, seine Fähigkeiten zu überschätzen und deshalb waghalsig zu agieren. Er setzt viel zu viel auf eine Karte, konzentriert sich auf nur wenige Unternehmen und versucht so, schnell reich zu werden. Wenn er es tatsächlich wird, hat das mehr mit Glück als mit Können zu tun.

Der Tipp für diesen Anleger lautet: Sich bewusst machen, dass es immer, wenn man eine Aktie zu einem bestimmten Preis kaufen möchte, auch jemanden geben muss, der diese Aktie für diesen Preis verkauft. Man sollte deshalb immer genau überlegen, ob man selbst wirklich über so viel bessere Informationen verfügt als derjenige, der zum Verkauf dieser Aktie bereit ist.

Börse für Anfänger – Optimisten auf der Sonnenseite der Börse

Peter Lynch (Jahrgang 1944) gilt als einer der erfolgreichsten amerikanischen Fondsmanager aller Zeiten. Nach seinem Studium an der Wharton School of Finance und seinem Abschluss als Master of Business Administration (MBA) 1968 absolvierte er zunächst seinen Militärdienst und ging dann als Analyst zu Fidelity.

Peter Lynch managte von 1977 bis 1990 den Fidelity Magellan Fonds, und er machte ihn zum weltweit größten Aktienfonds. Rund eine Million Aktionäre haben in diesen Fonds investiert. Und wer 1977 bei ihm 10 000 Dollar angelegt hatte, besaß 1990 satte 280 000 Dollar.

Lynch hörte 1990 im Alter von 46 Jahren auf, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. Er legt heute für 16 Wohltätigkeitsorganisationen deren Geld an, und zwar ehrenamtlich. Lynch geht nach der so genannten Eyes- and-Ears-Investing-Methode vor (Investieren mit Augen und Ohren). Anders ausgedrückt, er setzt auf den gesunden Menschenverstand.

Seine Erfolgstipps: Kaufen Sie nur Aktien von Wachstumsunternehmen. Kaufen Sie nur Aktien von Unternehmen, die Sie kennen. Man muss eigenverantwortlich investieren, das heißt Entscheidungen nicht delegieren, den Aktienhandel verstehen und das Unternehmen, dessen Aktien man gekauft hat, im Auge behalten. Langfristig bringen kleinere Werte mehr Gewinn als Aktien großer Unternehmen.

Heiko Thieme (Jahrgang 1943) ist Deutschlands bekanntester Börsenexperte an der Wall Street. Nach seinem Jurastudium in Tübingen, Hamburg, Schottland und den USA begann er seine Börsenkarriere bei einer britischen Brokerfirma in Edinburgh und London. 1976 wechselte er in London zur amerikanischen Investmentbank White Weid und ging dann 1979 für die Deutsche Bank Capital Corporation nach New York. Dort war er verantwortlich für den US-Aktienmarkt.

1990 machte sich Thieme als Fondsmanager selbstständig, er gründete die Thieme Associates. Dann übernahm er das Management des American Heritage Fund und wurde Vorsitzender der American Heritage Management Corporation. Inzwischen hat Thieme noch einige andere Fondsgesellschaften gegründet. Er managt derzeit unter anderem drei Fonds: den Thieme Fonds International, den American Heritage Fund, den American Heritage Growth Fund sowie einen Offshore-Hedge-Fund. Daneben betreute er Depots vermögender Privatkunden.

Thieme schreibt gern und viel. Seine Veröffentlichungen erscheinen unter anderem in einer wöchentlichen ZvlZ-Kolumne, in Tageszeitungen und der Wirtschaftspresse. Außerdem tritt er oft im Fernsehen auf, sowohl in den USA als auch in Europa. Ein gesunder Börsenoptimismus ist für Heiko Thieme wichtig.

Und er bezeichnet sich selbst als sehr konservativ. Mit 95 Prozent meiner Prognosen liege ich schief, weil ich zu konservativ bin, hat Thieme einmal gesagt.

Seine Tipps für den Privatanleger sind unter anderem: Kaufen Sie nur dann Aktien, wenn Sie das Geld zur freien Verfügung haben, denn sie sollten diese dann mindestens zwei oder besser vier Jahre halten. In Ihrem Depot sollten 45 Prozent deutsche Aktien sein, 15 Prozent aus dem restlichen Europa, 25 Prozent aus den USA, 10 Prozent aus Asien und 5 Prozent aus dem Rest der Welt. Kaufen Sie die Aktie, die sie ausgewählt haben, bei allgemein schlechter Börsensituation, aber zunächst nur für etwa ein Viertel des Geldes, das Sie anlegen wollen. Fällt die Aktie um 5 bis 10 Prozent, kaufen Sie wieder 25 Prozent nach, bis alles Geld angelegt ist. Sollte der Kurs weiter fallen, hilft nur noch beten. Die Börse verhält sich meist absolut marktunüblich.

Trauern Sie Verlusten nicht nach, denn es gibt so viele Chancen, sie wollen nur entdeckt werden. Kaufen Sie nie eine Aktie, die Ihnen Ihr Freund, Nachbar oder sonst irgendjemand empfiehlt. Kaufen Sie nur Aktien von Unternehmen, die Sie kennen und verstehen. Wenn Sie keine Zeit haben, sich darüber zu informieren, fragen Sie lieber den Bankberater, als heißen Tipps zu folgen.

Ralph Acampora (Jahrgang 1942), Direktor der technischen Analyse bei der Investmentbank Prudential Securities, gilt als einer der treffsichersten charttechnisch orientierten Analysten der Welt. In seinen mehr als 30 Jahren Berufstätigkeit hat er mehrfach die Aktienwelt mit seinen Voraussagen überrascht, die immer wieder verlässlich eingetroffen waren. So Prophe-Fund, Julius Bär Special German Stock und Nestor Fonds Neue Märkte. Ochner hat als Erster das Potenzial des Neuen Marktes entdeckt und 50 Prozent der richtigen Neuer-Markt-Aktien ins Portfolio genommen, was einen Großteil seines Erfolgs ausgemacht hat. Zweimal war er bester Fondsmanager: 1991 kürte ihn die Zeitschrift Capital, 1998 Finanzen zum Manager des Jahres.

Ochner richtet sich hauptsächlich nach der fundamentalen Analyse. Er berücksichtigt er vor allem die Bilanz, die Gewinn-und-Verlust-Rechnung und die Unternehmensprognosen. Sein Ziel ist es, wachstumsstarke Unternehmen aufzuspüren. Es geht ihm darum, besser informiert zu sein als andere. Dazu führt er im Jahr rund 400 Gespräche mit den Managern der Unternehmen. Entscheidend für die Auswahl der Aktien ist seine Einschätzung der Marktposition, des technologischen Vorsprungs der Firmen und der Qualität der Vorstände. Nur wenn die Unternehmensstrategie überzeugt, kauft er.

Kurt Ochners Team besteht aus 30 Mitarbeitern, davon elf Fondsmanagern, die die tägliche Betreuung der Fonds übernehmen. Aber die Verantwortung für alles trägt allein Ochner, und er ist stets über alles informiert.

Ochner arbeitet bis zu 80 Stunden in der Woche. Als Fallschirmjäger- Offizier lernte er, schnelle Entscheidungen zu treffen und extremen Stress zu bewältigen. Ihm genügen vier Stunden Schlaf. Sein Tagesablauf ist voll durchorganisiert. Auf seinem zweistündigen Arbeitsweg wertet er die wichtigsten Tages- und Wirtschaftszeitungen aus und informiert sich, wie sich die Zinsen- und Rohstoffpreise entwickeln oder wie stabil der Euro ist. Ab und zu gönnt er sich etwas Besonderes. So hat er sich nach einem guten Geschäft mit Porsche-Aktien ein 911er-Cabriolet gekauft.

Pessimisten kann kein Crash überraschen
Wir leben in einem permanenten Crash. Das ist die zentrale These von Roland Leuschel (Jahrgang 1937), der als Börsenguru gilt, seitdem er den Kurssturz im Oktober 1987 prophezeite. Er war Chefstratege der Banque Bruxelles Lambert und lebt jetzt an der Algarve. Das Börsengeschehen analysiert er weiterhin und schreibt für das Wallstreet Journal oder Börse Online. Daneben hält er Vorträge, die mit bis zu 2500 Teilnehmern gut besucht sind.

Einer seiner Lieblingswitze steht in direktem Widerspruch zu Leuschels Tätigkeit: Was passiert, wenn der Weihnachtsmann, ein guter und ein

schlechter Guru gleichzeitig einen 10-Euro-Schein finden? – Der schlechte hebt den 10-Euro-Schein auf – denn die beiden anderen gibt es nicht.

Scharf kritisiert er den US-Notenbankchef Greenspan: Dem Notenbankchef ist die Kontrolle entglitten – rüsten Sie sich für den Crash. In Börse Online riet der Crashprophet Anfang Juli 1999: Der Investor hat jeden Grund, sein Wertpapiervermögen zu streuen, derzeit Aktien eher unter- und Liquidität überzugewichten. Damit wird er vielleicht nicht zu den Gewinnern gehören, aber auf keinen Fall zu den Verlierern.

Kapital ist scheu wie ein Reh, sagte er, als die Quellensteuer in Deutschland eingeführt wurde, die Milliarden von Geldern aus dem Land vertrieb. Den Markt hält er für die wahre Opposition der Regierung.

Leuschels eigenes antizyklisches Investment ist sein Weinkeller. Die 1 500 Flaschen besten Rotweins bescherte ihm 1974 der Ölschock. Der Wein, den sich japanische Kunden eines Weinlieferanten nicht mehr leisten konnten, wurde nach Antwerpen zurückgeschickt und landete auf einer Auktion. Leuschel ersteigerte die Flaschen zu 2 Euro je Stück. Kurs heute: 750 Euro pro Flasche. Zu einem Weinkeller rät er auch seinen Klienten für den Fall eines Crashs. Dazu ein Gewehr und einen Schäferhund.

Marc Faber gehört ebenfalls zu den Crash-Gurus. Er warnte vor dem Kursrutsch an der Wall Street 1987 und prophezeite frühzeitig die Asien- Krise. Der Investmentbanker lebt seit 1973 in Hongkong, wo er eine eigene Investmentfirma führt. Seine pessimistischen Vorhersagen haben ihm den Spitznamen Doctor Doom (Doktor Verhängnis) eingebracht. Aber nicht alles sieht er negativ. Die asiatischen Märkte haben für ihn noch einen langen Anstieg vor sich, und das Potenzial Chinas wird aus seiner Sicht noch stark unterschätzt.

Dr. Edward Yardeni ist der Chefökonom der deutschen Morgan Green- fell, eines Tochterunternehmens der Deutschen Bank in New York. Besonders stolz ist er offensichtlich auf seinen Doktortitel. Wir gönnen es ihm, denn er ist wirklich gut. Schließlich schreibt er monatlich Kolumnen für Zeitschriften rund um die Welt und trat mit seinen Erkenntnissen auch schon in vielen Radio- und Fernsehsendungen auf. Yardeni macht auch sehr viel Eigenwerbung mit seiner Internetseite yardeni*com.

Von nichts kommt nichts. Inzwischen wurde er für diesen Internetauftritt auch schon mehrfach ausgezeichnet, denn er bietet wirklich viele nützliche Informationen und Verknüpfungen. Auch wenn Yardeni lange Zeit optimistisch war, gehört er inzwischen ebenfalls zur Riege der Crash- Gurus, denn er sagt eine langfristig ablaufende Rezession voraus, die 1997 begonnen hat und sich ganz sukzessive rund um die Welt bewegen wird.

Börse für Anfänger – Tipps

Dank dem Kleinanleger leben sogar fast Totgesagte länger – und vielleicht auch besser? Noch vor wenigen Jahren wurde den sechs Regionalbörsen (außer Frankfurt) das schnelle Aus vorhergesagt. Der rasch vordringende Computerhandel und die Übermacht vom Main drängten die Kleinen an den Rand. -Frankfurt macht uns platt. Wir haben keine Chance!, so das vehemente Klagelied. Doch siehe da: Die Kleinen tauchen wie Phönix aus der Asche wieder auf. Zwar entfällt heute nur etwa ein Fünftel aller Umsätze im Aktienhandel auf die sechs Börsen außerhalb Frankfurts, aber schon rund 50 Prozent aller Abschlüsse. Ihr Erfolgsrezept: Sie haben sich sehr früh dem privaten Anleger zugewandt. Sie waren die Vorkämpfer für die Verbesserung und Erweiterung des Service. Die Verlängerung der Handelszeiten und die Herabsetzung der Mindestorder von 50 auf eine Aktie wurden nicht in Frankfurt zuerst eingeführt, sondern an den Regionalbörsen.

Vorreiter Berlin
Große Klappe, nix dahinter? Von wegen. Der Berliner ist mit seiner Börse höchst flexibel und kreativ, denn die Berliner Börse, mit Aktienumsätzen von 42,5 Milliarden Euro im Jahr 2000 die Nummer drei der Börsen in Deutschland, buhlte mit groß angelegter Werbekampagne nicht nur um Banken und Profis, sondern gerade um den privaten Anleger, der bisher zögerte, sein Geld auf diese Weise anzulegen. Mit der Versicherung Bei uns hat Ihr Kapital gute Aktien machte die Berliner Wertpapierbörse auf ihren deutlich ausgeweiteten Kundenservice sowie auf ihre Spezialangebote aufmerksam. Die Berliner Börse hat mehr als 8 000 verschiedene Papiere in ihrer Angebotspalette: Europäische Standardwerte, internationale Hightechtitel, darunter alle Nasdaq-Werte und eine Vielzahl von Osteuropaaktien. Der variable Handel ist schon ab einer Aktie möglich.

Mit Slogans wie Guthaben will es gut haben, Kapital braucht Abwechslung oder Wertpapiere stehen auf Berlin wurden Geld, Kapital und Vermögen bewusst vermenschlicht, um so positive Eindrücke im Kopf der Privatkunden hervorzurufen. Man wollte Anlegerneulingen über die Schwelle helfen, so Dr. Jörg Walter, Geschäftsführer der Berliner Wertpapierbörse. Anlagewillige und risikofreudige Kunden seien durchaus bereit, ihr Geld an der Börse anzulegen, doch scheuten sie diesen Schritt aufgrund mangelnder Informationen. Deshalb hat die Berliner Wertpapierbörse ein Infotelefon eingerichtet, das Fragen der Privatanleger beantwortet. Der Internetauftritt unter berlinerboerse*de und ein regelmäßig erscheinender Newsletter gehören mit zum Serviceangebot.

Ein Maßanzug für den Privatanleger
Berlin ist die erste Börse, die eine speziell auf Privatinvestoren zugeschnittene Handelsplattform anbietet, und zwar seit dem 1. Februar 2001. Inzwischen hat die Frankfurter Börse nachgezogen. Ein völlig neues Webportal, das unter Mitwirkung von Reuters und Microsoft realisiert wurde, ermöglicht in Berlin privaten Anlegern den Zugang zum Onlinehandel. Damit ist das Ende der Zweiklassengesellschaft von Profis und Privatinvestoren eingeläutet, sagte der Börsenchef ganz richtig. Das Web ist dabei der entscheidende Schritt bei der Herstellung von Gleichheit, wenn auch nicht Brüderlichkeit, von Privatinvestoren und Profis, so Walter.

Das Orderbuch lüftet seine Geheimnisse
Früher war es nur den Profis Vorbehalten — heute kann der Privatanleger elektronisch jederzeit und ohne Verzögerung Einblick in das Orderbuch erhalten. Dieses bietet die aktuelle Orderlage, verbindliche Geld-Brief- Spannen, sofortigen Zugang zum Direktbroker und dazu die Garantie einer durchschnittlichen Ausführungsgeschwindigkeit der Order von 30 Sekunden. Durch die Einsicht in die aktuelle Ordersituation wird es dem Privatanleger möglich, seine Aufträge unmittelbar der aktuellen Marktsituation anzupassen. Er kann im Internet sowohl die laufend aktualisierten Angebote des Maklers, die so genannten Quotes, nutzen als auch auf die noch nicht ausgeführten Orders anderer Aktionäre (Überhänge) zurückgreifen.

Erforderlich ist nur ein Internetanschluss, die Verbindung mit berlinerboerse*de und der Klick in das Orderbuch. Wenn der Direktbroker des Anlegers an den Service der Berliner Börse angeschlossen ist, wird im Orderbuch die per Mausklick generierte Order direkt an dessen Bank weitergeleitet. Falls dies noch nicht der Fall ist, ermöglicht die Einsicht in die aktuelle Kurs- und Auftragslage zumindest einen wesentlichen Informationsvorsprung gegenüber der herkömmlichen Auftragserteilung. Die Berliner Wertpapierbörse nimmt für sich in Anspruch, für den Kunden faire und beste Preise zu ermitteln. Der hohe Umfang des Handels ermöglicht eine schnelle Ausführung der Order, denn je mehr Kurse beziehungsweise Preise in einem Wert festgestellt werden, desto eher hat der Anleger die Chance, zu dem von ihm gewünschten Preis seinen Auftrag abgewickelt zu bekommen.

Anlegerschutz als Erfolgsfaktor
Anlegerschutz wird in Berlin groß geschrieben. Gewährleistet wird der ordnungsgemäße Handel im Berliner Freiverkehr zunächst einmal durch die Freiverkehrsrichtlinien. Hinzu kommt ein umfangreiches Spektrum weiterer Anforderungen. Für Unternehmen, die noch an keiner anderen Börse notiert sind, gelten zusätzliche Regularien für die erstmalige Einbeziehung. Die Überwachung des Handels erfolgt durch die Mitarbeiter der Handelsüberwachungsstelle, die während des Börsenhandels vor Ort sind und mit allen Marktteilnehmern in kontinuierlichem Kontakt stehen. Mithilfe technischer Systeme haben sie die Möglichkeit, die Handelsabläufe konkret zu überwachen. Den Privatinvestoren wird best execution, das heißt ein optimaler Preis, garantiert. Mithilfe stets aktueller, besonders enger und derzeit handelbarer Quotes (also Angebote des Maklers) durch den so genannten Liquidity Provider erhalten Sie den absolut marktgerechten und damit jederzeit fairen Preis, auch im Vergleich zu internationalen Börsenplätzen. Die im Orderbuch vom Makler eingestellten Angebote sind verbindlich. Für die dort angegebene Stückzahl beziehungsweise bis zu einem Ordervolumen von 5 000 Euro garantiert der Makler die Ausführung der Order. Ein umfassendes Regelwerk verpflichtet die Makler zu engen, kontinuierlich zu aktualisierenden Preisstellungen bei ihrem Angebot. Um für die Privatanleger den Handel auch besonders preisgünstig zu machen, wird ab Anfang April 2001 an der Berliner Börse die Maklergebühr von 0,8 auf 0,4 Promille halbiert.

Düsseldorfer Börse: von der Schwerindustrie zum Privatmann
Früher galt die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt als der Schreibtisch des Ruhrgebiets. Alles, was dort passierte, stand ganz im Dienst der Kohle- und Stahlerzeugung. Das galt auch für die Börse, die sich als Spezialgebiet besonders den Aktien der Schwerindustrie widmete. Aber so, wie die großen Konzerne nach neuen lukrativeren Aufgaben suchten, tat es auch die Börse Düsseldorf. Sie hat schon vor einigen Jahren begonnen, sich auf den Privatanleger zu konzentrieren. Sein Anteil am Geschäft macht inzwischen über 80 Prozent aus. Schätzungsweise 30 Prozent der privaten Anleger ordern dabei online, so Dr. Detlef Irmen, Geschäftsführer der Börse Düsseldorf. Im Jahr 2000 betmg das Handelsvolumen der Düsseldorfer Börse 283,7 Milliarden Euro, davon 201,45 Milliarden mit Aktien und 82,26 Milliarden mit Renten.

Quality Trading als Markenzeichen
Mit Quality Trading hat die Börse Düsseldorf ein Qualitätsmerkmal geschaffen, das inzwischen auch an anderen Börsenplätzen Nachahmer gefunden hat. Durch eine Selbstverpflichtung der Makler werden eine zweiminütige Orderbearbeitung, marktgerechte Preise und Transparenz im Handel ermöglicht. Die Börse Düsseldorf sieht im Quality Trading den entscheidenden Standortvorteil, der auch im laufenden Jahr weiter ausgebaut werden soll. Dabei wird die Neutralität und Unabhängigkeit des Handelsplatzes als wichtiges Qualitätsmerkmal angesehen. Die Börse Düsseldorf will sich trotz der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft nicht an einzelne Marktteilnehmer oder kommerziell ausgerichtete Projekte anbinden. Die Anleger erwarteten einen neutralen Marktplatz. Dieses Grundprinzip ist gerade im Wettbewerb mit elektronischen und außerbörslichen Handelssystemen ein entscheidender Vorteil. Die behördliche Handelsüberwachung in Düsseldorf bietet eine Sicherheit, die der Anleger nirgendwo sonst findet. Im Gegensatz zur Berliner will die Düsseldorfer Börse sich nicht auf einzelne Produkte spezialisieren, sondern dem Anleger immer alle Werte bieten, die er handeln möchte. Dieses breite Angebot hat sich laut Börsengeschäftsführer Dirk Elberskirch bewährt, und es wird laufend erweitert.

Bessere Chancen für junge Unternehmen
Im Frühjahr 2001 starteten die ersten Unternehmen im neuen IPO-Segment. IPO ist die Abkürzung für Initial Public Offering, das heißt erstes öffentliches Angebot oder Neuemission. Mit diesem Marktsegment soll jungen Unternehmen die Chance auf einen schnellen Börsengang gegeben werden. Das Alter spielt keine Rolle, allerdings sind die Auflagen des Anlegerschutzes besonders streng.

Neben einer vorgeschriebenen Aktienstreuung von mindestens 20 Prozent und einem Mindestkapital von 250 000 Euro oder 100 000 Stück müssen auch Ad-hoc-Mitteilungen, Zwischen- und Quartalsberichte sowie der Anteilsbesitz von Vorstand und Aufsichtsrat offen gelegt werden. Die Altaktionäre müssen ihre Aktien mindestens 18 Monate halten. Einmal jährlich muss eine Researchstudie eines unabhängigen Analysten vorgelegt werden. Die Emissionsbegleiter sollen Betreuerpflichten übernehmen. Ziel ist es, dass die Anleger bereits in einer frühen Finanzierungsphase in ein Unternehmen investieren können und ihnen eine Informationsbasis geschaffen wird, die internationalen Standards genügt.

Auf dem Weg zum Full-Service-Dienstleister
Die Börse Düsseldorf sieht sich in einem Wandel vom reinen Wertpapierhandel hin zum Full-Service-Dienstleister. Sie bietet den Privatanlegern ein umfangreiches Seminarprogramm, an dem bisher schon über 3000 Interessenten teilgenommen haben. So gibt es Abendseminare, zum Beispiel zu den Themen Neuemissionen: Marktsegmente und vorbörslicher Handel, Optionsscheine für Fortgeschrittene, Vom Aktieneinsteiger zum Börsenprofi, Einführung in die Chartanalyse, Anlagestrategien und fest verzinsliche Wertpapiere sowie Wie funktioniert die Börse — Abläufe und Börsensprache.Neuerdings kommt die Düsseldorfer Börse auch direkt zu ihren Anlegern nach Köln, Frankfurt, Berlin oder auch nach München. In Ganztagesseminaren speziell für Privatanleger vermitteln Profis vom Parkett, wie die Börse funktioniert, und vor allem, wie man erfolgreich handelt. Die

Themen orientieren sich am Interesse der Anleger und wurden aus den zahlreichen Anfragen am Infotelefon der Kursmaklerkammer zusammengestellt. Programmpunkte des Seminars sind So funktioniert die Börse“, Ordern an der Börse, aber richtig, So entstehen Kurse an der Börse, Wo finde ich seriöse Börseninformationen, Börsenprodukte und Marktsegmente, Anlagestrategie: von spekulativ bis sicher, Einführung in die Charttechnik und Aktuelle Marktanalyse.

Außerdem wurde das Düsseldorfer Börsenparlament ins Leben gerufen. Es ist ein interaktives Diskussionsforum, das von der Börse Düsseldorf und den Gesellschaften Börsenmakler Schnigge AG, Lang und Schwarz AG und Spitz AG getragen wird. Die Produktion liegt in den Händen der Düsseldorfer Stock TV. Die Veranstaltungen mit hochkarätigen Gästen finden einmal im Monat in Düsseldorf statt und werden auch über die Seite boersenparlament*de im Internet übertragen. Thema der Veranstaltung am 7. Februar 2001 war Biotech-Aktien, Hoffnungsträger am Neuen Markt? Zu den Dienstleistungen der Düsseldorfer Börse gehört auch die Radiobörse, in der die Börsenexperten jeden Donnerstag von 18 bis 19 Uhr auf dem Sender Antenne Düsseldorf Fragen der Hörer beantworten. Darüber hinaus präsentiert sich die Börse Düsseldorf regelmäßig auf der Anlegermesse in Düsseldorf. Abgerundet wird das Serviceprogramm für den Privatanleger durch den Internetauftritt boerse-duesseldorf*de.

Stuttgarter Börse: Finanzwelt auf Schwäbisch
Die Stuttgarter Börse eröffnete schon am 9- September 1998 den ersten Börsentreff in Deutschland. Damit sollte ein Zeichen gesetzt werden, dass die Börse nicht Geschlossene Gesellschaft bedeuten muss. Auch die Stuttgarter Börse verfolgt heute das Ziel, dem Privatanleger den bestmöglichen Service zu bieten. Dazu gehört unter anderem, ihm einen Raum zur Informationsbeschaffung und zum Informationsaustausch über die Wertpapieranlage zu offerieren, sagte Börsenpräsident Rolf Limbach anlässlich der Eröffnung. Er geht davon aus, dass die Privatanleger es honorieren, wenn ihnen Dienstleistungen angeboten werden, bei denen sie sich als wichtige Marktteilnehmer verstehen und sich wie die Profis behandelt wissen. Im Börsentreff im Foyer der Börse können Interessierte fachsimpeln und sich Informationen zur Geldanlage über das Internet beschaffen. Computer laden zum Surfen ein, und die Finanzinformationsdienste Reuters und vwd liefern auf eigenen Bildschirmen Daten, Kurse und Finanznach richten in Echtzeit. Über ein weiteres Terminal von der Direktanlage- Bank können Kunden der Bank direkt elektronisch ordern. Außerdem gibt es einen n-tv-Bildschirm, und auf anderen Monitoren kann man Kurzinformationen individuell abrufen.

Über das Callcenter der Börse Stuttgart haben Anleger die Möglichkeit, Kurse, Umsätze und Ausstattungsmerkmale direkt vom Parkett abzufragen und allgemeine Informationen zu Events oder Börseneinführungen zu erhalten.

Sicherheit und Risiko bei Deutsche Fonds

Warum kaufen so viele Deutsche Fonds? Was steckt dahinter? Sie wollen beides: Sicherheit fürs eigene Kapital und fette Renditen. Mit Fonds glauben sie diesen Spagat auf einfache Weise zu meistern.

Die Banken und Investmentgesellschaften werben inzwischen ja auch auf ganz aggressive Weise für diese Produkte bei den Kleinanlegern. Nicht nur über Anzeigen, Direct-Mail-Werbebriefe sowie Fernseh- und Rundfunkwerbung, sondern auch durch die direkte Ansprache am Bankschalter (Sie haben auf Ihrem Girokonto so viel Geld, sollen wir das nicht für Sie anlegen?) und natürlich auch über die Drückerkolonnen der so genannten Strukturvertriebe, die sich ganz vornehm Finanzberater nennen und selbst achtzigjährigen Omas Bausparverträge mit 30 Jahren Laufzeit verkaufen.

Natürlich stehen die Fonds in der Werbung immer ganz prächtig da. Nicht weil sie alle mehr Rendite und weniger Risiko bringen, sondern ganz einfach deshalb, weil die Institute mit Fonds mehr Geld verdienen als mit dem Verkauf von Aktien.

Folgende Argumente werden für den Kauf von Fondsanteilen angeführt:

  • Erstens: Durch die Verteilung des Geldes auf viele unterschiedliche Anlagen vermindere sich das Gesamtrisiko.
  • Zweitens: Nur Fonds böten die Möglichkeit, mit einem kleinen Einsatz von etwa 50 Euro gleichzeitig in unterschiedliche Anlagen zu investieren.
  • Drittens heißt es immer, Fondsanteile seien etwas für Anleger, die keine Zeit oder Lust haben, ständig den Markt, die Konjunkturentwicklung und die Unternehmen zu beobachten. Das könnten sie beruhigt dem Fondsmanager und seinen Analysten überlassen.

Dies alles stimmt – aber nur bedingt. Der Teufel steckt im Detail. Vorsicht vor den großen Pauschalierern!

Erstens ist es heute bei den hoch spezialisierten Fonds keineswegs so, dass das Risiko breit gestreut wird. Wer sein Geld zum Beispiel in den so beliebten Branchenfonds anlegt, kann viel verlieren, wenn es nämlich – wie beispielsweise im Jahr 2000 mit der Telekommunikation – mit der ganzen Branche abwärts geht. Zweitens kann man heute durchaus auch für 50 Euro Aktien kaufen, denn inzwischen haben die Börsen die Mindestorderhöhe abgeschafft und den Kauf einer einzigen Aktie ermöglicht. Drittens ist es keineswegs so, dass man einen Fondsanteil unbesehen kaufen, sich beruhigt schlafen legen und dem Fondsmanager alle Entscheidungen überlassen kann. Denn einerseits wird einem nicht die Entscheidung abgenommen, ob man sein Geld zum Beispiel in Fonds mit deutschen oder internationalen Aktien anlegt oder bei Branchenfonds und in welche Branche. Andererseits gibt allein die Tatsache, dass die Fonds von Profis verwaltet werden, noch lange keine Garantie dafür, dass auch Gewinne erzielt werden. Profis irren sich leichter als Amateure. Börsenpsychologen haben das statistisch nachgewiesen.

Deshalb war 2000 auch für viele private Fondsanleger ein unbefriedigendes Jahr. Wer in die falschen Branchen oder bei den falschen Investmentgesellschaften investiert hatte, dessen Geld war futsch. Das beweist eine Untersuchung der Wirtschafts Woche über die Wertentwicklung einzelner Aktienfonds im Jahr 2000 sehr deutlich. Fonds bestimmter Branchen haben danach wesentlich schlechter abgeschnitten als weltweite, europäische oder deutsche Aktienfonds. Nur in einer Branche konnte man Riesengewinne machen: bei der Pharma- und Biotechnologie. Bei zwei Fonds haben die Anleger ihren Einsatz mehr als verdoppelt. Der Life Science Trust von Carl Spängler erzielte eine Weitsteigerung von 111,8 Prozent und der Framlington International Portfolios Health Fund steigerte sich um 103,5 Prozent. Weitere drei Fonds brachten es immerhin auf ein Plus von 98,8 Prozent, 91,3 Prozent und 89,4 Prozent. Aber wer wusste das wirklich im Voraus?

Ganz anders sah es bei den Telekommunikationsfonds aus, der großen Hoffnungsbranche, angeführt von der Telekom. Hier haben alle fünf untersuchten Fonds nur Verluste gebracht, und die lagen zwischen minus 9,3 Prozent bei Activest Lux TeleGlobal und minus 20,2 Prozent bei DIT- Multimedia. Bei den Technologiefonds erzielten nur drei von fünf Fonds einen Wertzuwachs, der aber minimal war. An der Spitze stand mit einer Wertsteigerung von 2 Prozent der Henderson Horizon-Global Technology Fund, am Ende der Invesco GT Technologie Fund C mit einem Verlust von 4,5 Prozent. Diese Unterschiede in der Wertentwicklung zeigen deutlich, dass es nicht nur darauf ankommt, in die richtige Branche zu investieren, sondern dass es ganz offensichtlich auch unterschiedliche Qualitäten des Fondsmanagements gibt. So lag im Bereich Finanzwerte der Davis Financial Fund von New York Advisers mit einem Wertplus von 42,2 Prozent weit vor den Konkurrenten. Andere Fonds brachten es nur auf 20,2 bis 24,4 Prozent.

Das Erfolgsrezept der guten Fondsmanager bestand darin, rechtzeitig das Portfolio umzuschichten. So wurden zum Beispiel Aktien aus den Branchen Technologie, Medien und Telekommunikation abgestoßen und dafür Pharma- und Biotechaktien oder auch Erdgas-, Erdöl- und Brennstoffzellenaktien gekauft. Erfolgreich waren auch die Fonds, die schon im Frühjahr ihren Anteil an Aktien des Neuen Marktes reduziert haben. Nur so hat Portfolio Partner-Universal G 38 Prozent Gewinn erreicht. Und was ist, wenn der jeweilige Fondmanager die Trends nicht erkennt oder nicht rechtzeitig umschichtet? Pech für den Anleger, denn er hat ja kein Weisungsrecht, und merken wird er es erst dann, wenn es eigentlich zu spät ist und der Wert seiner Fondsanteile sinkt. Also, was tun? Augen auf!

Rating für die Besten
Während die oben genannte Untersuchung sich nur auf einen Betrachtungszeitraum von einem Jahr bezieht, in dem es auf und ab ging, bewertet die Analysegesellschaft Feri Trust die Fondsentwicklung innerhalb von fünf Jahren. Sie hat ein eigenes Fondsrating, also ein Bewertungssystem entwickelt mit dem Ziel, Anlegern systematische, nachvollziehbare und verständliche Entscheidungsgrundlagen bieten zu können. Dazu gehört, dass das Rating sowohl die Ziele als auch die Zwänge des Fondsmanagements berücksichtigt (die gibt es nämlich auch). Wichtig war Feri Trust auch,

  • dass herausragende Fähigkeiten von Fondsmanagern erkennbar werden. Jeder Mensch ist schließlich anders, und die wenigsten Anleger werden sich persönlich ein Bild von den Leuten machen können, denen sie ihr Geld anvertrauen;
  • dass der Managementstil und die Investmentziele im Einklang stehen;
  • dass Fehlinvestitionen in weniger gute Fonds vermieden werden können und durch die Selektion von Topanlagetiteln deutlicher Mehrwert geschaffen werden kann.

In der Praxis heißt das: Neben den quantitativen Aspekten wie Performance und Risikokennzahlen, die man berechnen kann, bekommen qualitative Aspekte eine besondere Bedeutung, das Verhalten in Auf- und Abschwung

phasen sowie die Abschätzung von Verlustrisiken. Interviews mit den Fondsmanagern dienen der Überprüfungen der methodischen Konzepte und der Analyse des Managementstils. Das Feri Trust Fonds Rating setzt sich deshalb aus drei Indikatoren für die Performance, für das Risiko und für das Management zusammen. Der Performance-Indikator untersucht die Wertentwicklung. Er dient dazu, die Leistung des Fondsmanagements mit dem jeweiligen Index, zum Beispiel bei deutschen Aktien mit dem DAX, und den Konkurrenzprodukten zu vergleichen. Hier wird auch die Stabilität beurteilt, das heißt, wie oft innerhalb der fünf Jahre der Fonds im einem beliebigen Dreimonatszeitraum besser abgeschnitten hat. Der Risiko-Indikator versucht das mit dem Kauf eines Fondsanteils verbundene Risiko abzuschätzen. Anhand der jährlichen Kursschwankungen des Fonds wird das Timing-Risiko untersucht, also die Möglichkeit, durch einen falschen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt überdurchschnittliche Verluste zu machen oder Chancen zu verpassen. Außerdem wird mithilfe verschiedener Kennzahlen das Verlustrisiko berechnet, das angibt, ob der Fonds bei Kursverlusten mehr, weniger oder gleich viel verliert wie der Index. Der Management-Indikator durchleuchtet anhand von Interviews und Fragebögen die Qualität des Fondsmanagements. Diese drei Indikatoren ergeben dann eine Bewertung, die Fonds in fünf Klassen einteilt: A für sehr gut, B für gut, C für durchschnittlich, D für unterdurchschnittlich und E für schwach. Hier die Ergebnisse von Feri Trust: Weltweit die besten Fondsgesellschaften sind Morgan Stanley Dean Witter, die niederländische ABN Amro, DWS, Threadneedle und Merrill Lynch Investment Managers. Das hat die im Dezember 2000 veröffentlichte Untersuchung im Auftrag der Frankfurter Allgemeine Zeitung ergeben.

Mehr als 120 Kapitalanlagegesellschaften mit rund 860 Fonds, die seit mehr als fünf Jahren bestehen und in Deutschland zugelassen sind, hatte Feri Trust überprüft. Dabei ging es darum, wie viele Fonds der einzelnen Gesellschaften das Rating A oder B erhalten haben und welchen Anteil diese an den gesamten Fonds des betreffenden Institutes ausmachen. Bei Morgan Stanley Dean Witter hatten die Fonds mit dem Rating A oder B einen Anteil von 69,2 Prozent, ABN Amro kam auf 66,7 Prozent, DWS auf 65,9 Prozent, Threadneedle auf 64,3 Prozent, und bei Merrill Lynch Investment Managers erhielten 6l,5 Prozent aller Fonds das Rating A oder B.

Morgan Stanley Dean Witter (MSDW) verwaltet nach eigenen Angaben derzeit ein Vermögen von rund 548 Milliarden Dollar. In Deutschland ist bei MSDW der Anteil der Publikumsfonds noch recht gering, die Gelder kommen vor allem von Institutionen, Versicherern, Banken und Pensionskassen. Dies soll sich jedoch im Jahr 2001 ändern. Geplant ist die Installation eines neuen Abwicklungssystems, um Konten für Privatkunden im großen Umfang verwalten zu können.

ABN Amro plant eine Erweiterung seiner Internetaktivitäten. Der neue Auftritt soll sich sowohl an institutionelle als auch an private Kunden richten. Bisher lag der Schwerpunkt der vor drei Jahren gegründeten Kapitalanlagegesellschaft ABN Amro Asset Management Deutschland noch bei der Verwaltung institutioneller Gelder. Dieser Bereich soll weiter verstärkt, daneben aber auch der Privatkundenbereich ausgebaut werden. Bei der Auswahl einzelner Aktien konzentriert sich ABN Amro auf Unternehmen, die in ihrem Bereich Marktführer sind, innerhalb der Branche eine herausragende Stellung einnehmen und ein überdurchschnittliches Wachstum versprechen. Diese Kriterien sieht man unter anderem im Pharma- und Biotechnologiebereich erfüllt.

Was man über Investmentfonds noch wissen sollte
Investmentfonds sammeln das Geld vieler Investoren und legen es in Immobilien, Aktien, Anleihen oder anderen Anlageformen an. Fonds werden von einer Kapitalanlagegesellschaft verwaltet, die auch Investmentgesellschaft genannt wird.

Das Fondsvermögen, genannt Sondervermögen, das den Anlegern gehört, wird bei einer Depotbank hinterlegt. Diese wickelt auch die Kauf und Verkaufsaufträge des Fondsmanagements ab und berechnet am Ende eines jeden Börsentags den Wert des Sondervermögens von offenen Fonds. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen geschlossenen und offenen Investmentfonds. Bei geschlossenen Fonds wird nur eine bestimmte Zahl von Anteilen ausgegeben. Die Fondssumme wird von vornherein begrenzt. Ist diese Höhe erreicht, wird der Fonds geschlossen. Außerdem ist die Investmentgesellschaft nicht verpflichtet, während der Laufzeit Anteile zurückzunehmen.

Bei offenen Investmentfonds bestehen kein Grenzen hinsichtlich der Anlagesumme und der Anteile. Es können ständig neue Anteile gekauft oder alte an die Investmentgesellschaft zurückgegeben werden. Den Wert eines Anteilscheins errechnet die Depotbank börsentäglich. Steigt der Wert der in dem Fonds enthaltenen Papiere, erhöht sich auch das Fondsvermögen und damit der Wert der einzelnen Anteilscheine. Der Wert des einzelnen Anteilscheins errechnet sich, wenn man das gesamte aktuelle Fondsvermögen durch die Anzahl der ausgegebenen Anteilscheine teilt. Zu den offenen Investmentfonds gehören offene Immobilienfonds und offene Wertpapierfonds. Letztere unterscheidet man grob in Aktienfonds, Rentenfonds und Mischfonds aus Aktien und Rentenpapieren. Darüber hinaus gibt es Spezialfonds aus Optionsscheinen, Futures oder so genannte Dachfonds, die ausschließlich in andere Investmentfonds investieren. Zu Aktienfonds gehören Standardaktienfonds, Länder-, Branchen- und Aktienindexfonds, zu Rentenfonds Standardrentenfonds, Geldmarktfonds und Rentenindexfonds.

Erst seit drei Jahren gibt es die so genannten AS-Fonds, sie werden aber inzwischen von fast allen Banken und Sparkassen angeboten. AS ist die Abkürzung für Altersvorsorgesondervermögen. Dies ist eine Art Sammelbecken mit einer Mischung aus Aktien, Rentenpapieren und Immobilien.

Der Aktienanteil darf 75 Prozent nicht übersteigen, nur dann sind die Gewinne bei einem Anlagezeitraum von mindestens 18 Jahren steuerfrei. Schon ab 25 Euro im Monat kann man mit dieser Anlageart für sein Alter Vorsorgen. Die Renditeerwartungen der Banken liegen zumeist zwischen 6 und 10 Prozent. Angeboten werden risikoarme und risikoreiche AS- Fonds.

Rechte und Pflichten von Kapitalanlagegesellschaften und den Depotbanken und sämtliche Einzelheiten des Fondsgeschäfts sind im Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften geregelt, und die Gesellschaften werden vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen überwacht. Kaufen kann man Fondsanteile bei einer Bank oder direkt bei einer Kapitalanlagegesellschaft. Sie werden aber auch im hohen Maße über Strukturvertriebe angeboten, wozu es sehr unterschiedliche Meinungen gibt. In der Regel werden Fondsanteile mit einem einmaligen Ausgabeaufschlag von 1 bis 7 Prozent ausgegeben. Das ist die Differenz zwischen dem Ausgabe- und dem Rückgabepreis. Diesen Ausgabeaufschlag verwenden die Fondsgesellschaften für das Fondsmanagement. Er erscheint normalerweise nicht in den Kontoauszügen, sondern wird fondsintern verrechnet.

Als laufende Kosten, die der Anleger zusätzlich tragen muss, kommen jährliche Verwaltungsgebühren für die Fondsgesellschaften und die Depotgebühren für die Bank hinzu. Diese sind von Institut zu Institut unterschiedlich und werden immer fällig, auch wenn der Wert des Fonds ins Minus rutscht. Der Besitzer von Fondsanteilen muss die anfallenden Dividenden versteuern. Wenn er seine Anteile verkauft, fallen auf die realisierten Veräußerungsgewinne nur Steuern an, wenn die Spekulationsfrist von einem Jahr nicht eingehalten wurde.

Fazit: Die Investmentbranche boomt, immer mehr wollen am Kuchen beteiligt sein. Eine Bewertung anhand der Performance“ erleichtert dem Anleger die Übersicht und setzt die Investmentgesellschaften massiv unter Erfolgsdruck, besonders die Zunft der Fondsmanager. Das ist auch gut so. Zumindest für den Anleger. Fondsmanager müssen Ergebnisse zeigen und eine gute Wertentwicklung ihres Fonds ausweisen, dafür werden sie auch sehr gut bezahlt – oder anderenfalls gefeuert, denn ihr Erfolg lässt sich ganz klar und deutlich messen an der Performance des von ihnen verwalteten Fonds.

Die Finanzanalysten zwischen Dichtung und Wahrheit

Finanzanalysten: An der Börse werden sie schon mal verächtlich Geschmeiß- genannt. Anleger erwarten, dass sie so etwas wie Hellseher sind.

Im günstigsten Fall sind sie Fachleute. Und wenn sie auch noch Erfolg haben, sind sie eine wirkliche Rarität. Finanzanalyst kann sich nämlich (fast) jeder nennen.

Schon Endzwanziger, direkt von der Uni und per Schnellkurs angelernt, dürfen sich Internet-Analyst“ nennen. Wenn sie den Daumen heben oder senken, in ihren immer hastiger auf den Markt geworfenen Analysen etwas von akkumulieren, strong buy, underweighten, seil, Outperformer, Market Performer und Underperformer flüstern, beben Kurse, zittern oder frohlocken Manager, weil Investoren fast blind und umgehend den Empfehlungen folgen.

Früher waren sie die Erbsenzähler von Firmendaten, die Unternehmensdetektive im Auftrag ihrer Arbeitgeber, der Banken. Daten der Aktiengesellschaften gewichten, sie im Vergleich zum Kurs und der Branche werten. Das war ihr Job. Die Experten – kaum bekannt, aber meist erfahrene, ausgebuffte Bilanzprofis, die manch faulen Trick in der Bilanz entdeckten —, und das alles für ein mageres Gehalt.

Heute gehören Analysten zu den besser verdienenden Bankangestellten, bereits nach ein bis zwei Berufsjahren sind Gehälter von rund 100 000 Euro durchaus üblich. Gute Leute sind schwer zu bekommen, die Fluktuation ist hoch.

Finanzanalysten sind also Wertpapierfachleute, die ein möglichst genaues Bild über die Situation der Aktiengesellschaft und der Kurschancen ihrer Aktien zu gewinnen versuchen. Dies tun sie mithilfe der technischen Chartanalyse und der Fundamentalanalyse. Dann geben sie Empfehlungen, die Aktie zu halten, zu kaufen oder zu verkaufen. Mit ihrem Urteil können Finanzanalysten Kurse in die Höhe treiben oder aber auch einen Absturz auslösen.

Charts sind die Kurven, welche die Kursentwicklung einer Aktie nachzeichnen. Manchmal werden die Kurscharts auch mit den Börsenumsätzen der betreffenden Aktie kombiniert. Aus den Charts der Vergangenheit versuchen die Chartisten Trends für die Zukunft abzulesen.

Die Fundamentalanalyse beschäftigt sich mit fundamentalen Daten, die Einfluss auf die Kursentwicklung haben. Dazu gehören unternehmensspezifische und branchenspezifische Daten, aber auch allgemeine Konjunkturdaten. Der Fundamentalist versucht, damit die zukünftige Entwicklung der Aktiengesellschaft abzuschätzen und so einen realistischen Aktienwert für die Zukunft zu errechnen. Liegt dieser Wert über dem derzeitigen Aktienkurs, dann ist die Aktie unterbewertet, und der Analyst wird den Kauf empfehlen. Umgekehrt wird er bei einer überbewerteten Aktie zum Verkauf raten.

Unter den Finanzanalysten gibt es mehr fundamental orientierte und mehr charttechnisch orientierte. In der Praxis kommt aber keiner mit einer der beiden Analysetechniken allein aus, die Finanzanalysten benutzen immer eine Kombination aus beiden Methoden, aber eben mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Heute, bei den innovativen und schnelllebigen Kapitalmärkten, werden die Analysten als Börsengurus hoch gehandelt, sie sind die heimlichen Stars an der Börse. Keine Börsensendung, kein Börsen- oder Anlegerblatt ohne sie und ihre Meinung. Eine boomende Gilde toller Hechte.

Die Verdichtung der Prognosen in den Medien ist unverantwortlich“, klagt die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung (DVFA), der Berufsverband der 1200 Kapitalmarktexperten, die mit ihren heiß gehandelten Tipps/Prognosen/Empfehlungen noch nie so danebengehauen haben wie im Jahr 2000.

Vor allem im Zusammenhang mit den Wirren am Neuen Markt sind die Finanzanalysten ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Sie lagen mit ihren Empfehlungen und Prognosen immer häufiger absolut falsch. Und sie scheinen allzu oft nicht unabhängig zu urteilen, sondern eher im Interesse ihres Arbeitgebers, der Bank, ganz besonders bei den Neuemissionen am Neuen Markt.

Die Empfehlungen lauten nämlich meist kaufen (75 Prozent!), wie eine Studie ergab. Kein Wunder, meinen Sie? Denn: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing? Weil die Analysten der Researchabteilung dem Kundenressort der Banken nicht die Geschäfte vermasseln dürfen? Alles übertrieben, kontert die Guru-Lobby, denn: Kundeneinheiten und Research würden überall voneinander unabhängig geführt und der Fluss sensibler Informationen zwischen diesen durch Chinese Walls verhindert. Das schreibe auch das Wertpapierhandelsgesetz (§ 32/33) vor.

In der Praxis funktioniert das jedoch eher nicht. Wenn der Analyst eine Aktie negativ beurteilt und der Berater am Banktresen kann sie gut verkaufen, weil er einen Kunden hat, der scharf darauf ist, wird dieser wohl kaum in diesem Moment die Studie aus der Schublade zieht und sagen: Unsere Analysten raten aber davon ab. Der Analyst macht seine Gutachten sicherlich neutral. Aber was dann mit neutralen Gutachten weiter passiert, wenn die weitergereicht und interpretiert werden oder wenn man sie einfach in der Schublade lässt, wer weiß das im Einzelfall?

Aber das Entscheidende ist ja, dass drei Viertel der Empfehlungen der Analysten Kaufempfehlungen sind. Weil aber der Investor offensichtlich der Meinung ist, dass das nicht ganz stimmen kann, richtet er sich komischerweise nicht danach.

Nur ein kleiner Prozentsatz dieser Analystenstudien sagt: Verkaufen. Und danach richten sich die Investoren dann wiederum sehr stark. Beim Kaufen hat man also Bedenken, weil man davon ausgeht, dass die Analysten vielleicht befangen sind, aber beim Verkauf, da ist man sofort bei der Sache.

Manche Merkwürdigkeiten im Jahre 2000 (so war EM.TV noch kurz vor der folgenschweren Gewinnwarnung einen Kauf wert!) deuten eher auf Schweizer Käse als auf die chinesische Mauer hin. Die Analysten haben die Kursstürze am Neuen Markt nicht vorausgesehen und Pleiteunternehmen wie Gigabell und die Teamwork Information Management AG bis kurz vor ihrem Absturz hoch gelobt.

Ganz abgesehen von der Qualität der Empfehlungen: Immer mehr unerfahrene Analysten erhalten Verantwortung, dürfen Empfehlungen abgeben. Es gibt keine Regeln, keine Qualitätskontrollen, nur Standesrichtlinien für die DVFA-Mitglieder. Alles weit entfernt von den Spielregeln in den USA und auch in London, wo die Leistungen der Analysten regelmäßig abgefragt und in einem Ranking aufgelistet werden. Wer in London Finanzanalyst lernt, der muss dort eine Zunftprüfung ablegen, ähnlich wie hier bei der DVFA – hierzulande ist sie allerdings nur eine Kann-Vorschrift, in England dagegen ein Muss.

Sicher: Ein Analyst darf (§14 Wertpapierhandelsgesetz) nur öffentlich bekannte Tatsachen verwenden. Hätte er andere Informationen und verwertet sie, macht er sich eventuell strafbar (Insidervergehen). Aber bitte, ein wenig mehr an Informationen, Treffsicherheit und weniger Überraschungen (Die Höhe der Verluste hat uns total überrascht) dürfte man bei Profis schon erwarten.

Dass eine Investmentbank noch Ende Oktober einen Halbleiterhersteller am Neuen Markt auf die Empfehlungs-, also Kaufliste setzt, um ihn sechs Wochen später nach einer Gewinnwarnung drastisch abzustufen (Market Underperformer), hat die Aktie um über 60 Prozent im Kurs gebeutelt und die Glaubwürdigkeit der Zunft der Analysten weiter erschüttert. Analysten haften nicht bei fehlerhaften Empfehlungen. Nach Berechnungen von Capital haben im Jahr 2000 Anleger, die auf Börsenneulinge am Neuen Markt setzten, 3,9 Milliarden Euro verloren. Allein die beiden großen Börsengänge von T-Online und Lycos Europe wiesen zum Jahresende 2000 einen Wertverlust von 2,1 Milliarden Euro auf. Irrungen und Wirrungen – noch nie gab es sie so häufig wie im Jahr 2000. Also: Trau, schau, wem? Antwort: Der beste Analyst ist der Anleger selbst!

Analysten im Vergleich
Um die Qualität der Empfehlungen zu überprüfen, verglich der Londoner Informationsdienst AQ Publications den von den führenden Analysehäusern geschätzten Gewinn je Aktie von insgesamt 88 europäischen Blue Chips (Telebörse 32/2000). Über einen Zeitraum von fünf Jahren stellte er die Prognosen den tatsächlichen Ergebnissen gegenüber und ermittelte daraus den Genauigkeitsquotienten AQ. Ein hoher AQ bedeutet geringe Abweichungen und seltene Korrekturen der Vorhersagen, ein niedriger Wert entsprechend ungenaue Prognosen und häufige Änderungen. Bei der Treffgenauigkeit der Analysten ergaben sich große Unterschiede. Sieger war die BfG Bank mit einem AQ von rund 36, wobei sie ihren Erfolg damit begründet, dass man sich bei der Analyse nur auf wenige Aktien konzentriert. Um die könne man sich dann auch besonders gut kümmern, das erhöhe die Treffergenauigkeit.

Es folgten JP Morgan Securities und die Baden-Württembergische Bank mit einen AQ von jeweils rund 31. Mit Werten von 29 bis 20 belegten Merck Finck & Co, Merrill Lynch, HypoVereinsbank, MM Warburg, Deutsche Bank, UBS Warburg, WestLB Panmure, BNP Paribas, Salomon Smith Barney, Commerzbank und HSBC Securities das Mittelfeld. Danach folgten Julius Bär mit 18, Sal. Oppenheim mit 17, Lehman Brothers mit 16 und die DG Bank mit 15.

Im Auftrag des Manager Magazin  testet Reinhart Schmidt vom Lehrstuhl für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der Universität Halle- Wittenberg regelmäßig die Qualität von Aktienempfehlungen deutscher Banken. In der 2000 veröffentlichten Untersuchung erfasste er 10 798 Kauf- und Verkaufsempfehlungen von Analysten aus 17 deutschen Kreditinstituten zwischen Juli 1998 und Juni 1999- Es ging ihm dabei nicht nur um die Rendite, sondern in erster Linie um die Begrenzung des Risikos. Bei den DAX-Empfehlungen siegte das Team der Hamburger Sparkasse. Sie ist das einzige Geldhaus, das den DAX geschlagen hat. Sowohl den Nemax All-Share, als auch den M-DAX und den Stoxx 50 konnte kein Analyst schlagen.

Seit zwei Jahren geht es im Analysegeschäft so richtig rund. Immer schneller und immer umfassender müssen die Analysten ihr Urteil abgeben. Früher hatten sie in der Regel Monate Zeit, um das Unternehmen gründlich zu durchleuchten, heute muss ein Analyst etwa zwei Studien pro Monat produzieren.

Kein Wunder, wenn dabei die Qualität leidet. Wir Finanzanalysten

haben so kleine Augen, weil wir so wenig schlafen. Wir arbeiten 13, 14, 15 Stunden pro Tag, hat mir einmal einer gesagt.