Optionsscheine – nur was für Zocker

Optionsscheine oder Warrants finden vor allem bei jüngeren Leuten wachsendes Interesse. Der Reiz liegt darin, dass man mit relativ geringem Einsatz sehr hohe Gewinne erzielen kann und die Verluste trotzdem auf den Wert dieses Scheines begrenzt sind. Optionsscheine sind rechtlich Wertpapiere, die an den Wertpapierbörsen gehandelt werden, und dürfen nicht verwechselt werden mit Optionen (Trade-Options), die Finanzierungsinstrumente sind und deren Handel an den Terminbörsen stattfindet. Ein Optionsschein ist ein Wertpapier, das Ihnen das Recht einräumt, eine bestimmte Zahl von Aktien oder anderen Wertpapieren zu einem festen Preis innerhalb einer bestimmten Frist (amerikanische Version) oder zu einem bestimmten Zeitpunkt (europäische Version) zu kaufen. Sie haben das Recht, aber nicht die Pflicht, von Ihrem Recht Gebrauch zu machen. Wird das Recht bis zur Fälligkeit nicht ausgeübt, erlischt es. Der Optionsschein ist dann wertlos und der Einsatz futsch.

Optionsscheine sind entweder Bestandteil einer Optionsanleihe, dann heißen sie Issue linked Warrants, oder sie werden als eigenständige Emission platziert, als so genannte nackte Optionsscheine. Bei Covered Warrants oder gedeckten Optionsscheinen stammen die zugrunde liegenden Aktien nicht aus einer Kapitalerhöhung, sondern aus eigenen oder fremden Kundenbeständen von Banken und Wertpapierhandelshäusern. Die Laufzeiten der gedeckten Optionsscheine sind relativ kurz und liegen meist zwischen zwölf und achtzehn Monaten. Issued linked Warrants stehen immer im Zusammenhang mit einer Kapitalerhöhung einer Aktiengesellschaft.

Optionsscheine sind etwas für spekulative Anleger, die auf Kursveränderungen setzen. Das Interessante daran ist die so genannte Hebelwirkung. Damit bezeichnet man die im Verhältnis zum Kaufpreis des Optionsscheins außerordentlich hohe Rendite, die dann möglich wird, wenn sich der Kurs stark in die mit dem Optionsschein vorgegebene Richtung entwickelt. Der Wert des Optionsscheins verändert sich nämlich nicht parallel zum Wert der Aktie, auf den er sich bezieht, sondern seine Wertsteigerung nimmt im Verhältnis zu seinem Preis einen progressiven Verlauf, wenn die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das Optionsrecht tatsächlich ausgeübt wird. Das ist dann der Fall, wenn die Differenz zwischen dem im Schein vereinbarten Preis und dem Aktienkurs zunimmt. Die Einflussfaktoren und Mechanismen, die auf den Wert von Optionsscheinen einwirken, bis sie eingelöst werden dürfen, sind meist noch komplexer als bei der Aktie selbst und in der Regel nicht vorherzusagen.

Fonds: die Renner
Immer mehr Deutsche kaufen Fondsanteile. Privatanleger zahlten im Jahr 2000 58,2 Milliarden Euro in die Kassen der deutschen Fondsgesellschaften ein. Ein Jahr zuvor waren es nur 45,6 Milliarden Euro gewesen. Insgesamt verwaltete die deutsche Investmentbranche nach Angaben des BVI – Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften – Ende 2000 immerhin 423,6 Milliarden Euro in Publikumsfonds. Damit hat sich das Fondsvermögen aller Publikumsfonds innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt. Kein Wunder, dass in dieser Branche die Champagnerkorken knallten. Immerhin war das Jahr 2000 trotz der heftigen Börsenturbulenzen für die deutschen Fondsgesellschaften ein Rekordjahr.

Das beste Neugeschäft mit den Privatanlegern machte die Deka Investment Management GmbH, ein Unternehmen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands und der Landesbanken. Sie nahm 18,9 Milliarden Euro ein. Das überrascht nicht, wenn man bedenkt, wer sich alles um den Vertrieb bemüht. An zweiter Stelle stand die Union Investment, die Investmentgesellschaft der Genossenschaftsbanken, mit 15,1 Milliarden Euro Neugeschäft. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS Investment GmbH kam mit 10,3 Milliarden Euro auf Platz drei. Das deutsche Geschäft mit Publikumsfonds liegt fest in den Händen von vier großen Instituten. Die DWS verwaltet ein Vermögen von 90,2 Milliarden Euro und hat einen Marktanteil von 22 Prozent. Dicht folgt ihr die Deka, die ein Vermögen von 75,7 Milliarden Euro verwaltet und damit einen Marktanteil von 20,2 Prozent auf sich vereinigt. Auf Platz drei steht die Union Investment. Sie hat 59,5 Milliarden Euro unter Verwaltung und einen Marktanteil von 15,8 Prozent. Die zur Dresdner Bank gehörende DIT (Dresdner Investment Trust) waltet über ein Vermögen von 50,9 Milliarden Euro, das entspricht einem Marktanteil von 12 Prozent.

In Deutschland boomte aber auch der Börsenhandel von Fonds. Während im April 2000 noch ein Umsatz von 82,6 Millionen Euro gemacht wurde, lag er im Januar 2001 schon bei 2,622 Milliarden Euro. Der beliebteste Titel war der DAX Ex, der den DAX abbildet, mit einem Umsatz von allein 1,268 Milliarden Euro. Der Dow Jones Euro Stoxx 50 Ex brachte es immerhin auf 470,8 Millionen Euro, gefolgt vom LDRS Dow Jones Euro Stoxx 50 mit 264,9 Milliarden Euro. Die im BVI zusammengeschlossenen Fondsgesellschaften verwalteten Ende 2000 1873 Publikumfonds. 357 wurden davon im Jahr 2000 neu aufgelegt, so viele wie nie zuvor. Unter all diesen Fonds sind die Aktienfonds die absoluten Renner.

Während noch vor fünf Jahren 56 Prozent des Fondsvermögens aller Publikumsfonds auf Rentenfonds entfielen und nur 13 Prozent auf Aktienfonds, machen jene nunmehr 50,2 Prozent des gesamten Fondsvermögens von 423,6 Milliarden Euro aus. Im Mittelpunkt des Interesses der Privatanleger standen international anlegende Fonds und bestimmte Branchenfonds, wie zum Beispiel Biotechnologie, Technologie und Internetwerte. Aber Achtung, nicht alle Branchen haben sich gleich gut entwickelt und daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern.

Best-Price-Prinzip an der Börse – sparsam und effektiv

Mit dem Best-Price-Prinzip waren die Stuttgarter die Ersten, die den Anlegern einen Aktienpreis garantierten, der mindestens so günstig ist wie der Xetra-Preis. Inzwischen haben das alle nachgemacht – zum Vorteil der Anleger und um den Umsatz zu fördern. Stuttgart hat in der Vergangenheit unter anderem dafür den Titel -beste Börse Deutschlands- erhalten und möchte diese Auszeichnung auch in Zukunft behalten. Deshalb wurden Ende 2000 neue Dienstleistungen für Privatanleger angeboten. Im Zentrum der neuen Offensive steht das Intelligent Quote System. Es soll dem Anleger die exklusive, bestmögliche Ausführung seiner Wertpapieraufträge ermöglichen.

Wesentliche Bausteine sind vollautomatische Limitkontrollsysteme und die Erweiterung des Best-Price-Prinzips auch auf ausländische Börsen, und zwar zunächst für die Eurostoxx-50-Werte, das sind die 50 führenden europäischen Aktien. Wenn zum Beispiel ein Anleger Nokia- oder Unilever-Aktien kaufen will, erhält er sie an der Stuttgarter Börse mindestens zu dem Preis, den er an den so genannten Heimatmärkten, hier in Helsinki oder Amsterdam, hätte zahlen müssen. In der Regel sind nämlich die Aktien am Heimatmarkt billiger als an anderen Börsen, ganz einfach weil dort mehr davon vorhanden sind. Das bedeutet, die Anleger müssen sich nicht mehr um unterschiedliche Handels- und Abwicklungsmodalitäten sowie Abwicklungskosten auf verschiedenen, auch ausländischen, Märkten kümmern. In Stuttgart suchen so genannte Personal Order Guides auf den wichtigen Märkten für das jeweilige Wertpapier den jeweils günstigsten Preis und führen die Order zu diesem Preis aus. Die Personal Order Guides werden mit Eintreffen einer Order aktiv. Jeder Auftrag wird sofort unter Mithilfe vollelektronischer Limitkontrollsysteme auf seine Ausführbarkeit untersucht. Besteht bei Auftragseingang keine Möglichkeit zum An- und Verkauf, wird die Order während der gesamten Handelszeit permanent elektronisch auf Ausführung überprüft.

Alle im Zuge einer Auftragsausführung angesammelten Daten stehen der Handelsüberwachung beziehungsweise der Börsenaufsicht zur Verfügung. Darüber hinaus können die Anleger selbst die Arbeit der Personal Order Guides überprüfen. Die entsprechenden Daten sind im Internet abrufbar. Ende 2000 hat die Börse Stuttgart ihr Internetangebot boerse-stuttgart*de weiter verbessert. Als erste Börse in Deutschland bietet sie über ihre Website eigene Echtzeitkurse an. Anleger können kostenlos in Realtime darauf zugreifen. Sie müssen sich lediglich registrieren lassen. Die Kursentwicklungen anderer Börsen werden allerdings noch zeitverzögert dargestellt – ein technisches Problem oder Absicht? Kursgrafiken und Nachrichten zu den jeweiligen Aktienkursen gibt es ebenfalls in ausreichender Zahl.

Darüber hinaus können die Anleger ihr persönliches Portfolio zusammenstellen und über eine Watch-Liste permanent im Auge behalten. Aktuelle Nachrichten über das Geschehen an den Märkten sowie ein Kurslaufband runden das Angebot ab. Für Börsenvorstand Dr. Peter Ladwig ist dieses nur ein erster Schritt. Da das Bedürfnis des Privatanlegers nach umfassender und neutraler Information ständig zunimmt, will er sein Internetangebot noch wesentlich verbessern und erweitern.

Frankfurter Börse: die Macht am Main
Wer hätte das gedacht: Auch der Marktführer am Main, lange mit großen Plänen für internationale Allianzen und sogar Fusionen beschäftigt, hat den Kleinanleger entdeckt. Als Kunden und sogar als Aktionär, denn die Frankfurter Börse ist jetzt selbst an der Börse und kann ge- und verkauft werden. Das war noch vor einigen Jahren undenkbar. Aber: Immer noch 80 Prozent aller Transaktionen im traditionellen Parketthandel (außer Xetra) entfallen auf Privatleute, und die will man halten und nicht an die Regionalbörsen abwandern lassen. Seit Februar 2001 bietet deshalb auch die Frankfurter Börse wie die Regionalbörsen in Berlin, Düsseldorf und Stuttgart ein spezielles Internetportal für den Privatanleger, und zwar unter neuermarkt*com. Abzurufen sind in Echtzeit die Kurse der deutschen Börsen und zumindest zeitnahe Kurse von den wichtigsten internationalen Märkten sowie aktuelle Nachrichten, daneben gibt es Links zu ausgewählten Onlinebrokern. Bisher gehören dazu Comdirect, Entrium Direct Bankers, Eqonline und die 1822direkt. Diese Dienstleistungen sind kostenlos. Demnächst soll der Kleinanleger auch die Möglichkeit erhalten, Analystenreports herunterzuladen, was aber kostenpflichtig sein wird.

Ein Blick ins Orderbuch gefällig?
Über Xetra Life kann nun der Kleinanleger in das Xetra-Orderbuch schauen, muss dafür allerdings eine Anmeldegebühr von 25 Euro und außerdem 46,50 Euro monatlich für die Nutzung zahlen. Hier kann man verfolgen, mit welchen Stückzahlen und zu welchen Preisen ein Wertpapier aktuell nachgefragt oder zum Verkauf angeboten wird. Damit ist man fast dem Profi gleichgestellt – aber nur fast. Denn für den Privatmann oder die Privatfrau gibt es für jede Aktie nur jeweils die fünf besten Verkaufs- und Kaufangebote, der Profi kann alle vorhandenen Orders sehen. Aber der Kleinanleger kann ja zusätzlich noch die Zahl der gehandelten Aktien eines Unternehmens abrufen, den aktuellen Kurs sowie Tageshöchst- und -tiefststände.

Durch solche Informationen wird er in die Lage versetzt, seinen eigenen Auftrag besser zu limitieren, und er kann einschätzen, welche Limits überhaupt realistisch sind. Und weil er auch sieht, wie viel Stück einer bestimmten Aktie zum Verkauf angeboten werden, kann er bis zu einem gewissen Grade einen Trend erkennen. Eine große Anzahl auf der Briefseite, also der Verkaufsseite, kann auf einen Abgabedruck und fallende Kurse hinweisen. Direkt handeln kann der Privatanleger über Xetra Life aber noch nicht, der Auftrag selbst läuft weiter über einen Broker oder eine Bank. Auch eine Best-Price-Garantie, wie sie die Regionalbörsen bieten, gibt es in Frankfurt nicht.

Als weiterer Service für Privatanleger soll Mitte 2002 auch in Frankfurt die Mindestauftragsgröße für Xetra-Orders im Bereich der DAX- und MDax- Werte von derzeit in der Regel 100 Stück auf eine Aktie gesenkt werden. Für den Parketthandel soll als Erwiderung der von Berlin angekündigten Halbierung der Maklercourtage eine Servicegebühr eingeführt werden, die die Maklercourtage ersetzt, über deren Höhe aber noch nichts bekannt ist. Beim Xetra-Handel entfällt diese Gebühr ja sowieso. Wenn es schon die Deutsche Börse AG in Frankfurt nicht tut, so werden die Frankfurter Kursmakler demnächst auf eigene Faust ein System anbieten, das eine Best-Price-Garantie gibt. ICF, der Zusammenschluss aus neun amtlichen Kursmaklern in Frankfurt, baut als Erster in seiner Branche ein eigenes elektronisches außerbörsliches Handelssystem (Electronic Communications Network = ECN) auf. Ab April 2001 wollen sie über das ICF German Trading System den besten Preis für rund 500 Aktien an allen deutschen Parkettbörsen und Xetra garantieren, und zwar für Orders in Höhe von bis zu 50 000 Euro. Dabei soll keine Maklercourtage anfallen. Privatanleger können diesen Service ebenfalls nur über ihre Bank oder einen Broker in Anspruch nehmen.

Börsen an der Börse
In der Branche gab es bisher weltweit nur zwei börsennotierte Unternehmen, die schwedische Börsengesellschaft OM Gruppen und die australische Börse. Als die Deutsche Börse Ende Januar 2001 ihre Aktien an den Mann bringen wollte, bemühte sie sich auch um den Kleinaktionär, obwohl der Ausgabepreis mit 335 Euro eigentlich ziemlich hoch war. So stand zum Beispiel tagelang ein Truck vor dem Börsengebäude in Frankfurt, und man konnte nicht daran vorbeikommen, ohne aufgefordert zu werden, doch auf den DAX zu wetten. Und es waren keine seriös auftretenden Herren im dunklen Anzug, welche die Vörbeigehenden ansprachen, sondern smarte Youngsters in Sweatshirt und kurzem Blouson, wie sie sonst in Promotiontruppen für Lifestyleprodukte auftreten. Insgesamt wurden 3,2 Millionen Aktien verkauft, und das Orderbuch war 23fach überzeichnet. Nach Abzug der Aktien, die die Altaktionäre bezogen haben, und derjenigen, die für Mitarbeiter der Deutsche Börse AG reserviert waren, verblieben 2,75 Millionen Aktien, die zu 80 Prozent an institutionelle und zu 20 Prozent an private Kleinanleger gingen.

Obwohl man sich nach außen sehr demonstrativ um den Kleinanleger bemühte, war die wichtigste Zielgruppe aber nicht das breite Publikum, wie Börsenchef Seifert schließlich zugab. Er würde vor allem gern große amerikanische Brokergesellschaften, Fonds und Versicherungen als neue Anteilseigner begrüßen sowie Technologie- und Medienunternehmen, insbesondere die, welche Börseninformationen verbreiten. Also nach Möglichkeit nur solche Investoren, die selbst mit der Börse als Kunde ihr Geld verdienen. Warum? Weil die nicht an einer Dividende interessiert sind wie viele Kleinaktionäre. Seifert sagte wörtlich: Mein Ziel ist ganz klar, dass die Aktionäre keine Dividende haben wollen, sondern alles Geld in der Company lassen, weil es einfach besser angelegt ist. Apropos Dividende, früher wurde darüber noch anders gedacht. Nur zur Erinnerung, die Deutsche Börse AG wurde bereits 1992 gegründet. Da gab es aber keine Kleinaktionäre, die Anteile lagen zu 85 Prozent bei Banken, Sparkassen und anderen Finanzdienstleistungsinstituten, zu 10 Prozent bei den Regionalbörsen und zu 5 Prozent bei den Kursmaklern. Und es war üblich, die Gewinne immer ganz an die Aktionäre zu verteilen. Diese Zeiten sind vorbei, erklärte der Börsenfinanzchef Mathias Hlubek. Man werde sich bei künftigen Dividenden an Unternehmen orientieren, die bei Größe, Entwicklung, Wachstums- und Gewinnperspektiven mit der Frankfurter Börse vergleichbar sind. Nachtigall, ick hör dir trapsen!

Die Fondsmanager – Vollstrecker des Shareholder-Value

Die Fondsmanager sind Volkswirte, Betriebswirte, Mediziner, Mathematiker oder Physiker; sie bewegen täglich mehrere Millionen, arbeiten als Fondsmanager weitgehend frei von interner Einflussnahme; sie sind manchmal Einzelkämpfer und fast immer die unumschränkten Herrscher über die von ihnen zu verwaltenden Branchen- oder Länderfonds; sie sind zum Erfolg (Performance) verdammt und im Schnitt 35 Jahre alt – so jedenfalls bei der Nummer drei (nach DWS und Deka) der deutschen Investmentfondsgesellschaften, der zum Genossenschaffsverbund gehörenden Union Investment.

Einmal am Tag trifft sich dort der Fonds-Stab der rund 20 Experten zum Strategiegespräch. Wer am Vortag wichtige Besuche absolvierte (Hauptversammlungen oder Interview mit dem Finanzvorstand einer Aktiengesellschaft), muss Bericht erstatten: Honigsaugen aus allem für alle. Nach rund einer Stunde geht’s ans Tagesgeschäft – Managen der Fonds von Chemie, Konsum, Pharma, Osteuropa, Japan, Bau/Transport/Verkehr bis Technologie, Telekommunikation oder Software/Internet.

Wie viel am Tag an der Börse bewegt wird, hängt von der Marktsituation, den Zu- und Abflüssen von Anlegergeldern (Netto-Zufluss pro Tag von 2 Millionen Euro bis über 20 Millionen als Spitzenwert) und auch davon ab, ob ein Einzelwert in einem Fonds die Marke von 10 Prozent am Gesamtvolumen überschritten hat. Ein Unternehmen darf pro Fonds maximal 10 Prozent einnehmen, das ist die vorgeschriebene Regel, um die Risiken breit zu streuen.

Das Einstiegsgehalt für die Garde der Fondsmanager liegt bei rund 50 000 Euro im Jahr und geht bis 100 000 Euro. Was der in einschlägigen Medien als Börsengum für den Neuen Markt gefeierte, 1970 in Griechenland geborene Wassili Papas als Manager der Dynamic-Fondsflotte (inklusive Neuer Markt) im Jahr mitnimmt, ist Union-Geheimnis.

Immerhin bewegt der in den USA in Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und auch Philosophie Ausgebildete (mit MBA-Zusatz) pro Tag bis zu 20 Millionen Euro an Anlegergeldern. Und das ohne einen Stab an Mitarbeitern, ganz solo und nur der Zielerreichung verpflichtet, die einmal im Jahr mit der Führung der Union definiert wird. Wer sie schafft, kriegt außer Schulterklopfen noch die Prämie, die aus dem Topf aller Fondsmanager gespeist wird. Jeder muss dafür aus seinem Monatsentgelt einen Teil abzweigen.

In anderen Fondsgesellschaften ist es ähnlich. Fondsmanager sind die Vollstrecker des Shareholder-Value. Deshalb treten sie auf den Hauptversammlungen auch so massiv auf. Schließlich müssen sie sich für die Interessen ihrer Fonds-Anteilseigner stark machen und damit auch für die der anderen Anleger. Shareholder-Value, mehr Wert für den einzelnen Anteilseigner, ist das Zauberwort, obgleich Fondsmanager ja eigentlich Stackholder sind, also die Vertreter der großen Unternehmensanteile.

Das führte so weit, dass eine große Bank einen ihrer führenden Fondsmanager klammheimlich aus dem Verkehr gezogen hat, indem man ihm eine andere Position anbot. Der war nämlich auch gegenüber Unternehmen, an denen die Bank beteiligt war und im Aufsichtsrat saß, massiv aufgetreten. Das war denen dann doch ein bisschen zu viel an Interessenkollision.

Aber es zeigt, dass die Fondsmanager auch in einem brutalen Wettbewerb untereinander stehen und deswegen gnadenlos ihre Interessen vertreten müssen. Ihre Kunden können ja aufgrund von Performance-Listen, die überall verfügbar sind, jederzeit bequem ablesen, wer vorn liegt. Also müssen die Fondsmanager logischerweise massiv die Interessen der Anleger vertreten, um denen ihre Fondsanteile zu verkaufen.

Dazu passt die Aussage eines Fondsmanagers: Ich verlasse mich doch bei einem Unternehmen nicht nur auf das Urteil von fremden Analysten. Wir gehen da selbst hin. Und dann fordern wir den Finanzvorstand auf, uns das Gleiche, was er einem Analysten vielleicht gesagt hat, noch mal genau zu erklären. Schließlich sind wir Großinvestoren. Wir vertreten bei manchen Unternehmen Beteiligungen in einer Größenordnung, die uns schon sehr selbstbewusst macht, und dann erscheinen wir da auch mit drei Mann. Wenn man uns nicht empfängt, ist das Unternehmen fast weg vom Fenster!

Also kann sich kein börsennotiertes Unternehmen heute leisten, sich mit einem großen Investmentfonds wie auch immer anzulegen. Harte Fragen sind mit harten Fakten zu beantworten, und das in äußerst knapper Zeit.

Das ist neu für viele Unternehmen und ihren Finanzvorstand. Mancher muss von seinem Zehn- oder Zwölfstundentag fast acht Stunden für Investor Relations aufbringen. Neben Fondsmanagern ruft Analyst X von der Bank Y an, alles im Sinne von: Ich will’s aber jetzt von Ihnen genau wissen. Die Anleger haben ein Recht darauf.

Das neue Selbstverständnis der Fondsmanager: Sie sind nicht nur Verwalter, sondern Kämpfer für den Anleger. Das hat es früher in dieser Form nicht gegeben. Da wurden die Millionen verwaltet und irgendwo angelegt. Jetzt dagegen sind sie knallhart gefordert. Ein Fondsmanager, der pro Jahr 300 Unternehmensgspräche führt, ist keine Ausnahme. Das schafft kein Einzelkämpfer mehr. Also wird ein eingespieltes Team immer wichtiger.

Und worum geht’s bei den Unternehmensgesprächen? Man möchte nicht nur schicke Charts präsentiert bekommen. Der Markt ist wichtig, in dem sich das Unternehmen bewegt. Wie steht es in diesem Umfeld? Klare Aussagen dazu. Und: Die Erfahrung des Managements zählt, die persönliche Chemie untereinander. Wenn der Vorstandsvorsitzende und sein Finanzvorstand nicht miteinander können, lassen viele Fondsmanager gleich die Finger von den Aktien. Es werden also Eindrücke und Fakten gesammelt, die dem privaten Anleger nicht zugänglich sind. Erst dann wird entschieden, ob man die Aktien ins Portfolio nimmt.

Weltweit kontrollieren die Aktien-, Renten- und Geldmarkt-Fondsmanager 12 Billionen Euro. Bei den hohen Anlagesummen können sie durch massive Verkäufe oder Käufe bestimmter Aktien die Börsenkurse in die eine oder andere Richtung in Bewegung setzen. Und dies vor allem bei Aktien von kleineren Unternehmen. So konnte man 2000 am Neuen Markt deutliche Kurssenkungen erkennen, als sich die größeren Fonds von dort zurückgezogen haben.

Früh raus, rechtzeitig rein, so ist die alte Regel. Das ist die Formel, nach der die erfolgreichen Fonds im Jahr 2000 handelten. Die Formel billig einkaufen, teuer verkaufen ist eine Binsenweisheit, aber die haben viele mit Stock Picking befolgt. Das Hauptinteresse der Fondsmanager besteht eben darin, die Wertentwicklung ihres Portfolios voranzutreiben.

Und weil die Kleinanleger, die ja bevorzugt Fondsanteile kaufen, den anonymen Gesellschaften misstrauen, mussten die verantwortlichen Fondsmanager immer selbst in die Öffentlichkeit gehen. Menschen statt Institutionen. Der Erfolg war, dass sie plötzlich zu Gurus wurden, obgleich sie das gar nicht sein wollten.

Die Investmentbanker – Baumeister der Firmenlandschaft

Fusionen und Übernahmen werden auch in Zukunft das Wirtschaftsgeschehen ganz entscheidend bestimmen. Dabei agieren meist nur die Vorstände der beteiligten Firmen in der Öffentlichkeit. Die eigentlichen Akteure – das sind die Investmentbanken und ihre Fachleute – bleiben im Hintergrund. Auf deren Know-how und Verbindungen können die Konzernchefs nämlich nicht verzichten, wenn sie Zukäufe oder Fusionen planen oder Konzernteile abstoßen wollen.

Die Aufgaben einer Investmentbank sind breit gestreut: Sie führt Firmen an die Börse, berät Unternehmen bei Umstrukturierungen, bei Fusionen und beim Kauf oder Verkauf von Firmen und Firmenteilen und bietet ihnen verschiedenste Finanzierungsformen. Dafür erhält sie von den Unternehmen Provisionen, die sich am Wert des getätigten Geschäfts orientieren.

Auch im Jahr 2000, in dem die Anleger viele Milliarden verloren haben, konnten die drei führenden Investmenthäuser Goldman Sachs, Morgan Stanley Dean Witter und Merrill Lynch zusammen ein Spitzenergebnis von mehr als 12 Milliarden Dollar einfahren. Das waren gut 20 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Laut Manager Magazin  hat Morgan Stanley Dean Witter im Jahr 2000 5,5 Milliarden Dollar Gewinne gemacht, Goldman Sachs 3,1 Milliarden und Merrill Lynch 3,8 Milliarden Dollar.

Lohnende Geschäße
Die Geschäftsbereiche der Investmentbanken sind Mergers & Acquisitions (Fusionen und Zukäufe), Trading (Eigenhandel), Sales (Verkauf), Research und Corporate Finance (Unternehmensfinanzierung). Selbst die deutschen Banken benutzen nur noch die englischen Ausdrücke dafür.

Mit Mergers & Acquisitions (M&A) lässt sich am besten Geld verdienen, weil hier besonders große Werte bewegt werden, wonach sich auch der Verdienst der Banken richtet. Die Banker beraten Unternehmen bei Fusionen, Akquisitionen und Verkäufen. Aufgrund ihrer weltweiten Verbindungen können sie geeignete Übernahmekandidaten oder Käufer finden und die Kontakte zwischen den Unternehmen hersteilen. Die Investmentbanken führen dann die Vertragsverhandlungen, arbeiten entsprechende Verträge aus und sorgen schließlich auch für die Finanzierung.

Besonders gutes Geld haben die Investmentbanken in der jüngeren Vergangenheit bei den Großfusionen verdient, aber auch jeder Konzern, der eine Umstrukturierung plant, sowie mittelständische Unternehmen, die eine passende Firma zukaufen wollen, sind auf die internationalen Kontakte der Investmentbanker angewiesen.

Der Tradingbereich ist für den Handel von Aktien, Anleihen, Derivaten und Devisen zuständig, und zwar an den internationalen Kapitalmärkten. Im Salesbereich findet der Verkauf von Finanzprodukten an Unternehmen, andere institutioneile Investoren und vermögende Privatkunden statt.

Corporate Finance bezeichnet die Beratung der Unternehmen in allen Finanzierungsfragen. Dabei geht es von den Börsengängen über die Bereitstellung von Krediten bis zur Absicherung von Währungsrisiken.

Im Researchbereich sitzen die Finanzanalysten, welche die internationalen Finanzmärkte, die verschiedenen Branchen sowie einzelne Unternehmen beobachten und analysieren.

Unter den Investmentbankern herrscht weltweit ein gnadenloser Kampf um die Vorherrschaft im Geschäft mit Aktien, Anleihen und Fusionen. Denn es geht nicht nur um viel Geld, sondern um sehr viel Geld, das zu verdienen ist, und die Gelegenheiten findet man nicht an jeder Straßenecke.

Mergers & Acquisitions: die Königsklasse der Banken
Nur 46 M&A-Transaktionen hatten im Jahr 2000 weltweit einen Wert von mehr als 10 Milliarden Dollar, die Mehrzahl der Unternehmenszusammenschlüsse und Übernahmen lagen zwischen 1 und 10 Milliarden Dollar. Insgesamt waren lediglich 451 Transaktionen zu betreuen. Nach Ansicht der Investmentbanker nicht genug, um alle an dem Kuchen teilhaben und satt werden zu lassen. Insgesamt ging es allein bei diesen M&A- Geschäften um eine Summe von 3,5 Billionen Dollar, und der Trend geht wohl dahin, dass die Zahl der Fusionen abnimmt, dafür aber der Wert des einzelnen Geschäfts weiter steigt.

Immer mehr europäische Unternehmen, auch kleinere und mittlere, kaufen Firmen in den USA, ganz einfach deshalb, weil der amerikanische Markt so groß ist. Dabei versuchen die Investmentbanker die Unternehmen oder Konzerne so umzubauen, dass sie nach Möglichkeit schlagkräftiger und effizienter werden. Aber immer seltener geht die Rechnung auf. Fusionen sind schön, aber auch gefährlich.

Das weltweite M&A-Geschäft wird derzeit ganz eindeutig von den drei großen US-Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley Dean Witter und Merrill Lynch dominiert. Allerdings versuchen auch die europäischen Investmentbanken immer stärker an die Spitze aufzusteigen, zum Beispiel Crédit Suisse First Boston und die Schweizer UBS Warburg. Gemessen an der Höhe der abgeschlossenen Transaktionen in einem Jahr lag UBS Warburg 1999 noch auf Platz zehn, damals noch unter dem Namen Warburg Dillon Read. Im Jahr 2000 ist sie auf den Platz sechs aufgestiegen.

Etwa 50 Prozent des Wertes aller Transaktionen im Bereich Mergers & Acquisitions entfallen auf die zehn größten Anbieter weltweit, schreibt Die Bank 1/2000. Im Bereich Trading/Sales liegt der Konzentrationsgrad sogar bei 82 Prozent, im Beratungsgeschäft bei 71 und im Emissionsgeschäft bei 84 Prozent. Nach einer anderen Quelle (Manager Magazin ) hat Goldman Sachs bei Fusionen und Übernahmen bereits einen Weltmarktanteil von 45,5 Prozent, Morgan Stanley Dean Witter kommt danach auf 38,2 Prozent und Merrill Lynch auf 32,3 Prozent. Wie auch immer, in die Karten lassen sich die Banker bei diesen Geschäften ohnehin nur ungern gucken. Verschleierungstaktiken sind gang und gäbe.

Früher hatten sich die Investmentbanken noch ganz auf Unternehmen und Institutionen als Kunden fixiert. Inzwischen setzt sich die Ansicht durch, dass auch der Privatkunde nicht vergessen werden darf, sagt Markus Granziol, Chef von UBS Warburg, der Financial Times Deutschland. Investmentbanken, die sich nicht an alle drei Kundengruppen richten, werden seiner Ansicht nach langfristig in eine Nische flüchten müssen.

Er geht von einer Konzentration der weltweit tätigen Investmentbanken auf nicht mehr als acht Institutionen aus. Für regionale Anbieter sieht Granziol keine Chancen. Nordamerika ist nach wie vor der weltweit wichtigste Markt für Investmentbanken, weil dort die meisten Fusionen und Börsengänge stattfinden. Daran verdienen die Investmentbanken bis zu 5 Prozent der Transaktionssumme. Außerhalb der USA verdient man nur die Hälfte.

Laut Granziol machen die Beratungen bei Fusionen und Übernahmen und das Kapitalmarktgeschäft bei UBS Warburg nur 15 Prozent der gesamten Erträge aus. Dieser Anteil dürfte bei den US-Banken höher sein, aber langfristig würden die Großen der Branche vom klassischen Investmentbanking allein nicht mehr leben können, sondern müssten sich zum universellen Finanzdienstleister entwickeln.

UBS Warburg hatte eigentlich für 2000 die Errichtung eines Finanzportals für vermögende Privatkunden geplant, dies dann aber wieder verschoben, denn inzwischen hat die Bank das US-Brokerhaus Paine Webber gekauft und hat damit Zugang zu einer Kundenbasis, die auf 30 Billionen Dollar taxiert wird, so Granziol. Also auch hier Fusionen und der Weg zur schieren Größe.

Alle großen Investmentbanken, zum Beispiel Goldman Sachs, auch Morgan Stanley, Merrill Lynch, Crédit Suisse First Boston und UBS Warburg, stocken derzeit in Deutschland ihre Mitarbeiter im Bereich Investmentbanking auf. Denn ab 2002 ist der Verkauf von Unternehmen oder Unternehmensteilen in Deutschland steuerfrei. Die Investmentbanken erwarten eine große Restrukturierungswelle, welche die deutsche Industrielandschaft radikal verändern wird. Und da wollen sie rechtzeitig dabei sein, um ein Stück von dem großen Kuchen des sich abzeichnenden Investmentgeschäfts abzukriegen.

Das Geschäft mit den Neuemissionen
Selbst ist der Mann. Immer mehr Unternehmen umgehen die Banken und nutzen das Internet, um neue Aktien oder Privatplatzierungen direkt an die Investoren zu verkaufen.

Im Emissionsgeschäft ist den traditionellen Investmentbanken also durch das Internet eine ernst zu nehmende Konkurrenz erwachsen. Im Internet kostet eine Emission 50 000 Dollar, unabhängig von der Höhe des beschafften Kapitals, und bei einer Investmentbank muss man für eine kleine Emission bis zu einem Fünftel des Emissionsvolumens im Voraus zahlen. Branchenexperten rechnen damit, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre bis zu 60 Prozent der Börsengänge über das Internet platziert werden und dass in drei Jahren der Internethandel ungefähr 15 Prozent aller Erträge im Trading/Sales-Bereich und bei Aktienemissionen auf sich ziehen wird.

Die Deutsche Börse bezeichnet das Jahr 2000 als Jahr der Neuemissionen. Zwar ging die Anzahl der Börsengänge gegenüber 1999 von 168 auf 153 zurück, doch das Emissionsvolumen machte einen rasanten Sprung von 12,9 Milliarden Euro auf eine neue Rekordsumme von rund 26 Milliarden Euro. 133 der Neuemissionen entfielen auf den Neuen Markt.

In Deutschland stand bei den Neuemissionen im Jahre 2000, gemessen am Volumen, die Deutsche Bank mit knapp 8,8 Milliarden Euro auf dem ersten Platz, gefolgt von Goldman Sachs mit 4,8 Milliarden Euro, UBS Warburg mit 3,7 Milliarden Euro, Dresdner Bank mit 2,1 Milliarden Euro, Commerzbank mit 1,7 Milliarden Euro und ABN Amro Rothschild mit 1,4 Milliarden Euro. Doch diese Summen sagen noch lange nichts über die Qualität der Neuemissionen aus.

Wie eine Untersuchung der WirtschaftsWoche ergeben hat, waren die besten Emissionsbanken UBS Warburg, ABN Amro und die Landesbank

Rheinland Pfalz. Goldman Sachs bildete das Schlusslicht der Untersuchung auf Platz 32, die Plätze 27 bis 31 belegten Morgan Stanley Dean Witter, Dresdner Bank, DG Bank, Deutsche Bank und Commerzbank. Die Wirtschaftswoche hat in ihrem Ranking der Emissionen auf dem deutschen Markt neben der Größe der Emission die Zuteilungsquote an Privatanleger, Zeichnungsgewinne und Kursgewinne bis zum Ende des Jahres 2000 berechnet.

Bei den Emissionsbanken mit einem Emissionsvolumen von mehr als 40 Millionen Euro erreichten außer den drei Spitzenreitern UBS Warburg, ABN Amro Rotschild und Landesbank Rheinland-Pfalz nur noch drei Banken eine positive Gesamtpunktzahl: Die Norddeutsche Landesbank, die Berliner Effekten und die BNP Paribas. Alle übrigen Emissionsbanken lagen im Minus.

Dass relativ kleine Emissionsbanken an der Spitze der Bewertung standen, hat wohl einen simplen Grund: Wer wenig Unternehmen an den Markt bringt, kann auch wenig falsch machen. Doch war es keineswegs umgekehrt so, dass alle Banken, die sehr viele Aktien platzierten, auch automatisch schlecht abschnitten. Andererseits hat unter den ganz kleinen Emissionshäusern mit weniger als 40 Millionen Euro Emissionsvolumen kein einziges eine positive Punktzahl erreicht.

UBS Warburg, der Sieger im Ranking der Wirtschaftswoche, war bei der größten Emission des Jahres, der Aktie Gelb der Deutschen Post, beteiligt, die ein großer Erfolg wurde. ABN Amro Rothschild hat seinen zweiten Platz in der Rankingliste wohl dem erfolgreichen Börsengang des Airbus-Herstellers EADS am Neuen Markt zu verdanken. Die gute Kursentwicklung und das sehr hohe Emissionsvolumen von über 2,75 Milliarden Dollar brachten EADS gleich nach der Deutschen Post auf den zweitbesten Platz unter den Neuemissionen. Die Landesbank Rheinland- Pfalz kam wegen der erfolgreichen Emission von Thiel Logistik auf den drittbesten Platz.

Es sei nicht leicht gewesen, die Gier so mancher Unternehmer zu bremsen, sagte Pim van der Velden, Direktor bei ABN Amro Rothschild in Frankfurt der Wirtschaftswoche. Er sieht es als einen nicht unwesentlichen Erfolgsfaktor, dass die Bank nicht jedes börsenwillige Unternehmen auch an die Börse gebracht hat. Außerdem habe man der Versuchung widerstehen müssen, möglichst viele Aktien in die Hände einiger weniger Fonds zu geben. Diese Abhängigkeit von wenigen Neuer-Markt-Fonds habe sich später oft als fatal erwiesen. Wenn sich nämlich größere Fonds plötzlich von den Aktien trennten, bewegten sich immer gleich die Kurse nach unten. Hier wird das Spannungsfeld für Universalbanken deutlich. Die

Interessen des Investmentbereichs sind nicht unbedingt kompatibel mit denen der Fondsmanager.

Börse für Anfänger – DAX Aktien

Ob die Börse rauf- (freundlich/fest) oder runtergeht (leichter/schwach), ob sie seitwärts tendiert (behauptet/uneinheitlich) – das ist immer schon eine Mischung aus Fakten, Stimmungen, Meinungen gewesen. Wer ein Unternehmensgeheimnis wusste, hatte echtes Herrschaftswissen und konnte es an der Börse nutzen. Meist mit sattem Profit, denn die Uneingeweihten schauten in die Röhre. Die Zeiten sind gottlob vorbei. Einmal durch die immer perfekter werdende Informationstechnik für jedermann, aber auch durch eingeführte Standards.

Um zumindest der Wirtschaft einen schnellen Überblick über die Kursentwicklung zu ermöglichen, ohne die einzelnen Aktien miteinander vergleichen zu müssen, wurden Indizes eingeführt. So kann mit der Veränderung einer einzigen Zahl, also dem Index, die Entwicklung eines ganzen Marktes gemessen und beurteilt werden. Man kann sich ohne große Schwierigkeiten ein Bild über die Marktlage oder Marktentwicklung verschaffen und auch längerfristige Trends ermitteln und in die Anlageentscheidung mit einbeziehen. Indizes sind inzwischen auch die Grundlage verschiedener Anlageobjekte geworden, zum Beispiel für Index-Zertifikate, Optionsscheine oder Futures. Und schließlich dienen sie als Messlatte für die Qualität der Kundenberatung bei der Bank des Vertrauens und für die Leistungen der Fondsmanager. Wer es schafft, dass sein Depotwert sich besser entwickelt als der jeweilige Index, kann stolz darauf sein, den Markt geschlagen zu haben.

DAX: Wissen ist Macht
Der Deutsche Aktienindex (DAX) wurde am 23. Juni 1988 an der Frankfurter Wertpapierbörse eingeführt. Als Vater des DAX gilt Frank Mella von der Börsenzeitung. Schon seit 1959 gab es in Deutschland den Hardy- Index. Im September 1961 wurde der erste Index der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eingeführt, seit 1994 gibt es den FAZ-Performance-Index, er berücksichtigt 167 Aktien. Schon seit 1981 wurde der Index der Börsenzeitung börsentäglich berechnet.

Die Berechnungsgrundlage für den DAX waren zunächst die Frankfurter Parkettkurse. Als Basis zum Jahresultimo 1987 wählte man einen Stand von 1000 Indexpunkten. Nach Einführung des computergestützten Handels im Dezember 1993 gab es den so genannten Ibis-DAX, der später durch den Xetra-DAX Ende 1997 abgelöst wurde. Aufgrund der sinkenden Umsätze im Parketthandel stellte die deutsche Börse zum 21. Juni 1999 die Ermittlung des Parkett-DAX ein. Heute wird der DAX während der Handelszeit von 9 bis 20 Uhr ständig (alle 15 Sekunden) aus den Kursen des Handelssystems Xetra ermittelt und aktualisiert.

Ein elitärer Kreis — die DAX-Untemehmen
Im DAX, der eigenüich genau DAX 30 heißt, sind die Aktien der 30 wichtigsten deutschen Unternehmen, die so genannten Blue Chips, vertreten. Das Unternehmen muss sowohl nach der Höhe des Börsenwerts als auch nach dem Umsatz unter den 35 größten Aktiengesellschaften sein. Alle drei Monate ermittelt die Deutsche Börse, ob alle DAX-Unternehmen noch diese Kriterien erfüllen. Falls nicht, fällt das entsprechende Unternehmen heraus, und ein anderes rückt nach. So ist im März 2001 Karstadt Quelle AG rausgefallen und stattdessen die Deutsche Post AG reingekommen. Weil die Mitgliedschaft im DAX als Gütesiegel gilt, fiel bei Bekanntgabe des Ausscheidens von Karstadt Quelle auch sofort der Aktienkurs. Dagegen verzeichnete die Adidas- Salomon-Aktie, die auch als Abstiegskandidat gegolten hatte, einen kräftigen Kurssprung, als bekannt wurde, dass sie weiterhin im DAX bleiben darf. Mit der geringen Auswahl von nur 30 Aktien hat man versucht, die Branchenstruktur der deutschen Wirtschaft möglichst gut widerzuspiegeln. Die DAX-Titel repräsentieren circa 60 Prozent des gesamten Grundkapitals der inländischen börsennotierten Unternehmen und machen über 70 Prozent der Börsenumsätze mit deutschen Aktien aus.

Der DAX ist ein gewichteter Index, wobei die Gewichtung recht kompliziert nach der jeweiligen Anzahl der zugelassenen Aktien erfolgt. Die meisten wichtigen Branchen sind im DAX vertreten. Das Hauptgewicht (fast 19 Prozent) liegt im Technologiebereich mit Aktien wie Epcos, Infineon, SAP und Siemens. Ungefähr gleich gewichtet (rund 17 Prozent) sind die Branchen Versorger/Telekommunikation mit Deutsche Telekom, RWE und E.ON (früher VEBA) und Versicherungen mit Allianz und Münchener Rück. Jeweils rund 15 Prozent Gewicht haben die Banken und die Branche Automobil und Verkehr, rund 10 Prozent Chemie und Pharma, 3,5 Prozent Handel und Konsum sowie 2,5 Prozent der Maschinenbau. Die umsatzstärkste Aktie im DAX war im Jahr 2000 die Deutsche Telekom mit einem Umsatz von rund 111 Milliarden Euro.

Wenn der Kleinanleger seine Aktienauswahl am DAX orientiert, wird die Anlage relativ risikoarm sein. Sicher gehören die DAX-Werte nicht unbedingt zu den Aktien mit rasanten Kurssteigerungen, man muss aber auch nicht derart dramatische Kursverluste von über 90 Prozent wie am Neuen Markt befürchten.

Leistungen lassen sich messen
Es gibt Kursindizes, auch Preisindizes genannt, und Performance-Indizes. Beim Kursindex werden ganz einfach die Kurse der Wertpapiere addiert. Der DAX ist aber ein Performance-Index, das heißt, er berücksichtigt neben der Kursentwicklung die Dividendenzahlung, die ausgegebenen Bezugsrechte und Berichtigungsaktien bei Kapitalveränderungen. Bei der Berechnung des Kurses wird unterstellt, dass dies alles wieder in die betreffende Aktie investiert wird. Man zieht also diese Beträge dann, wenn sie gezahlt oder ausgegeben werden, vom eigentlichen Kurs ab.

Ein Beispiel: Am Tag der Dividendenzahlung einer Aktiengesellschaft wird die Höhe der Dividende vom aktuellen Kurs abgezogen. Dieser Kursabschlag wirkt sich zunächst wie ein Kursrückgang aus. Er wird aber in den meisten Fällen schnell wieder eingeholt. Der Performance-Index spiegelt dann wirklich den Wert des Unternehmens wider. Damit kommt man zu einer realistischeren Berechnung des Anlageerfolgs als bei reinen Kursindizes. Durch den Zinseszinseffekt der Wiederanlage aller Ausschüttungen eignen sich Performance-Indizes besonders gut zum Vergleich der Kursentwicklung von Investmentfonds, da in den meisten Investmentfonds ausgeschüttete Dividenden und Kursgewinne wieder angelegt werden. Zu den Performance-Indizes gehören neben dem DAX der EuroStoxx 50 und der Standard & Poor’s 500.

Mehr Vielfalt — weniger Überblick
Aus dem DAX ist inzwischen eine ganze Familie geworden. Deshalb muss man genau darauf achten, wovon zum Beispiel ein Kundenberater spricht und auf welche Zahlen er verweist, wenn er einem etwas verkaufen will. Seit 1993 gibt es den C-DAX, den so genannten Composite-DAX. In ihm sind sämtliche zum amtlichen Handel an der Frankfurter Wertpapierbörse zugelassene Aktien enthalten, das sind inzwischen rund 400 an der Zahl. Daneben werden auch C-DAXe für die verschiedenen Branchen berechnet. Wenn man die Entwicklung des DAX mit der des C-DAX vergleicht, kann man feststellen, ob sich die gesamte Börse besser oder schlechter entwickelt hat als die Aktien der 30 größten Unternehmen. Und wenn man eine Aktie aus einer bestimmten Branche mit dem betreffenden Branchenindex vergleicht, sieht man sofort, ob sich diese Aktie besser als der Branchendurchschnitt entwickelt hat.

1994 kam der DAX 100 dazu, der die Aktien der 100 größten Unternehmen einbezieht, inklusive der DAX-Aktien. 1996 wurde der M-DAX eingeführt, der die Aktien der 70 größten Unternehmen nach den DAX- Aktien enthält, also die Ränge 31 bis 100. Der Name M-DAX kommt von Midcap-Index, das heißt, in ihm sind die mittelgroßen Unternehmen enthalten. Der DAX 100 ist also eine Kombination von DAX und M-DAX. Smax, small cap exchange, heißt das neue Qualitätsmerkmal für kleine Aktien, das am 26. April 1999 an der Frankfurter Börse eingeführt wurde. Die deutsche Sprache wird vom Englischen nur so überflutet, und besonders die Finanzwelt liebt es, für alles und jedes Abkürzungen zu verwenden. So steht cap hier als Abkürzung für Capital, also Kapital. Damit sollen etablierte, aber zukunftsträchtige mittelständische Unternehmen bekannter gemacht werden. Der neue Index im Smax ist der S-DAX, der die Wertentwicklung der 100 größten Smax-Werte abbildet.

Die Entwicklung des Neuen Marktes spiegelt der Nemax-All-Share wieder. Darin sind mehr als 340 Aktien des Neuen Marktes nach Größe gewichtet enthalten. Die Blue Chips des Neuen Marktes sind seit dem Juli 1999 im Nemax 50 zusammengefasst. Aufnahmeregel ist ein Ranking unter den ersten 60 Titeln nach Marktkapitalisierung und Umsatzliquidität. Auch hier findet vierteljährlich eine Überprüfung statt, wonach dann immer einige Aktien herausfallen und neue hinzukommen. Die Fluktuation ist hier größer als beim DAX. Der Nemax 50 vereinigt etwa 85 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des Neuen Marktes und rund 80 Prozent des Gesamtumsatzes. Seit Mai 2000 gibt es auch zehn Branchenindizes, um dem Anleger direkte Vergleiche der Wettbewerber zu ermöglichen.

Hedge-Funds – ohne Rücksicht auf Verluste

Der neue Kick für risikofreudige Anleger heißt Hedge-Funds: Nichts für den kleinen Mann! Hedge heißt absichern, aber sicher ist diese Art der Geldanlage keineswegs. Hedge-Funds waren ursprünglich dazu gedacht, ein Fondsvermögen abzusichern. Heute haben sie nur das Ziel, möglichst schnell das Vermögen zu vermehren, allerdings ohne viel Rücksicht auf das Risiko. Es wird ständig gekauft und verkauft, und zwar alle möglichen Anlageformen, Optionen, Futures oder Swaps, hinzu kommen Zinsdifferenzgeschäfte und Währungsspekulationen.

Im Gegensatz zu normalen Investmentfonds unterliegen die Hedge-Funds keiner staatlichen Kontrolle. Deshalb dürfen die Banken in der Bundesrepublik sie nicht selbst auflegen. Die Deutsche Bank und andere Großbanken haben einige Produkte, die auf Hedge-Funds basieren, in ihr Angebot aufgenommen, doch deren Heimat liegt immer im Ausland, oft in Steueroasen. Der Einstieg in das hoch spekulative Geschäft mit Hedge-Funds ist meist ab einem Einsatz von 100 000 Euro möglich, also wirklich nichts für Kleinaktionäre.

Derivate: zur Kursabsicherung und für Zocker
Derivate sind Finanzinstrumente, die von einem so genannten Basiswert abgeleitet sind. Sie sind immer zeitlich befristet. Diese Basiswerte können Finanzprodukte wie Aktien, Anleihen, Devisen oder Gold sein, aber auch Waren wie Rohstoffe, Weizen oder – Schweinebäuche. Ursprünglich dienten Derivate nur zur Kursabsicherung der entsprechenden Basiswerte, heute sind sie auch ein Geschäft für Zocker, da ihre Kurse wesentlich stärker schwanken als die der Basispapiere. Sie besitzen wie die vorher beschriebenen Optionsscheine einen Hebeleffekt. Im Gegensatz zu den Optionsscheinen handelt es sich bei Derivaten aber rechtlich nicht um Wertpapiere, sondern um Finanzierungsinstrumente. Während man bei Aktien oder Gold nur auf steigende Kurse setzen kann, lässt sich mit Derivaten sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse spekulieren.

Trotz – oder gerade wegen – des hohen Risikos erfreut sich der Handel mit Optionen wachsender Beliebtheit. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich wurden 1999 weltweit Derivate im Volumen von 98,720 Billionen Dollar gehandelt, aber nur 17,262 Billionen Dollar davon an den Börsen, der größte Teil lief direkt zwischen den Brokern oder Banken ab.

Die wichtigsten Derivate sind Optionen und Futures. Letztere können Warenterminkontrakte (= Commodity Futures) sein oder Financial Futures. Optionen (Trades Options) und Financial Futures werden an Terminbörsen gehandelt, zum Beispiel an der deutsch-schweizerischen Eurex in Frankfurt, Warenterminkontrakte an speziellen Warenterminbörsen. Die einzige deutsche Warenterminbörse befindet sich in Hannover. Der Kauf oder Verkauf von Derivaten kann nur über Finanzdienstleister erfolgen, die zum Handel an einer Terminbörse zugelassen sind.

Futures und Optionen sind immer ein Vertrag zwischen zwei Parteien, dem Verkäufer und dem Käufer. Die Börse dient nur als Clearingstelld, die den reibungslosen und sicheren Ablauf des Geschäfts sicherstellt. So genannte Market-Maker an den Terminbörsen haben dafür zu sorgen, dass ein kontinuierlicher Handel möglich ist. Diese Banken oder Wertpapierhäuser haben sich verpflichtet, zu fairen Kursen jederzeit als Verkäufer oder Käufer am Markt zu erscheinen, wenn ein Anleger etwas kaufen oder verkaufen will.

An der Eurex werden unter anderem folgende Optionen und Futures gehandelt:

  • Optionen auf den DAX,
  • Optionen auf die DAX-Aktien,
  • Futures auf Bundesobligationen, genannt Bobl-Futures,
  • Futures auf langfristige Bundesanleihen, genannt Bund-Futures,
  • Futures auf den DAX,
  • Futures auf den MDAX,
  • Futures auf den Euro Stoxx 50,
  • Futures auf Zinskontrakte,
  • Optionen auf Bund- und Bobl-Futures.

Der Hauptunterschied zwischen Futures und Optionen ist, dass bei Ersteren der Käufer die Verpflichtung hat, etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erwerben, bei Letzteren dagegen hat er das Recht, etwas zu erwerben beziehungsweise zu verkaufen, ebenso gut kann er es aber auch bleiben lassen. Bei Futures-Geschäften gehen zwei Vertragspartner, Käufer und Verkäufer, eine Verpflichtung ein. Sie vereinbaren verbindlich, eine bestimmte Anzahl des Basiswerts zu einem bestimmten Termin zu einem festgelegten Preis zu liefern beziehungsweise abzunehmen. Futures haben ihre Ursprünge in Warentermingeschäften. Farmer oder Bauern haben sich damit gegen Preisschwankungen ihrer Produkte abgesichert. Mit einen Future- Kontrakt konnten sie so zum Beispiel schon den Weizen des nächsten Jahres zu einem festen Preis verkaufen.

Futures können vor Ablauf des vereinbarten Termins an der Börse ver- und gekauft werden. Dabei gibt es nur zwei Geschäftsarten. Wer einen Future kauft, geht eine so genannte Long-Position ein. Wer einen Future verkauft, geht eine Short-Position ein. Sowohl für den Kauf als auch für den Verkauf müssen laut Börsengesetz Sicherheiten hinterlegt werden. Eine Option ist ebenfalls ein Vertrag zwischen zwei Parteien. Der Verkäufer einer Option wird Stillhalter genannt. Eine Option verbrieft das Recht, einen Basiswert, zum Beispiel Aktien oder Währungen, zu einem bestimmten Zeitpunkt (europäische Version) oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums (amerikanische Version) und für einen bestimmten Betrag zu kaufen oder zu verkaufen. Der Preis, den man für dieses Recht zahlen muss, ist die so genannte Optionsprämie. Macht der Anleger innerhalb des vereinbarten Zeitraums beziehungsweise zum vereinbarten Zeit von seinem Optionsrecht keinen Gebrauch, so verfällt dieses Recht und der Schein ist nichts mehr wert, also Totalverlust.

Es gibt Kaufoptionen, Call genannt, und Verkaufsoptionen, Put genannt. Eine (europäische) Kaufoption beinhaltet das Recht, am Stichtag den Basiswert zu dem vereinbarten Preis zu kaufen, eine (europäische) Verkaufsoption das Recht, einen Basiswert am Ende der Laufzeit zu verkaufen.

Wer mit steigenden Kursen rechnet, kauft eine Kaufoption (Longcall). Als Basispreis bezeichnet man den vereinbarten Kaufpreis. Steigt der Kurs des Basiswerts, zum Beispiel der Aktie, bis zum Ende der Laufzeit über die Summe aus Basispreis plus Optionsprämie, dann wird der Anleger sein Optionsrecht ausüben und die Aktie für den Basispreis kaufen, um sie dann sofort an der Börse zum höheren aktuellen Kurs zu verkaufen. Man sagt dann, die Option ist in-the-money. Der Gewinn ist also die Differenz zwischen dem Börsenkurs des Basiswerts und dem Basispreis, abzüglich der bereits gezahlten Optionsprämie. Wenn der Aktienkurs noch innerhalb der Laufzeit entsprechend steigt, kann der Besitzer einer Kaufoption auch diese zu einem höheren Preis verkaufen, anstatt sie einzulösen.

Wenn der Börsenkurs bis zum Ende der Laufzeit unter dem Basispreis liegt, so ist diese Option out-of-money. Sie ist am Ende nichts mehr wert. Der Verlust des Käufers der Kaufoption ist die gezahlte Optionsprämie.

Wer eine Verkaufsoption kauft (Longput), kann sich gegen Kursverluste absichern. Man erwirbt damit das Recht, seine Aktien zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem bestimmten Preis zu verkaufen. Diese Art von Optionen wird oft von Fondsmanagern genutzt, um das Kursrisiko für ihre Anleger zu minimieren. Sie können fallende Aktien auf jeden Fall zu einem für sie günstigen Preis loswerden.

Fällt der Kurs der Aktie unter den vereinbarten Basispreis, wird der Besitzer der Verkaufsoption sein Optionsrecht einlösen und damit die Aktie zu einem höheren Preis verkaufen, als er an der Börse erzielen würde. Sein Gewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Basiskurs, zu dem er verkauft hat, und dem aktuellen Börsenkurs, abzüglich der gezahlten Optionsprämie. Wenn er die Option bis zum Ende der Laufzeit nicht ausübt, hat er Verluste in Höhe der Optionsprämie.

Die Börse fordert für den Handel mit Derivaten hohe Sicherheiten, so ‚ genannte Margins. Der Anleger muss, wie es im Fachjargon heißt, seine Position decken, das heißt entweder Wertpapiere oder Bargeld hinterlegen. Beim DAX Futures zum Beispiel verlangt die Eurex pro Kontrakt 10 000 Euro an Sicherheiten, und Aufträge unter zwei Kontrakten sind in der Regel gar nicht möglich. Man kann als Privatmann nicht selbst an der Eurex handeln, sondern braucht eine Bank, einen Broker oder ein Wertpapierhaus, das Mitglied der Eurex ist. Die Hausbanken schlagen für gewöhnlich zu den von der Eurex geforderten Mindestsicherheiten gut 50 Prozent auf, dazu kommen noch die Gebühren.

Der Handel an der Eurex war bisher nur Finanzprofis Vorbehalten. Neuerdings will man ihn auch Privatkunden ermöglichen, die dann aber mindestens ein sechsstelliges Spielgeld zur Verfügung haben müssen. Die Eurex will mittelfristig einen Privatanlegeranteil von 20 Prozent erreichen. Dazu sollen die Produkte weiter standardisiert und die Preise übersichtlicher gestaltet werden. Es wird auch an kleinere Kontrakte gedacht, für die weniger Sicherheiten hinterlegt werden müssen. Dennoch werden die Geschäfte an der Eurex auch in Zukunft nur für Privatanleger mit viel Geld, Erfahrung und Durchhaltevermögen infrage kommen. Denn eines ist klar: Wenn einer etwas gewinnt, dann verliert es der andere. Und es ist fraglich, ob man es als Privatmensch mit den hoch spezialisierten Finanzfachleuten und ihren jahrelangen Erfahrungen mit dem Handel von Futures und Optionen aufnehmen will.

Swaps: Instrumente der Hochfinanz
Um es gleich vorweg zu sagen: Swaps sind auch nichts für Kleinaktionäre. Das Mindestvolumen, um in diesem Geschäft tätig zu werden, liegt bei etwa 5 Millionen Euro. Swap bedeutet eigentlich, dass zwei Vertragspartner Zahlungsströme gegenseitig austauschen, um Kostenvorteile zu nutzen. Dabei gibt es Zinsswaps, Währungsswaps und Equity Swaps. Ein Zinsswap ist eine vertragliche Vereinbarung zwischen zwei Partnern, ihre Zinszahlungen auszutauschen, für eine bestimmte Laufzeit und bezogen auf eine bestimmte Währung und einen bestimmten Kapitalbetrag. So können zum Beispiel feste oder variable Zinsen ausgetauscht werden, Festzinsen unterschiedlicher Laufzeit oder unterschiedliche variable Zinsen. Bei Equity Swaps verpflichten sich die Vertragspartner, variable Zinsen gegen die prozentuale Veränderung einer Aktie, mehrerer Aktien oder eines Aktienindex auszutauschen. Bei Währungsswaps werden Zahlungen in unterschiedlichen Währungen ausgetauscht. Beim Abschluss von Swap- Geschäften üben Banken eine Maklerfunktion aus. Swaps dienen beispielsweise Unternehmen zur Absicherung ihrer mit variablen Zinsen abgeschlossenen Kredite gegen steigende Zinsen. Unternehmen, deren Kredite zu Festsätzen verzinst werden, können umgekehrt, wenn sie mit fallenden Zinssätzen rechnen, diese mithilfe eines Swaps in variable Sätze tauschen, um so von den erwarteten Zinssenkungen zu profitieren.

Caps, Floors und Collars
Wer die gesamte Spielwiese der Finanzanlagen ausnutzen will, der erfreut sich an Begriffen, die heiß in Mode sind, aber nichts mit Textilien zu tun haben: Caps, Floors und Collars. Klingt schick und macht bei Partys richtig Eindruck. Dahinter verbergen sich unter anderem Finanzinstrumente, die im Alltag Zinsbegrenzungsprämie heißen und zum Beispiel auch im Zusammenhang mit Hypothekendarlehen verwendet werden, wenn man sich ein Haus oder eine Wohnung kauft. Sich mit dem inneren Mechanismus dieser Instrumente auseinander zu setzen, ist eigentlich nur Sache von Bankkaufleuten. Trotzdem hier ein kurzer Überblick für den, der es genauer wissen will:

Caps sind Instrumente, mit denen Zinsbelastungen aus Zahlungsverpflichtungen wie bei Festsatzfinanzierungen begrenzt werden können, ohne jedoch auf die Kostenvorteile und Flexibilität einer variablen Finanzierung zu verzichten. Sie werden auch immer mehr von mittelständischen Unternehmen nachgefragt. Ein Cap ist eine Vereinbarung zwischen dem Verkäufer und Käufer. Sobald ein festgelegter Referenzzinssatz über eine Zinsobergrenze steigt, erstattet der Verkäufer dem Käufer den Differenzbetrag, bezogen auf einen vereinbarten Nennwert. Der Käufer zahlt für den Cap an den Verkäufer eine pauschale Summe, entweder bei Vertragschluss oder in vereinbarten Teilbeträgen.

Das bisher Beschriebene war ein Solo-Cap oder Cap ohne Kapital, weil nicht an eine zugrunde liegende Verbindlichkeit des Käufers gebunden. Diese Form ist üblich im Geschäft zwischen Banken. Caps in Verbindung mit variabel verzinslichen Verbindlichkeiten sind eine Zinsversicherung. Steigen die Marktzinsen, erhöhen sich an den Roll-over-Stichtagen die Zinssätze der V-Satz-Verbindlichkeiten (V steht für Variabel); andererseits erstattet der Cap-Verkäufer die Differenz zur Obergrenze, sodass die echte Zinsbelastung nie höher liegt als die Obergrenze der V-Satz-Verbindlichkeiten plus Kreditmarge.

Kreditgeber und Cap-Verkäufer müssen nicht identisch sein, aber viele Banken bieten Pakete von Krediten und Caps, also V-Satz-Darlehen mit Zinsbegrenzungsgarantie; dabei enthält die genannte Zinsobergrenze bereits die Kreditmarge. Floors sind das spiegelbildliche Gegenstück zu Caps. Sie geben dem Käufer die Garantie für eine Zinsuntergrenze bei einer Geldanlage. Gegen Zahlung einer einmaligen oder von laufenden Prämien erstattet der Verkäufer dem Käufer die Differenz des Referenzzinssatzes zur vereinbarten Zinsuntergrenze, gemessen an festgelegten Stichtagen und bezogen auf ein vereinbartes Kapital. Der Anspruch aus dem Kauf des Floors ist ebenfalls nicht an eine zugrunde liegende Geldanlage gebunden.

Collars sind Kombinationen von Caps und Floors. Der variable Zinssatz einer Verbindlichkeit des Käufers wird auf eine bestimmte Bandbreite zwischen Unter- und Obergrenze limitiert. Dadurch ist der Käufer eines Collars sowohl der Käufer eines Caps als auch der Verkäufer eines Floors. Er zahlt für das Recht auf eine Obergrenze und wird für die Einräumung des Rechts auf eine Untergrenze bezahlt. Die Nettokosten eines Collars sind: Cap-Wert abzüglich Floor-Wert. Die Kosten eines Caps können also durch Collars reduziert werden. Auch Collars sind nicht an zugrunde liegende Verbindlichkeiten oder Anlagen gebunden.

Was lernen wir daraus? Machen Sie jemandem, der unbedingt mit Ihnen über Caps, Floors und Collars sprechen möchte, das Angebot einer Informationstauschbörse. Sie hören ihm zu, wenn er sich verpflichtet, anschließend Ihnen zuzuhören. Stellen Sie ihm interessante Themen in Aussicht: Details aus dem Arbeitsalltag eines Histologen oder die Geheimnisse der Kernspintomographie. Diesen Austausch von Informationen sollten Sie dann einen Info-Cap nennen.

Aktienkauf für Anfänger – Kleinanleger werden beschleunigt

Das im November 1997 eingeführte vollelektronische Handelssystem Xetra (Exchange Electronic Trading System) hat den Parketthandel inzwischen weitgehend verdrängt. Mittlerweile beträgt der Marktanteil von Xetra nahezu 90 Prozent am Umsatz in den Standardwerten des DAX und über 50 Prozent im Neuen Markt. Xetra löste die frühere Computerbörse IBIS ab, wo nur Banken untereinander handeln durften. Über Xetra sind die 5 500 an der Frankfurter Wertpapierbörse notierten Aktien handelbar, außerdem etwa 10 700 Optionsscheine.

Xetra hat auch Kleinanlegern eine längere Handelszeit börsentäglich von 9 bis 20 Uhr ermöglicht. Früher war dies nur während der Zeit des Parketthandels, also am Vormittag, möglich. Bei Stückzahlen unter 100 konnten früher Aktienkäufe oder Verkäufe sogar nur einmal täglich zur Kasse bei der Feststellung der Einheitskurse getätigt werden. Die Kassa- Notierungen sind inzwischen völlig abgeschafft worden.

Xetra macht den Handel schneller, billiger und auch transparenter, seitdem auch der Kleinaktionär neuerdings direkt ins Orderbuch schauen kann. Durch die vollelektronische Zusammenführung aller Kauf- und Verkaufsaufträge können sie schnellstens ausgeführt werden, egal ob man eine Aktie oder ein ganzes Paket kauft oder verkauft. Außerdem braucht man keinen Makler mehr, spart also die Courtage. Durch die Automatisierung sinken insgesamt die mit einer Order verbundenen Transaktionskosten. Bei Xetra erhalten alle Marktteilnehmer in Deutschland ebenso wie im Ausland gleichberechtigt Zugang zur Handelsplattform. Alle können einen Blick in das Orderbuch werfen, das zeigt, zu welchen Preisen und Mengen jeder gehandelte Wert angeboten und nachgefragt wird. Damit wird der Markt vollkommen transparent und der Aktionär kann besser auf neue Bewegungen reagieren.

Wie man Aktien kauft und verkauft, möchte ich Ihnen zunächst anhand des traditionellen Parketthandels veranschaulichen. Dies zeigt die grundsätzliche Funktionsweise der Börse am besten, auch wenn sich beim Computerhandel über Xetra inzwischen etwas geändert hat.

Kaufaufträge und natürlich auch Verkaufsaufträge, Kauforders oder Verkaufsorders genannt, kann man persönlich, schriftlich, telefonisch oder per E-Mail an die Bank geben. Die Order wird von der Bank an einen Makler weitergeleitet, der für die weitere Ausführung des Auftrags zuständig ist. Da Aktien immer als Stücke verkauft und nicht geteilt werden können, gibt es am Markt keine halben, Viertel- oder Achtelaktien. Deshalb kann man auch nicht zur Bank gehen und sagen: Ich hätte gern für 2 500 Euro Aktien von dieser oder jener Firma. Man sollte sich vielmehr zunächst über den Kurs informieren und muss dann im Rahmen des Kaufauftrags der Bank die gewünschte Stückzahl mitteilen.

Das kann wiederum im Rahmen eines unlimitierten oder eines limitierten Auftrags geschehen. Ein unlimitierter Auftrag besagt, dass die Bank die Aktien billigst kauft. Das bedeutet aber nicht zum niedrigsten Tageskurs und es bedeutet auch nicht, dass dieser Auftrag überhaupt zu einem niedrigen Kurs ausgeführt wird. Es kann durchaus sein, dass die gewünschten Aktien an einem bestimmten Börsentag vielleicht überhaupt nicht angeboten werden oder vielleicht nicht in einer der Nachfrage entsprechenden Menge. Dann wird der Auftrag eben, sofern möglich, am Folgetag ausgeführt. Wer also glaubt, dass die Kauforder billigst ihm den niedrigsten Tageskurs beschert, irrt. Niemand an der Börse weiß bei Börsenbeginn, wie sich der Kurs im Laufe des Tages entwickelt, und jeder Makler wird aufgrund seiner Erfahrung und seiner persönlichen Einschätzungen zu unterschiedlichen Entscheidungen kommen, wann genau ein Geschäft zu den bestmöglichen Konditionen ausgeführt werden kann. Ist es dann getätigt, hat sich die Sache erledigt.

Das Gleiche gilt übrigens auch für den Verkauf von Aktien. Der unlimitierte Auftrag bedeutet, dass die Verkäufe durch die Bank bestens getätigt werden. Es soll also der höchstmögliche Kurs erzielt werden, jedoch macht der Verkäufer der Bank keine Vorschriften, wie die Untergrenze beim Verkauf aussehen soll. Die Aktie soll nur weg. Bedenkt man, dass einige Aktien am Neuen Markt innerhalb eines Tages um 40 Prozent im Preis gerutscht sind, kann man sich vorstellen, dass etliche Verkäufer mit unlimitierten Aufträgen am Ende lange Gesichter machten, als sie sahen, welchen besten Kurs die Bank für sie gerade noch erzielt hat. Möchte man sich gegen unliebsame Überraschungen absichern, sollte man einen limitierten Auftrag erteilen. Man gibt der Bank an, zu welchem Kurs man kaufen oder verkaufen möchte. Der Kaufauftrag wird nur dann ausgeführt, wenn der Preis der Aktie das festgesetzte Limit nicht über schreitet. Beim Verkauf ist es dann genau anders herum. Die Aktie wird nur dann verkauft, wenn eine bestimmte Untergrenze nicht unterschritten wird. Auch hier muss der Auftraggeber damit rechnen, dass die von ihm gewünschten Geschäfte nicht immer für den günstigsten Kurs des Tages ausgeführt werden, aber er ist zumindest sicher, dass die vielleicht unangenehmen Überraschungen nicht zu groß werden.

Aktienkäufer und Aktienverkäufer sollten sich auch darüber Gedanken machen, welchen Zeitrahmen sie der Bank für die Ausführung des Auftrags setzen wollen. Die übliche Gültigkeitsdauer eines Auftrags reicht bis zum Ende des Monats, in dem er erteilt worden ist. Damit räumt man der Bank einen gewissen Spielraum ein, den diese dafür nutzen kann, ihren Kunden zu zeigen, über welches Können und Fachwissen sie verfügt. Denn ein Monat kann heute an der Börse ein verdammt langer Zeitraum sein. Kauft die Bank am Anfang des Monats bereits zu einem günstigen Kurs ein und steigt dieser an den darauf folgenden Tagen oder Wochen, wird das den Aktionär überglücklich machen. Verpasst sie den richtigen Zeitpunkt, ist sie für die Mehrkosten oder für die Verluste zwar nicht haftbar, hat aber einen unzufriedenen Kunden. An der Börse ist es eben nicht wie in einem Supermarkt, bei dem ja fast überall das Motto gilt: Wer zu früh kauft, den bestraft das Sonderangebot.

Wer als Aktienkäufer oder Verkäufer alles möglichst genau unter Kontrolle haben möchte, kann seinen Auftrag auch nur mit Tagesgültigkeit aussprechen. Wenn das Geschäft zustande kommt, ist es in Ordnung, wenn nicht, verfällt die Order und muss vom Kunden erneut ausgesprochen werden.

Wer sein Aktiendepot gegen extreme oder überraschende Kursverluste absichern möchte, zum Beispiel wenn er über längere Zeit in Urlaub fährt, kann eine so genannte Stop-loss-Order aussprechen. Das heißt, er gibt seiner Bank den Auftrag, eine bestimmte Aktie sofort bestens zu verkaufen, wenn der Kurs dieser Aktie unter ein von ihm angegebenes Limit fällt. Wichtig ist dabei auch wiederum, dass dieses Limit in einer vernünftigen Höhe gesetzt wird und dass es den wahrscheinlichen Kursschwankungen der jeweiligen Aktie entspricht. Liegt die Stop-loss-Order zu dicht im üblichen Schwankungsbereich, kann es passieren, dass bei einem kurzfristigen Ausrutscher des Kurses nach unten die Aktien plötzlich futsch sind, die Gebühren anfallen und kein Geld in die Kasse kommt.

Das Gegenstück zur Stop-loss-Order ist die Stop-buy-Order. Sie räumt dem Aktionär die Möglichkeit ein, bei steigenden Aktienkursen noch auf den Zug aufzuspringen. Wenn der Käufer unsicher ist, ob er bestimmte Aktien kaufen sollte, weil die Kursentwicklung für ihn nicht klar erscheint, kann er der Bank den Auftrag geben, diese von ihm ins Auge gefassten Aktien dann zu kaufen, wenn der aktuelle Kurs über ein bestimmtes Limit gestiegen ist und er annimmt, dass der Kurs noch weiter steigen wird. Erreicht oder überspringt der Kurs das vom Käufer gesetzte Limit, kauft die Bank die Aktien umgehend billigst. Hat man es jedoch mit rasanten Kursbewegungen zu tun, wie sie heute immer häufiger an der Tagesordnung sind, ist es wahrscheinlich empfehlenswerter, sich selbst stets aktuell um sein Depot zu kümmern und sich nicht auf Limits zu verlassen, die man vielleicht in der Vergangenheit gesetzt hat, die aber von der aktuellen Entwicklung schon längst wieder überholt sind. Auch in diesen Fällen gilt die alte Regel von Kostolany nicht, die besagt, dass man nach dem Aktienkauf mithilfe eines starken Medikaments erst mal zehn Jahre verschlafen soll, ehe man sich wieder um die Wertpapiere kümmert. Aktienkauf und anschließender Konsum von Schlaftabletten kann sich verheerend auswirken.

Als Privatanleger erteilen Sie Ihre Aufträge, wenn diese über Xetra abgewickelt werden sollen, wie bisher Ihrer Bank; machen Sie aber deutlich, dass Sie die Teilnahme an Xetra wünschen. Auch hier können Sie unlimitierte Kauf- oder Verkaufsorders einreichen, die in der Regel sofort ausgeführt und als Market Orders bezeichnet werden. Ebenso können Sie — wie im Parketthandel – limitierte Orders abgeben. Gegen unerwartete Preisschwankungen kann man sich durch Stop-Orders absichern. Neuerdings gibt es zusätzlich die Market-to-1 imit-Order, das ist eine Market- Order, die zum besten Limit ausgeführt wird. Unausgeführte Teile dieser Order werden mit Limit in das Orderbuch eingestellt.

Grundsätzlich kann man bestimmen, ob eine Order nur für einen Tag (good-for-day), bis zu einem bestimmten Datum (good-till-date) oder bis zur Löschung (good-till-cancelled) gültig sein soll, maximal sind 90 Tage möglich. Man muss damit rechnen, dass eine Order zu zwei unterschiedlichen Kursen abgerechnet wird, wenn sie nicht als Ganzes ausgeführt werden konnte. Es sei denn, man gibt Fill or Kill oder Immediate or Cancel als Zusatz an. Fill or Kill besagt, dass die Order sofort und in kompletter Stückzahl ausgeführt werden soll. Ist dies aufgrund der Auftragslage nicht möglich, verfällt die Order. Bei -Immediate or Cancel können auch Teile ausgeführt werden. Das bedeutet, dass der nicht ausgeführte Teil dann verfällt.

Die Marktteilnehmer können ihre Aktien sowohl in Auktionen als auch fortlaufend handeln. Wer seinen Auftrag auf Auktionen beschränken will, gibt als Zusatz auction only- an, vielleicht sogar opening auction only (Eröffnungsauktion) oder closing auction only (Schlussauktion). In den Auktionen werden die Preise für alle Ordergrößen ermittelt, im fortlaufenden Handel nur für Orders mit einer gewissen Mindestgröße. Der fortlaufende Handel wird durch eine oder mehrere Auktion täglich unterbrochen. Die damit verbundene Konzentration des Angebots und der Nachfrage zu diesen Auktionszeitpunkten erhöht die Ausführungswahrscheinlichkeit von Aufträgen.

Börse für Anfänger – Tipps

Dank dem Kleinanleger leben sogar fast Totgesagte länger – und vielleicht auch besser? Noch vor wenigen Jahren wurde den sechs Regionalbörsen (außer Frankfurt) das schnelle Aus vorhergesagt. Der rasch vordringende Computerhandel und die Übermacht vom Main drängten die Kleinen an den Rand. -Frankfurt macht uns platt. Wir haben keine Chance!, so das vehemente Klagelied. Doch siehe da: Die Kleinen tauchen wie Phönix aus der Asche wieder auf. Zwar entfällt heute nur etwa ein Fünftel aller Umsätze im Aktienhandel auf die sechs Börsen außerhalb Frankfurts, aber schon rund 50 Prozent aller Abschlüsse. Ihr Erfolgsrezept: Sie haben sich sehr früh dem privaten Anleger zugewandt. Sie waren die Vorkämpfer für die Verbesserung und Erweiterung des Service. Die Verlängerung der Handelszeiten und die Herabsetzung der Mindestorder von 50 auf eine Aktie wurden nicht in Frankfurt zuerst eingeführt, sondern an den Regionalbörsen.

Vorreiter Berlin
Große Klappe, nix dahinter? Von wegen. Der Berliner ist mit seiner Börse höchst flexibel und kreativ, denn die Berliner Börse, mit Aktienumsätzen von 42,5 Milliarden Euro im Jahr 2000 die Nummer drei der Börsen in Deutschland, buhlte mit groß angelegter Werbekampagne nicht nur um Banken und Profis, sondern gerade um den privaten Anleger, der bisher zögerte, sein Geld auf diese Weise anzulegen. Mit der Versicherung Bei uns hat Ihr Kapital gute Aktien machte die Berliner Wertpapierbörse auf ihren deutlich ausgeweiteten Kundenservice sowie auf ihre Spezialangebote aufmerksam. Die Berliner Börse hat mehr als 8 000 verschiedene Papiere in ihrer Angebotspalette: Europäische Standardwerte, internationale Hightechtitel, darunter alle Nasdaq-Werte und eine Vielzahl von Osteuropaaktien. Der variable Handel ist schon ab einer Aktie möglich.

Mit Slogans wie Guthaben will es gut haben, Kapital braucht Abwechslung oder Wertpapiere stehen auf Berlin wurden Geld, Kapital und Vermögen bewusst vermenschlicht, um so positive Eindrücke im Kopf der Privatkunden hervorzurufen. Man wollte Anlegerneulingen über die Schwelle helfen, so Dr. Jörg Walter, Geschäftsführer der Berliner Wertpapierbörse. Anlagewillige und risikofreudige Kunden seien durchaus bereit, ihr Geld an der Börse anzulegen, doch scheuten sie diesen Schritt aufgrund mangelnder Informationen. Deshalb hat die Berliner Wertpapierbörse ein Infotelefon eingerichtet, das Fragen der Privatanleger beantwortet. Der Internetauftritt unter berlinerboerse*de und ein regelmäßig erscheinender Newsletter gehören mit zum Serviceangebot.

Ein Maßanzug für den Privatanleger
Berlin ist die erste Börse, die eine speziell auf Privatinvestoren zugeschnittene Handelsplattform anbietet, und zwar seit dem 1. Februar 2001. Inzwischen hat die Frankfurter Börse nachgezogen. Ein völlig neues Webportal, das unter Mitwirkung von Reuters und Microsoft realisiert wurde, ermöglicht in Berlin privaten Anlegern den Zugang zum Onlinehandel. Damit ist das Ende der Zweiklassengesellschaft von Profis und Privatinvestoren eingeläutet, sagte der Börsenchef ganz richtig. Das Web ist dabei der entscheidende Schritt bei der Herstellung von Gleichheit, wenn auch nicht Brüderlichkeit, von Privatinvestoren und Profis, so Walter.

Das Orderbuch lüftet seine Geheimnisse
Früher war es nur den Profis Vorbehalten — heute kann der Privatanleger elektronisch jederzeit und ohne Verzögerung Einblick in das Orderbuch erhalten. Dieses bietet die aktuelle Orderlage, verbindliche Geld-Brief- Spannen, sofortigen Zugang zum Direktbroker und dazu die Garantie einer durchschnittlichen Ausführungsgeschwindigkeit der Order von 30 Sekunden. Durch die Einsicht in die aktuelle Ordersituation wird es dem Privatanleger möglich, seine Aufträge unmittelbar der aktuellen Marktsituation anzupassen. Er kann im Internet sowohl die laufend aktualisierten Angebote des Maklers, die so genannten Quotes, nutzen als auch auf die noch nicht ausgeführten Orders anderer Aktionäre (Überhänge) zurückgreifen.

Erforderlich ist nur ein Internetanschluss, die Verbindung mit berlinerboerse*de und der Klick in das Orderbuch. Wenn der Direktbroker des Anlegers an den Service der Berliner Börse angeschlossen ist, wird im Orderbuch die per Mausklick generierte Order direkt an dessen Bank weitergeleitet. Falls dies noch nicht der Fall ist, ermöglicht die Einsicht in die aktuelle Kurs- und Auftragslage zumindest einen wesentlichen Informationsvorsprung gegenüber der herkömmlichen Auftragserteilung. Die Berliner Wertpapierbörse nimmt für sich in Anspruch, für den Kunden faire und beste Preise zu ermitteln. Der hohe Umfang des Handels ermöglicht eine schnelle Ausführung der Order, denn je mehr Kurse beziehungsweise Preise in einem Wert festgestellt werden, desto eher hat der Anleger die Chance, zu dem von ihm gewünschten Preis seinen Auftrag abgewickelt zu bekommen.

Anlegerschutz als Erfolgsfaktor
Anlegerschutz wird in Berlin groß geschrieben. Gewährleistet wird der ordnungsgemäße Handel im Berliner Freiverkehr zunächst einmal durch die Freiverkehrsrichtlinien. Hinzu kommt ein umfangreiches Spektrum weiterer Anforderungen. Für Unternehmen, die noch an keiner anderen Börse notiert sind, gelten zusätzliche Regularien für die erstmalige Einbeziehung. Die Überwachung des Handels erfolgt durch die Mitarbeiter der Handelsüberwachungsstelle, die während des Börsenhandels vor Ort sind und mit allen Marktteilnehmern in kontinuierlichem Kontakt stehen. Mithilfe technischer Systeme haben sie die Möglichkeit, die Handelsabläufe konkret zu überwachen. Den Privatinvestoren wird best execution, das heißt ein optimaler Preis, garantiert. Mithilfe stets aktueller, besonders enger und derzeit handelbarer Quotes (also Angebote des Maklers) durch den so genannten Liquidity Provider erhalten Sie den absolut marktgerechten und damit jederzeit fairen Preis, auch im Vergleich zu internationalen Börsenplätzen. Die im Orderbuch vom Makler eingestellten Angebote sind verbindlich. Für die dort angegebene Stückzahl beziehungsweise bis zu einem Ordervolumen von 5 000 Euro garantiert der Makler die Ausführung der Order. Ein umfassendes Regelwerk verpflichtet die Makler zu engen, kontinuierlich zu aktualisierenden Preisstellungen bei ihrem Angebot. Um für die Privatanleger den Handel auch besonders preisgünstig zu machen, wird ab Anfang April 2001 an der Berliner Börse die Maklergebühr von 0,8 auf 0,4 Promille halbiert.

Düsseldorfer Börse: von der Schwerindustrie zum Privatmann
Früher galt die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt als der Schreibtisch des Ruhrgebiets. Alles, was dort passierte, stand ganz im Dienst der Kohle- und Stahlerzeugung. Das galt auch für die Börse, die sich als Spezialgebiet besonders den Aktien der Schwerindustrie widmete. Aber so, wie die großen Konzerne nach neuen lukrativeren Aufgaben suchten, tat es auch die Börse Düsseldorf. Sie hat schon vor einigen Jahren begonnen, sich auf den Privatanleger zu konzentrieren. Sein Anteil am Geschäft macht inzwischen über 80 Prozent aus. Schätzungsweise 30 Prozent der privaten Anleger ordern dabei online, so Dr. Detlef Irmen, Geschäftsführer der Börse Düsseldorf. Im Jahr 2000 betmg das Handelsvolumen der Düsseldorfer Börse 283,7 Milliarden Euro, davon 201,45 Milliarden mit Aktien und 82,26 Milliarden mit Renten.

Quality Trading als Markenzeichen
Mit Quality Trading hat die Börse Düsseldorf ein Qualitätsmerkmal geschaffen, das inzwischen auch an anderen Börsenplätzen Nachahmer gefunden hat. Durch eine Selbstverpflichtung der Makler werden eine zweiminütige Orderbearbeitung, marktgerechte Preise und Transparenz im Handel ermöglicht. Die Börse Düsseldorf sieht im Quality Trading den entscheidenden Standortvorteil, der auch im laufenden Jahr weiter ausgebaut werden soll. Dabei wird die Neutralität und Unabhängigkeit des Handelsplatzes als wichtiges Qualitätsmerkmal angesehen. Die Börse Düsseldorf will sich trotz der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft nicht an einzelne Marktteilnehmer oder kommerziell ausgerichtete Projekte anbinden. Die Anleger erwarteten einen neutralen Marktplatz. Dieses Grundprinzip ist gerade im Wettbewerb mit elektronischen und außerbörslichen Handelssystemen ein entscheidender Vorteil. Die behördliche Handelsüberwachung in Düsseldorf bietet eine Sicherheit, die der Anleger nirgendwo sonst findet. Im Gegensatz zur Berliner will die Düsseldorfer Börse sich nicht auf einzelne Produkte spezialisieren, sondern dem Anleger immer alle Werte bieten, die er handeln möchte. Dieses breite Angebot hat sich laut Börsengeschäftsführer Dirk Elberskirch bewährt, und es wird laufend erweitert.

Bessere Chancen für junge Unternehmen
Im Frühjahr 2001 starteten die ersten Unternehmen im neuen IPO-Segment. IPO ist die Abkürzung für Initial Public Offering, das heißt erstes öffentliches Angebot oder Neuemission. Mit diesem Marktsegment soll jungen Unternehmen die Chance auf einen schnellen Börsengang gegeben werden. Das Alter spielt keine Rolle, allerdings sind die Auflagen des Anlegerschutzes besonders streng.

Neben einer vorgeschriebenen Aktienstreuung von mindestens 20 Prozent und einem Mindestkapital von 250 000 Euro oder 100 000 Stück müssen auch Ad-hoc-Mitteilungen, Zwischen- und Quartalsberichte sowie der Anteilsbesitz von Vorstand und Aufsichtsrat offen gelegt werden. Die Altaktionäre müssen ihre Aktien mindestens 18 Monate halten. Einmal jährlich muss eine Researchstudie eines unabhängigen Analysten vorgelegt werden. Die Emissionsbegleiter sollen Betreuerpflichten übernehmen. Ziel ist es, dass die Anleger bereits in einer frühen Finanzierungsphase in ein Unternehmen investieren können und ihnen eine Informationsbasis geschaffen wird, die internationalen Standards genügt.

Auf dem Weg zum Full-Service-Dienstleister
Die Börse Düsseldorf sieht sich in einem Wandel vom reinen Wertpapierhandel hin zum Full-Service-Dienstleister. Sie bietet den Privatanlegern ein umfangreiches Seminarprogramm, an dem bisher schon über 3000 Interessenten teilgenommen haben. So gibt es Abendseminare, zum Beispiel zu den Themen Neuemissionen: Marktsegmente und vorbörslicher Handel, Optionsscheine für Fortgeschrittene, Vom Aktieneinsteiger zum Börsenprofi, Einführung in die Chartanalyse, Anlagestrategien und fest verzinsliche Wertpapiere sowie Wie funktioniert die Börse — Abläufe und Börsensprache.Neuerdings kommt die Düsseldorfer Börse auch direkt zu ihren Anlegern nach Köln, Frankfurt, Berlin oder auch nach München. In Ganztagesseminaren speziell für Privatanleger vermitteln Profis vom Parkett, wie die Börse funktioniert, und vor allem, wie man erfolgreich handelt. Die

Themen orientieren sich am Interesse der Anleger und wurden aus den zahlreichen Anfragen am Infotelefon der Kursmaklerkammer zusammengestellt. Programmpunkte des Seminars sind So funktioniert die Börse“, Ordern an der Börse, aber richtig, So entstehen Kurse an der Börse, Wo finde ich seriöse Börseninformationen, Börsenprodukte und Marktsegmente, Anlagestrategie: von spekulativ bis sicher, Einführung in die Charttechnik und Aktuelle Marktanalyse.

Außerdem wurde das Düsseldorfer Börsenparlament ins Leben gerufen. Es ist ein interaktives Diskussionsforum, das von der Börse Düsseldorf und den Gesellschaften Börsenmakler Schnigge AG, Lang und Schwarz AG und Spitz AG getragen wird. Die Produktion liegt in den Händen der Düsseldorfer Stock TV. Die Veranstaltungen mit hochkarätigen Gästen finden einmal im Monat in Düsseldorf statt und werden auch über die Seite boersenparlament*de im Internet übertragen. Thema der Veranstaltung am 7. Februar 2001 war Biotech-Aktien, Hoffnungsträger am Neuen Markt? Zu den Dienstleistungen der Düsseldorfer Börse gehört auch die Radiobörse, in der die Börsenexperten jeden Donnerstag von 18 bis 19 Uhr auf dem Sender Antenne Düsseldorf Fragen der Hörer beantworten. Darüber hinaus präsentiert sich die Börse Düsseldorf regelmäßig auf der Anlegermesse in Düsseldorf. Abgerundet wird das Serviceprogramm für den Privatanleger durch den Internetauftritt boerse-duesseldorf*de.

Stuttgarter Börse: Finanzwelt auf Schwäbisch
Die Stuttgarter Börse eröffnete schon am 9- September 1998 den ersten Börsentreff in Deutschland. Damit sollte ein Zeichen gesetzt werden, dass die Börse nicht Geschlossene Gesellschaft bedeuten muss. Auch die Stuttgarter Börse verfolgt heute das Ziel, dem Privatanleger den bestmöglichen Service zu bieten. Dazu gehört unter anderem, ihm einen Raum zur Informationsbeschaffung und zum Informationsaustausch über die Wertpapieranlage zu offerieren, sagte Börsenpräsident Rolf Limbach anlässlich der Eröffnung. Er geht davon aus, dass die Privatanleger es honorieren, wenn ihnen Dienstleistungen angeboten werden, bei denen sie sich als wichtige Marktteilnehmer verstehen und sich wie die Profis behandelt wissen. Im Börsentreff im Foyer der Börse können Interessierte fachsimpeln und sich Informationen zur Geldanlage über das Internet beschaffen. Computer laden zum Surfen ein, und die Finanzinformationsdienste Reuters und vwd liefern auf eigenen Bildschirmen Daten, Kurse und Finanznach richten in Echtzeit. Über ein weiteres Terminal von der Direktanlage- Bank können Kunden der Bank direkt elektronisch ordern. Außerdem gibt es einen n-tv-Bildschirm, und auf anderen Monitoren kann man Kurzinformationen individuell abrufen.

Über das Callcenter der Börse Stuttgart haben Anleger die Möglichkeit, Kurse, Umsätze und Ausstattungsmerkmale direkt vom Parkett abzufragen und allgemeine Informationen zu Events oder Börseneinführungen zu erhalten.

Börse für Anfänger – braucht man ein Analysten-Gütezeichen

Brauchen wir ein neutrales Gütezeichen für die Zunft, eine Art TÜV- Siegel? Deutsche-Bank-Chef Breuer hat zwar davor gewarnt: Bitte keine Überregulierung des Finanzmarktes. Aber die Erfahrungen des Jahres 2000 schreien förmlich danach.

Auch für das Bundesaufsichtsamt ist nicht immer Verlass auf die Analysen. Aber BAWe-Präsident Wittich hält eine staatliche Regulierung des Berufsbilds der Analysten in Deutschland für überflüssig. Das muss der Markt zum großen Teil selbst regeln, hat er gesagt. Der Markt sollte wissen, ob ein Analyst unabhängig ist oder einer Bank angehört und ob diese Bank etwa am Börsengang des Unternehmens beteiligt war/ist.

Margarete Wolf, Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, marschierte vor, will verbindliche Kriterien für die Unabhängigkeit von Analysten festlegen. Man plant einen Ethik-Katalog, der aber nicht gesetzlich festgelegt werden soll. Dieses neue Gütesiegel war von der Standesvertretung DVFA zunächst heftig angegriffen worden. Mittlerweile begrüßt man es. Bereits jetzt existiert ein Ehrenkodex auf freiwilliger Basis, der jedoch nicht ausreicht.

Der Wirtschaftsclub Rhein-Main hatte 100 Banker und große Unternehmensführer gefragt: Glauben Sie, dass ein Finanzanalyst in seiner Beurteilung abhängig von seiner Bank ist? 75 der Probanden, darunter auch Banker, bejahten die Frage.

Es gibt bisher weltweit keine einheitlich gesetzlich oder aufsichtsrechtlich geregelten Anforderungen an die persönliche Berufsqualifikation von Analysten am globalen Kapitalmarkt, bemängelt die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management e.V. Deshalb habe man eine effektive Selbstkontrolle organisiert, so die Geschäftsführerin Ulrike Diehl. Sie hält aber nichts von nationalen Alleingängen und bemüht sich seit Jahren um eine international geltende Regelung.

Bereits 1995 wurden die DVFA-Standesrichtlinien festgeschrieben, in denen die Mindestanforderungen an die fachliche und berufsethische Kompetenz der Bemfsangehörigen niedergelegt sind. Als selbst regulierende Institution will der Berufsverband damit die Überprüfbarkeit und Vergleichbarkeit von professioneller Qualifikation und beruflichem Wöhlver- halten sicherstellen. Die DVFA sorgt für eine solide Berufsausbildung und eine Berufsausübung nach geltendem Recht und international anerkannten Prinzipien. Sie bietet eine Ausbildung zum Investmentanalysten/DVFA, die den Absolventen vor allem auch für die recht schwierige Bewertung von Wachstumsunternehmen qualifiziert.

Außerdem sind die DVFA-Mitglieder zur strikten Beachtung und Einhaltung der festgelegten Grundsätze ordnungsgemäßer Analyse und Anlageberatung verpflichtet. Verstöße werden vom Ehren- und Schiedsgericht des Verbands sanktioniert. Die beiden Gerichte sind ähnlich wie Handelsgerichte besetzt, die Vorsitzenden sind Berufsrichter, die Beisitzer Praktiker aus dem Berufsstand. Die Schiedsstelle kann allerdings nur von der DVFA selbst oder ihrer Mitgliederversammlung angerufen werden.

Über 90 Prozent der DVFA-Mitglieder verfügen über ein abgeschlossenes Hochschulstudium, in der Regel kombiniert mit einem – zumeist kaufmännischen – Lehrabschluss und/oder weiteren Abschlüssen in- und ausländischer Universitäten. Nach einer mindestens zweijährigen einschlägigen Berufserfahrung kann dann das europäische Berufsdiplom CEFA-Investmentanalyst DVFA erworben werden. Dieses setzt die Teilnahme an einer zehnmonatigen Postgraduierten-Ausbildung voraus, erfolgreich abgeschlossen mit einem viertägigen schriftlichen Examen über 23 1/3 Stunden zu den Themen Analyse und Bewertung von festverzinslichen Wertpapieren, Aktienanalyse und -bewertung, Futures, Optionen und Riskmanagement, Portfoliomanagement, Analyse von Jahresabschluss und Rechnungslegung, Unternehmensfinanzierung sowie Compliance, Berufsethik und Standesrichtlinien. In Deutschland haben bereits rund 1000 Analysten dieses CEFA- Diplom erworben.

Neben dieser Diplomausbildung bietet die DFVA ein- bis zweitägige so genannte Refresher-Kurse sowie zwei- und sechstägige Fortbildungsseminare an. Verschiedene Richtlinien und Maßnahmen der DVFA sollen zur Qualitätssicherung der Investmentanalyse dienen, zum Beispiel die DVFA- Standards für Researchberichte am Neuen Markt, DVFA-Reporting Standards, Scorecard for German Corporate Governance – Standard DVFA Evaluation Method for CG, Ergebnis nach DVF/SG sowie DVFA-Analysten- konferenzen und -foren. Eine Vorstudie für DVFA-Asset-Management-Standards wurde im Dezember 2000 veröffentlicht.

Die DVFA sieht durchaus ein Spannungsfeld, wenn zum Beispiel eine Bank für ein Unternehmen, das sie an die Börse bringen will, einen möglichst hohen Ausgabekurs erreichen will, der Analyst aber einen niedrigeren Kurs ermittelt. Daher gelte, dass der Analyst in diesem Zusammenhang von konkreten, sachlich nicht begründeten und meinungsbildenden Weisungen seines Arbeitgebers freigestellt ist, heißt es in den DVFA-Richtlinien.

Im laufenden Jahr sollen die Richtlinien überarbeitet werden. So ist zum Beispiel eine Black-out-Periode im Gespräch. Danach sollten Analysten, deren Banken den Börsengang eines Unternehmens organisieren, drei Monate vor und nach der Emission keine Studien zu diesem Unternehmen mehr veröffentlichen.

Einige Banken haben auch bereits Regeln für ihre Analysten festgelegt. So ist ihnen das Frontrunning verboten, der Kauf oder Verkauf einer Aktie vor der Veröffentlichung seiner Empfehlungen. Er muss der Bank eigene Aktienbestände mitteilen und darf die Aktien, die er selbst beurteilt, nicht erwerben. Darüber hinaus gibt es die viel gerühmten Chinese Walls zwischen den Handels- und Researchabteilungen.

Staatssekretärin Wölf forderte, dass Analysten nur noch über Aktien berichten, die weder sie selbst noch ihre Arbeitgeber im Depot haben. Dies wäre aber wohl kaum zu verwirklichen, weil praktisch jede Bank Anteile an Aktiengesellschaften hält. Dann bliebe als einzige Lösung eigentlich nur übrig, die Analyseabteilungen komplett aus den Banken auszugliedern.

Professor Wolfgang Gerke vom Lehrstuhl für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg begrüßt die von Wolf vorgeschlagenen Kriterien für die Unabhängigkeit vom Analysten. Ich kann nicht verstehen, warum sich Analysten darüber aufregen. Wer sich sauber verhält, kann das auch unterschreiben, zitiert ihn die FTD. Sollte sich aber dieser Ehrenkodex als nicht praktikabel heraussteilen, müsse die Regierung ein entsprechendes Gesetz erlassen. Auffällig sei, dass die DVFA-Schieds- stelle bislang nicht ein einziges Mal angerufen worden sei. In den USA seien dagegen zahlreiche Fälle bekannt, bei denen die Börsenaufsicht Analysten unter die Lupe genommen habe.

Welche Konsequenzen haben nun aber all diese Überlegungen für den Kleinanleger? Ein Tipp: Schalten Sie Ihren gesunden Menschenverstand beim Aktienkauf nie ab. Sie sind nicht nur auf die Empfehlungen der Analysten angewiesen. Heute gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich über die Unternehmen zu informieren. Orientieren sollten Sie sich an den Fundamentaldaten wie Gewinn und Börsenbewertung, Position am Markt und gegenüber Mitbewerbern.

Bei Kaufempfehlungen von Analysten sollten Sie sich vorher immer fragen, welchen Grund ein Analyst für diese Empfehlung haben könnte. Und wenn Sie unbedingt Analystenempfehlungen zurate ziehen wollen, dann dürfen Sie sich nie auf eine einzelne verlassen, sondern müssen sich mehrere Tipps unterschiedlicher Quellen ansehen. Eins ist jedenfalls sicher: Der beste Analyst ist der Anleger selbst.

Alan Greenspan – der Zahlenflüsterer

In Greenspan we trust, heißt es an den amerikanischen Börsen. Damit hat er Gott und Gold als Retter in Finanzkrisen abgelöst. Alan Greenspan, Jahrgang 1924, ist Präsident der US-Notenbank, des Federal Reserve Board (FED), und gilt vielen als der mächtigste Mann der Welt, noch vor dem amerikanischen Präsidenten.

Im Gegensatz zu dem beruht Greenspans Macht aber nicht auf seinen tatsächlichen Befugnissen, er hat kein rotes Telefon und kann keinen Atomraketen den Startbefehl geben. Greenspans Macht basiert auf dem Vertrauen, das er sich mit seinen bisherigen Einschätzungen der Wirtschaft und mit den darauf beruhenden Entscheidungen erworben hat. Und das scheint der Finanzwelt eine solidere Grundlage und mehr wert zu sein als alle politische Macht.

Achtmal jährlich tagt das Federal Open Market Committee, das den Schlüsselzins für die amerikanischen Banken festlegt. In diesem Ausschuss hat Greenspan genauso wie die anderen elf Mitglieder auch nur eine Stimme. Wenn nach langen Vorträgen und ausführlichen Diskussionen die Entscheidungen gefällt wurden, ist er bisher jedoch noch nie überstimmt worden. Der Leitzinssatz und seine Veränderungen entscheiden darüber, ob der Motor der amerikanischen Wirtschaft rund läuft, sich überhitzt oder gedrosselt wird, mit allen Konsequenzen für die internationalen Börsen und für die Weltwirtschaft.

Greenspan spricht — und die Welt zittert
Sein Markenzeichen sind verklausulierte Reden zur Lage der Wirtschaft. Mehr als Fakten vermitteln sie mit ihrer Undurchschaubarkeit einerseits Langeweile und andererseits Gelassenheit. Das wirkte sich bisher immer beruhigend auf die Börse aus, und genau das ist Greenspans Absicht. Jedes seiner so raren Worte wird auf die Goldwaage gelegt, denn es kann eine seiner verschlüsselten Warnungen sein, welche die Börsen in Sekundenschnelle aufleben oder abstürzen lassen, der gefürchtete Greenspan- Effekt. Nichts verabscheut er jedoch so wie aufgeregte Hektik an den Börsen. Aus Angst, falsch zitiert und missverstanden zu werden, gibt er so selten wie möglich Pressekonferenzen. Schließlich weiß er um die Macht seiner Worte. Greenspan hat schon fünf Präsidenten gedient. Richard Nixon holte ihn 1970 von der New Yorker Geldmeile als persönlichen Berater nach Washington, nachdem Greenspan bereits seit 1968 als sein Wirtschaftsberater im Wahlkampf fungiert hatte. Gerald Ford setzte ihn 1974 bis 1977 als Chef seiner wirtschaftlichen Berater ein. Von 1981 bis 1983 war er Präsident der nationalen Kommission zur Reform der Sozialversicherung. Ronald Reagan machte ihn 1987 zum Chef der Federal Reserve. Auch Clinton und Bush nutzen weiterhin die Dienste des Republikaners.

Im Januar 2000 wurde Greenspan vom US-Senat mit großer Mehrheit für eine vierte Amtszeit gewählt, die im Juni 2000 begann und nach Greenspans 77. Geburtstag im Juni 2004 enden wird. Alan Greenspan gelang es, den längsten Wirtschaftsaufschwung in der Geschichte der USA zu entfachen und am Leben zu erhalten und den Vereinigten Staaten bei historisch niedrigen Arbeitslosenraten ein nahezu inflationsfreies Wachstum zu bescheren. Mit seiner Liquiditäts- und Zinspolitik ermöglichte er außerdem den Börsenaufschwung.

In den fünfziger Jahren gründete er als Sohn eines New Yorker Aktienhändlers eine Wirtschaftsberatungsfirma. Vor seiner Finanzkarriere spielte er als Student in verschiedenen New Yorker Jazz- und Swingbands Klarinette und Saxophon und soll sogar überlegt haben, Berufsmusiker zu werden. Heute ist es eines seiner Hobbys, die ihn fit für die Börse machen, so wie das Tennisspielen. Inzwischen weiß die ganze Welt, dass‘ er sich täglich zwischen halb sechs und sieben Uhr in die Badewanne legt, um dort Akten zu studieren, seine Post zu erledigen und seine Reden zu schreiben. In der Badewanne ist mein Intelligenzquotient 20 Prozent höher, sagt Greenspan selbst. Aber das allein kann nicht das Geheimnis seines Erfolgs sein. Er ist ein Zahlenfetischist.

Es heißt von Greenspan, er wisse genau, wie viele Schrauben in einem Auto stecken, und er wisse auch, welche Folgen es für die Volkswirtschaft hat, wenn pro Auto drei Schrauben weniger verarbeitet würden. Aus einer Fülle von Daten und Statistiken bezieht er sein Wissen, aus dem er dann seine Prognosen und Entscheidungen ableitet. Er und sein Mitarbeiterstab verfolgen regelmäßig rund 14 000 Datenquellen.

Statt sich in unzähligen Meetings zu verlieren, verbringt Greenspan seine Zeit lieber mit Lesen und Nachdenken. Sein Computer kann ihm auf Tastendruck die 50 wichtigsten aktuellen Statistiken des Landes aufru- fen. Greenspan besitzt offensichtlich die Fähigkeit, von Zahlen auf das wirkliche Leben schließen zu können. Gut bezahlt wird das Talent im Land der unbegrenzten Möglichkeiten allerdings nicht. Während die US- Firmenbosse die höchsten Gehälter der Welt einstreichen, bekommt Greenspan für seine Arbeit jährlich 161 239 Dollar. Bundesbankpräsident Ernst Welteke bezieht immerhin rund 375 000 Euro.

Das Geld kann für Greenspan nicht die Triebfeder seiner rastlosen Arbeit sein. Er selbst sagt, er sei süchtig nach der Arbeit. Die Faszination der Zahlen lasse ihn nicht los. Übrigens besitzt er selbst keine Aktien, sondern nur ein paar festverzinsliche Wertpapiere. So ist er auf jeden Fall gegen den Verdacht gefeit, sich mit wenigen Worten zum Millionär zu machen. Seine Äußerungen bleiben auch ohne dies wertvoll genug. Jeder seiner Vorträge ist etwa 22 000 Dollar wert, auch wenn die Zuhörer hinterher oft nicht wissen, was er wirklich gemeint hat.