Einleitung und Angebote in Direktbanking

Wie lautet eine zeitgemäße Definition des fast schon inflationär verwendeten Begriffs „Kundennähe“? Die Frage erscheint berechtigt in einer Zeit, da fast 70 Prozent aller Deutschen regelmäßig das Internet nutzen. Die Onlinequote hat sich damit seit der Jahrtausendwende mehr als verdoppelt – bei weiter steigender Tendenz. Entfernungen spielen keine entscheidende Rolle mehr bei der Auswahl eines Anbieters.
Von sehr personennahen Dienstleistungen abgesehen, lässt sich Kundennähe somit nicht mehr länger geografisch erklären. Denn letztlich ist keine Bankfiliale, keine Buchhandlung und kein Reisebüro näher als der eigene Computer mit Internetzugang, über den die Verbraucher Geldgeschäfte abwickeln, Lesestoff bestellen und die nächste Urlaubsreise buchen können. Dennoch wird der Faktor Nähe gerade von den Finanzdienstleistern gern ins Feld geführt, wenn es gilt, die Vorteile eines mehr oder minder engmaschigen Geschäftsstellennetzes zu preisen. Nähe statt Anonymität, Beratung statt reiner Transaktionen, Individualität statt Massenmanagement – so lauten die Argumente der Filialbanken im Wettbewerb mit den zentralisiert arbeitenden Direktbanken.
Das klingt zunächst einmal überzeugend, zumal das Bedürfnis der Menschen nach Individualität wächst. Doch wie sieht die tägliche Praxis aus? Die langjährige Mitarbeiterin einer großen deutschen Sparkasse brachte es vor einiger Zeit auf den Punkt. Nachdem ihr Vorstandsvorsitzender zuvor wortreich über Kundennähe und Kundenbegeisterung referiert hatte, die eben nur durch Geschäftsstellen vor Ort möglich seien, verblüffte die Bankerin ihren Chef mit einer einzigen Frage: „Wie sollen wir unsere Kunden in der Geschäftsstelle begeistern, wenn immer weniger kommen und diese wenigen oft genug von unseren Azubis bedient werden, weil wir uns im BackOffice um die Bürokratie und die Vorbereitung der nächsten Meetings kümmern müssen?“

Allein die Präsenz vor Ort ist somit kein Merkmal mehr für wirklich gelebte Kundennähe. Das mag vor 20 Jahren noch anders gewesen sein. Individualität als Ausdruck der Nähe wiederum würde zum Beispiel voraussetzen, den Kunden ganz persönlich und objektiv zu beraten. Doch genau an diesem Punkt offenbart sich ein weiteres Dilemma der Filialbanker. Ein Geschäftsstellennetz ist teuer, weshalb in den vergangenen Jahren zahlreiche Niederlassungen an wenig lukrativen Standorten geschlossen oder durch elektronische Zweigstellen mit automatischen Serviceterminals ersetzt wurden. Eine Filiale macht betriebswirtschaftlich nur dann Sinn, wenn sie sich als erfolgreicher Vertriebsstandort erweist. Das heißt, wenn die dort tätigen Mitarbeiter/innen nicht nur Standardleistungen erbringen, die im wahrsten Sinne des Wortes kundennäher am heimischen PC abgewickelt werden könnten, sondern wenn sie in nennenswertem Umfang Bankprodukte verkaufen. Doch daran mangelt es in der Praxis. Vielfach wird sogar das „V-Wort“ konsequent gemieden. Bankmitarbeiter sind Berater, keine Verkäufer. Berater klingt nach Objektivität, nach einer maßgeschneiderten Betreuung des Kunden. Doch letztlich geht es um den Verkauf von margenstarken – in der Regel bankeigenen – Produkten. Das ist zwar durchaus legitim, allerdings gerät der Berater bzw. Verkäufer in diesem Fall schnell in einen Interessenkonflikt. Er will einerseits natürlich seinen Kunden zufriedenstellen, andererseits muss er zum wirtschaftlichen Erfolg seines Arbeitgebers – eben der Bank – beitragen. Man stelle sich vor, ein Steuerberater würde vom Finanzamt bezahlt. Wer könnte in diesem Fall noch Mandantenorientierung erwarten?

Wirkliche Kundennähe lässt sich daher weder durch die Niederlassung vor Ort noch durch die heute in vielen Filialbanken übliche Beratung überzeugend begründen. Zielführender erscheint es allemal, den Bankkunden das zu geben, was sie brauchen. Zum einen fundierte Informationen möglichst aus neutralen Quellen und zum zweiten bedarfsgerechte Produkte zum Vermögensaufbau und -erhalt, zur privaten Vorsorge und zur Finanzierung, aus denen die Verbraucher frei wählen können. Selbstbestimmt handelnde Kunden – das ist die ideale Klientel für Direktbanken. Neben vielen anderen Faktoren hat zum Erfolg der filiallosen Geldinstitute sicher die Tatsache beigetragen, dass die Fülle von nutzwertigen Büchern sowie die zahlreichen Beiträge in den Printmedien sowie in Rundfunk, Fernsehen und nicht zuletzt im Internet die Bankkunden umfassend informieren. Allein das Internet öffnet den Menschen heute Nachrichtenkanäle, die noch vor wenigen Jahren allein den Profis Vorbehalten waren. Keine Frage, der Informationsvorsprung ist geringer geworden, Kunde und Bankberater kommunizieren heute vielfach schon auf gleicher Augenhöhe.
Ein Kunde, der weiß, was er will, kommt mit einer Direktbank sehr gut zurecht – und profitiert darüber hinaus von günstigen Konditionen. Doch ungeachtet des Erfolgs dieser Geldinstitute gibt es noch viele Verbraucher, die zögern, zu einer filiallosen Bank zu wechseln. Manche unterhalten dort zwar schon ein Spar- o der Tagesgeldkonto, doch eignen sich diese Finanzdienstleister auch als Hausbank?

Direktbanking, Internetbanking, Onlinebroker, Autobanken, dazu die vielen Offerten von branchenfremden Anbietern (von C&A bis Lidl) – wer soll sich da noch zurechtfinden? Und wie sicher ist das Geld bei diesen Instituten? Wie funktioniert die Baufinanzierung bei einer Direktbank? Ist die Versorgung mit Bargeld garantiert oder muss der Kunde bei Bedarf zehn Kilometer bis zum nächsten Geldausgabeautomaten fahren? Wie bekomme ich einen Kredit und lohnt es sich, bei einer Direktbank ein Wertpapierdepot zu eröffnen, oder sind die klassischen Discountbroker vorzuziehen? Vor allem aber: Wie kann ich mich vor der zunehmenden Internetkriminalität bestmöglich schützen?

Diese und zahlreiche weitere Fragen rund ums Direktbanking beantwortet der vorliegende Praxisratgeber. Die Leser profitieren von den Detailkenntnissen eines erfahrenen Insiders und der kritischen Distanz eines unabhängigen Finanzjournalisten. Dieses Geldanlageportal wendet sich nicht gegen Filialbanken, auch wenn es deren Achillesfersen thematisiert. Es geht ferner nicht darum, zufriedene Kunden von Filialbanken zu Direktbanken zu locken. Im Vordergrund steht das Ziel, Direktbanking transparent zu machen und für den Kunden nachvollziehbar darzustellen, wie das Geschäft der filiallosen Geldinstitute funktioniert. Ob er dann zu einer Direktbank wechselt oder nicht, entscheidet am Ende allein der Leser – als informierter und autonom handelnder Verbaucher.

Lombardkredit Angebote – Geld gegen Pfand

Im ausgehenden Mittelalter hatten clevere Kaufleute in der Lombardei einen lukrative Idee. Sie verliehen Geld nur, wenn ihnen der Schuldner ein Pfand überließ. Dadurch reduzierten sie die üblichen Kreditrisiken erheblich. Konnte der Schuldner seinen Zins- und Tilgungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, wurde kurzerhand das Pfand versilbert. Heute spricht man nicht von Pfand, sondern von Sicherheiten. Doch an die Gepflogenheiten der Geldverleiher aus Oberitalien erinnert bis heute der Begriff Lombardkredit. Am Prinzip hat sich nichts geändert: Die Bank gewährt einen Lombardkredit, der durch ein Pfandrecht gesichert ist. Die Höhe des Kredits ist dabei abhängig vom Beleihungswert des betreffenden Pfands, der meist deutlich unter dem tatsächlichen Wert liegt. Damit möchte sich der Kreditgeber für den Fall absichern, dass der Marktpreis für das betreffende Pfand während der Laufzeit des Kredits deutlich sinkt. Bei einem Edelmetall- Lombardkredit weiß die Bank zum Beispiel nicht, wie sich etwa der Goldpreis in den kommenden Monaten oder Jahren entwik- keln wird. Also wird ein Abschlag auf den aktuellen Marktpreis vorgenommen.
Am weitesten verbreitet ist der Effekten-Lombardkredit, üblicherweise als Wertpapierkredit bezeichnet. Er wird insbesondere von Direktbrokern offeriert. Der Kunde bietet der Bank sein Wertpapierdepot als Pfand an. Der Beleihungswert der Papiere hängt von deren Risikoprofil ab. Bei Anleihen von inländischen Emittenten fällt der Abschlag deutlich geringer aus als bei ausländischen Aktien.
Ein Effekten-Lombardkredit wird meist dazu verwendet, andere Wertpapiere zu kaufen, und dient somit in erster Linie spekulativen Zwecken. Ein Beispiel: Der Kunde nimmt bei seinem Direktbroker einen vergleichsweise günstigen Wertpapierkredit in Anspruch und kauft aussichtsreiche Papiere. Schon nach vier Wochen verkauft er diese Aktien wieder und freut sich über 20 Prozent Gewinn. In diesem Fall kann er den geringen Zinsaufwand leicht verschmerzen. Oder aber der Kunde nimmt einen solchen Kredit in Anspruch, um einen Leverage-Effekt (also eine Hebelwirkung) zu erzielen. Angenommen, ein Anleger ist vom Potenzial einer bestimmten Aktie so überzeugt, dass er so viele Papiere wie nur möglich kaufen möchte. Aktuell verfügt er jedoch nur über liquide Mittel von 10.000 Euro. Er nimmt daher einen Wertpapierkredit in Höhe von 20.000 Euro in Anspruch und ersteht für 30.000 Euro Aktien. Er bindet hierfür allerdings nur Kapitel in Höhe der besagten 10.000 Euro. Falls nun die betreffenden Aktien in den kommenden Monaten um 30 Prozent steigen sollten, hat der Anleger mit 10.000 Euro Einsatz vor Steuern 9000 Euro Gewinn erzielt. Die Zinsen für den Wertpapierkredit fallen kaum ins Gewicht.
Das klingt überzeugend, doch birgt die „Spekulation auf Pump“ ein hohes Risiko. Entwickeln sich die Märkte anders als erwartet, sitzt der Anleger auf einem Schuldenberg. Er muss also nicht nur Zinsen zahlen, sondern noch dazu Verluste ausgleichen. Kommt es gar zu einem Crash, wird das Wertpapierdepot in puncto Sicherheit neu bewertet. Gut möglich, dass ‚die Bank dann einen Großteil des Kredits kurzfristig zurückhaben möchte. Verbraucherschützer raten daher dringend davon ab, Wertpapiere auf Kredit zu erstehen.
Der folgenden Tabelle können Sie beispielhaft die Beleihungswerte der comdirect Bank entnehmen. Die Praxis der Direktbroker weicht in dieser Hinsicht nicht stark voneinander ab. Die Tabelle erfüllt überdies einen zweiten Effekt. Sie führt Ihnen deutlich vor Augen, wie hoch die Banken die Risiken mancher Wertpapiere tatsächlich einschätzen.

Beleihungswerte der wichtigsten Wertpapiere
Wertpapier Beleihungswert
Inländische Aktien 50%
Ausländische Aktien 30%
Euro-Anleihen inländischer Emittenten 80%
Euro-Anleihen ausländischer Emittenten 60%
Fremdwährungsanleihen 50%
Aktienfonds 60%
Rentenfonds 80%
Geldmarktfonds 80%
Offene Immobilienfonds 80%
Optionsscheine und Zertifikate 0%
Quelle: comdirect, 2015

Baugeld auf Vorrat, das Forward-Darlehen und Angebote

In Zeiten niedriger Zinsen sollten Sie wesentlich früher an Ihre Anschlussfinanzierung denken. Denn mit einem sogenannten Forward-Darlehen können Sie sich günstiges Baugeld für eine später fällige Finanzierung sichern. Konkret funktioniert das folgendermaßen: Der Kunde nimmt in einer Phase niedriger Zinsen ein Darlehen „auf Vorrat“ auf, für das ihm die Bank üblicherweise keine Bereitstellungszinsen berechnet. Die Höhe des Darlehens entspricht der Restschuld am Ende der noch laufenden Zinsbindungsperiode. Zum Zeitpunkt der fälligen Anschlussfinanzierung überweist die Bank, die ihrem Kunden das Forward-Darlehen eingeräumt hat, den Restbetrag an das bisher finanzierende Institut. Fortan zahlt der Darlehensnehmer Zins und Tilgung an die neue Bank.

Der entscheidende Vorteil eines Forward-Darlehens: Der Kunde sichert sich ein niedriges Zinsniveau, selbst wenn die Anschlussfinanzierung erst in zwei oder drei Jahren fällig wird. Allerdings geht die Rechnung nur dann auf, wenn in der Zwischenzeit die Zinsen wieder steigen. Sinken sie hingegen, macht der Kunde ein schlechtes Geschäft, denn der vereinbarte Zinssatz gilt auch in diesem Fall. Die Banken berechnen für die Zeit bis zur Inanspruchnahme des Forward-Darlehens monatliche Aufschläge auf den vereinbarten Zinssatz. Diese liegen zwischen 0,01 und 0,03 Prozentpunkten pro Monat (Konditionen vergleichen!). Das bedeutet: Je länger es dauert, bis der Kunde das Forward-Darlehen abruft, desto höher steigt der später zu zahlende Zinssatz.

Generell machen Forward-Darlehen Sinn, wenn
•sich die aktuellen Zinsen im Vergleich mit der Entwicklung der zurückliegenden fünf bis zehn Jahre auf einem sehr geringen Niveau, möglichst nahe am Tiefstpunkt der Vergangenheit, befinden,
•aufgrund der konjunkturellen Rahmendaten von tendenziell steigenden Zinsen auszugehen ist,
•bis zur Abnahme des Forward-Darlehens maximal 24 Monate vergehen.

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Die Fakten auf einen Blick
•Die klassischen Immobilienfinanzierer sind Banken/Sparkassen, Bausparkassen und Versicherungen. Der Anteil der Direktbanken am Baufinanzierungsgeschäft ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen.
•Die Finanzierung eines Hauses oder einer Eigentumswohnung muss nicht durch die Bank vor Ort erfolgen. Auch Direktbanken bieten (telefonische) Beratung.
•Das Annuitätendarlehen ist die empfehlenswerteste Form der privaten Baufinanzierung.
•Beim Vergleich der Konditionen nicht nur auf den Zinssatz, sondern auf eventuelle Nebenkosten achten.
•Wer sich rechtzeitig um seine Anschlussfinanzierung am Ende der ersten Zinsbindungsperiode kümmert, kann bares Geld sparen.
•In Zeiten sehr niedriger Zinsen kann es Sinn machen, ein Forward-Darlehen abzuschließen.

Die Vorteile und Angebote der Annuitätentilgung

Wie schon erwähnt, bieten Ihnen die (Direkt-)Banken und Sparkassen fast ausschließlich Annuitätendarlehen an, die Sie in gleichbleibenden Raten über einen längeren Zeitraum zurückzahlen müssen. Diese Annuität schließt Zinszahlung und Tilgung mit ein. Der große Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass Sie einen kontinuierlichen Beitrag zur Entschuldung leisten. Bildhaft ausgedrückt: Monat für Monat gehören Ihnen ein paar Steine Ihres Hauses mehr. Gleichzeitig fließt die Zinsersparnis aufgrund der sukzessiven Rückzahlung des Darlehens automatisch in die Tilgung. Sie brauchen sich also um nichts zu kümmern. Ist die Baufinanzierung erst einmal unter Dach und Fach, hören Sie von Ihrer Bank im Idealfall nichts mehr – von dem jährlichen Kontoauszug einmal abgesehen. Erst wenn das Ende der Zinsfestschreibung ansteht, meldet sich das Geldinstitut wieder bei Ihnen. Dazu gleich mehr. Falls Sie etwas Mathematik nicht abschreckt, können Sie Ihre regelmäßig zu zahlende Annuität anhand der folgenden Formel errechnen:

Darlehensbetrag X (Zins + Tilgung) / 100

Angenommen, Sie nehmen 120.000 Euro zu 5 Prozent Zinsen mit einprozentiger Tilgung p. a. auf, so ergibt sich folgende Rechnung:

(120.000 X (5+ 1) / 100) 7200 Euro pro Jahr,

das heißt eine monatliche Annuität von 600 Euro.

Doch sei nicht verschwiegen, dass die Annuitätentilgung auch einen Nachteil aufweist, den viele Darlehensnehmer zunächst als paradox empfinden: Je geringer die Zinsen, desto länger dauert es, bis die Immobilie entschuldet ist. Mancher, der in Niedrigzinsphasen einen Darlehensvertrag mit zehnjähriger Laufzeit abschließt, dürfte überrascht sein, wie wenig er nach einer Dekade stetiger Tilgung von seiner Schuldsumme erst abgetragen hat. Diese „Niedrig-Zins-Falle“ scheint nur auf den ersten Blick widersprüchlich zu sein. Tatsächlich hat dieses Phänomen einen einfach nachvollziehbaren Grund: Je niedriger die Zinsen, desto geringer fällt logischerweise die Zinsersparnis aufgrund der regelmäßigen Tilgungsleistung aus. Da diese Zinsersparnis aber – wie erwähnt – automatisch als zusätzliche Tilgung genutzt wird, verringert sich das Tempo der Entschuldung. Bei einem sehr niedrigen Zinsniveau kann sich bei einer jährlichen Tilgung von nur 1 Prozent der Entschuldungsprozess schon um bis zu acht Jahre verlängern.

Praxistipp:
Generell sollten Sie beim Vergleich von Angeboten nicht nur auf den Effektivzins schauen, sondern auch nach der Restschuld am Ende der Laufzeit des Festzins-Darlehens fragen. Denn eines ist klar: Je höher die Restschuld, desto höher Ihr Zinsänderungsrisiko bei der Anschlussfinanzierung. Wie viel sie ihrer Bank am Ende der Vertragslaufzeit noch schulden, erfahren viele Kunden erst nach dem Abschluss aus dem Tilgungsplan. Doch dann ist es zu spät. Fragen Sie deshalb schon im Vorfeld nach
dieser wichtigen Größe, die erkennen lässt, wie sehr die von der Bank berechneten Nebenkosten auf den Schuldenabbau durchschlagen.

Den günstigen Anschluss nicht verpassen
Angesichts des in den vergangenen Jahren vergleichsweise niedrigen Zinsniveaus ging der Trend eindeutig in Richtung langfristiger Darlehensverträge zwischen 10 und 15 Jahren. In dieser Zeit bleiben die Zinsen konstant, Sie als Kunde haben somit ein hohes Maß an Planungssicherheit. Doch selbst ein so langer Zeitraum geht schneller vorüber, als mancher Käufer oder Bauherr zunächst denkt. In den meisten Fällen sind die eigenen vier Wände dann noch nicht entschuldet. Bei einer Standardtilgung von 1 Prozent pro Jahr dauert es – abhängig vom Zinsniveau – zwischen 30 und 35 Jahre, bis ein Baudarlehen komplett zurückgeführt ist. Die meisten Immobilien-Eigentümer gehen daher nach Ablauf der ersten Zinsbindungsperiode in die zweite Runde. Bei dieser Anschlussfinanzierung werden die Karten neu gemischt und Sie als Bankkunde halten wichtige Trümpfe in der Hand, die Sie nun ausspielen sollten.
Falls Sie nichts unternehmen, wird Ihnen die bisher finanzierende Bank kurz vor Ablauf des aktuellen Darlehensvertrags ein Prolongationsangebot unterbreiten. Das heißt, Sie schließen mit Ihrem bisherigen Finanzierer einen neuen Vertrag ab. Die Bank hat ein nachvollziehbares Interesse daran, Sie als Darlehensnehmer zu behalten. Zum einen ist die „Pflege“ eines bereits vorhandenen Kundenstamms natürlich erheblich billiger als die Neuakquisition. Zum anderen hat Sie Ihre Bank in den zurückliegenden 10 oder 15 Jahren als verlässlichen Geschäftspartner kennengelernt. Salopp ausgedrückt: Sie weiß, was sie an Ihnen hat. Das Risiko einer Anschlussfinanzierung ist daher aus Sicht der Bank erheblich geringer als bei der Erstfinanzierung. Hinzu kommt, dass Sie einen Teil Ihres Darlehens bereits getilgt haben und sich das Verhältnis zwischen dem insgesamt eingebrachten Eigenkapital und dem zur Anschlussfinanzierung benötigten Fremdkapital günstiger darstellt als 10 oder 15 Jahre zuvor.

Die Bank wäre somit schlecht beraten, gleichsam „schlafende Hunde“ zu wecken und ihre Kunden schon Monate vor Ablauf der Zinsbindungsfrist auf die bald notwendige Anschlusslösung hinzuweisen. Meist erhalten die Kunden erst vier Wochen zuvor ein entsprechendes Prolongationsangebot. Die Geldinstitute sind zwar verpflichtet, ihren Darlehensnehmern eine Überlegungsfrist von mehr als zwei Wochen einzuräumen (Urteil vom Bundesgerichtshof, Aktenzeichen BGH III ZR 281/87), dennoch erscheint selbst diese Zeit zu kurz, um wichtige Überlegungen anzustellen oder nach Alternativen zu suchen.
Das wäre sehr bedauerlich, denn die Anschlussfinanzierung bietet Ihnen die Chance, die Weichen für Ihre Baufinanzierung völlig neu zu stellen. Sie können
Ihre Bank wechseln und zum Beispiel die Angebote einer Direktbank in Anspruch nehmen,
eine kürzere oder längere Laufzeit wählen als in der ersten Finanzierungsrunde,
die Tilgungsrate erhöhen oder reduzieren, sich die Option von Sondertilgungen während der Laufzeit einräumen lassen.
Als Anschlussfinanzierer kennen Sie sich bereits aus, Sie brauchen normalerweise keine Beratung und können den günstigsten Finan- zierer auswählen. Achten Sie dabei allerdings auch auf die Nebenkosten (eventuelle Schätzgebühren, Kontoführungsgebühren usw.).

Praxistipp:
Kümmern Sie sich bereits etwa zwei bis drei Monate vor Ablauf des aktuellen Darlehensvertrags um die Anschlussfinanzierung. Beachten Sie hierzu bitte unsere Checkliste.

Ratenkredit Angebote –günstiger, aber inflexibel

Der klassische Verbraucherkredit wird zeitlich befristet gewährt. Die Laufzeit liegt üblicherweise zwischen 12 und 48 Monaten, dann muss der Kredit zurückgeführt sein. Der Kunde zahlt feste Raten sowie Zinsen. Der Ratenkredit zwingt insofern stärker als der Dispositionskredit zu strenger Haushaltsdisziplin. Immerhin muss Monat für Monat die vereinbarte Rate an das Geldinstitut gezahlt werden, wodurch der Kunde seine Schulden^ sukzessive verringert. Neben dieser Übersichtlichkeit ist ein Ratenkredit in den meisten Fällen deutlich günstiger als der „Dispo“. In der Regel zahlen Sie für dieses Produkt etwa 2 bis 4 Prozent weniger Zinsen. Ein weiterer Vorteil: Der vereinbarte Zinssatz bleibt während der gesamten Laufzeit konstant – unabhängig davon, wie sich das aktuelle Zinsniveau entwickelt. Der Kunde profitiert somit von einem hohen Maß an Planungssicherheit. Im Gegensatz dazu können die Zinsen für Dispositionskredite kurzfristig angepasst werden.

Der Ratenkredit weist jedoch einen Nachteil auf: Er ist inflexibel und lässt dem Verbraucher wenig Spielraum. Er muss seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen und kann im Gegensatz zum „Dispo“ die Rückführung nicht beliebig strecken. Die Frage, ob Sie sich für einen Dispositionskredit oder einen Ratenkredit entscheiden sollen, lässt sich leicht beantworten: Bei längeren Laufzeiten spricht alles für einen Ratenkredit, denn er ist – wie gesagt – nicht nur günstiger als der „Dispo“, sondern garantiert während der gesamten Laufzeit einen konstanten Zinssatz. Haben Sie hingegen nur kurzfristigen Finanzierungsbedarf von deutlich weniger als einem Jahr, bietet sich ein günstiger Dispositionskredit an. Wichtig: Der Dispositionskredit sollte niemals dazu verwendet werden, einen bestehenden Ratenkredit zu bedienen. Das wäre der sicherste Weg in die Überschuldung.

Die unterschiedlichen Kreditarten und Angebote

Zur Finanzierung Ihrer Anschaffungen oder zur Erfüllung ganz persönlicher Wünsche haben Sie die Wahl unter mehreren Kreditarten, die sich hinsichtlich ihrer Laufzeit, der Höhe der Zinsen, der Tilgungsmodalitäten und der Sicherheiten deutlich, unterscheiden. Generell gilt dabei: Je weniger Sicherheiten ein Kunde bietet, desto höher fallen die Zinsen aus. Der Kunde muss seinem Geldinstitut einen Risikoaufschlag zahlen – von manchen salopp als „Zitterprämie“ bezeichnet. Mit hohen Zinsen von Schuldnern mit mittelmäßiger bis schlechter Bonität kann eine Bank recht gut verdienen und wesentlich mehr vereinnahmen, als das aktuelle Zinsniveau gerade hergibt. Für manche Geldhäuser war in den vergangenen Jahren daher die Versuchung groß, durch die Vergabe von Risikokrediten höhere Erträge zu erwirtschaften und dadurch schwache Margen in anderen Geschäftsfeldern auszugleichen. Doch diese Strategie ist naturgemäß mit erheblichen Risiken verbunden, wie die sogenannte „Subprime-Krise“ in den Jahren 2007/2008 sehr nachdrücklich zeigte: Besonders US-amerikanische Banken vergaben in Zeiten niedriger Zinsen Immobiliendarlehen an Kunden mit zweifelhafter Bonität. Als dann jedoch das Zinsniveau deutlich stieg, waren viele der stolzen Hausbesitzer nicht mehr in der Lage, ihre Darlehen zu bedienen. Dadurch gerieten selbst renommierte Banken ins Wanken und rissen das gesamte weltweite Finanzsystem in die Krise. In der Folge verschlechterten sich sogar die Wachstumsaussichten in den führenden Industrienationen. Das zeigt: Kreditnehmer und Kreditgeber müssen beide immer die Risiken im Blick behalten. Sorglosigkeit auf der einen oder anderen Seite kann gravierende Folgen haben. Die Wahl des für die individuellen Bedürfnisse wirklich passenden Kredits ist ein wichtiger Teil dieses Risikomanagements.

Unter folgenden gängigen Kreditarten können Sie wählen:
•Dispositionskredit (auch „Dispo“ oder Kontokorrentkredit genannt)
•Ratenkredit
•Abrufkredit (Rahmenkredit)
•Lombardkredit

Eine weitere Möglichkeit der kurzfristigen Finanzierung besteht im Einsatz von Kreditkarten. Dieses Thema haben wir an anderer Stelle in diesem Geldanlageportal bereits behandelt, deshalb wollen wir uns auf den folgenden Seiten auf die oben genannten und im deutschsprachigen Raum überwiegenden Formen der privaten Finanzierung konzentrieren und die einzelnen Kreditarten etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Sparen und Anlegen bei Direktbanken und gute Angebote

Sparen und Anlegen funktioniert bei Direktbanken im Prinzip wie bei anderen Geldinstituten auch. Sie haben eben nur keinen Berater, der Ihnen gegenübersitzt und mehr oder weniger von den Interessen seines Arbeitgebers gelenkte Vorschläge macht. Wer bei einer Direktbank in die Geldanlage einsteigt, sollte sich folglich zunächst dieselben Fragen stellen, die auch ein Filialbanken-Kunde beantworten müsste:

Was ist für mich bei der Geldanlage wichtig – möglichst viel Rendite oder größtmögliche Sicherheit?
Habe ich einen kurzfristigen oder eher einen langfristigen Anlagehorizont, das heißt, will ich mir nächstes Jahr ein neues Auto kaufen, in fünf Jahren eine Eigentumswohnung zulegen oder möchte ich für die Rente Vorsorgen? Bin ich über die Vor- und Nachteile bzw. die Risiken der verschiedenen Anlageformen ausreichend informiert, um sie wirklich beurteilen zu können?
Möchte ich einmalig einen großen Geldbetrag anlegen oder kann ich nur monatlich kleinere Beträge investieren, zum Beispiel in Form eines Sparplans?

Praxistipp:
Wenn Sie Informationen über die verschiedenen Anlageformen benötigen und Ihnen die Angaben auf den Websites der Direktbanken nicht ausreichen, können Sie sich zusätzlich in einschlägigen Zeitschriften und auf den Homepages verschiedenster Finanzinformationsdienste wie zum Beispiel Onvista, wallstreet-online o.ä. kundig machen. Natürlich können Sie auch ganz nonchalant zu einer Filialbank gehen und sich dort ausführlich informieren lassen. Es gibt aufgrund einer Beratung keinen Zwang, dort anzulegen. Die meisten Direktbanken bieten auf ihren Internetseiten die Möglichkeit, Musterdepots einzurichten, also gewissermaßen risikolos zu spielen. Dazu müssen Sie allerdings Kunde sein. Wenn Sie zum Beispiel bereits ein Girokonto bei einer Direktbank haben, können Sie – bevor Sie in die Geldanlage einsteigen – erst einmal ein solches Musterdepot anlegen und sehen, wie weit Sie mit Ihren Ideen kommen würden. Das kann man übrigens auch bei viele Finanzinformationsdiensten machen. Interessant ist es auch, sogenannte Watchlists zu führen. Darin können Sie zum Beispiel Aktien oder Fonds eintragen, die Sie beobachten möchten.

Beratung und MiFID
Über Ihre Geldanlage würden Sie normalerweise mit Ihrem Bankberater sprechen. Er ist nach neuen gesetzlichen Bestimmungen wie der MiFID verpflichtet, das ausführlich zu tun. Diese Regelung gilt generell auch für Direktbanken, allerdings mit Einschränkungen. MiFID ist das Kürzel für eine EU-Richtlinie: Markets in Financial Instruments Directive (Kurzform Finanzmarktrichtlinie). Sie trat EU-weit am 1. November 2007 in Kraft. In Deutschland wurde sie mit dem Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetz (Frug) in nationales Recht übertragen. MiFID soll für mehr Transparenz bei der Anlageberatung sorgen. Sie verpflichtet die Bank dazu, „ehrlich, redlich und professionell im besten Interesse des Kunden zu handeln“. Das heißt zum Beispiel, dass die Banken erstmals die Kosten für Finanzdienstleistungen offenlegen müssen. Sogar die Provisionen müssen ausgewiesen werden. Doch auch vom Kunden wird mehr erwartet. Er muss Angaben über seinen Beruf, Informationsstand und seine Vermögensverhältnisse machen. Banken, Anlageberater und Vermögensverwalter sollen damit in die Lage versetzt werden, festzustellen, was der Kunde über Geldanlage weiß bzw. wissen kann und was sie ihm empfehlen können oder dürfen. Sie müssen sichergehen, dass der Kunde das Risiko bestimmter Anlageformen tatsächlich versteht und finanziell tragen kann. Das Beratungsgespräch muss dokumentiert werden.

Experten halten MiFID allerdings zumindest teilweise für einen zahnlosen Tiger. So ist etwa ein Wechsel der Einstufung, welche die Bank aufgrund der Kundenangaben vornimmt, auf ausdrücklichen Wunsch des Anlegers möglich. Auch die Vorgabe, dass Kundenaufträge „bestmöglich“ ausgeführt werden müssen, ist eine weiche Sache. Die Bank muss lediglich für jede Kategorie von Finanzinstrumenten Ausführungsgrundsätze formulieren, die im Durchschnitt der Orders ein bestmögliches Ergebnis sicherstellen. Dem Kunden muss zudem erläutert werden, nach welchen Kriterien die Handelsplätze ausgewählt werden. Diesen Ausführungsgrundsätzen muss der Kunde zustimmen oder andere Weisungen erteilen.

Direktbanken und MiFID
Auch Direktbanken beraten ihre Kunden, allerdings nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern eher von Telefonhörer zu Telefonhörer oder schriftlich auf der Internetseite. Manche Direktbanken, zum Beispiel CortalConsors, verfügen über Beratungsstellen oder Berater, die auf Wunsch direkt mit dem Kunden kommunizieren.

Auf der Flomepage der ING-DiBa findet sich ein Dokument mit dem Titel „Anlegerschutz bei der ING-DiBa nach MiFID“. Fazit der Ausführungen: Die Direktbank betreibt bereits aktiven Anlegerschutz, indem sie den Anleger auf ihren Internetseiten umfassend informiert, ihm Vergleiche der verschiedenen Fiandelsplätze ermöglicht und größtmögliche Transparenz schafft.
Die Direktbanken haben sich für das „Weisungsprinzip“ entschieden. Das bedeutet, der Kunde füllt bei einer Order den WpHG-Bogen aus (Fragebogen gemäß dem Wertpapierhandelsgesetz), die Bank spricht möglicherweise eine Warnung aus. Der Kunde kann sich explizit darüber hinwegsetzen und seine Order trotzdem platzieren. Das gilt für die Art der Anlageform und für die Ausführung. Eigentlich bleibt alles beim Alten. Dazu die ING- DiBa: „Der Anleger bleibt trotz der MiFID-Regelungen souverän und trifft selbstständig seine Anlageentscheidungen. Gleichzeitig erhält er von der ING-DiBa die bestmöglichen Entscheidungshilfen für seine Wertpapiergeschäfte.“

Die Non-and-near-Banks in Deutschland und ihre Angebote

Die Autoversicherung von Tchibo, den Ratenkredit von C&A, das Festgeldkonto von der Volkswagen-Bank und das Tagesgeldkonto von Lidl: Wer einfache Finanzdienstleistungen sucht, wird auch in fremden Branchen fündig und stößt mitunter auf recht günstige Offerten. Das zeigt ganz praktisch, dass Banken keineswegs unverzichtbar sind – zumindest wenn es sich um einfache Produkte handelt. Für die Kaffeeröster, Textilhäuser und Automobilhersteller bieten Finanzdienstleistungen einerseits die Chance auf ein Zusatzgeschäft, andererseits trägt es sicher zur Verkaufsförderung bei, wenn etwa die Bank eines Fahrzeugherstellers gleich die passende Finanzierung oder den Leasingvertrag vermittelt. Diese sogenannten „Non-and-near-Banks“ jagten den etablierten Kreditinstituten in den vergangenen Jahren deutliche Marktanteile ab, wobei allerdings anzumerken ist, dass so richtig erfolgreich eben nur einige Autobanken waren. Alle anderen Anbieter tun sich bisher schwer, neben Kaffee, Oberhemden und anderen Produkten auch noch Finanz- oder Versicherungsprodukte an den Mann oder die Frau zu bringen.

Konzentrieren wir uns daher nachfolgend auf die Autobanken: Die wenigsten in Deutschland zugelassenen Neuwagen werden allein aus Ersparnissen finanziert. In 80 Prozent der Fälle schließen die Käufer Kredit- oder Leasingverträge ab. Ein lohnendes Geschäft für die Banken und Sparkassen. Das dachten sich auch die führenden Automobilhersteller und gründeten ihre eigenen Kreditinstitute. Dafür gab es in der Tat gute Gründe: Während die Margen im Kerngeschäft – also dem Verkauf von Fahrzeugen – rückläufig sind, verdient der Automobilkonzern an der Finanzierung. Vor allem Leasingverträge erweisen sich dabei als besonders lukrativ. Die Autobanken haben gegenüber den konventionellen Instituten einen entscheidenden Vorteil: Sie sind direkt am „Point of Sale“ präsent, also beim Händler. Entscheidet sich der Kunde, ein Fahrzeug der betreffenden Marke anzuschaffen, kann er beim Verkäufer gleich einen Kredit- oder Leasingantrag stellen. Das ist bequem, schnell und unproblematisch. Dennoch sollte sich der Kunde zunächst auch Finanzierungsangebote anderer, händlerunabhängiger Direktbanken einholen, denn die bieten mitunter noch etwas günstigere Konditionen.
Während sich die meisten Autobanken auf das Kredit- und Leasinggeschäft konzentrieren und allenfalls noch Automobilversicherungs-Policen vertreiben, entwickelten sich andere in den vergangenen Jahren in Richtung Universalbank. Das heißt, sie bieten traditionelle Finanzdienstleistungen wie Girokonten und Anlageprodukte an. Und damit sorgen sie unter den Filialbanken offenkundig zunehmend für Unruhe. Derzeit sind unter anderem die Volkswagen- Bank, die Mercedes-Benz-Bank (früher DaimlerChrysler-Bank), die Audi-Bank und die BMW Bank als Anbieter zusätzlicher Finanzdienstleistungen neben Krediten und Fahrzeugleasing am Markt. Zum Standardrepertoire dieser Institute gehören einfache Sparformen, wie zum Beispiel Tagesgeld oder Festgeld, ferner Kreditkarten und Fonds. Manche gehen noch weiter: Ihr Produkt- und Dienstleistungsportfolio umfasst zudem das Wertpapiergeschäft (Direkt-Brokerage), Konsumentenkredite und sogar Hypothekendarlehen zur Baufinanzierung. Damit kommen diese Institute dem an anderer Stelle definierten Direktbanken-Ansatz am nächsten.
Den Autobanken geht es allerdings nicht nur darum, mit ihren Finanzdienstleistungen die häufig nur noch schwachen Margen ihrer Mutterkonzerne aufzubessern. Sie wollen zudem Kunden für ihr Kerngeschäft gewinnen. Wer zum Beispiel mit den Leistungen seiner Autobank zufrieden ist, wird sich vielleicht beim nächsten Autokauf für ein Fahrzeug desselben Konzerns entscheiden.

Obwohl die Autobanken mit ihrem breiteren Produktportfolio in den vergangenen Jahren die Kundenzahlen deutlich erhöhen konnten, bleiben ihre Marktanteile bislang noch vergleichsweise überschaubar. Auch konnten sie bislang noch keine starke Marke ausprägen. Die Mehrzahl der Deutschen sieht in diesen Instituten offenbar nach wie vor in erster Linie Finanzierungspartner beim Kauf eines neuen Fahrzeugs.
Die Entwicklung der Direktbanken auf einen Blick
1965: Die Bank für Spareinlagen und Vermögensbildung wird gegründet (heute: ING-DiBa).
1966: Gründung der Absatz-Kreditbank (heute Augsburger Aktienbank)
Ende der 1980er Jahre: Die KKB-Bank (heute Citibank) führt Telefonbanking ein.
1990: Gründung der Quelle-Bank (später Entrium Direct Bankers, inzwischen fusioniert mit der ING-DiBa) VW gründet mit der Volkswagen-Bank die erste Direktbank eines deutschen Automobilkonzerns.
1994: Gründung der Direkt Anlage Bank (heute DAB Bank) – erster deutscher Direktbroker
Gründung Consors Discount Broker (heute CortalConsors)
Gründung der BMW Bank Gründung Santander Direkt Bank
Die Commerzbank gründet mit comdirect die erste direkte Vollbank.
1995: Die Deutsche Bank hebt die Bank24 aus der Taufe (einschließlich der Direktbroker-Einheit brokerage 24, die sich ab 2001 maxblue nannte). Gründung der Bank GiroTel als Tochter der Bankgesellschaft Berlin (1999 von der heutigen ING-DiBa übernommen)
1996: Die Bayerische Vereinsbank startet mit der Advance Bank (Direktbank „mit Beratung“).
Gründung von 1822direkt durch die Frankfurter Sparkasse 1997: Gründung von Fimatex (Broker der Société Générale) 1998: Die Dresdner Bank übernimmt die glücklos agierende Advance Bank. Consors, Entrium und DAB Bank gehen an die Börse.

1999: Die Bank 24 übernimmt Deutsche Bank-Filialen und wird „Deutsche Bank 24″.
Mit der Netbank (Tochter von Sparda-Banken) entsteht die erste reine Internetbank.
Die Postbank gründet den Direktbroker Easytrade.
2000: comdirect geht an die Börse.
Entrium wird an die italienische Bank Bipop-Carire verkauft.
2001: Insolvenz des Direktbrokers Systracom
Santander kommt mit dem Direktbroker Patagon an den Markt.
Der Direktbroker pulsiv*com (bis dahin HSBCT rinkhaus & Burkhardt) wird von den Sparkassen übernommen und heißt hinfort SBroker.
Die Deutsche Bank reintegriert Deutsche Bank 24.
SEB reintegriert SEB direct.
2002: Übernahme von Consors durch die französische Bank BNP Paribas (seither heißt sie CortalConsors)
Patagon wird eingestellt.
DaimlerChrysler gründet eigene Direktbank (seit 2008 Mercedes-Benz- Bank).
2003: Allianz und Dresdner Bank reintegrieren Advance Bank.
Die Postbank reintegriert Easytrade.
ING übernimmt Entrium und fusioniert die Bank mit der ING-DiBa.
Fusion von Santander Direkt Bank mit der CC-Bank
2006: Gründung Direktbroker flatex
2007:Tchibo, C&A sowie andere Handelskonzerne verkaufen Bank- und Versicherungsprodukte.
Die Fakten auf einen Blick
Das Direktbanking-Geschäft boomt seit Jahren in Deutschland. Auch viele Filialbanken gründen mittlerweile eigene Direktbanken.
Vor allem die im Privatkundengeschäft traditionell starken Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken spüren den Druck der filiallosen Konkurrenten.

Einige Direktbanken starteten als Nischenanbieter, offerieren heute aber die komplette Service- und Produktpalette einer Hausbank.
Unabhängige Marktforscher sagen dem Direktbanking noch signifikante Zuwächse voraus.
Onlinebanking ist lediglich ein Vertriebsweg von Filialbanken, Direktbanking hingegen ein alternatives Geschäftsmodell. Im dreibeinigen deutschen Bankensystem gehören die meisten Direktbanken zum privaten Sektor, doch wurden in den vergangenen Jahren auch im genossenschaftlichen sowie im öffentlich- rechtlichen Sektor filiallose Geldinstitute aus der Taufe gehoben. Die ersten Direktbanken gab es schon lange vor der kommerziellen Nutzung des Internet. Auch die Geldinstitute branchenfremder Unternehmen (zum Beispiel Autobanken) setzen auf Direktbanking.

Typologie für die unterschiedlichen Bankkunden

Wie gesagt, der eine wünscht mehr Komfort und zahlt hierfür einen höheren Preis, der andere mag’s günstig und verzichtet dafür bewusst auf individuelle Sonderleistungen seitens der Bank. Doch zwischen diesen beiden „Archetypen“ ist das Gros der Bankkunden angesiedelt, das seine differenzierten Wünsche bei unterschiedlichen Finanzdienstleistern befriedigt. So lassen sich die deutschen Bankkunden hinsichtlich ihrer Direktbanken-Affinität sechs Gruppen zuordnen. Entscheiden Sie selbst, wo Sie aktuell stehen.

Die Verweigerer
Diese Verbraucher gehören zu den treuesten Kunden der Filialbanken. Sie wünschen den persönlichen Kontakt mit ihrem Bankberater bzw. ihrer Bankberaterin und misstrauen der modernen Technik, weshalb sie selten oder gar nicht im Internet surfen. Sie sind verunsichert angesichts der in den Medien in regelmäßigen Abständen immer mal wieder thematisierten angeblichen Sicherheitslücken und lassen sich auch von dem Argument nicht überzeugen, dass sogar im herkömmlichen Bankgeschäft Risiken nie ausgeschlossen werden können (zum Beispiel gefälschte Überweisungsträger). Die Gruppe der Verweigerer rekrutiert sich in erster Linie aus älteren Bankkunden, die mit den neuen Kommunikationsmedien nicht zurechtkommen. Zwar bieten manche Banken Internetkurse für Senioren an, doch generell ist diese Kundengruppe bei den Filialbanken gut aufgehoben.

Die Skeptiker
Sie vertrauen zwar ebenfalls in erster Linie auf ihre Bank vor Ort, verfolgen aber durchaus die Aktivitäten der Direktbanken. Manche von ihnen unterhalten bei einem der filiallosen Institute sogar schon ein einfaches Produkt (zum Beispiel ein Tages- oder Festgeldkonto). Ihre Hausbank bleibt aber das lokal ansässige Kreditinstitut. Dort haben sie ihr Girokonto und ihr Depot, in dem meist Produkte der betreffenden Bank oder der jeweiligen Finanzgruppe zu finden sind. Wenn es um eine Baufinanzierung geht, vertrauen sich die Skeptiker zunächst ihrer Hausbank an. Sie können sich nicht so recht vorstellen, alle Bankgeschäfte auf Distanz abzuwickeln und vor Ort keinen persönlichen Ansprechpartner zu haben. Doch die Erfahrung zeigt: Mittel- bis längerfristig mutieren viele Skeptiker zu Direktbanken-Kunden. Vor allem dann, wenn sie – wie erwähnt – bereits einfache Dienstleistungen dieser Institute in Anspruch nehmen und sich ein persönliches Bild von deren Funktionsweise machen können. Immer wieder zeigt sich nämlich, dass die wirkungsvollste Werbung für Direktbanking der persönliche Umgang damit ist.

Die Schnäppchenjäger
Sie suchen die jeweils günstigsten Angebote, und zwar sowohl bei Filial- als auch bei Direktbanken. Die Loyalität zu ihren Hausbanken hält sich in engen Grenzen. Sobald sie sich einen Konditionenvorteil versprechen, wechseln die Schnäppchenjäger ihr Geldinstitut oder aber sie versuchen, bei ihrer Hausbank ein noch besseres Angebot zu erreichen. Ein typisches Beispiel: Ein angehender Häuslebauer holt sich bei einer Direktbank ein Angebot für die Finanzierung seiner eigenen vier Wände ein und präsentiert es seinem Bankberater vor Ort. Bietet die Filialbank ähnlich günstige Konditionen, dürfte der Schnäppchenjäger dort abschließen, ansonsten nimmt er eben die Offerte der Direktbank an. Solche Bankkunden reagieren meist schnell auf Zinsvorteile. Verspricht ein Institut höhere Tagesgeldzinsen, wechselt der Schnäppchenjäger kurzfristig die Bank, um sich immer die jeweils besten Konditionen zu sichern. Doch Vorsicht: Eine solche Strategie bringt nicht immer Renditevorteile, sie kann unter Umständen sogar Gefahren bergen.

Die Pragmatiker
Diese Kunden unterhalten meist zwei oder mehrere Bankverbindungen. Sie nehmen bereits viele Leistungen von Direktbanken in Anspruch (Wertpapierdepot, Sparkonten, Konsumentenkredit usw.), haben aber bei ihrer ortsansässigen Bank zumindest noch ihr Girokonto. Sie möchten auf der einen Seite von den günstigen Konditionen der Direktbanken profitieren, auf der anderen Seite aus Gründen der Bequemlichkeit das Girokonto aber bei ihrer ehemaligen Hausbank behalten. So scheuen sie zum Beispiel den Aufwand einer Kontoumstellung. Je mehr Einzugsermächtigungen erteilt wurden, desto ausgeprägter ist meist die Bereitschaft, diese Drehscheibe für die täglichen Bankgeschäfte bei der Hausbank zu belassen. Diese pragmatisch handelnden Kunden erfreuen sich bei den Filialbanken nicht der größten Sympathien, da sie die lukrativeren Geschäfte mit Direktbanken abwickeln und nur das kostenträchtige Girokonto bei ihrer Hausbank unterhalten.

Die Direktbanking-Fans
Diese Kunden haben sich bereits komplett von ihrer Filialbank verabschiedet und wickeln alle Bankgeschäfte über ein filialloses Geldinstitut ab. Das heißt, sie unterhalten auch ihre Girokonten bei einer Direktbank. Meist haben solche Kunden schon recht lange Erfahrungen im Umgang mit Direktbanking gesammelt und verabschiedeten sich peu ä peu von ihrem bisherigen Geldinstitut. Diese Kundengruppe wird in den kommenden Jahren wachsen, da der Umgang mit modernen Kommunikationstechnologien immer mehr zur Selbstverständlichkeit wird und Befürchtungen, die heute noch manchen davon abhalten, komplett zu einer Direktbank zu wechseln, dann der Vergangenheit angehören dürften.

Praxistipp:
Sie kennen das: Ob in der Fernsehwerbung, in der Tagespresse oder in Anlegermagazinen – die neuesten Zinsschnäppchen springen Ihnen Tag fürTag geradezu ins Gesicht. Immer noch ein paar Zehntelprozentpunkte mehr auf das Tagesgeldkonto, hier und da noch ein kleines Extra für ein neues Festgeldkonto. Da der Mensch ein „homo oeconomicus“ ist und nach dem bestmöglichen Ertrag für sein Sparguthaben sucht, erweist er sich als empfänglich für solche frohen Botschaften. Manche wechseln mehrfach pro Jahr die Bank, um jeweils von den Zinsen der aktuell besten Anbieter zu profitieren. Doch dieses Kalkül geht nicht immer auf: Zum einen handelt es sich in vielen Fällen um kurzfristige Lockvogelangebote zur Neukundengewinnung. War die Aktion erfolgreich, sinken die Zinsen oft deutlich. Bei Tagesgeldkonten sind solche Anpassungen jederzeit möglich.
Unabhängige Untersuchungen zeigten darüber hinaus, dass sich „Bank- Flopping“ in den wenigsten Fällen wirklich rechnet. Grund: Bei mehreren Überweisungsvorgängen pro Jahr ist das Geld mehrere Tage unterwegs – es wird mithin nicht verzinst. Hinzu kommt der Zeitaufwand für die Eröffnung neuer und die Kündigung alter Konten sowie die dann notwendige Einrichtung bzw. Löschung der steuerlichen Freistellungsaufträge. Eine realistische Kalkulation zeigt, dass eine überdurchschnittlich gute und dauerhafte Verzinsung ohne Unterbrechung durch Überweisungsvorgänge unter dem Strich nicht weniger Ertrag einbringt als der ständige Wechsel zum jeweils besten Anbieter.
Auch vor einer anderen vermeintlich cleveren Strategie sei gewarnt. Dass Bauherren und Immobilienkäufer bei der für viele größten Investition ihres Lebens mehrere Angebote einholen, macht ohne Frage Sinn. Denn Zinsvorteile von wenigen Zehntelprozentpunkten addieren sich über die lange Laufzeit eines Hypothekendarlehens schnell auf mehrere tausend Euro. Selbstverständlich können Sie bei beliebig vielen Banken, Sparkassen und Direktbanken Angebote unverbindlich abrufen. Doch Vorsicht: Wenn Sie bereits einem Institut zugesagt haben und Ihnen ein unterschriftsreifer Darlehensvertrag vorliegt, sollten Sie nicht allzu oft einen Rückzieher machen. Rechtlich können Sie natürlich auch in diesem Stadium noch absagen und bei einem günstigeren Institut abschließen. Aber Sie laufen dabei Gefahr, Ihr Bonitätsrating bei der Schufa zu verschlechtern. Denn ein nicht angenommener Darlehensvertrag gilt als abgelehnter Vertrag. Und das wirkt nicht eben imagefördernd.

Schuldner zwischen Schufa und Scoring

Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (kurz Schufa) hat nicht eben das beste Image – um es freundlich auszudrücken. In der Wahrnehmung vieler Kreditkunden handelt es sich dabei bis heute um eine intransparente Organisation, die nach zum Teil eher fragwürdigen Kriterien die Bonität von Millionen Kunden beurteilt, gigantische Mengen an Daten sammelt und letztlich darüber entscheidet, ob man eine Kreditkarte, einen Leasingvertrag oder ein Girokonto bekommt. Tatsächlich verfügt die Schufa über 384 Millionen Einzeldaten von 63 Millionen Bürgern. Sieben von zehn Deutschen sind von der Schutzgemeinschaft erfasst. Jahr für Jahr bearbeiten die über 700 Mitarbeiter der Schufa nicht weniger als 77 Millionen Anfragen. In jüngster Vergangenheit unternahm die Schutzgemeinschaft erhebliche Anstrengungen zur Imageförderung. Die Schufa kommuniziert heute offener und bemüht sich um Transparenz. Vor allem ihr Internetauftritt gilt mittlerweile als vorbildlich. Künftig haben die Bürger zudem die Möglichkeit, einmal pro Jahr kostenlos die bei der Schufa gespeicherten Daten und Ihren Basiscore abzurufen.
Manche fragwürdigen Gepflogenheiten verstärkten in den vergangenen Jahren den Eindruck der Intransparenz. So floss bis zum Jahr 2001 das Einholen einer Eigenauskunft als negatives Merkmal in das Scoring mit ein. Es entstand der fatale Eindruck, dass Bürger, die ein legitimes Interesse an Auskünften über die von ihnen gesammelten Daten haben, für ihre Anfrage mit Bonitätsabschlägen bestraft und dafür noch zur Kasse gebeten wurden. Diese Praxis hat die Schufa mittlerweile nach heftiger Kritik eingestellt.

Die Geschäftspartner der Schufa
•A-Vertragspartner. Dazu gehören Kreditkartenunternehmen, Kreditinstitute und Leasinggesellschaften. Diese Partner erhalten auf Anfrage Positiv- und Negativmerkmale.
•B-Vertragspartner. In dieser Gruppe sind alle Nicht-Banken zusammengefasst, also zum Beispiel Handel, Versandhandel, Telekommunikations- und sonstige Unternehmen, die Leistungen und Lieferungen gegen Kredit gewähren.
•F-Vertragspartner. Dazu zählen Inkassounternehmen, die von der Schufa Adressdaten erhalten, aber nur wenn die betreffenden Personen bei einem Vertragsabschluss auch in die Schufa-Klausel eingewilligt haben.

Wem gehört die Schufa?
•Gesellschafter der Schufa Holding AG sind:
•Spezialkreditinstitute (33,3 Prozent der Anteile)
•Sparkassen (24,7 Prozent)
•Privatbanken (19,5 Prozent)
•Genossenschaftsbanken (7,4 Prozent)
•Handel und andere Unternehmen (15,3 Prozent)

Was verbirgt sich hinter dem ominösen Scoringverfahren? Wenn Sie sich schon etwas intensiver mit der Welt der Finanzen befasst haben, dann werden Ihnen mit Sicherheit die Bonitätsratings von großen Unternehmen und Staaten begegnet sein. Sie gleichen Noten und lassen Rückschlüsse auf die jeweilige Bonität zu. Anleihen eines Unternehmens mit dem Rating AAA gelten als grundsolide, das Ausfallrisiko erscheint denkbar gering. Bringt es ein Unternehmen nur auf BB oder steht sogar ein C am Anfang, ist größte Vorsicht angebracht. Firmen und Staaten mit solchen Ratings bekommen auf den Kapitalmärkten nur Geld, wenn sie überdurchschnittlich hohe Zinsen zahlen – eben die an anderer Stelle bereits erwähnte „Zitterprämie“.
Der Basisscore ist ebenfalls eine solche Bonitätsnote. Er gibt, vereinfacht ausgedrückt, an, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine bestimmte Person ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommt und ihre Kredite innerhalb der vereinbarten Frist zurückführt. Der beste Score-Wert wäre demnach 100 Prozent, denn dies entspräche einem Ausfallrisiko von 0 Prozent. Aber wie Sie wissen, gibt es eine hundertprozentige Sicherheit fast nie im Leben und daher liegen selbst solvente Bürger leicht unter dieser Marke.
Wie der Score-Wert im Detail berechnet wird, ist nicht bekannt. Die genaue Methode hat die Schufa bislang nicht offengelegt. Jedoch fließen alle gespeicherten Daten in diese Bonitätsnote ein, darunter Positivmerkmale, wie die vertragsgemäße Abwicklung von Geschäftsbeziehungen, sowie Negativmerkmale, wie etwa nicht vertragsgemäßes Verhalten und gerichtliche Vollstreckungsmaßnahmen.
Verbraucher- und Datenschützer kritisieren nach wie vor manche Praxis der Schufa, doch sollte man fairerweise die positiven Effekte nicht übersehen:
Gläubiger und Banken werden vor insolventen Kunden geschützt (niemand kann Interesse an schwachen Geldinstituten haben).
Die Schufa leistet überdies einen Beitrag, die Bürger vor Überschuldung zu bewahren.