GuV, Gewinnwarnung und Gezeichnetes Kapital – und alles darüber – wichtige Wirtschaftsbegriffe

Gewinn-und-Verlust-Rechnung, GuV (Erfolgsrechnung)
neben der Bilanz und dem Anhang im Rahmen der doppelten Buchführung Teil des Jahresabschlusses, in dem das Ergebnis (Gewinn oder Verlust) einer Abrechnungsperiode durch Gegenüberstellung der Erfolgskonten, also der Aufwands- und Ertragskonten ermittelt wird. Während sich in der Bilanz das Ergebnis als Saldo zwischen Vermögen ( Aktiva) und Kapital ( Passiva) ergibt, soll die GuV einen Einblick in das Zustandekommen des Betriebsergebnisses vermitteln und so die Bilanz ergänzen. Außerdem spielt sie eine Rolle bei der Bilanzanalyse. Die Aussagekraft der GuV hängt davon ab, wie detailliert und zweckmäßig die Gliederung ist. Daher schreibt das HGB eine Mindestgliederung vor. Es besteht ein Verrechnungsverbot von Aufwendungen und Erträgen (Bruttorechnung).

Gewinnwarnung
Nach dem Wertpapierhandelsgesetz sind Unternehmen dazu verpflichtet, ihre Anleger davor zu warnen, dass die Erträge (Gewinne) nicht den Prognosen entsprechen. Solche G. werden meist vor oder nach der Börsenhandelszeit bekannt gegeben.

Gezeichnetes Kapital
das in der Bilanz auf der Passivseite auszuweisende Nominalkapital von Kapitalgesellschaften, d. h. das Grundkapital der AG bzw. das Stammkapital der GmbH. Es ist das Kapital, das von den Gesellschaftern bzw. Aktionären in ein Unternehmen eingebracht wird, das die Haftung der Gesellschafter bzw. Aktionäre ausmacht und das relativ konstant als Eigenkapital bestehen bleibt.

Investitionsrechnung, Investitionszulage und Investivlohn – und was das bedeutet – Wirtschaftsbegriffe Liste

Investitionsrechnung
Rechenverfahren zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Investitionsvorhaben. Die I. hilft, bei der Kapitalanlage unter mehreren zur Auswahl stehenden Alternativen die beste Investitionsmöglichkeit zu bestimmen. Bei der Gewinnvergleichsrechnung wird z.B. die Investition mit dem maximalen Gewinn gewählt – den Erlösen werden alle Kosten gegenübergestellt, die sich infolge der Investition ändern. Die Kostenvergleichsrechnung wählt die Investition mit den geringsten Kosten. Die Rentabilitätsvergleichsrechnung wählt die Investition mit der höchsten Rentabilität. I. sind Teil der Investitionsplanung. Dort werden z. B. auch die optimalen Ersatzzeitpunkte für neue Maschinen bestimmt. Die Amortisationsrechnung (pay-off-period) wählt die Investition mit der kürzesten Amortisationsdauer, d.h. in wie vielen Jahren sich die Investition bezahlt macht.

Investitionszulage
vom Staat für die Durchführung von bestimmten Investitionen gewährte Zulage. Die I. ist eine Form der Investitionslenkung, da der Staat die Möglichkeit hat, bestimmte, aus gesamtwirtschaftlicher oder sozialer Sicht wünschenswerte Investitionen zu verstärken. Für das begünstigte Unternehmen sind es staatliche Geldmittel, die nicht zurückgezahlt werden müssen und die im Vergleich zu Sonderabschreibungen den Vorteil besitzen, dass auch solche Unternehmen davon begünstigt werden, die keine Gewinne erwirtschaften, da sie ihnen direkt zufließen.

Investivlohn
derjenige Teil des Arbeitsentgelts, der dem Arbeitnehmer nicht zur freien Verwendung überlassen, sondern vom Unternehmen einbehalten und investiven Zwecken zugeführt wird. Durch den I. soll
• die Kapitalbildung in Arbeitnehmerhand gefördert werden (z.B. durch vermögenswirksame Leistungen) und
• das Interesse des Arbeitnehmers an der Unternehmensentwicklung gestärkt werden (z. B. durch Belegschaftsaktien oder Aktienoptionen).

Inventar, Inventur und Investitionslenkung – und was das bedeutet – Wirtschaftsbegriffe Liste

Inventar
sämtliche beweglichen Einrichtungsgegenstände eines Betriebs im Sinn der Betriebs und Geschäftsausstattung. Im engeren Sinn umfasst das 1. alle vom Geschäftsmann bei der Inventur zu listenden Werte.

Inventur
Bestandsaufnahme der tatsächlichen Istbestände von Vermögens- und Schuldteilen zur Kontrolle der in den Konten ausgewiesenen Sollbestände. Nach dem HGB und der Abgabenordnung ist der Kaufmann verpflichtet, Vermögen und Schulden seines Unternehmens festzustellen. Dies muss bei der Betriebsgründung, zu jedem Ende eines Geschäftsjahrs und bei Auflösung oder Verkauf des Unternehmens geschehen. Diese Bestandsaufnahme soll alle Vermögensteile und Schulden des Unternehmens nach Art, Menge und Wert zu einem bestimmten Zeitpunkt, dem Stichtag, erfassen. Neben der körperlichen Inventur – die Listung aller Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Handelswaren – gibt es die sog. Buch-inventur, die alle nichtkörperlichen Gegenstände wie Forderungen oder Darlehensschulden mithilfe von Belegen und buchhalterischen Aufzeichnungen zusammenfasst.

Investitionslenkung
alle staatlichen Maßnahmen zur Beeinflussung unternehmerischer Investitions-entscheidungen in der Volkswirtschaft. I. kann indirekt über steuerliche Anreize für bestimmte Investitionen, staatliche Zuschüsse oder die Verbesserung von Abschreibungsmöglichkeiten erfolgen. Direkte I. geschieht durch Verbot oder Gebot bestimmter Investitionen. In Deutschland wird I. nur auf indirektem Weg betrieben.

HWK, HVPI, Harmonisierung und Harte Währung – und alles darüber – wichtige Wirtschaftsbegriffe

Handwerkskammer, HWK
gesetzlich vorgeschriebene Einrichtung zur Interessenvertretung und Selbstverwaltung des Handwerks in einem bestimmten Bezirk. Die Handwerksbetriebe sind zur Mitgliedschaft in der HWK verpflichtet. An die H. sind auch die Innungen angeschlossen. Aufgaben sind z. B. die Führung der Handwerksrolle, in die sämtliche Mitgliedsbetriebe eingetragen werden, die Organisation und Durchführung von Prüfungen, die Regelung und Überwachung der Berufsausbildung oder die betriebswirtschaftliche, rechtliche sowie organisatorische Beratung von Handwerksbetrieben. Oberstes Organ ist der Zentralverband des Deutschen Handwerks, dem neben den 55 H. auch 43 Zentralfachverbände angehören. – Siehe auch Innungen. zdh*de

Harmonisierter Verbraucherpreisindex, HVPI
für jeden Mitgliedstaat der Europäischen Union, für die gesamte EU sowie für die Mitglieder der Europäischen Währungsunion ermittelter Index der Verbraucherpreise, mit dem länderspezifische Besonderheiten der Lebenshaltung ausgeschaltet werden sollen, um so zu einer größtmöglichen Vergleichbarkeit der Inflationsraten der einzelnen EU-Staaten zu gelangen.

Harmonisierung
die Angleichung aller rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen innerhalb der Länder der Europäischen Union, besonders mit Blick auf die Vollendung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Die H. der EU-Steuern soll z.B. eine einheitliche Belastung der wichtigsten Wirtschaftsvorgänge erreichen.

Harte Währung
Währung, die sich durch volle Konvertibilität auszeichnet, sich als wertstabil erwiesen hat, deshalb als sicher angesehen und als Währungsreserve benutzt wird. Länder mit h. W. besitzen i.d.R. eine aktive Handelsbilanz. Sie verfügen über ausreichende Mengen an internationalen Liquiditätsreserven, um am Devisenmarkt zugunsten der Stabilität ihrer Währungen intervenieren zu können.

Geldwäsche – und die Bedeutung davon – Wirtschaftsbegriffe Übersicht

Geldwäsche
von G. wird gesprochen, wenn Geld, das aus Straftaten oder illegalen Geschäften (z.B. Drogenhandel oder verbotswidriger Waffenhandel) stammt, durch Einzahlung auf Konten oder durch Verbuchen als Geschäftseinnahme in den regulären Wirtschaftsverkehr eingebracht wird. Das Gesetz zur verbesserten Bekämpfung der organisierten Kriminalität aus dem Jahr 1992 und das Geldwäschegesetz vom Herbst 1993 zielen darauf ab, kriminelle Gewinne abzuschöpfen und G. zu verhindern. Im Jahr 1999 wurden die gesetzlichen Grundlagen zur Bekämpfung von G. erweitert. Seitdem werden die Finanzbehörden bereits bei der Einleitung eines Strafverfahrens wegen G. informiert. Sie können damit schneller potenzielle Steuerquellen ausschöpfen.

Zudem dürfen Geld und andere Vermögenswerte wie Pkw schon dann beschlagnahmt werden, wenn ein Verdacht auf kriminelle Herkunft besteht. 2002 verbesserte der Gesetzgeber abermals die Möglichkeiten, gegen G. vorzugehen. Deren Aufdeckung und damit auch die Verfolgung der internationalen Kriminalität und von terroristischen Aktivitäten sollen u.a. dadurch erleichtert werden, dass neben Bankangestellten nun auch andere Berufsgruppen wie z.B. Rechtsanwälte und Steuerberater verpflichtet sind, begründete Verdachtsmomente, die sie entdecken, bei der Polizei zu melden. In Österreich stellt § 165 des Strafgesetzbuches G. unter Strafe, wobei zwischen individueller G. und bandenmäßig organisierter G. mit weitaus höherem Strafmaß unterschieden wird.

Geldpolitik – und die Bedeutung davon – Wirtschaftsbegriffe Übersicht

Geldpolitische Operationen des Europäischen Systems der Zentralbanken

geldpolitische

Geschäfte

Transaktionsart

Liquiditätsbereitstellung

Liquiditätsabschöpfung Laufzeit Rhythmus Verfahren
Offenmarktgeschäfte
Hauptrefinanzie­

-rungsinstrument

befristete

Transaktionen

zwei

Wochen

wöchent­lich Standardtender
längerfristige

Refinanzierungs­

-geschäfte

befristete

Transaktionen

drei

Monate

monat­lich Standardtender
Feinsteuerungs­

-operationen

befristete

Transaktionen

Devisenswaps definitive Käufe

befristete

Transaktionen

Devisenswaps

Hereinnahme von Termineinlagen

definitive Verkäufe

nicht standardisiert unregelmäßig

unregel­mäßig

Schnell­-tender

bilaterale

Geschäfte

bilaterale

Geschäfte

strukturelle

Operationen

befristete

Transaktionen

definitive Käufe

Emission von Schuldverschrei­bungen

definitive Verkäufe

standardi­siert/ nicht stan­dardisiert regelmä- Big /

unregel­mäßig

unregelmäßig

Standard­-tender

bilaterale

Geschäfte

ständige Fazilitäten
Spitzenrefinan­

-zierungsfazilität

befristete

Transaktionen

über

Nacht

Inanspruchnahme auf Initiative der Geschäftspartner
Einlagefazilität Einlagenannahme über

Nacht

Inanspruchnahme auf Initiative der Geschäftspartner

Geldpolitik
alle Maßnahmen, mit denen v. a. die Zentralbank den Geldumlauf und die Geld- und Kreditversorgung der Wirtschaft steuert. Wichtigstes Ziel ist dabei die Sicherung der Währung, also die Erhaltung des Geldwerts innerhalb der Volkswirtschaft (Preisniveaustabilität) und die Stabilität der Kaufkraft nach außen. Das erfordert v. a. die Steuerung der umlaufenden Geldmenge, da Geld einerseits so knapp sein muss, dass der Geldwert nicht leidet, andererseits aber eine ausreichende Versorgung der Wirtschaft mit Geld gewährleistet sein muss, um sämtliche Geldgeschäfte abwickeln zu können. Die Steuerung der Geldmenge erfolgt über Maßnahmen zur Beeinflussung der Zinssätze (Zinspolitik) und über die Beeinflussung der Bankenliquidität ( Liquidität). Träger der Geldpolitik war in der Bundesrepublik bis Ende 1998 die von Weisungen des Staates unabhängige Deutsche Bundesbank. Ihre Aufgaben waren die Sicherung der Währung vor Inflation und die Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Dazu standen ihr verschiedene geldpolitische Instrumente, z.B. Diskontpolitik, Lombardpolitik, Offenmarktpolitik und Mindestreservepolitik (Mindestreserven), zur Verfügung.

Seit dem 1.1. 1999 ist das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) mit der Europäischen Zentralbank an der Spitze für die G. in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion verantwortlich. Wie die Deutsche Bundesbank, so ist auch das ESZB von Weisungen der europäischen Regierungen unabhängig.Das ESZB bedient sich zur Steuerung der Geldmenge und Sicherung der Geldstabilität insbesondere der längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte, durch die indirekt die Zinssätze festgelegt werden. Für kurzfristige Interventionen stehen Feinsteuerungsoptionen zur Verfügung, mit denen insbesondere auf die Geldmärkte Einfluss genommen wird. Maßgeblich zur Steuerung der Zinsen in Euroland sind darüber hinaus die Fazilitäten. Die Obergrenze der Geldmarktzinsen wird von der Spitzenrefinanzierungsfazilität, die Untergrenze durch die Einlagefazilität markiert.

Höchstpreis, Höchstwertprinzip, Hochzinspolitik und Holdinggesellschaft – und was das bedeutet – Wirtschaftsbegriffe Liste

Höchstpreis
staatlich festgesetzte Preisobergrenze, die unterhalb des am Markt gebildeten Gleichgewichtspreises für ein Gut liegt. H. sollen die Verbraucher vor übermäßig hohen Preisen schützen und werden v. a. in Zeiten des wirtschaftlichen Mangels (z.B. nach Naturkatastrophen, in Kriegs- oder Nachkriegszeiten) festgesetzt, um die Versorgung der Bevölkerung mit lebens-notwendigen Gütern zu gewährleisten.

Höchstwertprinzip
aus dem Bilanzierungsgrundsatz der Sicherheit und Vorsicht abgeleiteter Bewertungsgrundsatz, der vorschreibt, dass Verbindlichkeiten zu ihrem Rückzahlungsbetrag anzusetzen sind. Das H. entspricht dem Niederstwertprinzip auf der Aktivseite der Bilanz.

Hochzinspolitik
eine Politik des teuren Gelds, um konjunkturelle Überhitzung und damit verbundene Preissteigerungen zu bekämpfen. Dies geschieht durch Erhöhung der Leitzinsen, Erhöhung der Mindestreserven sowie durch Offenmarktgeschäfte und soll zu einer Kreditverringerung und damit zu einem Nachfragerückgang führen.

Holdinggesellschaft
die Obergesellschaft eines Konzerns, die mehrheitlich die Aktien (Kapitalanteile) an den Tochtergesellschaften erwirbt und dafür selbst eigene Aktien an die Aktionäre der Tochterunternehmen hingibt oder die eigenen Aktien am Kapitalmarkt (Börse) ausgibt. Die H. nimmt keine Produktions- oder Handelsaufgaben wahr, sondern ist im Regelfall eine reine Finanzierungs- und Verwaltungsgesellschaft ohne Geschäftsbetrieb. Die Tochtergesellschaften des Konzerns bleiben rechtlich zwar selbstständig, treten ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit jedoch an die H. ab. In Abhängigkeit vom Umfang des Einflusses der H. wird zwischen Dachgesellschaft (übernimmt weitreichende Leitungs- und Abstimmungsaufgaben im Konzern) und Kontroll- oder Beteiligungsgesellschaft (übernimmt lediglich die Finanzierungsaufgabe) unterschieden.

Grundkosten, Grundpfandrecht, Grundrente und GoB – und was das bedeutet – Wirtschaftsbegriffe Liste

Grundkosten (Zweckaufwand)
aufwandsgleiche Kosten, bei denen im Gegensatz zu den Zusatzkosten in Kalkulation und Buchhaltung dieselben Werte berücksichtigt werden.

Grundpfandrecht
im Grundbuch eingetragene pfandrechtliche Belastungen eines Grundstücks in Form von Hypotheken, Grundschulden oder Rentenschulden.

Grundrente
Einkommen, das aus dem Eigentum an Grund und Boden bezogen wird. Die G. hat die volkswirtschaftliche Funktion, den Produktionsfaktor Boden der produktivsten Verwendungsart zuzuführen.

Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung, GoB
vom Kaufmann zu beachtende Grundsätze, die im HGB und der Abgabenordnung genannt werden. Die wesentlichen GoB sind:
– Die Buchführung muss so beschaffen sein, dass sie einem sachverständigen Dritten innerhalb angemessener Zeit einen Überblick über die Geschäftsfälle und über die Lage des Unternehmens vermittelt.
– Die Geschäftsfälle müssen sich in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen.
– Es darf keine Buchung ohne Beleg vorgenommen werden.
– Die Buchungen sind in einer lebenden Sprache vorzunehmen; Abk., Symbole usw. sind im Einzelfall mit ihrer Bedeutung aufzuführen.
– Die Buchungen sind vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet vorzunehmen; dabei hat der Jahresabschluss sämtliche Vermögensgegenstände, Schulden, Aufwendungen und Erträge zu enthalten, wobei diese nicht gegenseitig verrechnet werden dürfen (Bruttoprinzip).
– Konten dürfen nicht auf falschen oder ausgedachten Namen geführt werden.
– Eine Buchung darf nicht in einer Weise verändert werden, dass der ursprüngliche Inhalt nicht mehr feststellbar ist.
– Kasseneinnahmen und -ausgaben sollen täglich festgehalten werden.
– Bücher und qualifizierte Belege sind zehn Jahre und einfache Belege (Rechnungen) sechs Jahre geordnet aufzubewahren. Die GoB ergänzen die Bilanzierungsgrundsätze.

Organisationsformen – und die Bedeutung davon – Wirtschaftsbegriffe Übersicht

G. bildeten sich zu-nächst nach dem Berufsverbandsprinzip, d. h. die Arbeitnehmer organisieren sich getrennt nach Berufsgruppen, sodass in einem Betrieb mehrere G. vertreten sind, die unabhängig voneinander verhandeln. Dieses Prinzip ist heute noch in Großbritannien und in den USA vorherrschend.

In West- und Mitteleuropa entwickelte sich dagegen bereits um die Jahrhundertwende das Industrieverbandsprinzip, nach dem Arbeitnehmer einer oder mehrerer Branchen sich jeweils in einer Einzelgewerkschaft organisieren. Diesem Prinzip folgen auch die Mitgliedsgewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Sind G. auf bestimmte weltanschaulichpolitische Strömungen festgelegt, spricht man von Richtungsgewerkschaften. Unterschieden werden hierbei v. a. die freien und die sozialistischen Gewerkschaften, kommunistische, syndikalistische, christliche sowie liberal organisierte Gewerkschaften. Bis 1933 war die Gewerkschaftsbewegung in Deutschland von Richtungsgewerkschaften bestimmt, in Italien und Frankreich ist sie es bis heute. In Deutschland liegt das übergreifende und alle Berufsgruppen umfassende Prinzip der Einheitsgewerkschaft dem DGB zugrunde. Aufbau:

Der in Deutschland 1949 gegründete DGB umfasst heute noch acht nach dem Industrieverbandsprinzip organisierte Einzelgewerkschaften (Mitgliedsgewerkschaften). Größte, d. h. mitgliederstärkste G. ist die 2001 aus vier Einzelgewerkschaften und der Deutschen Angestelltengewerkschaft gebildete Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, gefolgt von der IG Metall. Alle Einzelgewerkschaften des DGB haben jeweils einen eigenen organisatorischen Aufbau von der Orts- bis zur Bundesebene und sind die eigentlichen Träger der gewerkschaftlichen Macht. In den Betrieben stützen sie sich auf die bei ihnen organisierten Betriebsräte und die gewerkschaftlichen Vertrauensleute.

Sie entscheiden selbstständig über ihre Tarifpolitik und Arbeitskampfmaßnahmen wie Urabstimmung und Streik. Neben dem DGB bestehen in Deutschland noch weitere Arbeitnehmerverbände. Ein Beispiel ist der 1949 gegründete Deutsche Beamtenbund (DBB), dem zahlreiche Fachgewerkschaften angehören. Der DBB lehnt ein Streikrecht für Beamte strikt ab. Als christlich-soziale Richtungsgewerkschaft wurde 1959 der Christliche Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB) gegründet. Er umfasst 15 Einzelgewerkschaften. dgb*de

Handelsgewerb, Handelskauf und Handelskette – und was das bedeutet – Wirtschaftsbegriffe Liste

Handelsgewerb
im Sinn des HGB Gewerbe, die ein Grundhandelsgeschäft zum Gegenstand haben oder nach Art und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordern und ins Handelsregister eingetragen sind oder in einer bestimmten Rechtsform betrieben werden.

Handelskauf
Kauf von Waren oder Wertpapieren im Rahmen eines Handelsgeschäfts. Das HGB regelt einige Abweichungen vom allgemeinen Kaufrecht. Die Pflichten der Parteien werden verstärkt, die Abwicklung der Verträge wird vereinfacht und beschleunigt. Handelt es sich um ein beiderseitiges Handelsgeschäft (im Gegensatz zum Fixgeschäft), so hat der Käufer die Ware unverzüglich zu untersuchen und etwaige Mängel zu rügen. Unterlässt er die Mängelanzeige, so gilt die Ware als genehmigt, es sei denn, dass der Mangel nicht erkennbar oder der Verkäufer ihn arglistig verschwiegen hat. Die Rügepflicht besteht auch dann, wenn eine andere als die bedungene Ware geliefert wird, sofern nicht eine offensichtliche Abweichung von der Bestellung vorliegt.

Handelskette
• der Weg eines Produkts vom Erzeuger zum Verwender (indirekter Absatzweg, Absatzkette).
• eine Vertriebsorganisation, die ein einheitliches Erscheinungsbild aufweist, z.B. die Filialnetze großer Einzelhandelsunternehmen.