Die Indizes an der Börse verstehen

Ein Index fasst die wichtigsten Aktien einer Börse in einer Punktzahl zusammen. Der Index ist quasi ein Börsenbarometer, das die Wertentwicklung nachvollzieht, jede Börse hat ihren eigenen Index. Der DAX beispielsweise umfasst die 30 wichtigsten Aktiengesellschaften, die in Deutschland notiert sind. Daneben gibt es auch Indizes, die sich auf einzelne Börsensegmente beziehen wie etwa der MDAX, der die mittelgroßen Aktiengesellschaften umschreibt, der TecDAX, der die Technologieaktien abbildet, und der SDAX mit den kleineren Aktiengesellschaften.

Die Indizes sind nicht nur ein Messinstrument für die Performance eines Aktienmarktes, sondern sie können auch als Anlageinstrument dienen. Wenn Sie beispielsweise Aktien aus Ungarn, Italien oder Griechenland kaufen möchten, dann kann es sehr kompliziert sein, sich über einzelne Titel zu informieren. Die Geschäftsberichte werden manchmal nicht einmal auf Englisch veröffentlicht, und Sie werden nicht so oft aktuelle Informationen in Deutschland erhalten. Aus diesem Grund haben bei vielen Anlegern deutsche Aktien im Depot ein Übergewicht. Diese Bevorzugung des Heimatmarktes ist ein weltweites Phänomen und kann auf Sprachbarrieren, unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen und ein Informationsdefizit zurückgeführt werden.

Dennoch sollten Sie auch auf ausländische Aktien setzen, denn dadurch wird Ihr Portfolio stärker gestreut. Wenn die Aktienmärkte in Deutschland gerade schlechter laufen, kann es sein, dass irgendwo anders in der Welt die Aktien rapide steigen. In den Jahren nach dem Niedergang der New Economy liefen die meisten Börsen in Westeuropa und Nordamerika bis zum Jahr 2003 sehr schlecht. Die Kurse stürzten in den Kelter, ln Osteuropa hingegen boomten die Märkte; und die Börsen in Russland, Polen, Tschechien, der Slowakei und in Ungarn brachen innerhalb kürzester Zeit immer neue Rekorde.

Die einfachste Art, in diesen Märkten Geld anzulegen, ist es, ein Indexzertifikat zu kaufen. Ein solches Wertpapier bildet relativ genau die Wertentwicklung des Index ab. Indem Sie ein Indexzertifikat kaufen, partizipieren Sie unmittelbar an der Performance des Marktes. Man unterscheidet übrigens zwischen Performance- und Kursindizes. Bei den Kursindizes bleiben die ausgeschütteten Dividenden unberücksichtigt, deshalb entwickelt sich ein Performanceindex stets besser als der reine Kursindex. Der DAX ist ein Performanceindex. Aber viele Indizes anderer Aktienmärkte sind Kursindizes.

Der DAX
In Deutschland werden die großen Standardwerte im DAX zusammengefasst, in dem die 30 Aktien mit der größten Marktkapitalisierung enthalten sind. Er wurde erstmals am 1. Juli 1988 veröffentlicht. Die Ausgangsbasis des Index bildeten 1000 Punkte, die für den 30. Dezember 1987 festgelegt wurden. Der DAX wird jährlich in der Zusammensetzung revidiert und als Index jede Sekunde neu berechnet. Seine Handelzeit reicht von 9.00 h bis 17.30 h. Nach dem Handelsschluss wurden zusätzlich die Indexstände von 17.45 h bis 20.00 h ermittelt. Dieser spezielle DAX wird L-DAX (late DAX) genannt. Zum DAX-30, der ein Performanceindex ist und somit die Dividendenausschüttung mit einbezieht, gehören Unternehmen wie Siemens, DaimlerChrysler, Deutsche Bank, Metro, BMW, SAP und Volkswagen.

Der MDAX
Die Aktien mit mittlerer Marktkapitalisierung werden im MDAX zusammengefasst, der 50 Titel umfasst. Diese Unternehmen folgen in der Rangordnung den Standardwerten, was die Marktkapitalisierung und den Börsenumsatz anbelangt.

Der MDAX wird alle

Land Index
Deutschland DAX
Deutschland MDAX
Deutschland SDAX
Deutschland TecDAX
Österreich ATX
Schweiz SMI
Großbritannien FTSE-100
Frankreich CAC 40
Italien MIB 30
Niederlande AEX
Schweden OMXS30
Spanien IBEX 35
Portugal PSI 20
Griechenland ASE 20
Tschechien CTX
Polen PTX
Ungarn HTX, BUX
Russland RDX
Türkei ISE 30
Südafrika JSE Top40
Israel Tel Aviv 25
USA Dow Jones Industrial Average
USA NASDAQ-100
USA S&P500
Japan Nikkei 225, Topix
Hongkong HSI
China HSCEI
Südkorea KOSPI 200
Thailand S.E.T. 50
Taiwan MSCI Taiwan
Indonesien ABN Indonesia
Malaysia KLCI
Indien Nifty 50
Australien ASX 200

60 Sekunden neu berechnet und seine Zusammensetzung halbjährlich überprüft.
In den letzten Jahren schnitt der MDAX gegenüber dem DAX deutlich besser ab. Anleger, die auf solche Aktien gesetzt hatten, konnten wesentlich höhere Kurszuwächse verbuchen.

Der SDAX
Der SDAX, der die kleineren Aktiengesellschaft zusammenfasst, enthält 50 Werte. Seine Zusammensetzung wird in einem vierteljährlichen Abstand überprüft, und der SDAX wird an der Börse im 60-Sekunden-Takt aktualisiert. Der SDAX ist wie der MDAX und derTecDAX ausländischen Unternehmen zugänglich.
Manche Werte im SDAX haben den Nachteil, dass sie sehr märkten sind und nur über ein geringes Handelsvolumen verfügen, so dass Großinvestoren und Investmentfonds diese Titel eher meiden. Schon geringe Stückzahlen können nicht erworben oder veräußert werden, ohne beim Aktienkurs große Schwankungen auszulösen. Die meisten Investment- oder Pensionsfonds kaufen erst bei einer Mindestkapitalisierung von 50 Millionen Euro, um hohe Kursschwankungen zu vermeiden. Einige der Aktien im SDAX sind nur von regionaler Bedeutung.

Der TecDAX
DerTecDAX umfasst die 30 größten, an den deutschen Börsen notierten Technologieaktien. Er wird alle sechs Monate neu überprüft und im 15-Sekunden-Takt aktualisiert. Der TecDAX, den es seit dem 24. März 2003 gibt, ist Nachfolger des berüchtigten NEMAX, des Neuen-Markt-Index, der 1997 einführt wurde. Auf dem Neuen Markt wurden Unternehmen notiert, die damals zu den gewinnträchtigen Internet- und Technologiewerten zählten. Im Jahre 1999 gab es Aktien, deren Kurs sich bereits am Tag der Emission vervielfacht hatte. Nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes hat der NEMAX mehr als 90 Prozent seines ursprünglichen Wertes eingebüßt. Er wurde daher abgeschafft und durch den TecDAX ersetzt, bei dem man darauf achtete, nur solide Technologieaktien mit einzubeziehen.

Der DivDAX
Der DivDAX enthält die dividendenstärksten Aktien. Der DivDAX ist vom DAX abgeleitet und umfasst die 15 Unternehmen mit der höchsten Dividendenrendite. Er wird einmal im Jahr auf seine Zusammensetzung überprüft. Die maximale Gewichtung einer Aktie darf zehn Prozent nicht überschreiten. Durch diese Regelung möchte man vermeiden, dass Schwergewichte im DAX wie die Deutsche Telekom zu großen Einfluss auf die Performance des DivDAX gewinnen. Die enthaltenen Werte sind stets hoch liquide und zeichnen sich durch hohe Börsenumsätze aus, da sie dem DAX angehören.

Der GEX
Seit Anfang 2005 gibt es einen neuen Index aus deutsche Aktien – den GEX. Die Abkürzung steht für „German Entrepreneurial Index“, und dieses neue Börsenbarometer bezieht sich auf deutsche Familienbetriebe oder eigentümerdominierte Unternehmen. Anders als beim DAX oder MDAX sind kapitalmarktbezogene Kriterien wie die Börsenkapitalisierung oder die Handelsumsätze für die Aufnahme in den GEX nicht entscheidend. Ausschlaggebend ist die Aktionärsstruktur, also der Streubesitz, und die Dauer der Börsennotierung. Die Eigentümer (Vorstände, eventuell auch Aufsichtsräte oder deren Familien) müssen einen großen Einfluss auf das Unternehmensgeschehen besitzen. Der Anteil ihrer Stimmrechte liegt bei mindestens 25 Prozent und höchstens bei 75 Prozent. Konzerne können nicht in den GEX aufgenommen werden ebenso Unternehmen, die nur Vorzugsaktien herausgeben, um das Stimmrecht der anderen Aktionäre zu beschneiden.

Der Dow Jones
Einer der bedeutendsten und wichtigsten Indizes der New Yorker Börse, der New York Stock Exchange, ist der Dow Jones Industrial Average (DJIA). Am 16. Februar 1885 veröffentlichten Charles H. Dow und sein Mitarbeiter Edward Jones diesen für 10 Aktienwerte. Er ist einer der ältesten Aktienindizes überhaupt. Neben dem Dow Jones Industrial Average (DJIA) gibt es noch andere Dow Jones Indizes wie den Dow Jones Transport und den Dow Jones für Versorgungswerte.
Der Dow Jones ist ein reiner Kursindex, d.h. Dividendenausschüttungen oder Bezugsrechtsveränderungen bleiben völlig unberücksichtigt. Die Gewichtung einer Einzelaktie im Index wird nur unzulänglich berücksichtigt. Bestimmte Branchen sind unter diesen Standardwerten nicht oder nur teilweise vertreten. Obwohl der Dow Jones täglich in den Nachrichten Erwähnung findet, ist er aus den oben genannten Gründen als Indexinvestment weniger geeignet. Der marktbreitere S&P500 bildet die Performance des amerikanischen Aktienmarktes besser ab.

3M Honey well International
Alcoa IBM
Altria Group Intel
American Express J. P. Morgan Chase
American International Group Johnson & Johnson
Boeing McDonald’s
Caterpillar Merck & Co.
CitiGroup Microsoft
Coca-Cola Pfizer
Du Pont Procter & Gamble
Exxon Mobil SBC Communications
General Electric United Technologies
General Motors Verizon Comm.
Hewlett-Packard Wal-Mart Stores
Home Depot Walt Disney

Der Standard & Poor’s 500 (S&P 500)
Der Standard & Poor’s 500 (kurz: S&P 500) umfasst 500 nordamerikanische Aktiengesellschaften; neben den USA sind auch kanadische Werte enthalten. Die Zusammensetzung der 500 Einzelwerte wird monatlich erneuert. Kriterien für die Überprüfung sind der jeweilige Börsenwert und das Handelsvolumen, so dass der S&P 500 die Marktentwicklung einer großen Bandbreite von Aktien in Nordamerika exakt wiedergibt. Aufgrund seines Umfangs und seiner Branchenvielfalt ist der S&P 500 die erste Wahl für ein Indexzertifikat, das den gesamten nordamerikanischen Markt repräsentiert. Der S&P 500 ist als Kurs- und als Performanceindex erhältlich.

Aktie Branche
General Electric Konglomerat
Exxon Mobil Öl
Microsoft Software
Citigroup Banken
Wal-Mart Stores Handel
Pfizer Pharma
Bank of America Banken
Johnson & Johnson Pharma
American International Group Versicherung
IBM IT

Neben den großen Standardwerten, wie sie auch im Dow Jones zusammengefasst sind, sind auch mittelgroße und kleine Aktiengesellschaften vertreten.

Der NASDAQ 100
Der NASDAQ 100 fasst die wichtigsten Technologiewerte der USA zusammen. Die Technologietitel beziehen sich auf Branchen wie Biotechnologie, Halbleiterindustrie und Software. Die Computerbörse NASDAQ, die in den siebziger Jahren entstand, ist vor allem ein Markt für innovative, technologiebezogene Branchen. Als die New Economy ihren Niedergang erlebte, sank auch der NASDAQ-100 drastisch. Die Technologiebörse ist sehr schwankungsanfällig und eignet sich für Ihr Depot nur, wenn Sie einen Schwerpunkt auf Technologieaktien setzen wollen.

Die Tagesordnung der Hauptversammlung der Aktionäre

Obwohl bei einer Hauptversammlung die unterschiedlichsten Themen oder Fragen zur Sprache kommen können, besteht die Tagesordnung aus einigen Punkten, die auf jeder Hauptversammlung zur Abstimmung gelangen. Der erste Punkt in der Agenda ist der Jahresabschluss. Der Vorstand stellt die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung sowie den Lagebericht vor, der meist einen Ausblick und eine Prognose für das nächste Geschäftsjahr enthält. Bei der Vorstellung des Jahresabschlusses haben die Teilnehmer der Hauptversammlung die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich Details erläutern zu lassen – beispielsweise wie sich außer
ordentliche Erträge zusammensetzen, wie immaterielle Vermögensgegenstände bewertet wurden oder ob es Änderungen bei den Abschreibungen und bei den Ansatzwahlrechten gab, was ohnehin im Anhang erläutert werden muss. Experten können trotz der bilanzpolitischen Spielräume oft kritische Punkte in Bilanzen erkennen und nachfragen. Zwar ist es selbst für Experten schwierig, im Datendschungel des Jahresabschlusses neuralgische Punkte sofort zu erkennen, aber die meisten Bilanzexperten sind natürlich mit den Finessen vertraut und wissen bei welchen Posten und Ansatzwahlrechten man besonders genau nachhaken muss.
Der zweite wichtige Abstimmungspunkt auf der Agenda ist die Verwendung des Bilanzgewinns. Ein Teil des Bilanzgewinns wird als Rücklage verwendet; darüber entscheidet meist vorab die Aktiengesellschaft. Es gibt verschiedene Rücklagen, beispielsweise Kapital- und Gewinnrücklagen. Einige dieser Rücklagen sind gesetzlich vorgeschrieben, andere erfolgen aufgrund der Satzung der Aktiengesellschaft oder aus anderen Gründen freiwillig. Der verbleibende Bilanzgewinn wird dann als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet, wenn die Hauptversammlung dies so beschließt. Bei neu gegründeten Aktiengesellschaften oder Technologieunternehmen erfolgt meist keine Ausschüttung. Bei den meisten Hauptversammlungen löst die Debatte über den Bilanzgewinn häufig Kontroversen aus.

Der dritte wichtige Programmpunkt ist die Abstimmung über die Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats, ln den meisten Fällen werden Vorstand und Aufsichtsrat entlastet, was bedeutet, dass die Aktionäre ihnen das Vertrauen aussprechen. In Krisensituationen und wenn dem Vorstand oder dem Aufsichtsrat gravierende Fehler vorgeworfen werden, kann die Entlastung verweigert werden, was aber relativ selten vorkommt. Auch ein Vorstand, der nicht entlastet wurde, kann entlassen werden. Für Managementfehler, die zu Schadenersatzansprüchen führen, haben die Führungskräfte im Vorstand eine spezielle Versicherung.

Der vierte Punkt, der bei jeder Hauptversammlung auf der Tagesordnung steht, ist die Wahl der Aufsichtsratsmitglieder. Die Aufgabe des Aufsichtsrats besteht darin, die Aktiengesellschaft zu beraten und zu kontrollieren. Darüber hinaus beruft der Aufsichtsrat die Vorstandsmitglieder und kann sie auch entlassen. Die Aufsichtsratsmitglieder werden alle vier Jahre von der Hauptversammlung gewählt. Eine Besonderheit in Deutschland ist dabei die in den 1950er Jahren zuerst in der so genannten Montanunion im Bergbau beschlossene Mitbestimmung, die in den 1970er Jahren auch auf andere Unternehmen durch ein neues Gesetz ausgeweitet wurde. Der Aufsichtsrat wird nämlich zur Hälfte von der Hauptversammlung, also den Aktionären, und zur Hälfte von den Arbeitnehmern gewählt.

Diese vier Punkte stehen stets auf der Agenda einer Hauptversammlung. Daneben gibt es noch besondere Entscheidungen, wenn beispielsweise die Aktiengesellschaft ihr Grundkapital erhöhen und der Vorstand neue Aktien herausgeben möchte. Damit der Vorstand nicht bei jeder Grundkapitalerhöhung die Zustimmung der Hauptversammlung einholen oder im Zweifelsfall eine außerplanmäßige Versammlung anberaumen muss, gibt es die Möglichkeit, einen Vorratsbeschluss zu fassen, der es dem Vorstand erlaubt, auch zukünftig weitere Eigenkapitalerhöhungen vorzunehmen, ohne die Hauptversammlung einzuberufen.

Ein weiterer Punkt, der in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen hat, ist der Rückkauf von Aktien, der durch die Hauptversammlung genehmigt werden muss. Früher gab es solche Aktienrückkaufprogramme in Deutschland relativ selten; in den USA sind sie bereits in den 1990er Jahren populär geworden. Ein Aktienrückkaufprogramm wirkt wie eine verdeckte Dividendenausschüttung und lässt den Aktienkurs meist steigen. Untersuchungen haben sogar gezeigt, dass man darauf eine Anlagestrategie aufbauen kann, die zu einer Rendite führt, die über dem Marktdurchschnitt liegt.

Die Börsen der Welt richtig verstehen

Als Anleger steht Ihnen die ganze Welt offen. Selbst wenn einmal die Börsen in Deutschland stagnieren sollten, haben Sie die Möglichkeit, Aktien aus einem anderen Land zu kaufen. Dank der Globalisierung und der Öffnung der Finanzmärkte ist dies heute fast überall möglich. Nur einige Entwicklungs- und Schwellenländer haben Restriktionen für ausländische Anleger, die jedoch in den letzten Jahren immer mehr gelockert wurden.
In Europa sind die Frankfurter Wertpapierbörse und die Londoner Börse von großer Bedeutung. In den letzten Jahren zeichnet sich immer mehr die Tendenz ab, dass die Börsen Kooperationen und Zusammenschlüsse anstreben. Denn im Zeitalter der Globalisierung ist das Konzept der nationalen Börsen überholt. Der Druck, möglichst günstige Gebühren und einen Aktienhandel rund um die Uhr anzubieten, stellt eine enorme Herausforderung für die Börsenplätze dar.

Die Börsen der Welt richtig verstehen1

Auch in den USA gibt es mehrere regionale Börsen, die aber neben der New York Stock Exchange und der NASDAQ nur eine sekundäre Bedeutung haben.

Die Börsen der Welt richtig verstehen2

Was Sie beim Kauf von Neuemissionen von Aktien beachten sollten

Neuemissionen sind viel riskanter als Aktiengesellschaften, die schon seit Jahren oder Jahrzehnten an der Börse sind. Solche etablierten Unternehmen haben bereits bewiesen, dass sie sich in einer Rezession oder in einer schweren Krise behaupten können. Neu gegründete Aktiengesellschaften verfügen über diese Erfahrung nicht. Zwar werden meistens nur Unternehmen an der Börse platziert, die bereits einige Jahre steigende oder zumindest solide Umsätze und Gewinne vorweisen können, doch nicht immer ist dies ein Garant für zukünftigen Erfolg. Eine überschäumende Börseneuphorie wie zur Zeit des Internetbooms kann auch Unternehmen an die Börse schwemmen, die nur durch eine Idee und finanzkräftige Investoren nach oben katapultiert wurden. Als der Neue Markt zusammenbrach, offenbarte sich den verärgerten Anlegern einiges, das man bis dahin nicht für möglich gehalten hatte. Manche Unternehmen wurden von Studierenden gegründet, die anfangs ihre Ausgabenbelege in Schuhkartons verwalteten; andere Technologieunternehmen, etwa in den USA, schreckten selbst vor kriminellen Machenschaften nicht zurück und verlagerten hohe Schulden in eigens gegründete Tochtergesellschaften, um das wahre Ausmaß der Verschuldung zu verschleiern. So ist es nicht verwunderlich, dass viele der einst gepriesenen Dot*coms im Orkus der Börsengeschichte verschwanden und Insolvenz anmelden mussten. Andere Internetunternehmen, die den Sturm mit Ach und Krach überstanden, dümpeln heute auf dem Niveau einiger Cents. Spötter vergleichen die fast flache Kurve am unteren Ende des Charts mit der Monitorlinie eines Herztoten.

Vielen Flops stehen natürlich viele Erfolgsgeschichten gegenüber, die den Anlegern erkleckliche Gewinne bescherten. Als im Jahre 1986 ein unbekanntes Unternehmen namens Microsoft das Licht der Börsenwelt erblickte, hätte wohl niemand gedacht, dass die Aktionäre ein Jahrzehnt später bereits Multimillionäre wären, und das mit einem Einsatz von schlappen hundert Dollar. Auch Google brachte den Anlegern viel Glück.

Als Anleger sollten Sie wie bei jeder Aktie sorgfältig die Kennzahlen studieren. Sind die Umsätze und Gewinne in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen? Wie sind diese Gewinne zustande gekommen? Wie sieht das Branchenumfeld aus? Welche Chancen haben die angebotenen Produkte oder Dienstleistungen auf dem Weltmarkt?

Als besonders erfolgversprechend gelten Unternehmen, die sich auf einem Markt bereits etabliert und dort die Marktführerschaft erreicht haben. Das Produkt oder die Dienstleistung sollten Merkmale aufweisen, die sie auf dem Markt einzigartig machen. Im Marketing nennt man dies Alleinstellungsmerkmal oder Unique Selling Proposition (USP). Wenn es sich um die Konsumgüterindustrie handelt, sollten Sie überlegen, ob Sie selbst, sofern Bedarf besteht, das Produkt kaufen würden. Schauen Sie sich um und denken Sie nach, wer so etwas benötigt. Vorsicht ist bei einem Unternehmen angebracht, das nur ein anderes Produkt oder eine Dienstleistung nachahmt; man nennt solche Erzeugnisse „Me-too- Produkte“, und häufig hat bereits ein etabliertes Unternehmen eine Marktnische besetzt. Zum Beispiel wäre es wenig sinnvoll, noch einen Online-Buchhandel zu gründen, da Amazon in diesem Bereich bereits einen Spitzenplatz innehat. Ein Unternehmen, das aber gezielt nur Hörbücher oder interaktive Medien für eine Zielgruppe anbietet, hätte vermutlich bessere Chancen. Attraktiv wäre aber eine solche Neuemission dennoch nicht, da die Medienbranche in den letzten Jahren eher wenig renditeträchtig war.
Seien Sie auch kritisch, wenn bestimmte Modethemen eine Flut von Neuemissionen auslösen. In den letzten Jahren nahm aufgrund des Erdölpreises das Interesse an alternativen Energien deutlich zu. Viele Solarzellenhersteller, Fotovoltaikunternehmen und Biodieselproduzenten kamen an die Börse, so dass viele Anleger wahllos zeichneten. Beim näheren Hinsehen stellt man jedoch fest, dass manche der Unternehmen erst einige Jahre bestehen und noch ihr Vertriebsnetz ausbauen. Was die Anleger auch wenig beachten, ist, dass viele dieser Unternehmen empfindlich auf die steuerpolitischen Beschlüsse der Regierung reagieren. Aber jede Diskussion um das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das die Bezuschussung und Subvention von regenerativen Energien regelt, oder die Besteuerung von Biodiesel, löst Turbulenzen beim Aktienkurs aus. Wenn ein Modethema bereits in aller Munde ist, ist der Zug für die Anleger meist bereits abgefahren. Sie können dann zwar noch Gewinne erzielen, aber Sie sind letztlich nur ein „Trittbrettfahrer“. Viel besser und lukrativer ist es, wenn Sie einen Trend bereits vor allen anderen erkennen.

Sehen Sie sich die Bilanz und andere Informationen genau an. Überzeugt Sie die zugrundeliegende Geschäftsidee? Wie sind die Zukunftsaussichten des Unternehmens? Ein wichtiges Kriterium ist auch, aus welchem Grunde das Unternehmen eine Börsennotierung anstrebt. Weist es hohe Verbindlichkeiten und damit eine Schuldenquote auf, sollten Sie den Börsengang kritisch sehen. In solchen Fällen versucht das Unternehmen zumeist, durch die Börsenplatzierung Einnahmen zu erzielen, die vorrangig der Schuldentilgung zugute kommen. Besser und sinnvoller ist es, wenn das Unternehmen nur gering verschuldet ist und die Einnahmen vor allem in Investitionen fließen. Auch das Motiv für einen Börsengang spielt eine ausschlaggebende Rolle. Wird das Unternehmen vor allem von den Gründern, den finanzierenden Banken oder einer Wagniskapitalgesellschaft an die Börse gebracht, dann möchten die Beteiligten in der Regel „Kasse“ machen, d.h. von dem Börsengang profitieren oder sich auszahlen lassen, wie es bei Wagniskapitalgesellschaften die Regel ist. Strebt eine bereits bestehende Aktiengesellschaft jedoch den Börsengang an, um eine Kapitalerhöhung vorzunehmen, so ist dies positiv zu bewerten.

Eine einfache Möglichkeit, auf Neuemissionen zu setzen, besteht darin, ein spezielles Zertifikat zu kaufen; dabei werden in einen Aktienkorb mehrere interessante Neuemissionen aufgenommen.

Name                           WKN
IPO-Select-Basket I                       SBL1PQ

Das Emissionsverfahren von Aktien

Bei kleineren Emissionen betreut meist nur eine Bank den Börsengang. Bei großen Emissionen hingegen, die sogar in mehreren Abschnitten, Tranchen, abgewickelt werden, sind mehrere Banken, die zu einem Konsortium zusammengefasst sind, zuständig. Bei der Emission sind zwei verschiedene Verfahren gängig: das Festpreisverfahren und das Bookbuilding-Verfahren.
Beim Festpreisverfahren, das bis Mitte der 1990er Jahre üblich war, vereinbaren der Emittent und die Emissionsbank gemeinsam einen festen Preis, zu dem die Anleger die Aktie zeichnen können. Das Festpreisverfahren wurde weitgehend aufgegeben, da es zu wenig flexibel ist und nicht auf das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage eingeht. Beim Festpreisverfahren kam es bereits wenige Minuten nach der ersten Börsennotierung entweder zu starken Kursrückgängen, da der Festpreis zu hoch angesetzt worden war, oder zu enormen Kurssteigerungen, wenn die Emissionsbank und der Emittent die Nachfrage unterschätzten.

Das Bookbuilding-Verfahren, das heute ausschließlich angewendet wird, stammt aus den USA. In Deutschland wurde es vor allem durch den Börsengang der Deutschen Telekom im Jahre 1996 populär. Bei diesem Verfahren geben der Emittent und die Emissionsbank eine Preisspanne vor. Innerhalb dieser Bandbreite können die interessierten Anleger innerhalb eines bestimmten Zeitraums, meist zwei Wochen, ein Zeichnungsangebot über ihre Depotbank abgeben. Wenn die Nachfrage zu groß ist, kann die Emissionsbank das Verfahren vorzeitig abschließen. Sie sollten daher, wenn Sie an einer Neuemission interessiert sind, rechtzeitig Ihr Zeichnungsangebot abgeben. Anleger, die es nicht mehr schaffen, ein Angebot einzureichen, werden bei der Zuteilung nicht mehr berücksichtigt. Daher ist es sinnvoll, immer schon in den ersten Tagen ein Angebot zu machen. Nachdem die Emissionsbank die Orderbücher geschlossen hat, legt sie anhand der vorhandenen Angebote den Ausgabekurs fest, zu dem die Anleger, die gezeichnet haben, die Aktien am ersten Börsentag erhalten. Die anderen Anleger, die nicht mehr vormerken konnten oder bei der Zuteilung Pech hatten, können die Aktie erst über die Börse kaufen, was häufig teurer ist, da die Aktien am ersten Tag meist deutlich zulegen. In einer solchen Situation ist es empfehlenswert, ein paar Tage abzuwarten und erst zu kaufen, wenn der Kurs etwas nachgibt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Bankenkonsortium den Kurs in den ersten Wochen stützt, indem es selbst Aktien über die Börse erwirbt oder massive Kundenempfehlungen ausspricht. Für jede Emissionsbank ist es nämlich eine Frage des Ansehens und des Renommees, dass die von ihr begleitete Aktiengesellschaft ein Erfolg wird. Emissionsbanken werden daher alles daransetzen, dass zumindest in den ersten Wochen nach dem Börsengang der Neuling nicht floppt, denn in dieser Phase wird die Aktie von der Fachpresse sehr genau beobachtet. Daher sollten Anleger, die bei der Zuteilung nicht berücksichtigt wurden, erst einige Zeit abwarten, bis der Kurs sich etwas konsolidiert. Bei besonders aussichtsreichen Aktien sollte man jedoch nicht zu lange warten, denn gerade diese steigen in den ersten Monaten deutlich an.

Da die Zuteilung immer problematisch ist, wenn die Neuemission mehrfach überzeichnet ist, hat man sich etwas einfallen lassen, um den Wünschen der Anleger besser gerecht zu werden. Die Emissionsbank kann 10 bis 15 Prozent der Aktien als Platzierungsreserve zurückhalten; wenn während der Zeichnungsfrist die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt, kann sie die zurückgehaltenen Aktien zur Zeichnung freigeben. Man nennt dies eine Mehrzuteilungsoption oder den sog. Greenshoe. Der Name Greenshoe stammt von einem englischen Schuhhersteller, der dieses Verfahren erstmals anwandte. Die Mehrzuteilungsoption muss bereits im Emissionsprospekt bekannt gegeben werden.

Neben dem Festpreis- und dem Bookbuilding-Verfahren gibt es noch das Auktionsverfahren, das bisher seltener eingesetzt wurde.
Beim Auktionsverfahren gibt die Emissionsbank keine Preisspanne vor, sondern nur eine Empfehlung für eine bestimmte Bandbreite. Die Anleger können dann innerhalb der Zeichnungsfrist frei Angebote abgeben. Aus der Vielzahl der Zeichnungsangebote der Kunden berechnet dann die Emissionsbank einen optimalen Zeichnungspreis, zu dem die Emission trotz eines möglichst hohen Preises eine hohe Nachfrage erzielt. Die Anleger, die während der Zeichnungsfrist zu niedrig geboten haben und unter dem festgelegten Zeichnungspreis liegen, gehen leer aus. Das Auktionsverfahren ist umstritten, zumal Privatanleger aufgrund fehlender Hintergrundinformationen selten abschätzen können, was der voraussichtliche Zeichnungspreis sein wird. Im Zweifelsfall werden darum viele Anleger bei ihrer Hausbank einen zu hohen Preis angeben und damit das Ganze in die Höhe treiben. Viele institutionelle Anleger werden sich aufgrund der überhöhten Bewertung zurückhalten. Nach dem Börsengang hat diese Aktie kaum noch einen Spielraum nach oben und wird eher zurückgehen.

Eine andere Möglichkeit, sich Neuemissionen vorab zu sichern, gibt es über den grauen Markt. Spezialisierte Finanzdienstleister und Wertpapierhändler bieten die Papiere zum Kauf – wie es im Fachjargon heißt: „per Erscheinen“ – an. Ein solcher Kauf stellt aber immer ein Risiko dar; als Privatanleger sollten Sie den Kauf über einen solchen Finanzdienstleister immer sorgsam limitieren oder besser ganz darauf verzichten. Die Graumarktkurse haben allerdings eine wichtige Informationsfunktion: Wenn Sie vor der Zeichnung bei Ihrer Hausbank diese Kurse beobachten, können Sie eher abschätzen, wie hoch der Emissionspreis voraussichtlich sein wird.

Wertpapierhändler Internetadresse
Lang & Schwarz | quotecenter*de

 

Der Aktiensplit richtig verstehen

Beim Aktiensplit wird der Wert einer Aktie einfach halbiert oder durch eine andere Zahl geteilt. An dem Grundkapital der Aktiengesellschaft ändert sich dadurch gar nichts; diese Operation dient nur einem „optischen Zweck“. Es ist so, als würden Sie in einem Geschäft einen Hundert-Euro-Schein in fünf Zwanzig- Euro-Scheine wechseln lassen. Obgleich ein Aktiensplit auf den ersten Blick unsinnig erscheint, hat er viele Vorteile. In den USA war dieses Verfahren schon lange üblich; in Deutschland hat es sich vor allem in den 1990er massiv durchgesetzt.
Die meisten Kleinanleger schrecken davor zurück, eine Aktie im Wert von 1000 oder 2000 Euro zu kaufen. Obwohl diese Angst rein psychologisch begründet ist und keinen realen Hintergrund hat, erscheinen Aktien mit hohen Kurswerten teuer und luxuriös. Die meisten Investoren kaufen lieber hundert Aktien zu einem Wert von 10 Euro als eine, die gleich mit 1000 Euro zu Buche schlägt. Daher sind Aktien mit hohem Kurswert im Nachteil und werden häufig gesplittet. Wenn Sie nun eine Aktie im Wert von 1000 Euro besitzen und diese wird durch 10 geteilt, dann erhalten Sie automatisch in Ihrem Depot 10 Aktien zu 100 Euro. Diesen Vorgang macht die Bank von selbst, so dass Sie den Aktiensplit kaum bemerken.

Sowohl für die Aktionäre als auch für das Unternehmen hat diese rein kosmetische Operation etliche Vorteile. Die Porsche- Aktie beispielsweise stand zeitweise bei über 4000 Euro. Für Kleinanleger, die nur 1000 oder 2000 Euro anlegen, ist diese Aktie schon unerschwinglich. Aber auch andere Anleger mögen solche Elefanten werte nicht, denn wer möchte sich schon eingestehen, dass er bei einem Gesamtwert von 40.000 Euro nur zehn Aktien im Depot hat? Für Großanleger sind solche Aktien mit hohen Werten auch dann von Nachteil, wenn sie eine exakte prozentuale Verteilung in ihrem Portfolio erreichen wollen. Manche Depots folgen bestimmten Strategien, bei denen Branchen, Länder oder einzelne Unternehmen genau prozentual aufgegliedert und gewichtet sind. Aktien mit hohen Kurswerten lassen sich nicht teilen. Aus diesen Gründen sind viele Aktiengesellschaften schnell bereit einen Split durchzuführen. Optisch billige Aktien lassen sich einfach leichter vermarkten.

Untersuchungen haben zudem verdeutlicht, dass Aktiensplits eine positive Signalwirkung haben, denn Unternehmen, deren Kurs fällt, führen in der Regel keinen Split durch. Ein Aktiensplit hat eine psychologische Wirkung und führt dazu, dass sich Aktiengesellschaften, die häufiger eine solche Maßnahme beschließen, am Markt über wehschnittlieh entwickeln, obwohl der Split keinen Einfluss auf das Grundkapital oder die Ertragslage hat. Das Phänomen ist rein psychologisch bedingt. Experten haben daraus sogar eine eigene Aktiensplit-Strategie entwickelt, bei der Anleger, die eine überdurchschnittliche Performance erreichen wollen, vor allem auf Aktien setzen, die einen Split hinter sich haben.

Splits haben jedoch auch einige Nachteile. Die meisten Anleger verlieren nach mehreren Splits die zahlenmäßige Übersicht über ihr Depot, da sich die Stückzahlen ändern. Schwierig ist das Ganze auch, wenn man eine technische Analyse durchführt oder die Performance berechnet. Auf einem Aktienchart lässt sich die Kursentwicklung grafisch nicht sinnvoll kontinuierlich darstellen. Wenn
Sie plötzlich auf einem Schaubild einen Kurssturz von 50 Prozent entdecken, kann dies auch durch einen Aktiensplit bedingt sein. Zu ähnlichen Problemen in der grafischen Darstellung führt die Währungsumstellung der Kurse von D-Mark auf Euro. Dabei wird meist der Kurs in der Vergangenheit in Euro umgerechnet.
Auch im Depot führen Aktiensplits zu Problemen, denn als Anleger müssen Sie drei bis vier Tage warten, bis die Umstellung vollzogen ist und die neue Stückzahl in Ihr Depot eingebucht wurde. Verkaufen Sie auf keinen Fall vorher, denn dann wird die alte Stückzahl zugrunde gelegt, der Kurswert der Aktien ist aber bereits gesplittet worden.

Die Aktie als Wertpapier verstehen

Aktien sind Wertpapiere, von denen es unterschiedliche Formen gibt. Die wichtigste Unterscheidung ist die zwischen Stamm- und Vorzugsaktien. Stammaktien beinhalten ein Stimmrecht und werden daher bevorzugt von institutionellen Anlegern wie Banken und Investmentfonds gekauft. Für solche Investoren ist die Mitbestimmung und damit das Stimmrecht von herausragender Bedeutung.
Die Aktiengesellschaft hat die Möglichkeit, auch stimmrechtslose Aktien herauszugeben; hierbei handelt es sich meistens um Vorzugsaktien, die zum Ausgleich für den Verlust des Stimmrechts eine höhere Dividende ausschütten. Vorzugsaktien werden daher vor allem von Privatanlegern erworben, die weniger am Stimmrecht interessiert sind, aber sich über eine höhere Dividendenausschüttung freuen. Der Vorteil kann unterschiedlich ausgestaltet sein. Manche Aktiengesellschaften garantieren eine Mindestdividende, die auch dann ausgeschüttet wird, wenn die Stammaktionäre aufgrund eines Verlusts oder einer mäßigen Gewinnentwicklung leer ausgehen. Eine andere Konstruktion besteht darin, dass die Dividende für Vorzugsaktionäre um einen festen oder prozentualen Betrag aufgestockt wird; man spricht dann von Mehrdividende. Eine andere Konstruktion sieht vor, dass bei einer Gewinnausschüttung Vorzugsaktionäre zuerst bedient werden müssen, bevor die Dividende auf Stammaktien ausgeschüttet wird. Man nennt solche Aktien auch Prioritätsaktien. Insbesondere Familienunternehmen bedienen sich der Vorzugsaktien: In diesem Fall hält die Gründerfamilie die Mehrheit der Stammaktien und beteiligt das Publikum über stimmrechtslose Vorzugsaktien an dem Unternehmen.

Wenn Sie Aktien kaufen und die Wahl zwischen Stamm- und Vorzugsaktien, sollten Sie abwägen, welche Aktienform Sie bevorzugen wollen. Für viele Anleger bietet die Vorzugsaktie eine höhere Dividendenrendite und damit mehr Sicherheit, da die Dividende teilweise Kursverluste in geringem Maße ausgleichen kann. Wenn beispielsweise der Kurs der Aktie um drei Prozent einbricht, die Dividendenausschüttung aber drei Prozent des Kurses ausmacht, hat der Anleger den Verlust wieder kompensiert. Allerdings sollten Sie Ihr Augenmerk nicht ausschließlich auf die Dividendenrendite richten, denn wenn eine Aktie stark sinkt, nützt Ihnen die höhere Dividendenausschüttung letztlich nichts. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Ausschüttungen noch stärker beachtet wurden, richtet man heute die Aufmerksamkeit vorwiegend auf die Kursstärke einer Aktie. Unter diesem Gesichtspunkt sind häufig Stammaktien im Vorteil. Obwohl sich die Kurse von Stamm- und Vorzugsaktien fast parallel entwickeln, profitieren Stammaktien von wichtigen Entscheidungen über die Zukunft des Unternehmens wegen ihres Stimmrechts. So kann es zeitweilig Vorkommen, dass sich Stammaktien deutlich besser entwickeln als Vorzugsaktien. Der Vorteil kann gelegentlich sogar 10 bis 30 Prozent erreichen. Wenn jedoch der Termin der Dividendenausschüttung naht, holen die stimmrechtslosen Vorzugsaktien meist etwas auf.

Wenn Sie unschlüssig sind, ob Sie Stammaktien oder Vorzugsaktien wählen sollen, dann entscheiden Sie sich trotz möglicherweise geringerer Rendite besser für Stammaktien. Ein Beispiel soll Ihnen erläutern, weshalb dies die bessere Wahl ist. Im Jahre 2003 unterbreitete der amerikanische Konzern Procter & Gamble den Aktionären des deutschen Kosmetikherstellers Wella ein Übernahmeangebot. Obwohl Stamm- und Vorzugsaktien nahezu auf gleichem Kursniveau notierten, erhielten die Stammaktionäre ein Angebot von 92,25 Euro, während sich die Vorzugsaktionäre mit 65 Euro zufrieden geben mussten. Angesichts dieser großen Differenz wird deutlich, dass Vorzugsaktionäre im Zweifelsfall wenig von einer höheren Dividende haben. Ohne das entscheidende Stimmrecht bleiben Sie bei einer Übernahme oder anderen wichtigen Ereignissen Aktionär zweiter Klasse.

Eine weitere Unterscheidung ist die zwischen Inhaberaktien und Namensaktien. Inhaberaktien sind in Deutschland weit verbreitet; denn sie sind in der technischen Handhabung relativ unkompliziert. Sie können problemlos übertragen werden. Bei Namensaktien hingegen werden die Namen der Aktionäre in ein Buch eingetragen, das die Aktiengesellschaft einsehen kann. Obwohl dadurch die Anonymität durchbrochen wird, hat dieses Verfahren in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Aktionäre, die verhindern wollen, dass das Unternehmen ihren Namen und ihre Adresse erfährt, können der Eintragung widersprechen und die Depotbank in das Aktionärsbuch eintragen lassen. Dennoch sind Namensaktien auf dem Vormarsch. Was in den USA längst Pflicht ist, findet auch hier zunehmend Verbreitung: Namensaktien ermöglichen es, die Aktionäre persönlich zu informieren. Eine Spezialform, die Professoren häufig als knifflige Frage in Abschlussprüfungen dient, ist die vinkulierte Namensaktie. Das lateinische Wort „vinkuliert“ bedeutet wörtlich übersetzt .gefesselt“; diese Aktien sind an bestimmte Aktionäre gebunden, d.h. Sie können solche Aktien nur erwerben, wenn das Unternehmen seine Zustimmung erteilt. Glücklicherweise sind vinkulierte Namensaktien äußerst selten, da die Prozedur umständlich ist. Dieses Verfahren wird insbesondere von Medienunternehmen gewählt, die sich vor einer feindlichen oder schleichenden Übernahme schützen wollen.

International gibt es noch einige Sonderformen, die auch in Deutschland gehandelt werden. Hierzu gehören die ADRs (American Depositary Receipts). Dieses spezielle Verfahren wählen oft Aktiengesellschaften aus Schwellenländem wie Russland und China, um den Handel mit ihren Aktien in den USA zu vereinfachen. Da die Börsenzulassung ein schwieriges und hürdenreiches Verfahren ist, gibt es die Möglichkeit, Auslandsaktien einfacher zu handeln. Dabei muss die jeweilige Aktiengesellschaft eine größere Anzahl von Aktien bei einer amerikanischen Treuhänderbank hinterlegen. Diese spezialisierte Bank gibt dann auf diese Pakete ein Zertifikat heraus, das einer amerikanischen Namensaktie gleichgestellt ist. Solche Zertifikate nennt man ADR. Als Anleger sollten Sie auf jeden Fall beachten, dass nicht immer ein ADR auch einer Aktie entspricht. Häufig ist es so, dass 10 oder mehr ADRs einer Aktie entsprechen. Achten Sie daher beim Kauf von ADRs immer auf das Bezugsverhältnis. Das Verfahren ist relativ sicher, da die amerikanische Treuhänderbank bei Problemen das Aktienpaket, das dem ADR zugrunde liegt, herausgeben muss. Das Verfahren wird auch bei mehr oder minder exotischen Schwellenländern angewandt, in denen Einzelinvestoren keine Aktien kaufen dürfen. Größere Investmentgesellschaften haben in manchen Ländern eine Ausnahmegenehmigung und geben auf ihre Aktienpakete ADRs heraus.

Ein solches Vorgehen findet man auch bei der Unterscheidung zwischen A- und B-Aktien. ln der Regel dürfen B-Aktien nur von ausländischen Anlegern gekauft werden. Diese B-Aktien haben häufig ein eingeschränktes oder gar kein Stimmrecht und werden nur in einer beschränkten Zahl verkauft. Das kann dazu führen, dass die ausländischen Anleger in der Hauptversammlung nicht abstimmen können. Da es viel weniger B-Aktien gibt, verhält sich deren Aktienkurs auch bisweilen anders als der von A-Aktien, die nur von Einheimischen erworben werden dürfen. Ein solches Verfahren findet man nicht nur in Schwellenländern, sondern auch in Skandinavien wie in Norwegen. Der Zweck solcher Restriktionen ist es, ausländischen Einfluss in Kapitalgesellschaften zurückzudrängen.

Eine besonders vielschichtige Differenzierung findet sich bei chinesischen Aktien. Während die A-Aktien nur Chinesen Vorbehalten sind und an der Börse in Shanghai und Shenzhen gehandelt werden, können B-Aktien auch von Ausländern erworben werden. Zusätzlich gibt es noch H-Aktien. Der Buchstabe H steht für Hongkong; solche Wertpapiere werden in Hongkong gehandelt und dürfen nur von Ausländern gekauft werden. Außerdem sind noch so genannte „Red Chips“ im Börsenhandel; bei diesen Aktien handelt es sich um Werte, die in Hongkong notiert und ausländischen Anlegern frei zugänglich sind. Ihre Besonderheit besteht darin, dass die chinesische Regierung daran einen größeren Aktienanteil hält.

Manche Beobachter nehmen an, dass eine Freigabe der A-Aktien für ausländische Investoren einen ebenso starken Kursanstieg auslösen würde wie die Freigabe der Hongkong-Aktien für chinesische Anleger auf dem Festland. Einige Experten vertreten die Auffassung, dass die Unterscheidung zwischen A – und B-Aktien früher oder später von den noch wenigen Ländern, in denen ein solches System vorhanden ist, aufgegeben wird, da dieses Zweiklassensystem nicht mehr in das Zeitalter der Globalisierung passt.

Aktienarten – die mittleren Werte Mid Caps

Diese Aktiengesellschaften haben eine mittlere Marktkapitalisierung und nehmen somit eine Zwischenstellung zwischen den großen Standardwerten und den kleinen Aktiengesellschaften ein. Die mittleren Werte werden in einem eigenen Aktienindex, dem MDAX, zusammengefasst, der aus 50 Aktien besteht. Zu den Mid Caps zählen beispielsweise der bekannte Brillenhersteller Fielmann, das Bauunternehmen Hochtief, der Finanzdienstleister AWD, der Fernsehsender Premiere und der Sportartikelhersteller Puma.

Diese Unternehmen haben den Vorteil, dass sie eher Mittelständlern gleichen und daher flexibler und offener sind. Anders als große Konzerne müssen sie sich stetig an den internationalen Markt anpassen und neue Ideen entwickeln. Fehlentscheidungen und gravierende Managementfehler schlagen sich sofort in Verlusten nieder und führen im schlimmsten Fall zur Pleite. Diese Unternehmen sind viel weniger etabliert als die großen Konzerne des DAX und daher erheblich anfälliger für Krisen und Probleme. Denken Sie nur an den Fernsehsender Premiere, dessen Erfolg von der Übertragung von Bundesligaspielen abhängig ist. Ein weiteres Beispiel ist das Handelsunternehmen KarstadtQuelle, das aufgrund eines veralteten Marketing-Konzepts in eine schwere Krise schlitterte.

Für Privatanleger ist es äußerst riskant, ausschließlich auf ein solches Unternehmen zu setzen, denn wenn das Unternehmen in eine Schieflage gerät, ist nicht gewährleistet, dass es auch die Krise bewältigt. Börsianer bezeichnen solche Unternehmen, die sich am Rande einer Insolvenz oder einer Existenzkrise befinden, als Turn- around-Kandidaten. Sie können das Risiko umgehen, indem Sie eine Vielzahl solcher Unternehmen bündeln und beispielsweise ein Zertifikat auf den MDAX kaufen. Da der MDAX aus vielen Werten besteht, verteilt sich Ihr Risiko auf diese Unternehmen. Selbst wenn eines der Unternehmen insolvent würde, hätte dies so gut wie keinen Einfluss auf Ihr Zertifikat.

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass sich ein Investment in diese Mid Caps gelohnt hätte. Der MDAX schnitt wesentlich besser ab als der behäbigere DAX. Diesen Effekt, der bereits in den 1980er Jahren beschrieben wurde, bezeichnen Wissenschaftler als „Small-Cap-Effekt“. Kleine oder mittelgroße Aktiengesellschaften sind viel beweglicher, dynamischer und innovativer als die großen Konzerne des DAX. Neue, weltbewegende Produktideen werden häufig zuerst von Tüftlern und Erfindern in Klein- und mittelständischen Unternehmen entdeckt. Anders als in den überbürokratisierten Riesen sind mittelständische Unternehmen kundennah und kennen die Probleme vor Ort. Die Umsatzentwicklung wird sorgfältig beobachtet, denn schon geringe Fehler und Kundenverluste können dramatische Folgen haben. Während Konzerne Krisen und Managementfehler oft jahrelang „aussitzen“ und ignorieren können, müssen mittelständische Unternehmen schnell handeln und Fehler sofort korrigieren. Kleinere Unternehmen können oft auch nicht die internationale Ausrichtung optimal ein- setzen und sich die Steuervorteile in anderen Ländern zunutze machen. Sie müssen daher sehr viel härter und nachdrücklicher um neue Absatzmärkte kämpfen.

Mittelgroße und kleine Aktiengesellschaften weisen häufig ein größeres Umsatz- und Gewinnwachstum auf als etablierte Konzerne, denn diese Klein- und mittelständischen Unternehmen stehen erst am Anfang. Daher ist die Rendite, die Sie mit solchen Aktien erzielen können, oft sehr viel größer als bei Blue Chips – vorausgesetzt, Sie wählen die richtige Aktie aus. Viele Unternehmen, die noch nicht lange am Markt sind, erweisen sich möglicherweise als nicht wettbewerbsfähig und müssen aufgeben. Auch scheinbar stabile Unternehmen können durch Marketingfehler oder unzulängliche Innovationen an den Rand einer Katastrophe geraten.

Aus diesem Grund sollten Anleger, die auf einzelne Aktien setzen, vorsichtig und umsichtig agieren. In den meisten Fällen ist es besser, ein Indexzertifikat zu kaufen, das das Risiko auf eine Vielzahl von Aktien verteilt. Anleger, die sich mit einer Indexstrategie nicht zufrieden geben, können auch Anlagestrategien wählen, die zu Überrenditeeffekten führen, wie sie in einem späteren Artikel vorgestellt werden.

Aktienarten – die Small Caps

Small Caps sind die kleineren Aktiengesellschaften. Sie werden im SDAX zusammengefasst. Neben den SDAX-Werten gibt es auch Small Caps, die nicht die Zulassungsbedingungen für den SDAX erfüllen, und deshalb keinem Index zugeordnet sind.

Anders als die meisten mittelgroßen Aktiengesellschaften muss man bei Small Caps stärker differenzieren: Neben lukrativen Aktien gibt es auch Nischen- und Regionalwerte, die eine schwächere Marktposition haben. Solche Nischenwerte sind oft Familienunternehmen mit geringen Börsenumsätzen und nur lokaler Bedeutung. Bevor Sie eine solche Aktie kaufen, sollten Sie sich überlegen, ob das nicht ein zu großes Risiko bedeutet. Wenn Sie sich an einem solchen Unternehmen beteiligen, laufen Sie Gefahr, dass Sie die Aktie in einer Krisensituation nicht schnell genug veräußern können. Die Börsenumsätze sind bisweilen so niedrig, dass es im Zweifelsfall etliche Tage dauern kann, bis Sie Ihre Aktie verkauft haben. Fast alle Investmentfonds meiden Small Caps, da die niedrige Marktkapitalisierung und die geringen Börsenumsätze verhindern, dass ein Fondsmanager größere Summen investieren kann.

Natürlich gibt es auch unter den Small Caps Unternehmen, die erst am Anfang stehen und sich dank eines hervorragenden Produkts oder einer exzellenten Dienstleistung zum Shooting Star entwickeln und dem Anleger beträchtliche Gewinne bescheren. Dennoch ist es nicht einfach, solche potenziellen Highflyer ausfindig zu machen. Einige Small Caps sind Unternehmen, die regional verwurzelt sind und ein Geschäftsmodell haben, das nur bescheidene Perspektiven eröffnet.
Sie sollten sich vor einem Kauf besonders die Bilanzkennzahlen und die Börsenumsätze ansehen. In kaum einem Börsensegment sind die Unterschiede so groß wie bei den Small Caps.

Fusionen, Unternehmensübernahmen und Ihre Wirkung beim Aktienkauf

Bei einer Fusion verschmelzen zwei Unternehmen miteinander. Die Aktionäre erhalten dann in einem bestimmten Tauschverhältnis, das von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer ermittelt wird, die Aktien des neuen Unternehmens. Ob eine Fusion für die Aktionäre von Vorteil oder eher von Nachteil ist, lässt sich nicht generell beantworten. Die Unternehmensleitung weist häufig auf die Freisetzung von Synergien hin, wenn zwei Unternehmen sich ergänzen oder einen größeren Markt gemeinsam erschließen können. Trotz der möglicherweise größeren Marktmacht haben Fusionen nämlich auch deutliche Nachteile: Bei einem Zusammenschluss sind viele Abteilungen doppelt vorhanden, so dass zuerst einmal Personal abgebaut werden muss. Auch die Umstrukturierung der Unternehmensorganisation, die Neugliederung der Führungsebenen, die Vereinheitlichung von Ablaufprozessen und die Übernahme einer neuen Unternehmenskultur fordert in der Praxis ihren Tribut, so dass es zumindest in der Anfangsphase zu enormen Reibungsverlusten kommt. Konflikte sind bei der Zusammenlegung von Abteilungen und beim Vorgesetztenwechsel oft vorprogrammiert. Außerdem führen neue Mentalitäten, Arbeitsabläufe, andere Standards, verschiedene Softwaresysteme und andere Besonderheiten dazu, dass die Leistungsfähigkeit insgesamt ins Stocken gerät. Als Aktionär sollten Sie daher nach einer Fusion eingehend überprüfen, ob es nicht ratsam ist, angesichts ungewisser Zukunftsperspektiven nach dem Unternehmenszusammenschluss die Aktien zu veräußern.

Wesentlich dramatischer als eine Fusion verläuft eine Unternehmensübernahme vor allem dann, wenn es sich um eine feindliche, eine „unfriendly take-over“, handelt. In den 1980er Jahren waren solche Vorgänge an der Tagesordnung, und man nannte die Wallstreet-Tycoons, die den Angriff starteten, „Raider“. Auch heute noch nehmen freundliche oder feindliche Unternehmensübernahmen zu, da angesichts der Globalisierung und der Integration der Märkte die Unternehmen gezwungen sind, stetig zu wachsen. Der Sinn einer feindlichen Übernahme besteht manchmal darin, das Unternehmen zu zerschlagen und dann in Einzelteilen zu veräußern. Wenn eine Aktiengesellschaft beispielsweise unter ihrem Buchwert notiert, lockt dies häufig Raider an. Wenn man nämlich eine Aktienmehrheit erwirbt, kann man Einfluss auf die Unternehmensleitung nehmen und beschließen, das Unternehmen zu liquidieren. Was auf den ersten Blick unsinnig erscheint, erweist sich als profitabel. Wenn die Aktiengesellschaft unter ihrem Buchwert notiert, bedeutet dies, dass die Gesamtheit der vorhandenen Vermögenswerte (beispielsweise Maschinen, Immobilien, Patente, Vorräte) mehr wert ist als der Gesamtwert aller Aktien. Für einen Raider ist ein solches Unternehmen gleichsam ein „Schnäppchen“. Sobald er die Aktienmehrheit besitzt, wird er das Unternehmen zerschlagen und die Einzelteile verkaufen. Dadurch macht er Gewinn.

Da an der Börse bisweilen nicht genügend Aktien angeboten werden, um sich eine Aktienmehrheit zu sichern, versucht der Raider, bei den Großaktionären, beispielsweise bei Banken, Versicherungen oder Industrieunternehmen, Aktienpakete zu erwerben. Solange das betroffene Unternehmen nichts davon bemerkt, kann es keine Gegenmaßnahmen einleiten. In Deutschland aber ist es vorgeschrieben, dass der Besitz von mehr als fünf Prozent an einer Aktiengesellschaft veröffentlicht werden muss. Damit der Raider sein Opfer in einem Überraschungsangriff attackieren kann, müsste er diesen Aktienerwerb durch Strohmänner verschleiern, was hierzulande jedoch gesetzlich verboten ist.
Deshalb besteht der gängige Weg darin, den Aktionären ein Übernahmeangebot vorzulegen. In Deutschland ist es so geregelt, dass ein Aktionär, der bereits mehr als 30 Prozent der Anteile besitzt und die Übernahme anstrebt, allen anderen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten muss. Mit dieser Regelung möchte man verhindern, dass Kleinaktionäre einfach übergangen werden. Weiterhin gilt die Vorschrift, dass das Übernahmeangebot mindestens den Durchschnitt der Börsenkurse der letzten Monate erreichen muss. In der Praxis übersteigt die Offerte immer den aktuellen Kurs, denn sonst wären die Anteilseigner nicht bereit, sich von ihren Aktien zu trennen. Für Sie als Aktionär ist das von großem Vorteil; denn das Unternehmen, das die Übernahme einleiten will, muss Sie mit einem höheren Preis zum Verkauf bewegen. Der Raider hat dabei im Prinzip drei Möglichkeiten: Er kann Ihnen Bargeld anbieten, wenn Sie ihm die Aktien überlassen. Er kann Ihnen eigene Aktien zum Tausch anbieten oder Bargeld und Aktien miteinander kombinieren. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass die meisten Aktionäre Geld bevorzugen, da man nicht abschätzen kann, wie sich das Unternehmen, das den Angriff gestartet hat, nach der Übernahme entwickelt. Generell gibt es hier komplizierte Einschränkungen. Beispielsweise darf der Raider nur dann seine eigenen Aktien zum Tausch anbieten, wenn diese an einer Börse notiert sind und ausreichende Handelsumsätze vorweisen. Wenn der Raider bereits drei Monate zuvor mehr als fünf Prozent des zu übernehmenden Unternehmens in bar erworben hat, muss er zwingend ein Barangebot vorlegen.

Es gibt außerdem eine so genannte Nachbesserungspflicht; stellen Sie sich eine solche Übernahme wie ein Pokerspiel vor. Wenn der Raider zwar einige Aktionäre dazu bewegen konnte, ihm Aktien gegen ein entsprechendes Angebot zu überlassen, kann es sein, dass er noch immer nicht die Aktienmehrheit besitzt. Er wird deshalb die hartnäckigen Aktionäre, die noch nicht auf seine Offerte eingegangen sind, mit noch höheren Preisen dazu verleiten, ihm ihre Anteile zu überlassen. In Deutschland gilt in diesem Fall die Nachbesserungspflicht: Das bedeutet, der Raider muss auch allen früheren Aktionären, die auf das schlechtere Angebot bereits eingegangen sind, die Differenz zu dem höheren Angebot zahlen, damit sie nicht schlechter gestellt sind, ln der Praxis werden dann solche höheren Angebote geheim gehalten, damit der Raider nicht noch Nachzahlungen leisten muss.

Das betroffene Unternehmen kann sich nur dadurch zur Wehr setzen, dass es den Aktienkurs in die Höhe treibt, denn dann wird die Übernahme zu kostspielig. Eine solche Erhöhung des Kurses ist beispielsweise möglich, indem man die eigenen Aktien zurückkauft. Für viele angegriffene Unternehmen ist dies keine wirkliche Lösung, da ihnen die finanziellen Mittel fehlen, um ein groß aufgelegtes Aktienrückkaufprogramm zu starten. Außerdem muss ein solches Aktienrückkaufprogramm, das in Deutschland ohnehin auf zehn Prozent der umlaufenden Aktien begrenzt ist, von den Aktionären in der Hauptversammlung genehmigt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass ein solches Rückkaufprogramm nicht durch Kredite finanziert werden darf.

Ein anderer Rettungsversuch besteht darin, befreundete Unternehmen zu bitten, Aktien zu erwerben und das Übernahmeangebot des „Raubritters“ zu überbieten; es handelt sich dann um eine freundliche Übernahme (friendly take-over). Solche Retter in der Not bezeichnet man metaphorisch als „weiße Ritter“. In solch einem Fall kommt es dann zu einem Scharmützel zwischen dem bösen, schwarzen Ritter, dem Raider, und dem weißen Ritter, der mit dem Unternehmen befreundet ist. Es entbrennt eine regelrechte Bieterschlacht, von der die Aktionäre besonders profitieren, da sich der Aktienkurs im Eifer des Gefechts immer mehr hochschaukelt und Spitzenwerte erreicht.

Die verzweifelten Versuche des Topmanagements, sich gegen den Raider zur Wehr zu setzen, sind häufig besonders dadurch motiviert, dass der Vorstand bei einem gelungenen Take-over seinen Arbeitsplatz verliert. Daher wird der Vorstand unverzüglich eine Hauptversammlung einberufen und den Aktionären erklären, wie er das Unternehmen noch profitabler ausrichten kann. Hat das Management aber in der Vergangenheit nur ein mageres Umsatz- und Gewinn Wachstum erzielt, wird es schwierig sein, die Aktionäre bei Laune zu halten.
Ein anderer Trick besteht darin, Vermögenswerte, die für den Raubritter (Raider) besonders interessant sind, vorzeitig zu verscherbeln. In der Panik wird daher der Vorstand einige „Filetstücke“ des Unternehmens wie teuere Immobilien oder wertvolle Beteiligungen veräußern. Für einen Raider ist dann vielleicht das Unternehmen nicht mehr verlockend. Eine andere Taktik ist die der so genannten „goldenen Fallschirme“, bei denen der Vorstand für die Führungskräfte in aller Eile teure Abfindungsvereinbarungen beschließt, so dass der Raider nach der Übernahme beim Ausscheiden der Topmanager ungewöhnlich hohe Abfindungen zahlen muss.

Eine andere Abwehrmaßnahme besteht in einer Kapitalerhöhung; die Folge davon ist, dass der Angreifer mehr Kapital zur Verfügung haben muss, um die Aktiengesellschaft zu kaufen.

In diesem Übernahmespektakel gibt es noch eine besonders kühne Variante: Das angegriffene Unternehmen mutiert selbst zum Angreifer und attackiert nun seinerseits den Raider nach dem altbewährten Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Ein solches Vorhaben ist nur möglich, wenn der Raider selbst ein börsennotiertes Unternehmen mit genügend Streubesitz ist. Der Streubesitz oder Free Float bezeichnet die Aktien, die nicht in den Händen von Großaktionären sind. Nur ein Unternehmen, das hohen Streubesitz vorweist, lässt sich leichter übernehmen, da Kleinaktionäre eher für Übernahmeangebote empfänglich sind. Mit dem Gegenangriff muss sich das attackierte Unternehmen beeilen, denn wenn der Raider bereits ein Viertel der Anteile am zu übernehmenden Unternehmen besitzt, ist ein Gegenangriff nicht mehr möglich.

Als Aktionär können Sie von solchen Übernahmeschlachten und „Ritterscharmützeln“ nur profitieren, da der Aktienkurs des zu übernehmenden Unternehmens im Verlauf der Auseinandersetzungen deutlich steigen wird. Das ist vor allem dann der Fall, wenn der Vorstand auf den Hauptversammlungen nicht vorsorglich Maßnahmen eingeleitet hat, die vor einer Übernahme schützen oder sie zumindest erschweren.
Als Aktionär werden Sie von Ihrer Depotbank unterrichtet, wenn ein Übernahmeangebot vorliegt. Sie haben dann eine gewisse Zeit sich zu entscheiden, ob Sie das Angebot annehmen oder ablehnen möchten. In der Regel ist das Angebot für Sie lukrativ, wenn es in Bar beglichen wird und wenn es mehr als 30 oder gar 40 Prozent über dem aktuellen Börsenkurs liegt. Falls der Bieter Ihnen eigene Aktien offeriert, sollten Sie überlegen, ob die Aktiengesellschaft des Raiders wirklich interessant ist und ob das Umtauschverhältnis für Sie einen Bonus von 30 oder 40 Prozent auf Ihre alten Aktien ergibt. Prüfen Sie in einem solchen Fall genau die bisherige Gewinn- und Umsatzentwicklung, und schauen Sie sich ein paar aussagekräftige Bilanzkennzahlen an. Die Erfahrung zeigt, dass der Raider sich meist „übernimmt“ und zu viel bietet. Der Aktienkurs sinkt danach häufig, weil es Probleme bei der Integration des neuen Unternehmens gibt. Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Aktien des Raiders nicht interessant sind, ist es möglicherweise sinnvoller, das Angebot auszuschlagen.

Ein solcher Schritt ist immer sorgfältig abzuwägen; denn wenn die Frist für das Angebot abgelaufen ist, wird es für Sie als Aktionär unwägbarer. Wenn Sie Glück haben, steigen die Aktien aufgrund von Spekulationen noch weiter; im günstigsten Fall erhöht der Raider vielleicht sogar noch das Angebot für die verbliebenen Aktionäre, weil er noch keine Aktienmehrheit erreicht hat. Jedoch kann es bisweilen mehrere Jahre dauern, bis sich der Raider entschließt, die restlichen Aktien aufzukaufen. Diese Zeit kann mit unangenehmen Begleiterscheinungen verbunden sein, denn der Aufkäufer könnte beispielsweise die Aktiengesellschaft in eine andere Rechtsform wie eine Personengesellschaft umwandeln.

Sie sollten beachten, dass das Übernahmeangebot unverbindlich ist, d.h. auch wenn Sie gegenüber Ihrer Depotbank bereits eine Zusage erteilt haben, Ihre Anteile zu den jeweiligen Konditionen zu verkaufen, kann der Bieter einen Rückzieher machen, beispielsweise wenn ein befreundetes Unternehmen (ein „weißer Ritter“) der Aktiengesellschaft zu Hilfe eilt und eine freundliche Übernahme anstrebt.
Der günstigste Zeitpunkt für Sie, Ihre Aktien zu verkaufen, ist oft, sobald erste Spekulationen wegen einer Übernahme aufkeimen und an der Börse erste Gerüchte die Runde machen. Schon zu diesem Zeitpunkt setzen solche Aktien zum Höhenflug an. Auch das Übernahmeangebot kann sich noch als lukrativ erweisen. Nach dem Ende der Frist wird es für Sie als Aktionär schon viel schwieriger; denn im besten Fall kommt es zu weiteren Spekulationen, die den Kurs in die Höhe treiben oder zu einer Nachbesserung führen; im schlimmsten Fall werden Sie jahrelang hingehalten und vom Raider schikaniert.

Tatsächlich kann die Suche nach Übernahmekandidaten eine erfolgreiche Anlagestrategie sein, die zu einer Überrendite führt. Übernahmekandidaten erkennen Sie daran, dass sie an der Börse unterbewertet sind. Wenn der Buchwert eines Unternehmens den Börsenwert übersteigt, ist dies für jeden „Raubritter“ ein Schnäppchen, denn er bezahlt über die Börse für das Unternehmen weniger, als es wert ist. Die Branche sollte aus einigen großen Unternehmen bestehen, die nicht mehr als ein Drittel der Branche ausmachen dürfen, und vielen kleineren Firmen. Nur in einer solchen Konstellation ist es für die Branchenführer noch interessant, kleinere Konkurrenten zu übernehmen. In einer Branche wie der Automobilindustrie dominieren die fünf größten Vertreter mehr als die Hälfte des Marktes; unter solchen Umständen ist die Notwendigkeit, weiter zu wachsen, nicht unbedingt erforderlich. In der Branche sollte darüber hinaus ein deutlicher Wettbewerbsdruck bestehen, der die Notwendigkeit zur weiteren Expansion unumgänglich macht. Ein typisches Beispiel dafür ist die Telekommunikations- und die Logistikbranche. Für die Übernahme muss das Unternehmen über freie finanzielle Mittel verfügen. In den 1980er Jahren, der Hochzeit der Übernahmeschlachten, wurden viele der Transaktionen durch Anleihen finanziert; da diese Unternehmen mangels Finanzkraft nur über eine geringe Bonität verfügten, nannte man die Anleihen, die zur Finanzierung der Übernahme eigens aufgelegt wurden, „Ramschanleihen“ oder Junk Bonds. Einige Raider stiegen zur Zeit dieses Wallstreet-Fiebers zu legendären Multimilliardären auf.

Am Ende bleiben aber auch bei einer guten Übernahmeofferte noch immer Aktionäre übrig, die sich weigern, das Angebot anzunehmen und auf eine Nachbesserung hoffen, ln der Praxis erreicht der Bieter bei seinem ersten Angebot nur eine Zustimmung von 70 bis 80 Prozent. Die verbleibenden Aktionäre warten auf eine nächste Bieterrunde. Selbst nach einem gelungenen Take-over ist es für den neuen Eigentümer ärgerlich, wenn er das Unternehmen nicht vollständig übernehmen kann, weil ihm eine kleine Clique von Altaktionären Ärger bereitet. Der neue Eigentümer muss nämlich dann weiterhin regelmäßig Hauptversammlungen abhalten, Gebühren für die Börsennotierung entrichten, Geschäfts- und Quartalsberichte erstellen und all seinen sonstigen Pflichten nach- kommen. Aus diesem Grunde gibt es eine Regelung, dass der Großaktionär, wenn er 95 Prozent aller Anteile sein Eigen nennt, die verbleibenden Aktionäre zwangsweise abfinden kann. Man nennt einen solchen Vorgang „Squeeze-out“. Problematisch dabei ist natürlich die Höhe der Abfindung, die sich am aktuellen Börsenkurs orientieren muss. Das Unternehmen ist verpflichtet, einen Wirtschaftsprüfer zu Rate ziehen, der ein Gutachten erstellt. Viele Aktionärsvereinigungen bemängeln aber, dass solche Abfindungen häufig nicht den Vorstellungen der Altaktionäre gerecht werden. ln solch einem Fall kann der betroffene Aktionär juristische Maßnahmen ergreifen und die Offerte anfechten. Der Aufkauf der restlichen Aktien wird dadurch jedoch nicht verzögert. In dem anhängigen Verfahren wird dann nur noch über die Höhe der Abfindung entschieden, was sehr lange dauern kann. Sie sollten sich daher als Aktionär bei einer Übernahme immer überlegen, ob Sie bis zum Squeeze-out pokern möchten. Denn nicht selten liegt das Abfindungsangebot unter dem früheren Übernahmeangebot.

Wenn Sie Glück haben, können Sie allerdings auch ein weit besseres Ergebnis erzielen. Allgemeine Regeln lassen sich hier nicht aufstellen, da die Rahmenbedingungen von Fall zu Fall unterschiedlich sind.

Nach dem Squeeze-out befindet sich das Unternehmen zu hundert Prozent in der Hand des Aufkäufers. Damit wird die Börsennotierung eingestellt, da das aufgekaufte Unternehmen Eigentum eines anderen Unternehmens ist und zu diesem gehört. Die Einstellung der Börsennotierung nennt man Delisting. Ein solches Delisting ist auch möglich, wenn die Abfindung der restlichen Aktionäre noch nicht stattgefunden hat. Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse kann der neue Großaktionär in der Hauptversammlung durchsetzen, dass ein Delisting noch vor dem Squeeze-out durchgeführt wird. Wenn die Hauptversammlung mehrheitlich zustimmt, was angesichts der Dominanz des Großaktionärs höchstwahrscheinlich ist, wird das Delisting eingeleitet. Die Frist dafür beträgt sechs Monate. Als Aktionär sollten Sie dann möglichst schnell Ihre Aktien verkaufen, da nach dem Ablauf des halben Jahres die Börsennotierung endgültig eingestellt wird. Dann können Sie Ihre Aktien nur noch privat verkaufen – es gibt keine offiziellen Börsenkurse mehr, was ein enormes Risiko darstellt und immer zu beträchtlichen Verlusten führt.