Börse für Anfänger – die Herrscher der Finanzmärkte

Jeder, der sein Geld in irgendeiner Weise anlegt, ist damit auch ein Teil des Finanzuniversums. Und selbst wer das nicht tut, wird von den Bewegungen, die in diesem Universum vorgehen, nicht unberührt bleiben. Besonders deutlich zu erleben ist das in Krisensituationen, wie zum Beispiel der Asienkrise, als durch hoch spekulative Währungsgeschäfte der mühsam errungenen Lebensqualität von Millionen Menschen plötzlich wieder der Boden entzogen wurde.

Alles hängt heute mit allem zusammen. Das Wirtschaftswachstum in den USA beeinflusst die Börse in Tokio. Die Unternehmenspleiten in Japan haben Folgen für die Zulieferer in Europa. Irgendein großer Auftrag wird storniert, dann noch einer, und plötzlich klappt ein Unternehmen am Neuen Markt zusammen. Man muss also sowohl die Details als auch das große Ganze im Auge behalten. Deshalb ist es auch gut zu wissen, welche Institutionen und Menschen in diesem Universum die größte Wirkung auf die Wirtschaft haben.

Investmentbanker, Fondsmanager und Finanzanalysten bestimmen ganz entscheidend das Marktgeschehen – und nicht die Masse der einzelnen Aktionäre mit ihrem Kaufverhalten, denn diese verhalten sich in der Summe ihrer Aktivitäten so wie der Gesamttrend. Er ist immer wie eine Lawine, die alles mitreißt. Aber die meisten Lawinen werden von irgendjemandem losgetreten. Von Leuten, die an den richtigen oder auch an den falschen, immer aber an den entscheidenden Stellen sitzen.

Aber die Investmentbanker, die Fondsmanager und die Finanzanalysten sind nicht allein. Ihnen zur Seite stehen noch die Medien. Auch sie können Lawinen auslösen. Wie gefährlich so etwas wird, für die Anleger und für die Glaubwürdigkeit der unabhängigen Presse, wissen wir nicht nur aus den USA. Deshalb ist eine ebenso fundierte wie korrekte Berichterstattxing außerordentlich wichtig, als Gegengewicht zur schrillen Sensationsmache. Und dann sind da noch einige wenige Schlüsselfiguren. Einzelne Menschen mit so viel Macht und so viel Einfluss, dass sie manchmal selbst davor erschrecken.

Das Milliarden-Dollar-Universu
Erinnert sich noch irgendjemand an die Zeiten, als die Unternehmen noch richtige Produkte herstellten, nicht nur irgendwelche Software oder Systemlösungen, und als sie dann einmal im Jahr ihren Aktionären eine richtige Dividende zahlten und nicht nur große Versprechen für die Zukunft ab- gaben? Es gibt sie noch, diese Werte schaffenden Unternehmen, nur spielen sie in der Welt der Finanzsensationen kaum mehr eine Rolle. Die Linde AG in Wiesbaden stellt Industriegase und Gabelstapler her. Sicher keine Produkte, die die Kursfantasie so beflügeln wie die Spielfilme von EM.TV, aber man konnte damit den Umsatz in den vergangenen zehn Jahren von 3,1 auf 8,4 Milliarden Euro steigern.

Die MAN AG ist ein weiteres Beispiel. Der Maschinenbauer hat in den vergangenen sechs Jahren jedes Mal die Dividende erhöht, und ihr Gewinn stieg zwischen Juli und Dezember 2000 um 15 Prozent. Das Einzige, was nicht nach oben ging, waren die Aktienkurse. Den Spekulanten bleibt bei einer an die realen Dinge geknüpften Aktie offensichtlich zu wenig Platz für die Spekulation. Es scheint keinen Spaß zu machen, sich wie auf einer Rolltreppe gemächlich, aber sicher nach oben zu bewegen. An der Börse ist offensichtlich nur noch Bungeespringen angesagt. Kopfüber nach unten und dann mit einem Ruck nach oben, so lange, bis es wieder abwärts geht. Wem es Spaß macht, der soll es tun, aber leider müssen auch alle anderen mit. Denn Tatsache ist: Die Finanzwelt hat sich von der Welt der Waren abgekoppelt und führt ein Eigenleben in einem eigenen Universum mit eigenen Gesetzen und neuen Regeln.

Wie ist es zu dieser Abkoppelung gekommen? In erster Linie hat die rasante Entwicklung in der Informationstechnologie Schuld. Wenn man hier überhaupt von Schuld sprechen will, denn für die meisten Menschen, die gern ein etwas größeres Stück vom großen Wohlstandskuchen abhaben wollen, ist es ein Glücksfall, was da in den vergangenen zehn Jahren passiert ist.

Die neuen Informationstechniken haben den Unternehmen, Banken und auch den Regierungen die Veränderungen förmlich aufgezwungen. Freiwillig wollte sich doch niemand von seinem Wissensvorsprung, den damit verbundenen fetten Renditen und von den säuberlich aufgeteilten und staatlich geschützten Jagdrevieren trennen. Alle hatten sich so behaglich eingerichtet, und dann wirbelten junge Leute, die es dem Establishment wieder einmal zeigen wollten, mit der modernen Technik alles durcheinander.

Im 19. Jahrhundert wurde der Wissensvorsprung anfangs noch in Tagen gemessen und war abhängig von der Geschwindigkeit der reitenden Boten, dann kamen die Brieftauben, welche die entscheidenden Botschaften innerhalb Zentraleuropas schon in wenigen Stunden verbreiten konnten. Telegraf und Telefon führten den Minutentakt ein.

Wer heute jünger als 30 Jahre ist, wird mit dem Begriff Fernschreiber kaum noch etwas anfangen können. Man kennt sie nur noch aus alten Filmen, wenn die neuesten Nachrichten auf Lochstreifen aus so genannten Tickern liefen und die Börsen und Zeitungsredaktionen in hellen Aufruhr versetzten. 1965 kamen die ersten Telefaxgeräte in Deutschland auf den Markt, so groß wie ein Kühlschrank, sauteuer und unendlich langsam. Die ersten Mobiltelefone für das C-Netz gab es Anfang der neunziger Jahre, man musste sie noch an einem Riemen über der Schulter tragen, denn Akku und Sendeteil wogen einige Kilo, und die Telefone kosteten 10 000 Euro – pro Stück! Keine Rede von Nulltarif! Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Aber all das trieb die immer schnellere Verbreitung von Informationen voran, machte sie immer billiger und für immer mehr Menschen verfügbar.

Wissen ist seit Mitte der achtziger Jahre kein exklusives Gut mehr. Wer das Geld hatte, sich die jeweils beste Technik nach dem neuesten Stand zu kaufen, hatte die Nase vorn. Aber die Vorteile des Informationsvorsprungs blieben den großen Unternehmen und Banken oder den reichen Privatpersonen nur ein paar Jahre lang Vorbehalten. Heute kann man schon mit jedem Aldi-Computer und einem Telefonanschluss rund um die Welt Geschäfte machen und Millionen verdienen. Worauf es heute im Endeffekt ankommt, ist Tempo und eine gehörige Portion Wissen. Man muss sich einmal vorstellen, welche Chancen sich damit auftun.

Die Computernetzwerke bieten für eine Entscheidung nur noch den Spielraum von wenigen Sekunden, bevor Nachrichten die Kurse purzeln oder steigen lassen. Rund um den Globus belauern Hunderttausende von Menschen ihre Bildschirme, um bloß keine Nachricht oder ein Angebot zu verpassen, das ihnen Gewinn bringt. Und was, wenn eine Nachricht einmal falsch ist? Gleich sind Millionen futsch.

Brancheninsider werden sich noch schmerzlich an den 22. April 1993 erinnern, als durch ein bis heute nicht aufgeklärtes Missverständnis zu nächst von verschiedenen Nachrichtenagenturen gemeldet wurde, dass die Leitzinsen unverändert bleiben, und dann, drei Minuten später – heute wäre das eine Unendlichkeit —, dass die Bundesbank den Diskont- und Lombardsatz senkt. Der Dollarkurs machte in dieser kurzen Zeit einen Kurspmng von 1,5950 auf 1,6150 Euro. Die durch die Fehlmeldung entstandenen unerwarteten Gewinne und Verluste dürften sich bei einem damals normalen Handelsvolumen von 0,7 Milliarden Dollar pro Minute auf mindestens drei Millionen Euro belaufen haben. Heute würde es schon um viel mehr gehen, denn die Finanzmärkte sind so schnell gewachsen wie kein anderer Wirtschaftszweig.

Die Mobilität des Geldes
Allein im Devisenhandel werden täglich zwei Billionen Dollar rund um die Welt geschoben, und da in der Finanzwelt jeden Tag 24 Stunden gearbeitet wird, sind das 730 Billionen im Jahr. 1999 wurden in Banken und Brokerhäusern außerdem Derivate im Wert von 81,5 Billionen Dollar gehandelt. Dagegen nimmt sich das, was an den sechs größten Aktienbörsen der Welt passiert, geradezu niedlich aus.

Umsatzrenner war 1999 die Nasdaq mit 20,5 Billionen Euro, gefolgt von der NYSE mit 17,4 Billionen Euro. London und ein paar andere kleinere Börsenplätze auf der Insel brachten es auf 6,6 Billionen Euro. Dann kommen Tokio und Osaka mit zusammen nur noch 3,7 Billionen Euro. Deutschland liegt mit seinen Börsen knapp dahinter, 3 Billionen Euro Umsatz. Schlusslicht ist Frankreich mit knapp verfehlten 1,5 Billionen Euro.

Eine Sonderstellung haben zurzeit noch die beiden chinesischen Börsen in Schanghai und Schenzen. Es sind die am schnellsten wachsenden Börsen der Welt, an denen immerhin 1100 Unternehmen mit einem Aktienwert von einer halben Billion Euro notiert sind. Rund 50 Millionen Chinesen besitzen schon Aktien, aber die Regeln des chinesischen Marktes sind noch so verschlungen, dass sich kein Europäer zurechtfinden würde – selbst wenn er bald die Möglichkeit bekäme, auch dort zu spekulieren. An Chinas Börsen gelten noch viele ungeschriebene Regeln, die Insidergeschäfte (welcher Europäer ist außer Lars Windhorst in China schon Insider) und Bilanzfälschungen zur Tagesordnung gehören lassen. Besser Finger weg!

An den großen Aktienbörsen in Europa, den USA und Japan wurden 1999 also bloß Aktien im Wert von 52,5 Billionen Euro umgesetzt, nicht Dollar. Im Vergleich zu den Devisengeschäften ein Pappenstiel, auch wenn eine Billion immerhin 1 000 Milliarden sind, also eine Zahl mit zwölf Nullen. Bei diesen Summen wird den meisten ganz schwindelig, wenn sie sie mit den Werten vergleichen, die sie selbst in ihrem Aktiendepot liegen haben. Und wahrscheinlich geht es den Politikern ebenso, denn der gesamte Bundeshaushalt 1999 sah Ausgaben in Höhe von 243 Milliarden Euro vor, weniger als ein Zweihunderstel von dem, was an den internationalen Börsen über den Tisch ging.

Die Summen, die an den Börsen täglich bewegt werden, sind fast doppelt so hoch wie die Währungsreserven aller Zentralbanken. Staaten müssen sich dieser Macht beugen, ob sie wollen oder nicht; schließlich finanzieren sie über den Kapitalmarkt ihre Schuldenlast. Die Staaten sind erpressbar geworden, sagt George Soros, und der sollte es ja wissen, denn immerhin spielt er in der ersten Liga der Finanzwelt.

Offensichtlich sind mit der Globalisierung und Vernetzung auch die Abhängigkeiten gewachsen. Unternehmen, Banken, Börsen, die Superreichen und die Staaten – alle werden Stunde um Stunde enger miteinander verknüpft, und das große Bindemittel ist das Geld, was nicht mehr in Säcken schwer bewacht durch die Weltgeschichte gefahren werden muss, sondern sich nur noch als Recheneinheit in irgendwelchen Computern befindet und sich sofort verdünnisieren kann, wenn irgendwo Gefahr droht. Milliarden verlassen auf einen Knopfdruck in den USA ihren Platz auf den Konten in Asien. So fangen Krisen an, aber so kann man sie auch verhindern.

Die Kehrseite des Dollars
Anfang 2001 haben die Amerikaner völlig überraschend ihre wichtigsten Zinsen gleich zwei Mal gesenkt, weil Rezession drohte und ihre Exporte wegen des starken Dollars fast schon dramatisch gesunken waren. Die Amerikaner pochen zwar stets auf einen starken Dollar, was viel mit dem Selbstwertgefühl zu tun hat, aber die Schattenseiten traten auf, als der Dollar an den Devisenmärkten in dem Umfang stieg, wie andere Währungen, vor allem der Euro, fielen. Das war ein echter Wettbewerbsvorteil für Exporte in die USA. Für die US-Wirtschaft war das alles unproblematisch, als sie auf der Wöge des Glücks mit einem in der Geschichte beispiellosen Wirtschaftsboom ritten. Aber als die Welle an Kraft verlor, kam der Bumerang zurück. Nach 5 Prozent Wachstum Ende 2000 ein Schrammen an der Null, wie der mächtige Alan Greenspan, Chef der amerikanischen Notenbank, vor dem Senatsausschuss sagte. Jetzt hatten die Amerikaner ihren Salat: Wirtschaftwachstum gen Null und die Exporte in den Rest der Welt fast ebenso. Schwierig, den Amerikanern angesichts dieser Lage beizubringen: Ein schwacher Dollar würde euch helfen, die Exporte anzukurbeln. Das würde der Durchschnittsamerikaner wohl psychologisch nicht verdauen. Für uns Deutsche wäre das kein Beinbruch. Wir lieben zwar unsere EURO (und müssen jetzt den Euro lieben lernen), lebten aber seit Kriegsende immer mit ihrem stark schwankenden Wechselkurs. Drum hieß es bei uns ja auch: Wie viel Dollar ist denn eine Euro wert? Mit stets bangem Blick auf die Situation an den Devisenmärkten. Der Amerikaner aber sagt stoisch: Ein Dollar ist ein Dollar.

Das virtuelle Milliardenspiel
Anfang der siebziger Jahre lag das tägliche Volumen im Devisenhandel bei 15 Milliarden Dollar, 1995 bei 1,6 Billionen und 1999 bei 2 Billionen Dollar. Der internationale Warenhandel hatte 1999 ein Volumen von 5,47 Billionen Dollar. Nur ein knappes Prozent der Devisentransfers diente also der realen Abwicklung von Handelsgeschäften, 1977 waren es noch 28,5 Prozent.

Währungsoptionen, das heißt das Recht, eine Währung zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu einem bestimmten Kurs kaufen oder verkaufen zu können, waren ursprünglich geschaffen worden, um Handelsgeschäfte mit dem Ausland abzusichern. Heute sind mehr als 99 Prozent des Handels mit Währungen reine Spekulation auf zukünftige Wechselkurse. Wettgeschäfte, wenn man so will, von denen aber manchmal das Wohl oder Wehe ganzer Nationen abhängt. Es war der Abbau der Kapitalverkehrskontrollen in den vergangenen 25 Jahren, der dazu führte, dass die Spekulationen nahezu keinen Kontrollen mehr unterliegen und sich die Welt zu einem globalen Kasino entwickelt hat. 1995 wurden für die damals unvorstellbare Summe von 41 Billionen US-Dollar Derivate, das sind in erster Linie Termingeschäfte als Verpflichtungen (Futures) und Optionen, gehandelt. Seither verdoppelte sich der tägliche Umsatz mit Derivaten, und der größte Teil des Handels findet außerhalb der Börsen statt, in Banken und Brokerhäusern. An den Terminbörsen waren 1999 nur Derivate im Wert von 17 Billionen Dollar notiert, als Optionen, Futures und Swaps.

An den zehn größten Terminbörsen weltweit wurden 1999 zusammen mehr als 1,5 Milliarden Kontrakte gehandelt. Die Eurex, der deutsch schweizerische Terminmarkt, hat 1999 rund 374 Millionen Optionen oder Futures umgesetzt, damit steht sie weltweit an der Spitze vor den amerikanischen Börsen CBOT (Chicago Board of Trade) mit 255 Millionen Kontrakten, CBOE (Chicago Board Option Exchange) mit 254 Millionen und CME (Chicago Mercantile Exchange) mit 201 Millionen. Die Europäische Terminbörse Eurex sitzt in Frankfurt am Main. Das wissen die meisten aber gar nicht. Sie ist 1998 aus dem Zusammenschluss der deutschen Terminbörse DTB und der schweizerischen Terminbörse Soffex entstanden. Ziel dieser Fusion war die Schaffung einer gemeinsamen Handelsplattform und die Angleichung der jeweiligen Palette der handelbaren Produkte.

An der Eurex gab es nie ein Börsenparkett, der Terminhandel läuft vollelektronisch per Computer ab. So war es auch schon bei ihrer Vorgängerin, der Deutschen Terminbörse. Schon dort konnten deshalb nicht nur die Händler in Frankfurt am Börsengeschehen direkt teilnehmen, sondern alle Händler und Kunden bundesweit, und heute hängt ganz Europa an den Glasfaserkabeln.

Seit der Gründung der Eurex arbeitet man mit verschiedenen anderen europäische Terminbörsen zusammen, sodass der Kunde jetzt auch grenzüberschreitend handeln kann. Inzwischen ist aufgrund einer engen Kooperation mit der Warenterminbörse in Chicago CBOT auch ein Handel in Amerika möglich. Zugangspunkte zum Handel, so genannte Access Points, außerhalb Deutschlands und der Schweiz befinden sich derzeit in Amsterdam, Chicago, Helsinki, London, Madrid und Paris. New York, Tokio, Hongkong und Sydney sollen bald folgen.

Schon im ersten Jahr ihres Bestehens konnte die Eurex die vorher führende Londoner Terminbörse Liffe überholen. Im Jahr 2000 hat sich das an der Eurex gehandelte Volumen auf 454 Millionen Kontrakte weiter erhöht, und im Januar 2001 wurde mit 53,5 Millionen Kontrakten ein neuer Rekord-Monatsumsatz erzielt. Das sind 33 Prozent mehr als genau vor einem Jahr und gleichzeitig der mit weitem Abstand höchste Monatsumsatz, der je an einer Terminbörse erzielt wurde.

In diesen Bereichen, dem Devisen- und dem Termingeschäft, wird ein Privatanleger jedoch kaum einen Fuß auf den Boden bekommen. Die Termingeschäfte als Wetten auf zukünftige Preise haben nur noch wenig mit dem realen Güterhandel zu tun. Es geht fast ausschließlich um Spekulation auf zukünftige Veränderungen. Aber auch der Privatanleger hat noch genug andere Möglichkeiten, reich oder arm zu werden.

Börse für Anfänger – Vom Sparer zum Anleger

Auch wenn es den Reichen und Superreichen besonders gut geht: Wer sich zur Mittelschicht zählt, kann auch nicht klagen. Wie das Prognos-Institut ermittelte, verfügt derjenige, der im Zentrum des statistischen Spektrums steht, immerhin über ein Immobilienvermögen im Werte von 32 000 Euro und über ein Geldvermögen in Höhe von 25 500 Euro. Damit lässt sich doch schon etwas anfangen. Für die Dresdner Bank steht außer Frage, dass das Einkommen aus Geldvermögen in seiner Bedeutung immer mehr gewonnen hat. In den neunziger Jahren machte das Einkommen aus Arbeit um 21 Prozent aus, das Einkommen aus Vermögen jedoch um 34,5 Prozent. Also, Leute, ihr müsst euer Geld nur richtig anlegen! Auch da rechnet die Dresdner Bank ihren Kunden vor, dass man in 25 Jahren Millionär werden kann, wenn man monatlich zwischen 200 und 250 Euro anlegt – es kommt eben nur drauf an, wie.

Das Wichtigste ist, dass man den Schritt von der Darlehenswirtschaft zur Investitionswirtschaft wagt. Was bedeutet das? In der Darlehenswirtschaft verleiht man sein Geld an andere, damit die damit ihr Unternehmen aufbauen können und Profite machen. Dafür zahlen sie Zinsen, die natürlich geringer sind als die Gewinne, denn sonst würde sich für sie die ganze Veranstaltung ja nicht lohnen. Nichts anderes macht man ja mit seinem normalen Sparbuch, bloß dass man der Bank oder der Sparkasse auch noch ein ordentliches Häppchen abgibt. In der Investitionswirtschaft schlägt man sich gleich auf die Seite der Unternehmer und beteiligt sich am Unternehmen direkt – und damit auch an den zu erwartenden Gewinnen. Diesen Überlegungen sind bis zum Jahr 2000 immerhin über 11 Millionen Deutsche gefolgt, die Aktien oder Anteile von Aktienfonds gekauft haben. Seit 1992 ist die Zahl der direkten Aktienbesitzer von 3,98 Millionen um 56,4 Prozent gestiegen. Ich kann nur sagen: weiter so!

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Aktienbestände

der privaten Haushalte zwischen 1950 und 1999 außerordentlich stark gestiegen sind, nämlich von 3,4 Milliarden auf 87,5 Milliarden Euro, dass prozentual jedoch ihr Anteil am Aktienbesitz von 46,8 Prozent im Jahre 1950 auf 17,8 Prozent im Jahre 1990 zurückgegangen ist. Bis zum Jahr 1996 sackte er sogar auf 16,8 Prozent. Welchen Grund hat diese merkwürdige Entwicklung? Ganz einfach: Unternehmen, Banken und Versicherungen haben sich ebenfalls Aktien zugelegt. 1950 besaßen Unternehmen nur Aktien im Wert von 1,3 Milliarden Euro, das machte gerade mal 18 Prozent des Aktienbestands aus. 1990 hatten sich die prozentualen Verhältnisse des Aktienbesitzes dann fast umgekehrt. Da besaßen die Unternehmen nämlich 43,4 Prozent. Das Deutsche Aktieninstitut ist mit dieser Entwicklung nicht besonders glücklich. Besser wäre es, wenn mehr Privatleute über Aktien verfügten und so die geballte Macht von Unternehmen, Banken und Versicherungen etwas eindämmen könnten. In den USA und in Großbritannien besitzt schon jeder zweite Haushalt Aktien.

Warum kauft also nicht jeder Bundesbürger Aktien? Auf diese Frage hat das Deutsche Aktieninstitut Antworten gesammelt, die man mögen kann oder auch nicht. Es hat ermittelt, dass der durchschnittliche Geldanleger 30 bis 40 Jahre alt ist und männlich. Er befindet sich in leitender Angestelltenfunktion, ist selbstständig oder Beamter, und er hat ein Nettoeinkommen zwischen 3 000 und 4 000 Euro im Monat. Das ist natürlich viel Geld, aber vielleicht sollten sich die Leute, die netto etwas weniger in der Lohntüte haben, auch mal überlegen, was sie mit ihrem Geld Sinnvolles anstellen könnten. Immerhin sagen mehr als 50 Prozent in der für Anleger typischen Altersklasse, dass sie zurzeit kein oder zu wenig Geld zum Anlegen hätten. Dass sie sich mit Aktien zu wenig auskennen würden, ist das Argument von weniger als einem Drittel der Befragten. Man könnte also sagen, das Know-how ist da, aber die Kohle fehlt. Das Aktienrisiko spielt nicht einmal für ein Viertel von ihnen eine Rolle, und dass Aktien nur was für reiche Leute seien, glauben lediglich 12 Prozent. Also, was denn nun? Informationen haben sie, welche Aktien gerade attraktiv sind, nur 14,4 Prozent glauben nicht zu wissen, was gerade läuft, für 90 Prozent ist auch das Geschehen an der Börse transparent, und die Gebühren und Spesen sind nur für rund 7 Prozent zu hoch.

Im Grunde genommen behaupten alle, sie wüssten Bescheid, und die Konditionen wären auch nicht schlecht – und kneifen trotzdem. Das kann doch wohl nicht sein! Eigentlich sollte man den 11 Millionen, die den anderen jetzt schon vormachen, wie es geht, ein Denkmal setzen. Dafür gäbe es übrigens auch noch andere Gründe. Denn der deutsche Kleinanleger hat im vergangenen Jahr so extreme Situationen und Härtetests durchstehen müssen wie seit 1994 nicht mehr. Viel Geld und viele Hoffnungen sind im Börsenjahr 2000 im Neuen Markt verbrannt worden. Was hatte man dem Kleinanleger nicht alles für Versprechungen gemacht! Aber er hat nicht groß gejammert oder die Analysten beschimpft, die hoch bezahlten und raren jungen Damen und Herren, die früh das Börsengras wachsen zu hören glaubten und voll auf die Nase fielen. Nicht einmal Ron Sommer wurde in die Wüste gejagt, obwohl dessen zwei Börsennummern, T-Aktie und T-Online, extrem schlecht liefen und die Leitfiguren aus der Werbung, Manfred Krug und Robert T-Online, nach den Börsengängen sang- und klanglos verschwanden. Erst die Leute heiß machen, besonders bei der dritten Tranche der T- Aktie, und dabei geschickt die drohende Zuteilung an die Wand malen (Motto des Kleinanlegers: Hoffentlich kriegen wir welche, Liebling …), dann den Markt entscheiden lassen. Und der ist nun einmal gnadenlos. Von wegen Shareholder-Value.

Aber gut, 2000 ist vorbei. Und wie immer kamen die Bedenkenträger, die alles haben kommen sehen, zu spät.

Der Weg vom Marktplatz zum Börsenparkett

Erstmals erwähnt wird der Begriff Börse im Jahre 1409, als die erste Einrichtung dieser Art in Brügge gegründet wurde, dem damaligen Haupthandelsplatz des Nordens. Die Börse in der flämischen Stadt wurde nach Vorbildern aus der führenden Handelsnation jener Zeit, Italien, organisiert. Erst über 100 Jahre später, nämlich 1540, entstanden in Nürnberg und Augsburg die ersten deutschen Börsen. Hamburg folgte 1558 und die Frankfurter Börse wurde ebenso wie die in Antwerpen 1585 gegründet. Aber all diese Börsen hatten noch nichts mit den Einrichtungen zu tun, die wir heute kennen. Es waren in erster Linie Tausch- und Wechselbörsen, an denen Währungen getauscht und Wechsel sowie Rentenbriefe gehandelt wurden. Der Begriff Aktie wird erst im Jahre 1606 erstmals in den Niederlanden erwähnt.

Unternehmensanteile, die so etwas Ähnliches wie Aktien darstellten, waren die so genannten Kuxe. Diesen Begriff gibt es seit 1477. Bei einem Kux handelt es sich um ein Anteilsrecht an einer bergrechtlichen Unternehmung. Kuxe wurden zwar erst viel später an den Börsen gehandelt, spekuliert haben die Eigentümer aber schon sehr früh damit. Im 15. Jahrhundert ging es beim Bergbau nicht um Kohle oder Eisenerz, sondern um die Erschließung neuer Edelmetallvorkommen. Die Kosten dafür waren so hoch, dass sie ein einzelner Kapitalgeber nicht mehr aufbringen konnte, ob er nun ein Kaufmann war oder ein Landesherr.

Natürlich waren die Risiken des Bergbaus damals und auch in den folgenden Jahrhunderten weitaus größer als heute und die Erfolgsaussichten einzelner Unternehmungen weitaus geringer, da die Möglichkeiten der Exploration noch in den Kinderschuhen steckten. Man musste einfach anfangen zu buddeln und sehen, was kommt. Es gab also zwei Gründe, die Kosten eines solchen Unternehmens aufzuteilen: einerseits die Höhe der Summe, die ein Einzelner nicht aufbringen konnte oder mochte, und zum anderen das damit verbundene Risiko. Das waren auch noch in den kommenden Zeiten die beiden Hauptgründe, um Instrumente wie Aktien ins Leben zu rufen. Anteile gab es deshalb auch an Schiffen und Handelsreisen, und das bereits zu Zeiten der Hanse.

Richtig Tempo kam in dies Geschäft aber erst, als Ende 1600 in England die East India Company gegründet wurde. Zwei Jahre später zogen die Holländer mit der Vereinigten Holländisch-Ostindischen Kompanie nach. Mit den verbrieften Anteilen an diesem Unternehmen begann der Handel zuerst an der Amsterdamer Börse, die etwa seit 1530 existierte.

1609 belief sich der Wert einer Aktie der Holländisch-Ostindischen Kompanie auf 3000 Gulden. Das war so viel, dass die Kaufleute die Aktien in Zehntel, so genannte Ducatons, aufteilten, die nur noch als Bucheintrag verwaltet wurden. Aktien wurden also zu Beginn nur zur Finanzierung besonders risikoreicher Unternehmen ausgegeben, die zugleich hohe Gewinne ermöglichten, immerhin wurden Dividenden zwischen 25 und 75 Prozent in Aussicht gestellt. Von Anfang an galten Aktien und Ducatons als so genannte Spekulationspapiere. Wobei sich die Spekulation nicht auf das Verhalten der anderen Börsenteilnehmer bezog, sondern auf den Erfolg der Handelsreisen.

In den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts konnte man dann das erste Mal einen weiteren Aspekt der Aktie neben der Risikostreuung und der Kapitalbeschaffung beobachten, nämlich die Hoffnung auf Spekulationsgewinne, die sich auf den Erwartungen anderer Spekulanten gründete. In den Niederlanden war die Tulpe als Zierpflanze zu einem kostbaren und teuer bezahlten Statussymbol geworden, wenn sie das richtige Muster und die richtigen Farben hatte. Weil Tulpenzwiebeln begehrt, aber rar waren und immer mehr Bürger sie besitzen wollten, vervielfachte sich in den Jahren zwischen 1634 und 1636 der Wert einer Tulpenzwiebel fast auf das Neunfache, wenn sie die gewünschten Eigenschaften in sich trug.

Aber inzwischen ging es gar nicht mehr darum, Haus und Garten mit schönen Pflanzen zu schmücken, sondern Gewinn mit den immer teurer werdenden Zwiebeln zu machen. Jeder hoffte, dass die Tulpenzwiebeln, die er erwarb, schon kurze Zeit später viel mehr wert sein und ihm von anderen zu noch höheren Preisen abgekauft werden würden. Dieser Hoffnungsspirale wurde im Februar 1634 die Dynamik genommen, als es hieß, dass der Zwiebelhandel vonseiten des Staates reglementiert werden sollte, um diesen Auswüchsen ein Ende zu machen.

Schlagartig brach der Markt zusammen. Die Preise fielen im Stundentakt, und zum Schluss ging es wieder nur noch um das, was es mal war, nämlich um Tulpenzwiebeln und nicht mehr um große Gewinnerwartungen. Verlierer waren einerseits die Züchter und andererseits die Spekulanten, die teilweise Haus und Hof für eine einzige Blumenzwiebel versetzt hatten.

Aktienkauf für Anfänger – Gebühren, Empfehlungen usw.

In der täglichen Praxis des Börsengeschäfts ändert sich vieles rasant schnell: Was heute noch gesichert war, ist morgen vielleicht schon überholt, vergangen, vergessen. Fast täglich neue Spielregeln auf den Finanzmärkten. Wer Aktien in London oder Madrid kaufen wollte, wurde von deutschen Instituten für diesen Ausflug regelrecht bestraft: drastische Gebühren im so genannten grenzüberschreitenden Verkehr. Auch das ist Schnee von gestern. Trendwende auch bei Rolf Breuer, Chef der Deutschen Bank: Wenn unsere Bank eine Order erhält, muss es dem Kunden völlig egal sein, wie wir das machen, es muss so preiswert sein wie ein Inlandsauftrag! Welch ein Wandel gerade beim Branchenprimus! Aber: Da alles globalisiert wird/ ist und clevere private Dienstleister mit preiswertem Aktienhandel über alle Grenzen hinweg vorpreschen, geraten die Etablierten auch hier unter Druck. Da läuft mit fetten Gebühren nicht mehr viel. Prima für den Anleger!
Hier ein paar Anregungen und Fakten für die Geldanlage.

Wo und wie man Aktien kauft und was es kosten kann
Aktien kann man bei allen Banken oder Sparkassen kaufen, bei Direktbanken und natürlich auch bei speziellen Onlinebrokern. Allerdings ist die Palette der Dienstleistungen ebenso unterschiedlich wie die damit verbundenen Kosten. Geschenkt gibt es nichts. Deshalb sollte man unbedingt Kostenvergleiche anstellen.

Zunächst sind da einmal die Gebühren für den Kauf oder Verkauf von Aktien, auch Provision genannt. Ihre Höhe richtet sich nach der Höhe des auszuführenden Kundenauftrags. Zusätzlich zu den Provisionen fallen bei den meisten Finanzdienstleistern Depotgebühren an, die sich nach der Zahl der Posten und dem gesamten Depotwert richten. Und damit sind wir auch schon mitten drin im Gebührendschungel. Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten alle Banken und Sparkassen eine Art Einheitstarif für Aktiengeschäfte mit Privatkunden. Sie verlangten beim Kauf oder Verkauf 1 Prozent Gebühr vom Aktienwert. Allerdings musste man mit einem Auftrag immer gleich 50 Aktien kaufen. Da läpperte sich schnell einiges an Gebühren zusammen.

Heute kann man auch einzelne Aktien kaufen, dafür sind die Berechnungsgrundlagen komplizierter geworden. Die Gebühren sind in der Regel bei Direktbanken und -brokern niedriger als bei den Filialbanken, zum Teil um bis zu 50 Prozent. Mal gibt es feste, mal gestaffelte Prozentsätze und bei vielen Banken auch eine Mindestgebühr oder einen Grundpreis, dem dann wiederum bestimmte Prozentsätze zugeschlagen werden. Das Berechnen der Gebühren kann unter Umständen komplizierter werden als die Entscheidung, welche Aktie man kaufen sollte.

Ohne Depot geht’s nicht
Bei den Depotführungsgebühren ist es ganz ähnlich wie bei den Transaktionsgebühren. Manchmal gibt es das Depot schon zum Nulltarif. Das Depot ist übrigens nicht so eine Art Schließfach, in das ihre Aktien gelegt werden und dessen Inhalt man Ihnen auf Wunsch vorzeigt.

Ein Depot ist nichts weiter als eine Auflistung der verwalteten Wertpapiere. Die Aktien existieren zwar körperlich, liegen aber zu Millionen gestapelt in zentralen Tresorräumen. Ganze Paletten voller Aktien gibt es dort, und sie bewegen sich auch nicht von der Stelle, wenn sie verkauft werden. Sollte ein Aktionär darauf bestehen, dass ihm seine Aktien tatsächlich ausgehändigt werden, ist das, da völlig unüblich, für ihn ein wirklich teures Vergnügen. Die Gebühren für die Aushändigung übersteigen leicht das, was man für ein Depot hätte zahlen müssen. Es macht den Banken und Sparkassen nämlich echt Arbeit, während die Depotführung Sache des Computers ist und ein Rechenvorgang so gut wie nichts kostet.

Wenn Sie sich für einen Finanzdienstleister entschieden haben, müssen Sie also zunächst ein Depot eröffnen, bevor es mit dem Aktienkauf losgehen kann. Dazu benötigen Sie aber auch noch ein Verrechnungskonto, über das die Orders abgerechnet und sämtliche Gutschriften oder Belastungen abgewickelt werden. Auch dafür gibt es bei den verschiedenen Anbietern wieder unterschiedliche Lösungen mit unterschiedlichen Kosten.

Das Risiko trägt der Kunde
Wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen als Neuling im Aktiengeschäft zu Beginn ein paar indiskrete Fragen gestellt werden. Banken, Sparkassen und Broker müssen das tun, denn sie sind dazu per Gesetz verpflichtet.

Wenn ein Angestellter eines Finanzdienstleisters die Risikoaufklärung im Beratungsgespräch missachtet, kann sein Institut unter Umständen von Ihnen haftbar gemacht werden, falls Sie einen Schaden erleiden. Deshalb wird man Sie nach Ihrem Verdienst, nach Ihrem Vermögen und Ihren bisherigen Erfahrungen mit Geldanlagen fragen. Auch wird man wissen wollen, welche mittel- und langfristigen Ziele Sie erreichen wollen, um Sie in eine so genannte Risikoklasse einzustufen.

Bei der Risikoklasse eins steht die Sicherheit der Investition an erster Stelle. In dieser Klasse werden Bundesschatzbriefe, Geldmarktfonds und fest verzinsliche Anleihen zum Beispiel von DAX-Unternehmen aufgeführt.

Die Risikoklasse zwei besagt geringe Risikobereitschalt des Anlegers. Sie umfasst Rentenfonds, offene Immobilienfonds und Anleihen von sicheren Gläubigern. In der Risikoklasse drei sind die Gewinnerwartungen höher, aber auch das Risiko. Hier werden international gestreute Rentenfonds, spekulative Eurorentenfonds und internationale Standardaktienfonds einbezogen. In dieser Risikoklasse ist es dem Privatanleger auch gestattet, direkt Aktien zu kaufen. Es muss sich dabei jedoch um europäische Standardwerte handeln.

Risikoklasse vier beinhaltet eine hohe Risikobereitschaff. In dieser Klasse können fast alle Aktien gekauft werden, ausgenommen jedoch Aktien und Rentenfonds von so genannten Schwellenländern. Der Kauf von europäischen Nebenwerten und außereuropäischen Standardpapieren ist erlaubt. Die Risikoklasse fünf ist reine Spekulation. Hier ist alles erlaubt. Spekulative Anleihen, Aktiennebenwerte, Optionsscheine, Börsentermingeschäfte, Anleihen auf Indexzertifikate, Optionen und Futures.

Der Kunde muss sich selbst in eine dieser Klassen einstufen und unterschreiben, dass er ausreichend beraten und über mögliche Risiken aufgeklärt worden ist. Damit wollen sich die Banken zusätzlich absichern. Wenn sich zum Beispiel ein Anfänger bewusst in eine hohe Risikoklasse einstuft und kräftig verliert, wird er die Bank für den Schaden nicht haftbar machen können. Also überschätzen Sie sich nicht und seien Sie sich immer bewusst: Was Sie tun, ist Ihre Entscheidung, auch wenn Sie sich bis über beide Ohren mit Ratschlägen, Infos und ganz tollen Geheimtipps eindecken lassen. Klagte eine Privatanlegerin im Parkhaus: Ich hab von meinen 125 000 Euro schon fast 25 000 verloren, wie kann das bloß sein? – Haben Sie was unterschrieben? – Ja. – Und vielleicht wachstumsorientiert angekreuzt? – Ja, das hat der Bankberater gemacht.
– Aber Sie haben unterschrieben. Dann hat der natürlich auch in risikoreiche Technologieaktien am Neuen Markt und so weiter investiert. Ganz normal. Da haben Sie einfach Pech gehabt.

Die Geheimsprache der Kürzel
Als frisch gebackener Aktieninhaber werden Sie vielleicht auch einmal sehen wollen, wie Ihre Papiere denn so gehandelt werden. Statten Sie der Börse einen Besuch ab!

Früher spielte sich die gesamte Börse auf dem Parkett ab. Der Markt erschien als ein verwirrendes Durcheinander eilender, gestikulierender und sich regelmäßig für einen Außenstehenden Unverständliches zurufender Menschen. Auf dem Parkett werden auch heute noch die Börsengeschäfte auf Zuruf abgeschlossen. Wer Von dir (das heißt: Ich kaufe) oder An dich (das heißt: Ich verkaufe) sagt, ist an den Geschäftsabschluss gebunden. Wer zum Beispiel ruft: Fünfhundert XYZ von dir, der kauft 500 XYZ-Aktien. Wer ruft: Tausend XYZ an dich, der verkauft 1000 XYZ-Aktien.

Dabei verwendet man auf dem Parkett allerhand obskure Kürzel. Wenn zum Beispiel ein amtlicher Kursmakler ruft: XYZ vier zu sechs, dann heißt das, er hat Kaufaufträge für Aktien der Gesellschaft XYZ zum Kurs von zum Beispiel 234 Euro pro Stück und Verkaufsaufträge zum Kurs von zum Beispiel 236 Euro pro Stück. Für Händler und Makler reicht es völlig aus, dass nur die letzten Ziffern des Kurses genannt werden.

In den veröffentlichten Kurslisten erscheinen, wenn auch zunehmend seltener, immer noch vor den Kursen Buchstaben oder Buchstabenkombinationen.

Hier die wichtigsten Kurszusätze und ihre Bedeutung:

G = Geld
Zu diesem Kurs gab es nur Kaufinteressenten, aber keiner wollte verkaufen. Deshalb gab es auch keinen Umsatz.

B = Brief
Es gab zu diesem Kurs nur Verkaufsaufträge, aber keine Käufer.

-G = gestrichen Geld
Es war keine Kursfeststellung möglich, weil überwiegend unlimitierte Billigst-Kaufaufträge vorhanden waren.

-B = gestrichen Brief
Es war keine Kursfeststellung möglich, weil überwiegend unlimitierte Bestens-Verkaufsaufträge vorhanden waren.

bG = bezahlt Geld
Nur ein Teil der Kaufaufträge konnte zum angegebenen Kurs ausgeführt werden. Nicht alle Verkäufer wollten zu diesem Kurs verkaufen.

ebG = etwas bezahlt Geld
Nur ein geringer Teil der Kaufaufträge konnte zum angegebenen Kurs ausgeführt werden. Nur wenige Verkäufer wollten zu diesen Kurs verkaufen.

bB = bezahlt Brief
Nur ein Teil der Verkaufsaufträge konnte zum angegebenen Kurs ausgeführt werden. Nicht alle Käufer wollten zu diesem Kurs kaufen.

ebB = etwas bezahlt Brief
Nur ein geringer Teil der Verkaufsaufträge konnte ausgeführt werden. Das heißt: Nur wenige Käufer haben zu diesem Kurs gekauft.

T = Taxkurs
Es bestand weder konkretes Angebot noch konkrete Nachfrage, deshalb wurde der Kurs geschätzt.

exD = ohne Dividende
Die Dividende wurde vom Kurs abgezogen. Dies ist der erste Kurs nach Zahlung der Dividende. Dieser so genannte Dividendenabschlag wird in der Regel schnell wieder aufgeholt.

exBR = ohne Bezugsrecht
Erster Kurs nach Abschlag des Bezugsrechts. Der Kurs ist um den Wert eines Bezugsrechts gemindert.

exBA = ohne Berichtigungsaktien
Erste Notierung nach einer Berichtigung des Aktienkapitals aus Gesellschaftsmitteln.

Sicherheit und Risiko bei Deutsche Fonds

Warum kaufen so viele Deutsche Fonds? Was steckt dahinter? Sie wollen beides: Sicherheit fürs eigene Kapital und fette Renditen. Mit Fonds glauben sie diesen Spagat auf einfache Weise zu meistern.

Die Banken und Investmentgesellschaften werben inzwischen ja auch auf ganz aggressive Weise für diese Produkte bei den Kleinanlegern. Nicht nur über Anzeigen, Direct-Mail-Werbebriefe sowie Fernseh- und Rundfunkwerbung, sondern auch durch die direkte Ansprache am Bankschalter (Sie haben auf Ihrem Girokonto so viel Geld, sollen wir das nicht für Sie anlegen?) und natürlich auch über die Drückerkolonnen der so genannten Strukturvertriebe, die sich ganz vornehm Finanzberater nennen und selbst achtzigjährigen Omas Bausparverträge mit 30 Jahren Laufzeit verkaufen.

Natürlich stehen die Fonds in der Werbung immer ganz prächtig da. Nicht weil sie alle mehr Rendite und weniger Risiko bringen, sondern ganz einfach deshalb, weil die Institute mit Fonds mehr Geld verdienen als mit dem Verkauf von Aktien.

Folgende Argumente werden für den Kauf von Fondsanteilen angeführt:

  • Erstens: Durch die Verteilung des Geldes auf viele unterschiedliche Anlagen vermindere sich das Gesamtrisiko.
  • Zweitens: Nur Fonds böten die Möglichkeit, mit einem kleinen Einsatz von etwa 50 Euro gleichzeitig in unterschiedliche Anlagen zu investieren.
  • Drittens heißt es immer, Fondsanteile seien etwas für Anleger, die keine Zeit oder Lust haben, ständig den Markt, die Konjunkturentwicklung und die Unternehmen zu beobachten. Das könnten sie beruhigt dem Fondsmanager und seinen Analysten überlassen.

Dies alles stimmt – aber nur bedingt. Der Teufel steckt im Detail. Vorsicht vor den großen Pauschalierern!

Erstens ist es heute bei den hoch spezialisierten Fonds keineswegs so, dass das Risiko breit gestreut wird. Wer sein Geld zum Beispiel in den so beliebten Branchenfonds anlegt, kann viel verlieren, wenn es nämlich – wie beispielsweise im Jahr 2000 mit der Telekommunikation – mit der ganzen Branche abwärts geht. Zweitens kann man heute durchaus auch für 50 Euro Aktien kaufen, denn inzwischen haben die Börsen die Mindestorderhöhe abgeschafft und den Kauf einer einzigen Aktie ermöglicht. Drittens ist es keineswegs so, dass man einen Fondsanteil unbesehen kaufen, sich beruhigt schlafen legen und dem Fondsmanager alle Entscheidungen überlassen kann. Denn einerseits wird einem nicht die Entscheidung abgenommen, ob man sein Geld zum Beispiel in Fonds mit deutschen oder internationalen Aktien anlegt oder bei Branchenfonds und in welche Branche. Andererseits gibt allein die Tatsache, dass die Fonds von Profis verwaltet werden, noch lange keine Garantie dafür, dass auch Gewinne erzielt werden. Profis irren sich leichter als Amateure. Börsenpsychologen haben das statistisch nachgewiesen.

Deshalb war 2000 auch für viele private Fondsanleger ein unbefriedigendes Jahr. Wer in die falschen Branchen oder bei den falschen Investmentgesellschaften investiert hatte, dessen Geld war futsch. Das beweist eine Untersuchung der Wirtschafts Woche über die Wertentwicklung einzelner Aktienfonds im Jahr 2000 sehr deutlich. Fonds bestimmter Branchen haben danach wesentlich schlechter abgeschnitten als weltweite, europäische oder deutsche Aktienfonds. Nur in einer Branche konnte man Riesengewinne machen: bei der Pharma- und Biotechnologie. Bei zwei Fonds haben die Anleger ihren Einsatz mehr als verdoppelt. Der Life Science Trust von Carl Spängler erzielte eine Weitsteigerung von 111,8 Prozent und der Framlington International Portfolios Health Fund steigerte sich um 103,5 Prozent. Weitere drei Fonds brachten es immerhin auf ein Plus von 98,8 Prozent, 91,3 Prozent und 89,4 Prozent. Aber wer wusste das wirklich im Voraus?

Ganz anders sah es bei den Telekommunikationsfonds aus, der großen Hoffnungsbranche, angeführt von der Telekom. Hier haben alle fünf untersuchten Fonds nur Verluste gebracht, und die lagen zwischen minus 9,3 Prozent bei Activest Lux TeleGlobal und minus 20,2 Prozent bei DIT- Multimedia. Bei den Technologiefonds erzielten nur drei von fünf Fonds einen Wertzuwachs, der aber minimal war. An der Spitze stand mit einer Wertsteigerung von 2 Prozent der Henderson Horizon-Global Technology Fund, am Ende der Invesco GT Technologie Fund C mit einem Verlust von 4,5 Prozent. Diese Unterschiede in der Wertentwicklung zeigen deutlich, dass es nicht nur darauf ankommt, in die richtige Branche zu investieren, sondern dass es ganz offensichtlich auch unterschiedliche Qualitäten des Fondsmanagements gibt. So lag im Bereich Finanzwerte der Davis Financial Fund von New York Advisers mit einem Wertplus von 42,2 Prozent weit vor den Konkurrenten. Andere Fonds brachten es nur auf 20,2 bis 24,4 Prozent.

Das Erfolgsrezept der guten Fondsmanager bestand darin, rechtzeitig das Portfolio umzuschichten. So wurden zum Beispiel Aktien aus den Branchen Technologie, Medien und Telekommunikation abgestoßen und dafür Pharma- und Biotechaktien oder auch Erdgas-, Erdöl- und Brennstoffzellenaktien gekauft. Erfolgreich waren auch die Fonds, die schon im Frühjahr ihren Anteil an Aktien des Neuen Marktes reduziert haben. Nur so hat Portfolio Partner-Universal G 38 Prozent Gewinn erreicht. Und was ist, wenn der jeweilige Fondmanager die Trends nicht erkennt oder nicht rechtzeitig umschichtet? Pech für den Anleger, denn er hat ja kein Weisungsrecht, und merken wird er es erst dann, wenn es eigentlich zu spät ist und der Wert seiner Fondsanteile sinkt. Also, was tun? Augen auf!

Rating für die Besten
Während die oben genannte Untersuchung sich nur auf einen Betrachtungszeitraum von einem Jahr bezieht, in dem es auf und ab ging, bewertet die Analysegesellschaft Feri Trust die Fondsentwicklung innerhalb von fünf Jahren. Sie hat ein eigenes Fondsrating, also ein Bewertungssystem entwickelt mit dem Ziel, Anlegern systematische, nachvollziehbare und verständliche Entscheidungsgrundlagen bieten zu können. Dazu gehört, dass das Rating sowohl die Ziele als auch die Zwänge des Fondsmanagements berücksichtigt (die gibt es nämlich auch). Wichtig war Feri Trust auch,

  • dass herausragende Fähigkeiten von Fondsmanagern erkennbar werden. Jeder Mensch ist schließlich anders, und die wenigsten Anleger werden sich persönlich ein Bild von den Leuten machen können, denen sie ihr Geld anvertrauen;
  • dass der Managementstil und die Investmentziele im Einklang stehen;
  • dass Fehlinvestitionen in weniger gute Fonds vermieden werden können und durch die Selektion von Topanlagetiteln deutlicher Mehrwert geschaffen werden kann.

In der Praxis heißt das: Neben den quantitativen Aspekten wie Performance und Risikokennzahlen, die man berechnen kann, bekommen qualitative Aspekte eine besondere Bedeutung, das Verhalten in Auf- und Abschwung

phasen sowie die Abschätzung von Verlustrisiken. Interviews mit den Fondsmanagern dienen der Überprüfungen der methodischen Konzepte und der Analyse des Managementstils. Das Feri Trust Fonds Rating setzt sich deshalb aus drei Indikatoren für die Performance, für das Risiko und für das Management zusammen. Der Performance-Indikator untersucht die Wertentwicklung. Er dient dazu, die Leistung des Fondsmanagements mit dem jeweiligen Index, zum Beispiel bei deutschen Aktien mit dem DAX, und den Konkurrenzprodukten zu vergleichen. Hier wird auch die Stabilität beurteilt, das heißt, wie oft innerhalb der fünf Jahre der Fonds im einem beliebigen Dreimonatszeitraum besser abgeschnitten hat. Der Risiko-Indikator versucht das mit dem Kauf eines Fondsanteils verbundene Risiko abzuschätzen. Anhand der jährlichen Kursschwankungen des Fonds wird das Timing-Risiko untersucht, also die Möglichkeit, durch einen falschen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt überdurchschnittliche Verluste zu machen oder Chancen zu verpassen. Außerdem wird mithilfe verschiedener Kennzahlen das Verlustrisiko berechnet, das angibt, ob der Fonds bei Kursverlusten mehr, weniger oder gleich viel verliert wie der Index. Der Management-Indikator durchleuchtet anhand von Interviews und Fragebögen die Qualität des Fondsmanagements. Diese drei Indikatoren ergeben dann eine Bewertung, die Fonds in fünf Klassen einteilt: A für sehr gut, B für gut, C für durchschnittlich, D für unterdurchschnittlich und E für schwach. Hier die Ergebnisse von Feri Trust: Weltweit die besten Fondsgesellschaften sind Morgan Stanley Dean Witter, die niederländische ABN Amro, DWS, Threadneedle und Merrill Lynch Investment Managers. Das hat die im Dezember 2000 veröffentlichte Untersuchung im Auftrag der Frankfurter Allgemeine Zeitung ergeben.

Mehr als 120 Kapitalanlagegesellschaften mit rund 860 Fonds, die seit mehr als fünf Jahren bestehen und in Deutschland zugelassen sind, hatte Feri Trust überprüft. Dabei ging es darum, wie viele Fonds der einzelnen Gesellschaften das Rating A oder B erhalten haben und welchen Anteil diese an den gesamten Fonds des betreffenden Institutes ausmachen. Bei Morgan Stanley Dean Witter hatten die Fonds mit dem Rating A oder B einen Anteil von 69,2 Prozent, ABN Amro kam auf 66,7 Prozent, DWS auf 65,9 Prozent, Threadneedle auf 64,3 Prozent, und bei Merrill Lynch Investment Managers erhielten 6l,5 Prozent aller Fonds das Rating A oder B.

Morgan Stanley Dean Witter (MSDW) verwaltet nach eigenen Angaben derzeit ein Vermögen von rund 548 Milliarden Dollar. In Deutschland ist bei MSDW der Anteil der Publikumsfonds noch recht gering, die Gelder kommen vor allem von Institutionen, Versicherern, Banken und Pensionskassen. Dies soll sich jedoch im Jahr 2001 ändern. Geplant ist die Installation eines neuen Abwicklungssystems, um Konten für Privatkunden im großen Umfang verwalten zu können.

ABN Amro plant eine Erweiterung seiner Internetaktivitäten. Der neue Auftritt soll sich sowohl an institutionelle als auch an private Kunden richten. Bisher lag der Schwerpunkt der vor drei Jahren gegründeten Kapitalanlagegesellschaft ABN Amro Asset Management Deutschland noch bei der Verwaltung institutioneller Gelder. Dieser Bereich soll weiter verstärkt, daneben aber auch der Privatkundenbereich ausgebaut werden. Bei der Auswahl einzelner Aktien konzentriert sich ABN Amro auf Unternehmen, die in ihrem Bereich Marktführer sind, innerhalb der Branche eine herausragende Stellung einnehmen und ein überdurchschnittliches Wachstum versprechen. Diese Kriterien sieht man unter anderem im Pharma- und Biotechnologiebereich erfüllt.

Was man über Investmentfonds noch wissen sollte
Investmentfonds sammeln das Geld vieler Investoren und legen es in Immobilien, Aktien, Anleihen oder anderen Anlageformen an. Fonds werden von einer Kapitalanlagegesellschaft verwaltet, die auch Investmentgesellschaft genannt wird.

Das Fondsvermögen, genannt Sondervermögen, das den Anlegern gehört, wird bei einer Depotbank hinterlegt. Diese wickelt auch die Kauf und Verkaufsaufträge des Fondsmanagements ab und berechnet am Ende eines jeden Börsentags den Wert des Sondervermögens von offenen Fonds. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen geschlossenen und offenen Investmentfonds. Bei geschlossenen Fonds wird nur eine bestimmte Zahl von Anteilen ausgegeben. Die Fondssumme wird von vornherein begrenzt. Ist diese Höhe erreicht, wird der Fonds geschlossen. Außerdem ist die Investmentgesellschaft nicht verpflichtet, während der Laufzeit Anteile zurückzunehmen.

Bei offenen Investmentfonds bestehen kein Grenzen hinsichtlich der Anlagesumme und der Anteile. Es können ständig neue Anteile gekauft oder alte an die Investmentgesellschaft zurückgegeben werden. Den Wert eines Anteilscheins errechnet die Depotbank börsentäglich. Steigt der Wert der in dem Fonds enthaltenen Papiere, erhöht sich auch das Fondsvermögen und damit der Wert der einzelnen Anteilscheine. Der Wert des einzelnen Anteilscheins errechnet sich, wenn man das gesamte aktuelle Fondsvermögen durch die Anzahl der ausgegebenen Anteilscheine teilt. Zu den offenen Investmentfonds gehören offene Immobilienfonds und offene Wertpapierfonds. Letztere unterscheidet man grob in Aktienfonds, Rentenfonds und Mischfonds aus Aktien und Rentenpapieren. Darüber hinaus gibt es Spezialfonds aus Optionsscheinen, Futures oder so genannte Dachfonds, die ausschließlich in andere Investmentfonds investieren. Zu Aktienfonds gehören Standardaktienfonds, Länder-, Branchen- und Aktienindexfonds, zu Rentenfonds Standardrentenfonds, Geldmarktfonds und Rentenindexfonds.

Erst seit drei Jahren gibt es die so genannten AS-Fonds, sie werden aber inzwischen von fast allen Banken und Sparkassen angeboten. AS ist die Abkürzung für Altersvorsorgesondervermögen. Dies ist eine Art Sammelbecken mit einer Mischung aus Aktien, Rentenpapieren und Immobilien.

Der Aktienanteil darf 75 Prozent nicht übersteigen, nur dann sind die Gewinne bei einem Anlagezeitraum von mindestens 18 Jahren steuerfrei. Schon ab 25 Euro im Monat kann man mit dieser Anlageart für sein Alter Vorsorgen. Die Renditeerwartungen der Banken liegen zumeist zwischen 6 und 10 Prozent. Angeboten werden risikoarme und risikoreiche AS- Fonds.

Rechte und Pflichten von Kapitalanlagegesellschaften und den Depotbanken und sämtliche Einzelheiten des Fondsgeschäfts sind im Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften geregelt, und die Gesellschaften werden vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen überwacht. Kaufen kann man Fondsanteile bei einer Bank oder direkt bei einer Kapitalanlagegesellschaft. Sie werden aber auch im hohen Maße über Strukturvertriebe angeboten, wozu es sehr unterschiedliche Meinungen gibt. In der Regel werden Fondsanteile mit einem einmaligen Ausgabeaufschlag von 1 bis 7 Prozent ausgegeben. Das ist die Differenz zwischen dem Ausgabe- und dem Rückgabepreis. Diesen Ausgabeaufschlag verwenden die Fondsgesellschaften für das Fondsmanagement. Er erscheint normalerweise nicht in den Kontoauszügen, sondern wird fondsintern verrechnet.

Als laufende Kosten, die der Anleger zusätzlich tragen muss, kommen jährliche Verwaltungsgebühren für die Fondsgesellschaften und die Depotgebühren für die Bank hinzu. Diese sind von Institut zu Institut unterschiedlich und werden immer fällig, auch wenn der Wert des Fonds ins Minus rutscht. Der Besitzer von Fondsanteilen muss die anfallenden Dividenden versteuern. Wenn er seine Anteile verkauft, fallen auf die realisierten Veräußerungsgewinne nur Steuern an, wenn die Spekulationsfrist von einem Jahr nicht eingehalten wurde.

Fazit: Die Investmentbranche boomt, immer mehr wollen am Kuchen beteiligt sein. Eine Bewertung anhand der Performance“ erleichtert dem Anleger die Übersicht und setzt die Investmentgesellschaften massiv unter Erfolgsdruck, besonders die Zunft der Fondsmanager. Das ist auch gut so. Zumindest für den Anleger. Fondsmanager müssen Ergebnisse zeigen und eine gute Wertentwicklung ihres Fonds ausweisen, dafür werden sie auch sehr gut bezahlt – oder anderenfalls gefeuert, denn ihr Erfolg lässt sich ganz klar und deutlich messen an der Performance des von ihnen verwalteten Fonds.

Wie stehen die Aktien an der Börse

Wer sich mit der Börse befasst, muss ständig bereit sein für Neues und für Veränderungen. Er muss immer schneller werden und darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Börse ist voller Widersprüche und voller Überraschungen. Die Börse ist verrückt, und sie kann für manche zu einem großen Risiko werden. Es gibt immer neue Facetten des Börsengeschehens. Das macht vielleicht auch ihre Faszination aus.

Der Market lebt

Der amerikanische Professor Benjamin Graham wird vielen deutschen Lesern nicht mehr bekannt sein, denn er starb bereits 1976. Einer seiner Schüler war Warren Buffett, der die Ratschläge Grahams sein Leben lang befolgte. In dem Buch Intelligent investieren beschreibt Graham die Börse als eine Person, den Mr. Market.

Man soll sich nun vorstellen, dass man mit diesem Mr. Market als Partner gemeinsam eine Firma betreibt. Allerdings hat Mr. Market eine ganz erhebliche Macke: Jeden Morgen, bevor Sie mit der Arbeit beginnen, erscheint er bei Ihnen und macht Ihnen das Angebot, Ihren Geschäftsanteil an der Firma zu kaufen oder auch seinen an Sie zu verkaufen. Dabei macht er jeden Tag ein neues Angebot, das sich von dem des Vortages manchmal ganz erheblich unterscheidet, obgleich die wirtschaftlichen Verhältnisse Ihres gemeinsamen Unternehmens recht stabil sind. Die Ursache für das Verhaltens Ihres Partners Mr. Market liegt in seiner Krankheit. Er ist nämlich manisch-depressiv.

Manchmal sieht er Ihre gemeinsamen Geschäftserfolge im rosigsten Licht und möchte Ihre Anteile am Unternehmen um jeden Preis kaufen, doch dann wieder ahnt er in der Zukunft drohende Veränderungen, die ihn tief bedrücken, und er hat nur noch ein Ziel vor Augen: seine Anteile zu verkaufen, und zwar um jeden Preis!

Da Sie nun schon eine Zeit lang mit ihm Zusammenarbeiten, kennen Sie diese Macken und wissen, dass es ihm überhaupt nichts ausmacht, wenn Sie nicht auf seine Angebote eingehen. Am nächsten Tag ist er wieder bei Ihnen und macht Ihnen einen erneuten Vorschlag. Sie stehen also jeden Tag vor der Wahl, auf die Vorschläge von Mr. Market einzugehen oder nicht. Da Mr. Market nun aber keine echte Person ist, brauchen Sie auch keine Skrupel zu haben, auf seine Vorschläge einzugehen, wenn diese für Sie besonders günstig zu sein scheinen. Kaufen Sie die Firmenanteile von ihm, wenn Sie darin einen Vorteil sehen, oder verkaufen Sie ihm Ihre. Handeln Sie stets so, wie es Ihrem eigenen Vorteil entspricht, aber bedenken Sie stets, dass Ihr Unternehmen im Prinzip solide funktioniert und dass nur Mr. Market seine allmorgendlichen verrückten Anwandlungen hat.

Lassen Sie sich nicht selbst von ihm verrückt machen, indem Sie seine Vorschläge für der Weisheit letzten Schluss halten. Mr. Market ist Ihr Partner, der Ihnen nichts übel nimmt und der ein bisschen verrückt ist. Aber er ist nicht Ihr Chef.

Diese Beschreibung der Börse als Mr. Market hat Benjamin Graham in den Grundzügen schon in den dreißiger Jahren entwickelt, und es hat sich zumindest an der Krankheit des Mr. Market bis heute nicht viel geändert. Aus dem gleichen Grund haben auch noch viele der alten Börsenweisheiten ihre Berechtigung behalten.

Computer sind auch nur Menschen
Der 3. Januar 2001 war einer der zugegeben immer seltener werdenden Aufreger-Tage an der Börse. Völlig überraschende Zinssenkung in den USA, es war 19 Uhr MEZ. Wie eine Rakete schoss der Index DAX an der schwarzen Tafel senkrecht in die Höhe, bewegt! durch riesige Kaufaufträge innerhalb von Sekunden. Einige riefen zwar unwissend: Die Tafel ist kaputt! Das gibt’s doch nicht. Schon wieder so’n blöder Fehler der Technik! Von wegen: Die (rote) Eilmeldung der Nachrichtenagentur Reuters war gleichzeitig auf allen Bildschirmen und löste fast panikartige Käufe aus. Die bisher friedlich vor sich hin dümpelnde Frankfurter Börse vibrierte ähnlich wie vorher nur am 11. März 1999, als Oskar Lafontaine als Finanzminister zurücktrat. Jubel und fast ein Aufschrei auf allen Computern. Sage niemand, die hätten keine Emotionen. Also mussten auch wir unseren Tagesplan komplett umschmeißen und den Leuten erklären: Warum jubelt die Börse bei einer mickrigen Zinssenkung (0,25 Prozent) im fernen USA und warum war gerade sie zu Beginn des Jahres psychologisch so wichtig? Das Witzige war: Die nächste Zinssenkung im selben Monat wurde an den Börsen fast emotionslos aufgenommen. Denn die war erwartet worden, die am 3- Januar eben nicht.

Bei einzelnen Werten hat es solche rasanten Kursveränderungen schon öfter gegeben (am Neuen Markt bis zu 300 Prozent), aber nicht beim DAX!

Wall Street – Wo die Krisen Geschichte schreiben

Am 17. Mai 1792 wurde die heute bedeutendste Börse der Welt gegründet: Die New York Stock Exchange. Allerdings war die Veranstaltung weitaus weniger bombastisch, als man sie heute veranstalten würde. Vierundzwanzig Kaufleute trafen sich im Freien, denn es war ein heißer Frühlingstag. Sie beschlossen, sich gegenseitig beim Handel mit Aktien und Anleihen den Vorzug zu geben und ihren Kunden für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren mindestens ein Viertel Prozent Provision zu berechnen. Das war alles. Die Gründungsurkunde der New York Stock Exchange bestand nur aus zwei Absätzen.

Insgesamt hatte dieses Geschäft mit Aktien in den folgenden Jahren ohnehin nur marginale Bedeutung für die Kaufleute. 1798 wurden sechs verschiedene Aktien an der New Yorker Börse gehandelt, und selbst bis zum Jahr 1803 hatte sich die Zahl lediglich verdoppelt. Zu jener Zeit waren London und Paris die Finanzzentren der Welt. Anfangs fand der Handel mit Aktien auch keineswegs an einem zentralen Ort statt, sondern die Kaufleute führten Aktien wie andere Waren auch in ihrem Laden.

Es dauerte noch bis zum Jahre 1869, bis die New Yorker Börse sich so konstituiert hatte, wie wir sie heute kennen. Das war auch das Jahr des ersten Schwarzen Freitags, der allen folgenden Crashs den Namen verlieh, auch wenn sie nicht an einem Freitag stattfanden.

Der Schwarze Freitag, der allen im Bewusstsein ist, fand genau genommen am Montag und Dienstag, den 28. und 29. Oktober 1929 statt. Als Datum für den großen Crash wird oft der 25. Oktober genannt, obwohl an diesem Tag tatsächlich eine leichte Kurserholung stattfand und der eigentliche Absturz erst an den beiden nächsten Handelstagen folgte. Der Crash löste eine tief greifende Bankenkrise und die bisher schwerste Krise der Weltwirtschaft aus. Spekulanten, die ihre Aktien auf Kredit gekauft hatten, hatten plötzlich ihr gesamtes Vermögen verloren, das den Banken als Sicherheit für diese Kredite dienen sollte.

An der New Yorker Börse ging es eigentlich bis zum Jahr 1933 fast ohne Unterbrechung bergab. Wegen der Krise in Amerika zogen die US- Banken ihre Gelder aus Europa ab, was am 11. Mai 1931 dazu führte, dass die Creditanstalt in Wien schließen musste. Das wiederum wirkte sich dann auch auf deutsche Banken aus.

In Deutschland gab es dann am 10. Juli 1931 einen Schwarzen Freitag. Einen Tag später erklärte die englische Notenbank, dass sie den Goldstandard nicht mehr aufrechterhalten könne. Goldstandard bedeutet die Verpflichtung, Bargeld jederzeit in Gold einzutauschen. Auch zahlreiche andere Notenbanken konnten dieser Verpflichtung nicht mehr nachkommen. Im April 1933 mussten alle amerikanischen Banken vorübergehend schließen, da sie dem Ansturm der Gläubiger nicht mehr gewachsen waren. Aus der Bankenkrise wurde die große Weltwirtschaftskrise. Überall gingen Nachfrage und Produktion stark zurück, die Arbeitslosenzahlen schossen in die Höhe. Der Außenhandel zwischen den Staaten kam förmlich zum Erliegen. An der Wall Street gab es noch einen Schwarzen Freitag am Montag, dem 19. Oktober 1987. Wieder wurden die internationalen Börsen mitgerissen. Der Kurssturz konnte aber gestoppt werden. Auch wenn die Erholung ein paar Jahre dauerte, kam es zu keiner Wirtschaftskrise.

Einen kleineren Crash lösten im November 1997 die Turbulenzen an den asiatischen Finanzmärkten aus. Starke Kursrückgänge an der Hong- konger und Tokioter Börse hatten auch die anderen internationalen Börsen in Mitleidenschaft gezogen. In Deutschland verlief der Crash aber relativ glimpflich.

Global Player sowie die Deutsche Börse AG

Die Deutsche Börse hat 1,1 Milliarden Euro durch den Börsengang eingenommen. Sie will das Geld investieren, um weiter zu wachsen und international wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Investitionspipeline ist so groß wie nie zuvor, so Finanzchef Hlubek. Und erstmals seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1992 werde man es nicht schaffen, dies alles nur aus den laufenden Einnahmen zu finanzieren. In allen Geschäftsbereichen sollen die Aktivitäten erweitert werden. Dazu gehört der Ausbau des Xetra-Handelssystems zur dominierenden europäischen Plattform, auch für internationale Teilnehmer. Die Terminbörse Eurex soll ihre international führende Stellung behaupten, mit neuen Investitionen und der Erweiterung auf andere Märkte, wie zum Beispiel Asien.

Darüber hinaus könnte man nach Aussagen des Finanzvorstands im Bereich Informationsprodukte auch kleinere Dienstleister zukaufen, auch im Bereich Informationstechnologie für die Tochter Deutsche Börse Systems. Viel Geld kosten werde auch der Aufbau einer Zentralen Gegenpartei, die das so genannte Netting ermöglicht. Netting heißt, dass alle Wertpapiertransaktionen eines Anlegers im Laufe des Tages gegeneinander aufgerechnet werden. Dann müssen nur noch die netto übrig gebliebenen Geschäfte abgerechnet und abgewickelt werden. Dies bringt hohe Kosteneinsparungen für die Banken und Broker. Im internationalen Wettbewerb der Börsen wird es, wie Börsenchef Werner Seifert sagte, in erster Linie auf die Qualität der Handelssysteme ankommen. Seiner Ansicht nach gibt es nur zweieinhalb Börsen, die ein gutes System haben und sich dies auch weiterhin leisten können: Euronext (der Zusammenschluss der Börsen von Paris, Brüssel und Amsterdam), die Deutsche Börse und zur Hälfte die schwedische Börsengesellschaft OM Gruppen. Alle anderen Börsen, auch die Londoner, haben laut Seifert wenig Aussichten, die Systementwicklung weiter zu finanzieren, um zu ähnlich niedrigen Kosten zu kommen, wie sie die Deutsche Börse hat oder in Zukunft haben soll.

Seifert hofft, dass in einigen Jahren alle wichtigen Börsen und Abwicklungsorganisationen in Europa börsennotiert sind. Dann unterlägen sie dem Diktat des Marktes und müssten ihr Geschäft nach dem Sharehol- der-Value ausrichten. Das Spiel werde spannender, professioneller und marktgetriebener. Die Gefahr, dass eines Tages nur eine einzige Börse als Monopol übrig bleiben wird, sieht er nicht. Er glaubt nicht an eine Weltbörse, sondern an ein sich hart bekämpfendes Oligopol.

Also, Anleger, höret und sehet auch diese Signale in einer Momentaufnahme. Das einzig Konstante ist ja der Wandel. Und besonders durch das Internet wird die große Finanzwelt zu einer breiten Einkaufsstraße, wo einem täglich an jeder Ecke immer neue Angebote gemacht werden. Was heute noch das Beste war, wird morgen von einer anderen Börse vielleicht schon überboten.

Warren Buffett – der Bescheidene

Warren Buffett, Jahrgang 1931, ist der zweitreichste Mann der Welt. Niemand hat je allein mit Aktien ein so riesiges Vermögen aufgebaut: etwa 36 Milliarden Dollar (Stand: Juni 1999). Wer 1956 mit 10 000 Dollar angefangen hätte, ihm in seinen Investitionen und Entscheidungen zu folgen, wäre 1998 mit 150 Millionen Dollar Multimillionär gewesen.

Buffett zeigt seinen Megareichtum jedoch nicht. Er trägt schlecht sitzende Anzüge, liebt Fast Food und Coca-Cola mit Kirschgeschmack, die er auch selbst einkaufen geht, er fährt sein Auto selbst, und einmal die Woche gönnt er sich ein Essen im Steakhouse. Buffett lebt noch heute in einem einfachen Haus in Omaha (Nebraska), das er vor 33 Jahren für 31 500 Dollar gekauft hat. Dort im Schlafzimmer und auf der Sonnenterrasse begannen seine Geschäfte, die ihn erfolgreich und berühmt machten.

Buffett pflegt auch keine kostspieligen Hobbys. In den letzten 17 Jahren genehmigte er sich nur ein Jahresgehalt von 100 000 Dollar. Damit ist er einer der am schlechtesten bezahlten Firmenchefs und Manager mit dem besten Gehalt-Performance-Verhältnis. Buffett hat drei Kinder, den Großteil seines Vermögen will er jedoch gemeinnützigen Zwecken zukommen lassen.

Das tägliche Auf und Ab der Kurse, Marktstimmungen und Charts hat Buffett nie interessiert. Seine Investmentstrategie war stets langfristig angelegt. Buffett folgt ausschließlich wertorientierten Anlageprinzipien, so wie er es von seinem Professor Benjamin Graham an der New Yorker Columbia University gelernt hatte. Auf kurze Sicht ist die Börse eine Wahlurne, auf lange Sicht eine Waage, sagte Graham seinen Schülern.

1965 übernahm Buffett die Kontrolle des damals maroden Textilunternehmens Berkshire in New England, der Aktienkurs lag bei unter 20 Dollar. Heute ist daraus eine Investmentholding geworden, und ihr Aktienkurs betrug im März 2000 etwa 42 000 Dollar, damit war es das teuerste Papier an der New Yorker Börse. Das lange Festhalten Buffetts an den gekauften Werten machte die Aktien seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway zu einer der renditeträchtigsten Kapitalanlagen der zurückliegenden 35 Jahre.

Berkshire Hathaway war eine Zeit lang im Prinzip ein geschlossener Investmentfonds. Heute ist die Gesellschaft ein Versicherungskonzern mit einem größeren Aktienbesitz und einigen skurrilen unternehmerischen Aktivitäten, darunter eine Milchbarkette, Schuhgeschäfte und ein Juwelier, aber auch ein Möbelhaus im Stil von Ikea. Gut 70 Prozent der operativen Erlöse kommen inzwischen aus dem Rückversicherungsgeschäft. Kerngesellschaften sind der Rückversicherer General Re, der Ende 1998 zugekauft wurde, sowie Geico, einer der beiden führenden Direktversicherer Amerikas. Berkshire macht keine Werbung und wird nicht einmal in den Blue-Chip-Listen erwähnt. Buffets Erfolgsstrategie lässt sich verhältnismäßig einfach beschreiben: Er kauft in schlechten Zeiten zu niedrigen Preisen und verkauft fast nie. Er kauft nur Aktien, von deren Unternehmen er überzeugt ist, achtet dabei auch auf Konkurrenten und wichtige Einflussfaktoren und deren Wirkungsweisen. Seine Vorliebe gilt deshalb Markenartiklern mit globalem Potenzial wie American Express, Coca-Cola oder Gillette. Voraussetzung für einen Kauf war für ihn stets, dass der innere Wert eines Unternehmens unter dessen Marktpreis liegt.

Die Zahl seiner Verehrer ist nach wie vor enorm. Der Pilgerzug zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway in Omaha (Nebraska), dem Geburtsort Buffetts, ist jedes Jahr rund 10 000 Aktionäre lang. Buffett macht es inzwischen richtig Spaß, ein Guru zu sein und seine Erfolgsrezepte zu predigen.

Die Macht der Gefühle an der Börse

Es war André Kostolany, der seinen Lesern und Zuhörern immer wieder aufs Eindringlichste nahe legte, dass die Psychologie mindestens 90 Prozent des Börsengeschehens bestimmt. Nicht die tatsächlichen Ereignisse oder die Fakten entscheiden über die Entwicklung der Kurse, sondern die Art und Weise, in der sie von der Mehrzahl der Aktionäre wahrgenommen, interpretiert und in Entscheidungen umgesetzt werden. Dieselbe Preis- Gewinn-Relation bei ein und demselben Unternehmen kann zum einen Zeitpunkt als zu niedrig beurteilt werden und zu einem anderen als zu hoch.

Man braucht wahrscheinlich wirklich die in Jahrzehnten gereifte Lebensweisheit Kostolanys und die Vielfalt der durchlebten Situationen, um diese Subjektivität der Massen in ihrer ganzen Bedeutung zu verstehen. Die Börsenkurse folgen keiner Logik, auch wenn es uns die Analysten und Chartfanatiker immer wieder glauben machen wollen. Wer mit Statistiken umgehen kann, wird fast jeden Zusammenhang, ob zwischen der Börse und den Sternen oder zwischen der Börse und der Damenmode, beweisen können. Doch diese Erklärungen beweisen nur, dass es keine Zusammenhänge geben kann. Wären sie vorhanden, so hätte man sie längst gefunden, und es gäbe keine Börse mehr, sondern nur noch Fixpreise.

Was die Wissenschaftler entdeckt haben, ist der Zusammenhang mit der Massenpsychologie. 60 Prozent der mittelfristigen Kursschwankungen sollen sich eindeutig darauf zurückführen lassen. Zwar sind massenpsychologische Phänomene so schwer zu erklären und noch schwerer vorherzusagen, dass es dafür bis heute keine Formeln gibt, aber man hat nicht aufgegeben, sie zu suchen.

Was jedoch vorhergesagt werden kann, ist in einem bestimmten Rahmen das Verhalten des einzelnen Kapitalanlegers. Damit hat man immerhin einen Ansatz und jeder kann sein eigenes Verhalten optimieren, wenn er in der Lage ist, sich zu ändern. Aber auch das fällt den meisten Menschen schwer. Erst recht, wenn es um ihr Verhältnis zum Geld geht.

Typologie der Kleinanleger
Nicht jeder, der Geld zur Verfügung hat, geht auch in gleicher Weise damit um, wenn es darum geht, Aktien zu kaufen. Fünf verschiedene

Anlegertypen soll es geben:

  1. Der Stille Teilhaber. Er möchte auch am verlockenden Börsengeschäft teilnehmen, allerdings nur aus sicherer Distanz. Dieser Anlegertyp besitzt in der Regel nur Fonds und ist zu einer kleinen Risikostreuung bereit.
  2. Der Klein-Absahner kommt etwas stärker aus der Deckung heraus. Er will nicht nur eine Beratung, sondern teilweise selbst seine Entscheidung treffen und nicht alles seinem Berater überlassen. Er schwankt ständig zwischen seiner Gewinngier und seinem Sicherheitsdenken und handelt entsprechend. Klein-Absahner investieren vor allem in Standardaktien mit eingebauter Sicherheitsdividende.
  3. Der Quartalsspekulant. Er weiß um das Risiko, dass er dem Börsenlaster und seiner Eigendynamik schnell verfallen könnte. So handelt er nur sporadisch, als wenn er eine Spielbank besuchte. Der Quartalsspekulant investiert meist kurzfristig, kauft und verkauft ebenso schnell. Seine Entscheidungen trifft er mehr aus dem Bauch heraus.
  4. Der Systemzocker. Er geht bewusst hohes Risiko ein und engagiert sich in Hot Stocks, Nebenwerten, Außenseitern, in Derivaten und Optionsscheinen. Standardaktien langweilen ihn. Er kennt sich gut aus, hat einige Krisen an den Börsen überwunden und kennt Überlebensstrategien wie Limits für den Ein- und Ausstieg.
  5. Der Schicksalshasardeur. Er ist berauscht vom gesamten Geschehen, taucht in die Börse ein wie in eine Droge, setzt alles aufs Spiel, versetzt sogar Haus, Hof, Katze und Hund. Wie ein Kasinobesucher, der sich kein Limit setzt. Auch ihn haben Anfangserfolge zum Weitermachen animiert. Ein Crash an der Börse wird bei ihm zum existenziellen Absturz.

Die Zahl der Schicksalshasardeure ist kräftig gestiegen: Man hängt seinen Menschenverstand an den Kleiderhaken, wenn man sieht, dass ein Freund schnell reich geworden ist. Da will man nicht zurückstehen und es ihm gleichtun. Schnell gehen alle Regeln über Bord, die man als relativ risikobewusster Mensch einmal hatte.

In der bekannten Zeitung mit vier Buchstaben rühmte sich ein Lehrer: Ich habe innerhalb von zwei Tagen ein Lehrer-Jahresgehalt gewonnen. Warum arbeite ich eigentlich noch? Muss ich das? Müssen überhaupt andere arbeiten? Ich kann doch viel schneller an der Börse Kohle machen. Gottlob ist diese Mentalität (Börse statt Arbeit!) weg und raus. Auch eine heilsame Lehre aus dem Schock am Neuen Markt.