Der Emissionsprospekt beim Aktienkauf

Privatanleger sollten vor allem den Emissionsprospekt sorgfältig lesen, der für jedes Unternehmen erstellt wird, das einen Börsengang anstrebt. Das Besondere an diesem Prospekt ist die so genannte Prospekthaftung; für die Richtigkeit aller Angaben und Zahlen haftet nämlich nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch die beteiligten Emissionsbanken. Wenn der Anleger aufgrund unrichtiger, falscher oder unvollständiger Angaben Geld verliert, kann er Schadenersatz geltend machen. Die Börsen haben für den Inhalt der Emissionsprospekte bestimmte Vorgaben gemacht, die genau eingehalten werden müssen. Vage oder undeutliche Aussagen sind nicht erlaubt; außerdem müssen die Unternehmen alle Risikofaktoren detailliert benennen und erläutern. Trotz dieser strengen Richtlinien sollte man die angegebenen Prognosen stets mit Vorbehalten versehen; das Unternehmen ist auch gehalten, Prognosen als solche zu kennzeichnen und klar darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei nur um eine Schätzung oder Vorhersage handelt. Bei all diesen Prognosen sollten Sie wissen, dass viele junge Unternehmen zu optimistisch sind und bisherige Trends oder Umsatzentwicklungen in die Zukunft projizieren. Etliche Vorhersagen erweisen sich im Nachhinein als falsch.

Zum Schutz der Anleger darf die Aktiengesellschaft einen Monat vor und nach dem Börsengang keine weiteren Angaben zur Finanz- und Ertragslage machen. Mit dieser Vorschrift will man verhindern, dass ein Börsenaspirant einige Tage vor der Notierung noch bessere Gewinnaussichten verkündet oder dass nach dem Börsengang die Angaben im Emissionsprospekt nach unten korrigiert oder auf andere Weise manipuliert werden. Auch die Emissionsbanken dürfen kurz vor der ersten Börsennotierung keine Analystengutachten zum Unternehmen erstellen, um nicht die Anleger zu beeinflussen. Bei diesen Einschränkungen handelt es sich um keine Gesetze, sondern um Auflagen der Börse; Emittenten, die dagegen verstoßen, können zwar nicht belangt werden, aber für die Öffentlichkeit wird so offenkundig, dass sich die neu notierte Aktiengesellschaft nicht an die vereinbarten Spielregeln hält.

Unternehmensbesichtigungen und Unternehmen im Alltag beim Aktienkauf

Besonders aufschlussreich kann es sein, wenn Sie dem Unternehmen selbst einen Besuch abstatten. In manchen Unternehmen gibt es nämlich Betriebsbesichtigungen, die Sie nutzen sollten. Zwar können Sie dann die Ertragssituation im Ausland oder die Entwicklung der Umsatzerlöse immer noch nicht einschätzen, aber häufig kann man die Stimmung in einem Unternehmen schon äußerlich erkennen. Es soll zwar Unternehmen geben, die mit viel Aufwand und prachtvollen Festen es geschafft haben, die Öffentlichkeit gezielt zu täuschen, aber in einigen Fällen werden Sie Unternehmen, die sich auf der Verliererseite befinden, an der allgemeinen Atmosphäre, die dort herrscht, erkennen.

Wenn Sie also an einer solchen Betriebsführung teilnehmen, achten Sie als Erstes auf den Eingangsbereich. Hat man dort unachtsam Kartons abgestellt? Sehen die Pflanzen auf der Fensterbank aus, als hätten sie gerade einen fünfwöchigen Transport durch die Sahara hinter sich? Schauen Sie auch, ob sich die Sekretärin wirklich um die Besuchergruppe bemüht: Unterhält sie sich lieber mit ihrer Kollegin über die neuesten Sonderangebote? Und wie sieht der Schreibtisch aus? Ein unergründliches Chaos aus Akten, Briefen und Unterlagen? Ziert die Regale eine Staubschicht? Ein besonders fataler Fauxpas ist übrigens: Sehen Sie in dem Büro Präsente von anderen Firmen oder Geschäftspartnern – also beispielsweise Kalender von Zulieferern, Briefbeschwerer und Kugelschreiber mit dem Logo einer Zeitarbeitsfirma, Porzellantassen, auf denen fremde Insignien prangen? Seriöse Unternehmen verbannen solche Präsente aus dem Erscheinungsbild, denn sie stören die Corporate Identity. In vielen Unternehmen ist es offiziell verpönt, solche Geschenke in Büros zu platzieren.

Beobachten Sie auch die Person, die die Betriebsbesichtigung durchführt. Ist sie gut vorbereitet? Kann sie Detailfragen beantworten oder ist sie bereit, Ihnen eine schriftliche Antwort auf eine wichtige Frage zukommen zu lassen? Gibt man sich ernstlich Mühe, oder wirkt die Führung so, als halte man die Besuchergruppe für den Kegelclub aus Untergruppenbach?

Interessant ist in einem Industrieunternehmen auch der Produktionsbereich. Selbst wenn Sie kein Ingenieur sind, können Sie einige wichtige Rückschlüsse ziehen. Werden Materialien systematisch geordnet? Wirkt der Arbeitsplatz sauber und aufgeräumt? Machen die Arbeitnehmer einen kompetenten und motivierten Eindruck? Wie ist es um Qualitätsnormen bestellt? Fragen Sie die Person, die Sie durch das Unternehmen führt, nach TQM, Six Sigma, Kaizen. Wenn man Sie nur entgeistert anschaut, wissen Sie zumindest, dass die Führung nicht sachkundig vorbereitet ist.

Nach einer solchen aufmerksamen Betriebsbesichtigung haben Sie sich wenigstens persönlich überzeugt. Zwar kann der erste Eindruck immer täuschen, aber wenn Sie das unbeirrbare Gefühl haben, dass mit dem Unternehmen etwas nicht stimmt oder dass es in Ihnen eine Abwehr ablöst, dann sollten Sie die Aktien auf keinen Fall kaufen. Es gibt so viele Wertpapiere weltweit, dass Sie nicht auf dieses Unternehmen angewiesen sind. Vergleichen Sie den Kauf eines Unternehmens mit dem eines Autos: Sie sollten sich nie in ein Fahrzeug setzen, dessen Bremsen defekt sind und das nur noch zwei Kilometer fährt.

Bei dem Unternehmen, das Sie kaufen, sollten Sie ein rundum gutes Gefühl haben. Bedenklich ist es allerdings, wenn Sie sich in Ihre Aktie verlieben und ihr durch alle Höhen und Tiefen die Treue halten. Zwar kann man mit einer solchen Strategie durchaus Gewinne machen, aber wenn Sie auf die falsche Aktie setzen, kann eine solche verhängnisvolle Liaison durchaus tragisch enden. Betrachten Sie den Kauf einer Aktie daher nüchtern und sachlich.
Eine weitere Vorauswahl im Alltag kann sein, wenn Sie sich umhören und umsehen. Das ist jedoch nur ein unvollkommenes Verfahren, denn Sie werden im Alltag kaum die Namen weniger bekannter Technologikunternehmen oder von Firmen der Investitionsgüterindustrie zu hören bekommen. Auch werden Ihre Bekannten, Verwandten und Freunde wohl kaum Unternehmen aus Singapur, Taiwan, Brasilien, Indien oder China auf .Anhieb nennen können.

Dennoch kann es von Vorteil sein, sich einmal umzuhören, zumindest wenn eine Position in Ihrem Aktiendepot ein bekannteres Markenunternehmen sein soll. Die Suche beginnt bereits beim Frühstück: Welche Schuhe tragen eigentlich Ihre Kinder? Adidas, Puma oder Nike? Von wem war noch einmal die Spielkonsole, die Sie Ihrem Sohn zu Weihnachten geschenkt haben? Welches Handy ist eigentlich gerade auf Schulhöfen in Mode? Für welches Auto schwärmt Ihr Mann? Ist es ein Toyota, ein Mercedes oder ein VW? Und welches Parfüm trägt eigentlich Ihre Frau? Etwa von Douglas?

Sie werden staunen, wie viele Hinweise eine solche Beobachtung im Alltag bringen kann. Die meisten Markenunternehmen müssen sich nämlich beim Kunden bewähren, und viele wichtige Trends zeigen sich schon früh im Alltag. Natürlich haben Sie jetzt Pech, wenn Sie auf Aldi oder Lidl tippen, denn diese haben nicht die Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Und wenn Sie frohgemut auf Nokia als größtem Hersteller von Handys setzen, so kommt diese Einsicht zweifellos zu spät. Als Nokia noch ein unbekannter Elektronikgerätehersteller war, hätte sich der Einstieg gelohnt; und viele Arbeitnehmer, die damals Belegschaftsaktien hielten, sind heute mehrfache Millionäre, die bescheiden in kleinen finnischen Dörfern leben.

Sie müssen einen Trend am Anfang erkennen und dann zu noch niedrigen Preisen einsteigen. Das ist in der Praxis allerdings relativ schwierig. Bei Unternehmen, die kontinuierlich Erfolg am Markt erzielen, können Sie durchaus auch später Aktien erwerben; die Wertentwicklung wird jedoch geringer sein. Informativ ist es, wenn Sie im Alltag weiter genau beobachten. Fragen Sie doch einmal einen Taxifahrer, welches Auto er für am zuverlässigsten hält. Schauen Sie sich an, wie der Einzelhandel seine Waren präsentiert. Prüfen Sie nach, wie kundenfreundlich Ihre Billig-Airline wirklich ist. Solche Details verraten Ihnen oft mehr über die Situation eines Unternehmens als ausgefeilte Analystengutachten und Bilanzkennzahlen.

Bevor Sie eine Aktie kaufen, sollten Sie überlegen, wie profitabel und attraktiv das Geschäftsmodell ist. Sie werden immer wieder Analysten und Berater finden, die eine Branche hochjubeln und als den Favoriten des Jahres küren. Doch manche Branchen sind auch nach einer möglichen Erholung wenig verlockend. Überlegen Sie einfach, wie dieses Unternehmen sein Geld macht und Gewinne erwirtschaftet. Nehmen wir beispielsweise die Telekommunikations branche. Viele Anleger machen ohnehin einen großen Bogen um diesen Dienstleistungszweig, da seit dem Zusammenbruch des Neuen Marktes viele dieser Unternehmen an Ansehen eingebüßt haben. Doch wie sieht das Geschäftsmodell aus? Im Prinzip leben diese Unternehmen von einer geringen Gewinnmarge; der Wettbewerb ist beträchtlich, denn Call-by-Call-Tarife und die zunehmend populären Flatrates sorgen für Dumpingpreise. Hinzu kommt noch ein unaufhaltsamer technischer Fortschritt, der zu immer höheren Geschwindigkeiten und Innovationen führt. Eines Tages wird möglicherweise das Festnetz veraltet sein und durch Mobilfunk ersetzt werden, oder es werden noch bessere Übertragungsraten durch eine neue Technik erzielt. Erschwerend kommt hinzu, dass viele große Telekommunikationsunternehmen aus privatisierten Staatsunternehmen mit allen entsprechenden Belastungen hervorgegangen sind. Würden Sie für diese Branche eine glorreiche Zukunft prognostizieren? Natürlich werden kleine Unternehmen von ihrer Flexibilität profitieren, doch insgesamt sieht die Situation eher verhalten aus. Obwohl kaum ein anderer Bereich die Zukunft der Menschen so sehr beeinflussen wird wie die Telekommunikation, ist dieser Markt derart umkämpft, dass er nur wenig gewinnbringend erscheint. Natürlich werden Kritiker einwenden, dafür seien die Aktien entsprechend niedrig bewertet und können umso höher steigen. Das ist zwar ein einleuchtendes Argument, doch seien Sie ehrlich: Würden Sie eine Aktie als interessant bewerten, die einst vollmundig als Volksaktie und als größte Emission Deutschlands an den Start ging, und nach zehn Jahren unter dem damaligen Einstandskurs notiert? Selbst wenn ganze Analystenscharen die Telekommunikationsbranche mit Engelszungen als den Highflyer anpriesen, wäre das Vertrauen erschüttert.

Betrachten wir als Kontrast die Maschinenbaubranche. Zwar herrscht auch dort ein enormer Konkurrenzdruck, und Schwellenländer wie China und Indien holen technologisch auf, aber wenn Sie in der Lage sind, weltweit einzigartige Produktionssysteme und Fertigungsanlagen herzustellen, werden Sie global auf eine ungebremste Nachfrage stoßen. Sie können für Ihre Maschinen die Preise kontinuierlich erhöhen, ohne einen Nachfragerückgang befürchten zu müssen. Durch technische Innovationen stellen Sie immer bessere Maschinen her, so dass Sie erneut Kunden gewinnen. Die Maschinenbaubranche ist in einer wesentlich besseren Verfassung. Natürlich müssen Sie sich auch hier jedes Unternehmen einzeln ansehen und die Ertragslage analysieren. Auch bei Maschinenbauunternehmen gibt es Nieten. Besondere Vorsicht ist bei spekulativen Branchen geboten. Ein typisches Beispiel dafür ist die Biotechnologie, der zwar eine glänzende Zukunft vorhergesagt wird, die aber nur langsam Fortschritte macht. Seitdem das Humangenom, d.h. der gesamte Erbsatz eines Menschen, entziffert wurde, herrschte in der Branche um das Jahr 2000 Aufbruchsstimmung. Doch schon bald begannen die Kurse mit der Krise der New Economy zu bröckeln, und seitdem notieren viele kleine Biotechnologieunternehmen auf einem sehr niedrigen Niveau. Auch hier sollten Sie grundsätzliche Überlegungen zum Geschäftsmodell anstellen. Zwar gibt es in der Biotechnologie auch große Konzerne wie beispielsweise Genentech und Augen, die seit vielen Jahren etabliert sind und den Vergleich mit herkömmlichen Pharmakonzernen nicht zu scheuen brauchen, doch insgesamt wird die Branche von kleinen Unternehmen dominiert, die nur ein oder zwei Medikamente in der Pipeline haben, wie es im Branchenjargon heißt. Dabei sollten Sie als Anleger berücksichtigen, dass diese Medikamente noch keine Zulassung haben und dass das Verfahren allein mehrere Jahre dauern kann. Die Arzneimittelzulassungsbehörde – die Food and Drug Administration (FDA) – in den USA ist eine der strengsten der Welt; und bei Zwischenfällen können Schadensersatzklagen in Milliardenhöhe auf das Unternehmen zukommen. Die neu entwickelten Medikamente müssen zudem in Vergleichsstudien beweisen, dass sie mindestens so wirksam und sicher sind wie bereits vorhandene Arzneimittel. Daher ist es nicht verwunderlich, dass neue Medikamente relativ selten auf den Markt kommen. Von den geschätzten 50.000 Präparaten, die auf dem Markt erhältlich sind, sind nur zirka 400 wirklich unentbehrliche Arzneimittel. Bei dem Rest handelt es sich um Kombinationspräparate. Spötter behaupten gerne, dass Apotheker und Ärzte nie Pharma- oder Biotechnologieaktien kaufen würden. Daran mag ein Quäntchen Wahrheit sein, man würde aber der Biotechnologiebranche Unrecht zufügen, wenn man die Erfolge außer Acht ließe. Tatsächlich gelang es einzelnen Unternehmen, neue Medikamente auf den Markt zu bringen; die Aktien dieser Biotechnologieunternehmen stießen wie Kursraketen in den Aktienhimmel empor. Die meisten Unternehmen jedoch forschen noch immer und sind gleichsam auf Kredit finanziert, ohne jemals auch nur ein einziges Medikament hervorgebracht zu haben. Die besonders lukrativen, gewinnbringenden Biotechnologieschmieden werden häufig kurz nach dem Bekanntwerden der Forschungsergebnisse von Pharmakonzernen übernommen. Anleger, die rechtzeitig einsteigen, profitieren natürlich von diesen Übernahmeangeboten. Insgesamt betrachtet ist es aber äußerst schwierig, ein aussichtsreiches Biotechnologieunternehmen aus der Vielzahl herauszupicken. Selbst hoch qualifizierte Pharmakologen entdecken oft erst im Endstadium die gefährlichen Nebenwirkungen eines Arzneimittels, was das sofortige Aus bedeutet. Da etliche Biotechnologieunternehmen keine breite finanzielle Basis haben, ist damit der Untergang des Unternehmens vorprogrammiert.

Als Fazit kann man festhalten: Prüfen Sie das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens. Überlegen Sie, ob es jemals profitabel sein kann. Sie müssen nicht unbedingt wissen, was ein Cashflow, ein Return on Investment oder eine Gesamtkapitalrentabilität ist. Wenn Sie aber das Gefühl haben, dass diese Branche nicht wirklich Gewinne erzielt, dann lassen Sie es sein.

Stellen Sie sich ein Unternehmen vor, dass sich schon zu Lebzeiten ein Museum errichtet. Vielleicht mag die Architektur gar mit dem Guggenheim-Museum in New York wetteifern und das Gebäude entfernt an eine etwas zerdrückte Hutschachtel erinnern, aber zehrt dieses Unternehmen nicht von den Meriten einer glorreichen Vergangenheit, die allmählich zu verblassen beginnen? Eine große Vergangenheit kann durchaus ein Vorteil sein, aber wenn das Unternehmen in seiner Innovationskraft nachlässt und den Kundendienst vernachlässigt, wird sich dies früher oder später im Aktienkurs niederschlagen.

Als erfolgreicher Anleger sollten Sie daher immer Folgendes beherzigen:
• Wählen Sie nur Unternehmen aus, die Sie persönlich überzeugen und mit denen Sie sich identifizieren können. Eine Aktie
ist kein Stück Papier, sondern eine Unternehmensbeteiligung. Wenn Sie keine Unternehmen mögen, in denen die Investor- Relations-Abteilung Ihnen keine Antwort zukommen lässt, in denen Sekretärinnen sich mehr ihrem Frühstück widmen als Ihrem Anliegen, dann kaufen Sie keine solchen Aktien.
• Wenn Sie Vorbehalte haben und ethische Bedenken hegen, sollten Sie keine Rüstungsunternehmen erwerben oder Gesellschaften kaufen, die mit Tabakwaren handeln oder Geschäfte in Ländern betreiben, in denen Kinderarbeit oder schwere Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind.
• Das Unternehmen, das Sie kaufen, sollte Ihnen rundum Zusagen. Schließlich kaufen Sie auch kein Auto mit violetten und erdbeerroten Tupfen oder ein Fahrzeug, dessen Bremsen vielleicht nur noch fünf Kilometer funktionieren und dessen Boden völlig verrostet ist. Der Kauf eines Unternehmens ist nur dann sinnvoll, wenn es auch in fünf oder zehn Jahren noch steigende Gewinne erwirtschaften wird.
• Lassen Sie sich Zeit und prüfen Sie sorgfältig. Es gibt eine unüberschaubare Anzahl von Aktien auf der ganzen Welt. Sie haben eine riesige Auswahl; und jederzeit ergeben sich neue Chancen. Die meisten Menschen widmen dem Kauf eines Autos oder der Buchung einer Urlaubsreise mehr Zeit als dem Kauf von Wertpapieren. Dabei hängen von dieser Entscheidung Ihre Zukunft und Ihre finanziellen Chancen ab.
• Lassen Sie sich auf keinen Fall von dubiosen Tipps, heißen Empfehlungen oder anderen Hinweisen leiten. Prüfen Sie selbst nach. Im Zeitalter des Internets ist es ein Leichtes, Geschäftsberichte und ausführliches Material von den Unternehmensseiten herunterzuladen. Auch wenn die merkwürdige Fachsprache und die vielen Zahlen Sie anfangs abschrecken mögen; nachdem Sie dieses Finanzportals durchgearbeitet haben, werden Sie die wichtigsten Zusammenhänge und Kennzahlen verstehen. Scheuen Sie sich nicht, in der Investor-Relations-Abteilung des Unternehmens per E-Mail oder telefonisch nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstehen oder aktuelle Informationen haben wollen.
• Wenn das Unternehmen in Ihrer Nähe ist, sollten Sie an einer Betriebsbesichtigung teilnehmen. Dadurch erhalten Sie bessere
Eindrücke und können sich selbst ein Bild machen. Wenn Sie wollen, können Sie auch das Produkt oder die Dienstleistung unter die Lupe nehmen. Fragen Sie Kunden, was sie von dem Produkt oder der Dienstleistung halten.

Die Kapitalerhöhung beim Aktienkauf

Viele Unternehmen möchten nach einiger Zeit expandieren und zusätzliche Investitionen tätigen. Besonders neu gegründete Aktiengesellschaften haben nach ein paar Jahren zusätzlichen Kapitalbedarf. Um diesen nicht durch die Aufnahme von Fremdkapital decken zu müssen, ist es möglich, das Eigenkapital zu vergrößern. Hierzu gibt die Aktiengesellschaft neue Aktien aus. Dieses Verfahren nennt man Kapitalerhöhung.

Die neuen Aktien werden dabei mit Hilfe von Banken an der Börse oder bei anderen Investoren platziert. Die Einnahmen der Aktiengesellschaft ergeben sich aus dem Unterschied zwischen dem Nennwert der Aktie (bei Quotenaktien dem rechnerischen Nennwert) und dem bei der Platzierung erzielten Marktwert. Stellen Sie sich vor, eine Nennwertaktie hat den vorgegebenen Wert von 5 Euro (obgleich heutzutage die meisten Aktien nennwertlos sind); bei der Platzierung an der Börse oder bei Investoren wird bei der Erstnotierung ein Marktwert von 14 Euro erzielt. Die Differenz (14 Euro minus 5 Euro), nämlich 9 Euro, sind das Aufgeld oder Agio. Dieses Aufgeld wird in der Bilanz der Aktiengesellschaft den Kapitalrücklagen zugeführt. Da die Kapitalrücklagen zum Eigenkapital zählen, wird dadurch das Eigenkapital der Aktiengesellschaft erhöht.

Ein Problem ergibt sich für die Altaktionäre. Wenn neue Aktien an die Börse kommen, ändern sich die Vermögensverhältnisse.

Die Bezugsrechte und der Bezugsrechtshandel
In den meisten Fällen liegt der festgelegte Wert der neuen Aktien in der Nähe des aktuellen Aktienkurses der alten Aktien. Wenn aber – was fast immer der Fall ist – die neuen Aktien etwas billiger als die alten sind, dann haben neue Investoren die Möglichkeit, das Unternehmen dank der neuen Aktien zu einem günstigeren Preis zu kaufen. Die Altaktionäre würden dadurch erheblich benachteiligt, und ihr Aktienbesitz würde an Wert verlieren. Um dies zu verhindern, ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass die Altaktionäre ein Vorkaufsrecht auf die neuen Aktien geltend machen können. Diese Bezugsrechte werden von der Depotbank dem Anleger angeboten. Dieser Bezugsrechtshandel ist zeitlich befristet. Man benötigt in der Regel mehrere Altaktien, um eine neue Aktie erwerben zu können.

Die Ankündigung einer Kapitalerhöhung wirkt sich meist negativ auf den Aktienkurs aus; denn die Anleger befürchten, dass ein so genannter Verwässerungseffekt eintritt. Dadurch, dass nach der Kapitalerhöhung mehr Aktien im Umlauf sind, werden die Unternehmensgewinne auf eine größere Anzahl von Aktien verteilt. Deshalb sinkt der Gewinn pro Aktie. Der zurückgehende Aktienkurs schreckt einige Anleger davon ab, die Bezugsrechte wahrzunehmen.
Ob eine Kapitalerhöhung langfristig den Aktienkurs beeinträchtigt, hängt von der Gesamtsituation des Unternehmens ab. Wenn die Ertragsaussichten gut und die Investitionen sinnvoll sind, kann das Unternehmen langfristig von der Kapitalerhöhung profitieren. Eine Aktiengesellschaft hingegen, die in einer schweren Krisensituation eine Kapitalerhöhung beschließt, sollte man eher meiden, da weitere Turbulenzen nicht auszuschließen sind.

Der Altaktionär hat nun folgende Möglichkeiten: Er kann die Bezugsrechte wahrnehmen und neue Aktien ordern. Dadurch stockt er seinen Anteil an der Aktiengesellschaft auf. Ob dies für Sie sinnvoll ist, hängt davon, ob Sie die Zukunft dieses Unternehmens positiv beurteilen und höhere Erträge erwarten. Falls Sie sich nicht noch mehr an dem Unternehmen engagieren wollen, können Sie die Bezugsrechte innerhalb der gegebenen Frist an der Börse verkaufen. Durch den Verkauf der Bezugsrechte bleibt Ihr Vermögensanteil an dem Unternehmen konstant, d.h. die Bezugsrechte haben rechnerisch den Wert, den Sie durch die Kapitalerhöhung als Altaktionär verlieren würden. Die Bezugsrechte gleichen diese Vermögensänderung wieder aus. Nach dem Verkauf haben Sie wieder den gleichen Anteil am Unternehmen wie vor der Maßnahme. Wenn Sie hingegen die neuen Aktien über die Bezugsrechte kaufen, erhöht sich Ihr Engagement. Ihre Depotbank informiert Sie in der Regel 2 Wochen, bevor die Kapitalerhöhung in Kraft tritt. Innerhalb der angegebenen Frist werden die Bezugsrechte wie Aktien an der Börse gehandelt. Wenn Sie nun als Anleger das Schreiben der Bank ignorieren und keinerlei Instruktionen erteilen, verkauft die Bank automatisch Ihre Bezugsrechte am letzten Tag des Bezugsrechtshandels. Das ist für Sie ungünstig, denn anscheinend kümmern sich viele Anleger nicht darum oder vergessen es, so dass die Bank, wie die Praxis zeigt, bei vielen Anlegern die Bezugsrechte am letzten Tag verkauft. Die Folge der vielen Verkaufsaufträge ist, dass der Kurs des Bezugsrechts stark fällt. Zwar entspricht das Bezugsrecht normalerweise dem rechnerischen Wert, der sich aus dem Vermögensunterschied ergibt, aber aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage resultiert ein eigener Markt, der beträchtlich vom rechnerischen Wert abweichen kann. Wenn Sie also beim Verkauf Ihrer Bezugsrechte keine Verluste machen wollen, sollten Sie Ihre Bezugsrechte an einem günstigen Tag veräußern und eventuell ein Limit setzen, damit Sie den besten Verkaufspreis erzielen.

Am Ende der Bezugsfrist werden die neuen Aktien als „junge Aktien“ getrennt von den alten an der Börse notiert. Diese eigene Notierung wird so lange beibehalten, bis auch diese jungen Aktien in voller Höhe dividendenberechtigt sind. Danach sind sie den alten Aktien gleichgestellt.

Etwas problematischer sind so genannte Vorratsbeschlüsse, die von der Hauptversammlung genehmigt werden müssen. Ein solcher Vorratsbeschluss, der längstens fünf Jahre gültig ist, besagt, dass der Vorstand auch innerhalb kurzer Zeit eigenmächtig eine solche Kapitalerhöhung beschließen darf. Der Haken an der Sache ist, dass die Vorstände auf der Hauptversammlung meist durchsetzen, dass das Vorkaufsrecht der Altaktionäre ausgeschlossen wird. Da dies eine enorme Benachteiligung darstellt, hat der Gesetzgeber für solche Vorratsbeschlüsse und für den Ausschluss des Vorkaufrechts enge Grenzen gesetzt. So darf der Aktienkurs der neuen Aktien nur geringfügig unter dem der alten liegen, um den Vermögensverlust zu begrenzen; wenn das Vorkaufrecht ausgeschlossen wird, darf die Kapitalerhöhung nur 10 Prozent des vorhandenen Eigenkapitals betragen.

Die Dividendenjäger beim Aktienkauf

Die meisten Hauptversammlungen finden bis auf wenige Ausnahmen zwischen April und Juli statt. Während dieser Monate folgt ein Termin dem anderen, und in den Nachrichten werden täglich oft mehrere Geschäftsberichte vorgestellt. Das ist die Hauptsaison für die so genannten Dividendenjäger. Die Dividende ist die Ausschüttung des Gewinns. Etliche Aktiengesellschaften schütten überhaupt keine Dividende aus – das gilt insbesondere für neu gegründete Unternehmen oder Technologiewerte, die die Gewinne meist wieder reinvestieren. Viele im DAX enthaltenen Unternehmen jedoch schütten traditionell Dividenden aus, und es ist für diese Unternehmen eine Frage der Reputation, die Dividende jedes Jahr beizubehalten oder auch zu erhöhen. Selbst in Krisenzeiten veräußern solche Unternehmen lieber ein paar Immobilien oder Beteiligungen, bevor sie die Dividende kürzen oder völlig streichen. Einige ausgeklügelte Anlagestrategien beruhen auf Dividendenausschüttungen, und ein Unternehmen gilt als umso solider, je länger das Unternehmen kontinuierlich eine gleichbleibende oder sogar steigende Dividende zahlt. Als Kennzahl gibt es die so genannte Dividendenrendite; dabei wird die Ausschüttung durch den aktuellen Aktienkurs dividiert (Beispiel: Wenn ein Unternehmen eine Dividende von 3 Euro je Aktie ausschüttet und der aktuelle Aktienkurs 100 Euro beträgt, dann ist die Dividendenrendite 3 Prozent). Die meisten Aktiengesellschaften liegen in ihrer Dividendenrendite zwischen 0,5 und 3 Prozent. In seltenen Fällen kann die Dividendenrendite sogar über 6 oder 7 Prozent liegen. Für manche Anleger ist diese Ausschüttung gleichsam eine Art zusätzliche Verzinsung oder ein Puffer gegen mögliche Kursverluste. Sie sollten allerdings Vorsicht walten lassen, denn eine hohe Dividendenrendite kann auch dadurch entstehen, dass der Aktienkurs sehr stark zurückgegangen ist; denn in diesem Fall steigt die Dividendenrendite. Wenn Sie eine solche Aktie nur wegen der hohen Ausschüttung kaufen, laufen Sie Gefahr, dass die Aktie ihren Abwärtstrend fortsetzt und Sie Verluste machen. Eine hohe Dividendenrendite ist nur dann für Sie als Anleger lukrativ, wenn der Aktienkurs zuvor über einen längeren Zeitraum gestiegen ist oder zumindest das Niveau beibehalten hat. Kaufen Sie auf keinen Fall vermeintlich interessante Aktien mit hoher Dividendenausschüttung, wenn der Aktienkurs ständig nach unten zeigt.

Dividendenjäger sind gewiefte Anleger, die die vielen Ausschüttungen einsammeln. Sie müssen dazu wissen, dass man die Aktie nur an einem einzigen Tag im Depot haben muss, um die Dividende zu erhalten. Sie müssen die Aktie nicht wochen- oder monatelang oder gar ein Jahr halten, sondern es genügt, wenn sie am Tag der Dividendenberechtigung im Depot war. Dieser Termin ist meist wenige Tage vor der Hauptversammlung. Sie erhalten dann die volle Ausschüttung. Diesen Umstand machen sich viele Dividendenjäger zunutze. Doch diese Strategie hat einige Haken. Allein beim An- und Verkauf der Aktien fallen Bankprovisionen und eventuell die Maklercourtage an. Selbst wenn Sie diese Kosten auf beispielsweise ein Prozent drücken und eine Dividendenrendite von 3 Prozent erzielen, müssen Sie noch Folgendes beachten. Am Tag nach der Dividendenberechtigung sinkt der Aktienkurs meist um die Höhe des Dividendenbetrags. Häufig geht der Aktienkurs sogar noch stärker zurück, da plötzlich einige Anleger, nachdem sie die Ausschüttung erhalten haben, die Aktie abstoßen und dadurch den Kurs noch weiter drücken. Insofern kann der Kursrückgang am Tag nach der Dividendenausschüttung stärker ausfallen, so dass Sie letztlich Verlust machen. Deshalb werden Dividendenjäger die Aktie etwas länger halten, ln vielen Fällen erholt sich der Aktienkurs nach einigen Tagen von der Dividendenausschüttung und steigt wieder, wenn das Unternehmen profitabel arbeitet und gute Zukunftsaussichten hat. Bei Aktiengesellschaften, die Anleger durch hohe Dividenden anlocken wollen, aber mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, kann der Aktienkurs nach der Ausschüttung sehr deutlich nachgeben, und der Kurs erholt sich selbst nach Monaten nicht mehr. Insofern sollten Sie, wenn Sie als Dividendenjäger sich die Saison zwischen April und Juli zunutze machen wollen, nur die besten Aktiengesellschaften heraussuchen. Problematisch ist auch, dass Sie bei der kurzen Haltedauer der Aktien die Kursgewinne versteuern müssen; dies gilt ebenso für die ausgeschüttete Dividende. Experten bezweifeln daher, ob eine solche Dividendenjäger-Strategie nach Abzug aller Transaktionskosten und Steuern wirklich lukrativ ist.

Neuemissionen und wie Aktien an die Börse kommen

Entgegen landläufiger Meinung sind nicht alle Aktien börsennotiert, sondern etliche Aktien werden privat platziert, d.h. die Aktiengesellschaft verkauft die Aktien direkt an private oder institutionelle Anleger. Wenn Ihnen ein solches Angebot in den Briefkasten flattert, sollten Sie Vorsicht walten lassen; denn solche Angebote können dubios sein, da diese Aktien nicht der Börsenaufsicht unterliegen. Darüber hinaus ist es sehr schwierig, solche Aktien wieder zu verkaufen. Ähnlich wie bei GmbH-Anteilen müssen Sie nämlich erst jemanden finden, der sie Ihnen abkauft. Da diese Aktiengesellschaften meist wenig bekannt sind, sind die Chancen dafür sehr gering. Kaufen Sie also im Zweifelsfall niemals Aktien, die nicht börsennotiert sind.
Obwohl es in den letzten Jahren deutliche Reformen gab und es inzwischen möglich ist, ein Unternehmen sofort als Aktiengesellschaft zu gründen, hat es sich eingebürgert, Unternehmen erst ein paar Jahre aufzubauen, bevor sie den Börsengang antreten können.

Die Konsortialbanken, die für den eigentlichen Börsengang zuständig sind, prüfen die Voraussetzungen sehr genau und erwarten eine solide Finanz- und Ertragslage und kontinuierlich steigende Umsätze. Zu Zeiten der New Economy und des Internetbooms, der 1999 einsetzte, strömten Hunderte von Unternehmen an die Börse, bei denen die Eignung oft fragwürdig war. Die Euphorie
der Massen führte dazu, dass auch Dot*coms eine Chance erhielten, deren wirtschaftliche Aussichten bei nüchterner Betrachtung eher schlecht waren. Man hatte damals eigens ein Börsensegment für diese Technologiewerte geschaffen, das als „Neuer Markt“ bezeichnet wurde. Viele europäische und außereuropäische Länder schufen ähnliche Börsenabteilungen, an denen vor allem vermeintlich innovative Technologieaktien notierten, die der Internet-, Telekommunikations- oder Medienbranche angehörten. Ein neuer Index namens NEMAX spiegelte den unglaublichen Aufstieg dieses Segments wider. Der Höchstwert des NEMAX erreichte über 9000 Punkte; in den Jahren danach setzte ein in der Börsengeschichte einmaliger Crash ein, der den NEMAX auf unter 900 Punkte fallen ließ. Viele Internetwerte waren im Jahre 2003, als der Tiefststand erreicht wurde, nur ein Zehntel oder noch weniger wert. Etliche Unternehmen gerieten in den Verdacht der Bilanzmanipulation und anderer illegaler Praktiken und mussten Insolvenz anmelden.
Als Anleger sollten Sie Neuemissionen kritisch betrachten; zwar gibt es in diesem Bereich die Möglichkeit, in kurzer Zeit beträchtliche Gewinne zu erzielen, aber einige der Aktien, die neu an die Börse kamen, verloren schon nach wenigen Wochen erheblich an Wert oder gingen sogar Pleite. Neuemissionen sind daher besonders risikoreich. Enormen Gewinnchancen stehen dramatische Verluste gegenüber. Ein Spitzenjahr der Neuemissionen war 1999, als mehr als 170 Aktiengesellschaften an die Börse kamen. Damals konnten Anleger praktisch blind zeichnen und erzielten über Nacht Riesengewinne. Doch schon einige Jahre später stürzten viele der vermeintlich gewinnträchtigen Technologiewerte wie Kartenhäuser in sich zusammen und rissen die Anleger mit in den Abgrund.

Man nennt den Börsengang eines Unternehmens im Englischen IPO oder „Initial Public Offering“ (öffentliches Zeichnungsangebot). Um eine Neuemission zu kaufen, müssen Sie bei Ihrer Bank solche Aktien „zeichnen“. Sie werden dann für den Kauf noch vor der ersten Börsennotierung vorgemerkt. In der Praxis sind viele Anleger und institutionelle Investoren daran interessiert, solche Neuemissionen zu erwerben. Denn wenn man auf das richtige Unternehmen gesetzt hat, können die Kursgewinne innerhalb weniger Monate oder eines Jahres beträchtlich sein. Während der Boomphase des neuen Marktes im Jahre 1999 erreichten manche Neuemissionen innerhalb von Monaten Wertsteigerungen von mehreren hundert Prozent. Solche Kursgewinne sind inzwischen seltener geworden, da nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes die Anleger vorsichtiger geworden sind. Doch auch mit den Neuemissionen der letzten Jahre konnte man in einem Jahr durchaus zwischen 20 und 100 Prozent erzielen. Was man allerdings bedenken sollte ist, dass es neben den Highflye und den Börsengewinnern etliche Unternehmen gibt, deren Aktienkurs nur nach unten zeigt. Am Ende einer solch unrühmlichen Talfahrt steht oft die unvermeidliche Pleite. Seien Sie also vorsichtig und prüfen Sie das Unternehmen sorgfältig. Lassen Sie sich nicht von Werbekampagnen und vollmundigen Slogans blenden: Jedes Unternehmen, das an die Börse geht, versucht, durch eine Flut von Werbespots die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erringen. Besonders bitter in Erinnerung ist die Werbekampagne der Deutschen Telekom, die Mitte der 1990er Jahre an die Börse ging und dort schon als zukünftige Volksaktie firmierte. Der Aktienkurs stieg auch innerhalb weniger Jahre dank des Internetbooms und der Euphorie am Neuen Markt auf unerwartete Höchststände. Mutige Anleger konnten ihr eingesetztes Kapital vervielfachen; doch dann setzte eine verhängnisvolle Talfahrt ein, so dass Anleger, die die Aktie zehn Jahre gehalten haben, inzwischen nur wenig mehr als den ursprünglichen Einstandskurs erreicht haben. Der starke internationale Wettbewerb, die enormen Veränderungen im Markt durch technische Innovationen wie DSL, WLAN, UMTS und Internettelefonie haben viele große Telekommunikationsunternehmen zu Verlierern gemacht. Als die Aktie jedoch an die Börse kam, zeichneten sich diese Entwicklungen erst in den Anfängen ab, so dass kaum jemand ahnen konnte, wie drastisch die Preise für Telekommunikation sinken würden.

Wenn Sie daher eine Neuemission kaufen möchten, nehmen Sie das Unternehmen kritisch und sorgfältig unter die Lupe. Welche Zukunftsaussichten hat das Unternehmen tatsächlich? Wie sehen die Märkte aus? Langfristige Untersuchungen haben ergeben, dass viele Neuemissionen trotz großer Versprechungen sich später schlechter entwickeln. Im Zeitraum von 1997 bis 2003, der den fulminanten Aufstieg der Technologiewerte und den Internetboom bis zum völligen Crash des neuen Marktes beschreibt, notierten über 90 Prozent aller Neuemissionen unter dem Ausgabewert. Angesichts solcher Zahlen sollten Sie äußerste Vorsicht walten lassen. Auch bei den Venture-Capital-Unternehmen, deren Hauptaufgabe es ist, neu gegründete Unternehmen durch so genanntes Wagniskapital in ihrer Expansion zu fördern und später auf den Börsengang vorzubereiten, ist es eine Erfahrungsregel, dass von 10 geförderten Unternehmen nur eines zum Börsenstar avanciert; vier entwickeln sich durchschnittlich bis mäßig, und der Rest erweist sich als erfolglos. Die meisten Unternehmen scheitern im vierten Jahr nach der Gründung.

Für viele Anleger ist es zudem schwierig, bei einer Neuemission zum Zuge zu kommen; denn die Banken, die die Aktie an die Börse bringen, die Konsortialbanken, bedienen ihre eigenen Kunden vorrangig; häufig ist es sogar so, dass vermögende Kunden bevorzugt werden, auch wenn die Kreditinstitute dies nie offiziell zugeben würden. Daher eröffnen gerissene Anleger ein zusätzliches Wertpapierdepot bei einer Bank, die am Emissionsverfahren beteiligt ist. Dennoch lohnt es sich für Sie nicht, bei jeder interessanten Neuemission ein neues Wertpapierdepot bei einer anderen Bank einzurichten, denn Sie verzetteln sich dadurch. Es kann nämlich wichtig sein, dass Sie Ihre Wertpapiere bei einer Bank verwalten, wenn Sie beispielsweise eine Baufinanzierung oder einen größeren Kredit benötigen. Eine Bank, bei der Sie erst einige Monate Kunde sind, wird Ihnen weniger Entgegenkommen bei der Zinshöhe oder bei der Einstufung Ihrer Kreditwürdigkeit zeiggn als Ihre langjährige Hausbank. Bei vielen großen Aktienemissionen, die durch Privatisierung einst staatlicher Unternehmen entstanden, wurde Wert darauf gelegt, dass vor allem Kleinanleger zuerst Aktien erhielten. Beispielsweise hat die Telekom bei Ihrer Emission Zuteilungsklassen definiert; so bekamen Anleger, die zwischen 1 und 150 Aktien geordert hatten, auf jeden Fall den Zuschlag, unabhängig davon, ob sie Kunden bei einer der Konsortialbanken waren oder nicht. Der Emittent kann zudem festlegen, wie groß der Anteil für die institutionellen Anleger sein soll. Eine solche Beschränkung nennt man Kontingentierung.

Insgesamt ist die Zeichnung neuer Aktien eher eine Glückssache. Bei interessanten Neuemissionen sind die Aktien oft mehrfach überzeichnet, d.h. es gibt ein Vielfaches an potenziellen Käufern. Solche Papiere haben oft gute Chancen, innerhalb weniger Tage deutlich anzusteigen. Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist die Aktie der berühmten Internetsuchmaschine Google. Für deutsche Anleger ist es allerdings aufwändig, eine ausländische Neuemission zu zeichnen; denn Sie müssen bei der ausländischen Konsortialbank ein Wertpapierdepot unterhalten.

Allerdings kann ein solcher „Run“ auf Neuemissionen auch das Ende einer Börsenhausse signalisieren. Als Siemens Infineon an die Börse brachte, stürmten bereits Hausfrauen, Taxifahrer und Studierende die Banken, um noch rechtzeitig ein Wertpapierdepot zu eröffnen und die Neuemission zu zeichnen. Doch dann brach der Neue Markt plötzlich in sich zusammen, und auch Infineon verzeichnete enorme Kursverluste. Sobald Sie in Boulevardzeitungen, TV-Magazinen und Lifestyle-Zeitschriften eine ausführliche Berichterstattung über die Börse finden, sollten Sie darüber nach- denken, ob möglicherweise unmittelbar eine Korrektur an den Aktienmärkten bevorsteht.
Ein wichtiges Beispiel für Neuemissionen sind Spin-offs. Darunter versteht man die Ausgliederung eines Unternehmensbereichs aus einem Konzern. Dieser Bereich wird zu einem eigenständigen, börsennotierten Unternehmen. Die Altaktionäre erhalten dann Berichtigungsaktien und haben in ihrem Depot zugleich die Aktien des ausgegliederten Unternehmens.

Infineon ist kein Spin-off im engeren Sinne, da in diesem Fall die Altaktionäre nicht beteiligt wurden. Der Unternehmensbereich wurde gleichsam als neue Aktiengesellschaft wieder gegründet, was für den Konzern von Vorteil war. Denn intern waren die Vermögenswerte in der Bilanz durch jahrelange Abschreibungen viel niedriger bewertet als der spätere Börsenwert. Ein ähnliches Beispiel ist die Ausgliederung der Deutschen Postbank aus der Deutschen Post. Für Negativschlagzeilen sorgte T-Online; dieses Unternehmen wurde zuerst aus der Deutschen Telekom ausgegliedert.

Als man bei der Deutschen Telekom die herausragende Bedeutung der Internettechnologie erkannte, beschloss man, sich das Unternehmen wieder einzuverleiben. Viele Aktionäre von T-Online mussten deutliche Einbußen hinnehmen, zumal das Unternehmen durch die Krise der Technologie- und Internetwerte erheblich an Wert verlor.

Wie kaufe ich Aktien – die Wertpapierkernnummer WKN

Um eine Aktie oder ein anderes Wertpapier zu kaufen, benötigen Sie die Wertpapierkennnummer. Jedes in Deutschland notierte Wertpapier, seien es Aktien, Optionsscheine, Zertifikate, Investmentfonds oder Anleihen, hat eine sechsstellige Wertpapierkennnummer (WKN). Obwohl bei Aktien Verwechslungen geringer sind und jeder Bankberater die Aktien von Siemens, Deutscher Bank oder SAP kennt, kann es dennoch sinnvoll sein, die Wertpapierkennnummer herauszusuchen. Denn manche Aktien gibt es als Stamm- und Vorzugsaktien. Bei ausländischen Aktien sind ebenfalls verschiedene Varianten im Handel.

Vor einigen Jahren hat man sich international darauf geeinigt, ein einheitliches System zur Bezeichnung von Wertpapieren einzuführen. Die internationale Wertpapierkennnummer (ISIN) oder International Securities Identification Number, die im Jahre 2003 aufkam, besteht aus einem Länderkürzel (DE für Deutschland, AT für Österreich, CH für die Schweiz), einer Nummer und einer Paritätsziffer am Ende, die nur für die Datenverarbeitung relevant ist. Die ISIN hat weltweit einheitlich 12 Stellen; nicht verwendete Stellen werden mit Nullen aufgefüllt. In Deutschland stimmt die Zahlenfolge zwischen dem Länderkürzel und der Paritätsziffer mit der Wertpapierkennnummer meistens überein. Nur in seltenen Fällen weicht die ISIN von der Wertpapierkennnummer ab.

Bei Aktien, die neu an die Börse gebracht wurden, so genannten Neuemissionen oder IPOs (Initial Public Offering), oder bei ausländischen Aktien, die erst seit kurzem in Deutschland notiert werden, werden häufig provisorisch Buchstaben mit Ziffern statt nur Ziffern verwendet. Es gilt die Regel, dass der Buchstabe „o“ nicht verwendet werden darf, da die Verwechslungsgefahr mit der Null zu groß ist. Ausländische internationale Wertpapierkenn- nummern halten sich nicht an dieses Prinzip, daher können beispielsweise bei einer Aktie aus Australien Nullen und der Buchstabe „o“ zusammen Vorkommen.

Lesen Sie bitte die Wertpapierkennnummer oder die ISIN sorgfältig, vergleichen Sie jede Ziffer und jeden Buchstaben. Schon die geringste Verwechslung führt dazu, dass Sie ein ganz anderes Wertpapier erhalten. Deshalb sollten Sie sich am Telefon vom Berater den Namen der Aktie nennen lassen, um sicher zu gehen, dass Sie das richtige Papier gewählt haben. Wenn Sie den Auftrag online durchführen lassen, wird auf Ihren Klick hin eine Datenbank durchsucht und das System trägt den Namen automatisch in das Online-Formular ein, nachdem Sie die Wertpapierkennnummer oder die ISIN eingegeben haben. Stimmt der Name der Aktie nicht mit Ihrem gewünschten Wertpapier überein, brechen Sie den Vorgang sofort ab. Dann haben Sie sich entweder vertippt oder eine andere WKN oder ISIN eingegeben.

Die einzelnen Anlagestrategien – die Dividendenstrategie

Bei den Anlagestrategien, die den Markt übertrumpfen und zu edier Überrendite führen sollen, unterscheidet man solche, die auf der Fundamentalanalyse und damit den Bilanzkennzahlen beruhen, und solche, die sich auf die technische Analyse der Aktienkurse berufen. Alle diese Anlagestrategien wurden wissenschaftlich überprüft und an mehreren unterschiedlichen Zeiträumen getestet.
Obwohl etliche Anlagestrategien alle Tests bestanden, mussten einige im Nachhinein aufgegeben werden. Es stellte sich heraus, dass die zu erzielenden Überrenditen so gering waren, dass die Transaktionskosten (beispielsweise die Bankprovision) und die Steuern aufgrund der vielen Umschichtungen deutlich höher lagen. Das alte Börsensprichwort „Hin und her macht Taschen leer“ bewahrheitet sich auch hier. Ein anderes Problem ist die so genannte Overpopularity. Wenn viele Anleger auf dieselbe Strategie setzen, müsste der Überrendite-Effekt sich langfristig aufheben; dies gilt insbesondere für unterbewertete Aktien, die durch die starke Nachfrage stark ansteigen, so dass die erzielbaren Renditen deutlich sinken. Obwohl viele dieser Marktanomalien schon lange bekannt sind, gibt es Phänomene wie den Januar-Effekt immer noch.
Alle Anlagestrategien haben das entscheidende Ziel, eine Überrendite zu erzielen, d.h. die Wertentwicklung der auswählten Aktien muss stets höher sein als der Marktdurchschnitt, denn sonst könnte man bequem und ohne komplizierte Strategie auf den Index setzen. Darüber hinaus muss jede Anlagestrategie eine so hohe Überrendite erbringen, dass sich die Anlage auch nach Abzug von Transaktionskosten und Steuern noch lohnt.

Die Dividendenstrategie
Die Dividendenstrategie ist eine der populärsten, bekanntesten und ältesten Anlagestrategien. Ihre wissenschaftliche Grundlage wurde erstmals im Jahre 1988 im Wall Street Journal erörtert. In einer Untersuchung fand John Slatter heraus, dass Aktien mit hoher Dividendenausschüttung in dem Zeitraum von 1972 bis 1987 eine jährliche Wertsteigerung von 18,4 Prozent erreichten, während der als Vergleichsmaßstab verwendete Dow-Jones-Index es nur auf eine jährliche Wertsteigerung von 10,8 Prozent brachte. Damit übertraf die Dividendenstrategie das Indexinvestment um mehr als 7,6 Prozentpunkte.
Dieses Ergebnis löste eine Flut von Folgeuntersuchungen aus, und im Jahre 1992 machten Michael O’Higgins und John Downes in ihrem Buch „Beating the Dow“ die Dividendenstrategie weltweit bekannt. Das in den USA berühmte Börsenmagazin, JBarron’s“ stellte verblüfft fest, dass die Dividendenstrategie in zwei Jahrzehnten nur drei Verlustjahre mit sich brachte.

Die Dividendenstrategie erschien als ein wahres Wunder und wurde weiter verfeinert. Eine der wichtigsten Dividendenstrategiert ging unter dem Namen „Dogs of the Dow“ in die Börsengeschichte ein. Diese Strategie funktioniert folgendermaßen: Anfang Januar sortiert der Anleger die 30 Aktien des Dow Jones nach ihrer Dividendenrendite. Der Dow Jones ist zwar nach seiner Berechnung ein veraltetes Börsenbarometer, aber aufgrund der historischen Bedeutung wurde es beibehalten. Der Dow Jones umfasst die 30 größten amerikanischen Standardwerte. Die Aktie mit der höchsten Dividendenrendite ordnen Sie an erster Stelle ein, und dann folgen die anderen Aktien in Höhe der Dividendenrendite. Im zweiten Schritt nehmen Sie die zehn Aktien mit der höchsten Rendite und kaufen Sie. Alle Aktien sollen im Depot den gleichen Anteil einnehmen. Nach einem Jahr schichten Sie Ihr Portfolio um und wählen erneut die zehn Aktien des Dow Jones mit der höchsten Dividendenrendite.

Diese Anlagestrategie ist bestechend einfach, da sie auch ohne großen Rechenaufwand und komplexe Umschichtungen durchgeführt werden kann. Eine Untersuchung der in den USA sehr beliebten Investmentgemeinde Motley Fool, die sich durch ihren populären Stil auszeichnet, zeigte, dass die Dividendenstrategie eine deutliche Überrendite erreicht. Im Zeitraum von 1961 bis 1999 erwirtschaftete man damit eine Wertsteigerung von 14,6 Prozent pro Jahr, wobei das Ergebnis nur in drei Jahren im Minus lag. Eine Indexstrategie, die im selben Zeitraum auf den Dow-Jones-Index gesetzt hätte, hätte eine Rendite von 12,4 Prozent jährlich erbracht.

Wenn Sie diese Zahlen betrachten, erkennen Sie zwei Dinge: Zum einen ist die Aktienanlage jeder anderen Anlageform (wie Anleihen, Bausparverträge, Lebensversicherungen, Immobilien) weit überlegen; denn selbst wenn man nur auf den Index gesetzt hätte, ohne selbst Aktien auszuwählen, hätte man in dem betrachteten Zeitraum problemlos eine Rendite von über 12 Prozent erreicht. Sie sollten allerdings beachten, dass bei jeder Aktienanlage die langen Zeiträume entscheidend sind. Geduld und Disziplin zahlen sich immer aus. Mit der Dividendenstrategie hätten Sie so- gar 14,6 Prozent pro Jahr erzielt. Sie müssen natürlich beachten, dass solche Werte nur dadurch zustande kommen, dass man einen sehr langen Zeitraum berücksichtigt. Kurzfristig können bei einer Aktienanlage deutliche Verluste eintreten; das gilt vor allem dann, wenn Sie einen Zeithorizont von weniger als fünf Jahren zugrunde legen.

Die Dividendenstrategie schnitt in der Boomphase der Technologiewerte Ende der 1990er Jahre wesentlich schlechter ab. Denn die Dividendenstrategie setzt in erster Linie auf Substanzwerte mit einer hohen Ausschüttung; daher rechnet man sie zu den Value- Strategien. Zwischen 1995 und 1999, als der Neue Markt entstand und Technologietitel zu den Favoriten zählten, brachte die „Dogs of Dow“-Strategie lediglich eine jährliche Wertentwicklung von 18,9 Prozent. Sie mögen über diese Zahl staunen, denn sie ist wirklich sehr hoch; aber ein passives Investment in den
Dow- Jones-Index hätte Ihnen in demselben Zeitraum eine Superrendite von 27 Prozent jährlich eingebracht. Ende der 1990er Jahren hatten die Wachstumswerte die Substanzwerte überflügelt. Daher war die Growth-Strategie, die auf Gewinnwachstum bei Technologietiteln setzte, die bessere Alternative.
Andere Untersuchungen belegen indes, dass in den letzten Jahrzehnten die Value-Strategien mit ihren Substanzwerten wesentlich besser abschnitten. Nur die zweite Hälfte der 1990er Jahre widersprach diesem Befund. In den Krisenjahren zwischen 2000 und 2004, als die Internetaktien und die Technologietitel ins Bodenlose fielen, erreichte man mit der „Dogs of the Dow“- Strategie immerhin 4,4 Prozent Wertsteigerung im Jahr, während der Dow- Jones-Index es auf magere 0,7 Prozent pro Jahr brachte.

Die „Dogs of the Dow“- Strategie ist nicht unumstritten, denn sie führt zu einigen Fehleinschätzungen. In den letzten Jahren haben sowohl in Deutschland als auch in den USA die Aktienrückkäufe deutlich zugenommen. Durch den Aktienrückkauf erfolgt eine verdeckte Dividendenausschüttung, die dann bei dieser Analysemethode unberücksichtigt bleibt. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Gefahr der Overpopularity, d.h. dadurch dass immer mehr Anleger die „Dogs-of-Dow-Strategie“ anwenden, werden diese Dividendenschwergewichte im Dow Jones stärker nachgefragt und steigen im Kurs, was zu einer hohen Bewertung führt. Die Aktien sind dann bereits „teuer“, und die Chancen auf einen weiteren Kursanstieg schwinden.

Darüber hinaus wird die zu erzielende Rendite durch die Transaktionskosten (wie Bankprovisionen, Depotgebühren) und Steuern gemindert.

Anlagestrategien mit anderen Kriterien beim Aktienkauf

Neben der weit verbreiteten Dividendenstrategie gibt es natürlich noch eine Fülle anderer Kennzahlen, die sich für eine Anlagestrategie eignen. Auch in diesem Bereich war Motley Fool aktiv. Für Aufsehen sorgte beispielsweise die Keystone-Strategie.

Die Keystone-Strategie
Als Grundlage diente eine Datenbank in den USA mit 1700 Aktien, die vom Finanzdienstleister Value Line betrieben wird. In dieser Datenbank werden alle Aktien in 5 Kategorien untergliedert, wobei die Kategorie 1 alle Aktien mit dem höchsten Kurspotenzial für die nächsten 12 Monate umfasst und die Kategorie 5 alle Werte mit den schlechtesten Kurschancen.

Bei der Keystone-Strategie werden zunächst alle Aktien ausgewählt, die in die Kategorien 1 oder 2 fallen und damit das höchste Kurspotenzial haben. Danach wählt man 30 Titel aus, die die höchste Börsenkapitalisierung aufweisen. Anschließend werden wiederum 10 Aktien herausgefiltert, die in den letzten 26 Wochen die höchste relative Stärke, d.h. den größten Kurszuwachs im Vergleich zum Gesamtmarkt, hatten. Das Ergebnis dieser Strategie ist überaus erstaunlich: In den Jahren von 1987 bis 1998 erzielte man mit der Keystone-Strategie eine gigantische Rendite von 31 Prozent pro Jahr, während der als Vergleichsmaßstab gewählte S&P 500-Index lediglich auf 18 Prozent Wertsteigerung pro Jahr kam.

Bei der Keystone-Strategie handelt sich anders als bei den Verfahren, die auf der Dividendenrendite beruhen und die einen Substanzwert-Ansatz verkörpern, um eine Wachstumsstrategie. Die Growth-Strategie war natürlich vor allem in den 1990er Jahren, als die Wachstumstitel überproportional zulegen konnten, äußerst erfolgreich. Über einen Zeitraum von vielen Jahrzehnten konnten sich jedoch die Substanzwerte besser behaupten.

Der KGV-Effekt
Der amerikanische Finanzexperte James O’Shaughnessy führte in den 1990er Jahren etliche Studien durch, die er in seinem Werk „What Works on Wall Street“ 1997 veröffentlichte. Dabei bediente sich O’Shaughnessy einer Vielzahl unterschiedlicher Kennzahlen, um weitere Überrendite-Effekte aufzuspüren.
Ein wichtiges Phänomen, das in die Fachliteratur einging, ist der KGV-Effekt. Je niedriger das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist, desto besser sind die Chancen, eine überdurchschnittliche Wertsteigerung zu erzielen. Aktien mit einem niedrigen KGV schnitten pro Jahr um 2 Prozent besser ab als der Markt. Wallmeier kommt in
einer Studie zu dem Resultat, dass die KGV- Strategie in den Jahren von 1967 bis 1994 eine Durchschnittsrendite von 17,58 Prozent erbrachte, während Aktien mit hohem Kurs-Gewinn-Verhältnis nur eine Wertsteigerung von jährlich 10,05 Prozent erreichten.
Als Anleger sollten Sie also darauf achten, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis Ihrer Aktie nicht zu hoch ist. Der optimale Wert liegt knapp unter dem Branchendurchschnitt.

Der KUV-Effekt
Nach einer Untersuchung von O’Shaughnessy brachten Aktien ebenfalls eine Überrendite von 2 Prozent mit sich, die ein niedriges Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) hatten. O’Shaughnessy betrachtete den Zeitraum von 1951 bis 1994. Wenn man 1951 eine Summe von 10.000 US-Dollar in den S&P500-Index anlegte, hatte man 1994 ein Vermögen von 800.000 US-Dollar. Wenn man jedoch dieselbe Ausgangssumme in Aktien mit einem Kurs-Umsatz- Verhältnis von weniger als 1,0 investierte, wuchs das Geld auf 5,6 Millionen US-Dollar im Jahr 1994. Noch besser ist das Resultat, wenn nur die Aktien berücksichtigt werden, die im Vorjahr die beste Wertsteigerung vorweisen konnten. O’Shaughnessy kombiniert auf diese Weise den KUV-Effekt mit einer, wie er es nennt, Winner-Strategie. Der Anleger, der sein Geld so anlegte, hatte im Jahre 1994 mehr als 7,8 Millionen US-Dollar.

Der Größen- oder Small-Cap-Effekt
Eine besonders interessante Strategie beruht auf dem Großen Effekt. Wie Sie bereits wissen, unterscheidet man Aktien auch nach dem Grad der Marktkapitalisierung. Es gibt große Standardwerte (Large Caps oder Blue Chips) wie Siemens, Deutsche Bank, SAP oder BASF, mittelgroße Werte oder Mid Caps und Aktiengesellschaften mit geringer Marktkapitalisierung, so genannte Small Caps.
Zur Veranschaulichung können Sie einen Standardwert mit einem Elefanten und den Small Cap mit einer Maus vergleichen. Der Elefant ist schwerfällig und behäbig; genauso verhält es sich mit den riesigen Konzernen, die oft durch Überbürokratisierung und mangelnde Innovationskraft gekennzeichnet sind. Ihr Vorteil ist, dass sie sich eher auf internationalen Märkten behaupten können und weitaus weniger insolvenzgefährdet sind. Small Caps sind gleichsam flink, wendig und flexibel. Sie verkörpern das dynamische, ideenreiche mittelständische Unternehmen, das sich durch hohe Zuwachsraten bei den Gewinnen und Umsätzen auszeichnet. Allerdings haben Small Caps auch Nachteile: In einer Wirtschaftskrise können solche Unternehmen schnell in eine Schieflage geraten.

Eine Studie von Ibbotson Associates, die bereits 1991 veröffentlicht wurde, zeigt deutlich auf, wie sehr Small Caps die Standardwerte in der Wertentwicklung überholen können. Hätte man im Jahre 1926 1.000 US-Dollar in den S&P500-Index angelegt, so wären im Jahr 1990 daraus 244.130 US-Dollar geworden. Hätte man indes die 1.000 US-Dollar in kleine Aktiengesellschaften angelegt, so hätte sich die Summe zu einem Vermögen von 339.595 US-Dollar entwickelt. In Deutschland lag die jährliche Rendite von Small Caps im Zeitraum von 1969 bis 1991 bei mehr als 13 Prozent. Die Standardwerte brachten es im selben Zeitraum nur auf eine jährliche Performance von 7,2 Prozent.

Wenn Ihnen Ihr Kundenberater in einem Erstgespräch gleich zu Aktien wie Siemens, BWM, BASF und Co. rät, dann wissen Sie, dass diese Strategie langfristig wenig erfolgversprechend sein kann. Zwar werden diese Aktien immer als sicher und solide angepriesen, aber die Wertsteigerung ist meist geringer als bei Aktien mit mittlerer oder geringer Marktkapitalisierung.

Fundamentalanalyse beim Aktienhandel – die Dividendenrendite

Die Dividendenrendite wird berechnet, indem man den Börsenkurs durch die Dividende je Aktie teilt. Da manche Aktiengesellschaften gar keine Dividenden ausschütten, ist bei ihnen die Dividendenrendite gleich Null. Dies gilt insbesondere für Technologieunternehmen, die vorzugsweise die Gewinne wieder in technische Innovationen reinvestieren. Untersuchungen haben gezeigt, dass Aktien mit einer hohen Dividendenrendite langfristig eine bessere Performance erzielen als Unternehmen, die nur eine geringe oder gar keine Dividende ausschütten. Einige wichtige Anlagestrategien beruhen auf diesem Merkmal. Sie sollten beachten, dass eine hohe Dividendenrendite auch dann zustande kommt, wenn der Aktienkurs stark gesunken ist. Eine Aktie ist nur dann ein echter Kauf, wenn die Dividendenausschüttung hoch ist, aber zugleich alle anderen Faktoren für den Erwerb der Aktie sprechen. In Deutschland liegt die Dividendenrendite nur selten über 2 bis 3 Prozent. Bei Unternehmen, die eine Rendite über 3 Prozent erwirtschaften, sollten Sie sich die Aktie genau ansehen. Ist der Kurs in letzter Zeit stark gesunken? Hat das Unternehmen Probleme oder einen Gewinnrückgang? Sie sollten solche Dividendenschwergewichte nur dann kaufen, wenn Sie sicher sind, dass das Unternehmen auch rentabel ist.

Die einzelnen Anlagestrategien – andere diversen Dividendenstrategien

Die Entdeckung der Dividendenstrategie führte zu einer fieberhaften Suche nach weiteren Verbesserungen, um die Überrendite noch zu steigern. Die Experten durchforsteten die Datenberge und fanden weitere Anhaltspunkte. Insgesamt gibt es eine ganze Reihe von Dividendenstrategien, die durch weitere Kriterien optimiert wurden. Wie sich am Ende am zeigen wird, ist die Rendite bei manchen Strategien so gering, dass sie die Transaktionskosten nicht völlig abdeckt.

Small Dogs of the Dow
Diese verbesserte Dividendenstrategie wurde von O’Higgins entwickelt und auch nach ihm benannt. Bei dieser Strategie geht man genauso wie bei den Dogs of the Dow vor. Er verwendet jedoch ein zusätzliches Auswahlkriterium, das zu einer höheren Performance führt. Von den zehn dividendenstärksten Werten des Dow-Jones- Index werden diejenigen 5 Aktien ausgewählt, die den optisch niedrigsten Kurs haben. Obwohl dieses Auswahlkriterium sich nicht plausibel rechtfertigen lässt, denn schließlich ist die Höhe eines Aktienkurses relativ willkürlich, wenn man ihn mit anderen Aktien vergleicht, führte dieses Vorgehen zum Erfolg. Ein niedriger Aktienkurs kann von einem starken Kursrückgang herrühren, er kann aber auch dadurch zustande kommen, dass das Unternehmen mehrere Aktiensplits durchgeführt hat oder bei der Emission einen niedrigen Nennwert festgelegt hat. In manchen Ländern haben Aktien traditionell niedrige Werte; man nennt solche Papiere auch Penny-Stocks, weil dort Aktien mit hohen Zahlenwerten unbeliebt sind. Japanische Aktien beispielsweise haben relativ hohe Kurswerte, was aber nur daran liegt, dass der Yen in der Währungsrelation zum Dollar oder Euro ein Vielfaches erreicht.

Einige Plausibilität hat jedoch das Argument, dass Aktiengesellschaften, die häufiger Aktiensplits durchführen, bessere Gewinnchancen haben. Ein Aktiensplit lohnt sich nämlich aus Marketinggründen nur dann, wenn die Unternehmensleitung insgeheim die Hoffnung hegt, dass der Kurs weiter ansteigen wird. Eine Aktie, der ein Kursrückgang bevorsteht, wird man nicht splitten, da dies für die Anleger psychologisch den Kurseinbruch in der Wahrnehmung noch verstärkt. Aktien mit niedrigeren Kursen haben außerdem vielleicht schon eine starke Kurseinbuße erlitten und können dadurch zur Bodenbildung neigen.
Wenn man all diese Gesichtspunkte in Betracht zieht, erscheint das Kriterium, das O’Higgins in seiner Anlagestrategie mit einbezieht, weniger irrational. Untersuchungen haben gezeigt, dass man mit der „Small Dogs of the Dow“-Strategie im Zeitraum von 1961 bis 1999 eine Wertsteigerung von jährlich 14,5 Prozent erzielen konnte. Diese Strategie ist damit um 1, 1 Prozentpunkte besser als die herkömmliche „Dogs of the Dow“-Strategie. Den Dow-Jones-Index Übertritt sie im betrachteten Zeitraum um 3,5 Prozentpunkte.

Die PPP-Strategie
Die PPP-Strategie heißt im Englischen „Penultimate Profit Prospect“; diese Strategie ist absolut risikoreich und gefährlich, denn sie setzt nur auf eine einzige Aktie. „Penultimate“ bedeutet „vorletzte“; man wählt aus den fünf Aktien, den Small Dogs der O’Higgins-Strategie (also den fünf dividendenstärksten Titeln des Dow Jones mit dem niedrigsten Aktienkurs), eine einzige Aktie aus, und zwar jene, die von den fünf Werten den zweitniedrigsten Kurs hat. In der Realität hat sich nämlich gezeigt, dass die Aktie mit dem optisch niedrigsten Kurs schlechter abschneidet.
Solche schon fast kryptisch anmutenden Auswahlverfahren lassen sich nicht mehr vernünftig begründen. Eine Untersuchung der PPP-Strategie für den Zeitraum von 1972 bis 2002 ergab, dass sich damit eine jährliche Rendite von 13,5 Prozent pro Jahr erzielen lässt. Der Dow-Jones-Index wird um 5,6 Prozentpunkte übertroffen. Obwohl dies sehr lukrativ erscheint, ist von dieser Strategie dringend abzuraten, denn das Risiko steigt um mehr als das Dreifache an. Selbst wenn man mit der herkömmlichen Dividendenstrategie oder der „Small Dogs of the Dow“-Strategie etwas schlechter dasteht, lohnt sich der geringe Renditezuwachs bei der PPP-Strategie nicht, wenn man das dreifache Risiko eingehen muss.

Die Foolish Four
Die beiden Brüder David Gardner und Tom Gardner gründeten 1994 eine Finanzberatung, die sich in ihrer Ausrichtung völlig von den bisher etablierten Finanzdienstleistern unterschied. Der Motley Fool (fool*com), wie sie das Unternehmen nannten, wollte vor allem den Anleger in den Mittelpunkt stellen. Leicht verständliche Finanzinformationen sollten unterhaltsam und mit einem neckischen Unterton (daher auch die Bezeichnung „Fool“, was Narr bedeutet) vermittelt werden. Natürlich sollten die vorgestellten Strategien und Finanztipps auf einem wissenschaftlich und empirisch fundierten Konzept beruhen. Motley Fool wurde in den USA so populär, dass die Finanzberatung inzwischen eine eigene Radiosendung besitzt und regelmäßig in den Tageszeitungen erscheint.
David und Tom Gardner stellten eine Reihe von Strategien vor, die alle auf der Dividendenstrategie beruhen und diese entsprechend modifizieren. Sie knüpfen damit nahtlos an die bisherigen Erkenntnisse und Strategien an.

Die Foolish Four („die närrischen Vier“) ist eine solche Vorgehensweise, bei der die Small-Dogs-Strategie mit der PPP-Strategie Zusammengeführt wird. Ausgangspunkt ist die von O’Higgins entwickelte Small-Dogs-Strategie. In einem nächsten Schritt wird die Aktie mit dem niedrigsten Kurs aus dem Portfolio entnommen, denn sie entwickelt sich erfahrungsgemäß am schlechtesten. Die übrigen Aktien werden nach einem festgelegten Schema gewichtet: Die Aktie mit dem zweitniedrigsten Kurs von den vier Titeln wird doppelt gewichtet, während die anderen Papiere nur in einfacher Gewichtung in das Portefeuille eingehen. Zu Jahresbeginn erfolgt dann eine erneute Umschichtung.

Nach eigenen Angaben wird in dem Buch „The Motley Fool Investment Guide“ zwischen 1973 und 1993 mit dieser Anlagestrategie eine jährliche Rendite von 23,8 Prozent jährlich erzielt. Eine erneute Untersuchung für den Zeitraum von 1961 bis 1999 ergab eine durchschnittliche Rendite von 17,6 Prozent, was den Dow-Jones-Index um 5 Prozentpunkte übertrifft. Später wurden von dieser Strategie noch Varianten entwickelt wie etwa die „Foolish Four Unemotional Value“.
Inzwischen wurden alle Foolish-Four-Strategien aufgegeben. Der Grund dafür ist eine Untersuchung von McQueen und Torley, die 1999 erstellt und im financial Analyst’s Journal“ veröffentlicht wurde. Die langfristig angelegte Studie betrachtete zuerst den Zeitraum von 1949 bis 1972. Erschreckenderweise kam man während dieser Periode nur auf einen Vorsprung von 0,32 Prozentpunkten gegenüber dem Index. In der Praxis bedeutet dies: Ein Anleger, der auf eine passive Indexstrategie gesetzt hätte, wäre deutlich besser gewesen. Denn bei der Foolish-Four-Strategie muss zumindest jährlich umgeschichtet werden. Ein Renditevorsprung von 0,32 Prozentpunkten reicht aber auf keinen Fall aus, um die hohen Transaktionskosten, die durch die Umschichtung entstehen, abzudecken. Deshalb ist die Wertentwicklung nach Abzug aller Kosten sogar niedriger als bei einem Indexinvestment.
Ebenso aufschlussreich war die Analyse für die Jahre von 1973 bis 1993. Es zeigte sich, dass der Umschichtungstermin eine bedeutende Rolle spielt. Wurde das Depot am 1. Juli umgeschichtet, dann kam man auf einen Renditevorsprung von 2,3 Prozent pro Jahr gegenüber dem Dow-Jones-Index. Wenn man hingegen das Depot, wie in den meisten Strategien standardmäßig vorgesehen, am Jahresanfang veränderte, erzielte man einen Vorsprung von 13 Prozentpunkten. Das deutlich bessere Ergebnis war somit nicht auf die Dividendenstrategie, sondern auf den Januar-Effekt zurückzuführen Ten.

Im Jahr 2000 schließlich entschlossen sich Tom und David Gardner, die Foolish-Four-Strategie endgültig aufzugeben; eine interne Studie, die einen Zeitraum von 50 Jahren mit einbezog, kam zu dem ernüchternden Ergebnis, dass der Renditevorsprung sich allenfalls auf 1,74 Prozent belief. Dies ist in der Regel zu wenig, um die höheren Transaktionskosten bei einer solchen Strategie vollständig zu begleichen. Ein Indexinvestment wäre in jedem Fall profitabler.

Die Dow-Top-10-Strategie
Während die klassischen Dividendenstrategien nur die jeweiligen Ausschüttungen berücksichtigen, versucht die Dow-Top-10- Strategie auch die Aktienrückkäufe, die in den letzten Jahren erheblich zugenommen haben, mit einzubeziehen. Ein Aktienrückkauf kommt immer einer verdeckten Dividendenausschüttung gleich; daher sind Anlagestrategien, die nur auf Ausschüttungen setzen, fehlerhaft, denn sie spiegeln nicht die wirkliche Rendite wider, die durch solche Programme entsteht. Untersuchungen konnten belegen, dass Unternehmen, die Aktienrückkaufprogramme starten, noch im selben Geschäftsjahr im Durchschnitt um 3,5 Prozentpunkte besser abschneiden als der Index. Auch vier Jahre danach haben die Aktien eine bessere Performance. Der Aktienrückkauf hat verschiedene Vorteile: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie verbessert sich, da weniger Aktien im Umlauf sind und der Gewinn entsprechend auf weniger Aktien verteilt wird. Dasselbe gilt für die Dividendenausschüttung.
Bei der Dow-Top-10-Strategie wird die Ausschüttungsrendite zugrunde gelegt; diese setzt sich aus der herkömmlichen Dividendenrendite und der Aktienrückkaufsquote zusammen. Studien haben gezeigt, dass US-Unternehmen im Durchschnitt eine Ausschüttungsrendite von zirka 3 Prozent haben. Im Vergleich zu Deutschland werden in den USA weniger Dividenden ausgeschüttet, aber dafür kommen Aktienrückkauf-Programme häufiger vor.

Die Dow-Top-10-Strategie wählt somit die zehn Aktien des Dow-Jones-Index, die die höchste Ausschüttungsrendite vorweisen. Mit dieser ausgefeilten Strategie konnte man im Zeitraum von 1983 bis 1998 immerhin 22,4 Prozent im Jahr erzielen, was einen Renditevorsprung von 4 Prozentpunkten gegenüber dem Indexinvestment bedeutet.