Sicher sind Sie schon oft in die Situation gekommen, dass ein Bankangestellter, ein Versicherungsvertreter oder eine ominöse Person am Telefon Ihnen etwas verkaufen wollte, eine Versicherung, einen Sparplan, eine Beteiligung, vielleicht sogar ein ganzes Haus. Solche Angebote haben immer ein paar Dinge gemeinsam: Sie kommen unverhofft, klingen unglaublich profitabel und werden rhetorisch geschickt vorgetragen. So fallt es zunächst schwer, sich dagegen zu stellen und den Haken an der Sache zu finden.
Das größte Problem steckt dann auch darin, dass sich das Gegenüber auf das Gespräch vorbereiten konnte, während Sie sozusagen überfallen werden. Er oder sie weiß, welche Fragen kritisch sind, Sie wissen es nicht. Zumindest noch nicht, denn irgendwann tauchen die Probleme ja auf. Die Situation ist also nicht fair.
Daher sollten Sie neben einer natürlichen Zurückhaltung gegenüber allen verlockend klingenden Angeboten besonders kritisch auf die Tricks achten, die immer wieder von unseriösen Verkäufern angewendet werden. Das heißt nicht, dass alle Verkäufer und Berater unseriös sind, sondern dass Sie darauf gefasst sein sollten, auch solchen zu begegnen. Anhand einer Reihe von Merkmalen können Sie Gefahren erkennen, wenn auch nicht zuverlässig ausschließen.
Telefonüberfall bei der Geldanlage
Telefonverkauf wird häufig von unseriösen Vermittlern und Vertretern eingesetzt. Man ruft Sie an, häufig abends nach 20 Uhr, beginnt nicht selten mit einem Gespräch über Steuerthemen oder gaukelt Ihnen eine Umfrage vor. Dies dient nur dazu, Ihre finanziellen Verhältnisse zu eruieren und Themen zu finden, auf die man sich später beziehen kann. Vielfach wird erst eine Befragung durchgeführt, der einige Tage später ein Verkaufsgespräch folgt.
Der Trick dabei: Bei dem ersten Telefonat, das meist in einer angenehmen Atmosphäre stattfindet, fragt man Sie, ob man später noch einmal anrufen kann. Das werden Sie vielleicht nicht ablehnen, zumal sich dadurch das Gespräch elegant beenden lässt. Das Verkaufsgespräch erfolgt dann aber auf ausdrücklichen Wunsch, verstößt dann formal nicht mehr gegen geltendes Recht. Die so genannte Kaltakquise, das heißt der Anruf auf Verdacht, ist nämlich verboten.
Wenn Sie ein solches Angebot interessieren sollte, verlangen Sie ausführliche Unterlagen schriftlich, vor allem auch vor einem eventuellen persönlichen Gespräch. Bestehen Sie weiterhin darauf, dass Sie von sich aus aktiv werden, und verlangen Sie Namen und Geschäftsadresse. Damit können Sie schon eine erste Prüfung der Seriosität vornehmen. Die ganz windigen Verkäufer werden dann nie wieder etwas von sich hören lassen und Sie haben die größten Fallen aussortiert.
Steuerargument bei der Geldanlage
Das kommt bei seriösen wie unseriösen Verkäufern vor, denn irgendwie reagiert das ganze Land allergisch auf alles, was mit Steuern zu tun hat. Insofern sagt die bloße Erwähnung von Steuervorteilen noch nicht viel aus. Nur, wenn es den Einstieg in ein Gespräch darstellt, sollten die Alarmglocken läuten.
Die Bedeutung des Steuerthemas hat aber viel mit der Qualität des angebotenen Produkts zu tun. Nicht nur, dass es gar nicht so viele Steuersparmöglichkeiten gibt, wie gemeinhin gedacht wird. Manche Konstruktionen sind beziehungsweise waren von sich aus wirtschaftlich unsinnig und lebten nur von der Aussicht auf Steuerersparnisse. Dass die Finanzbehörden versuchen, diesen Sumpf trockenzulegen, ist wohl verständlich. Viele Investoren haben ohnehin keinen Spaß an der Sache gehabt, weil das eine oder andere Projekt in sich zusammengebrochen ist. Beispiele finden sich bei diversen geschlossenen Fonds, die in erster Linie eine hohe Verlustbeteiligung anbieten konnten, oder bei Neubauwohnungen in Ostdeutschland, auf die keine Mieter warten. Hier bestand das Vermarktungsargument praktisch ausschließlich aus Steuerersparnis, glücklich wurden damit aber nur wenige.
Die Möglichkeiten, solche Modelle heute noch anzubieten, sind deutlich gesunken. Umso kritischer sollte man sein, wenn die Steuern im Vordergrund stehen. Oft lohnt es sich, etwas mehr Steuern zu zahlen, dafür aber ein ordentliches Produkt zu erhalten, das sich selbst tragen kann.
Grundlagen der Geldanlage
Das Vertrauen in die gesetzliche Altersversorgung haben wir längst verloren. Die Lebensversicherungen bringen nur noch mickrige Renditen von vier bis fünf Prozent. Gleichzeitig steigen die Aktienmärkte seit einigen Jahren um zweistellige Prozentsätze. Und was haben die Privatanleger davon? Wenig. Denn viele trauen sich nicht, Geld an den Kapitalmärkten anzulegen, nicht wenige werden auch schlecht beraten.
In unserer Finanzen-Webseite zeigen Ihnen, wie Sie mehr aus Ihrem Geld machen, sei es für konkrete Anschaffungen oder die Versorgung im Alter. Es zeigt Ihnen, wie Sie bei Ihren Entscheidungen unabhängig bleiben, die besten Produkte finden und nicht in die vielen Fällen des Kapitalmarkts tappen.
Es will Ihnen auch Mut machen, zumindest einen Teil Ihres Geldes in Aktien anzulegen. Denn langfristig gesehen gibt es kein besseres Mittel, um Vermögen zu vermehren. Leider wird gegenwärtig viel Geld in Garantieprodukten und Geldmarktfonds verschwendet – die Gewinne machen internationale Investoren, die gerade auch den Wert deutscher Unternehmen erkannt haben. Warum sollen Sie als Privatanleger nur zusehen, wie andere Gewinne machen?
Wir in unserer Geldanlage-Webseite wollen Sie aber nicht dazu verleiten, Geld ohne Beachtung des Risikos anzulegen. Der Schock der Börsenbaisse von 2000 bis 2003 sitzt noch tief. Vielmehr zeigt es Ihnen, wie Risiko und Chance Zusammenhängen und wie Sie für Ihre Risikoeinstellung die richtigen Anlagemöglichkeiten finden. Schließlich gibt es außer Aktien und Anleihen noch eine ganze Reihe von Spezialitäten, auf die Sie am Bankschalter selten hingewiesen werden. Vielfach kommt es auch darauf an, selbst aktiv zu werden.
Wenn Sie ein wenig Zeit aufwenden, im Internet zu recherchieren oder nach Prospekten zu fragen, werden Sie einen hohen Zusatzgewinn erzielen können. Wir in Geldanlegen24.de zeigen Ihnen, wie das geht: wo Sie gute Fonds finden, wie Sie ein Depot einrichten oder wie Sie die Kursentwicklung verfolgen. Es warnt Sie vor Produkten, die besondere Risiken aufweisen oder schlichtweg zu teuer sind.
Damit Sie wirklich alles selbst in Ihre Geldanlagepraxis umsetzen können, finden Sie hier auch Formulare für Ihre Finanzplanung, ein leicht nachvollziehbares Modell für den Depotaufbau und zahlreiche Hinweise auf Informationsquellen, gedruckt oder elektronisch. Die Planungsformulare können Sie als Excel-Dateien herunterladen von. Weitere Informationen zu Themen der Geldanlage finden sie bei.
Bitte beachten Sie noch den Hinweis, dass die Informationen in unserer Seite für Finanzen keine Aufforderung zum Kauf einzelner Produkte darstellen. Sie werden nach bestem Wissen gegeben, eine Haftung für die Richtigkeit der Informationen kann jedoch nicht übernommen werden. Unsere Artikel zum Thema Finanzen ersetzen auch keine individuelle Anlageberatung. Wertentwicklungen in der Vergangenheit lassen keine Aussage über die zukünftige Entwicklung zu. Bitte lesen Sie im eigenen Interesse vor jeder Anlageentscheidung den jeweiligen Verkaufsprospekt und informieren Sie sich dort über die Risiken.
Druck vom Verkäufer bei der Geldanlage
Finanzdinge sind meist komplex, man durchschaut sie nicht gleich. Und hätte man Zeit, dann würde man auch den einen oder anderen Haken an der Sache finden. Unseriöse Verkäufer versuchen, genau dies zu verhindern. Sie setzen ihre Opfer unter Druck, damit sie die Problemstellen nicht finden, zumindest nicht vor der Unterschrift. Ihrer Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Denken Sie daran: Ein gutes Angebot ist auch nächste Woche noch gut. Ist es das nicht, dann hatte es vorher schon eine faule Stelle.
Daher: Ruhe bewahren. Seien Sie misstrauisch, wenn zum Beispiel
folgende Argumente gebracht werden:
• Wir können nur noch wenige Kunden beteiligen. Und das geht zack, zack. Wenn Sie sich nicht schnell entscheiden, ist das Angebot ausgeschöpft.
• Die Kurse entwickeln sich gerade sehr stark nach oben. Wenn Sie davon profitieren wollen, müssen Sie jetzt einsteigen.
• Ich kann Ihnen nur noch morgen Abend oder übermorgen Nachmittag einen Termin anbieten. Welcher ist Ihnen lieber?
• Schnelligkeit ist unser Geschäft. Deswegen können wir so gute Angebote machen. Da müssen unsere Kunden auch mitziehen.
• Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass Sie noch etwas Zeit brauchen. Vielleicht ist das aber auch nichts für Sie. Eine Rentenanlage bietet zwar wenig Rendite, aber dafür müssen Sie sich auch um nichts kümmern.
Seriöse Berater, die langfristig mit Ihnen Zusammenarbeiten wollen, lassen Ihnen alle Zeit der Welt. Sie haben nämlich kein Interesse daran, sich mit Stornos oder unzufriedenen Kunden herumzuschlagen. Sie möchten Sie als Empfehlungsgeber gewinnen und das geht nur, wenn Sie ein gutes Gefühl bei der Sache haben.
Welcher Anlegertyp bin ich
ln diesem Artikel geht es um eine Bestandsaufnahme dessen, was Ihnen als Anleger an Kapital und laufenden Einnahmen zur Verfügung steht, und um die Planung Ihres Finanzbedarfs. Diese Arbeit ist Grundlage für alle weiteren Planungen: wie viel Sie anlegen, in welchen Bereichen Sie investieren sollten und wann Sie jeweils Geld entnehmen können. Dabei sind drei Planungsschritte zu durchlaufen, beginnend mit der Bestimmung Ihres Anlegertyps über Ihre eigenen Pläne und Möglichkeiten bis zur Erstellung eines Finanzinventars. Zur Unterstützung für Ihre eigenen Berechnungen finden Sie hier auch geeignete Formulare.
Selbstanalyse
Haben Sie sich schon einmal auf die Reise in Ihr Inneres begeben? Wissen Sie, wer Sie wirklich sind, was Sie vom Leben erwarten, was Sie gut können und was weniger gut? Vielleicht erinnert Sie das an ein Seminar, das Ihnen irgendwie komisch vorkam, oder an einen Selbsterfahrungstest in einer Ratgeberzeitschrift. Hier geht es weder um das Eine noch das Andere. Es geht vielmehr darum, zu erkennen, dass eine realistische Einschätzung der eigenen Persönlichkeit in Gelddingen eine wichtige Voraussetzung dafür ist, die geeignete Anlageform zu finden. Dabei ist es nicht mit ein paar Fragen getan. Viele Menschen haben nämlich eine falsche Einschätzung von sich selbst. Sie erkennen das meist erst, wenn Ihnen ein Dritter sagt: Das hätte ich dem gar nicht zugetraut.
Gerade in Gelddingen schätzen sich viele Menschen völlig falsch ein. Am schlimmsten ist es nach eindeutigen Börsenphasen, das heißt einer Hausse (Kurse steigen stark, so genannter Bullenmarkt) oder einer Baisse (Kurse fallen über längere Zeit, so genannter Bärenmarkt). Liefen die Anlagen in den letzten Jahren sehr gut, entsteht ein gewisses Vertrauen in den weiteren Erfolg und steigt die Risikobereitschaft. Auch wenn auf die Risiken hingewiesen wird, glauben viele Anleger, sie tolerieren zu können. Sie haben dabei die hohen Gewinne der Vergangenheit vor Augen und trauen sich dann noch viel mehr zu.
Kommt es dann zu plötzlichen Verlusten, bereuen sie es nicht selten, diese Risiken eingegangen zu sein und möchten am liebsten alles rückgängig machen. Das Üble daran: Je mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein man vorher verspürte, desto größer ist das empfundene Leid nachher.
Wissen Sie, wie viel Leid Sie ertragen? Nicht in Schmerz ausgedrückt, sondern in Euro? Was passiert, wenn Sie innerhalb einer Woche 50 000 Euro verlieren, vielleicht ein Drittel Ihres Vermögens? Das ist das Problem. Es ist schwer zu schätzen. Vorher ist es ein imaginärer Fall, an den man nicht glaubt. Wäre es anders, dann würde man vielleicht gleich auf die Anlage verzichten.
Leider kommt es regelmäßig an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu Kurskorrekturen von 5 bis 10 Prozent. Damit muss man ein- oder zweimal im Jahr rechnen, unabhängig davon, ob es danach wieder bergauf geht. Alle paar Jahre sind die Kurseinbrüche größer und erreichen je nach Markt auch 25 bis 30 Prozent. Zwischen solchen Einbrüchen kann ein Jahr vergehen (zum Beispiel 2001 und 2002), aber auch drei, vier, fünf Jahre oder mehr (zum Beispiel 2002 und 2006). Anleger, die nicht stressresistent sind, neigen dazu, in solchen Krisensituationen alles zu verkaufen, in der Angst, es könnte aber noch schlimmer kommen. Meist ist das der schlechteste Weg. Er wird aber gegangen, weil sich die Anleger über ihre Mentalität nicht im Klaren waren. Nur diejenigen, die einen kühlen Kopf bewahren und solche Durststrecken überstehen können, sollten die entsprechenden Risiken eingehen.
Auch wenn auf dem Papier hohe Renditen mit riskanten Anlagen erzielt werden können, sollte man sich nicht darüber täuschen, dass die meisten Privatanleger nichts davon haben. Sie kaufen zu teuer, weil ihnen vorher der Mut fehlte, und verkaufen zu billig, weil er sie zwischenzeitlich wieder verlassen hat. Eine risikoärmere Anlage wäre zwar auf dem Papier weniger interessant, in der Praxis aber oft rentabler gewesen.
Alle Anleger, egal, ob in Aktien-, Renten-, Immobilien- oder Rohstoffmärkten und damit auch Sie selbst, müssen sich vorab Gedanken darüber machen, ob die Risikostruktur der Anlage ihrer Persönlichkeit entspricht. Wer aber neu in diese Märkte einsteigt, kann dies mangels Erfahrung nicht wissen. Man muss daher versuchen, auf Umwegen weiter zu kommen. Ein einfacher Fragebogen und die Risikoeinstufung, die die Banken vornehmen, reichen nicht aus. Sie sind für die Vermittler ein rechtlich notwendiges Instrumentarium, um die Haftung zu begrenzen. Wenn Sie Ihr Vermögen aber, aus gutem Grund, selbst verwalten wollen, dann müssen Sie etwas mehr in die Tiefe gehen.
Denken Sie über Ihre Einstellung zum Risiko nach!
Im Folgenden finden Sie einige Fragen zum Nachdenken. Es geht nicht darum, a, b oder c anzukreuzen und dann an der erreichten Punktzahl irgendetwas abzulesen. Es sind ja leider nicht alle Börsenentwicklungen vorherzusehen, so dass solche Tests auch immer nur im Nachhinein vernünftig konstruiert werden können. Diese Fragen werden Sie stattdessen dafür sensibilisieren, sich mit Ihren Erwartungen und Ihrer Leidenstoleranz zu beschäftigen. Sie werden dann ganz intuitiv vorsichtiger oder risikobereiter an Ihre Investitionsentscheidungen herangehen.
1.Stellen Sie sich vor, Sie nehmen an einer Quizshow teil. Sie haben 50 000 Euro erreicht und können nun in der nächsten Stufe 100 000 Euro gewinnen oder alles verlieren. Die Fragen waren bislang schon schwierig, Sie hatten aber das nötige Glück. Sie müssen immer aus vier möglichen Antworten die richtige auswählen, helfen kann Ihnen niemand. Machen Sie weiter oder nehmen Sie die 50 000 Euro?
2.Sie sind Fußballfan und können für die nächste Fußballweltmeisterschaft Karten kaufen. Inklusive Anreise, Übernachtung müssen Sie für ein Endspielticket rund 4000 Euro kalkulieren. Wenn Ihr Favorit ins Endspiel kommt, könnte es das Erlebnis Ihres Lebens werden. Scheidet er aus, dann wird es ein Reinfall,
weil Sie die Zeit auch nicht richtig für einen Urlaub nutzen können. Wie entscheiden Sie sich?
3.Nehmen Sie an, Sie seien nicht nur Fußballfan, sondern sogar Trainer. Es steht 1:1 in der 80. Minute eines Pokalspiels, sie müssen unbedingt gewinnen. Sie können noch einen Spieler einwechseln. Nehmen Sie einen Stürmer, um vielleicht die Entscheidung in der regulären Spielzeit herbeizuführen oder nehmen Sie einen Abwehrspieler, um einen Gegentreffer zu verhindern und sich ggf. ins Elfmeterschießen zu retten?
4.Sie wollen in zwei Monaten Urlaub machen. Da es Winter ist und Sie ausnahmsweise vier Wochen Urlaub bekommen, könnten Sie eine Rundreise durch Asien unternehmen. Ihr Partner/ Ihre Partnerin schlägt vor, nur einen Flug zu buchen und auf eigene Faust mit dem Rucksack durch Kambodscha, Laos und Vietnam zu reisen. Dabei würden Sie am meisten von Land und Leuten mitbekommen, wären aber auch auf Glück und Zufall angewiesen. Bisher haben Sie solche Ziele nur organisiert bereist und in guten Hotels übernachtet. Lassen Sie sich auf die Idee ein?
5.Nehmen wir einmal an, Sie seien 60 Jahre alt und haben die Rente vor Augen. In Ihrem Unternehmen haben Sie eine leitende Funktion inne, rechnen aber nicht mehr mit nennenswerten Herausforderungen oder Gehaltssteigerungen. Ein Kollege gleichen Alters spricht Sie darauf an, gemeinsam eine Firma zu gründen, um es noch mal allen zu zeigen und sich herauszufordern. Dabei könnte, wenn alles gut ginge, auch noch ein ordentlicher Zusatzverdienst entstehen. Machen Sie mit oder bleiben Sie im Unternehmen?
6.Vor etwa einem halben Jahr hatten Sie 20 000 Euro in einen europäischen Aktienfonds investiert. Sein Wert stieg kontinuierlich und vor kurzem kamen Sie auf einen Ertrag von annähernd 20 Prozent. Seit zwei Wochen findet allerdings eine Korrektur statt. Der Wert des Fonds ist unter den gerutscht, zu dem Sie gekauft hatten. Im Prinzip sind Sie der Meinung, dass europäische Aktien immer noch eine gute Anlage sind. Allerdings könnte es auch sein, dass die Verluste nie mehr aufgeholt werden. Verkaufen Sie Ihre Anteile und verbuchen Sie die Verluste unter Lehrgeld, bleiben Sie dabei, oder kaufen Sie noch Anteile zu dem jetzt günstigeren Preis zu?
7.Ein Bekannter von Ihnen zieht ins Ausland. Er besitzt unter anderem ein altes Auto, rund 30 Jahre alt, das er überwiegend in der Garage stehen hatte. Von dem Auto erwartete er sich eine erhebliche Wertsteigerung und wollte es irgendwann mal für viel Geld verkaufen. Bislang ist diese Wertsteigerung noch nicht eingetreten, aber sie ist für die Zukunft nicht ausgeschlossen. Der Bekannte bietet Ihnen den Kauf des Wagens für 4 000 Euro. Sie könnten ihn zwar auch fahren, haben aber ein bequemeres Fahrzeug. Würden Sie den Wagen kaufen und weiter spekulieren oder das Angebot ausschlagen?
8.Es ist Anfang Juli und Sie haben gerade in einem Bekleidungsgeschäft einen schicken Anzug/ein schickes Kostüm gesehen. Der Preis ist nicht gerade niedrig, aber das Teil gefällt Ihnen. Allerdings vermuten Sie, dass es ein heißer Kandidat für einen deutlichen Preisnachlass spätestens zum Monatsende ist. Sie wägen ab: 200-300 Euro Ersparnis gegen das Risiko, dass Ihnen ein anderer zuvorkommt. Greifen Sie zu?
Ihnen wird nun bewusst sein, wie Sie zu Chancen und Risiken stehen. Auch wenn die Beispiele meist nicht aus dem Anlagebereich stammen, lassen sie Rückschlüsse auf die Persönlichkeit zu. Denken Sie aber daran, dass nicht etwa Risikofreude immer positiv und Vorsicht immer negativ ist. Niemand weiß im Vorfeld, was besser ist. Zurückhaltende und vorsichtige Menschen können langfristig durchaus besser fahren, nur weiß man es eben erst nachher. Wenn Sie aber feststellen, dass Sie sich eher für die vorsichtigeren Varianten entscheiden würden, passen riskante Anlagen bestimmt nicht zu Ihnen. Ebenso wird es umgekehrt sein. Wenn Sie im Leben gerne Risiken eingehen, einen gewissen Nervenkitzel suchen, dann werden Sie am Sinn einer konservativen Geldanlage stets zweifeln.
Emotionale Momente bei der Geldanlage
Eine ganz üble Masche ist die, emotional zu argumentieren und an Instinkte zu appellieren, anstatt rationale Argumente zu liefern. Dies spielt vor allem bei den Versicherungen eine Rolle. So wird gerne daran erinnert, dass man ja den Kindern etwas hinterlassen müsse, im Alter nicht auf Sozialhilfe angewiesen sein wolle und der staatlichen Rente nicht vertrauen könne. Natürlich spielt alles eine Rolle, aber gerade die zu erwartende Rente ist ein Problemfall, den auch der Verkäufer nicht durchschaut. Hier werden meist Angstszenarien konstruiert, die den gesunden Menschenverstand ausschalten. Dazu gehört auch die Angst, als Rentner die Wohnung zu verlieren und womöglich in ein städtisches Heim zu kommen, oder jemanden um finanzielle Unterstützung bitten zu müssen, nicht für eine erforderliche medizinische Versorgung aufkommen zu können. Seriöse Berater nähern sich solchen Themen sehr vorsichtig, vermeiden aber auf jeden Fall das Entstehen von Ängsten.
Was sind Ihre Möglichkeiten für Geldanlage
Ein weiterer Baustein ist die Frage, wie viel Geld Ihnen zur Verfügung steht. Hierbei kommt man meist zu der Erkenntnis, dass nichts so schlecht geplant ist wie die persönlichen Finanzen. Aus irgendeinem Grund haben wir Schwierigkeiten, das eigene Geld im Überblick zu behalten bzw. überhaupt erst in Erfahrung zu bringen, wie viel denn am Monatsende übrig bleibt. Es nutzt aber ziemlich wenig, längerfristig den Vermögensaufbau zu planen, wenn man nicht weiß, was reinkommt und irgendwann gebraucht wird.
Es klingt zwar ein bisschen wie Haushaltsbuch, aber Sie kommen nicht darum herum, Ihren monatlichen Nettoüberschuss zu ermitteln. Das ist der Betrag, der nicht verplant oder durch Verträge gebunden und auch nicht für das Überleben (Ernährung, Kleidung usw.) benötigt wird. Apropos: Wissen Sie eigentlich, wie viel Sie im Schnitt monatlich für Kleidung ausgeben?
Mit der nächsten Tabelle kommen Sie der Sache näher. Berücksichtigen Sie, dass es sich um monatliche Durchschnittswerte handelt. Jährliche Ausgaben und Einnahmen müssen entsprechend aufgeteilt werden (zum Beispiel Versicherungsprämien, Weihnachtsgeld). In der Regel ist es sinnvoll, die Aufstellung für einen Haushalt insgesamt vorzunehmen.
Sollten Sie feststellen, dass Sie eigentlich gar nichts mehr übrig haben, sondern sogar Verluste erzielen, müssen Sie nicht verzweifeln. Es ist nicht leicht, die einzelnen Beträge zu schätzen, kleinere Abweichungen addieren sich schnell zu großen Summen. Denken Sie auch daran, dass mitunter einmalige Zahlungen hinzukommen, etwa aus Prämien, Wertpapierverkäufen, Weihnachtsgeld, die man gerne vergisst.
Das verfügbare Einkommen (hier: das für die Geldanlage verfügbare) können Sie verwenden, wie Sie wollen. Sie können davon Geschenke kaufen, es in Aktien anlegen oder für einen Autokauf sparen. Alles Notwendige ist berücksichtigt.
Im nächsten Schritt müssen Sie nun ermitteln, welche finanziell relevanten Ereignisse auf Sie zukommen. Schließlich sollten Sie verhindern, Ihr Geld so stark in Anlagen zu binden, dass schon eine größere Reparatur Liquiditätsprobleme auslöst. Die andere Tabelle führt einige typische kostenträchtige Ereignisse auf, von denen jeder Mensch mehr oder weniger stark betroffen ist. Soweit Sie absehen können, ob und wie diese Ereignisse für Sie relevant sind, sollten Sie sie in die Liste eintragen.
Laufende Einnahmen und Ausgaben monatlich
Netto-Gehalt + Nebeneinkünfte/Zinsen/Mieteinnahmen = Einnahmen gesamt
Banken
– Kredite/Hypotheken/Leasingraten
– Sparverträge/-plane/Bausparguthaben
Versicherungen
– Kranken-/Unfallzusatzversicherungen
– Lebens-/Rentenversicherungen
– Sachversicherungen
– Autoversicherungen
– Sonstige
Kommunikation/Transport/Reise
– Telefon/Internet/Fernsehen
– Benzin/Wagenpflege/Reparaturen
– sonstige Fahrtkosten
– Urlaub
Wohnung/Haus
– Miete/Nebenkosten/Energie
– Instandhaltung/Reparaturen
– Möbel/Haushaltsggräte
Sonstiges
– Ernährung
– Kleidung
– Gesundheit/Körperpflege
– Zeitungen/Zeitschriften/Bücher
– Vereinsbeiträge/Spenden
– Theater/Restaurant/Eintritte
– Unterstützung von Angehörigen
– Sonstige
– verfügbares Einkommen pro Monat
In diesem Artikel erfahren Sie dann, wie Sie auf der Basis dieser Planungen Ihr Vermögen auf vier verschiedenen Ebenen strukturieren.
Und nicht zuletzt sollten Sie an den berühmten Notgroschen, die Reserve, denken. Er sollte ausreichend sein, um unvorhergesehene Ereignisse abzudecken wie zum Beispiel eine vorübergehende Arbeitslosigkeit oder nicht versicherte Schäden am Hausrat. In diesem Umfang sollten Sie Barbestände oder sofort liquidierbare Anlagen einplanen (Anlagen ohne Kursrisiko und mit täglicher Verfügbarkeit), zum Beispiel auf Tagesgeldkonten.
Mit den so ermittelten Daten können Sie nun einen eigenen Finanzplan aufstellen. Dabei können Sie sowohl langfristig denken (zum Beispiel 20 Jahre oder bis zum Renteneintritt mit jährlicher Planung) als auch kurzfristig (zum Beispiel 1 bis 2 Jahre mit monatlicher Planung).
Wie die Planung funktioniert, wird nun anhand eines Beispiels gezeigt. Die Familie Müller erstellt für die drei Personen des Haushalts eine Liste der laufenden Einnahmen und Ausgaben
Beispiel einer Einnahmen-/Ausgaben-Übersicht,€
Laufende Einnahmen und Ausgaben monatlich
Netto-Gehalt 4 500
+ Nebeneinkünfte/Zinsen/Mieteinnahmen 200
= Einnahmen gesamt 4 700
Banken
– Kredite/Hypotheken/Leasingraten 300
– Sparverträge/-pläne/Bausparguthaben 140
Versicherungen
– Kranken-/Unfallzusatzversicherungen 205
– Lebens-/Rentenversicherungen 320
– Sachversicherungen 20
– Autoversicherung 80
– Sonstige 10
Kommunikation/Transport/Reise
– Telefon/Internet/Fernsehen 100
– Benzin/Wagenpflege/Reparaturen 280
– sonstige Fahrtkosten 100
– Urlaub 220
Wohnung/Haus
– Miete/Nebenkosten/Energie 820
– Instandhaltung/Reparaturen 20
– Möbel/Haushaltsgeräte 160
Sonstiges
– Ernährung 500
– Kleidung 220
– Gesundheit/Körperpflege 70
– Theater/Restaurant/Eintritte 50
– Zeitungen/Zeitschriften/Bücher 25
– Vereinsbeiträge/Spenden 20
– Unterstützung von Angehörigen 0
– Sonstige 140
= verfügbares Einkommen pro Monat 900
x 12 = 10800
Pro Jahr bleiben also 10800 Euro übrig für einmalige Anschaffungen und Geldanlage. Nunmehr müssen die einmaligen Ausgaben und Einnahmen erfasst werden (Tabelle 1.5). Da man zur Miete wohnt und nur ein Auto hat, sind nur wenige größere Ereignisse relevant. Vor allem geht es um das Studium der Tochter und eine geplante Weltreise.
Beispiel einer Übersicht einmaliger Ausgaben und Einnahmen
Einmalige Ausgaben/Einnahmen
Was? Wann? Wie viel?
Hauskauf/-verkauf
Autokauf/1 -verkauf 2 010+2020 je-20000
Studien-/Schulbeginn/-ende Kinder 2009 -10000
Umzug
größere Reparaturen/Renovierung
Hochzeit/Jubiläum
Erbschaft
sonstige Anschaffungen
Rente 2023
Auszahlung Lebensversicherung 2016 +50000
Zusatzkosten Weltreise 2009 -8000
Mit diesen Daten kann der Finanzplan erstellt werden. Der Zeitraum bis zur Rente ist natürlich lang und es wird immer wieder Änderungen geben. Damit ist die Planung aber nicht hinfällig. Sie zeigt, ob überhaupt ausreichend Geld für die Finanzierung der Pläne zur Verfügung steht, und sollte regelmäßig wiederholt werden. So kann sich auch heraussteilen, dass zwar in den nächsten Jahren mit Überschüssen zu rechnen ist, man also durchaus Geld anlegen könnte, dieses aber dann sicher wieder verfügbar sein muss. Das kann dann bedeuten, dass nur sichere Anlagen für die Zwischenzeit in Frage kommen, um nicht nach eventuellen Kursverlusten verkaufen zu müssen.
Um die Inflation, Gehaltssteigerungen sowie Veränderungen des Ausgabeverhaltens zu berücksichtigen, werden die Werte jeweils pauschal angehoben. Damit die Übersichtlichkeit nicht allzu sehr beeinträchtigt wird, werden hier nur glatte Tausender-Zahlen verwendet. Was die Reserve angeht, so wird von einem gewissen Bestand ausgegangen, der 2007 um 2 000 Euro auf dann 5 000 Euro aufgestockt werden soll. Zum Renteneintritt wird er sogar wieder reduziert.
Dieser Plan offenbart Gutes und Problematisches. Prinzipiell ist es nie erforderlich, einen Kredit aufzunehmen, um den Finanzbedarf zu besonderen Ereignissen abzudecken. Allerdings reicht die Reserve allein nicht immer aus, um den Bedarf zu decken, das heißt, das investierte Vermögen muss zumindest kurzfristig belastet werden. Davon sind die Jahre 2009,2010 und 2020 betroffen. In der Zeile für Anlage verfügbar findet sich entsprechend eine negative Zahl.
Familie Müller kann nun entscheiden, wie sie den Finanzbedarf decken will. In den Jahren 2009 und 2010 reicht die Reserve dafür nicht aus. Aus dem Anlagevermögen müssen einige Tausend Euro entnommen werden, was bei der Anlagestrategie zu berücksichtigen ist (keine spekulativen Anlagen sinnvoll). Die Reserve kann ganz oder teilweise verwendet werden. Da die Situation frühzeitig bekannt ist, sollte die Reserve entsprechend erhöht werden.
Im Jahr 2020 reicht die Reserve aus, um den Finanzbedarf zu decken. Es können also 5 000 Euro aus der Reserve in das Anlagekonto umgeschichtet werden, sie wird ohnehin abgebaut.
Was heißt dies für die Anlagestrategie? Die nächsten zwei Jahre (2007, 2008) verlaufen unproblematisch. Das dann verfügbare Geld kann aber nicht langfristig in voller Höhe gebunden werden, weil in den zwei Folgejahren ein höherer Bedarf besteht. Will man die Reserve nicht antasten, dann können maximal 21000 Euro gebunden werden. Da zum Beginn des Planungszeitraums 15 000 Euro vorhanden waren, dürfen nur noch 6 000 Euro langfristig angelegt werden. Für die weiteren Summen müssten risikolose beziehungsweise risikoarme Kurzfristanlagen gefunden werden.
Ab 2011 kann ohne nennenswerte Einschränkung investiert werden. Damit kommen auch spekulativere Anlagen in Frage, maßgebend ist der Zeitpunkt des Renteneintritts. Insgesamt kann das Anlagevolumen auf 239 000 Euro anwachsen, wobei keine Kursgewinne/Zinsen enthalten sind. Das dann verfügbare Vermögen wird je nach Anlageerfolg wesentlich höher ausfallen. Unter Berücksichtigung einer durchschnittlich zu erzielenden Rendite von sieben Prozent pro Jahr ergibt sich ein Kapital zum Rentenbeginn in Höhe von 439 000 Euro.
Das klingt erst einmal recht kompliziert. Artikel 14 zeigt Ihnen aber, dass Sie den Vermögensaufbau mit dem Ebenenkonzept gut in den Griff bekommen und sich jeweils für die geeignete Produktkategorie entscheiden.
Zahlenfeuerwerk bei der Geldanlage
Je undurchsichtiger eine Anlageform ist, desto mehr Zahlen werden produziert, um reale oder erfundene Gewinne zu verdeutlichen. Dabei wird ganz klar an die Gier appelliert, und zwar so deutlich, dass der Verstand wiederum aussetzt. In aller Regel fehlt jeder Hinweis darauf, wie die Gewinne entstanden sein sollen, gegebenenfalls wird auf ein ominöses Computerprogramm verwiesen, dass das alles kann, vielleicht sind es auch die genialen Ideen des Firmengründers.
Wenn Sie den Endruck haben, es sei peinlich, nach Hintergründen, behördlichen Zulassungen, Sicherheiten für die Zukunft zu fragen, dann wirkt der Mechanismus. Dann steht der Verkäufer kurz vor dem erfolgreichen Abschluss und der Anleger beteiligt sich an etwas, das er nicht versteht und bei dem er nicht einschätzen kann, wie lange es noch funktioniert. Diese Methode findet sich zum Beispiel bei Vertretern von Terminhandelssystemen, die angeblich durch geschicktes An- und Verkaufen von Waren ordentlich Geld verdienen können, ohne aber mit den Waren in Berührung zu kommen. Solche Systeme haben eine Zeitlang funktioniert, zumindest solange, wie es eindeutige Trends gab. Die Zeiten sind leider vorbei und so sind Warentermingeschäfte äußerst riskant geworden. Was unter anderem daran liegt, dass ziemlich viele Händler versuchen, dabei Geld zu verdienen. Irgendwann geht es einfach nicht mehr.
Inventur der Finanzen — Was habe ich zu tun
Es mag natürlich sein, dass Sie gerade erst anfangen, sich mit dem Vermögensaufbau zu beschäftigen. In den meisten Fällen dürften jedoch schon einige Bausteine vorhanden sein. Für die individuelle Planung heißt das, diese Bestände zu berücksichtigen und für eine vernünftige Verteilung des Vermögens auf unterschiedliche Komponenten zu sorgen. Wer beispielsweise schon gut über gesetzliche und private Rentenversicherungen abgesichert ist, kann höhere Risiken und damit Kurschancen eingehen als jemand, der am Anfang des Berufslebens steht und noch gar keine Grundlage geschaffen hat.
Bei Angestellten und manchen Selbstständigen sind die Ansprüche aus der gesetzlichen Altersversorgung der Dreh- und Angelpunkt. Realistischerweise muss man leider sagen, dass eine eindeutige Einschätzung der Rentenhöhe heutzutage nicht mehr möglich ist. Was sicher ist: Sie wird geringer ausfallen als angenommen. Die unterschiedlichsten Aspekte, die hier eine Rolle spielen, können in dieser Webseite für Finanzen schon aus Platzgründen nicht erörtert werden. Vor allem Arbeitnehmer, die noch Jahrzehnte einzahlen müssen, können sich allenfalls auf so etwas wie das Sozialhilfeniveau verlassen, allerdings auch davon abhängig, wie lange eingezahlt werden darf.
Welche Rendite die Einzahlungen in die gesetzliche Rentenkasse bringen, ist umstritten. Es gibt nämlich unterschiedliche Methoden, sie zu berechnen. Je nachdem, welches Verfahren man ansetzt, kommt man zu unterschiedlichen Ergebnissen – natürlich immer im Sinne der eigenen Interessen, so man sie in diesem Bereich hat. Das Handelsblatt stellte in seiner Ausgabe vom 28.7.2006 drei Rechnungen gegenüber (vgl. Doemens 2006): Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) als gesetzlicher Träger kommt zu anderen Ergebnissen als das Institut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG), das von Finanzdienstleistern unterstützt wird, oder die Stiftung Warentest.
Dabei unterstellen alle Institutionen, dass nur 80 Prozent der Beiträge für die Rente verwendet wird, der Rest wird für Erwerbsminderungsrenten und Hinterbliebenenschutz aufgewendet. Unterschiede ergeben sich bei der Behandlung des Staatszuschusses. Die DRV bezieht ihn nicht ein, was die Rendite der Beiträge erhöht. Zudem weichen die Annahmen über die wirtschaftliche Entwicklung ab. Alle Werte sind nominal, das heißt die Inflation muss noch abgezogen werden. Insgesamt wird aus verfassungsrechtlichen Gründen damit gerechnet, dass immer mindestens die gezahlten Beiträge ausgezahlt werden, die reale Rendite bewegt sich aber für die Jüngeren gegen Null. Das IWG prognostiziert für die jüngeren Männer real noch 0,3 Prozent Rendite.
Prognostizierte Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung
Angaben in % pro Jahr DRV Stiftung Warentest IWG
Geburtsjahr 1940
Männer 3,5 3,5 3,5
Frauen 4,1 4,0 4,4
Geburtsjahr 1955 (IWG 1960)
Männer 2,8 2,0 2,1
Frauen 3,4 2,6 2,9
Geburtsjahr 1965 (IWG 1970)
Männer 2,8 1,7 1,8
Frauen 3,4 2,2 2,6
Für Ihre private Finanzplanung spielen daher nur solche Ansprüche eine Rolle, die einigermaßen realistisch planbar sind. Auch hier gilt die Beobachtung, dass nur wenige Haushalte einen umfassenden Überblick über ihre (möglichen) Ansprüche gegenüber Versicherungen, den Bestand an Spareinlagen und Depotstände haben. Manchen ist das alles zu kompliziert, andere wollen vor Kursverlusten die Augen verschließen. Beides sollte nicht (mehr) als Argument herhalten, nicht regelmäßig ein Auge darauf zu haben.
Viele Anleger haben im Zuge der Kurseinbrüche an den Börsen 2000-2003 viel Geld verloren und versucht, dieser Erkenntnis durch Nichtbeachtung des Depotauszugs zu entgehen. Damit haben sie aber oft die Chance verpasst, an den Kurssteigerungen seit 2003 zu partizipieren. So wurden die alten Aktien im Depot gelassen, obwohl der Markt ganz andere Branchen favorisierte. Durch Umschichtung, vor allem weg aus Technologie und Telekommunikation, hätte sich das Ergebnis wesentlich verbessern lassen können.
In diesem Schritt gilt es nun, Inventur zu machen, den Versicherungsordner zu durchforsten, die Depotauszüge zusammenzusuchen und über den Wert vorhandener Immobilien zu sinnieren. Dabei gilt aber auch, keine Hoffnungswerte zusammenzutragen, sondern den realistischen aktuellen Wert zu ermitteln und gegebenenfalls eine konservative Schätzung zum Beispiel für den Renteneintritt vorzunehmen. Die so erfassten Werte können als Bestandswert bei der Finanzplanung eingetragen werden. Einige Menschen machen dies allerdings nicht, weil sie sagen, Immobilien, Rente blieben außen vor, weil sie nicht angetastet werden sollen. Das ist einerseits verständlich, kann aber auch zu einer völligen Fehlplanung des Vermögens führen, weil zu viele risikoarme Komponenten enthalten sind und damit die Wertentwicklung unnötig behindert wird.
Beispiel:
Ein Anleger verfügt über ein abbezahltes Haus, eine gesetzliche Rentenversicherung und zusätzlich eine betriebliche Altersversorgung. Er ist Ende Fünfzig und macht sich Gedanken über die Struktur seines Anlagevermögens. Aufgrund des Alters könnte man nach der klassischen Lehre nicht zu 100 Prozent Aktienanteil raten, eher zu 50 Prozent oder weniger. Andererseits gibt es aber kaum noch existenzielle Risiken, ein möglicher Hausumbau könnte über eine Hypothek finanziert werden. Der Anleger könnte also recht risikofreudig investieren, übliche Durststrecken stellen kein ernsthaftes Problem dar. Er hätte damit die Chance auf deutlich höhere Erträge als bei einer reinen Rentenanlage.
Folgende Positionen sind für die Bestandsaufnahme des Vermögens zu berücksichtigen:
Regelmäßige Leistungen
Diese können nicht direkt mit einem Depotwert oder einer Auszahlungssumme verglichen werden, weil ihr Wert letztlich von der Lebensdauer abhängt. Sie verringern aber die Notwendigkeit, aus dem Vermögen Zahlungen für den Lebensunterhalt zu entnehmen:
•Ansprüche aus betrieblicher Altersversorgung – Grundlage: Garantiewerte bzw. aktuell erreichte Leistung pro Monat (der letzten Wertmitteilung zu entnehmen). Wenn die Daten nicht verfügbar sind, alternativ die gezahlten Beiträge ansetzen, und zwar ohne Verzinsung (aus den alten Gehaltsabrechnungen ersichtlich). Ebenso unter Berücksichtigung von Renteneintrittszeitpunkt und Höhe der gesetzlichen Rente steuerliche Effekte beachten! Informationen zur Besteuerung der Alterseinkünfte in Deutschland bekommen Sie zum Beispiel über die Website des Finanzministeriums (Bundesfmanzministerium – am besten in der Suchfunktion Alterseinkünftegesetz eingeben).
•Ansprüche aus Zusatzrenten (Riester/Rürup).
•Ansprüche aus gesetzlicher Rentenversicherung – Grundlage ist die letzte Renteninformation: verwenden Sie nur den aktuellen Anspruch, keinen hochgerechneten.
•Ansprüche aus privater Rentenversicherung – Nur die garantierten Zahlungen ansetzen, die bisher erreicht wurden, weil immer weniger Überschüsse erwirtschaftet werden. Wenn Angehörige existieren, auch auf die Mindestzahlungsdauer achten. Im Todesfall ergibt sich mitunter noch eine Teilabsicherung für Ehepartner und Kinder, meist jedoch im Umfang sehr beschränkt. Auch hier spielt die Frage der Besteuerung eine Rolle.
Werte
Das sind liquidierbare Bestände an Wertpapieren, Sachgütern,
Immobilien:
•Immobilien – Anzusetzen ist ein realistischer Verkaufspreis, der die Marktsituation berücksichtigt. Bei Schätzurigen über längere Zeiträume sind Wertveränderungen durch das regionale Umfeld, Wohlstandsentwicklung und den baulichen Zustand des Hauses zu beachten.
•Kapitallebensversicherungen – Auch hier sind nur Rückkaufsbeziehungsweise Garantiewerte anzusetzen, nicht die prognostizierten Ablaufleistungen. Diese werden heute immer seltener erreicht. Je nach Laufzeit und Abschlusszeitpunkt kann es zur Steuerpflicht für den Auszahlungsbetrag kommen, so dass netto geringere Leistungen anfallen.
•Sparguthaben – Je nach Vertragsmodell sind die eingezahlten Beiträge beziehungseise der aktuelle Auszahlungsanspruch anzusetzen.
•Wertpapiere – Relevant ist zunächst der aktuelle Depotwert. Bei der Hochrechnung auf spätere Zeitpunkte können bei sicheren Renten (zum Beispiel deutsche Staatsanleihen) die Nennwerte zum Fälligkeitsdatum zuzüglich der Zinsen angesetzt werden. Eventuelle Kursverluste seit dem Kauf dürfen nicht vergessen werden.
•Erbschaften – Ein Thema, das zu Lebzeiten des Erblassers ungern angesprochen wird. Gerade wenn es um Immobilien geht, sollte das Thema nicht vernachlässigt werden.
Häuser und Wohnungen zählen zwar zu den sichereren Anlagen, unterliegen aber auch Preisrisiken!
Das Resultat kann in einem Vermögensinventar übersichtlich dargestellt werden.
Sehen wir uns nun das Beispiel der Familie Müller an. Herr Müller hat Ansprüche aus einer betrieblichen Rentenversicherung, Frau Müller zahlt seit einigen Jahren in eine private Rentenversicherung ein. Die Anwartschaften aus der gesetzlichen Rentenversicherung können aufgrund der unzuverlässigen Mitteilungen nur sehr grob geschätzt werden. Immobilien sind nicht vorhanden. Auf die Tochter ist (aus Renditegründen) eine Lebensversicherung abgeschlossen worden. Dazu kommen ein kleiner Sparplan bei einer Bank sowie ein Depot, in dem einige Rentenfondsanteile ihr Leben fristen. Insgesamt kommen die in Tabelle gezeigten Positionen zustande.
Beispiel eines Vermögensinventars
Vermögensinventar Bezugsjahr Zahlung heutiger Wert
regelmäßige Einnahmen
Rente Betrieb 2023 350 EUR mtl. 4 000 EUR
Rente gesetzlich 2023 1200 EUR mtl.
Rente privat 2020 280 EUR mtl. 6 000 EUR
Rente privat
sonstige
einmalige Einnahmen
Immobilienbesitz
Lebensversicherung 2018 50000 EUR 26000 EUR
Lebensversicherung
Guthaben Konto 2 000 EUR
Guthaben Sparplan 2 400 EUR
Depotwert 10 600 EUR
Depotwert
Erbschaft
Sonstige
Wenn diese Aufstellung erst einmal gemacht ist, dann stellt sich vielleicht heraus, dass schon etwas zu viel oder auch zu wenig Vorsorge betrieben wurde. Dies ist für die weitere Planung zu berücksichtigen. Es ist aber auch ein schöner Zeitpunkt, um etwas zu verändern. Vor allem bei Versicherungsverträgen ist zu prüfen, ob der Bestand noch zur Lebensplanung passt und noch angemessene Renditen erzielt werden.
Beispiel:
Eine Anlegerin in den Vierzigern stellt fest, dass sie bereits mehr als ausreichend versichert ist. Neben der betrieblichen Altersvorsorge hatte sie in den neunziger Jahren verschiedene Lebensversicherungsverträge abgeschlossen, bei denen die Rendite inzwischen deutlich gesunken ist. Dafür hat sie aber auf einen Riester- Vertrag verzichtet. In Wertpapiere hat sie mangels verfügbaren Einkommens nicht investiert. Eine spontane Kündigung von Lebensversicherungen ist meist nicht sinnvoll, weil die Wertentwicklung anfangs schlechter ist und mitunter eine Versteuerung erfolgt. Für diese Anlegerin bietet es sich an, mindestens eine Lebensversicherung beitragsfrei zu stellen und das Geld statt- dessen in einen Riester-Vertrag sowie am Kapitalmarkt zu investieren. Die Versicherung läuft dann sozusagen mit den alten Beiträgen weiter, der Verlust ist wesentlich geringer als bei einer Kündigung.
Wenn der Finanzplan wie im hier gezeigten Fall bis zur Rentenzeit reicht, dann stellt sich die Frage, wie viel Kapital denn am Ende vorhanden sein muss. Sind ioo 000 Euro ausreichend oder braucht man eine Million? Wie üblich kommt es darauf an, und zwar auf die bis dahin erreichten Ansprüche an die Rentenversicherungsträger. Letztlich muss auch jeder selbst entscheiden, welchen Lebensstandard er erreichen will. Für manche ist das Vermögen reiner Luxus, andere benötigen es, um überhaupt ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können.
Stehen 100 000 Euro zur Verfügung, dann können bei 6 Prozent Zinsen – das entspricht einer Rendite von 6000 Euro im Jahr – 500 Euro pro Monat entnommen werden, ohne dass Kapital verzehrt wird. Geht man konservativ von nur 4 Prozent Zinsen aus, dann bleiben monatlich 333 Euro übrig.
Um 2 000 Euro monatlich zu erhalten, benötigt man schon ein Kapital von 600 000 Euro bei 4 Prozent Zinsen. Wenn nun noch Steuern berücksichtigt werden, sind zum Beispiel 750 000 Euro erforderlich. Dann könnte sich der Rentner 20 Prozent Steuerabzug leisten und käme noch auf 2 000 Euro.