Steuerargument bei der Geldanlage

Das kommt bei seriösen wie unseriösen Verkäufern vor, denn irgendwie reagiert das ganze Land allergisch auf alles, was mit Steuern zu tun hat. Insofern sagt die bloße Erwähnung von Steuervorteilen noch nicht viel aus. Nur, wenn es den Einstieg in ein Gespräch darstellt, sollten die Alarmglocken läuten.
Die Bedeutung des Steuerthemas hat aber viel mit der Qualität des angebotenen Produkts zu tun. Nicht nur, dass es gar nicht so viele Steuersparmöglichkeiten gibt, wie gemeinhin gedacht wird. Manche Konstruktionen sind beziehungsweise waren von sich aus wirtschaftlich unsinnig und lebten nur von der Aussicht auf Steuerersparnisse. Dass die Finanzbehörden versuchen, diesen Sumpf trockenzulegen, ist wohl verständlich. Viele Investoren haben ohnehin keinen Spaß an der Sache gehabt, weil das eine oder andere Projekt in sich zusammengebrochen ist. Beispiele finden sich bei diversen geschlossenen Fonds, die in erster Linie eine hohe Verlustbeteiligung anbieten konnten, oder bei Neubauwohnungen in Ostdeutschland, auf die keine Mieter warten. Hier bestand das Vermarktungsargument praktisch ausschließlich aus Steuerersparnis, glücklich wurden damit aber nur wenige.
Die Möglichkeiten, solche Modelle heute noch anzubieten, sind deutlich gesunken. Umso kritischer sollte man sein, wenn die Steuern im Vordergrund stehen. Oft lohnt es sich, etwas mehr Steuern zu zahlen, dafür aber ein ordentliches Produkt zu erhalten, das sich selbst tragen kann.

Grundlagen der Geldanlage

Das Vertrauen in die gesetzliche Altersversorgung haben wir längst verloren. Die Lebensversicherungen bringen nur noch mickrige Renditen von vier bis fünf Prozent. Gleichzeitig steigen die Aktienmärkte seit einigen Jahren um zweistellige Prozentsätze. Und was haben die Privatanleger davon? Wenig. Denn viele trauen sich nicht, Geld an den Kapitalmärkten anzulegen, nicht wenige werden auch schlecht beraten.
In unserer Finanzen-Webseite zeigen Ihnen, wie Sie mehr aus Ihrem Geld machen, sei es für konkrete Anschaffungen oder die Versorgung im Alter. Es zeigt Ihnen, wie Sie bei Ihren Entscheidungen unabhängig bleiben, die besten Produkte finden und nicht in die vielen Fällen des Kapitalmarkts tappen.
Es will Ihnen auch Mut machen, zumindest einen Teil Ihres Geldes in Aktien anzulegen. Denn langfristig gesehen gibt es kein besseres Mittel, um Vermögen zu vermehren. Leider wird gegenwärtig viel Geld in Garantieprodukten und Geldmarktfonds verschwendet – die Gewinne machen internationale Investoren, die gerade auch den Wert deutscher Unternehmen erkannt haben. Warum sollen Sie als Privatanleger nur zusehen, wie andere Gewinne machen?
Wir in unserer Geldanlage-Webseite wollen Sie aber nicht dazu verleiten, Geld ohne Beachtung des Risikos anzulegen. Der Schock der Börsenbaisse von 2000 bis 2003 sitzt noch tief. Vielmehr zeigt es Ihnen, wie Risiko und Chance Zusammenhängen und wie Sie für Ihre Risikoeinstellung die richtigen Anlagemöglichkeiten finden. Schließlich gibt es außer Aktien und Anleihen noch eine ganze Reihe von Spezialitäten, auf die Sie am Bankschalter selten hingewiesen werden. Vielfach kommt es auch darauf an, selbst aktiv zu werden.

Wenn Sie ein wenig Zeit aufwenden, im Internet zu recherchieren oder nach Prospekten zu fragen, werden Sie einen hohen Zusatzgewinn erzielen können. Wir in Geldanlegen24.de zeigen Ihnen, wie das geht: wo Sie gute Fonds finden, wie Sie ein Depot einrichten oder wie Sie die Kursentwicklung verfolgen. Es warnt Sie vor Produkten, die besondere Risiken aufweisen oder schlichtweg zu teuer sind.
Damit Sie wirklich alles selbst in Ihre Geldanlagepraxis umsetzen können, finden Sie hier auch Formulare für Ihre Finanzplanung, ein leicht nachvollziehbares Modell für den Depotaufbau und zahlreiche Hinweise auf Informationsquellen, gedruckt oder elektronisch. Die Planungsformulare können Sie als Excel-Dateien herunterladen von. Weitere Informationen zu Themen der Geldanlage finden sie bei.
Bitte beachten Sie noch den Hinweis, dass die Informationen in unserer Seite für Finanzen keine Aufforderung zum Kauf einzelner Produkte darstellen. Sie werden nach bestem Wissen gegeben, eine Haftung für die Richtigkeit der Informationen kann jedoch nicht übernommen werden. Unsere Artikel zum Thema Finanzen ersetzen auch keine individuelle Anlageberatung. Wertentwicklungen in der Vergangenheit lassen keine Aussage über die zukünftige Entwicklung zu. Bitte lesen Sie im eigenen Interesse vor jeder Anlageentscheidung den jeweiligen Verkaufsprospekt und informieren Sie sich dort über die Risiken.

Druck vom Verkäufer bei der Geldanlage

Finanzdinge sind meist komplex, man durchschaut sie nicht gleich. Und hätte man Zeit, dann würde man auch den einen oder anderen Haken an der Sache finden. Unseriöse Verkäufer versuchen, genau dies zu verhindern. Sie setzen ihre Opfer unter Druck, damit sie die Problemstellen nicht finden, zumindest nicht vor der Unterschrift. Ihrer Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Denken Sie daran: Ein gutes Angebot ist auch nächste Woche noch gut. Ist es das nicht, dann hatte es vorher schon eine faule Stelle.

Daher: Ruhe bewahren. Seien Sie misstrauisch, wenn zum Beispiel

folgende Argumente gebracht werden:

• Wir können nur noch wenige Kunden beteiligen. Und das geht zack, zack. Wenn Sie sich nicht schnell entscheiden, ist das Angebot ausgeschöpft.
• Die Kurse entwickeln sich gerade sehr stark nach oben. Wenn Sie davon profitieren wollen, müssen Sie jetzt einsteigen.
• Ich kann Ihnen nur noch morgen Abend oder übermorgen Nachmittag einen Termin anbieten. Welcher ist Ihnen lieber?
• Schnelligkeit ist unser Geschäft. Deswegen können wir so gute Angebote machen. Da müssen unsere Kunden auch mitziehen.
• Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass Sie noch etwas Zeit brauchen. Vielleicht ist das aber auch nichts für Sie. Eine Rentenanlage bietet zwar wenig Rendite, aber dafür müssen Sie sich auch um nichts kümmern.

Seriöse Berater, die langfristig mit Ihnen Zusammenarbeiten wollen, lassen Ihnen alle Zeit der Welt. Sie haben nämlich kein Interesse daran, sich mit Stornos oder unzufriedenen Kunden herumzuschlagen. Sie möchten Sie als Empfehlungsgeber gewinnen und das geht nur, wenn Sie ein gutes Gefühl bei der Sache haben.

Welcher Anlegertyp bin ich

ln diesem Artikel geht es um eine Bestandsaufnahme dessen, was Ihnen als Anleger an Kapital und laufenden Einnahmen zur Verfügung steht, und um die Planung Ihres Finanzbedarfs. Diese Arbeit ist Grundlage für alle weiteren Planungen: wie viel Sie anlegen, in welchen Bereichen Sie investieren sollten und wann Sie jeweils Geld entnehmen können. Dabei sind drei Planungsschritte zu durchlaufen, beginnend mit der Bestimmung Ihres Anlegertyps über Ihre eigenen Pläne und Möglichkeiten bis zur Erstellung eines Finanzinventars. Zur Unterstützung für Ihre eigenen Berechnungen finden Sie hier auch geeignete Formulare.

Selbstanalyse
Haben Sie sich schon einmal auf die Reise in Ihr Inneres begeben? Wissen Sie, wer Sie wirklich sind, was Sie vom Leben erwarten, was Sie gut können und was weniger gut? Vielleicht erinnert Sie das an ein Seminar, das Ihnen irgendwie komisch vorkam, oder an einen Selbsterfahrungstest in einer Ratgeberzeitschrift. Hier geht es weder um das Eine noch das Andere. Es geht vielmehr darum, zu erkennen, dass eine realistische Einschätzung der eigenen Persönlichkeit in Gelddingen eine wichtige Voraussetzung dafür ist, die geeignete Anlageform zu finden. Dabei ist es nicht mit ein paar Fragen getan. Viele Menschen haben nämlich eine falsche Einschätzung von sich selbst. Sie erkennen das meist erst, wenn Ihnen ein Dritter sagt: Das hätte ich dem gar nicht zugetraut.

Gerade in Gelddingen schätzen sich viele Menschen völlig falsch ein. Am schlimmsten ist es nach eindeutigen Börsenphasen, das heißt einer Hausse (Kurse steigen stark, so genannter Bullenmarkt) oder einer Baisse (Kurse fallen über längere Zeit, so genannter Bärenmarkt). Liefen die Anlagen in den letzten Jahren sehr gut, entsteht ein gewisses Vertrauen in den weiteren Erfolg und steigt die Risikobereitschaft. Auch wenn auf die Risiken hingewiesen wird, glauben viele Anleger, sie tolerieren zu können. Sie haben dabei die hohen Gewinne der Vergangenheit vor Augen und trauen sich dann noch viel mehr zu.

Kommt es dann zu plötzlichen Verlusten, bereuen sie es nicht selten, diese Risiken eingegangen zu sein und möchten am liebsten alles rückgängig machen. Das Üble daran: Je mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein man vorher verspürte, desto größer ist das empfundene Leid nachher.

Wissen Sie, wie viel Leid Sie ertragen? Nicht in Schmerz ausgedrückt, sondern in Euro? Was passiert, wenn Sie innerhalb einer Woche 50 000 Euro verlieren, vielleicht ein Drittel Ihres Vermögens? Das ist das Problem. Es ist schwer zu schätzen. Vorher ist es ein imaginärer Fall, an den man nicht glaubt. Wäre es anders, dann würde man vielleicht gleich auf die Anlage verzichten.

Leider kommt es regelmäßig an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu Kurskorrekturen von 5 bis 10 Prozent. Damit muss man ein- oder zweimal im Jahr rechnen, unabhängig davon, ob es danach wieder bergauf geht. Alle paar Jahre sind die Kurseinbrüche größer und erreichen je nach Markt auch 25 bis 30 Prozent. Zwischen solchen Einbrüchen kann ein Jahr vergehen (zum Beispiel 2001 und 2002), aber auch drei, vier, fünf Jahre oder mehr (zum Beispiel 2002 und 2006). Anleger, die nicht stressresistent sind, neigen dazu, in solchen Krisensituationen alles zu verkaufen, in der Angst, es könnte aber noch schlimmer kommen. Meist ist das der schlechteste Weg. Er wird aber gegangen, weil sich die Anleger über ihre Mentalität nicht im Klaren waren. Nur diejenigen, die einen kühlen Kopf bewahren und solche Durststrecken überstehen können, sollten die entsprechenden Risiken eingehen.

Auch wenn auf dem Papier hohe Renditen mit riskanten Anlagen erzielt werden können, sollte man sich nicht darüber täuschen, dass die meisten Privatanleger nichts davon haben. Sie kaufen zu teuer, weil ihnen vorher der Mut fehlte, und verkaufen zu billig, weil er sie zwischenzeitlich wieder verlassen hat. Eine risikoärmere Anlage wäre zwar auf dem Papier weniger interessant, in der Praxis aber oft rentabler gewesen.

Alle Anleger, egal, ob in Aktien-, Renten-, Immobilien- oder Rohstoffmärkten und damit auch Sie selbst, müssen sich vorab Gedanken darüber machen, ob die Risikostruktur der Anlage ihrer Persönlichkeit entspricht. Wer aber neu in diese Märkte einsteigt, kann dies mangels Erfahrung nicht wissen. Man muss daher versuchen, auf Umwegen weiter zu kommen. Ein einfacher Fragebogen und die Risikoeinstufung, die die Banken vornehmen, reichen nicht aus. Sie sind für die Vermittler ein rechtlich notwendiges Instrumentarium, um die Haftung zu begrenzen. Wenn Sie Ihr Vermögen aber, aus gutem Grund, selbst verwalten wollen, dann müssen Sie etwas mehr in die Tiefe gehen.

Denken Sie über Ihre Einstellung zum Risiko nach!
Im Folgenden finden Sie einige Fragen zum Nachdenken. Es geht nicht darum, a, b oder c anzukreuzen und dann an der erreichten Punktzahl irgendetwas abzulesen. Es sind ja leider nicht alle Börsenentwicklungen vorherzusehen, so dass solche Tests auch immer nur im Nachhinein vernünftig konstruiert werden können. Diese Fragen werden Sie stattdessen dafür sensibilisieren, sich mit Ihren Erwartungen und Ihrer Leidenstoleranz zu beschäftigen. Sie werden dann ganz intuitiv vorsichtiger oder risikobereiter an Ihre Investitionsentscheidungen herangehen.

1.Stellen Sie sich vor, Sie nehmen an einer Quizshow teil. Sie haben 50 000 Euro erreicht und können nun in der nächsten Stufe 100 000 Euro gewinnen oder alles verlieren. Die Fragen waren bislang schon schwierig, Sie hatten aber das nötige Glück. Sie müssen immer aus vier möglichen Antworten die richtige auswählen, helfen kann Ihnen niemand. Machen Sie weiter oder nehmen Sie die 50 000 Euro?

2.Sie sind Fußballfan und können für die nächste Fußballweltmeisterschaft Karten kaufen. Inklusive Anreise, Übernachtung müssen Sie für ein Endspielticket rund 4000 Euro kalkulieren. Wenn Ihr Favorit ins Endspiel kommt, könnte es das Erlebnis Ihres Lebens werden. Scheidet er aus, dann wird es ein Reinfall,

weil Sie die Zeit auch nicht richtig für einen Urlaub nutzen können. Wie entscheiden Sie sich?

3.Nehmen Sie an, Sie seien nicht nur Fußballfan, sondern sogar Trainer. Es steht 1:1 in der 80. Minute eines Pokalspiels, sie müssen unbedingt gewinnen. Sie können noch einen Spieler einwechseln. Nehmen Sie einen Stürmer, um vielleicht die Entscheidung in der regulären Spielzeit herbeizuführen oder nehmen Sie einen Abwehrspieler, um einen Gegentreffer zu verhindern und sich ggf. ins Elfmeterschießen zu retten?

4.Sie wollen in zwei Monaten Urlaub machen. Da es Winter ist und Sie ausnahmsweise vier Wochen Urlaub bekommen, könnten Sie eine Rundreise durch Asien unternehmen. Ihr Partner/ Ihre Partnerin schlägt vor, nur einen Flug zu buchen und auf eigene Faust mit dem Rucksack durch Kambodscha, Laos und Vietnam zu reisen. Dabei würden Sie am meisten von Land und Leuten mitbekommen, wären aber auch auf Glück und Zufall angewiesen. Bisher haben Sie solche Ziele nur organisiert bereist und in guten Hotels übernachtet. Lassen Sie sich auf die Idee ein?

5.Nehmen wir einmal an, Sie seien 60 Jahre alt und haben die Rente vor Augen. In Ihrem Unternehmen haben Sie eine leitende Funktion inne, rechnen aber nicht mehr mit nennenswerten Herausforderungen oder Gehaltssteigerungen. Ein Kollege gleichen Alters spricht Sie darauf an, gemeinsam eine Firma zu gründen, um es noch mal allen zu zeigen und sich herauszufordern. Dabei könnte, wenn alles gut ginge, auch noch ein ordentlicher Zusatzverdienst entstehen. Machen Sie mit oder bleiben Sie im Unternehmen?

6.Vor etwa einem halben Jahr hatten Sie 20 000 Euro in einen europäischen Aktienfonds investiert. Sein Wert stieg kontinuierlich und vor kurzem kamen Sie auf einen Ertrag von annähernd 20 Prozent. Seit zwei Wochen findet allerdings eine Korrektur statt. Der Wert des Fonds ist unter den gerutscht, zu dem Sie gekauft hatten. Im Prinzip sind Sie der Meinung, dass europäische Aktien immer noch eine gute Anlage sind. Allerdings könnte es auch sein, dass die Verluste nie mehr aufgeholt werden. Verkaufen Sie Ihre Anteile und verbuchen Sie die Verluste unter Lehrgeld, bleiben Sie dabei, oder kaufen Sie noch Anteile zu dem jetzt günstigeren Preis zu?

7.Ein Bekannter von Ihnen zieht ins Ausland. Er besitzt unter anderem ein altes Auto, rund 30 Jahre alt, das er überwiegend in der Garage stehen hatte. Von dem Auto erwartete er sich eine erhebliche Wertsteigerung und wollte es irgendwann mal für viel Geld verkaufen. Bislang ist diese Wertsteigerung noch nicht eingetreten, aber sie ist für die Zukunft nicht ausgeschlossen. Der Bekannte bietet Ihnen den Kauf des Wagens für 4 000 Euro. Sie könnten ihn zwar auch fahren, haben aber ein bequemeres Fahrzeug. Würden Sie den Wagen kaufen und weiter spekulieren oder das Angebot ausschlagen?

8.Es ist Anfang Juli und Sie haben gerade in einem Bekleidungsgeschäft einen schicken Anzug/ein schickes Kostüm gesehen. Der Preis ist nicht gerade niedrig, aber das Teil gefällt Ihnen. Allerdings vermuten Sie, dass es ein heißer Kandidat für einen deutlichen Preisnachlass spätestens zum Monatsende ist. Sie wägen ab: 200-300 Euro Ersparnis gegen das Risiko, dass Ihnen ein anderer zuvorkommt. Greifen Sie zu?

Ihnen wird nun bewusst sein, wie Sie zu Chancen und Risiken stehen. Auch wenn die Beispiele meist nicht aus dem Anlagebereich stammen, lassen sie Rückschlüsse auf die Persönlichkeit zu. Denken Sie aber daran, dass nicht etwa Risikofreude immer positiv und Vorsicht immer negativ ist. Niemand weiß im Vorfeld, was besser ist. Zurückhaltende und vorsichtige Menschen können langfristig durchaus besser fahren, nur weiß man es eben erst nachher. Wenn Sie aber feststellen, dass Sie sich eher für die vorsichtigeren Varianten entscheiden würden, passen riskante Anlagen bestimmt nicht zu Ihnen. Ebenso wird es umgekehrt sein. Wenn Sie im Leben gerne Risiken eingehen, einen gewissen Nervenkitzel suchen, dann werden Sie am Sinn einer konservativen Geldanlage stets zweifeln.

Emotionale Momente bei der Geldanlage

Eine ganz üble Masche ist die, emotional zu argumentieren und an Instinkte zu appellieren, anstatt rationale Argumente zu liefern. Dies spielt vor allem bei den Versicherungen eine Rolle. So wird gerne daran erinnert, dass man ja den Kindern etwas hinterlassen müsse, im Alter nicht auf Sozialhilfe angewiesen sein wolle und der staatlichen Rente nicht vertrauen könne. Natürlich spielt alles eine Rolle, aber gerade die zu erwartende Rente ist ein Problemfall, den auch der Verkäufer nicht durchschaut. Hier werden meist Angstszenarien konstruiert, die den gesunden Menschenverstand ausschalten. Dazu gehört auch die Angst, als Rentner die Wohnung zu verlieren und womöglich in ein städtisches Heim zu kommen, oder jemanden um finanzielle Unterstützung bitten zu müssen, nicht für eine erforderliche medizinische Versorgung aufkommen zu können. Seriöse Berater nähern sich solchen Themen sehr vorsichtig, vermeiden aber auf jeden Fall das Entstehen von Ängsten.

Was sind Ihre Möglichkeiten für Geldanlage

Ein weiterer Baustein ist die Frage, wie viel Geld Ihnen zur Verfügung steht. Hierbei kommt man meist zu der Erkenntnis, dass nichts so schlecht geplant ist wie die persönlichen Finanzen. Aus irgendeinem Grund haben wir Schwierigkeiten, das eigene Geld im Überblick zu behalten bzw. überhaupt erst in Erfahrung zu bringen, wie viel denn am Monatsende übrig bleibt. Es nutzt aber ziemlich wenig, längerfristig den Vermögensaufbau zu planen, wenn man nicht weiß, was reinkommt und irgendwann gebraucht wird.

Es klingt zwar ein bisschen wie Haushaltsbuch, aber Sie kommen nicht darum herum, Ihren monatlichen Nettoüberschuss zu ermitteln. Das ist der Betrag, der nicht verplant oder durch Verträge gebunden und auch nicht für das Überleben (Ernährung, Kleidung usw.) benötigt wird. Apropos: Wissen Sie eigentlich, wie viel Sie im Schnitt monatlich für Kleidung ausgeben?

Mit der nächsten Tabelle kommen Sie der Sache näher. Berücksichtigen Sie, dass es sich um monatliche Durchschnittswerte handelt. Jährliche Ausgaben und Einnahmen müssen entsprechend aufgeteilt werden (zum Beispiel Versicherungsprämien, Weihnachtsgeld). In der Regel ist es sinnvoll, die Aufstellung für einen Haushalt insgesamt vorzunehmen.

Sollten Sie feststellen, dass Sie eigentlich gar nichts mehr übrig haben, sondern sogar Verluste erzielen, müssen Sie nicht verzweifeln. Es ist nicht leicht, die einzelnen Beträge zu schätzen, kleinere Abweichungen addieren sich schnell zu großen Summen. Denken Sie auch daran, dass mitunter einmalige Zahlungen hinzukommen, etwa aus Prämien, Wertpapierverkäufen, Weihnachtsgeld, die man gerne vergisst.

Das verfügbare Einkommen (hier: das für die Geldanlage verfügbare) können Sie verwenden, wie Sie wollen. Sie können davon Geschenke kaufen, es in Aktien anlegen oder für einen Autokauf sparen. Alles Notwendige ist berücksichtigt.

Im nächsten Schritt müssen Sie nun ermitteln, welche finanziell relevanten Ereignisse auf Sie zukommen. Schließlich sollten Sie verhindern, Ihr Geld so stark in Anlagen zu binden, dass schon eine größere Reparatur Liquiditätsprobleme auslöst. Die andere Tabelle führt einige typische kostenträchtige Ereignisse auf, von denen jeder Mensch mehr oder weniger stark betroffen ist. Soweit Sie absehen können, ob und wie diese Ereignisse für Sie relevant sind, sollten Sie sie in die Liste eintragen.

Laufende Einnahmen und Ausgaben monatlich

Netto-Gehalt + Nebeneinkünfte/Zinsen/Mieteinnahmen = Einnahmen gesamt

Banken
– Kredite/Hypotheken/Leasingraten
– Sparverträge/-plane/Bausparguthaben

Versicherungen
– Kranken-/Unfallzusatzversicherungen
– Lebens-/Rentenversicherungen
– Sachversicherungen
– Autoversicherungen
– Sonstige

Kommunikation/Transport/Reise
– Telefon/Internet/Fernsehen
– Benzin/Wagenpflege/Reparaturen
– sonstige Fahrtkosten
– Urlaub

Wohnung/Haus
– Miete/Nebenkosten/Energie
– Instandhaltung/Reparaturen
– Möbel/Haushaltsggräte

Sonstiges
– Ernährung
– Kleidung
– Gesundheit/Körperpflege
– Zeitungen/Zeitschriften/Bücher
– Vereinsbeiträge/Spenden
– Theater/Restaurant/Eintritte
– Unterstützung von Angehörigen
– Sonstige
– verfügbares Einkommen pro Monat

In diesem Artikel erfahren Sie dann, wie Sie auf der Basis dieser Planungen Ihr Vermögen auf vier verschiedenen Ebenen strukturieren.

Und nicht zuletzt sollten Sie an den berühmten Notgroschen, die Reserve, denken. Er sollte ausreichend sein, um unvorhergesehene Ereignisse abzudecken wie zum Beispiel eine vorübergehende Arbeitslosigkeit oder nicht versicherte Schäden am Hausrat. In diesem Umfang sollten Sie Barbestände oder sofort liquidierbare Anlagen einplanen (Anlagen ohne Kursrisiko und mit täglicher Verfügbarkeit), zum Beispiel auf Tagesgeldkonten.

Mit den so ermittelten Daten können Sie nun einen eigenen Finanzplan aufstellen. Dabei können Sie sowohl langfristig denken (zum Beispiel 20 Jahre oder bis zum Renteneintritt mit jährlicher Planung) als auch kurzfristig (zum Beispiel 1 bis 2 Jahre mit monatlicher Planung).

Wie die Planung funktioniert, wird nun anhand eines Beispiels gezeigt. Die Familie Müller erstellt für die drei Personen des Haushalts eine Liste der laufenden Einnahmen und Ausgaben

Beispiel einer Einnahmen-/Ausgaben-Übersicht,€

Laufende Einnahmen und Ausgaben monatlich

Netto-Gehalt                                                                                   4 500

+ Nebeneinkünfte/Zinsen/Mieteinnahmen                             200

= Einnahmen gesamt                                                                    4 700

Banken

– Kredite/Hypotheken/Leasingraten                                          300

– Sparverträge/-pläne/Bausparguthaben                                   140

Versicherungen

– Kranken-/Unfallzusatzversicherungen                                     205

– Lebens-/Rentenversicherungen                                                 320

– Sachversicherungen                                                                       20

– Autoversicherung                                                                          80

– Sonstige                                                                                           10

Kommunikation/Transport/Reise

– Telefon/Internet/Fernsehen                                                      100

– Benzin/Wagenpflege/Reparaturen                                           280

– sonstige Fahrtkosten                                                                   100

– Urlaub                                                                                             220

Wohnung/Haus

– Miete/Nebenkosten/Energie                                                      820

– Instandhaltung/Reparaturen                                                      20

– Möbel/Haushaltsgeräte                                                               160

Sonstiges

– Ernährung                                                                                     500

– Kleidung                                                                                         220

– Gesundheit/Körperpflege                                                            70

– Theater/Restaurant/Eintritte                                                      50

– Zeitungen/Zeitschriften/Bücher                                                 25

– Vereinsbeiträge/Spenden                                                              20

– Unterstützung von Angehörigen                                                    0

– Sonstige                                                                                             140

= verfügbares Einkommen pro Monat                                          900

x 12 =                                                                                                    10800

Pro Jahr bleiben also 10800 Euro übrig für einmalige Anschaffungen und Geldanlage. Nunmehr müssen die einmaligen Ausgaben und Einnahmen erfasst werden (Tabelle 1.5). Da man zur Miete wohnt und nur ein Auto hat, sind nur wenige größere Ereignisse relevant. Vor allem geht es um das Studium der Tochter und eine geplante Weltreise.

Beispiel einer Übersicht einmaliger Ausgaben und Einnahmen

Einmalige Ausgaben/Einnahmen

Was?                                                                         Wann?                       Wie viel?

Hauskauf/-verkauf

Autokauf/1 -verkauf 2                                             010+2020                  je-20000

Studien-/Schulbeginn/-ende Kinder                    2009                           -10000

Umzug

größere Reparaturen/Renovierung

Hochzeit/Jubiläum

Erbschaft

sonstige Anschaffungen

Rente                                                                       2023

Auszahlung Lebensversicherung                                    2016                           +50000

Zusatzkosten Weltreise                                         2009                           -8000

Mit diesen Daten kann der Finanzplan erstellt werden. Der Zeitraum bis zur Rente ist natürlich lang und es wird immer wieder Änderungen geben. Damit ist die Planung aber nicht hinfällig. Sie zeigt, ob überhaupt ausreichend Geld für die Finanzierung der Pläne zur Verfügung steht, und sollte regelmäßig wiederholt werden. So kann sich auch heraussteilen, dass zwar in den nächsten Jahren mit Überschüssen zu rechnen ist, man also durchaus Geld anlegen könnte, dieses aber dann sicher wieder verfügbar sein muss. Das kann dann bedeuten, dass nur sichere Anlagen für die Zwischenzeit in Frage kommen, um nicht nach eventuellen Kursverlusten verkaufen zu müssen.

Um die Inflation, Gehaltssteigerungen sowie Veränderungen des Ausgabeverhaltens zu berücksichtigen, werden die Werte jeweils pauschal angehoben. Damit die Übersichtlichkeit nicht allzu sehr beeinträchtigt wird, werden hier nur glatte Tausender-Zahlen verwendet. Was die Reserve angeht, so wird von einem gewissen Bestand ausgegangen, der 2007 um 2 000 Euro auf dann 5 000 Euro aufgestockt werden soll. Zum Renteneintritt wird er sogar wieder reduziert.

Dieser Plan offenbart Gutes und Problematisches. Prinzipiell ist es nie erforderlich, einen Kredit aufzunehmen, um den Finanzbedarf zu besonderen Ereignissen abzudecken. Allerdings reicht die Reserve allein nicht immer aus, um den Bedarf zu decken, das heißt, das investierte Vermögen muss zumindest kurzfristig belastet werden. Davon sind die Jahre 2009,2010 und 2020 betroffen. In der Zeile für Anlage verfügbar findet sich entsprechend eine negative Zahl.

Familie Müller kann nun entscheiden, wie sie den Finanzbedarf decken will. In den Jahren 2009 und 2010 reicht die Reserve dafür nicht aus. Aus dem Anlagevermögen müssen einige Tausend Euro entnommen werden, was bei der Anlagestrategie zu berücksichtigen ist (keine spekulativen Anlagen sinnvoll). Die Reserve kann ganz oder teilweise verwendet werden. Da die Situation frühzeitig bekannt ist, sollte die Reserve entsprechend erhöht werden.

Im Jahr 2020 reicht die Reserve aus, um den Finanzbedarf zu decken. Es können also 5 000 Euro aus der Reserve in das Anlagekonto umgeschichtet werden, sie wird ohnehin abgebaut.

Was heißt dies für die Anlagestrategie? Die nächsten zwei Jahre (2007, 2008) verlaufen unproblematisch. Das dann verfügbare Geld kann aber nicht langfristig in voller Höhe gebunden werden, weil in den zwei Folgejahren ein höherer Bedarf besteht. Will man die Reserve nicht antasten, dann können maximal 21000 Euro gebunden werden. Da zum Beginn des Planungszeitraums 15 000 Euro vorhanden waren, dürfen nur noch 6 000 Euro langfristig angelegt werden. Für die weiteren Summen müssten risikolose beziehungsweise risikoarme Kurzfristanlagen gefunden werden.

Ab 2011 kann ohne nennenswerte Einschränkung investiert werden. Damit kommen auch spekulativere Anlagen in Frage, maßgebend ist der Zeitpunkt des Renteneintritts. Insgesamt kann das Anlagevolumen auf 239 000 Euro anwachsen, wobei keine Kursgewinne/Zinsen enthalten sind. Das dann verfügbare Vermögen wird je nach Anlageerfolg wesentlich höher ausfallen. Unter Berücksichtigung einer durchschnittlich zu erzielenden Rendite von sieben Prozent pro Jahr ergibt sich ein Kapital zum Rentenbeginn in Höhe von 439 000 Euro.

Das klingt erst einmal recht kompliziert. Artikel 14 zeigt Ihnen aber, dass Sie den Vermögensaufbau mit dem Ebenenkonzept gut in den Griff bekommen und sich jeweils für die geeignete Produktkategorie entscheiden.

Zahlenfeuerwerk bei der Geldanlage

Je undurchsichtiger eine Anlageform ist, desto mehr Zahlen werden produziert, um reale oder erfundene Gewinne zu verdeutlichen. Dabei wird ganz klar an die Gier appelliert, und zwar so deutlich, dass der Verstand wiederum aussetzt. In aller Regel fehlt jeder Hinweis darauf, wie die Gewinne entstanden sein sollen, gegebenenfalls wird auf ein ominöses Computerprogramm verwiesen, dass das alles kann, vielleicht sind es auch die genialen Ideen des Firmengründers.

Wenn Sie den Endruck haben, es sei peinlich, nach Hintergründen, behördlichen Zulassungen, Sicherheiten für die Zukunft zu fragen, dann wirkt der Mechanismus. Dann steht der Verkäufer kurz vor dem erfolgreichen Abschluss und der Anleger beteiligt sich an etwas, das er nicht versteht und bei dem er nicht einschätzen kann, wie lange es noch funktioniert. Diese Methode findet sich zum Beispiel bei Vertretern von Terminhandelssystemen, die angeblich durch geschicktes An- und Verkaufen von Waren ordentlich Geld verdienen können, ohne aber mit den Waren in Berührung zu kommen. Solche Systeme haben eine Zeitlang funktioniert, zumindest solange, wie es eindeutige Trends gab. Die Zeiten sind leider vorbei und so sind Warentermingeschäfte äußerst riskant geworden. Was unter anderem daran liegt, dass ziemlich viele Händler versuchen, dabei Geld zu verdienen. Irgendwann geht es einfach nicht mehr.

Inventur der Finanzen — Was habe ich zu tun

Es mag natürlich sein, dass Sie gerade erst anfangen, sich mit dem Vermögensaufbau zu beschäftigen. In den meisten Fällen dürften jedoch schon einige Bausteine vorhanden sein. Für die individuelle Planung heißt das, diese Bestände zu berücksichtigen und für eine vernünftige Verteilung des Vermögens auf unterschiedliche Komponenten zu sorgen. Wer beispielsweise schon gut über gesetzliche und private Rentenversicherungen abgesichert ist, kann höhere Risiken und damit Kurschancen eingehen als jemand, der am Anfang des Berufslebens steht und noch gar keine Grundlage geschaffen hat.

Bei Angestellten und manchen Selbstständigen sind die Ansprüche aus der gesetzlichen Altersversorgung der Dreh- und Angelpunkt. Realistischerweise muss man leider sagen, dass eine eindeutige Einschätzung der Rentenhöhe heutzutage nicht mehr möglich ist. Was sicher ist: Sie wird geringer ausfallen als angenommen. Die unterschiedlichsten Aspekte, die hier eine Rolle spielen, können in dieser Webseite für Finanzen schon aus Platzgründen nicht erörtert werden. Vor allem Arbeitnehmer, die noch Jahrzehnte einzahlen müssen, können sich allenfalls auf so etwas wie das Sozialhilfeniveau verlassen, allerdings auch davon abhängig, wie lange eingezahlt werden darf.

Welche Rendite die Einzahlungen in die gesetzliche Rentenkasse bringen, ist umstritten. Es gibt nämlich unterschiedliche Methoden, sie zu berechnen. Je nachdem, welches Verfahren man ansetzt, kommt man zu unterschiedlichen Ergebnissen – natürlich immer im Sinne der eigenen Interessen, so man sie in diesem Bereich hat. Das Handelsblatt stellte in seiner Ausgabe vom 28.7.2006 drei Rechnungen gegenüber (vgl. Doemens 2006): Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) als gesetzlicher Träger kommt zu anderen Ergebnissen als das Institut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG), das von Finanzdienstleistern unterstützt wird, oder die Stiftung Warentest.

Dabei unterstellen alle Institutionen, dass nur 80 Prozent der Beiträge für die Rente verwendet wird, der Rest wird für Erwerbsminderungsrenten und Hinterbliebenenschutz aufgewendet. Unterschiede ergeben sich bei der Behandlung des Staatszuschusses. Die DRV bezieht ihn nicht ein, was die Rendite der Beiträge erhöht. Zudem weichen die Annahmen über die wirtschaftliche Entwicklung ab. Alle Werte sind nominal, das heißt die Inflation muss noch abgezogen werden. Insgesamt wird aus verfassungsrechtlichen Gründen damit gerechnet, dass immer mindestens die gezahlten Beiträge ausgezahlt werden, die reale Rendite bewegt sich aber für die Jüngeren gegen Null. Das IWG prognostiziert für die jüngeren Männer real noch 0,3 Prozent Rendite.

Prognostizierte Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung

Angaben in % pro Jahr       DRV         Stiftung          Warentest      IWG

Geburtsjahr 1940

Männer                                  3,5                  3,5                  3,5

Frauen                                   4,1                 4,0                 4,4

Geburtsjahr 1955 (IWG 1960)

Männer                                  2,8                  2,0                  2,1

Frauen                                  3,4                  2,6                 2,9

Geburtsjahr 1965 (IWG 1970)

Männer                                  2,8                  1,7                  1,8

Frauen                                   3,4                 2,2                 2,6

Für Ihre private Finanzplanung spielen daher nur solche Ansprüche eine Rolle, die einigermaßen realistisch planbar sind. Auch hier gilt die Beobachtung, dass nur wenige Haushalte einen umfassenden Überblick über ihre (möglichen) Ansprüche gegenüber Versicherungen, den Bestand an Spareinlagen und Depotstände haben. Manchen ist das alles zu kompliziert, andere wollen vor Kursverlusten die Augen verschließen. Beides sollte nicht (mehr) als Argument herhalten, nicht regelmäßig ein Auge darauf zu haben.

Viele Anleger haben im Zuge der Kurseinbrüche an den Börsen 2000-2003 viel Geld verloren und versucht, dieser Erkenntnis durch Nichtbeachtung des Depotauszugs zu entgehen. Damit haben sie aber oft die Chance verpasst, an den Kurssteigerungen seit 2003 zu partizipieren. So wurden die alten Aktien im Depot gelassen, obwohl der Markt ganz andere Branchen favorisierte. Durch Umschichtung, vor allem weg aus Technologie und Telekommunikation, hätte sich das Ergebnis wesentlich verbessern lassen können.

In diesem Schritt gilt es nun, Inventur zu machen, den Versicherungsordner zu durchforsten, die Depotauszüge zusammenzusuchen und über den Wert vorhandener Immobilien zu sinnieren. Dabei gilt aber auch, keine Hoffnungswerte zusammenzutragen, sondern den realistischen aktuellen Wert zu ermitteln und gegebenenfalls eine konservative Schätzung zum Beispiel für den Renteneintritt vorzunehmen. Die so erfassten Werte können als Bestandswert bei der Finanzplanung eingetragen werden. Einige Menschen machen dies allerdings nicht, weil sie sagen, Immobilien, Rente blieben außen vor, weil sie nicht angetastet werden sollen. Das ist einerseits verständlich, kann aber auch zu einer völligen Fehlplanung des Vermögens führen, weil zu viele risikoarme Komponenten enthalten sind und damit die Wertentwicklung unnötig behindert wird.

Beispiel:
Ein Anleger verfügt über ein abbezahltes Haus, eine gesetzliche Rentenversicherung und zusätzlich eine betriebliche Altersversorgung. Er ist Ende Fünfzig und macht sich Gedanken über die Struktur seines Anlagevermögens. Aufgrund des Alters könnte man nach der klassischen Lehre nicht zu 100 Prozent Aktienanteil raten, eher zu 50 Prozent oder weniger. Andererseits gibt es aber kaum noch existenzielle Risiken, ein möglicher Hausumbau könnte über eine Hypothek finanziert werden. Der Anleger könnte also recht risikofreudig investieren, übliche Durststrecken stellen kein ernsthaftes Problem dar. Er hätte damit die Chance auf deutlich höhere Erträge als bei einer reinen Rentenanlage.

Folgende Positionen sind für die Bestandsaufnahme des Vermögens zu berücksichtigen:

Regelmäßige Leistungen
Diese können nicht direkt mit einem Depotwert oder einer Auszahlungssumme verglichen werden, weil ihr Wert letztlich von der Lebensdauer abhängt. Sie verringern aber die Notwendigkeit, aus dem Vermögen Zahlungen für den Lebensunterhalt zu entnehmen:

•Ansprüche aus betrieblicher Altersversorgung – Grundlage: Garantiewerte bzw. aktuell erreichte Leistung pro Monat (der letzten Wertmitteilung zu entnehmen). Wenn die Daten nicht verfügbar sind, alternativ die gezahlten Beiträge ansetzen, und zwar ohne Verzinsung (aus den alten Gehaltsabrechnungen ersichtlich). Ebenso unter Berücksichtigung von Renteneintrittszeitpunkt und Höhe der gesetzlichen Rente steuerliche Effekte beachten! Informationen zur Besteuerung der Alterseinkünfte in Deutschland bekommen Sie zum Beispiel über die Website des Finanzministeriums (Bundesfmanzministerium – am besten in der Suchfunktion Alterseinkünftegesetz eingeben).
•Ansprüche aus Zusatzrenten (Riester/Rürup).
•Ansprüche aus gesetzlicher Rentenversicherung – Grundlage ist die letzte Renteninformation: verwenden Sie nur den aktuellen Anspruch, keinen hochgerechneten.
•Ansprüche aus privater Rentenversicherung – Nur die garantierten Zahlungen ansetzen, die bisher erreicht wurden, weil immer weniger Überschüsse erwirtschaftet werden. Wenn Angehörige existieren, auch auf die Mindestzahlungsdauer achten. Im Todesfall ergibt sich mitunter noch eine Teilabsicherung für Ehepartner und Kinder, meist jedoch im Umfang sehr beschränkt. Auch hier spielt die Frage der Besteuerung eine Rolle.

Werte
Das sind liquidierbare Bestände an Wertpapieren, Sachgütern,

Immobilien:
•Immobilien – Anzusetzen ist ein realistischer Verkaufspreis, der die Marktsituation berücksichtigt. Bei Schätzurigen über längere Zeiträume sind Wertveränderungen durch das regionale Umfeld, Wohlstandsentwicklung und den baulichen Zustand des Hauses zu beachten.
•Kapitallebensversicherungen – Auch hier sind nur Rückkaufsbeziehungsweise Garantiewerte anzusetzen, nicht die prognostizierten Ablaufleistungen. Diese werden heute immer seltener erreicht. Je nach Laufzeit und Abschlusszeitpunkt kann es zur Steuerpflicht für den Auszahlungsbetrag kommen, so dass netto geringere Leistungen anfallen.
•Sparguthaben – Je nach Vertragsmodell sind die eingezahlten Beiträge beziehungseise der aktuelle Auszahlungsanspruch anzusetzen.
•Wertpapiere – Relevant ist zunächst der aktuelle Depotwert. Bei der Hochrechnung auf spätere Zeitpunkte können bei sicheren Renten (zum Beispiel deutsche Staatsanleihen) die Nennwerte zum Fälligkeitsdatum zuzüglich der Zinsen angesetzt werden. Eventuelle Kursverluste seit dem Kauf dürfen nicht vergessen werden.
•Erbschaften – Ein Thema, das zu Lebzeiten des Erblassers ungern angesprochen wird. Gerade wenn es um Immobilien geht, sollte das Thema nicht vernachlässigt werden.

Häuser und Wohnungen zählen zwar zu den sichereren Anlagen, unterliegen aber auch Preisrisiken!
Das Resultat kann in einem Vermögensinventar übersichtlich dargestellt werden.

Sehen wir uns nun das Beispiel der Familie Müller an. Herr Müller hat Ansprüche aus einer betrieblichen Rentenversicherung, Frau Müller zahlt seit einigen Jahren in eine private Rentenversicherung ein. Die Anwartschaften aus der gesetzlichen Rentenversicherung können aufgrund der unzuverlässigen Mitteilungen nur sehr grob geschätzt werden. Immobilien sind nicht vorhanden. Auf die Tochter ist (aus Renditegründen) eine Lebensversicherung abgeschlossen worden. Dazu kommen ein kleiner Sparplan bei einer Bank sowie ein Depot, in dem einige Rentenfondsanteile ihr Leben fristen. Insgesamt kommen die in Tabelle gezeigten Positionen zustande.

Beispiel eines Vermögensinventars

Vermögensinventar               Bezugsjahr               Zahlung                heutiger Wert

regelmäßige Einnahmen

Rente Betrieb                       2023                           350 EUR mtl.            4 000 EUR

Rente gesetzlich                  2023                           1200 EUR mtl.

Rente privat                          2020                          280 EUR mtl.            6 000 EUR

Rente privat

sonstige

einmalige Einnahmen

Immobilienbesitz

Lebensversicherung           2018                        50000 EUR               26000 EUR

Lebensversicherung

Guthaben Konto                                                                               2 000 EUR

Guthaben Sparplan                                                                           2 400 EUR

Depotwert                                                                                    10 600 EUR

Depotwert

Erbschaft

Sonstige

Wenn diese Aufstellung erst einmal gemacht ist, dann stellt sich vielleicht heraus, dass schon etwas zu viel oder auch zu wenig Vorsorge betrieben wurde. Dies ist für die weitere Planung zu berücksichtigen. Es ist aber auch ein schöner Zeitpunkt, um etwas zu verändern. Vor allem bei Versicherungsverträgen ist zu prüfen, ob der Bestand noch zur Lebensplanung passt und noch angemessene Renditen erzielt werden.

Beispiel:
Eine Anlegerin in den Vierzigern stellt fest, dass sie bereits mehr als ausreichend versichert ist. Neben der betrieblichen Altersvorsorge hatte sie in den neunziger Jahren verschiedene Lebensversicherungsverträge abgeschlossen, bei denen die Rendite inzwischen deutlich gesunken ist. Dafür hat sie aber auf einen Riester- Vertrag verzichtet. In Wertpapiere hat sie mangels verfügbaren Einkommens nicht investiert. Eine spontane Kündigung von Lebensversicherungen ist meist nicht sinnvoll, weil die Wertentwicklung anfangs schlechter ist und mitunter eine Versteuerung erfolgt. Für diese Anlegerin bietet es sich an, mindestens eine Lebensversicherung beitragsfrei zu stellen und das Geld statt- dessen in einen Riester-Vertrag sowie am Kapitalmarkt zu investieren. Die Versicherung läuft dann sozusagen mit den alten Beiträgen weiter, der Verlust ist wesentlich geringer als bei einer Kündigung.

Wenn der Finanzplan wie im hier gezeigten Fall bis zur Rentenzeit reicht, dann stellt sich die Frage, wie viel Kapital denn am Ende vorhanden sein muss. Sind ioo 000 Euro ausreichend oder braucht man eine Million? Wie üblich kommt es darauf an, und zwar auf die bis dahin erreichten Ansprüche an die Rentenversicherungsträger. Letztlich muss auch jeder selbst entscheiden, welchen Lebensstandard er erreichen will. Für manche ist das Vermögen reiner Luxus, andere benötigen es, um überhaupt ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können.

Stehen 100 000 Euro zur Verfügung, dann können bei 6 Prozent Zinsen – das entspricht einer Rendite von 6000 Euro im Jahr – 500 Euro pro Monat entnommen werden, ohne dass Kapital verzehrt wird. Geht man konservativ von nur 4 Prozent Zinsen aus, dann bleiben monatlich 333 Euro übrig.

Um 2 000 Euro monatlich zu erhalten, benötigt man schon ein Kapital von 600 000 Euro bei 4 Prozent Zinsen. Wenn nun noch Steuern berücksichtigt werden, sind zum Beispiel 750 000 Euro erforderlich. Dann könnte sich der Rentner 20 Prozent Steuerabzug leisten und käme noch auf 2 000 Euro.

Der Fall Phoenix Kapitaldienst anschauen

Der Betrugsfall Phoenix Kapitaldienst gilt als zweitgrößter Finanzskandal in Deutschland (vgl. Maisch/Schnell 2005, o. V. 2005, Schnell 2005). Die Wertpapierhandelsbank betrieb über zehn Jahre lang Scheingeschäfte und prellte damit mehr als 30000 Anleger. Der Gesamtschaden soll rund 800 Millionen Euro betragen, davon mehr als 500 Millionen Euro Scheingewinne. Anleger wurden unter anderem in Ostdeutschland durch Vertriebsfirmen in den Hedgefonds

Phoenix Managed Account gelockt. Dieser sollte angeblich Termingeschäfte mit Rohstoffen wie Kaffee und Öl betreiben. Anfangs wurden solche Geschäfte wohl auch abgewickelt, doch häuften sich die Verluste. Als eine Art Verlustvermeidung beschloss man, die Geschäfte gar nicht erst auszuführen, sondern nur auf dem Papier darzustellen.

Den Anlegern wurden jedes Mal hohe Gewinne bescheinigt. Wenn Gelder abgezogen wurden, wurden Einlagen neuer Kunden für die Auszahlung benutzt, was dem Prinzip des Schneeballsystems entspricht. Die Tatsache, dass die Anlegergelder unzulässigerweise auf ein Sammelkonto einer britischen Bank eingezahlt wurden, erleichterte den Betrug. 2004 verunglückte der Geschäftsführer Breitkreuz bei einem Flugzeugabsturz. Die von den Erben eingesetzten Geschäftsführer bemerkten bei der Prüfung der Unterlagen den Betrug und erstatteten Anzeige. Anfang 2005 kam der Fall in die Öffentlichkeit. Der wesentliche Teil der Geschäftsunterlagen sei perfekt gefälscht gewesen, so dass die Papiere selbst keinen Anlass zu Misstrauen gegeben hätten. Den Wirtschaftsprüfern sei nie etwas aufgefallen, die Bafin bemerkte anlässlich einer Sonderprüfung 2002 nichts. In der Presse habe es aber schon fünf Jahre zuvor Berichte über Unregelmäßigkeiten gegeben.

Im Juli 2006 wurden der Chefhändler und die Chefsekretärin zu sieben Jahren und vier Monaten beziehungsweise zwei Jahren und drei Monaten Haftstrafe verurteilt. Wie vielen Menschen die Altersvorsorge genommen wurde, lässt sich allenfalls schätzen. Warum all die Prüfungen nichts erbracht haben, bleibt schleierhaft.

Die betroffenen Anleger könnten einen Teil ihrer Einlagen zurückbekommen. Geschädigte von Wertpapierhandelsunternehmen können bei deren Entschädigungseinrichtung Ansprüche anmelden. Allerdings ist die Haftungssumme auf 90 Prozent der eingezahlten Beträge und maximal 20 000 Euro beschränkt. Die Einrichtung zahlt jedoch nicht in jedem Fall. Zudem verfügt sie nicht über ausreichende Mittel für diesen Fall. Gegebenenfalls könnten die Mitglieder der Entschädigungseinrichtung anteilig Gelder nachschießen müssen.

Warum wir langfristig denken sollen

Einen Kapitalstock aufzubauen, ist keine Sache von Monaten oder wenigen Jahren. Um ein ordentliches Polster für die Rente zu schaffen, muss man eher in Jahrzehnten denken. Regelmäßige Renditen, auch geringe, stellen den Grundbaustein der Altersvorsorge dar und summieren sich im Laufe der Zeit zu einem stattlichen Vermögen. Diese Effekte zu durchschauen ist das Ziel dieses Artikels.

Nehmen wir einmal an, Sie wollen im Alter von 65 Jahren 500 000 Euro zur Verfügung haben. Wie viel müssen Sie zu einem konstanten Zinssatz von neun Prozent mit 30 Jahren anlegen?
a)100 000 Euro
b)50 000 Euro
c)25 000 Euro
d)10 000 Euro

Viele Menschen entscheiden sich für a) oder b), weil Vermögensbildung für sie eine mühselige Sache ist. Richtig ist aber c)! Sie benötigen nur 25 000 Euro, um bei neun Prozent Rendite eine Verzwanzigfachung zu erreichen. Die ist allerdings nominal, das heißt ohne Inflationsausgleich.

Wenn Sie den Gegenwert real haben wollen, das heißt mit der gleichen Kaufkraft wie am Anfang, dann müssen Sie die Inflationsrate abziehen. Gehen wir von zwei Prozent aus (das mag niedrig erscheinen, aber bei höheren Inflationsraten lassen sich auch höhere nominale Renditen erzielen), dann rechnen wir mit sieben Prozent und kommen auf 267 000 Euro. Der Unterschied zum nominalen Wert ist erheblich, aber Sie sehen: Sie erreichen immer noch mehr als eine Verzehnfachung. Dabei sind sieben Prozent reale Rendite keine Zauberei, sondern mit guten Aktienfonds langfristig zu schaffen. In der Vergangenheit ging auch mehr, aber niemand weiß, ob deutlich höhere Renditen auch in Zukunft noch zu bekommen sind.

Übrigens erzielte die Vermögensverwaltung der US-amerikanischen Universität Yale in den letzten zehn Jahren eine durchschnittliche Rendite von 17 Prozent und machte auch in den schwächsten Börsenjahren zumindest keinen Verlust. Wesentliches Merkmal ist die breite Streuung der Anlagen. Es ist unwahrscheinlich, dass in einem Jahr alle Anlageklassen gleichzeitig Verluste erleiden.

Sie können auch noch darüber nachdenken, wie die Rechnung aussieht, wenn Sie Geld auf dem Sparbuch oder auf Tagesgeldkonten liegen lassen. Nehmen wir an, Sie erhalten zwei Prozent Zinsen. Dann müssen wir gar nichts rechnen, denn abzüglich Inflationsrate kommt gar nichts heraus. Nach 35 Jahren haben Sie auch nur noch Ihre 25 000 Euro (real, das heißt in heutiger Kaufkraft) übrig.

Mathematik wird Ihnen möglicherweise nicht so richtig gefallen. Das mag in Anbetracht der einen oder anderen negativen Erfahrung in der Schule verständlich sein, hier geht es aber ums Geld, und das nicht zu knapp. Sie müssen nicht jede Berechnung einzeln nachvollziehen können. Sie sollten aber zumindest erkennen können, was auf lange Sicht mit dem Geld passiert.

Wir verwenden hier einige Berechnungen, um auf einige Gegebenheiten hinzuweisen, die bei den Anlageentscheidungen nicht vergessen werden dürfen. Es fällt nicht gerade leicht, richtig mit dem Thema Risiko umzugehen und sich vorzustellen, welche Auswirkungen schon kleine Änderungen der Verzinsung auf lange Sicht haben. Um Ihnen einige der am meisten missachteten Effekte zu verdeutlichen, werden hier verschiedene Modellrechnungen erläutert. Da sollten Sie durch, der Lohn könnten ein paar Tausend Euro sein, nicht heute und morgen, aber nach ein paar Jahren. Damit Sie den Modellrechnungen leichter folgen können, gehen wir die Spalten der Reihe nach von links nach rechts durch.

Grundsätzlich soll hier ein Anleger betrachtet werden, der 10 000 Euro zur Verfügung hat und diese für 20 Jahre anlegen möchte. Damit Ihnen die Zahlen nicht vor den Augen wegschwimmen, werden nur die Zwischenstände im Fünfjahres-Rhythmus angezeigt.

Wesentliches Problem bei solchen Zeiträumen ist die Inflation. Niemand kann vorhersehen, wie sich der Geldwert ändert, deswegen

wird in den meisten Modellrechnungen keine Inflation berücksichtigt. Wir rechnen mal mit und mal ohne Inflation, einfach zum Vergleich.

Die Folgen der Inflation
Nehmen wir an, die Inflationsrate bliebe konstant bei 2 Prozent. Dann wären die 10 000 Euro heute in 20 Jahren wesentlich weniger wert, so dass wir für einen Werterhalt fast 50 Prozent mehr Geld benötigen. Dies ist in der Spalte 2 angegeben. Der Betrag wächst jeweils um 2 Prozent, so dass die Kaufkraft nach unseren Annahmen erhalten bliebe. In 20 Jahren könnte man demnach mit 14 859 Euro genauso viel anstellen wie heute mit 10 000 Euro.

Sicherer Geldmarkt
Viele Anleger sind äußerst risikoscheu eingestellt und bevorzugen sichere Anlagen. Das ist einerseits menschlich verständlich, andererseits aber wirtschaftlicher Unsinn. Sehen wir uns dazu den Fall in Spalte 3 an. Hier wird das Geld zu sicheren 3 Prozent Zinsen angelegt. Die Zinsen werden jedes Jahr wieder zum gleichen Zinssatz investiert. Nach 20 Jahren hat der Anleger 18 061 Euro erwirtschaftet. Das hört sich nach einem gigantischen Zu wuchs von 80 Prozent an. Abzüglich Inflation bleiben aber 3 202 Euro an Ertrag übrig. Dafür 20 Jahre auf das Geld verzichten? Hoffentlich lehnen Sie das ab, wenn auch ein ganz erheblicher Teil der Vermögen auf diese Weise angelegt ist.

Sicherer Geldmarkt nach Steuern
Aber es kommt noch schlimmer. Sie müssen die Erträge ja versteuern, in Deutschland entweder mit dem Einkommensteuersatz (sofern es sich nicht um Kursgewinne nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist handelt) oder demnächst mit dem Abgeltungssteuersatz in Deutschland (voraussichtlich 25 Prozent). Wenn wir nun noch unterstellen, dass der Freibetrag für Kapitaleinkünfte, der ohnehin kontinuierlich zum Stopfen der Haushaltslöcher geschrumpft wird, bereits ausgeschöpft ist, dann müssen die Erträge aus dem Geldmarkt insgesamt der Steuer unterworfen werden.
Wie Sie sehen, kommt der Anleger nach 20 Jahren auf 15 605 Euro, was nur knapp über den 14 859 Euro aus Spalte 2 liegt,
Mögliche Entwicklung von Rentenanlagen über 20 Jahre

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die der Kaufkraft von heute 10 000 Euro entsprechen. Das heißt nichts anderes als: Die Anlage zu 3 Prozent hat sich nicht gelohnt, es bleiben gerade einmal 746 Euro übrig, und das nach 20 Jahren! Freuen kann sich nur derjenige, dem Sie das Geld geliehen haben, und der Staat. Der kassiert fast 2 456 Euro von Ihnen, und damit rund drei Mal so viel wie Sie!

Da wir gerade beim leidigen Thema Steuern sind: Die österreichischen und Schweizer Leser unter Ihnen mögen bitte ein wenig Verständnis für das deutsche Steuerdurcheinander aufbringen und über ein paar Anmerkungen dazu gegebenenfalls einfach hinwegsehen. Als wir mit dieser Geldanlege-Webseite begonnen hatten, beschloss man gerade die Einführung einer Abgeltungssteuer in Deutschland. 2007 sollte sie eingeführt werden. Prinzipiell ist sie im internationalen Vergleich nichts Besonderes, in Verbindung mit einer Senkung des Freibetrags für Kapitaleinkünfte führt sie jedoch für die meisten Anleger zu einer deutlichen Mehrbelastung. Während Kursgewinne nach einem Jahr gegenwärtig noch steuerfrei sind, sollen sie fortan besteuert werden. Zwar werden in manchen Ländern immerhin so hohe Freibeträge gewährt, dass der berühmte Kleinanleger steuerfrei ausgeht, in Deutschland ist dies jedoch nicht vorgesehen.

Unsere Geldanlage-Internetseite war noch voll im Gange, da wurde die Einführung der Abgeltungssteuer auf 2008 verschoben. Nein, liebe Österreicher und Schweizer, es verwundert uns Deutsche nicht, dass Gesetze oder ähnliche Vorhaben verschoben werden, das ist eher der Normalzustand. Aber es wird nicht gerade übersichtlicher. Zumal der Steuersatz ein Jahr lang bei 30 Prozent und fortan bei 25 Prozent liegen sollte. Das ist dem Steuerzahler ebenso wenig klar wie vielen Kommentatoren, ob Abgeltungssteuer nun mit einem oder zwei s geschrieben wird.

Zurzeit sieht es so aus, dass 2009 die 25 Prozent eingeführt werden, zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.
Sie sehen in diesen Beispielen Berechnungen mit und ohne Steuern. So ist es möglich, sich ein ungefähres Bild von der Steuerwirkung zu machen. Der Freibetrag wird nicht berücksichtigt, weil er mangels Größe kaum noch für Anlageentscheidungen relevant ist.

Spalte 5 – Sicherer Geldmarkt nach Steuern real
Wenn die Inflation gleich jahresweise berücksichtigt wird, dann ergibt sich Spalte 5. Sie können schon sehen, dass sich das Geld real gerade so erhält.

Spalte 6 – Rentenfonds nach Steuern real
Der Zinssatz hat den zentralen Einfluss auf das Ergebnis. 3 Prozent gelten heute als sicherer Zinssatz, aber es gibt durchaus auch Fonds, die mit hoher, wenn auch nicht absoluter Sicherheit mehr Erträge bringen. Nehmen wir also an, Sie können das Geld langfristig für 6 Prozent anlegen. Werden gleichzeitig 25 Prozent Abgeltungssteuer und 2 Prozent Inflation berücksichtigt, ergibt sich die Zahlenreihe in Spalte 6. Das Vermögen würde auf 16 xoi Euro steigen, wobei es sich nun um eine reale Größe handelt. Richtig viel ist es nicht, aber immerhin hat man hier einen realen Vermögenszuwachs erzielt. Immerhin gibt es Rentenfonds, die wesentliche Erträge aus Kursgewinnen erzielen und damit teilweise steuerfreie Erträge erzielen.

Spalte 7 – Aktienfonds ohne Steuern nominal

Spalte 7 zeigt beispielhaft die Entwicklung eines Aktieninvestments. Der Anleger investiert in einen Aktienfonds, der 12 Prozent Wertsteigerung jährlich bringt. Selbst unter Berücksichtigung der Kursverluste in den Jahren 2000 bis 2003 ist dies ein langfristig nicht unrealistischer Satz. In den letzten Jahren waren die Wertsteigerungen wesentlich höher, doch wird auch dies nicht dauerhaft sein. Der Anleger kommt nach 20 Jahren auf 96 463 Euro (nominal).
Sicher werden Sie jetzt überlegen, was passiert, wenn Sie den falschen Fonds erwischen. Es könnte sein, dass Sie auf Europa setzen, während ausgerechnet hier eine Krise stattfindet und nur amerikanische Aktien sich gut entwickeln. Es gibt viele Möglichkeiten, warum sich ein Markt oder ein Produkt schlecht entwickelt und man kann immer richtig und immer falsch liegen. Daher ist es wichtig, zu diversifizieren, also das Geld auf möglichst viele Zielmärkte zu verteilen. Damit werden Sie am Ende zwar ein schlechteres Ergebnis haben als bei Ihrer besten Anlage, aber welche die beste ist, wissen Sie ja immer erst hinterher. Sie können übrigens nicht nur Aktien nach Regionen unterscheiden, sondern auch an andere so genannte Assetklassen denken. So könnten Sie auch in Rohstoffe investieren, in Hedgefonds oder Währungen.

Spalte 8 – Aktienfonds ohne Steuern nominal, nur zum Teil erfolgreich angelegt
Nehmen wir nun einen besonders schlimmen Fall an: Der Anleger hat mit seinen 10 000 Euro auf drei Pferde gesetzt. Er hat zu gleichen Teilen in europäische Aktien, Rohstoffe und Schwellenländeraktien investiert. Allerdings werfen nur die europäischen Aktien einen Gewinn ab. Alle anderen Anlagen enden in Totalverlusten (nicht ausgeschlossen, aber äußerst unwahrscheinlich). Dann passiert das, was in Spalte 8 dargestellt ist. Nur aus 3 300 Euro wird etwas, das Endergebnis erreicht mit 31833 Euro zwar auch nur ein Drittel des optimalen Falls aus Spalte 7, aber immer noch wesentlich höhere Erträge als gute Rentenfonds. Selbst wenn hier noch die Inflation heraus gerechnet wird. Real (das heißt abzüglich 2 Prozent Inflation) kämen Sie auf 21500 Euro, was immer noch deutlich mehr ist als die Rentenanlage aus Spalte 6. Steuern müssen Sie hier nämlich nicht zahlen, weil Sie die Verluste aus den anderen Fonds gegenrechnen können.

Mögliche Entwicklung von Aktienanlagen über 20 Jahre

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Spalte 9 – Aktienfonds ohne Steuern nominal, ein Jahr später angelegt
Sicher erinnern Sie sich daran, oft den Hinweis gehört zu haben, dass man möglichst frühzeitig mit der Geldanlage beginnen soll. Das ist auch richtig so. Die Auswirkungen zeigt ein Vergleich von Spalte 9 und 7. In Spalte 9 wird das Geld ein Jahr später angelegt, ansonsten bleibt alles gleich. Das Ergebnis: Am Ende hat der Anleger 10 335 Euro (nominal, nicht inflationsbereinigt) weniger zur Verfügung. Ganz schön heftig, nicht?

Spalte 10 und 11 – Aktienfonds nach Steuern, real und nominal
Zum Schluss noch unser trauriges Thema. Die Einführung der Abgeltungssteuer in Deutschland kostet die Anleger viel Geld. Vor allem im Hinblick auf die Altersvorsorge entstehen dadurch erhebliche Lücken. Spalte io zeigt, was passiert, wenn jedes Jahr 25 Prozent Steuern auf die Gewinne abgeführt werden müssen, weil etwa regelmäßig umgeschichtet wird. Statt 96 463 Euro (Spalte 7) hat der Anleger jetzt nur noch 56 044 Euro zur Verfügung. Unter Berücksichtigung von 2 Prozent Inflation ergeben sich knapp 41757 Euro (Spalte 11).

Spalte 12 – Aktienfonds mit Versteuerung nach 20 Jahren
Etwas anders sieht es aus, wenn ein Fonds (oder ein Depot) 20 Jahre lang gehalten wird ohne umzuschichten. Dann müssen die 25 Prozent erst am Ende auf den Gewinn gezahlt werden. Es bleiben noch 77 097 Euro übrig. Insgesamt belastet die neu eingeführte Abgeltungssteuer den Steuerpflichtigen mit 19 366 Euro (Vergleich mit Spalte 10), die dann für die Rente fehlen.

Beachten Sie aber, dass regelmäßiges Umschichten des Depots mit entsprechender Steuerpflicht auf die zwischenzeitlichen Einnahmen die Rendite wesentlich stärker schmälert, als wenn erst am Ende versteuert wird. Es lohnt sich daher besonders, langfristig zu denken, und zum Beispiel Fonds zu kaufen, die mit unterschiedlichen Marktsituationen zurechtkommen.
Insgesamt wird der Vorteil der Aktienanlage gegenüber Renten durch die Einführung der Abgeltungssteuer geringer, bleibt aber langfristig nach menschlichem Ermessen erhalten. Kurzfristig mag dies durchaus anders aussehen. Hier spielen Kursschwankungen eine größere Rolle und können zu mehr Gewinn bei Renten führen. Es kann aber auch anders aussehen. Auch Renten haben schlechte Jahre und können ohne Weiteres Verluste ausweisen, während Aktien stark steigen.