Worin man investieren kann – Aktien Anleihen Immobilien oder Rohstoffe

Worin man investieren kann – Aktien Anleihen Immobilien oder Rohstoffe
Heutzutage kann man kaum noch aufzählen, was alles investierbar ist. In den letzten Jahren war in den Industrieländern so viel Kapital verfügbar, dass die Anleger immer neue Objekte suchen mussten, mit denen sich Geld verdienen ließ. Nicht unschuldig an der Entwicklung waren die historisch niedrigen Zinsen in den USA, Europa und Japan. Die amerikanische Notenbank hatte die Leitzinsen Anfang diesen Jahrtausends auf ein Prozent gesenkt, um die Wirtschaft nach der Rezession, den Terrorattentaten vom September 2001 und der Börsenbaisse wieder anzukurbeln. Parallel dazu gab es einen Boom auf vielen Immobilienmärkten, so dass Anleger, Unternehmen und Immobilienbesitzer sich billig und recht gefahrlos verschulden konnten.

Effektiv kosteten Kredite kaum mehr als die Inflationsrate, Geld war praktisch umsonst zu haben. In Europa war das Vergnügen nicht ganz so groß, aber Leitzinsen von zwei Prozent sind auch nicht gerade als Bremse auf den Märkten zu verstehen. Ein Teil dieses billigen Geldes wurde an unterschiedlichsten Märkten angelegt. Da Aktien in der Niedrigzinsphase billig waren (das ist kein Zufall, sondern meist der Fall), lohnte sich für Investoren der Kauf von Dividendenpapieren, und zwar auch auf Pump. Dies bekamen nicht nur die amerikanischen und europäischen Märkte zu spüren, sondern auch die so genannten Emerging Markets, also Länder wie Indien, China, Brasilien, Südafrika oder die Türkei. Die Risikobereitschaft war groß, mit sicheren Anlagen in Renten war kaum Geld zu verdienen.

Einige dieser Emerging-Markets konnten Kurssteigerungen von 100 Prozent und mehr verbuchen, und zwar innerhalb eines Jahres! Dabei wird auch dem risikofreudigsten Anleger klar, dass das nicht ewig so weitergehen kann und so stellt er sich die Frage, was sonst noch in Frage kommt. Zwar ist es nicht neu, in Kunst und Rohstoffe zu investieren, doch landete auch hier einiges Geld und so schossen die Kurse zum Beispiel für Bilder oder Gold in die Höhe. Die Jahre 2005 und 2006 waren folglich von extremen Kursveränderungen gezeichnet, auf einen kräftigen Boom folgte immer auch eine ebenfalls fulminante Korrektur, die die Preise wieder einigermaßen ins Lot brachte.

Verschiedene Unternehmen erkannten die Chance und brachten Wertpapiere auf den Markt, mit deren Hilfe auch Privatanleger an der Preisentwicklung teilhaben können – natürlich nicht nur nach oben, sondern auch nach unten. Nicht alle Investitionsobjekte können im Hinblick auf eine langfristige Anlage empfohlen und systematisch behandelt werden. Sehen wir uns zunächst die Klassiker an: Aktien und Anleihen. Der größte Teil aller Geldanlagen entfällt immer noch auf diese beiden Kategorien, die Märkte sind weit entwickelt und das Angebot ist umfangreich, in allen Teilen der Welt.

Viele Investoren kümmern sich bei der Vermögensplanung in erster Linie um die Aufteilung ihres Geldes auf diese beiden Kategorien. Prinzipiell wird unterstellt, dass in bestimmten Zeiten Aktien besser laufen als Anleihen bzw. umgekehrt. So sollte es möglich sein, Risiken abzufedern und immer etwas zu finden, womit man Geld verdienen kann. Wie schon angedeutet, ist das Spektrum damit lange nicht erschöpft. Zudem stimmen die klassischen Zusammenhänge kaum noch.

Mit Aktien an Unternehmen beteiligen
Aktien sind grundsätzlich Beteiligungen am Eigenkapital eines Unternehmens. Der Aktionär ist also Miteigentümer, Eigenkapitalgeber. Der Wert der Aktie hat allerdings nicht unbedingt etwas mit dem Wert des Unternehmens zu tun. Eine Aktie verbrieft einen konstanten Anteil am Grundkapital des Unternehmens, sie kann zum Beispiel einen Nennwert von i (Minimum) oder 2,56 Euro (oder 4,00 Schweizer Franken) haben und damit den Anspruch auf 1 bzw. 2,56 Euro des Grundkapitals verbriefen. Allerdings darf man sich das nicht so vorstellen, dass man jederzeit zum Unternehmen gehen und die Aktie gegen Geld oder Gegenstände tauschen könnte. Genauso wenig kann man nach einem offiziellen Kurs Aktien bei dem Unternehmen direkt kaufen. An- und Verkauf gehen immer nur direkt zwischen den Handelspartnern.

Wenn eine Aktie einen Nennwert hat (es gibt auch nennwertlose, so genannte Quotenaktien, dabei ändert sich aber substanziell nichts), dann entspricht dieser nicht dem Preis, zu dem sie gehandelt wird. Normalerweise liegt der Preis weit über dem Nennwert, je nachdem, wie die Wertschätzung von Käufer und Verkäufer für die Aktie ist. Wenn ein Unternehmen erfolgreich arbeitet und Gewinne erzielt, dann steigt das Eigenkapital. Der Kurswert der Aktie wird im Normalfall immer auch den Wert des Eigenkapitals spiegeln. Steigende Gewinne erhöhen die Haftungsmasse des Unternehmens und auch die Fähigkeit, Dividenden zu zahlen.

Damit steigt die Zahlungsbereitschaft für eine Aktie. Den umgekehrten Weg gibt es auch, und so entstehen Kursschwankungen. Aktionäre müssen sich immer der Tatsache bewusst sein, dass durch den Kurswert (den Preis) einer Aktie keinerlei Anspruch begründet wird, diesen Preis irgendwann von irgendjemandem zurückzubekommen. Wenn andere Investoren eine schlechtere Meinung von dem Unternehmen gewinnen, sinkt ihre Zahlungsbereitschaft, nicht selten auch ohne konkrete Gründe.

Daraus ergibt sich, dass Aktienhandel immer auch etwas mit Psychologie zu tun hat. Es gibt zwar Ansätze, einen fairen Wert von Aktien zu bestimmen, doch daran muss sich niemand halten. So kommt es immer wieder vor, dass Aktien eines Unternehmens oder allgemein eine Zeitlang als über- oder unterbewertet gelten, das heißt man stellt fest, dass eine zu positive oder zu negative Stimmung herrscht. Es liegt auf der Hand, dass man zu dem Zeitpunkt kaufen sollte, wenn eine Unterbewertung vorliegt, und verkaufen, wenn eine Überbewertung vorliegt. Man muss sich allerdings der herrschenden Stimmung entziehen, die diese Über- und Unterbewertung hervorruft.

Neben der Kurssteigerung können sich Aktionäre oft noch auf eine Dividendenausschüttung freuen. Damit wird ein Teil des erwirtschafteten Gewinns (hierzulande einmal jährlich, in angelsächsischen Ländern vierteljährlich) an die Aktionäre ausgezahlt. Sie bekommen also einen Barmittelzufluss, ähnlich den Zinsen auf eine Anleihe. Einen Anspruch auf die Dividende gibt es aber nicht, die Ausschüttung kann auch von Jahr zu Jahr unterschiedlich hoch werden. Aber Achtung: Kostet die Aktie eines Unternehmens zum Stichtag (Tag der Hauptversammlung) zum Beispiel 10,00 Euro und wird eine Dividende von 0,30 Euro ausgeschüttet, dann wird bei der Aktie auch der Dividendenabschlag vorgenommen, das heißt sie notiert am Ausschüttungstag 0,30 Euro niedriger, hier bei 9,70 Euro.

Der Aktionär hat damit erst einmal nichts gewonnen, weil er beim Verkauf jetzt die Dividende weniger bekäme. Man geht aber davon aus, dass dieser Abschlag wieder im Laufe der Zeit durch Kurssteigerungen im normalen Handel aufgeholt wird. Sie ist ja auf dem Papier billiger und damit attraktiver geworden. Viele eher konservative Investoren kaufen bevorzugt Unternehmen mit hoher Dividendenrendite, weil sie über eine konstantere Kursentwicklung verfügen. Als Miteigentümer muss sich jeder Aktionär darüber im Klaren sein, dass er auch Risikokapitalgeber ist. Geht es dem Unternehmen schlecht, kommt es zum Beispiel zur Insolvenz, und er geht möglicherweise leer aus. Fremdkapitalgeber sind zuerst am Zug.

Unternehmen Kredit geben durch Anleihen
Als Käufer einer Unternehmensanleihe sind Sie Fremdkapitalgeber. Damit werden Sie rechtlich besser gestellt als der Aktionär, können im Allgemeinen aber mit einer geringeren Rendite rechnen und sind auch nicht ganz frei von Risiken. Neben Unternehmen begeben vor allem Staaten Anleihen, wobei natürlich der Vergleich mit einer Aktie nicht möglich ist. Anleihenbesitzer haben Anspruch auf eine Verzinsung und die Rückzahlung des Nennwerts. Wenn Sie zum Beispiel eine Anleihe am Emissionstag zu 100 Euro kaufen, sie eine Laufzeit von 5 Jahren bei 4 Prozent Zinsen hat, dann erhalten Sie fünf Jahre lang 4 Euro Zinsen und am Ende Ihre 100 Euro zurück. Im Normalfall ist das eine sichere, wenn auch langweilige Sache. Ist der Schuldner ein Staat, der als sehr kreditwürdig eingeschätzt wird (zum Beispiel Deutschland, Frankreich, Niederlande), dann können Sie sich der Rückzahlung sehr sicher sein. Entsprechend werden Sie auch nur mit einem niedrigen Zinssatz entlohnt.

Sind Sie risikofreudiger, können Sie auf Schuldner ausweichen, die einen schlechteren Ruf haben. Dazu gehören bestimmte Arten von Unternehmen und Staaten mit hohen wirtschaftlichen und politischen Risiken. Während Aktionäre sich über ihre Renditevorstellungen erst individuell Gedanken machen müssten, ist dies bei Renten besser geregelt. Ob ein Schuldner (Unternehmen wie Staaten) kreditwürdig ist, wird im Rahmen von Ratings festgestellt. Darum kümmern sich verschiedene Agenturen (zum Beispiel Standard & Poor’s, Moody’s, Fitch) und Banken. Sie bewerten die wirtschaftliche Situation und bestehende Zahlungsverpflichtungen und schätzen damit, inwieweit ein Anleger mit einer zuverlässigen Zinszahlung und Tilgung rechnen kann.

Dadurch kommt es kaum zu Über- oder Unterbewertungen, wie sie am Aktienmarkt üblich sind. Unterschiedliche Anleihen sind leicht untereinander vergleichbar, auch weniger erfahrene Anleger können schnell und recht sicher eine Entscheidung fällen. Jedoch sind auch hier mehr oder weniger vollständige Verluste nicht auszuschließen. Es kann passieren, dass ein Staat den Schuldendienst einstellt, indem er sich für zahlungsunfähig erklärt (wie Ende des Jahres 2001 in Argentinien geschehen). Genauso kann auch ein Unternehmen zahlungsunfähig werden und nicht mehr in der Lage sein, alle Forderungen zu erfüllen. Auch ein Rating ist kein hundertprozentiger Schutz vor Ausfällen.

Wenn man sich vorstellt, dass Zinssätze von drei bis zehn Prozent üblich sind, zurzeit noch eher am unteren Rand, dann ist mit Renten meist weniger zu verdienen als mit Aktien. Interessanter wird es daher, wenn Anleihen nicht nur in der Heimatwährung und nicht nur bei der Emission gekauft und zur Fälligkeit veräußert werden. Sofern die Anleihen börsennotiert sind, haben sie einen täglichen Kurs. Der verändert sich mit der Zinssituation. Werden die Zinsen erhöht, dann ist eine alte Anleihe mit niedrigen Zinsen weniger wert als vorher. Das ist auch logisch: Wer wollte das alte Papier sonst haben, wenn er mit einer neuen Anleihe eine bessere Rendite erzielen könnte? Für den neuen Käufer ist es am Ende egal, ob er eine alte oder neue Anleihe kauft. Ist der Zinssatz niedriger, ist auch der Kurs niedriger.

Der Gesamtertrag ist für den Anleger gleich. Grundsätzlich ist damit der Kauf von Anleihen in Zeiten steigender Zinsen wenig attraktiv. Sinken dagegen die Zinsen, können Kursgewinne erzielt werden, so dass Anleihen besonders attraktiv werden. Nicht zu vergessen sind die Möglichkeiten, Währungsgewinne und -Verluste zu erzielen. Investiert man nämlich in einer Währung, deren Wert steigt, dann kommen zu den Zins- und gegebenenfalls Kurserträgen auch Währungsgewinne. Steigt jedoch unerwarteterweise die Heimatwährung, dann werden diese Erträge schnell zunichtegemacht.

Beton statt Geld: Sicherheit durch Immobilien?
Zu Immobilien haben gerade die Deutschen eine besondere Beziehung. So gilt der Bausparvertrag als Inbegriff der konservativen Geldanlage und kümmern sich Banken und Versicherungen und bis vor kurzem auch der Fiskus intensiv um Häuslebauer, im internationalen Vergleich gibt es jedoch recht wenig Immobilienbesitz. Überdurchschnittlich viele Deutsche leben zur Miete. Zudem wurde als einer der wenigen der deutsche Immobilienmarkt nicht vom Boom der letzten fünf bis zehn Jahre erfasst. Während in den USA und Großbritannien ein Platzen der Immobilienblase nach exorbitanten Preissteigerungen befürchtet wird, gibt es hierzulande Leerstand auf Rekordniveau.

Nichtsdestotrotz wurde vor allem mit dem Rückgang der Aktienkurse seit dem Jahr 2000 kräftig in ein deutsches Unikum investiert, nämlich den offenen Immobilienfonds. Diese Produkte sind inzwischen meist milliardenschwere Dickschiffe des Fondsmarktes und boten zumindest bis 2004 geringe, aber stabile Renditen von vier bis sechs Prozent. Für sicherheitsorientierte Anleger wurden sie zum Standardinvestment. Die Fondsgesellschaften wurden mit Geld zugeschüttet. Fast schon logischerweise kam es zu diversen Krisen und vor allem einem deutlichen Rückgang der Renditen. Es zeichnet sich allerdings ab, dass die Durststrecke überwunden ist und zumindest wieder Stabilität einkehrt, wenn auch noch bei bescheidenen Renditen.

Anteile an offenen Immobilienfonds können genauso gehandelt werden wie die an Aktien- oder Rentenfonds. Der Kreis der Anteilseigner ist somit nicht beschränkt, der Fonds muss auch mit Rückgaben von Anteilen rechnen, die den Bestand gefährden können. Geschlossene Fonds (oft Immobilien, aber auch Containerschiffe) sind meist Personengesellschaften, das heißt der Anteilseigner ist Mitunternehmer. Sein Kapital soll dauerhaft zur Verfügung stehen, ein freier An- und Verkauf von Anteilen nach der Auflage ist nicht vorgesehen (wenngleich nicht unmöglich).

Andere Länder kennen eine besondere Form des Immobilieninvestments, mit dessen Einführung sich die deutsche Politik schwertut. Dort gibt es nämlich die Real Estate Investment Trusts (REITs), die unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich besonders bevorzugt werden. Dabei handelt es sich um Aktiengesellschaften mit in aller Regel sehr hohen Dividendenausschüttungen, die oft bei fünf Prozent und mehr liegen. Auch wenn die starken Kurssteigerungen der letzten Jahre kaum zu wiederholen sein werden, können Anleger immerhin auf die Dividendenrendite setzen, die auch ein kontinuierliches Interesse an den Aktien sicherstellen dürfte.

Auf REITs haben sich eine Reihe von Fonds spezialisiert und ermöglichen so zum Beispiel auch Anlagen in ganz Europa, Amerika oder Fernost. Investoren unterliegen damit nicht dem Risiko einer Beteiligung an einem einzelnen Gebäude, sondern können streuen wie bei einem anderen Fonds auch. Allerdings unterliegen REITs auch Risiken, wie sie bei Aktien üblich sind. Die Kursbildung unterliegt Angebot und Nachfrage, und die orientiert sich mehr am Aktienmarkt allgemein als an der Immobilie.

Mehr Stabilität auf der Ertragsseite versprechen geschlossene Immobilienfonds, über die Anleger in einzelne Objekte investieren können. Meist handelt es sich um Bürogebäude, Einkaufszentren oder Wohnblocks. Sofern diese Objekte gut vermietet werden können, lassen sich oft stabile Renditen erzielen, die über denen offener Immobilienfonds liegen. Allerdings handeln sich Anleger das Risiko ein, dass der Standort nicht dauerhaft erfolgreich ist beziehungsweise auch der Initiator insolvent wird. Nicht zuletzt leiden diese Anlagen meist unter einer hohen Gebührenbelastung, weil die Anteile nicht an der Börse gehandelt, sondern direkt vertrieben werden müssen. Insofern müssen Anleger eine besondere Vorsicht walten lassen.

Verdienen mit Rohstoffinvestments, wenn die Benzinpreise steigen?
Wie bereits erwähnt, erfreuen sich Investitionen in Rohstoffe mindestens seit 2005 großer Beliebtheit. Damit ist für viele Privatanleger die Hoffnung verbunden, eine Art Ausgleich für gestiegene Benzinpreise zu erhalten beziehungsweise allgemein am Rohstoffhunger der wachsenden Weltwirtschaft und insbesondere China teilzuhaben. Wenn man dann hört, dass die Preise einiger Metalle, von Silber und Öl in einem Jahr eine Verdopplung oder sogar noch mehr schaffen, dann wird schnell zum Einstieg geblasen.

Grundsätzlich ist das auch zu verstehen. Es wird jedoch nicht beachtet, dass Rohstoffpreise einer anderen Logik folgen als Aktien oder Rentenkurse. Zwar lassen sich langfristige Trends, meist zu steigenden Preisen, erkennen, jedoch gibt es immer wieder heftige Rückschläge und eine starke Zyklik. Das heißt: Rohstoffpreise sind in der Vergangenheit auch immer wieder zurückgegangen, weil auch die Weltwirtschaft sich immer wieder mal abschwächt. Problem an der ganzen Sache ist, dass es bei Rohstoffen immer Mechanismen gibt, die die Preisentwicklung wieder eindämmen können. Zum einen werden die konjunkturabhängigen Rohstoffe (vor allem Metalle, die für die Produktion verwendet werden, aber auch Öl) bei einem Abflauen der Wirtschaft weniger nachgefragt, was automatisch die Preise drückt. Zum anderen wird die Produktion gesteigert, wenn sich mit Rohstoffen mehr Geld verdienen lässt. Das betrifft auch die Materialen, für die die Nachfrage konstanter ist, etwa Nahrungsmittel oder Baumwolle.

Nun könnte man auf die Idee kommen, dann in Rohstoffe zu investieren, wenn sie gerade historisch billig sind. Mit dem nötigen Vertrauen in Preissteigerungen ließe sich nach mehr oder weniger langer Zeit Geld verdienen. Es sei denn, der historische Tiefstand kommt noch… Beobachtet man Investoren, dann stellt man ein ausgesprochen zyklisches Verhalten fest. Viele kaufen die Rohstoffe, die sich in einem positiven Trend befinden und auf deutliche Preissteigerungen zurückblicken können. Rohstoffe, die sich lange nicht bewegt haben, werden gerne gemieden. Dabei sind es gerade diese, die ein erhebliches Steigerungspotenzial aufweisen. Rohstoffinvestments sind daher oft nicht annähernd so profitabel, wie man es sich gewünscht hätte.

Anders als bei Aktien, für die sich Kennzahlen berechnen lassen mit der Erkenntnis, dass eine Aktie billig oder teuer ist, geht dies bei Rohstoffen nicht. Die Nachfrage kann erheblich schwanken, das Angebot kann mehr oder weniger zufällig steigen oder sinken, das Wetter kann eine Ernte vernichten und schließlich kann Versorgungsangst aufkommen. All dies beeinflusst die Preise, kann sie innerhalb kürzester Zeit um ein paar hundert Prozent in die Höhe treiben, aber auch wieder in sich zusammenfallen lassen. Wenn im Nahen Osten ein Konflikt ausbricht, dann ist für Öl auch ein hoher Preis gerechtfertigt. Wenn die Weltwirtschaft in die Knie geht, dann hilft auch ein deutlicher Preisrückgang nicht, man braucht dann einfach weniger Öl. Selbst wenn sich der Preis halbiert, ist Öl dadurch nicht billig geworden, zumindest gibt es keinen Grund welches zu kaufen. Schließlich ist ja die Nachfrage so gering.

Anleger müssen vor allem auch beachten, dass jeder Rohstoff eigenen Gesetzen folgt. Insofern kann man durchaus von einer guten Diversifikationsmöglichkeit sprechen, ohne jedoch die Gewissheit zu haben, damit dauerhaft Geld verdienen zu können. Daher muss stets beachtet werden, was Angebot und Nachfrage beeinflusst und welche Störfaktoren auftreten können. Nach all dem stellt sich die nicht ganz unbedeutende Frage, wie man in Rohstoffe investieren kann. Sie müssen sie nicht direkt kaufen, benötigen also keine Lagerflächen, müssen Ihr Wohnzimmer nicht mit Schweinebäuchen und Kupferdraht teilen. Sinnvoll investierbar sind Rohstoffe, die an einer Börse gehandelt werden. Sollte Ihnen jemand Rohstoffanlagen außerhalb der Börsen andrehen wollen, sollten Sie ausgesprochen vorsichtig sein. Solche Geschäfte sind schwer durchschaubar, die Preisbildung ist intransparent und einem Betrug sind Tür und Tor geöffnet.

Gibt es den Böisenhandel und entsprechende Futures (das sind Terminkontrakte, also Versprechen, etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vereinbarten Preis zu zahlen), kann auch ein Produkt für Privatanleger gezimmert werden. Sie müssen also nicht selbst an einer Warenbörse tätig werden bzw. dürfen dies auch gar nicht. Es gibt aber inzwischen eine Vielzahl von Zertifikaten, über die Sie an der Preisentwicklung von Rohstoffen teilhaben können. Deren Preise variieren mit den Kursen an den Terminbörsen, sind aber nicht nur davon abhängig. Der Teufel steckt jedoch auch hier im Detail. So kann es passieren, dass Sie trotz steigender Kurse nicht gewinnen oder nicht in dem Maße, wie die Kurse steigen. Wer weiß schon (vorher), dass das Preisverhältnis zwischen lang- und kurzfristigen Kontrakten eine wesentliche Rolle spielt?

Zudem weiß man oft nicht so ganz genau, worin man eigentlich investiert. So gibt es eine ganze Reihe von Rohstoffindizes, die aber jeweils unterschiedlich zusammengesetzt sind. Wer nicht auf ein bestimmtes Material wie etwa Zink, Silber, Baumwolle oder Öl setzen will, investiert besser in einen umfassenden Index. Leider hat jeder Index eine andere Zusammensetzung, so dass man mitunter so stark auf Öl ausgerichtet ist, dass man auch gleich ein entsprechendes Zertifikat nehmen könnte. Der Vorteil ist dann zumindest, dass es sich lohnt, sich mit dem Markt zu beschäftigen.

Die Palette der investierbaren Rohstoffe wird kontinuierlich erweitert. Neben verschiedenen Indizes, mit denen Sie mehr oder weniger gut gestreut in praktisch alle Kategorien investieren können, gibt es die wichtigsten Energieträger, Produktionsmaterialien, Lebensmittel, Textilrohstoffe oder auch Spezialitäten.
Nicht alle Rohstoffe sind aber sozusagen liquide, das heißt es kommt zu starken Preisschwankungen, wenn sich die Nachfrage nur leicht ändert. Dabei entstehen oft hohe Ausschläge nach oben, die Anleger in Scharen anlocken, nur um kurz danach wieder nach unten zu stürzen, um eben diese Anleger zu verärgern. Nur wenige Rohstoffe wie Öl oder Weizen werden in so großen Volumina gehandelt, dass solche Kurskapriolen unwahrscheinlich sind.

Eine besondere Rolle spielt das Gold, das zwar auch in der industriellen Produktion verwendet wird, im Wesentlichen jedoch ein Angst-Anlageobjekt ist. So flüchten viele Anleger in das Gold, wenn sie ihrer Währung nicht trauen und mit erheblichen Kursverlusten rechnen. Dem Gold trauen sie eine höhere Stabilität und Wertsicherung zu. Ob dieses Vorgehen in irgendeiner Form sinnvoll ist, kann kaum abschließend gesagt werden. Die einen vertrauen auf Gold, die anderen verweisen auf die sinkende Bedeutung für die Weltwirtschaft. Dass Gold als Schmuck unverändert beliebt ist, mag ein gewisses Gefühl der Sicherheit verleihen. Wenn Ihnen jemand irgendeine Goldspekulation anbietet, weil in Indien gerade Hochzeitssaison ist und für Schmuck viel Gold gebraucht wird, dann sagen Sie ihm doch, dass Sie lieber in Kaffee investieren, weil Sie gerade ganz fürchterlichen Kaffeedurst haben.

Investoren sollten aber auch daran denken, dass Rohstoffe nicht nur über entsprechende Futures zu haben sind, sondern auch über Aktien der rohstofffördernden Unternehmen. In der letzten Zeit war dies die bessere Alternative. Zudem erhält man über unterschiedliche Fonds leichten Zugang zu dem Segment. Da einige Unternehmen gleich in mehreren Bereichen tätig sind, besteht die Möglichkeit der Diversifikation schon mit einer Aktie. Wer es riskanter mag, kann aber auch in einzelne Goldminen investieren.

Nicht so einfach wie im Urlaub:
Handeln mit Währungen
Wer das Risiko mag und auch in anderen Bereichen Chancen suchen will, kann in Währungen investieren. Wenn man bedenkt, dass eine Währung innerhalb eines Jahres ohne Weiteres um 20 oder 30 Prozent steigen kann, sind Investitionen in Währungen eine Überlegung wert. Dies gilt auch für die Tatsache, dass Kursstürze um 20 bis 30 Prozent innerhalb von wenigen Tagen möglich sind. Eine Möglichkeit, auf Währungen zu setzen, besteht darin, Geld auf ein Währungskonto einzuzahlen und zu warten, bis sich diese Währung bewegt. Einfacher kann es sein, einen Geldmarktfonds in der Zielwährung zu kaufen, zumal dann auch Zinserträge anfallen. Allerdings ist das Angebot an Geldmarktprodukten in fremden Währungen gering. Sie konzentrieren sich meist auf die großen Währungen Dollar, Pfund und Yen.

Für Investitionen in Schwellenlandwährungen bieten sich so genannte Zins-Zertifikate an. Dabei handelt es sich meist um Produkte, die an die Kursentwicklung von Geldmarktpapieren gekoppelt sind. Durch die kurze Laufzeit sind diese Papiere kaum von Leitzinsänderungen abhängig, so dass neben einer geringen Verzinsung vor allem Wechselkurschancen und -risiken bestehen.

Wer es etwas riskanter mag, kann Optionen auf eine Währung kaufen. Damit kann man sowohl von steigenden als auch fallenden Währungen profitieren, hat aber auch das Risiko des Totalverlusts. Im Allgemeinen sollten Privatanleger von solchen Dingen die Finger lassen, weil die Risiken unkalkulierbar sind. Die Verlockung von Währungsoptionen ist groß, zumal man auch dann Geld verdienen kann, wenn alle anderen Anlageklassen sich nach unten verabschieden. Jedoch sind Profis nicht mit einer halbwegs akzeptablen Trefferwahrscheinlichkeit in der Lage, Wechselkursentwicklungen einzuschätzen. Einen Sinn haben Währungsoptionen dann, wenn Aktien- oder Rentenanlagen gegen Währungsverluste abgesichert werden sollen. Dann kann man sie als eine Art Versicherungsprämie betrachten.

Keine Bremse fürs Depot: ABS
Noch ziemlich unbekannt in Deutschland sind ABS als Anlageobjekt. Das sind Asset Backed Securities, was für die Verbriefung von Vermögenswerten steht. Anders gesagt: Ein Unternehmen macht aus einem Teil seines Vermögens ein Wertpapier, das es dann verkauft. Der Vorteil: Das Unternehmen bekommt sofort Geld und kann damit arbeiten. Einen Sinn ergibt das natürlich nur, wenn die Vermögensposition nicht aus Geld besteht, sondern eine Forderung gegenüber Dritten darstellt. Daher werden vor allem Kredite und andere finanzielle Forderungen verbrieft. Der Käufer dieses Wertpapiers (einer ABS) hat als Sicherheit die Forderung gegenüber dem Dritten und erhält vom Verkäufer einen Zins. Dieses Geschäft ist praktisch unabhängig von der aktuellen Situation am Rentenmarkt, so dass die Zinssätze gering, aber sehr stabil sind und zudem kein Kursrisiko besteht.

Eine andere Spielart der ABS, die häufig stillschweigend dazugezählt wird, sind die Mortgage Backed Securities. Dabei handelt es sich um nichts anderes als um Mietansprüche, die in Form eines Wertpapiers verkauft werden. Auch hier hat der Emittent den Vorteil der sofortigen Liquidität. ABS sind umso interessanter, je niedriger die Zinsen sind. Das führte in den letzten Jahren zu einem Wettlauf um die besten ABS mit entsprechenden Auswirkungen auf die Rendite. Man kann gegenwärtig nicht reich werden damit, hat aber eine Alternative zu Geldmarktpapieren.

Technische Analyse richtig verstehen – die richtige Aktie finden

Bislang haben wir uns auf die fundamentale Bewertung konzentriert. Wer langfristig anlegt, wird auf diese Art und Weise mit großer Wahrscheinlichkeit am Markt erfolgreich sein. Kurzfristig mag es durchaus anders aussehen, weil bestimmte Themen gerade in sind beziehungsweise einzelne Aktien oder Länder einen Lauf haben, sowohl nach oben als auch nach unten. Dabei handelt es sich um psychologische Phänomene, man will dabei sein beziehungsweise glaubt, dass andere Anleger dabei sein wollen und so die Entwicklung noch eine Weile anhält. Diese Phänomene werden grafisch beschreiben, was zunächst paradox klingt, aber anders geht es nicht.

Die Anlegergemeinde ist zu groß, zu heterogen und zu weit verstreut, als dass sich Motive erforschen ließen. Zudem muss niemand begründen, warum er etwas kauft oder verkauft. Man sieht sich also auf dem Papier an, was passiert, und versucht das dann anhand grafischer (technischer) Kriterien zu erklären. Sie mögen sich nun fragen, warum das funktioniert. Wahrscheinlich kennen Sie das Schlagwort von der Selffulfilling Prophecy. Wenn alle daran glauben, dann funktioniert es auch. Das heißt: Es gibt eine ganze Reihe von Anlegern, die sich von Mustern in der Kursentwicklung leiten lassen. Erkennen sie Schulter- Kopf-Schulter-Formationen, Untertassen, Wimpel, Flaggen, Unter- stützungs- und Widerstandslinien oder Trendkanäle, dann sind das für sie Indikatoren für Kauf und Verkauf.

Allerdings handelt es sich um eine Wissenschaft für sich, die zu erklären ein eigenes Buch erforderte. Nichtsdestotrotz sollten Sie zumindest zwei Indikatoren beachten, die leicht zu verstehen und zudem recht zuverlässig sind. Zunächst gilt die Regel the trend is your friend. Befindet sich die Kursentwicklung in einem Trendkanal, dann wird diese Entwicklung auch eine ganze Weile anhalten. Denken Sie an den Herdentrieb: Mensch, die XY-Aktie entwickelt sich ja gut, schon seit Monaten. Da springe ich noch auf. Und so geht es weiter und weiter und weiter, bis der Kurs plötzlich aus dem Trendkanal springt. Hat er die untere Grenze verletzt, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit weiter fallen.

Die Techniker sagen sich nämlich, der Trend ist jetzt gebrochen und die anderen werden verkaufen, also verkaufe ich auch. Diese Überlegungen können von fundamentalen Faktoren überlagert oder ausgelöst werden, dies wird hier aber nicht betrachtet. Sehen Sie sich dazu das Beispiel der Henkel-Aktie an. Von Anfang 2003 bis Mitte 2004 bewegte sich der Kurs wie der vieler anderer Aktien auch in einem Trendkanal. Im Schnitt konnten 31 Prozent pro Jahr erzielt werden. Der Kurs sank mehrfach bis auf oder kurz vor den unteren und oberen Rand des Kanals, wurde aber wieder schnell zurückgeworfen. Solche kleinen Korrekturen werden als trendbestätigend bezeichnet.

Im Sommer 2004 trübte sich das Börsenklima kurzfristig ein, wobei aber die Bewegungen insgesamt im Rahmen blieben. Die Henkel-Aktie durchstieß allerdings den Trendkanal, so dass für die Techniker erheblicher Verkaufsdruck entstand. Erst knapp über 50 Euro wurde die Korrektur beendet. In der Folge bildete sich wieder ein Trendkanal, diesmal mit rund 26 Prozent Rendite. Bis zum Sommer 2006 wurde er viermal gestestet, Im Herbst 2005 wurde die untere Grenze kurz überschritten, die Aktie kam aber postwendend in den Kanal zurück. Bezeichnend ist, dass die heftige Korrektur vom Mai/Juni 2006 die Aktie auch nur an die untere Grenze getrieben hatte. Techniker werten dies als deutliches Zeichen, weiter zu kaufen beziehungsweise investiert zu bleiben.

Sehen wir uns noch den Einsatz der gleitenden Durchschnitte am Beispiel der Philips-Aktie an. Gleitende Durchschnitte dienen dazu, Zeitreihen zu begradigen. Problematisch bei der Beurteilung eines Kursverlaufs sind ja die vielen zufälligen Schwankungen. Sie trüben manchmal den Blick für den Trend. Bildet man nun aus den vergangenen X-Daten einen Durchschnittswert und aktualisiert diesen täglich (rollierend), dann erhält man eine geglättete Wertereihe. Je nachdem, wie viele Werte zusammengefasst werden, orientiert sich die entstehende Kurve mehr oder weniger eng an den realen Daten.

Technische Analyse richtig verstehen - die richtige Aktie finden35

In finden Sie zu den realen Kursdaten zwei Kurven, die mit gleitenden Durchschnitten gebildet wurden. Die magere Linie basiert auf 65-Tage-, die fette auf 205-Tage-Durchschnitten. Die letzte von beiden reagiert recht träge, die erste recht schnell. Diese gleitenden Durchschnitte werden nun verwendet, um Indikatoren für Käufe und Verkäufe zu generieren. Zunächst wird das Schneiden der 205-Tage-Linie als Signal gewertet, weil sich ein Trendbruch manifestiert. Dies war zum Beispiel Ende 2000, Mitte 2002, Mitte 2003, im Frühjahr 2004 usw. der Fall. Hätte man zu diesen Zeitpunkten jeweils ge- oder verkauft, hätte man relativ gut von der Kursentwicklung profitieren beziehungsweise Schlimmeres verhindern können.

Technische Analyse richtig verstehen - die richtige Aktie finden36

Oft wird auch der Schnittpunkt der 65-Tage- mit der 205-Tage-Linie verwendet. Dieser ist weniger von zufälligen Ereignissen abhängig und reagiert etwas später. Aber es zeigt sich auch hier, dass der Indikator gut durch das Auf und Ab der Philips-Aktie geholfen hätte. Man kann auch Beispiele finden, die Probleme mit der technischen Analyse aufzeigen. So können plötzliche Krisen, neue Nachrichten, eine Fußballweltmeisterschaft und was auch immer in die Entwicklung eingreifen und schon ist der Trend gestört. Man sollte sich daher nie auf ein Instrument verlassen, sondern sowohl fundamentale als auch technische Faktoren betrachten.

Merkmale und Risiken der festverzinslichen Renten-Wertpapiere

Renten gelten als ein zumindest relativ sicherer Hafen der Geldanlage. Das muss allerdings angezweifelt werden, Anleger sollten sich nicht auf diese vermeintliche Sicherheit verlassen. Dieses Artikel zeigt, worin die Risiken bestehen und wie sie analysiert werden können. Weiterhin werden Sie einzelne Anleihen auf ihre Eignung für Ihr Depot bewerten können.

Renten hören sich nach Rente an. Damit haben sie im Prinzip auch etwas zu tun, denn eine Rente bedeutet laufende, regelmäßige Zahlungen. Wenn Sie in Renten investieren, erhalten Sie im Normalfall auch regelmäßige Zinszahlungen und am Ende der Laufzeit Ihr Geld zurück. Die Diskussion darüber, ob die (staatliche) Rente sicher ist, gibt es ja schon seit einiger Zeit. Und wir wissen: Sie ist nicht sicher, zumindest nicht, was ihre Höhe angeht.

Wenn private Anleger Geld in Renten (beziehungsweise Anleihen) investieren, dann erwarten sie auch Sicherheit. So werden Renten immer wieder als sichere Alternative zu Aktien und anderen Anlagen empfohlen. Doch sind sie das wirklich? Wäre dem so, dann müsste man sich kaum damit befassen, und sie hätten kein eigenes Buchkapitel verdient. Vielmehr enthalten sie auch Risiken, denen man sich kaum entziehen kann. An sich kann man damit leben – man darf sich nur nicht auf die vermeintliche Sicherheit verlassen.

Kurswerte können sich weit von Nennwerten entfernen
Was passieren kann, zeigt folgendes Beispiel einer Unternehmensanleihe, hier einer Anleihe der TUI AG von 2004 mit 6,625 Prozent Zinsen und einer Laufzeit bis 2011.

Merkmale und Risiken der festverzinslichen Renten-Wertpapiere20

Anleger haben neben den Zinszahlungen bis Sommer 2005 auch kräftig an Kursgewinnen verdienen können. So hätten sie nach einem Jahr zu den 6,625 Prozent Zinsen auch rund 12 Prozent Kursgewinn realisieren können. Das hätte eine Rendite von fast 19 Prozent in einem Jahr ergeben. Aber wie es so ist: Man hätte ahnen müssen, dass die Kurse danach ebenso kräftig einbrechen, wie sie vorher gestiegen sind. Wer die Anleihe im September 2005 kaufte, hatte nach einem Jahr erst einmal rund 10 Prozent Kursverlust verkraften müssen. Auch nicht gerade schön, vor allem dann nicht, wenn man die Anleihe als sichere Alternative zu Aktien gekauft hatte.

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen eine Anleihe der Bundesrepublik Deutschland mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Der Kurswert ist bei Ausgabe gleich dem Nennwert, hier 100 Euro. Der Zinssatz liegt bei vier Prozent. Im Großen und Ganzen können Sie sich erst einmal zurücklehnen. Sie erhalten zehn Jahre lang vier Euro für jedes Stück, das Sie gekauft haben. Nach zehn Jahren gibt es noch einmal die 100 Euro zurück. Solange die Bundesrepublik nicht pleitegeht, ist dies sicher. Sie mögen einwenden, der Staat sei längst pleite, wofür es auch Anzeichen gibt, aber er wird seine Schulden auf absehbare Zeit zurückzahlen können.

Er hat ja schließlich Sie, den Steuerzahler. Was ist aber, wenn Sie zwischenzeitlich Geld benötigen? Können Sie die Anleihe zu 100 Euro Weiterverkäufen? Eine Garantie dafür gibt es nicht, nicht einmal die, dass Sie Ihre Anteile überhaupt loswerden. Sie benötigen immer auch einen Käufer. Grundsätzlich gilt bei börsengehandelten Anleihen wie auch bei Aktien, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Es geht hier zwar wesentlich rationaler zu, aber die sichere Zinszahlung kann plötzlich weniger oder auch mehr wert sein als vorher. Denn stellen Sie sich vor Nach einem Jahr steigen die Zinsen im Land und man bekommt für eine neue Anleihe schon fünf Prozent Zinsen. Wer will dann noch die mit den vier Prozent Zinsen haben?

Das ist nun das erste Risiko einer Anleihe, das so genannte Zinsänderungsrisiko. Veränderte Zinsen schlagen sich im aktuellen Kurswert nieder. In diesem Fall würde er sinken und im Falle eines Verkaufs hätten Sie einen Verlust zu tragen. Nur dann, wenn Sie die zehn Jahre durchhalten, bliebe alles beim Alten. Allerdings könnten Sie sich darüber ärgern, mit dem Kauf der Anleihe nicht noch etwas gewartet zu haben. Der Kurswert schwankt mehr oder weniger exakt so, dass ein neuer Anleger die gleiche Rendite mit der alten wie mit einer neuen Anleihe erzielt. Die alte Vier-Prozent-Anleihe wird durch den sinkenden Kurswert so billig, dass sie die gleiche Rendite wie die neue Fünf-Prozent-Anleihe abwirft. Kleinere Abweichungen entstehen schon, weil die Märkte nicht perfekt sind und es noch weitere Einflüsse, wie unten zu erläutern, geben kann.

Wenn Sie am 1.7.2007 eine Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit bei vier Prozent Zinsen zum Nennwert von 100 Euro kaufen, dann erhalten Sie am 1.7.2008 vier Euro Zinsen, am 1.7.2009 wieder vier Euro Zinsen plus die 100 Euro Nennwert, also 104 Euro. Nach einem Jahr, zum 1.7.2008, steigen die Zinsen und es kommt eine neue Anleihe zu fünf Prozent mit einem Jahr Laufzeit auf den Markt. Gleichzeitig sinkt der Kurs Ihrer Anleihe auf 99.05 Euro, die neue notiert bei 100 Euro. Warum? Wenn ein Anleger Ihnen die alte Anleihe bei einem Jahr Laufzeit abkauft, dann erhält er eine Rendite von fünf Prozent, genauso viel wie mit der neuen Anleihe. Er erhält Ja am 1.7.2009 104 Euro. Wenn er nur 99.05 Euro zahlen muss, kommen wieder fünf Prozent heraus und er steht mit der alten so gut oder schlecht da wie mit der neuen Anleihe.

Die Veränderungen des Kurswerts sind also ein durchaus gerechter Mechanismus. Immerhin können Sie auch günstiger kaufen oder Kursgewinne einstreichen, wenn die Zinsen sinken. Ausschließen lässt sich das Zinsänderungsrisiko nur, wenn Anleihen gekauft werden, die nicht börsennotiert sind. Wer Bundesschatzbriefe, Sparbriefe von Banken oder Ähnliches kauft, geht dieses Risiko nicht ein, hat aber in der Regel auch keine Möglichkeit, die Papiere während der Laufzeit zurückzugeben.
Grundsätzlich gilt daher der Grundsatz, Rentenpapiere nicht zu kaufen, wenn Zinsanhebungen vorgenommen werden.

Die Verluste können gegebenenfalls zwar durch Währungsgewinne ausgeglichen werden, wenn im Ausland angelegt wird, der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen und das hat dann nichts mehr mit Risikovermeidung zu tun. Zumindest sollte die Aussicht auf stabile Zinsverhältnisse bestehen, Zinssenkungsphasen sind natürlich ausgesprochen positiv für die Kursentwicklung. Das Zinsänderungsrisiko ist aber nicht das einzige Risiko. Es gibt noch weitere, und zwar zunächst das Emittentenrisiko. Es bezeichnet die Gefahr, dass der Emittent die Anleihe nicht mehr zurückzahlen kann, also insolvent wird.

Das kann passieren, auch wenn es nicht allzu häufig vorkommt. So gibt es immer noch den Konflikt mit der argentinischen Regierung über nicht bediente Anleihenforderungen und es gab auch den Fall des italienischen Lebensmittelherstellers Parmalat. Eines der herausragenden Beispiele ist General Motors. Wie alle anderen Autohersteller ist GM ein eifriger Emittent von Anleihen. Die finanzielle Situation hatte sich in den vergangenen Jahren allerdings verschlechtert, woran unter anderem die hohen Pensionsverpflichtungen schuld waren.

Das Marktumfeld und die Marktposition waren allerdings auch nicht gerade erfreulich. Die Kreditwürdigkeit von GM wurde deswegen herabgestuft, was nicht nur die Aktie, sondern auch die Anleihekurse nach unten trieb. Das S&P-Rating war B. Für die Zeit von Mitte 2003 bis Ende 2006 zeigt sich, dass die Anleihe nicht wesentlich sicherer war als die Aktie.

Merkmale und Risiken der festverzinslichen Renten-Wertpapiere21

Noch schlimmer sah es bei der niederländischen Handelskette Ahold aus, immerhin bis vor kurzem ein DJ EuroStoxx 50-Unter- nehmen. Im Jahr 2003 gab es einen Skandal wegen unrichtiger Bilanzen mit der Konsequenz eines deutlichen Einbruchs von Aktien- und Anleihekurs. Der 5,875-Prozenter von 2001 mit Laufzeit bis 2008 verlor an einem Handelstag mehr als 30 Prozent, erholte sich allerdings innerhalb eines halben Jahres wieder. Schwache Nerven darf man dabei auch nicht haben und der Eindruck eines seriösen Unternehmens sollte nicht allzu sehr in Sicherheit wiegen. Ein kleiner Trost ist der, dass Aktionäre von Ahold nicht besser gefahren sind, ganz im Gegenteil.

Merkmale und Risiken der festverzinslichen Renten-Wertpapiere22

Das Ausfallrisiko ist also selbst bei Großkonzernen nicht zu unterschätzen. Eine Hilfestellung sind Ratings von verschiedenen Ratingagenturen. Sie erlauben eine ungefähre Einschätzung des Risikos von Anleihen und erleichtern so auch Vergleiche zwischen Emittenten. Schließlich will man ja bei höherem Risiko auch höhere Zinsen haben. Der Markt ist dadurch ausgesprochen transparent. Im Vergleich zum Aktienmarkt sind die subjektiven Spielräume verschwindend gering. Da die Agenturen weltweit arbeiten, kann eine österreichische Anlegerin problemlos eine französische Anleihe kaufen, der Wissensstand ist nicht geringer als bei einer österreichischen Anleihe.

Merkmale und Risiken der festverzinslichen Renten-Wertpapiere23

Die Tabelle gibt in zusammengefasster Form die Langfrist-Kreditratings von Standard & Poor’s wieder. Anleger erhalten dadurch (ebenso wie durch die Ratings anderer Agenturen) eine einfache Möglichkeit, sich einen Eindruck vom Risiko einer Anleihe zu verschaffen. Die Buchstabencodes mögen dabei etwas abstrakt wirken. Sie führen aber zunächst einmal zur Unterscheidung von Investment Grade- und spekulativen Anleihen. Zwischen beiden liegt eine Grenze, die man als eine Art Risiko-Äquator bezeichnen kann. Alles, was darüber liegt, beinhaltet ein vertretbares Risiko, das ein auf Sicherheit bedachter Investor ertragen kann beziehungsweise können muss. Risiken sind nicht auszuschließen, aber auch nicht so wahrscheinlich, dass sie nicht durch geschickte Streuung der Gelder im Zaum gehalten werden können.

Viele Rentenfonds dürfen beispielsweise nur im Investment Grade-Bereich investieren und sind daher für sicherheitsorientierte Anleger geeignet. Die Wahrscheinlichkeit eines deutlichen Kurseinbruchs ist sehr gering. Der spekulative Bereich wird auch als High Yield bezeichnet, also Hochzinsanleihen. Mit solchen Anleihen und den entsprechenden Fonds lassen sich höhere Renditen erzielen, allerdings kann man auch mehr Geld verlieren. Das Risiko kann sich schon recht nahe an dem der Aktien bewegen. Im Allgemeinen wird Privatanlegern, die nicht besonders risikofreudig sind und sich in dem Bereich auskennen, nicht empfohlen, hier zu investieren. Zum einen liegt das an dem Risiko eines Totalausfalls, zum anderen auch daran, dass sich Unternehmensanleihen ziemlich parallel zu den Aktienkursen bewegen und letztere meist profitabler sind.

Die Ratings lassen sich etwas konkreter übersetzen in Ausfallrisiken. So kann ein Anleger auf der Grundlage historischer Erfahrungen einschätzen, wie groß die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls ist. Diese Schätzungen sind allerdings historisch, das heißt sie können sich als unrealistisch erweisen. Sie variieren je nach Kreditdauer. So wird in der höchsten Klasse innerhalb eines Jahres kein Ausfallrisiko gesehen, im Laufe von zehn Jahren liegt es bei einem halben Prozent. Anders gesagt: Von zweihundert Anleihen wird innerhalb von zehn Jahren eine nicht zurückgezahlt.

Für Anleger, die in einzelne Anleihen investieren, ist dieses Risiko schwer greifbar. Selbst die einzige Anleihe, die man im Depot hat, kann ausfallen, auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist. Risikostreuung ist auch hier vonnöten. In der untersten Investment Grade- Klasse muss über zehn Jahre mit einem Ausfall etwa jeder 35. Anleihe gerechnet werden, und hier spürt man es schon eher, was das Risiko bedeutet. Engagierte Rentenfans werden im Laufe des Depotlebens sicher mehr als 35 Anleihen besessen haben und dürften daher mit einem Ausfallereignis konfrontiert worden sein. Bei einem CCC-Rating kommt man schon auf ein Risiko von fast der Hälfte, innerhalb eines Jahres auf mehr als ein Fünftel. Das heißt: Statistisch gesehen kommt von zwei zehnjährigen Anleihen mit CCC-Rating nur eine durch.

Für den Anleger heißt das: Der Zinsvorteil muss so groß sein, dass die zu erwartenden Ausfälle ausgeglichen werden können. Fällt eine Anleihe sehr früh aus, ist dies nur mit Durchhaltevermögen zu schaffen, denn es gehen nicht nur die Zinsen, sondern auch der Nennwert verloren. Ohne ein hohes Maß an Streuung sollte hier also nicht investiert werden. Neben den Unternehmensanleihen gibt es noch High Yield-Staatsanleihen. Sie stammen von Ländern, deren Ausfallrisikowesentlich höher als das der alten EU-Länder, der USA u. Ä. eingeschätzt wird. Dazu gehören etwa die Türkei, Brasilien, Südafrika oder Ungarn. Die Staaten müssen für ihre unsichere finanzielle Lage und das Währungsrisiko einen Aufpreis auf den Marktzins zahlen. Da solche Länder keine Euro-Länder sind, kommt für den Anleger zum Emittenten-(Ausfall)risiko noch das Währungsrisiko.

Ein Währungsrisiko liegt immer dann vor, wenn eine Schuld in einer anderen Währung als der eigenen besteht. Steigt die Anlagewährung während der Anleihenlaufzeit, dann sinkt der Rückzahlungsbetrag. Sehen wir uns dazu ein Beispiel an: Eine Anlegerin kauft eine Anleihe der Vereinigten Staaten. Der Wechselkurs liegt bei 1,20 USD/Euro. Für ein Stück mit Nennwert 1000 USD zahlt sie also 833,33 Euro (1000/1,20). Nach einem Jahr sinkt der USD gegenüber dem Euro, er liegt nun bei 1,40 USD/ Euro. Der Kurswert der Anleihe liegt aufgrund unveränderter Rahmenbedingungen weiterhin bei 1000 USD. Diese sind aber nur noch 714,29 Euro (1000/1,40) wert. Der Wertverlust des USD hat also zu einem Kursverlust von 119,04 Euro geführt. Ein solch hoher Wertverlust ist im Allgemeinen auch durch höhere Zinsen nicht mehr aufzufangen.

Anlagen in Fremdwährungsanleihen sollten somit nur dann erfolgen, wenn der Anleger davon überzeugt ist, dass die Anlagewährung steigen wird. Selbst bei Annahme konstanter Verhältnisse lohnt sich das Risiko gegenüber Anleihen aus der Heimat nicht. Allerdings sind Währungs Spekulationen die beste Möglichkeit, Geld zu verlieren. Nichts ist so unberechenbar wie der Wechselkurs. Auch professionelle Anleger liegen regelmäßig falsch mit ihren Prognosen, so dass hier zu äußerster Vorsicht geraten sei. Eine gewisse Ausnahme kann für Konvergenzwährungen gemacht werden, was vor allem die der EU-Beitrittsstaaten betrifft. Aufgrund des wachsenden Investitionsvolumens während des Konvergenzprozesses steigen deren Wechselkurse meist, was aber nicht Ausnahmen ausschließt. So darf der Hinweis auf den ungarischen Forint nicht fehlen, der 2006 unter der Haushaltsverschuldung des Staats zu leiden hatte.

Ein Effekt, der für Fremdwährungsanleger ebenfalls wenig erfreulich ist, ist der Einfluss der Zinsen auf die Stärke der Währung. Angenommen ein Deutscher investiert in den USA in Anleihen. Sinken dort die Zinsen während der Laufzeit, kann er Kursgewinne verbuchen. Allerdings führen Zinssenkungen zu einer sinkenden Attraktivität des US-Dollars, so dass der Wechselkurs steigt. Wird die Währung schwächer, steigt der Wechselkurs und umgekehrt! Das ist sprachlich erst einmal schwierig zu verstehen. In unserem obigen Beispiel wurde der USD gegenüber dem Euro schwächer, denn vorher bekam man für einen Euro 1,20 USD, später sogar 1,40 USD.

Dieser Effekt kann die Kursgewinne wieder auffressen oder sogar weitere Verluste bescheren. Er ist aber nicht vorab zu berechnen und stellt daher ein erhebliches Risiko dar. Aber das ist noch nicht alles, es gibt nämlich noch das Inflationsrisiko. Wer sich langfristig im Rentenmarkt engagiert, hat meist auch die Vorstellung, dass die Inflationsrisiken zumindest überschaubar sind. Denn stellen Sie sich vor, Sie haben eine zehnjährige Anleihe zu vier Prozent Zinsen gekauft. Bei sicheren Staatsanleihen liegt diesem Zinssatz eine Inflationserwartung von maximal zwei Prozent zugrunde. Daraus ergibt sich ein Realzinssatz von zwei Prozent. Dieser ist noch zu versteuern, so dass kaum etwas übrig bleibt.

Steigt nun die Inflation auf drei oder gar vier Prozent, dann bietet die Anleihe gerade noch einen Schutz vor der Geldentwertung, aber keine reale Rendite mehr. Die Anlage kann ihre eigentliche Zielsetzung nicht mehr erfüllen. Da die Zinsen dann meist auch gestiegen sind, stellen sich entsprechende Kursverluste ein. Dies sollte eigentlich deutlich machen, dass in Zeiten niedriger Leitzinsen und niedriger Inflationsraten Renteninvestments nur dann sinnvoll sind, wenn man sich einer neuen Rezession sicher ist. Ansonsten überwiegen die Risiken deutlich die Chancen. In den Jahren 2005 und 2006 zumindest ließen sich jedoch viele Anleger nicht davon abhalten, trotz ausgesprochen schlechter Prognosen für den Rentenmarkt in Rentenfonds zu investieren.

Bezogen auf den heimischen Rentenmarkt ist der Rex ein geeignetes Barometer. Dabei handelt es sich um einen Index, der aus Staatsanleihen unterschiedlicher Laufzeiten zusammengesetzt ist. Er zeigt, wie sich Investitionen in Renten entwickelt haben, beim RexP mit Zinsen (deswegen das P für Performance). Man kann letzteren auch als Vergleichsmaßstab für Rentenfonds verwenden, die in deutsche (beziehungsweise Euro-) Staatsanleihen investieren. Im unteren Teil der sind die europäischen Leitzinsen seit der Euro-Einführung angegeben. Man kann deutlich erkennen, dass die Kurse der Kurzläufer praktisch spiegelverkehrt zur Zinskurve verlaufen.

Bei den längerfristigen Anleihen werden die Ausschläge noch deutlicher, wobei aber auch einige Zufallsschwankungen enthalten sind. So führen Meldungen über die wirtschaftliche Entwicklung zu veränderten Zinsprognosen und entweder einer Flucht aus oder in die Anleihen. Solche Prognosen müssen sich aber nicht als zuverlässig heraussteilen, so dass sich die Entwicklung auch schnell wieder umkehrt. Ganz offensichtlich gab es Mitte 2005 erhebliche Angstphasen, was die Konjunktur angeht. Beachten Sie, dass es sich in der Grafik um Kursindizes handelt, die nicht die Zinsen enthalten. Sie sind also nicht mit der Wertentwicklung von Rentenfonds zu vergleichen, die ja auch Zinsen vereinnahmen.

Daraus ergibt sich kurzgefasst:
• Kurzläufer (ein bis zwei Jahre) eignen sich nur zum Parken, die Zinsen liegen kaum über dem Leitzins. Auf Leitzinsänderungen reagieren sie schnell, aber die Auswirkungen halten sich in Grenzen.
• Langläufer (sieben bis zehn Jahre und dreißigjährige) sind eine Spekulation auf die langfristige Zinslandschaft. Auf Leitzinsänderungen reagieren sie nur, wenn damit eine veränderte Einschätzung der langfristigen Einschätzungen einhergeht. Die Auswirkungen sind dann aber erheblich und können sowohl deutliche Verluste als auch Gewinne bedeuten. Sie sind für Spekulationszwecke geeignet.

Merkmale und Risiken der festverzinslichen Renten-Wertpapiere24

Die Ausschläge in der Grafik erscheinen zwar dramatischer als sie wirklich sind (im Aktienmarkt sieht es ganz anders aus), zeigen aber, dass es bei Renten deutliche Rückschläge und auch längere Verlustphasen geben kann. Sie sind umso stärker, je länger die Laufzeit der Anleihen ist. Einjährige Papiere schwanken kaum, denn im Fall einer Zinserhöhung muss ein Anleger ja nicht mehr allzu lange leiden, so dass sich der Verlust nur wenig bemerkbar macht. Diese Kurzläufer orientieren sich sehr stark am jeweiligen Leitzins der Notenbank, während bei den Langläufern auch langfristige Konjunkturerwartungen einfließen. So kann es sein, dass sie auf Zinserhöhungen gar nicht reagieren, wenn die Anleger nicht mit weiteren Erhöhungen rechnen oder sogar eine Rezession voraussehen. Kurzläufer reagieren auf jeden Fall.

Jede Anleihe kann anhand einer Reihe von Kriterien charakterisiert werden. Nicht alle Kennzahlen sind für Privatanleger wirklich relevant, aber einige erleichtern die Entscheidung für das eine oder andere Produkt wesentlich. Wir sehen uns daher hier die bedeutendsten Kriterien an. Als Grundlage werden die Informationen von OnVista für eine Anleihe der Bundesrepublik Deutschland von 2003 mit zehn Jahren Laufzeit verwendet.

Stammdaten einer Anleihe
Stammdaten
WKN / ISIN – 113521 /DE0001135218
Emittent – Bundesrepublik Deutschland
Emittententyp – öffentlich
Sitz des Emittenten – Deutschland
Bond-Typ – Anleihe
Nominal – 0,01
Fälligkeit – 04.01.2013

Die Stammdaten charakterisieren die Anleihe allgemein. Sie geben an, wer die Anleihe begibt, welcher Anleihetyp es ist (es gibt auch besondere Anleihen, dazu später mehr) und wann sie fällig ist.

Merkmale und Risiken der festverzinslichen Renten-Wertpapiere25

Diese Daten erhalten aktuell die Situation an der Börse (hier: Stuttgart). Es wird angegeben, wie viel gehandelt wurde und wie hoch der aktuelle Preis ist. Die Volumeninformationen sind wichtig, um einschätzen zu können, ob man überhaupt damit rechnen kann, die Anleihe zu bekommen beziehungsweise auch wieder zu verkaufen. Bei speziellen Anleihen einzelner Unternehmen oder ferner Staaten kann das Handelsvolumen so gering sein, dass man auf seiner Anleihe im Ernstfall sitzen bleibt, wenn man sie zwischendurch verkaufen will. Oder aber der Kursverlust ist so hoch, dass einem die Freude daran vergeht.

Kupondaten einer Anleihe
Kupondaten
Kupon – 4,500 %
Kupon-Typ – Fest
Nächster Kupon-Termin – 04.01.07
Kupon-Periode – Jahr

Unter Kupon wird der Zins verstanden. Früher gab es Zinskupons zu einer Anleihe, die am Bankschalter einzulösen waren. Heute gibt es das nicht mehr, weil man bei diesen so genannten Tafelgeschäften nicht mehr kontrollieren kann, ob Sie auch ordentlich Ihre Steuern zahlen. Hier wird angegeben, dass 4,5 Prozent pro Jahr gezahlt werden, und zwar jeweils am 4. Januar.

Kennzahlen einer Anleihe
Kennzahlen
Rendite (nach ISMA) – 3,78%
laufende Verzinsung v – 4,33
Stückzinsen – 2,63
Duration – 5,60
Modified Duration – 5,40%
Konvexität – 39,50
Zinselastizität – 0,20
Basis Point Value – 0,06
Restlaufzeit – 6,41
Berechnet mit Kurs – 104,00
Datum der Berechnung – 05.08.2006

Hier finden sich nun die Kennzahlen, mit denen eine Bewertung der Anleihe erfolgen kann. Einige sind wirklich etwas für Profis, andere sind immer wichtig und recht einfach zu verstehen. Die Rendite ergibt sich durch den Bezug der gesamten Zinszahlungen auf den Kurswert. Da dieser über 100 liegt, ist die Rendite geringer als die nominale Verzinsung von 4,5 Prozent. Die Rendite kann sich im Hinblick auf Laufzeit und Sicherheit täglich ändern. Vergleichbare Anleihen haben jeweils eine vergleichbare Rendite, auch bei unterschiedlichen Zinssätzen. Die Rendite nach ISMA berücksichtigt die aktuell fälligen Stückzinsen. Die laufende Verzinsung ist die Rendite des aktuellen Jahres ohne Berücksichtigung von Stückzinsen. Wenn 4,5 Prozent auf 104 Euro Kurswert gezahlt werden, ergibt dies 4,33 Prozent.

Die Angabe der Stückzinsen ist erforderlich, um den unterjährigen Handel zu ermöglichen. Wenn die Anleihe erst kurz vor dem Zinstermin gekauft wird, dann wäre es ja nicht gerecht, hierfür die kompletten Zinsen gutzuschreiben. Um dies auszugleichen, müssen beim Kauf Stückzinsen, das heißt anteilige Zinsen, gezahlt werden. Dann ist der gesamte Zinsbetrag wieder gerechtfertigt. Die Duration ist der gewichtete Durchschnitt aller Zahlungszeitpunkte einer Anleihe, anders gesagt, die durchschnittliche Dauer der Kapitalbindung. Mit dem Fortschreiten der Laufzeit einer Anleihe und der Vereinnahmung von Zinsen geht auch die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer zurück und somit die Duration. Der Anleger erhält ja kontinuierlich Geld, so dass die Summe des eingesetzten Kapitals immer geringer wird.

Je höher der Nominalzins einer Anleihe ist, desto schneller erhält er sein Kapital zurück, desto geringer ist dann die Duration. Die Duration ist somit ein Maßstab für das Kursrisiko, denn je größer sie ist, desto höher sind die Chancen und auch die Risiken der Anleihe. Die Modifizierte Duration (modified duration) gibt die prozentuale Veränderung des Anleihenpreises bei Änderung des Zinssatzes um ein Prozent an. Eine Modifizierte Duration von 5,4 Prozent sagt aus, dass der Anleihekurs um 5,4 Prozent steigen wird, wenn die Zinsen um ein Prozent sinken und umgekehrt.

Der Basis Point Value sagt aus, wie sich der Preis der Anleihe bei Veränderung der Anleihenrendite um einen Basispunkt verändert. Ein Basis-Punkt entspricht einem hundertstel Prozent. Die Zinselastizität sagt etwas darüber, wie sich der Kurs einer Anleihe bei einer Änderung des Zinses verhält. Um die prozentuale Änderung des Anleihenkurses beziehungsweise die Modifizierte Duration zu erhalten, multipliziert man die Elastizität mit der Zinsänderung.

Emissionsdaten einer Anleihe
Emissionsdaten
Kurs – 101,63
Datum – 04.01.2003
Volumen – 24.000.000.000,00
Währung – EUR

Zum Schluss finden Sie noch die Emissionsdaten: den Ausgabekurs, das Ausgabedatum, das Gesamtvolumen und die Anleihenwährung.

Chance und Risiko – wie Sie die richtige Aktie finden

Mit einzelnen Aktien zu handeln ist sicher die schwierigste Aufgabe für einen Anleger. Man muss viele Informationen suchen, abwägen und dann entscheiden – oder einfach sein Glück versuchen. In diesem Artikel wird gezeigt, wie man systematisch an Kaufentscheidungen herangeht und was die jeweiligen Kennzahlen bedeuten. Weiterhin werden Indexfonds als Alternative zur einzelnen Aktie vorgestellt. Aktionäre lassen es sich richtig gut gehen: Sie profitieren, wenn das Unternehmen Mitarbeiter entlässt, sie streichen jährlich ihre Dividende ein, lassen sich auf der Hauptversammlung ein opulentes Buffet schmecken und machen irgendwann einmal ganz groß Kasse. So könnte es sein, zumindest ist so oft die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Die Realität sieht aber anders aus.

Zu Zeiten der Volksaktie hatte man in der Tat den Eindruck, Aktien zu besitzen sei so etwas wie am Kopierer stehen und Geld drucken. Bis Frühjahr 2000 gab es auch kaum Möglichkeiten, an der Börse etwas falsch zu machen, Risikofreude wurde belohnt und die Leute warfen auch dem windigsten Konzept noch Geld hinterher. Nicht nur Unternehmen ohne Gewinn konnten ihre Aktien unters Volk bringen, auch solche ohne Umsatz schafften es. Heute sieht es anders aus. Auf den Hauptversammlungen gibt es nur noch einen kleinen Imbiss, an sichere Gewinne ist nicht mehr zu denken und jeder Aktionär muss auch schlechte Phasen durchstehen.

Dass eine Aktie an einem Tag auch schon mal zehn Prozent verliert, ist heutzutage nichts Besonderes, eine nicht ganz so gute Nachricht mitten im Sommerloch reicht schon aus. Wer sich ganz auf eine Aktie konzentriert, braucht schon Nerven aus Stahl. Sofern man am Ende ein gewisses Vermögen erwirtschaftet hat, ist das auch Lohn für harte Arbeit und ausgestandene Ängste. In der Vergangenheit waren Aktieninvestments immer profitabler als solche in den Rentenmarkt, vorausgesetzt, es wurde ein hinreichend langer Zeitraum betrachtet. Wer nur wenige Jahre investiert war, konnte durchaus Pech haben, wobei zuletzt nur die Jahre 2001- 2003 besonders schlimm waren.

Aber selbst diese Durststrecke war weniger schlimm, wenn es gelang, sich einen eher konservativen Aktienfonds oder niedrig bewertete Aktien zu suchen. Das Deutsche Aktieninstitut erstellt regelmäßig ein Renditedreieck, aus dem abzulesen ist, welche Rendite durch Ein- und Ausstieg aus dem Aktienmarkt in unterschiedlichen Jahren zu erzielen wäre. Zeigt dies für den DJ EuroStoxx 50 (Sie ahnen es, hier wird ausnahmsweise die Total Return Variante verwendet). Es lässt sich erkennen, dass bei längeren Zeiträumen (über 10 Jahre) der Ertrag bei zehn bis zwölf Prozent liegt. Dies ist natürlich keine Garantie für die Zukunft, zeigt aber, dass Krisenzeiten dadurch ausgeglichen werden, dass es vorher schon Übertreibungsphasen gab oder nachher eine Aufholjagd stattfinden wird.

Hätten sich Anleger vernünftigerweise im Jahr 2000 oder auch schon etwas vorher aus dem Markt zurückgezogen (Anzeichen in Form hoher Bewertungen gab es schon lange), sähe das Ergebnis noch besser aus.

Chance und Risiko - wie Sie die richtige Aktie finden32

Ziel jedes Anlegers ist es natürlich, noch mehr herauszuholen als die Wertentwicklung des Index, insbesondere in Krisenzeiten. Da möchte man die Talfahrt nicht mitmachen. Am einfachsten ist es, wenn man zum Höchstkurs aussteigt. Wenn man dann noch zum niedrigsten Kurs eingestiegen war, dann ist ja alles prima. Nur schafft das leider niemand, zumindest nicht mehr als ein Mal. Auch berühmte Investoren greifen mal daneben, kaufen zu früh oder verkaufen zu spät. Sie sollten daher gar nicht erst versuchen, den optimalen Handelszeitpunkt zu finden. Bevor Sie sich Gedanken über den Kauf einzelner Aktien machen, sollten Sie bedenken, dass Sie immer ein höheres Risiko eingehen, als wenn Sie einen Fonds oder den Index kaufen und dieses Risiko sich in einem höheren Ertrag spiegeln muss.

Da die meisten Fondsmanager daran scheitern, obwohl sie nicht schlecht dafür bezahlt werden, bedarf es schon einiger guter Investmentideen und auch einer ganzen Menge Disziplin. In unserer Finanzen-Webseite soll nicht der Weg versprochen werden, wie Sie schnell mit ein paar super Tipps und technischen Finessen ganz reich werden. Der Verfasser hegt erhebliche Zweifel an solchen Vorhaben, auch wenn sich immer wieder mal jemand auf seine Mega- Börsenerfolge berufen kann. Dass viele Anleger ziemlich viel Geld verloren haben, wird meist verschwiegen. An dieser Stelle geht es vielmehr darum, unangemessene Risiken zu vermeiden und eher zu stabilen Erträgen zu kommen.

Das Menü der Anleihen – Langläufer, Kurzläufer, High Yield und Staatsanleihen

Der letzte Abschnitt deutete ja schon an, dass Renten nicht sicher sind, das heißt Kursrisiken unterliegen, die nicht zu unterschätzen sind. Das ist an sich nicht verwunderlich oder problematisch. Es muss aber deutlich erwähnt werden, weil Rentenanlagen meist unter dem Stichwort Sicherheit Anlegern, die sich möglichst gar nicht um ihr Geld kümmern wollen, verkauft werden. Das führte dann nach den Börseneinbrüchen von 2000 bis 2003 zur Entwicklung von so genannten Total oder Absolute Return Fonds, die Risiken so weit wie möglich reduzieren sollten. Was sie aber auf jeden Fall geschafft haben, war, die Renditen so weit wie möglich zu reduzieren. Die meisten dieser neuen Kreationen haben nur Geld vernichtet, und vor allem die Ausgabeaufschläge.

Geldmarktanlagen
Was also gibt es für Möglichkeiten, mit zumindest eingeschränkten Risiken Geld zu verdienen? Im Gegensatz zum Aktienmarkt, der letztlich als wenig berechenbar gekennzeichnet werden muss, kann man im Rentenmarkt einigermaßen systematisch Vorgehen. Beginnen wir also mit den sichersten Anlagen, sozusagen den Parkplätzen. Prinzipiell lässt sich Geld ohne erwähnenswerte Risiken anlegen. Man muss nur die im letzten Artikel geschilderten Risiken ausschalten, das heißt die Zinsen dürfen sich nicht ändern, der Emittent darf nicht in Konkurs gehen und so weiter.

All dies kann man relativ zuverlässig bei Anlagen ausschließen, die eine sehr kurze Laufzeit haben, also nur Wochen oder Monate beziehungsweise die täglich liquidierbar sind. Das ist etwa beim Tagesgeldkonto der Fall, das mehrere Banken, vor allem Direktbanken anbieten. Hier bekommen Sie etwa so viel Zinsen, dass sich die Inflation ausgleichen lässt, maßgebend sind aber letztlich die aktuellen Leitzinsen. Man kann zwar nicht darauf vertrauen, dass eine Leitzinserhöhung um ein viertel Prozentpunkt eine ebensolche Tagesgeldzinserhöhung nach sich zieht, aber einige Banken sind wenigstens nahe dran. Übrigens werden Zinserhöhungen immer langsamer nachvollzogen als Zinssenkungen. Aber das liegt bestimmt nur an technischen Problemen …

Achten Sie bei Tagesgeldkonten mit überdurchschnittlichen Zinsen auf die jeweiligen Bedingungen. Zum großen Teil handelt es sich nämlich um Lockangebote, um Kunden für eine Bank zu gewinnen. Dabei werden die Zinsen zum Beispiel nur für Neueinlagen gezahlt, nur für einen bestimmten Zeitraum (meist ein halbes Jahr) oder nur dann, wenn ein Teil des Geldes in Fonds investiert wird. Das ist aber Augenwischerei, wie folgendes Beispiel zeigt: Eine Bank wirbt mit 4 Prozent Zinsen pro Jahr, im Kleingedruckten steht dann eine Beschränkung auf sechs Monate und die Forderung, die Hälfte in Fonds einzuzahlen.

Beispielsweise werden 10000 Euro angelegt, davon 5 000 Euro in Fonds, die aus einer kleinen Gruppe auszuwählen sind und 5 Prozent Ausgabeaufschlag kosten. Dann werden schon einmal 250 Euro Gebühren gezahlt (gegebenenfalls noch zuzüglich Depotkosten). Diese 250 Euro, die der Bank zufließen, werden verwendet, um den hohen Zins zu finanzieren. Bei 5000 Euro fallen für ein halbes Jahr gerade noch 100 Euro Zinsen an. Die restlichen 150 Euro kann die Bank verwenden, um Plakate drucken zu lassen und die Beschwerden enttäuschter Kunden zu bearbeiten.

Achten Sie also bei Tagesgeldern darauf, dass
• Sie keine Mindest- oder Höchstsummen zu beachten haben (wenn Sie zwischendurch etwas abheben, kommen Sie womöglich unter die Mindestgrenze und verlieren den höheren Zins),
• keine Nebenkosten wie Depotgebühren entstehen und
• die Bank dem deutschen Einlagensicherungsverein angeschlossen ist. Gelder bei türkischen Banken mit Niederlassung in den Niederlanden sind üblicherweise nur bis 20 000 Euro abgesichert! Dies kann unter Umständen auch bei einer deutschen Bank passieren.

Eine Alternative dazu sind Geldmarktfonds. Sofern Sie bereits ein Depot besitzen, können sie eine Alternative sein. Sie konnten sich in den letzten Jahren aber nicht gegen die besseren Tagesgeldkonten durchsetzen. Ein Bankverkäufer wird Ihnen, wenn Sie Geld nur zwischenparken wollen, einen Geldmarktfonds empfehlen. Der bringt zwar nur geringe Gebühreneinnahmen, aber immerhin etwas. Selbst die besten Produkte schaffen aber in der Regel nicht mehr als 2,5 Prozent pro Jahr. Zahlen Sie allenfalls ein halbes Prozent Ausgabeaufschlag, mehr nur bei besonders guten Fonds. Alles andere kostet unangemessen Rendite. Immerhin gibt es einige Fonds ohne Aufschlag.

Das Menü der Anleihen - Langläufer, Kurzläufer, High Yield und Staatsanleihen26

Ein gewisses Renditepotenzial steckt in Fremdwährungsanlagen. Sollte sich die Anlagewährung um zehn Prozent innerhalb eines Jahres verbessern, dann ergäbe sich auch bei einem Geldmarktfonds ein ansehnlicher Betrag. Des Risikos muss man sich allerdings bewusst sein. Ebenso kann man von höheren Zinsen in anderen Ländern profitieren (zum Beispiel Norwegen, Schweden), wenn man von konstanten Wechselkursen ausgeht. So lässt sich mitunter noch ein halbes Prozent zusätzlich verdienen, aber wieder mit gewissem Risiko.

Europäische Renten
Wem die Geldmarktrendite nicht reicht, der muss etwas mehr riskieren und sich nähere Gedanken über die Anlage machen. Es gibt eine Reihe einfacher Rentenfonds und Anleihen, die für unterschiedliche Stilrichtungen geeignet sind. Prinzipiell sollte man darüber nachdenken, ob es ein Fonds sein muss oder ob das Geld direkt in Anleihen investiert werden soll. Bei europäischen (Staats-) Anleihen gibt es wenig falsch zu machen, so dass man sich seinen Fonds auch selbst stricken kann. Sie wissen ja, dass Sie alle relevanten Daten über eine Anleihe im Internet finden können.

Wenn Sie jetzt noch wissen, dass Sie Ihr Geld die nächsten fünf Jahre nicht brauchen und dass Sie nichts riskieren wollen, müssen Sie nur noch nach einer fünfjährigen europäischen Staatsanleihe suchen. Bei OnVista zum Beispiel können Sie unter Anleihen/Suche folgende Kriterien eingeben, die öffentliche Anleihen aus Deutschland mit einer Restlaufzeit von 4 bis 6 Jahren anzeigen:

Das Menü der Anleihen - Langläufer, Kurzläufer, High Yield und Staatsanleihen27

Das Resultat war am 10.08.2006:

Das Menü der Anleihen - Langläufer, Kurzläufer, High Yield und Staatsanleihen28

Bei den Anleihen ohne Renditeangabe handelt es sich um Anleihen, die gegenwärtig nicht gehandelt werden. Die Rendite liegt einheitlich um 3,8 Prozent. Anleihen mit höherer Modifizierter Duration sind zinssensitiver, so dass man eher auf eine geringere achten sollte. In diesem Beispiel spielt dies aber auch keine wesentliche Rolle. So könnte zum Beispiel die Anleihe mit der WKN 113518 richtig sein, die eine bescheidene Rendite von 3,74 Prozent erbringt. Wenn Sie die Laufzeit durchhalten, können Sie nun jeweils 5 Prozent Zinsen pro Jahr und die Rückzahlung zum Nennwert (nicht zum aktuellen Kurswert!) erwarten. So könnten Sie nun immer, wenn Sie Geld zur Verfügung haben, eine geeignete Anleihe kaufen und liegen lassen. Dafür brauchen Sie keinen Fonds.

Nicht gerade ein Renditeturbo, aber ohne nennenswert höheres Risiko sind Pfandbriefe. Dies sind immobilienbesicherte Anleihen vor allem von Landesbanken, die sich durch die einfache Handelbarkeit auch für Privatanleger gut eignen. Sie erbringen einen kleinen Renditeaufschlag, der aber deutlich unter einem halben Prozentpunkt liegt. Wenn Sie Ihre Rendite weiter steigern möchten, kommen auch etwas riskantere Anleihen infrage.

Nun könnten Sie Ihr eigenes Portfolio zusammenstellen, indem Sie neben sicheren Staatsanleihen auch renditestärkere Anleihen von Finanzinstitutionen, Unternehmen und/oder in Fremdwährungen kaufen. Probieren Sie es einmal auf Ihrer Lieblings-Infoseite im Internet aus, Alternativen zu finden! Sie werden zum Beispiel auf Anleihen von öffentlichen und privaten Banken stoßen, die etwas, oft aber nur geringfügig mehr Rendite bringen. Informieren Sie sich aber immer auch über das aktuelle Rating des Emittenten und sonstige Bedingungen der Anleihe! Bei Unternehmensanleihen besteht eine größere Auswahl. Hier werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch Anleihen finden, deren Rendite doppelt so hoch ist wie das der Staatsanleihen.

Das ist aber kein Geschenk an Sie, sondern ein Ausgleich für das höhere Ausfallrisiko. Gerade deswegen sollten Sie niemals nur in eine Unternehmensanleihe investieren! Entweder Sie ergänzen ein Staatsanleihen-Portfolio durch einzelne höherverzinsliche Unternehmensanleihen oder Sie entscheiden sich für eine größere Zahl von Unternehmensanleihen, um das Risiko zu streuen. Dann lohnt sich aber auch wieder ein Fonds. Falls Sie nicht ausschließen können, zwischendurch Anleihen verkaufen zu müssen, können Sie das Kursrisiko verringern, indem Sie länger laufende mit Kurzfristanleihen mischen. Ein- und zweijährige haben ein geringeres Zinsrisiko, so dass ihre Kurswerte auch bei Zinsänderungen recht stabil bleiben.

Im Zweifel könnten Sie dann diese verkaufen und die Langläufer im Depot lassen. In Zeiten steigender Zinsen sind Kurzläufer ohnehin erste Wahl! Beachten Sie bei Fremdwährungsanleihen, dass auch die Währungen der Nachbarstaaten erhebliche Schwankungen aufweisen können. So ist beispielsweise die norwegische Krone nicht zuletzt vom Ölgeschäft, das die dortige Wirtschaft dominiert, abhängig. In Osteuropa kann ein gestiegenes Staatsdefizit die Währung regelrecht abschießen, wenn sich Investoren plötzlich zurückziehen. Wer sich auf sichere deutsche Staatsanleihen konzentrieren und es ganz bequem haben will, kann ein Zertifikat auf den RexP kaufen.

Der RexP ist ein Index für den deutschen Rentenmarkt, dessen Kurs den deutscher Staatsanleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten spiegelt. Da alle Laufzeiten enthalten sind, muss beziehungsweise darf man sich darüber keine Gedanken machen. Da die Zinsen in den Index eingerechnet werden, ist ein solches Zertifikat eine Alternative zu einem Rentenfonds, der breit gestreut in sichere Euro-Anleihen investiert. Wohl nicht zuletzt, weil sich mit Lizenzen auf Indizes gut Geld verdienen lässt, hat die Deutsche Börse den RDax kreiert. Sie können sicher ahnen, worum es geht. R steht für Renten, Dax natürlich für den Dax, also geht es um die Anleihen der Dax-Unternehmen.

Wer also an Unternehmensanleihen interessiert ist, kann auch ein Zertifikat auf den RDax kaufen, als Alternative zu einem Fonds. Aber Achtung: Nicht alle Dax-Unternehmen haben herausragende Ratings! Alternativen für Anleger, die wenig Risiko akzeptieren, finden sich auch im Bereich der Discountzertifikate. Um sie kümmern wir uns später noch, da sie aber mit Geldmarkt- und Kurzläuferfonds konkurrieren, seien sie hier schon erwähnt.

Beispiele für Rentenzertifikate
Name WKN
REXP-Zertifikat der WestLB (Laufzeit 2012) 654200
REXP-Zertifikat der DZ-Bank (Laufzeit 2016) 611055
RDAX-Zertifikat von ABN (open end) ABN4CQ

Tabelle 8.9: Beispiele für konservative Discountzertifikate
Name WKN
UBS Vario Yield Zertifikat A0AAQ5
Rolling Discount Zertifikat auf EuroStoxx 50 149544
Nordconcept (Fonds mit Discountzertifikaten + Genussschemen) 701270

Die Variationsbreite von Rendite und Risiko ist bei Unternehmensanleihen am höchsten, so dass sowohl sicherere als auch riskantere Strategien umgesetzt werden können. Anleger müssen hier ähnlich vorsichtig sein wie bei Aktien, denn jeder Emittent weist eigenständige Risikomerkmale auf. Anhand eines Ratings von S&P oder Moody’s erfolgt die Einstufung in eine Risikoklasse, die unmittelbare Auswirkungen auf die Höhe der Zinsen hat. Veränderungen des Ratings während der Anleihenlaufzeit wirken entsprechend auch auf die Kurse.

Kommt das Unternehmen zum Beispiel auf die Idee, sich an einem anderen zu beteiligen, was an der Börse selten gern gesehen wird, reagieren die Ratingagenturen schnell mit einer Rückstufung. Das ist auch logisch, denn meist leidet die Kapitalbasis und damit die Sicherheit der Gläubiger. Wer eine Anleihe besitzt, muss also mit Kursverlusten leben. Für risikofreudige Investoren besteht natürlich die Möglichkeit, in solchen Fällen einzusteigen und auf eine Erholung der Kurse zu hoffen.

Neben unternehmensspezifischen Faktoren spielt auch die Branche eine Rolle. So sind Autohersteller fleißige Anleihenemittenten mit eher überdurchschnittlichem Risiko, die intensiv von Analysten beobachtet werden. Gerät ein Unternehmen in eine Schieflage, werden die anderen in Sippenhaft genommen, denn es könnte sie auch treffen. Der Reiz der höheren Zinsen mag verlockend sein, aber in einem Portfolio sollten solche Klumpenrisiken auf jeden Fall vermieden werden.

Unternehmen, deren Rating (hier nach S&P) unter BBB liegt, gehören zum Speculative Grade, die anderen zum Investment Grade. Viele Fonds orientieren sich stark an diesem Äquator und verdeutlichen damit ihr Risikopotenzial. Anleihen und entsprechend auch Fonds, die im spekulativen Bereich aktiv sind, werden mit High Yield gekennzeichnet. Sie interessieren sich nicht so sehr für Sicherheit und konstante Wertentwicklung, sondern spekulieren darauf, dass es möglichst keine Zahlungsausfälle im Portfolio gibt. Der Lohn ist in guten Zeiten ein deutlicher Renditevorsprung. Privatanleger sollten nur einen kleinen Teil ihres Vermögens hier anlegen.

Während sich die Kurse von Staatsanleihen zumindest teilweise entgegengesetzt zu Aktienkursen verhalten (in Zeiten steigender Leitzinsen funktioniert dies nur eingeschränkt), ist dies bei Unternehmensanleihen noch weniger der Fall. Da das Rating auch die Aktienkurse beeinflusst, laufen beide Wertpapierarten in gewissem Rahmen parallel. Unternehmensanleihen eignen sich daher nicht, um in Baissezeiten sicheres Geld zu verdienen. Klassische Anleihenform, vor allem bei den Staatsanleihen, sind die Langläufer. Das sind Anleihen mit Laufzeiten von ursprünglich bis zu zehn Jahren, inzwischen auch in Deutschland bis zu dreißig Jahren. Je nach Zinsentwicklung sind solche Anleihen ein Instrument der Spekulation oder auch der Absicherung.

Anleger, die zum Beispiel den Renteneintritt im Blickfeld haben, können so langfristig am Startkapital arbeiten. Wenn sie das Geld liegen lassen, müssen sie sich weiter um nichts mehr kümmern, außer um die Wiederanlage der Zinsen. Institutionelle Anleger nutzen sie aber auch gezielt zur Spekulation beziehungsweise zur Absicherung gegenüber dem Aktienmarkt. Langläufer reagieren immer deutlich stärker auf Zinsänderungen (beziehungsweise Zinserwartungsänderungen) als Kurzläufer. Erwartet ein Anleger zum Beispiel eine Verschlechterung der Wirtschaftsaussichten, was zu einer Umschichtung von Aktien in Anleihen führt, dann kann er aufgrund der deutlich anziehenden Kurse der Langläufer kurzfristig Gewinne erzielen.

Sind die Aussichten jedoch gut und steigen die Zinsen, dann gehen die Kurse in die Knie. Kurzläufer reagieren wesentlich schwächer. Bei ihnen können die veränderten Bedingungen ja auch nicht mehr allzu lange wirken. Bei Anlegern sind Langläufer besonders beliebt, wenn Zinssenkungen anstehen. Sie können sich dann entweder noch lange über ihre hohen Zinserträge freuen oder Kursgewinne realisieren. Umgekehrt begeben Emittenten gerne Langläufer, wenn die Zinsen steigen. Dann können sie noch lange von den geringen Zinsen profitieren. Nun können Sie natürlich darüber nachdenken, welcher Anleihetyp kürzlich in Deutschland eingeführt wurde: die dreißigjährige Staatsanleihe, die in anderen Ländern schon lange bekannt ist.

Die Qualität eines Rentenfondsmanagers besteht vor allem darin, innerhalb seines Universums, das zum Beispiel nach Regionen oder Emittenten begrenzt sein kann, die optimale Mischung der Laufzeiten zu erreichen. Einige Fonds sind hier spezialisiert (zum Beispiel langlaufende Staatsanleihen, Kurzläufer). Sie sind aber meist nur für bestimmte Zeiträume gut geeignet. Viele Fonds verstehen sich als universales Anlagevehikel und versuchen marktgerecht zu steuern. Dadurch lassen sich größere Verluste bei Zinssteigerungen vermeiden und der Schwung bei Zinssenkungen nutzen. Anleger sollten gezielt auf die Anlagestrategie
achten, um nicht auf das falsche Pferd zu setzen.

Manchmal geht es schon aus dem Namen hervor, manchmal finden sich nur Andeutungen im Verkaufsprospekt. Im Zweifel sollte man besser einen Rentenfonds wählen, der schon mehr als fünf Jahre auf dem Markt ist und der eine konstante Charakteristik aufweist. Einige Fonds schaffen es durchaus, längerfristig immer in der Spitzengruppe zu sein und hohe Rendite beziehungsweise geringe Schwankungen zu bieten. Achten Sie daher immer auch auf die Volatilität!

Das Menü der Anleihen - Langläufer, Kurzläufer, High Yield und Staatsanleihen29

In Sachen Währungsabhängigkeit ist auf den Unterschied von Europa und Euroland zu achten. Durch die Einführung des Euro spielt es aus Währungssicht keine Rolle mehr, ob eine Anleihe aus Frankreich, Spanien oder Deutschland kommt. Insofern sollte auch nicht gezielt nur nach deutschen Anleihen geschaut werden. Ein Europa- Fonds bringt schon eine gewisse Währungsunsicherheit oder -Chance mit, denn er kann auch Anleihen aus Osteuropa, Großbritannien oder Skandinavien enthalten. Wird der Euro als eher schwächelnd eingeschätzt, kann die Rendite durch umfangreichere Nicht-Euro- Engagements gesteigert werden. Sofern er eher aufwertet, sind solche Engagements gefährlich.

Globale Rentenfonds können solche Chancen noch besser nutzen. Vor allem können sie in bestimmtem Umfang auch Schwellenländer-Anleihen halten. Diese können nicht nur abstürzen, sondern auch kräftig steigen. Prinzipiell waren globale Rentenfonds nicht gerade erfolgreicher. Die Chance auf Währungsgewinne ist zwar prinzipiell ganz schön, aber nicht durchsetzbar, wenn ausgerechnet die eigene Währung steigt. Dann hilft oft nur noch ein Ausweichen auf Schwellenländer-Anleihen, die ein deutlich höheres Währungsgewinnpotenzial aufweisen.

Das Menü der Anleihen - Langläufer, Kurzläufer, High Yield und Staatsanleihen30

Wie im letzten Artikel schon beschrieben, ist Inflation der zentrale Feind des Renteninvestors. Nicht nur, dass seine Erträge real immer weniger wert werden, auch die Zinsen dürften steigen und damit die Kurswerte drücken. Da wäre es doch schön, wenn sich die Anleihebedingungen an die Inflationsrate anpassten. Das gibt es in der Tat, vor allem in Frankreich ist dieser Anleihentyp bekannt. So genannte inflationsindexierte Anleihen haben einen variablen Zinssatz, der an die Inflationsrate gekoppelt ist. Sicher ist Ihnen schon klar, dass das etwas kostet, nämlich Rendite. Die Verzinsung solcher Anleihen ist geringer als bei festem Zinssatz, dafür ist das Risiko geringer.

Inflationsindexierte Anleihen bieten damit einen gewissen Krisenschutz, funktionieren jedoch nicht, wenn die Zinsen bei konstanter Inflation steigen. Dies geschieht, wenn nach einer Niedrigzinsphase bei langsamer Wirtschaftserholung die Leitzinsen wieder auf ein neutrales Niveau steigen. Der Inhaber solcher Anleihen hat dann das Nachsehen. Gegenwärtig kann für diesen prinzipiell interessanten Anleihentyp keine Empfehlung ausgesprochen werden, weil die Inflationsrate gut unter Kontrolle zu sein scheint. Dies mag sich aber irgendwann auch wieder ändern …

Zerobonds
Noch ein besonderer Anleihentyp sind die Zerobonds. Zero steht dabei für null Zinsen, was aber nicht heißt, dass Anleger leer ausgingen. Vielmehr werden die Zinsen nicht laufend gezahlt, sondern der Nennwert wird entsprechend abgezinst. Die Zinszahlungen werden also dazu verwendet, den Kaufpreis der Anleihe zu reduzieren und der Anleger muss sich keine Gedanken darüber machen, wie er die Zinsen reinvestiert. Das Prinzip kennen Sie womöglich von den Bundesschatzbriefen, die zwar eine andere Zinsstruktur aufweisen, aber auch abgezinst verkauft werden. Der besondere Reiz der Zerobonds liegt in der Möglichkeit, sich ein Garantieprodukt selbst zu basteln.

Damit können Sie etwas tun, was es als Zertifikat auch gibt, aber teils kräftig mit Gebühren belastet wird. Viele Anleger wollen nämlich eine Kapitalgarantie haben. Sie haben vielleicht 10 000 Euro zur Verfügung, wollen sie anlegen, aber auf jeden Fall nichts verlieren. Das ist nicht so ganz einfach. Wird von diesen 10 000 Euro ein Zerobond mit dem Nennwert 10 000 Euro gekauft, dann ist das Geld zum Fälligkeitstermin sicher (Kapitalgarantie). Da der Zerobond aber aktuell weniger kostet, müssen beispielsweise nur 8 000 Euro investiert werden. Die restlichen 2 000 Euro können nun spekulativ angelegt werden, zum Beispiel in Aktienfonds oder auch in Optionsscheinen. Aber: Zerobonds werden kaum laufend gehandelt. Es ist also nicht leicht, an sie heranzukommen. Aufgrund der Charakteristik eignen sie sich aber ohnehin eher für eine langfristig geplante Anlage.

Schwellenländeranleihen
Vor nichts wurde in der jüngsten Vergangenheit so viel gewarnt wie vor Anleihen aus den Schwellenländern. Während spätestens seit dem Jahr 2005 in den entwickelten Ländern den Rentenmärkten die Puste ausging, sagte man dies den Schwellenländern auch nach. Aufgrund der Zinserhöhungen vor allem in den USA prophezeite man einen drastischen Abzug liquider Mittel und den Einbruch der Kurse. Vor allem wurde das Ende der so genannte carry trades eingeläutet. Damit wird das Verhalten bezeichnet, in einem Land mit niedrigen Zinsen Geld zu leihen und dieses in Ländern mit hohen Zinsen anzulegen.

In der Niedrigzinsphase in den Jahren 2002 bis 2005 konnte man sich auf dem Niveau der Inflationsraten verschulden und das Geld dann für 15 bis 20 Prozent in Ländern wie Brasilien oder der Türkei anlegen. Da durch die hohen Zinsen auch die Währungen dieser Länder aufwerteten, war dies nicht schlechter als Geld drucken.
Nun kann man sich natürlich vorstellen, was passiert, wenn die Angst aufkommt, das könnte nicht mehr lange so gehen. Im Mai 2006 konnte man dies erleben, als vor allem der brasilianische Real und die Türkische Lira deutlich abwerteten, wenn man diesen Begriff für einen Einbruch um bis zu 50 Prozent noch verwenden kann.

Entsprechend wurden oft die Gewinne eines ganzen Jahres innerhalb von zwei Wochen vernichtet. Es dauerte aber nicht gar so lange, bis sich die Kurse wieder erholten, und zwar in einem Tempo, das man sich vorher Räum denken konnte.
Allerdings gibt es wie immer keine Garantie, dass die Entwicklung so weiter verläuft. Wenn in einem Schwellenland Zinsen von mehr als 15 Prozent zu erzielen sind, dann ist dies verführerisch und stellt auch einen Puffer gegenüber eventuellen Währungsverlusten dar. Das bereits erwähnte Beispiel Argentinien zeigt aber, dass sich die Risiken in einer ganz anderen Größenklasse bewegen. Hier geht es schnell um Totalausfall.

Aufgrund dieses hohen Risikos sollte man vorsichtig sein mit dem Kauf einzelner Anleihen. Es ist schwer einzuschätzen, wie sich Zinsen und Währung in fernen Ländern entwickeln. Außerdem ist die Wahrnehmung eigener Rechte gegenüber den Schuldnern schwer möglich. Glücklicherweise stehen Fonds zur Verfügung, die unterschiedlichen Risikopräferenzen entsprechen und kontinuierlich gute Leistungen bringen.

Beispiele für Schwellenländer-Rentenfonds
Name WKN Besonderheiten
ZZ 1 986462 10 % Ausgabeaufschlag
ABN Amro Global Emerging Markets 988117
Deka-Team-EM Bond 930904
DIT Glob. Opp. Emer. Markets Bonds 986790
JB Multibond Emerging Bond 987567
ISI Emerging Markets Bonds A0BL09

Genussscheine
Wir sind noch nicht am Ende der Anleihentypen. So fehlen zum Beispiel noch die Genussscheine, die einen ganz besonderen Status haben. Sie sind zwar Anleihen mit einer festen Verzinsung, jedoch ist diese nicht sicher. Sie wird nämlich nur gezahlt, wenn das Unternehmen Gewinne erzielt. Dieses Risiko wird durch einen etwas höheren Zins ausgeglichen. Die meisten Genussscheine werden von Finanzinstitutionen/Banken begeben, die Auswahl ist insgesamt nicht besonders groß. Zudem kann die Furcht vor Gewinneinbrüchen kurzfristig zu drastischen Kursverlusten bei den Genussscheinen führen. Gegenwärtig muss man bei diesem Anleihentyp eher zur Vorsicht mahnen; es kann durchaus sein, dass er kurzerhand an Beliebtheit verliert und die Kurse einbrechen.

Beispiele für Genussscheinfonds
Name WKN Besonderheiten
DWS Inter Genuß 849098
Genußscheinfonds ADIG 978691
DWS Euro Spezial 976971

Wandelanleihen
Die vielleicht spannendste Art der Anleihe ist die Wandelanleihe. Die Konstruktion ist ausgesprochen pfiffig- Hauptbestandteil ist eine Anleihe mit geringer oder ohne Verzinsung. Sie wird ergänzt durch eine Option, zum Laufzeitende die Aktie zu einem bestimmten Preis zu beziehen. Steigt der Aktienkurs deutlich, ist die Wandelanleihe ein gutes Geschäft, denn der Anleger bekommt die Aktie zu einem sehr günstigen Kurs. Geht die Aktie in den Keller, ist noch nichts verloren. Es bleibt ja die Anleihe, wenn auch mit geringen Zinsen. Da der Wert der Option kontinuierlich schwankt, ergeben sich während des Börsenhandels der Aktie stets neue Kurse. Sie verändern sich mit dem Aktienkurs, allerdings sind die Ausschläge geringer.

Man kann also von einem Zwitter oder besser einem Kompromiss aus Kurschance und -risiko sprechen. Allerdings ist das Anlegen mit Wandelanleihen letztlich auch doppelt so schwierig wie mit Aktien oder Renten alleine. Man muss nämlich an die Entwicklung auf beiden Märkten denken und vor allem die Emissionsbedingungen verstehen. Es gibt Wandelanleihen, die recht schnell als günstig angesehen werden, bei anderen ist die Einschätzung der Vorteilhaftigkeit aber so schwer, dass man schnell danebenliegt. Eine ganze Reihe von Hedgefonds arbeitet mit Wandelanleihen und versucht solche zu finden, deren Bedingungen zu günstig konstruiert sind. Mit diesen lässt sich dann ein gutes Geschäft machen. Jetzt können Sie sich als Privatanleger vorstellen, mit welcher Wahrscheinlichkeit Sie solche Anleihen vor den Berufsexperten finden?!

Weitere Probleme des Handels mit Wandel-(oder auch: Umtausch-) anleihen sind das geringe Angebot und die teils hohen Nennwerte. Vielfach sind es problematische Unternehmen, die Wandelanleihen begeben. Sie könnten Schwierigkeiten haben, eine normale Anleihe zu einem angemessenen Zinssatz zu begeben. Dann haben die Wandelanleihen einen ähnlich spekulativen Charakter wie Aktien. Der Kauf einer einzelnen Wandelanleihe sollte daher gut überlegt sein. Sieht man sich die verschiedenen Wandelanleihenfonds an, dann verheißt dies nichts Gutes. Während es nicht schwer ist, gute Renten- oder Aktienfonds zu finden, gibt es bei den Wandelanleihen nur wenige Manager, die es verstehen, in guten Aktienmarktzeiten eher auf die spekulative Komponente zu setzen und in guten Rentenmarktzeiten den Rentenanteil stärker auszuspielen.

So gibt es zwar Fonds, die in Aufschwungphasen mit dem Aktienmarkt gut mithalten können, aber im Abschwung auch wieder Gewinne abgeben. Ob er gut ist, zeigt sich erst nach einem ganzen Konjunkturzyklus. Die Liste möglicher Empfehlungen ist deshalb auch gering und bezieht insbesondere Japan ein, wo es viele solcher Anleihen gibt. Wenn Sie selbst nach entsprechenden Fonds recherchieren, dann sollten Sie sich nicht von hohen Wertsteigerungen in Aufschwungphasen blenden lassen. In den Jahren 2003 bis 2005 Gewinne zu erzielen, war kein Problem. Fonds, die in dieser Zeit gut waren, hatten aber oft vorher deutliche Einbrüche zu verzeichnen. Dann muss man sich aber fragen, ob nicht ein Aktienfonds langfristig doch besser ist.

Beispiele für Wandelanleihenfonds
Name WKN Besonderheiten
Lilux II Convert 986275 investiert weltweit, ausgewogen gemanagt
RMF Convert Japan 986577 investiert in Japan, ausgewogen gemanagt
Japan CB Universal 848375 investiert in Japan, sehr konservativ gemanagt
Nordcumula 848495 investiert weltweit, sehr konservativ gemanagt

Welches Produkt für welchen Anleger?
Anleger, die entweder ihr ganzes oder auch einen wesentlichen Teil des Depots mit Renten ausstatten wollen, können sich an folgendem Schema orientieren:

Das Menü der Anleihen - Langläufer, Kurzläufer, High Yield und Staatsanleihen31

Hauptaufgabe für Anleger, Risikostreuung – die richtige Aktie finden

Wer mit dem Ziel des langfristigen Vermögenszuwachses investiert, muss neben den Gewinnpotenzialen auch an die Risikostreuung denken. Die Aktie eines einzelnen Unternehmens kann durch mehr oder weniger zufällige Ereignisse unter Druck geraten, und zwar nicht nur kurzzeitig. Die Telekom-Aktie ist sicher das traurigste Beispiel, aber auch mit TUI, Zapf Creation und in weiten Bereichen Siemens konnte man in der letzten Zeit an der Börse nicht glücklich werden. Wenn man gleichzeitig sieht, dass sich deutsche und europäische Indizes deutlich positiver entwickelt haben, dann sollte klar sein, dass Streuung unabdingbar ist.

Es stellt sich nun. die Frage, wie viele Aktien man braucht, um Risiken abfedern zu können. Die Frage hängt letztlich auch davon ab, ob Aktien nur eine kleine Ergänzung zu einem rentenlastigen Depot darstellen, oder ob nur in Aktien investiert wird. Eine eindeutige Antwort lässt sich nicht geben, weil es auch auf den Anlagestil ankommt. Wer sich zu den Value-Investoren zählt, also in ausgesprochen billige Aktien investiert, muss weniger Risiken abfedern als jemand, der auf Wachstumsunternehmen setzt. Sieht man sich gute Fonds an, dann stellt sich heraus, dass 30 bis 40 Aktien für eine angemessene Risikostreuung ausreichen. Schließlich muss man auch entsprechend Zeit für Recherche aufwenden und Transaktionskosten bedenken.

Zyklische Unternehmen, deren Gewinn stark mit der Konjunktur schwankt, erleben mit der Konjunkturentwicklung deutliche Kursbewegungen nach oben wie nach unten. In einer Rezession bricht auch ihr Geschäft ein und die Aktien stoßen auf nur geringes Interesse. Hierzu gehören zum Beispiel Technologieunternehmen, Autohersteller und Banken. Konsequenterweise bieten sie sich nur in Aufschwungphasen als Investitionsziel an. Da alle Anleger so denken, gibt es die hohen Schwankungen.

Bei Nicht-Zyklikern sieht es anders aus. Sie schwanken zwar auch mit der Konjunktur, aber geringer. Hierzu gehören zum Beispiel Lebensmittelhersteller, Versicherer, Versorger oder Pharmaunternehmen. Wer sich stärker im zyklischen Bereich engagieren möchte, kann durch Nicht-Zykliker einen Risikoausgleich erreichen. Weiterhin gibt es Branchen, die tendenziell zum Beginn des Konjunkturzyklus gut laufen, während andere erst dann Fahrt aufnehmen, wenn persönliche Einkommen gestiegen sind und Arbeitsplätze geschaffen wurden. Die Investitionsgüterindustrie ist recht früh dabei, weil die Unternehmen mit Beginn des Aufschwungs investieren. In Gehältern und Arbeitsplätzen schlägt sich die Konjunktur erst später nieder, so dass Konsumgüterhersteller später profitieren.

Mit Risikostreuung nichts zu tun haben Unternehmen aus Branchen, die sich gerade in Mode befinden oder über eine Sonderkonjunktur verfügen. Dies ist zum Beispiel bei Internet-, Bio- oder Nanotechnologieunternehmen der Fall. Die Kurschancen und -risiken sind hierbei immens und können nicht sinnvoll abgefedert werden. Besser sieht es mit der Rohstoffbranche aus, weil sie zu fast allen anderen Branchen Berührungspunkte hat.

Auf der Suche nach Kurssprüngen, Übernahmen und Verkäufe – die richtige Aktie finden

Sicher haben Sie schon davon gehört, dass eine Aktie einen kräftigen Satz nach oben macht, wenn ein Übernahmeangebot vorliegt. Dies ist das beste aller Szenarien für den Anleger, denn er erhält innerhalb kürzester Zeit eine erkleckliche Zusatzrendite. Es lohnt sich mitunter, auf eine Übernahme zu spekulieren, auch wenn man sonst wenig Interesse an dem Unternehmen hat. Der Käufer interessiert sich meist nur für ein Unternehmen, wenn er den Aktienkurs für zu niedrig hält. Der angebotene Kurs, zu dem die Aktionäre ihre Anteile verkaufen können, muss auf einem Niveau liegen, mit dem diese auf absehbare Zeit nicht rechnen. Sonst wäre es auch nicht attraktiv, zu verkaufen. Schon die Ankündigung eines Kaufangebots führt zu einem sofortigen Anstieg der Kurse auf etwa dieses Niveau.

Damit ergibt sich die erste Möglichkeit, zu verkaufen, denn wer weiß, was noch passiert… Aber auch nach Bekanntgabe des Angebots und dem entsprechenden Kurssprung steigen noch Anleger ein, unter anderem auch Fonds. Sie rechnen damit, dass das Angebot noch einmal nachgebessert wird. Die erste Reaktion aus dem zu übernehmenden Unternehmen ist nämlich immer, dass der Kurs viel zu niedrig sei. Falls Sie schon im orientalischen Basar gekauft haben, dann wissen Sie, was hier passiert. Sie können sich nun auf den Weg machen, geeignete Übernahmekandidaten zu finden, und deren Aktien kaufen. Damit wären Sie allerdings nicht alleine und es ist auch nicht gerade der sichere Weg zur Rendite. In der Regel ist es eher Zufall, wenn es wirklich zur Übernahme kommt.

Wem gehört das Unternehmen eigentlich?
Es gibt Anleger, die achten erst einmal darauf, wer eigentlich der Eigentümer ist. Besonders Unternehmen in Familienbesitz haben einen guten Ruf und oft eine etwas bessere Kursentwicklung aufzuweisen. Der Grund liegt auf der Hand: Der Eigentümer ist finanziell und emotional an das Unternehmen gebunden, interessiert sich für den langfristigen Erfolg und nicht nur für das nächste Jahr. Kursverluste schmerzen ihn besonders, weil er nicht nur eine Handvoll Aktien besitzt, sondern teilweise die Mehrheit.

Es muss aber nicht gleich um einen Mehrheitsaktionär gehen. Mit mehr als 20 Prozent besitzt ein Aktionär eine Sperrminorität und damit maßgeblichen Einfluss auf das Unternehmen. Er könnte geneigt sein, seine Anteile zu verkaufen oder auch aufzustocken. Seine Intention kann den Aktienkurs maßgeblich beeinflussen. So führten etwa 2005/2006 die Zukäufe von Madeleine Schickedanz bei Karstadt oder von Porsche bei Volkswagen zu zusätzlicher Nachfrage und damit steigenden Kursen. Andersherum werden Kurse negativ beeinflusst, wenn Anteilseigner aussteigen wollen. Dies war und ist etwa bei der Auflösung von Beteiligungen durch Versicherungen und Banken der Fall, sofern die Aktien nicht bei den eigenen Fonds eingebucht werden.

Informationen für die Bewertung
Für eine erste Einschätzung einer Aktie gibt es ausreichende Informationen im Internet. So finden Sie bei vielen Tageszeitungen und den schon erwähnten Infodienstleistern und natürlich auch Ihrer Direktbank die wichtigsten Kennzahlen. Die Angaben sind nicht immer vollständig, manchmal auch schlichtweg falsch, so dass man wohl oder übel mehrere Quellen miteinander vergleichen muss.
An dieser Stelle sollen für die Unternehmen Beiersdorf und BASF die erwähnten Kennzahlen gezeigt werden. Ein direkter Vergleich der Unternehmen bietet sich nicht an, weil es sich um ganz unterschiedliche Branchen handelt. Unterschiede gibt es nicht nur bei den Bewertungsniveaus, sondern auch in der Aktionärsstruktur.

Bei der BASF befinden sich fast alle Aktien im Streubesitz, das heißt die Anteile einzelner Aktionäre liegen unter fünf Prozent. Beiersdorf gehört im Wesentlichen zu Tchibo, kaum mehr als ein Fünftel der Aktien wären über die Börse verfügbar. Fraglich ist, ob die Allianz dauerhaft an ihren Beteiligungen festhält, hier könnten gegebenenfalls Aktien auf den Markt geworfen werden.

Auf der Suche nach Kurssprüngen, Übernahmen und Verkäufe - die richtige Aktie finden34

Übrigens können Sie hier auch erkennen, ob Fondsgesellschaften in größerem Umfang (meldepflichtig sind Anteile über fünf Prozent) eingestiegen sind. Das könnte für eine langfristig positive Einschätzung der Ertragslage sprechen. Sie können zum Beispiel auch auf Seiten wie Onvista oder Comdirect die Fonds an- zeigen lassen, bei denen die Aktie unter den Top Ten ist, soweit veröffentlicht. Auch dies ist ein Indikator für professionelles Interesse an der Aktie.

Problemfaktor Transaktionskosten – die richtige Aktie finden

Bedenken Sie bei allem auch die Transaktionskosten. Wenn Sie ein Depot bei einer Filialbank unterhalten, dann müssen Sie bei einer Order über 2 000 Euro für den Kauf mit circa zwei Prozent Kosten rechnen, für den Verkauf noch einmal. Wenn Sie ein Online- Depot haben, kommen Sie mit der Hälfte oder sogar weniger aus. Insgesamt gehen aber vier beziehungsweise rund zwei Prozent der Kursentwicklung verloren. Wenn Sie an die oben gezeigten Durchschnittsrenditen um zehn Prozent denken, dann stellen die Transaktionskosten schon eine erhebliche Renditeminderung dar.

Folgende Kostenpositionen müssen Sie bedenken:
• Kauf-Verkaufsgebühr der Bank
• Maklerprovision/Courtage
• Spread (Differenz aus An- und Verkaufskurs)
• Depotgebühren

An den Spread denkt kaum jemand, dabei kann er gerade bei kleinen Werten eine ganze Menge Gewinn aufessen. Während großkapitalisierte Werte (zum Beispiel aus dem Dax oder DJ EuroStoxx 50) normalerweise unter einem zehntel Prozent liegen, können kleinere Exoten, insbesondere an ausländischen Börsen, schon mal auf 20 Prozent und mehr kommen. Das heißt, dass Sie in einem solchen Fall erst nach circa 25 Prozent Kurssteigerung einen Gewinn erzielen!

Der Gewinn pro Aktie und Kurs-Buchwert-Verhältnis – die richtige Aktie finden

Aktien können auf vielfältige Weise einer Beurteilung unterzogen werden. Manchmal hat dies eher etwas mit länderspezifischen Eigenarten zu tun, manchmal sind es auch persönliche Präferenzen. Oft hat es aber auch etwas mit der Branche zu tun. Sie können sich sicher vorstellen, dass ein Dienstleister kaum mit einem Produzenten vergleichbar ist. Ersterer hat wahrscheinlich viel weniger Substanz im Sinne von Vermögen wie Gebäuden und Maschinen, so dass eine Kennzahl wie das Kurs-Buchwert-Verhältnis, die genau hierauf abzielt, nicht für einen Vergleich geeignet ist. Zudem ist die Situation bei Banken wieder ganz anders als in der Industrie, so dass Kennzahlenvergleiche hier wenig helfen.

Der Gewinn pro Aktie: Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
Das Wichtigste an der Unternehmenstätigkeit ist der Gewinn. Insofern liegt es nahe, zuerst auf diesen zu achten und nachzusehen, wie das Verhältnis von Gewinn pro Aktie und Aktienkurs ist. Da der Gewinn als zentrale Erfolgsgröße auch immer kommuniziert wird, ist es leicht, das KGV zu berechnen. Die Aussage ist: Dem wie vielfachen Jahresgewinn (pro Aktie) entspricht der Kurswert? Liegt das KGV bei 15, dann dauert es 15 Jahre, bis das Unternehmen den Aktienkurs erarbeitet hat. Anders gerechnet entspricht der Gewinn bei einem KGV von 15 einer Rendite von 6,67 Prozent (100:15).

Man kann nun einen Vergleich mit den Renditen am Rentenmarkt anstellen. Danach sind Aktien als günstig einzustufen, solange deren Rendite höher ist als die von Staatsanleihen (so genanntes FED-Modell). Diese Rechnung darf man allerdings nicht allzu genau nehmen, da der Gewinn ja nicht ausgeschüttet wird, im Gegensatz zu den Zinsen, und der Aktionär einen ganz anderen Status hat als ein Fremdkapitalgeber. So wird seit Jahren von interessierter Seite argumentiert, die Aktienkurse könnten in Anbetracht der geringen Zinsen noch kräftig steigen. Darauf gehört haben die Anleger indes nicht. So kommen die KGV der etablierten Märkte gegenwärtig nicht einmal an ihre historischen Durchschnitte heran, die in der Größenordnung von 14-15 liegen, in den USA etwas darüber.

Das KGV muss immer auch branchenspezifisch gesehen werden (an die Ausnahme für Japan wurde bereits erinnert). So sind bei Konsumgüterherstellern, vor allem im Bereich der Luxusgüter, KGV von 20 und mehr nicht ungewöhnlich, während Banken und Versicherungen häufig um 9-12 liegen und Energiewerte teilweise noch darunter. Ausschlaggebend dafür sind verschiedene Faktoren, nicht zuletzt auch Gewohnheit. Vor allem muss überlegt werden, ob es den Unternehmen gelingt, noch weiter zu wachsen, und zwar bei den Gewinnen. Besteht Vertrauen in die Wachstumsfähigkeit, dann werden höhere KGV akzeptiert, weil der Unternehmensgewinn entsprechend nachzieht. Stößt ein Unternehmen an natürliche Grenzen oder unterliegt es besonderen Risiken, wird ein Abschlag auf das durchschnittliche KGV verlangt.

Beispielsweise stiegen die Gewinne der Ölunternehmen 2005 und 2006 im Zuge der Ölpreissteigerungen kräftig. Die KGV blieben jedoch meist unter 10, weil Anleger letztlich damit rechneten, dass der Ölpreis wieder sinken würde. In der Vergangenheit war er immer ein zyklischer Wert mit Hochs und Tiefs, aber eben auch einer oberen Grenze. Anfang 2007 zumindest hatte man mit dieser Annahme Recht. Prinzipiell gilt: je niedriger das KGV, desto besser. Es gibt aber auch Fälle, in denen selbst ein Wert um 10 nicht mehr zu helfen scheint.

So kam die Deutsche Telekom bis Herbst 2006 von ihrer Value-Bewertung mangels Vertrauens in die weitere Entwicklung nicht weg, bei TUI werden vor allem Belastungen durch eine möglicherweise falsche Akquisitionspolitik gesehen. Gerade Unternehmen, die sich anschicken, auf Einkaufstour zu gehen, werden schnell durch massive Verkäufe abgestraft. Wenn sich die finanzielle Belastung auf den Gewinn durchschlägt, schnellt das KGV in die Höhe und der niedrige Kurs erscheint wieder gerechtfertigt.

Auf der Suche nach Substanz: Kurs-Buchwert- Verhältnis (KBV)
Gewinne eignen sich nicht immer als Bewertungsmaßstab, besonders dann nicht, wenn es keine gibt. Prinzipiell muss man nicht gleich alle Aktien verkaufen, wenn es mal ein Verlustjahr gibt. Für Anleger ist auch wichtig, was als Haftungsmasse der Marktkapitalisierung entgegenstellt wird. Die Frage ist: Bekäme der Aktionär sein Geld zurück, wenn die Vermögensgegenstände des Unternehmens verkauft würden? Ein geringes KBV spricht für ein hohes Maß an Substanz, die ein Sicherheitspolster für schlechte Tage darstellt.

Beispielsweise verfügte die Karstadt Quelle AG in der Krisenzeit 2004/2005 noch über etliche Grundstücke und Gebäude, durch die das KBV recht niedrig war. Für Anleger bedeutete das die Sicherheit, die das Geschäftsergebnis nicht bieten konnte. Einige kauften im Vertrauen darauf, dass der Kurs kaum weiter sinken könnte. Mit dem Verkauf der Immobilien 2006 ging diese Sicherheit verloren. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Branchen wieder sehr groß. Ein Industrieunternehmen mit großen Produktionsanlagen und Maschinen hat immer ein höheres Vermögen als ein Medienunternehmen. Man kann die KBV daher nicht vergleichen, schließlich könnte es auch sein, dass man mit den Produktionsanlagen nichts Marktfähiges mehr herstellen kann.

Die Finanzkraft des Unternehmens: Kurs-Cashflow- Verhältnis
Der Gewinn ist zwar die offizielle Ertragsgröße, die sich auch leicht im Jahresabschluss finden lässt, der Cashflow ist aber im Hinblick auf die Finanzstärke des Unternehmens aussagefahiger. Probleme machen beide Größen: Der Gewinn wird durch gesetzliche Vorgaben beeinflusst und dient letztlich der Steuerbemessung, der Cashflow ist so gut wie nicht reglementiert und wird unterschiedlich berechnet. Seine Aussage soll sein: Welche finanziellen Mittel fließen dem Unternehmen zu? Diese kann es frei verwenden; je mehr es davon hat, desto besser.

Meist ist der Cashflow höher als der Gewinn, so dass die KCV niedriger als die KGV sind. In Zeiten größerer Akquisitionen oder Verkäufe kann es hohe Schwankungen geben, aus dem Jahresabschluss lässt sich meist recht gut herleiten, was mit dem Geld geschehen ist. Werte unter 8 können als günstig angesehen werden. Wie der Verfasser zu betonen nicht müde wird, handelt die Börse die Zukunft. Das KGV des abgelaufenen Jahres ist uninteressant, am liebsten wüsste man, wie es in ein oder zwei Jahren aussieht. Wichtig ist ja, dass man später noch einen Käufer für die Aktie findet. Wenn irgendwo das KGV angegeben wird, dann bezieht sich das meistens auf das aktuelle Jahr, dessen Gewinn man noch nicht kennt. Daher findet sich hinter der Angabe meist ein (e) für estimated. Diese Schätzung kann sich als falsch herausstellen, was man im Vorfeld natürlich noch nicht weiß.

Das KGV der Zukunft: Price-Earnings-to-Growth-Ratio (PEG)
Um noch etwas weiter in die Zukunft zu schauen, wird mit Hilfe der Gewinnsteigerungsrate eine weitere Kennzahl berechnet, die PEG. Das ist das Kursgewinnwachstumsverhältnis. Hierbei wird das KGV durch die Gewinnwachstumsrate geteilt. Im Grunde genommen soll es das langfristige Gewinnwachstum sein, was schwer zu schätzen ist. Sie finden bei den Infodienstleistern daher meist eine Schätzung für das nächste Jahr.

Je niedriger die PEG ist, desto besser ist es.
Beispiel: Das KGV für 2007 liegt bei 10, der Gewinn steigt 2007 um 40 Prozent, dann ist die PEG = 0,25 (10 : 40). Liegt das KGV bei 15, das Gewinnwachstum bei to Prozent, dann kommt man auf eine PEG von 1,5. Faustregel: Eine PEG unter 1 ist als günstig anzusehen.

Ganz einfach gerechnet: Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)
In manchen Fällen klappt es mit den anderen Kennzahlen nicht so recht, weil entweder nicht die richtigen Informationen vorliegen oder gar kein Gewinn vorhanden ist. Zudem ist ebendieser, wie gesagt, kein objektives Maß. Dann bietet es sich an, den Umsatz zum Maßstab zu machen. Das sollte aber nur eine Notlösung sein, denn Unternehmen, die nur Umsatz machen und keinen Gewinn, sind nicht wirklich attraktiv. Die Berechnung des KUV ist einfach: Aktienkurs : Umsatz pro Aktie.
Das KUV kann zum Beispiel bei sehr Wachstums starken Unternehmen eingesetzt werden, die noch keinen Gewinn und wenig Vermögen haben. Allerdings entsteht dadurch schnell eine Bewertungsblase, wenn sich auch auf Dauer kein Gewinn einstellt.

Die Auswahl von Aktien – die richtige Aktie finden

Um geeignete Aktien zu finden, muss man sich mit drei Fragen auseinandersetzen:
1. Wie ist das wirtschaftliche Umfeld des Unternehmens? – Volkswirtschaftliche Analyse
2. Wie viel ist eine Aktie des Unternehmens wert? – Fundamentale Analyse
3. Wie ist die technische Situation der Aktie? – Technische Analyse

Das wirtschaftliche Umfeld ist der Nährboden für die Ertragsentwicklung der Unternehmen und natürlich auch für die Stimmungslage an der Börse. Gehen die Marktteilnehmer von einem Rückgang der wirtschaftlichen Leistung aus, werden politische oder wirtschaftliche Krisen erwartet, dann wird allgemein nicht mit einer Gewinnsteigerung oder auch nur -erhaltung gerechnet. Zwar können einzelne Unternehmen davon profitieren, doch ist diese Aussicht meist recht vage. Zudem werden fundamentale wirtschaftliche Daten noch einmal psychologisch eingetrübt, weil die Anleger sich allgemein von der Börse abwenden.

Ohne einen realen oder zumindest zu erhoffenden Aufschwung hilft auch eine an sich billige Aktie nicht mehr. Schon bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Lage gibt es erhebliche Interpretationsspielräume, bei einzelnen Aktien ist es meist noch viel schlimmer. So müssen fundamentale Daten nicht nur richtig interpretiert werden, man benötigt auch einen Konsens bei der Verwendung von Kennzahlen. So scheinen prinzipiell japanische Aktien sehr teuer, wenn auf das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) geachtet wird. Das macht man in Deutschland aber mehr als in Japan.

Auf KGV-Basis hätte es den dortigen Kurssprung 2005 nicht geben dürfen, weil die Aktien einfach zu teuer waren. Achtet man auf das Kurs-Buchwert- oder Kurs-Cashflow-Verhältnis, sieht die Sache wieder anders aus. Man muss also stets verstehen, wie der Markt tickt, das heißt worauf die Anleger achten. Fundamentale Bewertung ist eine feine Sache, denn sie stellt sicher, dass sich langfristig alle Aktien einem fairen Wert nähern. In der Praxis funktioniert das allerdings nicht. Gründe gibt es viele: Zum einen sind es die vielen Anleger, die sich herzlich wenig Gedanken über fundamentale Kennzahlen machen, sondern das kaufen, was gerade läuft.

Sie achten einfach nur auf Trends und sie gehen mit, so lange es geht. Zum anderen sind es die vielfach unterschiedlichen Interpretationen der Fundamentaldaten. Während der eine absolut niedrige Bewertung sieht, ahnt der andere ein besonderes Risiko im Hintergrund und lässt die Finger von der Aktie. Eine günstige Situation für Kurssteigerungen ist das nicht. Und schließlich darf man nicht vergessen, dass die Zahl der rein wertorientierten Investoren nicht sonderlich groß ist, die meisten Anleger sind Herdentiere, die sich sagen Was alle machen, kann nicht falsch sein. Im ersten Halbjahr 2006 sank die Zahl der Aktionäre in Deutschland deutlich, und zwar um 900000 auf knapp unter 10 Mio. (Zahlen: Deutsches Aktieninstitut).

Zurückgeführt wurde der Rückgang auf die deutlichen Kursverluste an der Börse seit Anfang Mai und die Diskussion über die Einführung der Abgeltungssteuer. Da letztere erst eineinhalb Jahre später eingeführt werden sollte und im Zuge der Börseneuphorie 1999/2000 3,5 Mio. neue Aktionäre zu verzeichnen waren, spricht auch dies für den Herdentrieb. Steigen die Kurse, will man dabei sein, fallen sie, will man schnell wieder raus. Da die Herde immer schon unterwegs ist, bleibt diesen Anlegern nichts anderes übrig, als teuer zu kaufen und billig zu verkaufen. Sie spielen damit den Profis in die Hände, die kaufen, wenn es billig ist.

Ein Indikator dafür ist das bereits erwähnte Insider-Barometer. Es zeigte im Sommer 2006 deutlich ein Ansteigen der Käufe von Insidern, was die Aktien des eigenen Unternehmens angeht. Sie nutzten die Kursrückgänge, um sich günstig einzudecken. Nicht weniger deutlich ist als fundamentaler Indikator das Kurs- Gewinn-Verhältnis im Dax. Auch zu den Höchstständen im April 2006 waren die Aktien des Dax noch sehr günstig bewertet. Auch wenn niemand die Verhältnisse um das Jahr 2000 herbeisehnt, so muss man das Niveau immer noch als so günstig ansehen, dass Panik wegen eventueller Gefahren nicht sinnvoll ist. Nach dem Kursrutsch lag das KGV schon wieder unter 12, was nun wirklich nicht gegen Aktien spricht.

Was haben die Anleger aber gemacht? Sie kauften Renten(fonds), und das in Zeiten steigender Zinsen! Hätte man sich einmal die Kursentwicklung der letzten zwei Jahre angesehen, hätte man sich fragen müssen, wie man mit Renten ausgerechnet in dieser Zeit Geld verdienen will. Möglicherweise mag der eine oder andere an eine Trendumkehr kurz nach seinem Einstieg gedacht haben – aber warum denkt man das bei Renten und nicht bei Aktien?

Die Auswahl von Aktien - die richtige Aktie finden33

Mit der volkswirtschaftlichen Analyse werden wir uns auch noch in Artikel 12 beschäftigen. Die dort vorgestellten Kriterien sind nun auf einzelne Aktienmärkte anzuwenden. Sie sollten sich einen Eindruck davon verschaffen, ob das Umfeld als günstig einzustufen ist oder nicht. Ein Risikofaktor, der als besonders relevant einzustufen ist, kann einen Kurs so deutlich beeinflussen, dass Panikreaktionen ausgelöst werden. Beispiele sind Unternehmen aus dem Bereich der alternativen Energien, die von politischen Entscheidungen abhängen. Beachten Sie auch, dass nicht nur das Heimatland des Unternehmens relevant ist, sondern auch die Absatzmärkte. Viele deutsche Industrieunternehmen erzielen nur noch rund ein Fünftel ihrer Umsätze in Deutschland, so dass mitunter die Konjunktur in Europa, Asien oder Amerika viel wichtiger ist.