Börse für Anfänger – Reichsein ist nicht einfach

Reichtum macht ein Herz schneller hart als kochendes Wasser ein Ei, sagt der Volksmund. Mag sein. Aber der Mensch strebt, solange er lebt, gerade nach materiellem Wohlstand. Ist ja nichts Verwerfliches, denn: Der Geist denkt, das Geld lenkt. Und da greifen gerade die am heftigsten in den Lenker, die behaupten, eine besonders feine Nase fürs Reichsein und -werden zu haben, die Vermögensverwalter. In dieser ebenso gediegenen wie manchmal dubiosen Sparte steht das amerikanische Finanzhaus Merrill Lynch fast uneinholbar auf Platz eins.

Die von Merrill Lynch verwalteten Vermögenswerte liegen bei 1,7 Billionen Dollar. Alles, was danach kommt, ist weit abgeschlagen. Der Branchenzweite UBS ist in diesem Bereich fast viermal kleiner, die verwalteten Vermögen betragen insgesamt nur 426 Milliarden Dollar. Da Merrill Lynch weltweit aber immerhin sechs Millionen Kunden betreut, ist das durchschnittliche Vermögen mit etwas über 280 000 Dollar rein statistisch nicht so groß. Da steht UBS schon viel besser da. Hier bringt jeder der 250 000 Kunden im Durchschnitt 1,7 Millionen Dollar mit. Und ganz vornehm ist die Kundschaft bei Goldman Sachs. Dort betreut man in der Vermögensverwaltung zwar nur 15 000 Kunden, die haben es aber ganz dicke. Jeder schob durchschnittlich mehr als 18 Millionen Dollar über den Tresen und erwartet nun, dass sie sich auch überdurchschnittlich gut vermehren. In dem von Merrill Lynch und der Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young vorgelegten German Wealth Report 2000, einer von mehreren Studien über den Reichtum in Deutschland und damit über die potenzielle Klientel, kommen die Finanzmanager zu dem Ergebnis, dass es in Deutschland 365 000 Menschen mit einem Geldvermögen von mehr als einer Million Euro gibt. Insgesamt gehören ihnen mehr als zwei Milliarden Euro oder 25,7 Prozent des deutschen Vermögens. Zu den Ultrareichen gehören 3 700 Deutsche mit einem Geldvermögen von mehr als 30 Millionen Euro pro Kopf.

Bezieht man diese Zahlen einmal auf die Gesamtbevölkerung, dann muss man feststellen, dass 0,5 Prozent der deutschen Bevölkerung immerhin 25,7 Prozent des Vermögens gehören, und schaut man noch genauer hin, so zeigt sich, dass 5 Prozent der Bevölkerung insgesamt sogar über 46 Prozent des Vermögens verfügen. Das heißt, 95 Prozent der Deutschen, also die überwiegende Mehrheit, müssen sich mit den restlichen 54 Prozent des vorhandenen Vermögens begnügen. Wer das jetzt für ungerecht hält, kann getröstet werden, denn die Situation hat sich schon deutlich gebessert. In der Zeit von 1996 bis 1999 kamen immerhin 52 000 Euro-Millionäre dazu, das entspricht einem Wachstum von 5,3 Prozent pro Jahr. Allerdings ist das Vermögen der Vermögenden im Zeitraum von 1996 bis 1999 mit 10 Prozent pro Jahr erheblich schneller gewachsen als das Einkommen der arbeitenden Klasse. Wenn man böswillig ist, könnte man es auf den Nenner bringen: Arbeit lohnt sich nicht mehr, es sei denn, man lässt das Geld arbeiten.

Weltweit ist die Situation natürlich noch viel krasser. Da gibt es 7 Millionen Dollar-Millionäre und über 55 000 Ultrareiche, die mehr als 30 Millionen Dollar Finanzvermögen besitzen. Die 225 reichsten Personen auf der Welt verfügen über ein Gesamtvermögen von über einer Billion Dollar, das entspricht dem jährlichen Einkommen der ärmsten 47 Prozent der Weltbevölkerung, also immerhin 2,5 Milliarden Menschen. Von diesen 225 Ultrareichen leben 60 in den Vereinigten Staaten, 14 in Japan und 21 in Deutschland. Wer das in Deutschland alles ist, hat freundlicherweise das Manager Magazin im Januar 2001 aufgelistet. Auf Platz 1 stehen die Gebrüder Karl und Theo Albrecht, die es mit ihren Aldi-Märkten geschafft haben, seit den sechziger Jahren immerhin 20 Milliarden Euro zusammenzutragen. Weitaus weniger bekannt sind die Familien von Baumbach/Boehringer und Engelhorn. Alle drei haben mit Pharmaprodukten ihr Vermögen gemacht. Die Familien von Baumbach und Boehringer (Boehringer Ingelheim) verfügen über 16 Milliarden Euro und die Familie Engelhorn (Boehringer Mannheim) über 10 Milliarden.

Die weiteren Plätze der deutschen Top-Ten-Liste werden von Reinhard Mohn (Bertelsmann), der Familie Herz (Tchibo, Reemtsma), der Familie Otto (Otto Versand), der Familie von Siemens (Siemens), Susanne Klatten, geborene Quandt (BMW und Altana), Erivan Haub (Tengelmann) und Otto Beisheim (Metro) besetzt.

Wenn Sie einen dieser Superreichen auf der Straße träfen, Sie würden ihn nicht erkennen, denn die wirklich Reichen sind alles andere als mediengeil. Man könnte sogar sagen, sie scheuen das Licht der Öffentlichkeit. Einerseits, weil sie Kidnapping oder Erpressung fürchten, andererseits, weil sie offensichtlich ein ziemlich normales Leben führen wollen, ohne Glamour und ohne Homestorys. Das ist ja bei einigen Newcomern, die ihr Geld am Neuen Markt gemacht haben, ganz anders. Die tun für Publicity (fast) alles.

Insgesamt konzentrieren sich in Deutschland knapp 30 Prozent des europäischen Vermögens der High Net Worth Individuals (HNWI). Als Ursache sieht Merrill Lynch dafür den seit den fünfziger Jahren anhaltenden Wirtschaftsaufschwung. Auch wenn sich die Verteilung zwischen den oberen 5 Prozent und den übrigen 95 Prozent etwas unproportional ausnimmt, ist es in Deutschland – anders als in Großbritannien – trotzdem zu einer immer breiteren Verteilung des Geldvermögens in der Bevölkerung gekommen. Dass die Reichen in Deutschland aber dennoch immer überproportional reicher wurden als die anderen, liegt an der allgemeinen Börsenentwicklung, den Veränderungen in der deutschen Investmentkultur, aber auch daran, dass viele Familienunternehmen verkauft, also zu Bargeld gemacht worden sind. Zwar ist in Deutschland das Verhältnis von Börsenkapitalisierung zu Bruttoinlandsprodukt in den Jahren von 1996 bis 1999 von 28,4 Prozent auf 67,8 Prozent gestiegen, dennoch liegt Deutschland in diesem Bereich weit abgeschlagen hinter der Schweiz, Großbritannien und den USA. Hier ist also noch Potenzial zum Reichwerden vorhanden.

Merrill Lynch erwartet, dass sich das überdurchschnittliche Wachstum in den Geldvermögenswerten der Reichen und Ultrareichen weiter fortsetzen wird. Wofür auch die ab 2001 geltende Steuerreform sorgt. Die meisten Ultrareichen Deutschlands leben in den Ländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. In genau diesen Ländern wird auch erwartet, dass bis zum Jahr 2004 fast 50 000 Familienunternehmen unter den Hammer kommen und damit noch einmal ein ordentlicher Vermögensschub entsteht. In der gesamten Bundesrepublik sollen bis 2004 schätzungsweise 84 000 Familienunternehmen verkauft werden, weil kein Nachfolger in der Familie zu finden ist. Merrill Lynch unterscheidet so schön zwischen neuem und alten Reichtum. Leute, die erst in den letzten paar Jahren richtig reich geworden sind, sind bei der Auswahl ihrer Anlagen sehr leistungsorientiert und auch bereit, risikoreichere Anlageformen zu wählen, die sich schnell realisieren lassen. Meist sind sie besonders der Branche zugewandt, in der sie ihr Geld gemacht haben, und eigentlich haben sie nur eines im Kopf: dass ihr Vermögen noch weiter wachsen soll. Wenn die Bank nicht so funktioniert, wie sie möchten, gehen sie auch schnell zur nächsten. Das ist beim alten Reichtum anders. Hier legt man mehr Wert darauf, das Vermögen zu erhalten, und richtet sein Augenmerk besonders auf Renditen, die im Schnitt 15 Prozent für das Gesamtportfolio ausmachen sollten. Verschwiegenheit, Exklusivität und Erfahrung aufseiten der Finanzberater sind besonders gefragte Eigenschaften. Man wechselt nicht die Bank, sondern allenfalls den dortigen Ansprechpartner. Alter Reichtum besitzt circa 70 Prozent Geldvermögen und 30 Prozent Sachvermögen. 40 bis 50 Prozent des liquiden Vermögens sind global angelegt. Wieder ein Beweis für die Mobilität des Geldes.

Börse für Anfänger – TÜV für Börsentauglichkeit

Zur Börse drängt es noch immer viele Unternehmen. Trotz Ernüchterung im Schockjahr 2000 und massivem Liebensentzug der Anleger. Aber der Zug der Lemminge ist nicht mehr so groß. Und schon wieder droht neue Unbill. Denn zwei Drittel der Aspiranten, so eine Untersuchung der Prüfungsgesellschaft Arthur Andersen bei 430 Unternehmen, seien nicht börsentauglich. Nur ein Drittel dürfte dabei sein. Nicht zu glauben!

Defizite finden sich ausgerechnet bei der Unternehmensplanung und im Rechnungswesen. Rund ein Viertel der Firmen hat noch keine vollständigen Planabschlüsse, obwohl die Zulassung am Neuen Markt verlangt, dass die Emissionsbanken, die Wirtschaftsprüfer oder die Betreuer (designated Sponsors) den Businessplan auf Plausibilität überprüfen (due diligence). Und ein Fünftel sagt: Nein, ein börsenfähiges Rechnungswesen gibt’s bei uns (noch) nicht. Na fein. Wehret diesen Anfängern!! Wehe, wenn sie zugelassen …

Aber ist es denn bei den schon Notierten ganz anders? Bei manchen nicht Unbekannten am Neuen Markt hört man derzeit fast schamhaft was von schlampiger Buchführung – jetzt, da das Zahlenwerk für 2000 auf den Tisch kommen soll. Arme Aktionäre. Da kommen wohl noch einige Überraschungen. Wenn schon der Finanzchef von Ex-Superstar EM.TV seinen Hut nehmen musste … Aber wie soll schon Max Planck gesagt haben: Die Wissenschaft entwickelt sich von Begräbnis zu Begräbnis weiter.

Aber gibt es nicht nach dem Going-public-Run nun auch den Gegentrend Going private? Immer mehr Unternehmen werden auf eigenen Wunsch de-listed. Bekannte Marken wie Aino (Küchen), Benz (Möbel) oder Grohe (Armaturen) reprivatisierten schon, Mitglieder aus dem M- und S-DAX. Ja, da kommt Stress auf, wenn man als gemütliches Familienunternehmen als AG an die Börse geht. Da weht der Wind schon heftiger.

Ein auf lange Sicht unbefriedigender Kursverlauf, unterschiedliche Auffassungen zwischen Anlegern und Management über langfristige Marktstrategien, stetige Veränderungen der Börsenströmungen oder geringe Erfolgschancen für eine weitere Kapitalerhöhung führen zu einem Umdenken bei der Kosten-Nutzen-Betrachtung, so die Unternehmensberatung Droege & Comp, in Düsseldorf.

Und dann ständig nörgelnde Anleger am Telefon, im Internet oder auf den Hauptversammlungen. Vermögensberater geben sich die Tür in die Hand: Darf ich den Finanzvorstand mal um folgende Auskünfte bitten? Und die ständigen Berichte fürs Quartal, den Monat, das Jahr – natürlich nach IAS und US-GAAP. Muss nicht sein, sagen sich viele. Mach ich nicht mehr. Obwohl die Umwandlung einer börsennotierten Gesellschaft in eine andere Rechtsform hübsch komplex ist, stehen noch mehr auf der Liste des Abflugs von der Börse. 20 bis 25 Prozent aller am Neuen Markt gehandelten Unternehmen kommen angeblich für ein Delisting infrage. Es ist schon paradox: bei der Auswahl will man strenger sein, und die, die notiert werden könnten, haben wegen dieser Strenge keinen Bock mehr.

Der Emissions-Knigge
Beim Börsengang von mittelständischen Unternehmen tragen die emissionsbegleitenden Banken eine besonders große Verantwortung. Diese erstreckt sich nicht nur auf eine erfolgreiche Platzierung, sondern geht weit darüber hinaus. Eine der dringlichsten Aufgaben ist die Vorbereitung und auch die Betreuung des Managements auf eine völlig neue Lebenssituation.

Die Gontard & Metall Bank hat einen Maßnahmenkatalog entwickelt, der in diesem Zusammenhang schon oft als vorbildliche Guideline zitiert und scherzhaft als Folterkammer tituliert wurde.

  1. Charaktercheck des Managements:

Schon im Vorfeld müssen die Emissionsbanken überprüfen, ob Charakter und Moralvorstellungen der Vorstände und Altaktionäre der emittierenden Gesellschaft den Ansprüchen und Wertmaßstäben der Investoren gerecht werden. Dies beinhaltet unter anderem die Einschätzung, ob die verantwortlichen Personen die Kraft haben, den mit dem Börsengang verbundenen Anforderungen gerecht zu werden. Die Akteure müssen vor allem der Versuchung des schnellen Geldes widerstehen

können! Es ist wichtig, bereits in der Emissionsberatung die Altaktionäre darauf hinzuweisen, dass sich das Leben nach dem Börsengang spürbar ändert. Vorstände und Altaktionäre müssen wissen, dass sie vom Kapitalmarkt abgestraft werden, wenn sie glauben, nun würde das süße Leben beginnen. Das Gegenteil ist der Fall: Investoren wie Analysten haben ein langes Gedächtnis für Versäumnisse. Spätestens bei einer Kapitalerhöhung wird man für die Sünden der Vergangenheit bestraft. Deshalb gehört zu einem disziplinierten Arbeiten ab dem Tag danach ein Sanktionskatalog.

  1. Altaktionäre verzichten auf Bonus/Dividende bei Nichterreichen der Ziele:

Allzu oft werden die Anleger beim IPO-Kandidaten mit der Botschaft konfrontiert, dass nach jahrelanger Durststrecke ausgerechnet in den nächsten zwei Jahren der Gewinn kräftig steigen soll. Dieser Hockeystick-Effekt führt mit einem entsprechenden KGV-Multiplikator schnell zu einer erstaunlich hohen Bewertung der Gesellschaft. Bei den Gontard- &-Metall-Bank-Emissionen wird in diesem Zusammenhang darauf geachtet, dass die Altaktionäre bei einer Dividendenausschüttung auf ihre Zahlung verzichten müssen, wenn sie die ambitionierten Ziele nicht erreichen. Sind Altaktionäre zugleich Vorstandsmitglieder der Gesellschaft, werden sie durch einen Bonusverzicht daran erinnert, dass sie beim Börsengang höhere Ziele avisiert hatten. Dieser Vorgang ist dem Ereignis vergleichbar, wenn an Weihnachten nur Knecht Ruprecht kommt.

  1. Das Management und die Mitarbeiter werden beteiligt:

Um die Ergebnisziele zu erreichen, wirkt es häufig wie Doping, wenn die Mitarbeiter bereits im Vorfeld zusammen mit dem Management an der Gesellschaft beteiligt werden. Diese Maßnahme stärkt die Gesamtverantwortung der Belegschaft und schärft den unternehmerischen Geist. Hierbei fällt dem Chronisten das Beispiel des hungrigen Hundes ein, der gern und begeistert nach der Wurst springt.

    1. Der IPO-Erlös fließt zu mehr als 75 Prozent dem Unternehmen zu:

Wenn man die Liste der misslungenen Börsengänge analysiert, ist festzustellen, dass sich in diesen Fällen häufig die Altaktionäre schon zum Börsengarig in großem Stil von ihren Papieren getrennt haben. Der neue Aktionär finanziert somit das Abkassieren der Alteigner. Kein Wunder, wenn in der Folge die realen Ergebnisse nicht den Planzahlen entsprechen. Deshalb ist streng darauf zu achten, dass der IPO- Erlös zum überwiegenden Teil dem Unternehmen zufließt. Damit wird gewährleistet, dass die Altaktionäre hungrig bleiben.

  1. Eheverträge sind ein Muss:

Wie eine Seifenblase platzt mancher Traum vom glücklichen Leben zu zweit, wenn nach erfolgtem Börsengang der Depotauszug schwarz auf weiß belegt, wie groß das gemeinsame Vermögen nun ist. Begehrlichkeiten werden geweckt, außerdem ist es häufig leider so, dass mit dem Kontostand der Verstand nicht mitwächst. Der Glaube an die Geldillusion kann Ehen zerbrechen. Um zu vermeiden, dass es durch gescheiterte Ehen zu einem kräftigen Leistungsabfall im Unternehmen kommt, sollten Eheverträge zwingend vorgeschrieben werden. Damit sind die Besitzverhältnisse innerhalb der Familie vertraglich klargestellt, bevor die Gier den Verstand frisst.

  1. Die Lock-up-Frist wird verlängert:

Zur Verstärkung der oben genannten Gebote dient die Erweiterung der Marktschutzklausel. Damit signalisieren die Altaktionäre dem Anleger, dass sie sich langfristig mit ihrem Unternehmen identifizieren. Zugleich wird den Emittenten der Wind aus den Segeln genommen, die behaupten, der Emissionspreis sei zu niedrig. Wo sonst als im eigenen Unternehmen kann Geld mehr verdienen? Die von der Gontard & Metall Bank konzipierte Management- beziehungsweise Mitarbeiterbeteiligung sieht beispielsweise Sperren bis zu drei Jahren vor. Herausragend ist die Heyde AG, bei der sich die Altaktionäre bis zu 10 Jahre an das Unternehmen gebunden haben. Ein echter Lockruf des Geldes!

  1. Der Aufsichtsrat wird durch erfahrene Manager der Wirtschaft besetzt: Häufig neigen mittelständische Unternehmer dazu, die Aufsichtsratspositionen mit ihren Freunden aus dem Tennisclub zu besetzen. Irritierend ist auch die Feststellung, dass der Wirtschaftsprüfer aus Vereinfachungsgründen gleich mit in den Aufsichtsrat einzieht. Dies hat natürlich zur Folge, dass er letztlich sich selbst prüft. Die Selbstkontrahierung wird dadurch unterbunden, dass dem Vorstand erfahrene Haudegen als Aufsicht, aber auch mit Rat und Tat zur Seite gestellt werden.
  2. Der Emittent wird zur Durchführung einer Post-Due-Diligence in den Folgejahren verpflichtet:

Der bisher beschriebene Maßnahmenkatalog wird gekrönt durch die Verpflichtung, auch zwölf beziehungsweise 24 Monate nach dem Börsengang den Due-Diligence-Prüfer zu bestellen. Damit wird unter anderem erreicht, dass der Vorstand im Falle einer Zielverfehlung diese offiziell auch bestätigt bekommt. Damit schließt sich der Kreis und die zuvor genannten Sanktionen dürften zu wirken beginnen.

  1. Corporate Governance Commitment:

Es wird künftig zur Pflichtübung der Emissionshäuser werden, ihre Börsenneulinge behutsam an die Inhalte und die Bedeutung von Corporate Governance heranzuführen, damit diese im harten Wettbewerb um Eigenkapital langfristig bestehen können. Corporate Governance ist die langfristig ausgerichtete erfolgsorientierte Unternehmensleitung und verantwortliche Unternehmensüberwachung. Es betrachtet demnach Kompetenzen, Kommunikation und Kontrolle von Entscheidungsgremien börsennotierter Unternehmen. Zielsetzung ist ein Transparenz- und Vertrauensgewinn bei Mitarbeitern, der interessierten Öffentlichkeit und natürlich Investoren, die eine Wertsteigerung ihres Vermögens erwarten.

  1. Börsengang nicht verschieben:

Schwarzer Oktober: Ein Drittel aller Neuemissionen abgesagt – Ausgelassene Stimmung weicht Katerstimmung. So zog Die Welt am 2. November 2000 eine Monatsbilanz. Anstatt der geplanten zwölf wagten nur acht Gesellschaften ihr Börsendebüt. Die Verschiebung eines IPOs entspricht nicht der Philosophie der Gontard & Metall Bank, denn diese Verzögerung verursacht nicht nur zusätzliche Kosten, sondern auch einen erheblichen Imageschaden – bei Investoren, Kunden und Mitarbeitern des Emittenten. Der Dampf ist raus und nur schwer wieder in die Gesellschaft hineinzubringen. Da ist es besser, in trüber Stimmung durchzumarschieren und Preisabschläge hinzunehmen. Dies lässt Chancen für eine überzeugende und stetige Kursentwicklung.

  1. Langfristiges Commitment der Betreuer:

Das Commitment der Konsortialbank endet nicht mit der Erstnotierung der Aktie. Die Gontard & Metall Bank verpflichtet sich dazu, die Funktion des Designated Sponsor für einen Zeitraum von mindestens drei Jahren zu übernehmen. Diese Funktion beinhaltet darüber hinaus zwingend die Erstellung von Researchstudien. Es darf nicht passieren, dass die Bank als Erste durch den Notausgang verschwindet, wenn sie merkt, dass die Luft dünn wird.

  1. Krisenmanagement:

Die Verantwortung der Emissionsbank kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn die Gesellschaft in eine Schieflage gerät. Sollte sich die Gontard & Metall Bank AG tatsächlich in einem Unternehmen oder einem Unternehmer getäuscht haben, muss sie rasch handeln. So hat die Bank die Ablösung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von DataDesign herbeigeführt, nachdem erkennbar war, dass Prognosen nicht erreicht würden. Auch bei Prodacta hat die Bank ein neues Ma

nagement installiert. Inzwischen sind beide Gesellschaften Musterbeispiele eines Turnaround-Unternehmens.

Entgegen der verbreiteten Meinung, dass dieser -Knigge- Geschäfte verhindere, wird der Leitfaden in der Zwischenzeit vielmehr als Qualitätssiegel von Anlegern und Emittenten sehr geschätzt und hat eine Vorbildfunktion erlangt.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat als erste Institution ihrer Art die Verlängerung der Lock-up-Fristen in den eigenen Forderungskatalog übernommen. Auch die Zulassungsstelle der Deutsche Börse AG dreht berechtigterweise inzwischen an verschiedenen Stellschrauben, um dem Missbrauch des Marktes vorzubeugen. Viele Emissionsdienstleister nehmen mittlerweile dem Emissions-Knigge ähnliche – über die Anforderungen des Neuen Marktes hinausgehende – Regeln in ihre Bedingungen für Emittenten auf, um dem potenziellen Investor die Anlageentscheidung zu erleichtern.

Jobmaschine Neuer Markt
Obwohl der Neue Markt durch Pleiten stark in Verruf geraten ist, auch Vertrauen durch Machenschaften verspielt wurde, sollte eines nicht unterschätzt werden: Die Börse der jungen, wilden, innovativen Unternehmen ist eine richtige Jobmaschine. Seit ihrem Start (10. März 1997) ist eine Reihe von Arbeitsplätzen generiert worden. Börsenboss Seifert ging gern mit der Zahl 50 000 hausieren.

Eine zum Jahresende 2000 veröffentlichte Umfrage unter den im Nemax 50 enthaltenen Unternehmen hat ergeben, dass die große Mehrheit der Firmen, knapp 84 Prozent, im vergangenen Jahr neue Mitarbeiter eingestellt hat. Mehr als 30 Prozent verdoppelten sogar ihre Beschäftigtenzahl. Darunter sind allerdings nicht nur Neueinstellungen, sondern auch Mitarbeiter aus Unternehmen, die zugekauft wurden.

Auch im Jahr 2001 suchen die Neuer-Markt-Firmen noch weiter Mitarbeiter, vor allem Softwareentwickler und technische Berater. Branchenkenner sehen in erster Linie bei den Biotech- und Logistikfirmen weiteres Beschäftigungswachstum.

Neben den direkt von den Unternehmen im Neuen Markt geschaffenen Arbeitsplätzen darf man die indirekten Effekte auf das Umfeld nicht vergessen, das heißt die Ankurbelung der Beschäftigung bei den Banken, Börsen, Wirtschaftsprüfern, Medien und vor allem im Internet. Ein regelrechter

Boom ist bei Public-Relations- und Investor-Relations-Agenturen ausgebrochen.

Klar ist: Hätte es den Neuen Markt nicht gegeben, wären viele gute, zukunftsträchtige Ideen weiter in den Schubladen geblieben, und der Anschluss an das Weltniveau, gerade bei den neuen Technologien, von Biotech bis Gentech und Telekommunikation, wäre verpasst worden … Wer als Bittsteller bei Bank oder Sparkasse um einen Kredit für seine Geschäftsidee nachsuchte, der musste doch gleich das berühmte Häuschen von der Oma als Sicherheit mitbringen. Mit dem Neuen Markt ist eine neue und unabhängige Geldquelle erschlossen worden.

Auch für bisher unbekannte Größen in der Medien- und weiten Filmlandschaft. Wer gab diesen Künstlern“ schon Kredit … Und die gerieten durch diese Kapitalnot in völlige Abhängigkeit von den Amerikanern. Beispiele wie Constantin, Senator, Das Werk, aber auch die viel kritisierte EM.TV zeigen, dass deutsche Unternehmen mit den Großen dieser schillernden Welt nicht nur mithalten können, sondern auch Trends setzen.

Auch der Wissenstransfer von den Universitäten, der immer so heftig eingeklagt wurde, ist durch Ausgründungen und den Gang an die Börse gottlob breiter geworden. Vor der Ära des Neuen Marktes undenkbar!

Börse für Anfänger – Börsenkontroll, Regeln usw.

Der zahnlose Tiger, genannt Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe), hat schon wieder zugebissen. Um die Transparenz für die Anleger zu verbessern, sollten die Mitglieder von Geschäftsführungs und Aufsichtsorganen börsennotierter Gesellschaften künftig ihre Aktienverkäufe offen legen, so BAWe-Präsident Georg Wittich. Und fast flehend: Dies sollte auf gesetzlicher Grundlage verpflichtend- geschehen. Dem Aufruf mit dem doppelten Konjunktiv fehlt irgendwie der rechte Biss.

Die Börsenkontrollettis
Die Marktaufsicht ist leider völlig zersplittert. Jede der sieben Wertpapierbörsen in Deutschland wird von drei verschiedenen Institutionen überwacht. Das sind das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel, das sich um alle kümmert, die Börsenaufsicht auf Landesebene und die Handelsüberwachungsstelle der jeweiligen Börse als Selbstkontrolle.

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel BAWe mit Sitz in Frankfurt wurde 1995 gegründet. Heute hat es 140 Mitarbeiter (die entsprechende Börsenaufsicht in den USA beschäftigt 3 000 Personen), die sich im Schwerpunkt um den Schutz des Anlegers vor Insiderhandel, die Verfolgung von Insiderhandel, die Bekanntgabe von kursrelevanten Meldungen börsennotierter Unternehmen und die Überwachung der internen Organisationspflichten der Wertpapierdienstleister kümmern sollen. Man muss also vielen Tausenden von Beteiligten scharf auf die Finger schauen. Schon rein statistisch kann die Trefferquote unter diesen Bedingungen nur klein ausfallen. Wie soll es da erst in der Praxis sein?

Im Jahr 2000 hat das BAWe 51 Insideruntersuchungen neu aufgenommen, 24 davon wurden eingestellt und 22 an Staatsanwaltschaften abgegeben. Am Jahresende waren inklusive der noch laufenden Untersuchungen aus den Vorjahren insgesamt 50 Untersuchungen offen. Die Staatsanwaltschaften haben in diesem Zeitraum von den gesamten Insiderverfahren 40 abgeschlossen, 37 davon wurden eingestellt, nur in zwei Fällen gab es rechtskräftige Strafbefehle und in einem Fall rechtskräftige Verurteilungen. Weiter gab es zu Beginn des Jahres 2000 beim BAWe insgesamt 218 anhängige Bußgeldverfahren, dann kamen im Laufe des Jahres noch 252 neue hinzu. Innerhalb dieser Zeit wurden 271 Verfahren abgeschlossen. Davon wurden 189 eingestellt und in 81 Fällen Bußgeld verhängt. Ein Fall wurde an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Zum Jahresende 2000 blieben dann noch 199 Bußgeldverfahren offen.

Außerdem musste sich das BAWe im Jahr 2000 mit 5693 Ad-hoc-Meldungen beschäftigen. Der Aufgabenberg wird also immer größer. Die beiden anderen Aufsichtseinrichtungen sind personell natürlich deutlich knapper ausgestattet, da sie ja nur regional begrenzte Aufgaben haben. In Frankfurt sind es jeweils rund 20 Mitarbeiter, die für Transparenz, Sicherstellung eines fairen Handels, ordnungsgemäße Abwicklung abgeschlossener Geschäfte und eine ordnungsgemäße Kursfeststellung und Preisbildung beim Börsenhandel zu sorgen haben.

Das hört sich zwar gut an, aber das, was in den USA und vor allem Großbritannien hart geregelt und streng geahndet wird, ist bei uns ein lasches privatrechtliches Regelwerk der Aktiengesellschaft Deutsche Börse AG. Zwar wurde es zum Jahreswechsel wegen diverser Ereignisse in den drei Jahren Existenz des deutschen Neuen Marktes geändert und zum 1. März 2001 nochmals erweitert, aber absolut halbherzig.

Gut, es gibt anders als bei der Nasdaq in New York die Haltefrist (lock-up) der Altaktionäre: Nach dem Börsengang (Initial Public Offering = IPO) muss sechs Monate gewartet werden, ehe eigene Aktien des Unternehmens verkauft werden dürfen. Die Deutsche Börse richtet für diese Aktien auch eigene Wertpapierkennnummern ein. Jeder vorzeitige Verkauf würde also entdeckt. So weit, so gut. Es gibt auch weiterführende Verpflichtungen (soft lock-up) der Altaktionäre durch die Konsortialbanken: Verkauf nach den sechs Monaten nur mit deren Zustimmung. Aber wie sieht die Realität tatsächlich aus? Wer will, der kann – umgehen und manipulieren. Die dazu passenden Stichworte sind bekannt: Strohmann, Familie, Verpfändung, Leerverkäufe über andere Banken und so weiter. Der Fall EM.TV hat es doch gezeigt: Ohne Zustimmung der WestLB haben die Gebrüder Haffa mal eben 34 Millionen gezogen. Durch Verkäufe eigener Aktien – natürlich vor ihrer (hausgemachten) Krise und dem Verfall der EM.TV-

Papiere. Die WestLB gibt sich beleidigt und der Haffa-Anwalt ganz locker: Man betrete juristisches Neuland. Deshalb rechne er sich für seinen Mandanten gute Karten aus.

Schlechte Karten für Wittichs Behörde! Dass Vorstände und Aufsichtsräte ab 1. März drei Tage nach einem Verkauf eigener Aktien diesen öffentlich machen müssen, reicht nicht. Wie in New York (Nasdaq) muss vorher darüber informiert werden. Damit sich Anleger darauf einstellen und die Lage bewerten können. Alle Personen in führenden Positionen müssen zudem zur Bekanntgabe verpflichtet werden. Zwei Jahre Haltefrist sollten das Minimum sein. Auch gestaffelte Fristen sind denkbar. Bei Unternehmen ohne Gewinn sollten Vorstand und Aufsichtsrat die Papiere so lange im Depot halten, bis ihre Firma in den schwarzen Zahlen ist. Das wäre eine vertrauensbildende Maßnahme den anderen Aktionären gegenüber! Auch sollten den Vorständen Aktiengeschäfte mit eindeutig kurzfristiger Gewinnorientierung untersagt werden. Ein Blick ins britische Unternehmensrecht von 1985 sollte Ihnen die Augen öffnen, Herr Wittich. Auf geht’s: für einen besseren Anlegerschutz und gegen Machenschaften von Haffa und anderen Absahnern! Auf dass der Anwalt bald nicht mehr feixen und frohlocken kann!

Wer unser Geld will, muss uns schützen
In den USA sind Anleger besser geschützt als in Deutschland, sagt auch Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Während in den USA Schadensersatzklagen gegen Aktiengesellschaften fast an der Tagesordnung sind, haben es deutsche Anleger wesentlich schwerer, ihr Recht zu bekommen.

Allein im Jahr 2000 wurden in den USA etwa 200 Unternehmen von Aktionären verklagt. Seit Beginn der neunziger Jahre mussten US-Firmen mehr als 6 Milliarden Dollar an geschädigte Aktionäre zahlen. Dass deutsche Anleger wesentlich weniger Klagen an die Aktiengesellschaften richten, liegt laut Hocker an den unterschiedlichen Rechtssystemen. In den USA sind die Anteilseigner ganz einfach stärker geschützt als bei uns. Zudem gibt es dort Sammelklagen, bei denen sich mehrere Aktionäre zusammenschließen können, um Schadensersatz zu fordern. Das macht das Risiko für den einzelnen Anleger wesentlicher geringer, als wenn er allein die Klage anstrengen würde. Ein weiterer Unterschied ist, dass in den USA der Nachweis der Fahrlässigkeit genügt, um Anleger zu entschädigen. Bei uns muss der Vorsatz bewiesen werden.

Zurzeit ist in Deutschland die direkte Schadensersatzklage durch Aktionäre noch nicht möglich. Hocker hofft, dass dies mit In-Kraft-Treten des vierten Finanzmarktförderungsgesetzes der Fall sein wird, doch das wird frühestens Ende 2002 verabschiedet werden. Heute muss man noch auf das Bürgerliche Gesetzbuch zurückgreifen. Verstöße gegen den § 15 Wertpapierhandelsgesetz bezüglich der Ad- hoc-Mitteilungen sind keine gesetzliche Grundlage für Schadensersatzansprüche der Aktionäre. Es sind lediglich Strafzahlungen für die Unternehmen vorgesehen. Zu den wichtigsten gesetzlichen Grundlagen für Schadensersatzansprüche im deutschen Rechtssystem gehören folgende:

Gesetz über den Wertpapierhandel (Wertpapierhandelsgesetz – WpHG)

  • 15 Veröffentlichung und Mitteilung kursbeeinflussender Tatsachen.

(1) Der Emittent von Wertpapieren, die zum Handel an einer inländischen Börse zugelassen sind, muss unverzüglich eine neue Tatsache veröffentlichen, die in seinem Tätigkeitsbereich eingetreten und nicht öffentlich bekannt ist, wenn sie wegen der Auswirkungen auf die Vermögens- oder Finanzlage oder auf den allgemeinen Geschäftsverlauf des Emittenten geeignet ist, den Börsenpreis der zugelassenen Wertpapiere erheblich zu beeinflussen, oder im Fall zugelassener Schuldverschreibungen die Fähigkeit des Emittenten, seinen Verpflichtungen nachzukommen, beeinträchtigen kann.

Für Anlagebetrug sieht der § 264a Strafgesetzbuch vor, dass der Vorsatz nachgewiesen werden muss.

Strafgesetzbuch (STGB)

  • 264a Kapitalanlagebetrug (1) Wer im Zusammenhang mit
  1. dem Vertrieb von Wertpapieren, Bezugsrechten oder von Anteilen, die eine Beteiligung an dem Ergebnis eines Unternehmens gewähren sollen, oder
  2. dem Angebot, die Einlage auf solche Anteile zu erhöhen, in Prospekten oder in Darstellungen oder Übersichten über den Vermögensstand hinsichtlich der für die Entscheidung über den Erwerb oder die Erhöhung erheblichen Umstände gegenüber einem größeren Kreis von Personen unrichtige vorteilhafte Angaben macht oder nachteilige Tatsachen verschweigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Absatz 1 gilt entsprechend, wenn sich die Tat auf Anteile an einem Vermögen bezieht, das ein Unternehmen im eigenen Namen, jedoch für fremde Rechnung verwaltet.

Ebenfalls ist eine Bilanzfälschung als Verstoß gegen den § 400 Aktiengesetz und § 331 Handelsgesetzbuch nur unter Nachweis des Vorsatzes strafbar.

Aktiengesetz

  • 400 Unrichtige Darstellung

(1)     Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer als Mitglied des Vorstands oder des Aufsichtsrats oder als Abwickler

  1. die Verhältnisse der Gesellschaft einschließlich ihrer Beziehungen zu verbundenen Unternehmen in Darstellungen oder Übersichten über den Vermögensstand, in Vorträgen oder Auskünften in der Hauptversammlung unrichtig wiedergibt oder verschleiert, wenn die Tat nicht in § 331 Abs. 1 des Handelsgesetzbuchs mit Strafe bedroht ist, oder
  2. in Aufklärungen oder Nachweisen, die nach den Vorschriften dieses Gesetzes einem Prüfer der Gesellschaft oder eines verbundenen Unternehmens zu geben sind, falsche Angaben macht oder die Verhältnisse der Gesellschaft unrichtig wiedergibt oder verschleiert, wenn die Tat nicht in § 331 Abs. 4 des Handelsgesetzbuchs mit Strafe bedroht ist.

(2)     Ebenso wird bestraft, wer als Gründer oder Aktionär in Aufklärungen oder Nachweisen, die nach den Vorschriften dieses Gesetzes einem Gründungsprüfer oder sonstigen Prüfer zu geben sind, falsche Angaben macht oder erhebliche Umstände verschweigt.

Handelsgesetzbuch

  • 331 Unrichtige Darstellung

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

  1. als Mitglied des vertretungsberechtigten Organs oder des Aufsichts

rats einer Kapitalgesellschaft die Verhältnisse der Kapitalgesellschaft in der Eröffnungsbilanz, im Jahresabschluss, im Lagebericht oder im Zwischenabschluss nach § 340a Abs. 3 unrichtig wiedergibt oder verschleiert,

  1. als Mitglied des vertretungsberechtigten Organs oder des Aufsichtsrats einer Kapitalgesellschaft die Verhältnisse des Konzerns im Konzernabschluss, im Konzernlagebericht oder im Konzernzwischenabschluss nach § 340i Abs. 4 unrichtig wiedergibt oder verschleiert,
  2. als Mitglied des vertretungsberechtigten Organs einer Kapitalgesellschaft zum Zwecke der Befreiung nach § 291 oder einer nach § 292 erlassenen Rechtsverordnung einen Konzernabschluss oder Konzernlagebericht, in dem die Verhältnisse des Konzerns unrichtig wiedergegeben oder verschleiert worden sind, vorsätzlich oder leichtfertig offen legt oder
  3. als Mitglied des vertretungsberechtigten Organs einer Kapitalgesellschaft oder als Mitglied des vertretungsberechtigten Organs oder als vertretungsberechtigter Gesellschafter eines ihrer Tochtemnternehmen (§ 290 Abs. 1 und 2) in Aufklärungen oder Nachweisen, die nach § 320 einem Abschlussprüfer der Kapitalgesellschaft, eines verbundenen Unternehmens oder des Konzerns zu geben sind, unrichtige Angaben macht oder die Verhältnisse der Kapitalgesellschaft, eines Tochterunternehmens oder des Konzerns unrichtig wiedergibt oder verschleiert.

Ob bei Kursmanipulationen aufgrund von Verletzungen des § 88 Börsengesetz eine Haftung möglich ist, ist unklar.

Börsengesetz (1)

  • 88 Strafvorschrift

Wer zur Einwirkung auf den Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren, Bezugsrechten, ausländischen Zahlungsmitteln, Waren, Anteilen, die eine Beteiligung am Ergebnis eines Unternehmens gewähren sollen, oder von Derivaten im Sinne des § 2 Abs. 2 des Wertpapierhandelsgesetzes

  1. unrichtige Angaben über Umstände macht, die für die Bewertung der Wertpapiere, Bezugsrechte, ausländischen Zahlungsmittel, Waren, Anteile oder Derivate erheblich sind, oder solche Umstände entgegen bestehenden Rechtsvorschriften verschweigt oder
  2. sonstige auf Täuschung berechnete Mittel anwendet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Wenn die Altaktionäre die Lock-up-Periode nicht einhalten, könnte die Emissionsbank zu Schadenersatzansprüchen berechtigt sein, aber nicht der Anleger.

Bei der Prospekthaftung gemäß § 45 Börsengesetz und dem Verkaufsprospektgesetz ist der Schadensersatzanspruch begrenzt. Außerdem sind die Verjährungsfristen von sechs Monaten sehr kurz. Erforderlich ist der Nachweis unrichtiger oder fehlender wesentlicher Angaben.

Börsengesetz (2)

  • 45 Unrichtiger Börsenprospekt

(1) Der Erwerber von Wertpapieren, die aufgrund eines Prospekts zum Börsenhandel zugelassen sind, in dem für die Beurteilung der Wertpapiere wesentliche Angaben unrichtig oder unvollständig sind, kann

  1. von denjenigen, die für den Prospekt die Verantwortung übernommen haben und
  2. von denjenigen, von denen der Erlass des Prospekts ausgeht, als Gesamtschuldnern die Übernahme der Wertpapiere gegen Erstattung des Erwerbspreises, soweit dieser den ersten Ausgabepreis der Wertpapiere nicht überschreitet, und der mit dem Erwerb verbundenen üblichen Kosten verlangen, sofern das Erwerbsgeschäft nach Veröffentlichung des Prospekts und innerhalb von sechs Monaten nach erstmaliger Einführung der Wertpapiere abgeschlossen wurde. Ist ein Ausgabepreis nicht festgelegt, gilt als Ausgabepreis der erste nach Einführung der Wertpapiere festgestellte oder gebildete Börsenpreis, im Falle gleichzeitiger Feststellung oder Bildung an mehreren inländischen Börsen der höchste erste Börsenpreis.

Vor einer Schadensersatzklage eines Aktionärs als Ausgleich für finanzielle Verluste, die durch unwahre Angaben zur Unternehmensentwicklung entstanden sind, muss zunächst die Sache strafrechtlich untersucht werden, erst dann ist ein zivilrechtlicher Prozess möglich. Bei strafrechtlichen Auseinandersetzungen sind die Erfolgschancen relativ höher als bei zivilrechtlichen.

Paragraph 400 des Aktiengesetzes sieht für die unrichtige Darstellung eines Geschäftsverlaufs eine Strafe von bis zu drei Jahren Gefängnis oder eine Geldbuße vor. Aber nur, wenn der Vorsatz nachgewiesen wurde. Bisher sitzen nur die beiden Vorstände der am Neuen Markt notierten Infomatec AG in Untersuchungshaft. Ihnen wird Anlagebetrug und Kursmanipulation vorgeworfen, weil sie in Ad-hoc-Mitteilungen Großaufträge gemeldet haben, die es aber noch gar nicht gab.

Fahrlässiges Verhalten des Vorstands genügt nicht für eine Verurteilung. Ein zivilrechtliches Urteil hat man bisher ein einziges Mal erreicht. Eine Klage der Deutschen Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre gegen die Refugium AG hatte dazu geführt, das die Bilanzen des Unternehmens für 1997 und 1998 für nichtig erklärt worden waren. Die neu vorgelegten Bilanzen weisen statt eines Gewinns von 8,5 Millionen Euro im Jahr 1997 nun einen Verlust von 21,4 Millionen Euro aus und für 1998 einen Verlust von 43,3 Millionen statt eines erwarteten Gewinns von 10,5 Millionen Euro.

Wenn Anleger auf Schadensersatz klagen, sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass das Verfahren vor Gericht sich lange hinzieht, über fünf Jahre oder länger. Die Kosten muss der Anleger zunächst selbst übernehmen, wenn er keine Vermögensrechtsschutzversicherung hat. Als Mitglieder der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) erhalten die Kleinaktionäre eine kostenlose Rechtsberatung. Und gegebenenfalls initiieren die Aktionärsschützer einen Musterprozess.

Börse für Anfänger – Optimisten auf der Sonnenseite der Börse

Peter Lynch (Jahrgang 1944) gilt als einer der erfolgreichsten amerikanischen Fondsmanager aller Zeiten. Nach seinem Studium an der Wharton School of Finance und seinem Abschluss als Master of Business Administration (MBA) 1968 absolvierte er zunächst seinen Militärdienst und ging dann als Analyst zu Fidelity.

Peter Lynch managte von 1977 bis 1990 den Fidelity Magellan Fonds, und er machte ihn zum weltweit größten Aktienfonds. Rund eine Million Aktionäre haben in diesen Fonds investiert. Und wer 1977 bei ihm 10 000 Dollar angelegt hatte, besaß 1990 satte 280 000 Dollar.

Lynch hörte 1990 im Alter von 46 Jahren auf, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. Er legt heute für 16 Wohltätigkeitsorganisationen deren Geld an, und zwar ehrenamtlich. Lynch geht nach der so genannten Eyes- and-Ears-Investing-Methode vor (Investieren mit Augen und Ohren). Anders ausgedrückt, er setzt auf den gesunden Menschenverstand.

Seine Erfolgstipps: Kaufen Sie nur Aktien von Wachstumsunternehmen. Kaufen Sie nur Aktien von Unternehmen, die Sie kennen. Man muss eigenverantwortlich investieren, das heißt Entscheidungen nicht delegieren, den Aktienhandel verstehen und das Unternehmen, dessen Aktien man gekauft hat, im Auge behalten. Langfristig bringen kleinere Werte mehr Gewinn als Aktien großer Unternehmen.

Heiko Thieme (Jahrgang 1943) ist Deutschlands bekanntester Börsenexperte an der Wall Street. Nach seinem Jurastudium in Tübingen, Hamburg, Schottland und den USA begann er seine Börsenkarriere bei einer britischen Brokerfirma in Edinburgh und London. 1976 wechselte er in London zur amerikanischen Investmentbank White Weid und ging dann 1979 für die Deutsche Bank Capital Corporation nach New York. Dort war er verantwortlich für den US-Aktienmarkt.

1990 machte sich Thieme als Fondsmanager selbstständig, er gründete die Thieme Associates. Dann übernahm er das Management des American Heritage Fund und wurde Vorsitzender der American Heritage Management Corporation. Inzwischen hat Thieme noch einige andere Fondsgesellschaften gegründet. Er managt derzeit unter anderem drei Fonds: den Thieme Fonds International, den American Heritage Fund, den American Heritage Growth Fund sowie einen Offshore-Hedge-Fund. Daneben betreute er Depots vermögender Privatkunden.

Thieme schreibt gern und viel. Seine Veröffentlichungen erscheinen unter anderem in einer wöchentlichen ZvlZ-Kolumne, in Tageszeitungen und der Wirtschaftspresse. Außerdem tritt er oft im Fernsehen auf, sowohl in den USA als auch in Europa. Ein gesunder Börsenoptimismus ist für Heiko Thieme wichtig.

Und er bezeichnet sich selbst als sehr konservativ. Mit 95 Prozent meiner Prognosen liege ich schief, weil ich zu konservativ bin, hat Thieme einmal gesagt.

Seine Tipps für den Privatanleger sind unter anderem: Kaufen Sie nur dann Aktien, wenn Sie das Geld zur freien Verfügung haben, denn sie sollten diese dann mindestens zwei oder besser vier Jahre halten. In Ihrem Depot sollten 45 Prozent deutsche Aktien sein, 15 Prozent aus dem restlichen Europa, 25 Prozent aus den USA, 10 Prozent aus Asien und 5 Prozent aus dem Rest der Welt. Kaufen Sie die Aktie, die sie ausgewählt haben, bei allgemein schlechter Börsensituation, aber zunächst nur für etwa ein Viertel des Geldes, das Sie anlegen wollen. Fällt die Aktie um 5 bis 10 Prozent, kaufen Sie wieder 25 Prozent nach, bis alles Geld angelegt ist. Sollte der Kurs weiter fallen, hilft nur noch beten. Die Börse verhält sich meist absolut marktunüblich.

Trauern Sie Verlusten nicht nach, denn es gibt so viele Chancen, sie wollen nur entdeckt werden. Kaufen Sie nie eine Aktie, die Ihnen Ihr Freund, Nachbar oder sonst irgendjemand empfiehlt. Kaufen Sie nur Aktien von Unternehmen, die Sie kennen und verstehen. Wenn Sie keine Zeit haben, sich darüber zu informieren, fragen Sie lieber den Bankberater, als heißen Tipps zu folgen.

Ralph Acampora (Jahrgang 1942), Direktor der technischen Analyse bei der Investmentbank Prudential Securities, gilt als einer der treffsichersten charttechnisch orientierten Analysten der Welt. In seinen mehr als 30 Jahren Berufstätigkeit hat er mehrfach die Aktienwelt mit seinen Voraussagen überrascht, die immer wieder verlässlich eingetroffen waren. So Prophe-Fund, Julius Bär Special German Stock und Nestor Fonds Neue Märkte. Ochner hat als Erster das Potenzial des Neuen Marktes entdeckt und 50 Prozent der richtigen Neuer-Markt-Aktien ins Portfolio genommen, was einen Großteil seines Erfolgs ausgemacht hat. Zweimal war er bester Fondsmanager: 1991 kürte ihn die Zeitschrift Capital, 1998 Finanzen zum Manager des Jahres.

Ochner richtet sich hauptsächlich nach der fundamentalen Analyse. Er berücksichtigt er vor allem die Bilanz, die Gewinn-und-Verlust-Rechnung und die Unternehmensprognosen. Sein Ziel ist es, wachstumsstarke Unternehmen aufzuspüren. Es geht ihm darum, besser informiert zu sein als andere. Dazu führt er im Jahr rund 400 Gespräche mit den Managern der Unternehmen. Entscheidend für die Auswahl der Aktien ist seine Einschätzung der Marktposition, des technologischen Vorsprungs der Firmen und der Qualität der Vorstände. Nur wenn die Unternehmensstrategie überzeugt, kauft er.

Kurt Ochners Team besteht aus 30 Mitarbeitern, davon elf Fondsmanagern, die die tägliche Betreuung der Fonds übernehmen. Aber die Verantwortung für alles trägt allein Ochner, und er ist stets über alles informiert.

Ochner arbeitet bis zu 80 Stunden in der Woche. Als Fallschirmjäger- Offizier lernte er, schnelle Entscheidungen zu treffen und extremen Stress zu bewältigen. Ihm genügen vier Stunden Schlaf. Sein Tagesablauf ist voll durchorganisiert. Auf seinem zweistündigen Arbeitsweg wertet er die wichtigsten Tages- und Wirtschaftszeitungen aus und informiert sich, wie sich die Zinsen- und Rohstoffpreise entwickeln oder wie stabil der Euro ist. Ab und zu gönnt er sich etwas Besonderes. So hat er sich nach einem guten Geschäft mit Porsche-Aktien ein 911er-Cabriolet gekauft.

Pessimisten kann kein Crash überraschen
Wir leben in einem permanenten Crash. Das ist die zentrale These von Roland Leuschel (Jahrgang 1937), der als Börsenguru gilt, seitdem er den Kurssturz im Oktober 1987 prophezeite. Er war Chefstratege der Banque Bruxelles Lambert und lebt jetzt an der Algarve. Das Börsengeschehen analysiert er weiterhin und schreibt für das Wallstreet Journal oder Börse Online. Daneben hält er Vorträge, die mit bis zu 2500 Teilnehmern gut besucht sind.

Einer seiner Lieblingswitze steht in direktem Widerspruch zu Leuschels Tätigkeit: Was passiert, wenn der Weihnachtsmann, ein guter und ein

schlechter Guru gleichzeitig einen 10-Euro-Schein finden? – Der schlechte hebt den 10-Euro-Schein auf – denn die beiden anderen gibt es nicht.

Scharf kritisiert er den US-Notenbankchef Greenspan: Dem Notenbankchef ist die Kontrolle entglitten – rüsten Sie sich für den Crash. In Börse Online riet der Crashprophet Anfang Juli 1999: Der Investor hat jeden Grund, sein Wertpapiervermögen zu streuen, derzeit Aktien eher unter- und Liquidität überzugewichten. Damit wird er vielleicht nicht zu den Gewinnern gehören, aber auf keinen Fall zu den Verlierern.

Kapital ist scheu wie ein Reh, sagte er, als die Quellensteuer in Deutschland eingeführt wurde, die Milliarden von Geldern aus dem Land vertrieb. Den Markt hält er für die wahre Opposition der Regierung.

Leuschels eigenes antizyklisches Investment ist sein Weinkeller. Die 1 500 Flaschen besten Rotweins bescherte ihm 1974 der Ölschock. Der Wein, den sich japanische Kunden eines Weinlieferanten nicht mehr leisten konnten, wurde nach Antwerpen zurückgeschickt und landete auf einer Auktion. Leuschel ersteigerte die Flaschen zu 2 Euro je Stück. Kurs heute: 750 Euro pro Flasche. Zu einem Weinkeller rät er auch seinen Klienten für den Fall eines Crashs. Dazu ein Gewehr und einen Schäferhund.

Marc Faber gehört ebenfalls zu den Crash-Gurus. Er warnte vor dem Kursrutsch an der Wall Street 1987 und prophezeite frühzeitig die Asien- Krise. Der Investmentbanker lebt seit 1973 in Hongkong, wo er eine eigene Investmentfirma führt. Seine pessimistischen Vorhersagen haben ihm den Spitznamen Doctor Doom (Doktor Verhängnis) eingebracht. Aber nicht alles sieht er negativ. Die asiatischen Märkte haben für ihn noch einen langen Anstieg vor sich, und das Potenzial Chinas wird aus seiner Sicht noch stark unterschätzt.

Dr. Edward Yardeni ist der Chefökonom der deutschen Morgan Green- fell, eines Tochterunternehmens der Deutschen Bank in New York. Besonders stolz ist er offensichtlich auf seinen Doktortitel. Wir gönnen es ihm, denn er ist wirklich gut. Schließlich schreibt er monatlich Kolumnen für Zeitschriften rund um die Welt und trat mit seinen Erkenntnissen auch schon in vielen Radio- und Fernsehsendungen auf. Yardeni macht auch sehr viel Eigenwerbung mit seiner Internetseite yardeni*com.

Von nichts kommt nichts. Inzwischen wurde er für diesen Internetauftritt auch schon mehrfach ausgezeichnet, denn er bietet wirklich viele nützliche Informationen und Verknüpfungen. Auch wenn Yardeni lange Zeit optimistisch war, gehört er inzwischen ebenfalls zur Riege der Crash- Gurus, denn er sagt eine langfristig ablaufende Rezession voraus, die 1997 begonnen hat und sich ganz sukzessive rund um die Welt bewegen wird.

Börse für Anfänger – Börsenweisheiten damals und heute

In den vergangenen fünf Jahren hat sich an den Börsen der Welt mehr verändert als in den 100 Jahren zuvor. Da frage ich mich natürlich, welche

der vielen Börsenweisheiten haben heute noch Bestand, welche kann man guten Gewissens in die geschichtliche Ablage legen, und welche gehören in den Papierkorb – deshalb weil sie schon immer Blödsinn waren und es bleiben?

John Kenneth Galbraith sagte einmal: Die Börse ist wie ein Paternoster. Es ist ungefährlich, durch den Keller zu fahren. Man muss nur die Nerven behalten.“ Das mag vielleicht früher so gewesen sein. Heute ist die Börse oftmals wie ein Expressaufzug. Sie schießt nach oben oder nach unten. Wer nicht im Fahrstuhl sitzt, fährt nicht mit. Die Zeiten der gemütlichen Paternoster sind endgültig vorbei. Also, ein schöner Spruch, aber leider Geschichte.

Von John Templeton stammt der Spruch: Die Zeit des größten Pessimismus ist die beste Zeit des Kaufens, die Zeit des größten Optimismus die beste Zeit zu verkaufen. Zu dieser Weisheit gibt es zahlreiche Variationen. Zum Beispiel: Buy on bad news, seil on good news. Kaufe, wenn die Stimmung schlecht ist, und verkaufe bei guter Stimmung. In die gleiche Richtung geht auch der Spruch: Kaufe, wenn die Kanonen donnern. Natürlich haben diese Weisheiten Recht. Man braucht jetzt bloß noch zu wissen, wann der niedrigste Kurs erreicht ist beziehungsweise wann der höchste Kurs bevorsteht. Und genau das verraten einem Weisheiten nicht.

Man sollte auch nie in ein fallendes Messer greifen, was so viel besagt wie: Bei fallenden Kursen nicht zu früh in Märkte einzusteigen, sondern zu warten, bis die Kursbewegung zum Ende gekommen ist. In die umgekehrte Richtung soll der Spruch The trend is your friend weisen, was nicht bedeutet: Mach das, was alle machen, sondern verkaufe bei steigenden Kursen nicht vorschnell. Solche Sprüche wie der oben schon erwähnte Seil in May and go away mögen vielleicht in Zeiten gegolten haben, als die Wirtschaftszyklen noch den Jahreszeiten angepasst waren. Aber wahrscheinlich dürfte die Regel mehr wegen des schönen Reims entstanden sein. Und wenn der Mai als Monat der hohen Kurse gilt, so halten viele den Oktober für den Krisenmonat des Jahres. Beides lässt sich statistisch aber nicht beweisen.

André Kostolany hat im Laufe seines langen Lebens viele Börsenweisheiten zusammengetragen und sie auch noch mit eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen ergänzt und erweitert. So stammt von ihm unter anderem der Satz: Viele wundern sich darüber, was an der Börse geschieht. Sie tun es nur, weil sie die Börse nicht kennen. Zum aktuellen Börsengeschehen sagte Kostolany noch kurz vor seinem Tode im Jahre 1999: Die große Gefahr auf den Finanzmärkten ist heute, dass zu viel heißes Geld in Händen ist, die damit nicht umgehen können. Eine alte Börsenweisheit, die Kostolany gern zitierte, ist: Können die Kurse nicht weiter steigen, müssen sie fallen. Das Wichtigste: ein Gespür dafür zu entwickeln, wann der Wendepunkt sein wird. Aber was wäre die Börse ohne Narren! Und was wäre die Börse, wenn ein Supercomputer alles wüsste? Die Antwort von Kostolany auf beide Fragen lautet: Es wäre keine Börse.

In alten Zeiten sagte man, ein Mann verliere seinen Verstand mit seinen letzten 10 000 Gulden. Kostolany behauptet, der deutsche Anleger verliert heute seinen Verstand mit den ersten 5 000 Euro. Man soll nicht glauben, dass die anderen, nur weil sie massiv eine Aktie kaufen, mehr wissen oder besser informiert sind. Ihre Gründe können so unterschiedlich sein, dass es unmöglich ist, daraus Folgen zu ziehen. Und noch zwei griffige Wahrheiten: Die beiden schwersten Sachen an der Börse sind, einen Verlust hinzunehmen und einen kleinen Profit nicht zu realisieren. Am schwersten aber ist es, eine eigene Meinung zu haben, das Gegenteil von dem zu machen, was die Mehrheit tut. Und: Die Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien als Idioten oder mehr Idioten als Aktien gibt.

Die folgenden Börsenweisheiten sind ausnahmsweise nicht von Kostolany:

An der Börse wird die Zukunft gehandelt und nicht die Gegenwart. In den täglichen Börsenkursen ist die Erwartung der nächsten Tage bereits enthalten. Die Börse ist schneller als Radio, TV oder die Printmedien. Die New Yorker Börse zum Beispiel verarbeitet Unternehmensinformationen innerhalb von 6 Sekunden in den Börsenkursen. Europa reagiert erst innerhalb von 30 Sekunden. Das sollte man auch bei dem Orderweg beachten. Aktien können Sie am schnellsten online übers Internet oder bei Direktbanken ordern. Bei Banken und kleineren Filialen dauert dies bis zu eineinhalb Tagen. Bedenken Sie: Wenn Banken für Aktien die Werbetrommel rühren, steht nicht der Anleger im Vordergrund.

Tolle Börsengewinne haben Sie nur dann in der Tasche, wenn Sie Ihre Aktien auch wieder verkaufen!

Das Geheimnis jeder richtigen Anlagestrategie liegt darin, den richtigen Zeitpunkt zum Ein- und Ausstieg nicht zu verpassen! Das ist alles. Wenn Sie sich um Ihre Anleihen nicht kümmern, verlieren Sie ein paar Prozent Rendite. Wenn Sie sich um Ihre Aktien nicht kümmern, können Sie alles verlieren.

Für jeden Käufer muss auch ein Verkäufer parat stehen, ansonsten kommt kein Handel zustande. Hin und her – Taschen leer. Handeln Sie nicht zu viel, und üben Sie sich in Geduld. Manche Aktien brauchen einfach Zeit. Aber: Schlechtes Timing lässt sich durch Aussitzen allein selten korrigieren!

Börse für Anfänger – DAX Aktien

Ob die Börse rauf- (freundlich/fest) oder runtergeht (leichter/schwach), ob sie seitwärts tendiert (behauptet/uneinheitlich) – das ist immer schon eine Mischung aus Fakten, Stimmungen, Meinungen gewesen. Wer ein Unternehmensgeheimnis wusste, hatte echtes Herrschaftswissen und konnte es an der Börse nutzen. Meist mit sattem Profit, denn die Uneingeweihten schauten in die Röhre. Die Zeiten sind gottlob vorbei. Einmal durch die immer perfekter werdende Informationstechnik für jedermann, aber auch durch eingeführte Standards.

Um zumindest der Wirtschaft einen schnellen Überblick über die Kursentwicklung zu ermöglichen, ohne die einzelnen Aktien miteinander vergleichen zu müssen, wurden Indizes eingeführt. So kann mit der Veränderung einer einzigen Zahl, also dem Index, die Entwicklung eines ganzen Marktes gemessen und beurteilt werden. Man kann sich ohne große Schwierigkeiten ein Bild über die Marktlage oder Marktentwicklung verschaffen und auch längerfristige Trends ermitteln und in die Anlageentscheidung mit einbeziehen. Indizes sind inzwischen auch die Grundlage verschiedener Anlageobjekte geworden, zum Beispiel für Index-Zertifikate, Optionsscheine oder Futures. Und schließlich dienen sie als Messlatte für die Qualität der Kundenberatung bei der Bank des Vertrauens und für die Leistungen der Fondsmanager. Wer es schafft, dass sein Depotwert sich besser entwickelt als der jeweilige Index, kann stolz darauf sein, den Markt geschlagen zu haben.

DAX: Wissen ist Macht
Der Deutsche Aktienindex (DAX) wurde am 23. Juni 1988 an der Frankfurter Wertpapierbörse eingeführt. Als Vater des DAX gilt Frank Mella von der Börsenzeitung. Schon seit 1959 gab es in Deutschland den Hardy- Index. Im September 1961 wurde der erste Index der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eingeführt, seit 1994 gibt es den FAZ-Performance-Index, er berücksichtigt 167 Aktien. Schon seit 1981 wurde der Index der Börsenzeitung börsentäglich berechnet.

Die Berechnungsgrundlage für den DAX waren zunächst die Frankfurter Parkettkurse. Als Basis zum Jahresultimo 1987 wählte man einen Stand von 1000 Indexpunkten. Nach Einführung des computergestützten Handels im Dezember 1993 gab es den so genannten Ibis-DAX, der später durch den Xetra-DAX Ende 1997 abgelöst wurde. Aufgrund der sinkenden Umsätze im Parketthandel stellte die deutsche Börse zum 21. Juni 1999 die Ermittlung des Parkett-DAX ein. Heute wird der DAX während der Handelszeit von 9 bis 20 Uhr ständig (alle 15 Sekunden) aus den Kursen des Handelssystems Xetra ermittelt und aktualisiert.

Ein elitärer Kreis — die DAX-Untemehmen
Im DAX, der eigenüich genau DAX 30 heißt, sind die Aktien der 30 wichtigsten deutschen Unternehmen, die so genannten Blue Chips, vertreten. Das Unternehmen muss sowohl nach der Höhe des Börsenwerts als auch nach dem Umsatz unter den 35 größten Aktiengesellschaften sein. Alle drei Monate ermittelt die Deutsche Börse, ob alle DAX-Unternehmen noch diese Kriterien erfüllen. Falls nicht, fällt das entsprechende Unternehmen heraus, und ein anderes rückt nach. So ist im März 2001 Karstadt Quelle AG rausgefallen und stattdessen die Deutsche Post AG reingekommen. Weil die Mitgliedschaft im DAX als Gütesiegel gilt, fiel bei Bekanntgabe des Ausscheidens von Karstadt Quelle auch sofort der Aktienkurs. Dagegen verzeichnete die Adidas- Salomon-Aktie, die auch als Abstiegskandidat gegolten hatte, einen kräftigen Kurssprung, als bekannt wurde, dass sie weiterhin im DAX bleiben darf. Mit der geringen Auswahl von nur 30 Aktien hat man versucht, die Branchenstruktur der deutschen Wirtschaft möglichst gut widerzuspiegeln. Die DAX-Titel repräsentieren circa 60 Prozent des gesamten Grundkapitals der inländischen börsennotierten Unternehmen und machen über 70 Prozent der Börsenumsätze mit deutschen Aktien aus.

Der DAX ist ein gewichteter Index, wobei die Gewichtung recht kompliziert nach der jeweiligen Anzahl der zugelassenen Aktien erfolgt. Die meisten wichtigen Branchen sind im DAX vertreten. Das Hauptgewicht (fast 19 Prozent) liegt im Technologiebereich mit Aktien wie Epcos, Infineon, SAP und Siemens. Ungefähr gleich gewichtet (rund 17 Prozent) sind die Branchen Versorger/Telekommunikation mit Deutsche Telekom, RWE und E.ON (früher VEBA) und Versicherungen mit Allianz und Münchener Rück. Jeweils rund 15 Prozent Gewicht haben die Banken und die Branche Automobil und Verkehr, rund 10 Prozent Chemie und Pharma, 3,5 Prozent Handel und Konsum sowie 2,5 Prozent der Maschinenbau. Die umsatzstärkste Aktie im DAX war im Jahr 2000 die Deutsche Telekom mit einem Umsatz von rund 111 Milliarden Euro.

Wenn der Kleinanleger seine Aktienauswahl am DAX orientiert, wird die Anlage relativ risikoarm sein. Sicher gehören die DAX-Werte nicht unbedingt zu den Aktien mit rasanten Kurssteigerungen, man muss aber auch nicht derart dramatische Kursverluste von über 90 Prozent wie am Neuen Markt befürchten.

Leistungen lassen sich messen
Es gibt Kursindizes, auch Preisindizes genannt, und Performance-Indizes. Beim Kursindex werden ganz einfach die Kurse der Wertpapiere addiert. Der DAX ist aber ein Performance-Index, das heißt, er berücksichtigt neben der Kursentwicklung die Dividendenzahlung, die ausgegebenen Bezugsrechte und Berichtigungsaktien bei Kapitalveränderungen. Bei der Berechnung des Kurses wird unterstellt, dass dies alles wieder in die betreffende Aktie investiert wird. Man zieht also diese Beträge dann, wenn sie gezahlt oder ausgegeben werden, vom eigentlichen Kurs ab.

Ein Beispiel: Am Tag der Dividendenzahlung einer Aktiengesellschaft wird die Höhe der Dividende vom aktuellen Kurs abgezogen. Dieser Kursabschlag wirkt sich zunächst wie ein Kursrückgang aus. Er wird aber in den meisten Fällen schnell wieder eingeholt. Der Performance-Index spiegelt dann wirklich den Wert des Unternehmens wider. Damit kommt man zu einer realistischeren Berechnung des Anlageerfolgs als bei reinen Kursindizes. Durch den Zinseszinseffekt der Wiederanlage aller Ausschüttungen eignen sich Performance-Indizes besonders gut zum Vergleich der Kursentwicklung von Investmentfonds, da in den meisten Investmentfonds ausgeschüttete Dividenden und Kursgewinne wieder angelegt werden. Zu den Performance-Indizes gehören neben dem DAX der EuroStoxx 50 und der Standard & Poor’s 500.

Mehr Vielfalt — weniger Überblick
Aus dem DAX ist inzwischen eine ganze Familie geworden. Deshalb muss man genau darauf achten, wovon zum Beispiel ein Kundenberater spricht und auf welche Zahlen er verweist, wenn er einem etwas verkaufen will. Seit 1993 gibt es den C-DAX, den so genannten Composite-DAX. In ihm sind sämtliche zum amtlichen Handel an der Frankfurter Wertpapierbörse zugelassene Aktien enthalten, das sind inzwischen rund 400 an der Zahl. Daneben werden auch C-DAXe für die verschiedenen Branchen berechnet. Wenn man die Entwicklung des DAX mit der des C-DAX vergleicht, kann man feststellen, ob sich die gesamte Börse besser oder schlechter entwickelt hat als die Aktien der 30 größten Unternehmen. Und wenn man eine Aktie aus einer bestimmten Branche mit dem betreffenden Branchenindex vergleicht, sieht man sofort, ob sich diese Aktie besser als der Branchendurchschnitt entwickelt hat.

1994 kam der DAX 100 dazu, der die Aktien der 100 größten Unternehmen einbezieht, inklusive der DAX-Aktien. 1996 wurde der M-DAX eingeführt, der die Aktien der 70 größten Unternehmen nach den DAX- Aktien enthält, also die Ränge 31 bis 100. Der Name M-DAX kommt von Midcap-Index, das heißt, in ihm sind die mittelgroßen Unternehmen enthalten. Der DAX 100 ist also eine Kombination von DAX und M-DAX. Smax, small cap exchange, heißt das neue Qualitätsmerkmal für kleine Aktien, das am 26. April 1999 an der Frankfurter Börse eingeführt wurde. Die deutsche Sprache wird vom Englischen nur so überflutet, und besonders die Finanzwelt liebt es, für alles und jedes Abkürzungen zu verwenden. So steht cap hier als Abkürzung für Capital, also Kapital. Damit sollen etablierte, aber zukunftsträchtige mittelständische Unternehmen bekannter gemacht werden. Der neue Index im Smax ist der S-DAX, der die Wertentwicklung der 100 größten Smax-Werte abbildet.

Die Entwicklung des Neuen Marktes spiegelt der Nemax-All-Share wieder. Darin sind mehr als 340 Aktien des Neuen Marktes nach Größe gewichtet enthalten. Die Blue Chips des Neuen Marktes sind seit dem Juli 1999 im Nemax 50 zusammengefasst. Aufnahmeregel ist ein Ranking unter den ersten 60 Titeln nach Marktkapitalisierung und Umsatzliquidität. Auch hier findet vierteljährlich eine Überprüfung statt, wonach dann immer einige Aktien herausfallen und neue hinzukommen. Die Fluktuation ist hier größer als beim DAX. Der Nemax 50 vereinigt etwa 85 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des Neuen Marktes und rund 80 Prozent des Gesamtumsatzes. Seit Mai 2000 gibt es auch zehn Branchenindizes, um dem Anleger direkte Vergleiche der Wettbewerber zu ermöglichen.

Börse für Anfänger – Tipps

Dank dem Kleinanleger leben sogar fast Totgesagte länger – und vielleicht auch besser? Noch vor wenigen Jahren wurde den sechs Regionalbörsen (außer Frankfurt) das schnelle Aus vorhergesagt. Der rasch vordringende Computerhandel und die Übermacht vom Main drängten die Kleinen an den Rand. -Frankfurt macht uns platt. Wir haben keine Chance!, so das vehemente Klagelied. Doch siehe da: Die Kleinen tauchen wie Phönix aus der Asche wieder auf. Zwar entfällt heute nur etwa ein Fünftel aller Umsätze im Aktienhandel auf die sechs Börsen außerhalb Frankfurts, aber schon rund 50 Prozent aller Abschlüsse. Ihr Erfolgsrezept: Sie haben sich sehr früh dem privaten Anleger zugewandt. Sie waren die Vorkämpfer für die Verbesserung und Erweiterung des Service. Die Verlängerung der Handelszeiten und die Herabsetzung der Mindestorder von 50 auf eine Aktie wurden nicht in Frankfurt zuerst eingeführt, sondern an den Regionalbörsen.

Vorreiter Berlin
Große Klappe, nix dahinter? Von wegen. Der Berliner ist mit seiner Börse höchst flexibel und kreativ, denn die Berliner Börse, mit Aktienumsätzen von 42,5 Milliarden Euro im Jahr 2000 die Nummer drei der Börsen in Deutschland, buhlte mit groß angelegter Werbekampagne nicht nur um Banken und Profis, sondern gerade um den privaten Anleger, der bisher zögerte, sein Geld auf diese Weise anzulegen. Mit der Versicherung Bei uns hat Ihr Kapital gute Aktien machte die Berliner Wertpapierbörse auf ihren deutlich ausgeweiteten Kundenservice sowie auf ihre Spezialangebote aufmerksam. Die Berliner Börse hat mehr als 8 000 verschiedene Papiere in ihrer Angebotspalette: Europäische Standardwerte, internationale Hightechtitel, darunter alle Nasdaq-Werte und eine Vielzahl von Osteuropaaktien. Der variable Handel ist schon ab einer Aktie möglich.

Mit Slogans wie Guthaben will es gut haben, Kapital braucht Abwechslung oder Wertpapiere stehen auf Berlin wurden Geld, Kapital und Vermögen bewusst vermenschlicht, um so positive Eindrücke im Kopf der Privatkunden hervorzurufen. Man wollte Anlegerneulingen über die Schwelle helfen, so Dr. Jörg Walter, Geschäftsführer der Berliner Wertpapierbörse. Anlagewillige und risikofreudige Kunden seien durchaus bereit, ihr Geld an der Börse anzulegen, doch scheuten sie diesen Schritt aufgrund mangelnder Informationen. Deshalb hat die Berliner Wertpapierbörse ein Infotelefon eingerichtet, das Fragen der Privatanleger beantwortet. Der Internetauftritt unter berlinerboerse*de und ein regelmäßig erscheinender Newsletter gehören mit zum Serviceangebot.

Ein Maßanzug für den Privatanleger
Berlin ist die erste Börse, die eine speziell auf Privatinvestoren zugeschnittene Handelsplattform anbietet, und zwar seit dem 1. Februar 2001. Inzwischen hat die Frankfurter Börse nachgezogen. Ein völlig neues Webportal, das unter Mitwirkung von Reuters und Microsoft realisiert wurde, ermöglicht in Berlin privaten Anlegern den Zugang zum Onlinehandel. Damit ist das Ende der Zweiklassengesellschaft von Profis und Privatinvestoren eingeläutet, sagte der Börsenchef ganz richtig. Das Web ist dabei der entscheidende Schritt bei der Herstellung von Gleichheit, wenn auch nicht Brüderlichkeit, von Privatinvestoren und Profis, so Walter.

Das Orderbuch lüftet seine Geheimnisse
Früher war es nur den Profis Vorbehalten — heute kann der Privatanleger elektronisch jederzeit und ohne Verzögerung Einblick in das Orderbuch erhalten. Dieses bietet die aktuelle Orderlage, verbindliche Geld-Brief- Spannen, sofortigen Zugang zum Direktbroker und dazu die Garantie einer durchschnittlichen Ausführungsgeschwindigkeit der Order von 30 Sekunden. Durch die Einsicht in die aktuelle Ordersituation wird es dem Privatanleger möglich, seine Aufträge unmittelbar der aktuellen Marktsituation anzupassen. Er kann im Internet sowohl die laufend aktualisierten Angebote des Maklers, die so genannten Quotes, nutzen als auch auf die noch nicht ausgeführten Orders anderer Aktionäre (Überhänge) zurückgreifen.

Erforderlich ist nur ein Internetanschluss, die Verbindung mit berlinerboerse*de und der Klick in das Orderbuch. Wenn der Direktbroker des Anlegers an den Service der Berliner Börse angeschlossen ist, wird im Orderbuch die per Mausklick generierte Order direkt an dessen Bank weitergeleitet. Falls dies noch nicht der Fall ist, ermöglicht die Einsicht in die aktuelle Kurs- und Auftragslage zumindest einen wesentlichen Informationsvorsprung gegenüber der herkömmlichen Auftragserteilung. Die Berliner Wertpapierbörse nimmt für sich in Anspruch, für den Kunden faire und beste Preise zu ermitteln. Der hohe Umfang des Handels ermöglicht eine schnelle Ausführung der Order, denn je mehr Kurse beziehungsweise Preise in einem Wert festgestellt werden, desto eher hat der Anleger die Chance, zu dem von ihm gewünschten Preis seinen Auftrag abgewickelt zu bekommen.

Anlegerschutz als Erfolgsfaktor
Anlegerschutz wird in Berlin groß geschrieben. Gewährleistet wird der ordnungsgemäße Handel im Berliner Freiverkehr zunächst einmal durch die Freiverkehrsrichtlinien. Hinzu kommt ein umfangreiches Spektrum weiterer Anforderungen. Für Unternehmen, die noch an keiner anderen Börse notiert sind, gelten zusätzliche Regularien für die erstmalige Einbeziehung. Die Überwachung des Handels erfolgt durch die Mitarbeiter der Handelsüberwachungsstelle, die während des Börsenhandels vor Ort sind und mit allen Marktteilnehmern in kontinuierlichem Kontakt stehen. Mithilfe technischer Systeme haben sie die Möglichkeit, die Handelsabläufe konkret zu überwachen. Den Privatinvestoren wird best execution, das heißt ein optimaler Preis, garantiert. Mithilfe stets aktueller, besonders enger und derzeit handelbarer Quotes (also Angebote des Maklers) durch den so genannten Liquidity Provider erhalten Sie den absolut marktgerechten und damit jederzeit fairen Preis, auch im Vergleich zu internationalen Börsenplätzen. Die im Orderbuch vom Makler eingestellten Angebote sind verbindlich. Für die dort angegebene Stückzahl beziehungsweise bis zu einem Ordervolumen von 5 000 Euro garantiert der Makler die Ausführung der Order. Ein umfassendes Regelwerk verpflichtet die Makler zu engen, kontinuierlich zu aktualisierenden Preisstellungen bei ihrem Angebot. Um für die Privatanleger den Handel auch besonders preisgünstig zu machen, wird ab Anfang April 2001 an der Berliner Börse die Maklergebühr von 0,8 auf 0,4 Promille halbiert.

Düsseldorfer Börse: von der Schwerindustrie zum Privatmann
Früher galt die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt als der Schreibtisch des Ruhrgebiets. Alles, was dort passierte, stand ganz im Dienst der Kohle- und Stahlerzeugung. Das galt auch für die Börse, die sich als Spezialgebiet besonders den Aktien der Schwerindustrie widmete. Aber so, wie die großen Konzerne nach neuen lukrativeren Aufgaben suchten, tat es auch die Börse Düsseldorf. Sie hat schon vor einigen Jahren begonnen, sich auf den Privatanleger zu konzentrieren. Sein Anteil am Geschäft macht inzwischen über 80 Prozent aus. Schätzungsweise 30 Prozent der privaten Anleger ordern dabei online, so Dr. Detlef Irmen, Geschäftsführer der Börse Düsseldorf. Im Jahr 2000 betmg das Handelsvolumen der Düsseldorfer Börse 283,7 Milliarden Euro, davon 201,45 Milliarden mit Aktien und 82,26 Milliarden mit Renten.

Quality Trading als Markenzeichen
Mit Quality Trading hat die Börse Düsseldorf ein Qualitätsmerkmal geschaffen, das inzwischen auch an anderen Börsenplätzen Nachahmer gefunden hat. Durch eine Selbstverpflichtung der Makler werden eine zweiminütige Orderbearbeitung, marktgerechte Preise und Transparenz im Handel ermöglicht. Die Börse Düsseldorf sieht im Quality Trading den entscheidenden Standortvorteil, der auch im laufenden Jahr weiter ausgebaut werden soll. Dabei wird die Neutralität und Unabhängigkeit des Handelsplatzes als wichtiges Qualitätsmerkmal angesehen. Die Börse Düsseldorf will sich trotz der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft nicht an einzelne Marktteilnehmer oder kommerziell ausgerichtete Projekte anbinden. Die Anleger erwarteten einen neutralen Marktplatz. Dieses Grundprinzip ist gerade im Wettbewerb mit elektronischen und außerbörslichen Handelssystemen ein entscheidender Vorteil. Die behördliche Handelsüberwachung in Düsseldorf bietet eine Sicherheit, die der Anleger nirgendwo sonst findet. Im Gegensatz zur Berliner will die Düsseldorfer Börse sich nicht auf einzelne Produkte spezialisieren, sondern dem Anleger immer alle Werte bieten, die er handeln möchte. Dieses breite Angebot hat sich laut Börsengeschäftsführer Dirk Elberskirch bewährt, und es wird laufend erweitert.

Bessere Chancen für junge Unternehmen
Im Frühjahr 2001 starteten die ersten Unternehmen im neuen IPO-Segment. IPO ist die Abkürzung für Initial Public Offering, das heißt erstes öffentliches Angebot oder Neuemission. Mit diesem Marktsegment soll jungen Unternehmen die Chance auf einen schnellen Börsengang gegeben werden. Das Alter spielt keine Rolle, allerdings sind die Auflagen des Anlegerschutzes besonders streng.

Neben einer vorgeschriebenen Aktienstreuung von mindestens 20 Prozent und einem Mindestkapital von 250 000 Euro oder 100 000 Stück müssen auch Ad-hoc-Mitteilungen, Zwischen- und Quartalsberichte sowie der Anteilsbesitz von Vorstand und Aufsichtsrat offen gelegt werden. Die Altaktionäre müssen ihre Aktien mindestens 18 Monate halten. Einmal jährlich muss eine Researchstudie eines unabhängigen Analysten vorgelegt werden. Die Emissionsbegleiter sollen Betreuerpflichten übernehmen. Ziel ist es, dass die Anleger bereits in einer frühen Finanzierungsphase in ein Unternehmen investieren können und ihnen eine Informationsbasis geschaffen wird, die internationalen Standards genügt.

Auf dem Weg zum Full-Service-Dienstleister
Die Börse Düsseldorf sieht sich in einem Wandel vom reinen Wertpapierhandel hin zum Full-Service-Dienstleister. Sie bietet den Privatanlegern ein umfangreiches Seminarprogramm, an dem bisher schon über 3000 Interessenten teilgenommen haben. So gibt es Abendseminare, zum Beispiel zu den Themen Neuemissionen: Marktsegmente und vorbörslicher Handel, Optionsscheine für Fortgeschrittene, Vom Aktieneinsteiger zum Börsenprofi, Einführung in die Chartanalyse, Anlagestrategien und fest verzinsliche Wertpapiere sowie Wie funktioniert die Börse — Abläufe und Börsensprache.Neuerdings kommt die Düsseldorfer Börse auch direkt zu ihren Anlegern nach Köln, Frankfurt, Berlin oder auch nach München. In Ganztagesseminaren speziell für Privatanleger vermitteln Profis vom Parkett, wie die Börse funktioniert, und vor allem, wie man erfolgreich handelt. Die

Themen orientieren sich am Interesse der Anleger und wurden aus den zahlreichen Anfragen am Infotelefon der Kursmaklerkammer zusammengestellt. Programmpunkte des Seminars sind So funktioniert die Börse“, Ordern an der Börse, aber richtig, So entstehen Kurse an der Börse, Wo finde ich seriöse Börseninformationen, Börsenprodukte und Marktsegmente, Anlagestrategie: von spekulativ bis sicher, Einführung in die Charttechnik und Aktuelle Marktanalyse.

Außerdem wurde das Düsseldorfer Börsenparlament ins Leben gerufen. Es ist ein interaktives Diskussionsforum, das von der Börse Düsseldorf und den Gesellschaften Börsenmakler Schnigge AG, Lang und Schwarz AG und Spitz AG getragen wird. Die Produktion liegt in den Händen der Düsseldorfer Stock TV. Die Veranstaltungen mit hochkarätigen Gästen finden einmal im Monat in Düsseldorf statt und werden auch über die Seite boersenparlament*de im Internet übertragen. Thema der Veranstaltung am 7. Februar 2001 war Biotech-Aktien, Hoffnungsträger am Neuen Markt? Zu den Dienstleistungen der Düsseldorfer Börse gehört auch die Radiobörse, in der die Börsenexperten jeden Donnerstag von 18 bis 19 Uhr auf dem Sender Antenne Düsseldorf Fragen der Hörer beantworten. Darüber hinaus präsentiert sich die Börse Düsseldorf regelmäßig auf der Anlegermesse in Düsseldorf. Abgerundet wird das Serviceprogramm für den Privatanleger durch den Internetauftritt boerse-duesseldorf*de.

Stuttgarter Börse: Finanzwelt auf Schwäbisch
Die Stuttgarter Börse eröffnete schon am 9- September 1998 den ersten Börsentreff in Deutschland. Damit sollte ein Zeichen gesetzt werden, dass die Börse nicht Geschlossene Gesellschaft bedeuten muss. Auch die Stuttgarter Börse verfolgt heute das Ziel, dem Privatanleger den bestmöglichen Service zu bieten. Dazu gehört unter anderem, ihm einen Raum zur Informationsbeschaffung und zum Informationsaustausch über die Wertpapieranlage zu offerieren, sagte Börsenpräsident Rolf Limbach anlässlich der Eröffnung. Er geht davon aus, dass die Privatanleger es honorieren, wenn ihnen Dienstleistungen angeboten werden, bei denen sie sich als wichtige Marktteilnehmer verstehen und sich wie die Profis behandelt wissen. Im Börsentreff im Foyer der Börse können Interessierte fachsimpeln und sich Informationen zur Geldanlage über das Internet beschaffen. Computer laden zum Surfen ein, und die Finanzinformationsdienste Reuters und vwd liefern auf eigenen Bildschirmen Daten, Kurse und Finanznach richten in Echtzeit. Über ein weiteres Terminal von der Direktanlage- Bank können Kunden der Bank direkt elektronisch ordern. Außerdem gibt es einen n-tv-Bildschirm, und auf anderen Monitoren kann man Kurzinformationen individuell abrufen.

Über das Callcenter der Börse Stuttgart haben Anleger die Möglichkeit, Kurse, Umsätze und Ausstattungsmerkmale direkt vom Parkett abzufragen und allgemeine Informationen zu Events oder Börseneinführungen zu erhalten.