Deutschland und Frankreich wollen gegen Chinas riesigen Handelsüberschuss vorgehen
Deutschland und Frankreich bereiten eine gemeinsame Strategie vor, um das wachsende Handelsungleichgewicht mit China zu reduzieren. Allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 erreichte der chinesische Handelsüberschuss umgerechnet rund 590 Milliarden Euro. Ein gemeinsamer deutsch-französischer Plan für ausgewogenere Handelsbeziehungen mit Peking soll voraussichtlich im September vorgestellt werden.
Das zunehmende Ungleichgewicht zwischen chinesischen Exporten und Importen entwickelt sich zu einem der wichtigsten wirtschaftspolitischen Themen der Europäischen Union. Chinesische Hersteller verkaufen immer größere Mengen ihrer Waren auf internationalen Märkten, während die Nachfrage innerhalb Chinas vergleichsweise schwach bleibt. Dadurch gewinnt der Export für die chinesische Wirtschaft zusätzlich an Bedeutung, gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck auf europäische Industrieunternehmen.
China erzielt Handelsüberschuss von rund 590 Milliarden Euro
Das Ausmaß des Problems wird an den aktuellen Handelszahlen deutlich. Innerhalb der ersten sieben Monate 2026 erreichte Chinas Handelsüberschuss umgerechnet etwa 590 Milliarden Euro. Damit exportiert die Volksrepublik weiterhin erheblich mehr Waren, als sie aus dem Ausland importiert.
Ein Handelsüberschuss ist grundsätzlich kein wirtschaftliches Problem. Kritisch wird die Situation aus europäischer Sicht allerdings dann, wenn das Ungleichgewicht dauerhaft wächst und gleichzeitig immer größere chinesische Produktionskapazitäten auf ausländische Absatzmärkte ausgerichtet werden. Besonders stark spüren dies Branchen, in denen europäische und chinesische Hersteller unmittelbar miteinander konkurrieren. Dazu gehören unter anderem Automobilindustrie, Maschinenbau, Elektrotechnik und zahlreiche Bereiche der grünen Technologien. Gerade Deutschland besitzt in diesen Industrien eine starke Exportorientierung und ist deshalb sowohl vom Zugang zum chinesischen Markt als auch vom zunehmenden Wettbewerb chinesischer Produkte in Europa abhängig.
Friedrich Merz hält chinesischen Yuan für deutlich unterbewertet
Bundeskanzler Friedrich Merz sieht einen Teil des Problems im Wechselkurs der chinesischen Währung. Nach seiner Einschätzung ist der Yuan um rund 25 Prozent unterbewertet. Eine stärkere chinesische Währung könnte deshalb aus deutscher Sicht dazu beitragen, die internationalen Handelsströme wieder stärker ins Gleichgewicht zu bringen. Die wirtschaftliche Logik dahinter ist vergleichsweise einfach. Wertet der Yuan gegenüber anderen wichtigen Währungen auf, werden chinesische Waren für ausländische Käufer teurer. Gleichzeitig können Produkte aus Deutschland und anderen europäischen Ländern für chinesische Verbraucher relativ günstiger werden.
Eine entsprechende Wechselkursbewegung könnte damit sowohl chinesische Exporte bremsen als auch Importe nach China attraktiver machen. Für europäische Hersteller wäre dies grundsätzlich eine positive Entwicklung, weil sich ihre Wettbewerbsposition gegenüber chinesischen Unternehmen verbessern könnte.
Ein stärkerer Yuan allein löst das Problem nicht
Die entscheidende Schwäche dieses Ansatzes liegt allerdings innerhalb der chinesischen Wirtschaft selbst. Eine stärkere Währung kann ausländische Produkte zwar günstiger machen, sie erzeugt aber nicht automatisch zusätzliche Nachfrage bei chinesischen Haushalten und Unternehmen.
Solange der private Konsum schwach bleibt, dürfte deshalb auch eine Aufwertung des Yuan nur einen begrenzten Effekt auf die chinesischen Importe haben. Entscheidend wäre vielmehr, zunächst das Vertrauen und die Kaufkraft innerhalb Chinas zu stärken. Erst eine nachhaltige Belebung der Binnennachfrage könnte dafür sorgen, dass Verbraucher und Unternehmen deutlich mehr Waren aus dem Ausland kaufen. Aus dieser Perspektive wäre eine Veränderung des Wechselkurses eher eine Folge einer wirtschaftlichen Neuausrichtung als deren Ausgangspunkt. Wenn Chinas Binnenwirtschaft stärker wächst und die Importnachfrage steigt, könnte sich anschließend auch der Druck auf den Yuan verändern.
Chinas Industrie bleibt unter Druck
Aktuelle Wirtschaftsdaten zeigen, warum die chinesische Regierung vor einer schwierigen Aufgabe steht. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe verbesserte sich im August zwar auf 49,8 Punkte, nachdem er im Juli noch bei 49,2 Punkten gelegen hatte. Damit näherte sich der Indikator der wichtigen Marke von 50 Punkten an, blieb aber weiterhin darunter.
Werte unter 50 Punkten signalisieren eine schrumpfende wirtschaftliche Aktivität, während Werte darüber auf Wachstum hindeuten. Die Verbesserung zeigt deshalb zwar eine gewisse Stabilisierung, aber noch keine überzeugende Erholung der chinesischen Industrie. Auch außerhalb der Industrie bleibt die Entwicklung schwach. Der entsprechende Index für den nicht-produzierenden Bereich lag bei 49 Punkten. Damit gibt es weiterhin Anzeichen dafür, dass Dienstleistungen und konsumabhängige Wirtschaftsbereiche Schwierigkeiten haben.
Immobilienkrise belastet Chinas Verbraucher
Eine der wichtigsten Ursachen für die schwache Binnennachfrage ist die anhaltende Krise auf dem chinesischen Immobilienmarkt. Über viele Jahre gehörten Immobilien und Bauwirtschaft zu den zentralen Wachstumsmotoren des Landes. Gleichzeitig investierten chinesische Haushalte einen erheblichen Teil ihres Vermögens in Wohnungen und Häuser.
Die chinesische Regierung versuchte schließlich, die hohe Verschuldung großer Immobilienentwickler einzudämmen. Die Maßnahmen führten allerdings zu einer erheblichen Abschwächung des Sektors und brachten mehrere hoch verschuldete Unternehmen in Schwierigkeiten. Sinkende Immobilienpreise und Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung wirken sich unmittelbar auf die Konsumbereitschaft aus. Wenn Haushalte das Gefühl haben, dass ihr Vermögen an Wert verliert oder ihre wirtschaftliche Zukunft unsicherer wird, sparen sie tendenziell mehr und verschieben größere Anschaffungen.
Schwacher Konsum zwingt chinesische Hersteller in den Export
Genau daraus entsteht ein Problem für Europa. Wenn chinesische Verbraucher nicht ausreichend Waren kaufen, müssen Unternehmen andere Absatzmärkte finden, um ihre Produktionskapazitäten auszulasten. Europa gehört aufgrund seiner Größe und Kaufkraft zu den attraktivsten Zielmärkten.
Chinesische Unternehmen können gleichzeitig in vielen Bereichen zu niedrigeren Kosten produzieren als ihre europäischen Wettbewerber. Treffen große Produktionskapazitäten auf schwache Nachfrage innerhalb Chinas, erhöht sich deshalb der Druck, Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen im Ausland anzubieten. Für europäische Verbraucher kann das kurzfristig durchaus Vorteile bringen. Günstigere Elektroautos, Elektronik, Solartechnik oder andere Produkte erhöhen die Auswahl und können die Preise senken. Für europäische Hersteller entsteht allerdings ein deutlich härterer Wettbewerb.
Deutsche Industrie besonders stark betroffen
Für Deutschland ist das Thema besonders sensibel. Die deutsche Wirtschaft ist traditionell stark industriell geprägt und war über Jahrzehnte selbst einer der größten Profiteure des internationalen Handels. Gleichzeitig gehörte China für deutsche Automobilhersteller, Maschinenbauer und Chemiekonzerne zu den wichtigsten Wachstumsmärkten.
Dieses Modell gerät zunehmend unter Druck. Chinesische Unternehmen produzieren inzwischen viele Waren selbst, die früher aus Deutschland importiert wurden. Gleichzeitig treten sie mit diesen Produkten immer stärker auf dem europäischen und internationalen Markt gegen deutsche Unternehmen an. Besonders sichtbar ist diese Entwicklung bei Elektroautos. Chinesische Hersteller haben technologisch stark aufgeholt und können viele Modelle zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten. Deutsche Konzerne verlieren dadurch nicht nur Marktanteile in China, sondern treffen auch innerhalb Europas auf neue Konkurrenz.
USA fordern ebenfalls härteren Umgang mit China
Nicht nur Europa fordert eine Veränderung der chinesischen Wirtschaftsstrategie. Auch US-Finanzminister Scott Bessent hat andere Länder dazu aufgerufen, ihre Handelsbeziehungen mit China neu zu bewerten. Nach seiner Vorstellung könnten stärkere Handelsbarrieren den Druck auf Peking erhöhen, die Abhängigkeit vom Export zu reduzieren und stattdessen den Binnenkonsum zu fördern.
Die amerikanische Strategie setzt damit stärker auf wirtschaftlichen Druck. Werden chinesische Produkte auf wichtigen Auslandsmärkten durch Zölle oder andere Handelsbeschränkungen weniger wettbewerbsfähig, müsste China langfristig stärker auf die Nachfrage innerhalb des eigenen Landes setzen. Für Europa ist ein solcher Ansatz allerdings mit Risiken verbunden. Neue Handelsbarrieren können Gegenmaßnahmen auslösen und einen internationalen Handelskonflikt verschärfen. Gerade Deutschland wäre aufgrund seiner exportorientierten Wirtschaft von einer Eskalation besonders stark betroffen.
Europa steht vor einem schwierigen Balanceakt
Die EU muss deshalb einen Mittelweg zwischen offenem Handel und dem Schutz der eigenen Industrie finden. Zu günstige chinesische Importe können den Wettbewerbsdruck so stark erhöhen, dass europäische Unternehmen Produktion reduzieren oder Standorte schließen. Zu starke Handelsbarrieren können dagegen Waren verteuern und europäische Unternehmen vom wichtigen chinesischen Markt abschneiden.
Hinzu kommt, dass viele europäische Industrien selbst von chinesischen Komponenten und Rohstoffen abhängig sind. Ein umfassender Handelskonflikt würde deshalb nicht nur chinesische Exporteure treffen, sondern könnte auch die Produktionskosten europäischer Unternehmen erhöhen. Die Herausforderung besteht somit darin, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, ohne die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Europa und China grundsätzlich infrage zu stellen.
Deutschland und Frankreich suchen gemeinsame europäische Position
Die geplante Initiative von Deutschland und Frankreich besitzt deshalb auch auf EU-Ebene große Bedeutung. Als zwei der größten Volkswirtschaften der Europäischen Union können beide Länder erheblichen Einfluss auf die zukünftige europäische China-Politik nehmen.
Der gemeinsame Plan soll voraussichtlich im September vorgestellt werden und Möglichkeiten aufzeigen, wie das Handelsungleichgewicht reduziert werden kann. Dabei dürfte es sowohl um die Wechselkurspolitik als auch um strukturelle Veränderungen innerhalb der chinesischen Wirtschaft gehen. Ein stärkerer Yuan könnte kurzfristig einen Teil des Preisvorteils chinesischer Exporte reduzieren. Langfristig dürfte allerdings entscheidender sein, ob China sein bisheriges Wachstumsmodell stärker vom Export auf den Binnenkonsum verlagern kann.
China muss seine Abhängigkeit vom Export reduzieren
Der Kern des Problems liegt damit tiefer als beim Wechselkurs. Solange chinesische Haushalte vergleichsweise wenig konsumieren und Unternehmen gleichzeitig über enorme Produktionskapazitäten verfügen, bleibt der Export ein zentraler Ausweg für die Wirtschaft. Dadurch wird der Handelsüberschuss mit Europa und anderen großen Märkten tendenziell weiter steigen.
Eine nachhaltige Lösung würde deshalb eine stärkere chinesische Binnennachfrage voraussetzen. Steigende Einkommen, mehr Vertrauen der Verbraucher, eine Stabilisierung des Immobilienmarktes und ein stärkeres soziales Sicherheitsnetz könnten Haushalte dazu bewegen, einen größeren Teil ihres Einkommens auszugeben. Davon könnten letztlich auch europäische Unternehmen profitieren. Ein stärker konsumorientiertes China würde mehr Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland benötigen und könnte dadurch wieder zu einem wichtigeren Absatzmarkt für europäische Hersteller werden.
Handelsstreit mit China wird zur Schlüsselfrage für Europas Industrie
Mit einem Handelsüberschuss von rund 590 Milliarden Euro innerhalb der ersten sieben Monate 2026 erreicht das Ungleichgewicht inzwischen eine Größenordnung, die von den großen westlichen Volkswirtschaften kaum ignoriert werden kann. Deutschland und Frankreich wollen deshalb im September einen gemeinsamen Ansatz präsentieren.
Die entscheidende Frage wird sein, ob Europa hauptsächlich auf handelspolitischen und währungspolitischen Druck setzt oder eine umfassendere wirtschaftliche Neuausrichtung Chinas fordert. Eine Aufwertung des Yuan könnte chinesische Exporte kurzfristig verteuern, löst aber nicht automatisch das Problem der schwachen Nachfrage innerhalb des Landes. Langfristig dürfte deshalb die Entwicklung des chinesischen Binnenkonsums entscheidend sein. Gelingt es Peking nicht, seine Wirtschaft stärker auf die eigene Nachfrage auszurichten, werden chinesische Hersteller weiterhin große Mengen ihrer Produktion auf internationalen Märkten verkaufen müssen. Für Europas Industrie und insbesondere für Deutschland dürfte der Wettbewerbsdruck dann weiter zunehmen.
FAQ
Wie hoch ist Chinas Handelsüberschuss 2026?
In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 erreichte Chinas Handelsüberschuss umgerechnet rund 590 Milliarden Euro. Damit exportiert das Land weiterhin erheblich mehr Waren, als es importiert.
Was planen Deutschland und Frankreich?
Deutschland und Frankreich arbeiten an einer gemeinsamen Strategie für ausgewogenere Handelsbeziehungen mit China. Der Plan soll voraussichtlich im September vorgestellt werden.
Warum kritisiert Friedrich Merz den chinesischen Yuan?
Bundeskanzler Friedrich Merz hält den Yuan für rund 25 Prozent unterbewertet. Eine stärkere chinesische Währung würde chinesische Exporte im Ausland verteuern und europäische Waren für chinesische Käufer relativ günstiger machen.
Warum reicht eine Aufwertung des Yuan nicht aus?
Ein stärkerer Yuan kann die Preise verändern, schafft aber nicht automatisch zusätzliche Nachfrage. Solange der Konsum innerhalb Chinas schwach bleibt, dürfte auch die Nachfrage nach importierten Waren begrenzt bleiben.
Warum exportiert China so viele Waren?
Ein wichtiger Grund ist die schwache Binnennachfrage. Wenn Verbraucher und Unternehmen innerhalb Chinas weniger kaufen, sind chinesische Hersteller stärker darauf angewiesen, ihre Produktionskapazitäten über Exporte auszulasten.
Warum ist der chinesische Handelsüberschuss für Deutschland problematisch?
Deutschland besitzt eine große industrielle Basis und konkurriert in Bereichen wie Automobilbau, Maschinenbau und Elektrotechnik direkt mit chinesischen Herstellern. Gleichzeitig verliert die deutsche Industrie teilweise Marktanteile innerhalb Chinas, während chinesische Produkte verstärkt nach Europa exportiert werden.
