Wohnungsbau in Deutschland erholt sich: Baugenehmigungen steigen um 15,1 Prozent

Wohnungsbau in Deutschland erholt sich – doch die Krise ist noch lange nicht vorbei

Nach mehreren schwierigen Jahren gibt es erstmals wieder deutlich positivere Signale vom deutschen Wohnungsmarkt. Die Zahl der genehmigten neuen und umgebauten Wohnungen ist im ersten Halbjahr 2026 zweistellig gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von Januar bis Juni insgesamt 126.300 Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Plus von 15,1 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres und ist der stärkste Anstieg in einem ersten Halbjahr seit 2016.

Von einer echten Trendwende kann allerdings noch nicht gesprochen werden. Der aktuelle Zuwachs erfolgt von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau, nachdem der deutsche Wohnungsbau in den vergangenen Jahren massiv eingebrochen war. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2021 wurden noch fast 190.000 Wohnungen genehmigt. Trotz des aktuellen Wachstums liegt Deutschland damit weiterhin deutlich unter dem Niveau, das vor wenigen Jahren erreicht wurde.

126.300 genehmigte Wohnungen im ersten Halbjahr 2026

Die Entwicklung der ersten sechs Monate zeigt dennoch, dass sich die Situation bei den Baugenehmigungen zumindest stabilisiert. Insgesamt erteilten die zuständigen Behörden Genehmigungen für 126.300 Wohnungen in neuen oder bereits bestehenden Gebäuden. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet dies einen Zuwachs von 15,1 Prozent.

Auch die deutsche Bauwirtschaft erkennt darin grundsätzlich ein positives Signal, warnt allerdings vor übertriebenem Optimismus. Das aktuelle Genehmigungsniveau entspricht nach Einschätzung der Branche ungefähr dem Stand des ersten Halbjahres 2011. Gleichzeitig entwickeln sich die Auftragseingänge weiterhin unbeständig, sodass aus steigenden Genehmigungszahlen nicht automatisch eine dauerhafte Erholung des Wohnungsbaus abgeleitet werden kann.

Besonders problematisch bleibt die große Lücke zwischen dem tatsächlichen Wohnungsbedarf und der Zahl der neu entstehenden Wohnungen. Vor allem in Großstädten und wirtschaftlich starken Ballungsräumen fehlt weiterhin bezahlbarer Wohnraum. Die steigenden Genehmigungszahlen sind deshalb zwar ein erster Schritt, reichen aber noch lange nicht aus, um den über Jahre entstandenen Rückstand auszugleichen.

Neubauten treiben die Erholung an

Der größte Teil des aktuellen Wachstums entfällt auf Neubauten. Allein im Juni 2026 wurden bundesweit 21.600 Wohnungen genehmigt. Gegenüber Juni des Vorjahres entspricht dies einem Anstieg von 13,8 Prozent. Mehr als 80 Prozent dieser Wohnungen sollen in komplett neuen Gebäuden entstehen.

Im gesamten ersten Halbjahr wurden Genehmigungen für 103.100 Wohnungen in Neubauten erteilt. Damit bildet dieses Segment die wichtigste Grundlage der aktuellen Erholung. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass wieder mehr Bauherren und Projektentwickler zumindest die planerischen Voraussetzungen für neue Projekte schaffen.

Ob diese Vorhaben tatsächlich alle umgesetzt werden, ist allerdings eine andere Frage. Hohe Baukosten, Finanzierungskosten und wirtschaftliche Unsicherheit können auch bereits genehmigte Projekte verzögern oder vollständig stoppen.

Mehr Genehmigungen für Einfamilienhäuser

Auch bei Einfamilienhäusern hat sich die Situation verbessert. Im ersten Halbjahr 2026 wurden Genehmigungen für rund 24.000 Wohnungen beziehungsweise Häuser dieser Kategorie erteilt. Das entspricht einem Plus von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Noch stärker fiel das Wachstum bei Zweifamilienhäusern aus. Hier erhöhte sich die Zahl der genehmigten Wohnungen um 27,3 Prozent auf rund 7.700. Allerdings handelt es sich im Vergleich zu anderen Bereichen des Wohnungsbaus um ein relativ kleines Segment.

Die höheren Genehmigungszahlen bei Ein- und Zweifamilienhäusern könnten darauf hindeuten, dass sich die Nachfrage nach privaten Bauprojekten langsam stabilisiert. Dennoch bleiben die Finanzierungskosten für viele Haushalte ein wesentliches Hindernis. Selbst wenn Grundstück und Genehmigung vorhanden sind, müssen die monatlichen Belastungen eines Baukredits langfristig tragbar bleiben.

Mehrfamilienhäuser bleiben wichtigstes Segment

Den mit Abstand größten Anteil am Neubau haben weiterhin Mehrfamilienhäuser. Im ersten Halbjahr wurden Genehmigungen für rund 67.000 Wohnungen in diesem Bereich erteilt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Wachstum von 16,9 Prozent.

Gerade für den angespannten Mietwohnungsmarkt ist diese Entwicklung besonders wichtig. Ein einzelnes Mehrfamilienhaus schafft deutlich mehr Wohnraum als ein Einfamilienhaus und kann deshalb vor allem in dicht besiedelten Städten einen größeren Beitrag zur Entlastung leisten.

Bei Wohnungen in Wohnheimen und vergleichbaren Gebäuden fiel die Entwicklung dagegen deutlich schwächer aus. Rund 4.400 Wohnungen wurden in diesem Segment genehmigt, lediglich 0,9 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Baugenehmigung bedeutet noch lange keine fertige Wohnung

Die steigenden Zahlen haben allerdings einen entscheidenden Haken: Eine Baugenehmigung ist noch keine fertiggestellte Wohnung. Zwischen der Erteilung einer Genehmigung und der tatsächlichen Fertigstellung eines Wohnprojekts vergehen in Deutschland inzwischen durchschnittlich rund 27 Monate. Im Jahr 2020 lag dieser Zeitraum noch bei etwa 20 Monaten.

Damit werden die positiven Genehmigungszahlen aus dem ersten Halbjahr 2026 frühestens mit erheblicher Verzögerung auf dem tatsächlichen Wohnungsmarkt sichtbar. Hinzu kommt, dass nicht jedes genehmigte Projekt unmittelbar begonnen oder überhaupt realisiert wird. Steigende Materialpreise, Finanzierungsprobleme oder veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen können Projekte auch nach der Genehmigung verzögern.

Genau deshalb ist die Zahl der fertiggestellten Wohnungen für die Bewertung der Wohnungskrise mindestens ebenso wichtig wie die Zahl der Baugenehmigungen. Und bei den Fertigstellungen zeigt sich weiterhin ein deutlich schwierigeres Bild.

2025 wurden nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland lediglich 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das waren 18 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und gleichzeitig der niedrigste Wert seit 2012. Damit setzte sich der deutliche Abwärtstrend fort.

Bereits 2024 war die Zahl der fertiggestellten Wohnungen um 14,4 Prozent zurückgegangen. Zwei aufeinanderfolgende Jahre mit starken Rückgängen haben den ohnehin bestehenden Wohnungsmangel weiter verschärft. Besonders in Metropolregionen trifft eine geringe Neubautätigkeit auf eine weiterhin hohe Nachfrage.

Die aktuelle Erholung bei den Genehmigungen muss deshalb zunächst den Einbruch der vergangenen Jahre kompensieren. Bis daraus wieder deutlich mehr fertiggestellte Wohnungen entstehen, dürfte noch einige Zeit vergehen.

760.700 genehmigte Wohnungen warten auf Fertigstellung

Wie groß die Lücke zwischen Planung und tatsächlichem Wohnungsbau inzwischen geworden ist, zeigt eine weitere Zahl. Ende 2025 gab es in Deutschland rund 760.700 genehmigte Wohnungen, die noch nicht fertiggestellt waren.

Von diesen befanden sich etwa 307.200 bereits im Bau. Bei einem erheblichen Teil der übrigen Projekte war die Genehmigung damit zwar vorhanden, die tatsächliche Umsetzung aber noch nicht entsprechend weit fortgeschritten.

Dieser sogenannte Bauüberhang ist ein wichtiger Indikator für die Probleme der Branche. Eine hohe Zahl genehmigter Projekte kann nur dann zu einer Entlastung des Wohnungsmarktes führen, wenn Investoren und Bauunternehmen wirtschaftlich in der Lage sind, diese Vorhaben tatsächlich umzusetzen.

Bundesregierung will Genehmigungen beschleunigen

Die Bundesregierung versucht deshalb, den Wohnungsbau mit schnelleren Planungs- und Genehmigungsverfahren anzukurbeln. Gleichzeitig sollen Förderprogramme für energieeffizientes Bauen wieder stärker genutzt werden, um Investitionen attraktiver zu machen.

Bundesbauministerin Verena Hubertz wertet die steigenden Genehmigungszahlen als Hinweis darauf, dass die eingeleiteten Maßnahmen langsam Wirkung zeigen. Gleichzeitig räumt die Bundesregierung ein, dass Deutschland weiterhin deutlich von der notwendigen Neubautätigkeit entfernt ist.

Die Beschleunigung administrativer Verfahren kann dabei helfen, einen Teil der Probleme zu lösen. Wenn Bauanträge schneller bearbeitet und Projekte einfacher genehmigt werden, sinken Planungskosten und Investoren erhalten früher Sicherheit. Die grundlegenden wirtschaftlichen Probleme des Wohnungsbaus lassen sich allein durch weniger Bürokratie allerdings nicht beseitigen.

Hohe Baukosten bleiben das größte Problem

Zu den wichtigsten Belastungen gehören weiterhin die hohen Baukosten. Materialien, Grundstücke, Löhne sowie technische und energetische Anforderungen haben neue Wohnprojekte in den vergangenen Jahren erheblich verteuert. Gleichzeitig bleibt die Finanzierung im Vergleich zur Niedrigzinsphase deutlich kostspieliger.

Für Projektentwickler entsteht dadurch eine schwierige Rechnung. Neue Mietwohnungen müssen zu Preisen angeboten werden, mit denen sich Grundstück, Bau und Finanzierung langfristig refinanzieren lassen. In vielen Regionen sind die dafür notwendigen Mieten allerdings so hoch, dass sie für einen großen Teil der Bevölkerung kaum bezahlbar wären.

Genau hier liegt eines der zentralen Probleme der deutschen Wohnungskrise: Der Bedarf an neuem und bezahlbarem Wohnraum ist groß, doch zahlreiche Projekte lassen sich unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen nur schwer rentabel umsetzen.

Niedrige Wasserstände könnten Baumaterialien verteuern

Zusätzlicher Druck könnte aus der Logistik kommen. Niedrige Wasserstände am Rhein und anderen wichtigen deutschen Flüssen reduzieren den möglichen Ladungsumfang von Binnenschiffen. Dadurch können Transporte von Rohstoffen und Baumaterialien teurer werden oder sich verzögern.

Für die Bauwirtschaft wäre dies eine weitere Belastung in einer ohnehin schwierigen Kostenlage. Müssen größere Mengen auf Straße und Schiene verlagert werden, können Transportkosten steigen. Bei großen Bauprojekten können bereits vergleichsweise kleine Preissteigerungen bei Materialien und Logistik erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtkosten haben.

Damit treffen positive und negative Faktoren gleichzeitig aufeinander. Die Zahl der Genehmigungen steigt wieder deutlich, während hohe Kosten, lange Bauzeiten und mögliche Logistikprobleme die tatsächliche Umsetzung weiterhin erschweren.

Erste Erholung – aber noch keine Trendwende

Die Entwicklung im ersten Halbjahr 2026 liefert erstmals seit längerer Zeit wieder Anlass für vorsichtigen Optimismus. Ein Plus von 15,1 Prozent bei den Baugenehmigungen zeigt, dass sich die Planungsaktivität im deutschen Wohnungsbau erholt. Besonders der Anstieg bei Mehrfamilienhäusern ist angesichts des Wohnungsmangels in vielen Städten ein positives Signal.

Von einem Ende der deutschen Bau- und Wohnungskrise kann trotzdem noch keine Rede sein. Die Zahl der Genehmigungen liegt weiterhin weit unter früheren Höchstständen, die Fertigstellungen sind eingebrochen und mehr als 760.000 bereits genehmigte Wohnungen warteten Ende 2025 noch auf ihre Fertigstellung.

Entscheidend wird deshalb sein, ob aus den steigenden Genehmigungszahlen tatsächlich neue Baustellen und anschließend fertige Wohnungen werden. Erst wenn auch die Fertigstellungen wieder dauerhaft zunehmen, kann von einer echten Trendwende gesprochen werden. Bis dahin bleibt der deutsche Wohnungsmarkt trotz der ersten positiven Signale unter erheblichem Druck.

FAQ

Wie viele Wohnungen wurden im ersten Halbjahr 2026 genehmigt?

Von Januar bis Juni 2026 wurden in Deutschland insgesamt 126.300 Wohnungen genehmigt. Das waren 15,1 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Wie viele Neubauwohnungen wurden genehmigt?

Im ersten Halbjahr 2026 wurden Genehmigungen für 103.100 Wohnungen in neu zu errichtenden Gebäuden erteilt. Der Neubau ist damit der wichtigste Treiber der aktuellen Erholung.

Wie entwickelt sich der Bau von Mehrfamilienhäusern?

Bei Mehrfamilienhäusern wurden rund 67.000 Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Wachstum von 16,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Wie lange dauert der Bau einer Wohnung in Deutschland?

Zwischen Baugenehmigung und Fertigstellung vergehen inzwischen durchschnittlich rund 27 Monate. Im Jahr 2020 waren es noch etwa 20 Monate.

Wie viele Wohnungen wurden 2025 fertiggestellt?

Im Jahr 2025 wurden deutschlandweit 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das waren 18 Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Wert seit 2012.

Ist die deutsche Wohnungskrise damit vorbei?

Nein. Die steigenden Baugenehmigungen sind ein positives Signal, liegen aber weiterhin deutlich unter früheren Niveaus. Hohe Bau- und Finanzierungskosten, lange Realisierungszeiten und der große Rückstand bei den Fertigstellungen belasten den Markt weiterhin.

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