UniCredit übernimmt fast die Hälfte der Commerzbank – Übernahme rückt näher
Die italienische Großbank UniCredit ist ihrem Ziel, die Kontrolle über die Commerzbank zu übernehmen, einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Nach Abschluss einer weiteren Phase ihres öffentlichen Übernahmeangebots kontrolliert das Mailänder Kreditinstitut inzwischen nahezu die Hälfte der Anteile an Deutschlands zweitgrößter Privatbank. Wie UniCredit mitteilte, haben Aktionäre mit einem Anteil von 17,6 Prozent am Grundkapital der Commerzbank das Umtauschangebot angenommen. Zusammen mit dem bereits gehaltenen Aktienpaket von 26,77 Prozent sowie zusätzlichen Finanzinstrumenten verfügt UniCredit nun über 47,59 Prozent des Kapitals. Bezogen auf die Stimmrechte entspricht dies bereits 49,65 Prozent.
Übernahme der Commerzbank rückt in greifbare Nähe
UniCredit-Chef Andrea Orcel verfolgt seit Monaten das Ziel, die Commerzbank vollständig in den italienischen Bankkonzern zu integrieren. Durch eine Fusion würde einer der größten Bankkonzerne Europas entstehen, der sowohl im Firmenkundengeschäft als auch im Privatkundensektor deutlich an Bedeutung gewinnen könnte. Nach Einschätzung von Orcel könnte der Zusammenschluss jährliche Synergien in Milliardenhöhe schaffen. Gleichzeitig rechnen Analysten damit, dass im Zuge einer Integration rund 7.000 Arbeitsplätze bei der Commerzbank wegfallen könnten.
UniCredit baut Beteiligung seit 2024 kontinuierlich aus
Bereits im September 2024 hatte UniCredit erstmals Anteile an der Commerzbank erworben. Im Mai dieses Jahres folgte schließlich das offizielle Übernahmeangebot an die Aktionäre. Sollte UniCredit die Marke von 50 Prozent der Aktien überschreiten, könnte die italienische Bank entscheidenden Einfluss auf die Unternehmensführung der Commerzbank ausüben und wichtige strategische Entscheidungen maßgeblich bestimmen. Bevor eine vollständige Übernahme abgeschlossen werden kann, müssen allerdings noch mehrere Behörden zustimmen. Dazu zählen unter anderem die Europäische Zentralbank (EZB) sowie die Wettbewerbsbehörden der Europäischen Kommission.
Widerstand von Commerzbank und Bundesregierung
Die Führung der Commerzbank lehnt die Übernahme weiterhin entschieden ab. Das Management stellt zudem den tatsächlichen Erfolg des Übernahmeangebots infrage. Nach Angaben der Bank stammen weniger als zwei Prozent der angedienten Aktien von institutionellen oder privaten Investoren. Der überwiegende Teil sei von Banken oder anderen Finanzinstituten angeboten worden, die bereits enge Verbindungen zu UniCredit unterhalten.
Auch die Bundesregierung hält an ihrer ablehnenden Haltung fest. Berlin bezeichnete das Vorgehen der italienischen Großbank erneut als „aggressiv und feindlich“ und bekräftigte, den verbliebenen Staatsanteil von etwas mehr als 12 Prozent an der Commerzbank nicht verkaufen zu wollen.
Aktientausch wurde zuletzt attraktiver
Im Rahmen des Übernahmeangebots bietet UniCredit den Aktionären der Commerzbank 0,485 UniCredit-Aktien für jede Commerzbank-Aktie an. Über weite Strecken der Angebotsfrist galt dieses Umtauschverhältnis als wenig attraktiv, da der Börsenkurs der Commerzbank-Aktie über dem rechnerischen Angebot lag. Durch den deutlichen Kursanstieg der UniCredit-Aktie haben sich die Konditionen zuletzt jedoch verbessert, wodurch das Angebot für viele Aktionäre interessanter geworden ist.
Fusion könnte Europas Bankenlandschaft verändern
Eine erfolgreiche Übernahme würde zu den bedeutendsten Bankfusionen der vergangenen Jahre in Europa zählen. Der Zusammenschluss könnte die Position von UniCredit insbesondere auf dem deutschen Markt erheblich stärken und gleichzeitig den Wettbewerb im europäischen Bankensektor verändern. Ob UniCredit letztlich die vollständige Kontrolle über die Commerzbank übernehmen kann, dürfte nun vor allem von den verbleibenden Aktionären sowie den Entscheidungen der europäischen Aufsichts- und Wettbewerbsbehörden abhängen.
FAQ
Wie hoch ist die Beteiligung von UniCredit an der Commerzbank?
UniCredit kontrolliert derzeit 47,59 Prozent des Kapitals beziehungsweise 49,65 Prozent der Stimmrechte der Commerzbank.
Warum möchte UniCredit die Commerzbank übernehmen?
Der italienische Bankkonzern strebt eine Fusion an, um einen der größten Banken Europas zu schaffen und milliardenschwere Synergieeffekte zu erzielen.
Welche Behörden müssen der Übernahme zustimmen?
Eine vollständige Übernahme erfordert unter anderem die Genehmigung der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie der Wettbewerbsbehörden der Europäischen Kommission.
Warum lehnt Deutschland die Übernahme ab?
Die Bundesregierung bezeichnet das Vorgehen von UniCredit als feindlich und möchte ihren verbliebenen Anteil von etwas mehr als 12 Prozent an der Commerzbank weiterhin behalten.
Wie lautet das aktuelle Übernahmeangebot?
UniCredit bietet den Aktionären 0,485 eigene Aktien für jede Commerzbank-Aktie an.
