Wie kaufe ich Aktien – der Direkthandel

Wenn Sie vor- oder nachbörslich, also außerhalb der Öffnungszeiten, kaufen, müssen Sie auf eine elektronische Plattform aus- weichen, was aber riskant ist, da dort die Kursbildung weniger transparent erfolgt. Der Handelspartner ist dabei eine Bank, die als so genannter Market Maker auftritt und Quotes anbietet. Bei Derivaten wie Optionsscheinen und Zertifikaten ist es sogar unerlässlich, dass es einen Direkthandel gibt, da bei diesen Wertpapieren nicht immer Umsätze entstehen, die Emissionsbanken aber verpflichtet sind, einen Mindesthandel dem Kunden zu bieten. Bei Aktien besteht dieses Problem nicht, aber der Direkthandel über elektronische Handelsplattformen dient dazu, außerhalb der Börse Öffnungszeiten Aktien zu kaufen und zu verkaufen. Auch am Wochenende können Sie über solche Plattformen handeln und dadurch die Börsentendenzen in anderen Regionen der Welt nutzen, Denn meist führt eine schlechte Vorgabe aus Asien und insbesondere Japan dazu, dass auch die Kurse in Europa leichter tendieren. Die Börse in Tokio und in anderen astatischen Metropolen wiederum ward von der Tendenz an der Wall Street beeinflusst. Vor diesem Hintergrund kann es auch Sinn machen, bereits am Wochenende, spät abends oder mitten in der Nacht mit dem Aktienhandel zu beginnen.

Ein weiterer Vorteil des Direkthandels besteht darin, dass die abgegebenen Kurse des Market Makers, also der Bank, sicher sind und dass zu diesen Preisen sofort abgeschlossen werden kann. Dieser Service ist mit höheren Kosten verbunden; zwar entfällt die Maklercourtage, da Sie in diesem Fall direkt mit der Bank Aktienhandel betreiben, aber der Market Maker lässt sich seinen Aufwand über eine höhere Preisspanne vergüten, d.h. der Unterschied zwischen dem Geld- und dem Briefkurs (der so genannte Spread) ist höher als beim Handel über die Börse. Je bekannter und gängiger die Aktie ist, desto geringer ist diese Differenz, auch wenn der Spread allgemein etwas größer ist als an der Börse.

Der außerbörsliche Handel sollte für den Privatanleger der Ausnahmefall sein. Auch wenn es lukrativ erscheint, die Aktie eines Unternehmens, über das negativ berichtet wird, bereits am Wochenende abzustoßen, sind die Risiken beim Direkthandel größer, als man meint. Da über das Wochenende oder die Nacht kein verlässlicher Referenzkurs verfügbar ist, es sei denn die Aktie wird auch in Nordamerika oder Asien gehandelt, stellen die Quotes im Direkthandel nur Schätzungen dar. Der Aktienkurs kann im Zweifelsfall zu niedrig oder zu hoch ausfallen, da im Direkthandel nur geringe Umsätze getätigt werden. Darüber hinaus kennt die Bank auf der anderen Seite alle Angebote und die gesamte Nachfrage und kann daher den Kurs zu ihren Gunsten ansetzen. Da der Direkthandel nicht der Börsenaufsicht und damit den strengen gesetzlichen Regelungen unterliegt, ist es dem Ermessen der Bank anheimgestellt, welchen Kurs die Bank anbietet. Dasselbe gilt, wenn Unregelmäßigkeiten auftreten oder die Abrechnung zu einem anderen als dem angegebenen Kurs erfolgt. Im Zweifelsfall müssen Sie dann klagen. Besonders bedenklich ist es, wenn Sie den Direkthandel über irgendwelche dubiosen Internetplattformen abwickeln. Sie riskieren, betrogen zu werden. Beachten Sie daher folgende Hinweise: Wählen Sie den Direkthandel nur im äußersten Ausnahmefall, wenn Sie unbedingt am Wochenende oder nachts Wertpapiere kaufen oder verkaufen wollen. Denken Sie daran, dass die Aktienkurse in solchen Fällen immer etwas ungünstiger als im Börsenhandel sind und dass eine verlässliche Kursstellung nicht erfolgt, da der Market Maker nach eigenem Gutdünken die Kurse festlegt. Wählen Sie auf keinen Fall eine Handelsplattform, deren Anbieter Sie nicht kennen. Wenn Sie schon eine Handelsplattform aussuchen, dann nur die einer renommierten und zuverlässigen Großbank. Beim Online-Banking werden Ihnen Handelsplattformen auf einer Auswahlliste vorgegeben, da Ihre Direktbank nur mit bestimmten Anbietern kooperiert.

Die Aktienanalyse richtig verstehen

Die Aktienanalyse ist ein sehr umfassendes Gebiet, das man in einem Artikel nicht erschöpfend behandeln kann. Dennoch möchte ich Ihnen zumindest einige Grundlagen vermitteln, damit Sie die Ertrags- und Finanzlage einer Aktiengesellschaft besser und sachkundiger beurteilen können.
Die Aktienanalyse wird in zwei Hauptbereiche untergliedert: in die Fundamentalanalyse, die sich auf Bilanzkennzahlen bezieht, sowie die Chart- und die technische Analyse, die auf der Auswertung des Aktienkurses beruht. Die meisten Börsenprofis setzen beide Richtungen in der Aktienanalyse ein. Die Fundamentalanalyse hat den Vorteil, dass sie auf Bilanzkennzahlen zurückgreift und daher einen wissenschaftlich fundierteren Ansatz verfolgt. Dennoch ist auch die Fundamentalanalyse kein Königsweg zu großen Aktiengewinnen, denn Kritiker wenden ein, Bilanzkennzahlen seien stets vergangenheitsbezogen und könnten keine prognostischen Aussagen über die Zukunft machen. Dieser Einwand ist durchaus berechtigt, denn die Rahmenbedingungen eines Unternehmens können sich sehr schnell ändern und neue Verhältnisse schaffen. Ein Unternehmen, das gestern noch als profitabel galt, kann durch Marktveränderungen, eine höheren Wettbewerbsdruck, Steuererhöhungen und andere Unwägbarkeiten schnell in die Verlustzone geraten. Trotz all dieser Vorbehalte wird die Fundamentalanalyse von vielen Analysten bevorzugt, denn sie hat aufgrund der quantitativen Auswertung der Bilanzkennzahlen einen objektiveren Anstrich. Letztlich sollte Ihnen aber bewusst sein, dass jede Vorhersage aufgrund dieser Kennzahlen nur eine Fortführung und somit eine Projektion einer bisherigen Entwicklung darstellt.

Die technische Analyse, die sich seit den 1990er dank der besseren Verfügbarkeit von schnellen Rechnern und moderner Software stark verbreitet hat, ist unter Experten umstritten. Vielfach wird sie als „Kaffeesatzleserei“ disqualifiziert und als Unfug abgetan. Die gesamte technische Analyse beruht auf der Vorstellung, dass die Aktienkurse bestimmte Muster abbilden; und sobald man eine solche Formation erkannt habe, könne man den weiteren Verlauf des Aktienkurses Vorhersagen. Die technische Analyse hat darüber hinaus Kennzahlen entwickelt, die den Aktienkurs mit dem Marktdurchschnitt oder anderen Parametern vergleichen.
Der wissenschaftliche Wert der technischen Analyse bleibt weiterhin kontrovers, da niemand genau beurteilen kann, ob man wirklich einen Trend aus dem Verlauf des Aktienkurses Vorhersagen kann. Die empirische Finanzmarktforschung, die sich dieses Themas längst angenommen hat, kommt zu keinem eindeutigen Resultat. Bereits Anfang der 1970er Jahre wurde die Hypothese aufgestellt, der Verlauf der Aktienkurse sei rein zufällig und nicht vorhersehbar. Die Annahme ist unter der Bezeichnung „Random- Walk-Hypothese“ in die Geschichte eingegangen. Um die Zufälligkeit der Aktienkurse zu beweisen, hat man künstliche Aktienkurse generiert, indem man Würfel geworfen hat. Jedes Mal wenn der Würfel eine gerade Augenzahl zeigte, wurde der Aktienkurs nach oben fortgeführt, wenn der Wurf hingegen ungerade war, ließ man den Aktienkurs nach unten korrigieren. Aus diesem Zufallsmuster ergibt sich dann ebenfalls ein realistisch aussehender Aktienkurs. Andererseits bewiesen andere Studien, dass zumindest in einem kurzfristigen Zeitraum die einzelnen Kurse miteinander Zusammenhängen, was man als Korrelation bezeichnet.

In der Praxis sollten Sie sich nicht ausschließlich auf die technische Analyse verlassen, sondern immer auch Fundamentaldaten zur Beurteilung heranziehen. Es kann aber nicht schaden, vor dem Kauf einer Aktie eine genauen Blick auf den Aktienchart zu werfen. Wenn der Kurs Ihrer favorisierten Aktien stetig nach unten zeigt, sollten Sie vorerst auf den Kauf verzichten und warten, bis der Kurs einen Boden erreicht hat. Ein solcher steiler Abschwung kann nämlich ein deutliches Warnsignal sein, und Sie sollten noch einmal prüfen, ob es nicht irgendwelche Unternehmensnachrichten gibt, die einen solchen Kursabschwung begründen. Immerhin argumentieren die Verfechter der technischen Analyse, der Aktienkurs bilde anders als die Auswertung der Bilanzkennzahlen die aktuelle Lage des Unternehmens ab und spiegele unmittelbar die Veränderungen wider.

Aktienarten – die Standardwerte

Neben Stamm- und Vorzugsaktien gliedert man die Wertpapiere meist nach dem Grad der Marktkapitalisierung, d.h. die Aktien werden nach der Größe der jeweiligen Aktiengesellschaft unterteilt. Es werden große Aktiengesellschaften, die so genannten Standardwerte oder Blue Chips, die mittelgroßen Gesellschaften, die Mid Caps, und die kleinen Aktiengesellschaften, Small Caps, unterschieden.

Die Standardwerte
Die Standardwerte gehören zu den geläufigsten Aktien, denn sie bilden das Flaggschiff einer Nation oder eines Marktes. Die
Standardwerte werden wegen ihrer großen Marktkapitalisierung häufig auch als Large Caps (von engl, „large capitalization“ – große Marktkapitalisierung) bezeichnet. Der Börsenwert solcher Unternehmen erreicht mehrere Milliarden. Solche Giganten werden ironisch „Blue Chips“ genannt, denn in Spielcasinos haben die blauen Jetons den höchsten Wert.

Die 30 größten deutschen Standardwerte sind im DAX zusammengefasst; der DAX ist ein Aktienindex, der jede Minute neu berechnet wird und die Wertentwicklung der deutschen Börse widerspiegelt.

Zu den DAX-Werten zählen bekannte Aktiengesellschaften wie die Deutsche Bank, DaimlerChrysler, BMW, Deutsche Post, SAP, Lufthansa, Siemens und andere. Diese Unternehmen haben oft eine lange Tradition und sind auf den Weltmärkten tätig. Für Anleger haben diese Large Caps den Vorteil, dass sie auch schwere Krisen meist unbeschadet überstehen und aufgrund ihrer Größe eine Vielzahl von Möglichkeiten haben, sich neue Weltmärkte zu erschließen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Blue Chips jemals insolvent werden und Pleite gehen. Denn sie verfügen über beträchtliche finanzielle Ressourcen und eine starke, wettbewerbsfähige Position auf den internationalen Märkten.

Betrachtet man die Wertentwicklung der DAX-Werte in den letzten fünf Jahren, so ergibt sich ein uneinheitliches Bild. Während der Reifenhersteller Continental mit fast 500 Prozent Wertzuwachs das Feld anführt und eine erstaunliche Performance erzielte, büßte Infineon mehr als 50 Prozent seines ursprünglichen Wertes ein. An solchen Ergebnissen können Sie erkennen, dass es sehr riskant sein kann, eine Aktie beliebig herauszusuchen. Wenn Sie auf den falschen Wert setzen, können deutliche Verluste entstehen.

Standardwerte werden häufig unerfahrenen Anlegern als Standardinvestment empfohlen. Ihr Kurs ist leicht zu verfolgen, da täglich in den Fernsehnachrichten über diese Aktiengesellschaften berichtet wird. Darüber hinaus untersuchen die Analysten aller renommierten Banken ständig die Unternehmen, berechnen Kennzahlen, fertigen Analysen und Gutachten an. Kaum irgendwelche anderen Aktien werden so aufmerksam beobachtet und untersucht wie die 30 DAX-Werte. Darüber hinaus verfügen diese Aktien über hohe Börsenumsätze und damit eine überdurchschnittliche Liquidität, so dass auch institutionelle Investoren und Investmentfonds Aktien für Millionenbeträge kaufen können, ohne dass es zu außergewöhnlich starken Schwankungen kommt. Insbesondere für Investmentfonds ist es von großer Bedeutung, dass sie jederzeit größere Positionen aufbauen und auch wieder schnell veräußern können.

Name der Aktie Wertentwicklung 5 Jahre (in Prozent)
Adidas 96,3
Allianz -38,7
Altana – 22,6
BASF 85,2
Bayer 33,6
BMW 12,7
Commerzbank 78,4
Continental 495,0
DaimlerChrysler 27,8
Deutsche Bank 56,6
Deutsche Börse 263,8
Deutsche Lufthansa 29,7
Deutsche Post 60,6
Deutsche Postbank
Deutsche Telekom – 10,1
E.on 91,8
Fresenius Medical Care 90,0
Henket 78,8
Hypo Real Estate
Infineon Technologies – 51,8
Linde 47,5
MAN 246,8
Metro 48,2
Münchener Rück -54,0
RWE 100,8
SAP – 9,1
Siemens 29,6
Thyssen Krupp 139,6
TUI -43,6
Volkswagen 69,3

Aus all diesen Gründen werden Standardwerte oft als Anlageinstrument empfohlen, und es gibt eine Reihe von Investmentfonds, die sich nur auf diese Blue Chips konzentrieren. So hat die zur Deutschen Bank gehörende Investmentgesellschaft DWS eine Reihe von Aktienfonds aufgelegt, die sich auf die 50 besten Standardwerte konzentrieren (beispielsweise DWS Top 50 Welt, DWS Top 50 Europa).
Obwohl diese Standardwerte fast einhellig von Beratern angepriesen werden, hat eine solche Large-Cap-Strategie, die ausschließlich auf Standardwerte setzt, einige Nachteile. Untersuchungen in der Finanzmarktforschung haben gezeigt, dass Standardwerte im Vergleich zu Aktiengesellschaften mit einer geringeren Marktkapitalisierung (Mid Caps und Small Caps) schlechter abschneiden. Vielfach haftet den großen Aktiengesellschaften das Image eines „Dinosauriers“ oder „Elefanten“ an. Viele dieser renommierten Unternehmen sind oft schwerfällig und wenig flexibel; oftmals etabliert sich eine Bürokratie, die der einer Behörde in nichts nachsteht, und die Fähigkeit, neue Innovationen herzubringen, erlahmt im Laufe der Zeit. Viele dieser Unternehmen zehren von einer ruhmreichen Vergangenheit und reagieren zu spät auf die Herausforderungen der Globalisierung. Trotz der internationalen Ausrichtung dieser Unternehmen neigt das Management dazu, sich auf den Lorbeeren auszuruhen und erkennt nur zögerlich die neuesten Entwicklungen der Märkte. Ein typisches Beispiel dafür ist, dass Microsoft in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre die Bedeutung des Internets verkannt hat. Durch gezielte Unternehmensübernahmen konnte der Software-Riese den Entwicklungsrückstand überwinden. DaimlerChrysler gelang es in den letzten Jahren nicht, eine klare und schlüssige Konzernpolitik zu betreiben.

Noch heute notieren die Aktienkurse vieler Standardwerte unter dem Einstiegskurs vor dem Niedergang des Neuen Marktes, der 2001 einsetzte und auch die vermeintlich sicheren Blue Chips in einen Abwärtssog riss. Zwar wurden die Large Caps weniger stark gebeutelt als die anfälligen Internetaktien und Technologiewerte, aber auch die Standardwerte mussten während des Börsenrückgangs deutliche Einbußen hinnehmen.

Standardwerte sind keineswegs sichere und zuverlässige Aktien. Sie haben zwar bessere Börsenumsätze und eignen sich daher für manche Anlagestrategien besser als mittelgroße und kleine Aktiengesellschaften, sind aber im Zweifelsfall weniger ertragsstark. Häufig sind diese Konzerne träge und reagieren zu langsam auf aktuelle Entwicklungen. Bevor das Lean Management Mitte der neunziger Jahre aufkam und damit eine Verschlankung der Strukturen vorantrieb, hatten manche dieser Riesen sieben Führungsebenen. Die Löhne und Gehälter liegen noch heute weit über dem Branchendurchschnitt, und das Gewinn- und Umsatzwachstum ist eher weniger rekordverdächtig.

Wenn Ihnen Ihr Bankberater solche Aktien vollmundig anpreist, dann sollten Sie bedenken, dass die Analystenabteilungen der großen Banken fast ausschließlich diese Werte untersuchen und gelegentlich sogar an diesen Unternehmen beteiligt sind. Werden Ihnen beim Beratungsgespräch nur DaimlerChrysler, Siemens, BMW und Co. empfohlen, so deutet dies darauf hin, dass der Bankberater sich nicht besonders viel Mühe mit Ihnen als Kunden gibt.

Die meisten Blue Chips entwickeln sich nur durchschnittlich, und in schlechten Börsenzeiten können sie erheblich verlieren. Natürlich gibt es auch unter diesen Standardwerten einzelne Aktien, die sich weitaus besser entwickeln konnten als der Marktdurchschnitt. Ob Standardwerte für Sie in Frage kommen, hängt letztlich von Ihren Zielen ab: Wenn Sie eher ein Portfolio mit einem durchschnittlichen Ertrag haben möchten, dann könnten Large Caps für Sie das Richtige sein. Vor allem haben Sie bei diesen Werten die Sicherheit, dass diese Unternehmen nur selten insolvent werden. Wenn Sie an einer höheren Rendite interessiert sind, können Aktiengesellschaften mit geringerer Marktkapitalisierung vorteilhafter sein.

Information und News über die Aktien – Unternehmensinformationen

Jede Aktiengesellschaft ist verpflichtet, Unternehmensinformationen zu veröffentlichen. Diese so genannte Publizitätspflicht bezieht sich in erster Linie auf den Jahresabschluss, der neben der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung den Anhang und den Lagebericht umfasst. Darüber hinaus müssen Aktiengesellschaften auch kursrelevante Neuigkeiten unverzüglich publizieren; man nennt diese Nachrichten Ad-hoc-Mitteilungen.
Unternehmen, die aus welchen Gründen auch immer nicht möchten, dass die Öffentlichkeit sämtliche Umsätze, Gewinne und andere Daten des Unternehmens erfährt, ziehen es häufig vor, als Personengesellschaft zu firmieren, da für diese die Publizitätsvorschriften nicht so streng sind. Viele Lebensmitteldiscounter sind beispielsweise Personengesellschaften. Viele Familienunternehmen scheuen deshalb auch den Weg an die Börse, weil sie dadurch den Aktionären ein weitgehendes Mitspracherecht einräumen und zudem die Finanz- und Ertragslage detailliert offenlegen müssen.
Für den Aktionär hat diese strenge Publizitätspflicht natürlich erhebliche Vorteile, denn dadurch kann man anhand des Jahresabschlusses bis in die Einzelheiten zurückverfolgen, welche Umsätze und Gewinne ein Unternehmen erzielt hat. Aus dem Jahresabschluss geht beispielsweise hervor, wie hoch die Personalkosten waren, ob die Investitionen gestiegen sind oder ob es Sonderabschreibungen für einzelne Maschinen gab.

Der Geschäftsbericht
Wenn Sie sich als Aktionär besonders gründlich über Ihr Unternehmen informieren wollen, ist der Geschäftsbericht ein wichtige Lektüre für Sie. Allerdings ist das seltsame Kauderwelsch häufig nur für Betriebswirte verständlich, da Sie über enorme Vorkenntnisse verfügen müssen, um überhaupt den Aufbau und die Zusammensetzung einer Bilanz zu verstehen. Viele Investor-Relations- Abteilungen verfassen den Geschäftsbericht immer noch so, als wären Aktionäre ausschließlich Banken, Pensionsfonds und Versicherungen. Wenn Sie dennoch den Geschäftsbericht ausführlich studieren möchten, sollten Sie sich zumindest in die Grundlagen der Bilanzanalyse einarbeiten. Zur Veranschaulichung veröffentlichen viele Unternehmen in der Einleitung eine Übersicht mit den wichtigsten Bilanzkennzahlen.

In der Aktienanalyse nennt man die Richtung, die sich mit der Auswertung von Bilanzkennzahlen für prognostische Zwecke befasst, Fundamentalanalyse. Doch auch hier sollten Sie eine gewisse Skepsis walten lassen. Natürlich müssen Unternehmen korrekte Zahlen veröffentlichen, denn ein beauftragter Wirtschaftsprüfer untersucht das Zahlenwerk sorgfältig. In den USA finden manche Aktiengesellschaften keinen Wirtschaftsprüfer mehr, der ihnen ein so genanntes Testat ausstellt, also die Bestätigung, dass die Zahlen in Ordnung sind. Der Grund dafür ist, dass Anleger, die aufgrund unrichtiger Bilanzen die Aktie gekauft haben, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auf Schadensersatz verklagen können.
Von betrügerischen Machenschaften abgesehen, wie sie bei dem Energiekonzern Enron für Schlagzeilen sorgten, müssen die meisten Aktiengesellschaften gar nicht erst zu solchen Tricks greifen; denn allein die Aufstellung des Jahresabschlusses bietet viele Spielräume, die man als Bilanzpolitik bezeichnet.

Die Zahl der Wahl- und Ansatzrechte in der Bilanzierung ist groß, und viele Anleger unterschätzen bei weitem die Möglichkeiten, die die Unternehmen haben. Wenn beispielsweise eine Aktiengesellschaft einen Riesenverlust ausweisen müsste, kann sie durch den Verkauf einer Beteiligung noch einen Gewinn vorzeigen. Deshalb sollten Sie als Anleger den Geschäftsbericht sorgfältig lesen; nicht jeder Gewinn ist wirklich einer, da es viele Methoden gibt, durch kurzfristige Veräußerungen eine desolate Situation zu verschleiern. Umgekehrt sind viele Unternehmen reicher, als man gemeinhin annimmt. Beispielsweise gibt es bei Immobilien häufig einen großen Unterschied zwischen dem tatsächlichen Verkehrswert, der in Innenstadtlagen wie in Frankfurt am Main oder München beträchtlich sein kann, und dem bilanzierten Wert nach einer jahrzehntelangen Abschreibung. Man nennt dieses Phänomen stille Reserven. Die stillen Reserven vieler Aktiengesellschaften sind beachtlich. Auch die Abschreibungen bieten eine Reihe von Möglichkeiten, die wahre Ertrags- und Finanzlage eines Unternehmen geschickt zurechtzurücken. Die meisten Unternehmen machen von diesen legalen Möglichkeiten, das Unternehmensergebnis im Rahmen der Bilanzpolitik zu schönen, Gebrauch. Überhaupt gibt es keine Norm- oder Standardbilanz, da die vielen Wahlrechte jedes Unternehmen vor eine Entscheidung stellen. Stellen Sie sich deshalb die Bilanzierung wie ein Rahmenwerk vor, innerhalb dessen Grenzen die Unternehmen einen großen Freiraum haben.
Erschwerend kommt hinzu, dass es mehrere so genannte Rechnungslegungsstandards gibt. Ein Rechnungslegungsstandard definiert gleichsam die Grundregeln, nach denen eine Bilanz erstellt wird. In Deutschland mussten die Unternehmen bislang nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) bilanzieren, das bereits im 19. Jahrhundert in Kraft trat. Seit einigen Jahren müssen nun Aktiengesellschaften ihre Konzernbilanz nach einem in der EU gültigen europäischen Standard erstellen, den man IFRS – International Financial Reporting Standard – nennt. Früher bezeichnete man ihn auch als IAS (International Accounting Standards). Jedes Einzelunternehmen ist aber weiterhin verpflichtet, eine Bilanz nach HGB vorzulegen.

Als erstmals die Umstellung von HGB auf IFRS erfolgte, staunten viele Finanzexperten, denn die Gewinne der Unternehmen unterschieden sich beträchtlich je nachdem, ob nach HGB oder IFRS bilanziert wurde. Die Unterschiede machten bei großen Aktiengesellschaften oft etliche Millionen Euro aus. An solchen Differenzen können Sie erkennen, dass auch eine so scheinbar offenkundige Kennzahl wie der Gewinn erheblich variieren kann. Die Bilanzierung ist für jeden Anleger eine Art Bermuda-Dreieck, und die vermeintlich exakten Zahlen mit zwei Stellen hinter dem Komma sind bei näherer Betrachtung nur ein bilanztechnisches Konstrukt.
Neben der HGB-Bilanzierung und dem IFRS ist auch der US- GAAP, die amerikanische Form der Bilanzierung, verbreitet. US- Unternehmen bilanzieren folglich nach US-GAAR In anderen Ländern wie Japan, China oder Russland gelten eigene Bilanzierungsvorschriften. Insofern sollten Sie die Angaben zu einzelnen Bilanzkennzahlen und zur Gewinnentwicklung immer mit Vorsicht betrachten, denn in jedem Land gelten eigene Regelungen. Was vielleicht in einem Land als Verlust hätte ausgewiesen werden müssen, führt in einem anderen Staat zu deutlichen Gewinnen. Solche Unterschiede ergeben sich beispielsweise daraus, dass Abschreibungen in unterschiedlichem Ausmaß möglich sind, Grundstücke anders bewertet werden und Pensionsrückstellungen anders eingestuft werden. Besonders problematisch ist die Bewertung von immateriellen Vermögensgegenständen, die im Englischen die fast schon ironisch anmutende Bezeichnung „in- tangible assets“ (wörtlich: „unberührbare“ oder „unantastbare Vermögensgegenstände“) tragen. In manchen Standards dürfen alle immateriellen Vermögensgegenstände, auch selbst geschaffene oder ein imaginärer Firmenwert, angesetzt werden, in anderen Standards wie beispielsweise der HGB-Bilanzierung sind nur entgeltlich erworbene Firmenwerte zulässig.

Die großen Unterschiede zwischen den Standards ergeben sich aus der Rechtstradition und dem Rechtsverständnis der jeweiligen Länder. In Deutschland liegt der Akzent auf dem Gläubigerschutz, der in dem alles beherrschenden Vorsichtsprinzip zum Ausdruck kommt. Dadurch entstehen große stille Reserven, da man bei einer Liquidation des Unternehmens die Gläubiger zufrieden stellen möchte. Der europäische und der US-amerikanische Standard stellen dagegen den Investorenschutz in den Vordergrund; die Ertrags- und Finanzlage der Unternehmen soll möglichst realistisch bewertet werden, damit der Aktionär jederzeit weiß, wie viel sein Unternehmen tatsächlich wert ist. Beide Ausrichtungen haben ihre Vor- und Nachteile, und man kann nicht wirklich sagen, welcher Standard besser ist, denn die Zielsetzung ist jeweils eine völlig andere.

Als Aktionär sollten Sie auf jeden Fall beachten, dass jede Bilanz nur ein Kompromiss zwischen den gesetzlichen Rahmenbedingungen und den Bedürfnissen des Unternehmens ist. Unterschätzen Sie nie den großen Spielraum bilanzpolitischer Maßnahmen, so dass im Extremfall ein deutlicher Verlust durch geschickte und legale Transaktionen in einen Gewinn verwandelt werden kann. Insbesondere Unternehmen, die eine kontinuierliche Dividendenpolitik verfolgen und ihre Aktionäre nicht verärgern möchten, werden eher einige Beteiligungen oder Grundstücke abstoßen oder Abschreibungen niedriger ansetzen, als einen Verlust auszuweisen.
Sie sollten die Gewinne von Unternehmen mit unterschiedlichem Rechnungslegungsstandard gar nicht oder nur mit Vorbehalt vergleichen. Es macht letztlich keinen Sinn, die Kennzahlen von japanischen, amerikanischen oder europäischen Unternehmen zu vergleichen, wenn die zugrundeliegende Bilanzierung deutlich voneinander abweicht. Dasselbe gilt für Unternehmen aus Schwellenländer, so genannten Emerging Markets; in diesen Ländern ist häufig noch nicht einmal die Rechtssicherheit gegeben, so dass die Unternehmen die Zahlen im Zweifelsfall manipulieren können. Zwar versuchen die Regierungen dieser Länder solche Machenschaften zu unterbinden, um ausländische Investoren zu gewinnen, aber ähnlich wie beim Kampf gegen die Korruption ist dies noch ein weiter Weg. Die Bilanzen von Unternehmen aus Emerging Markets sollten Sie daher mit äußerster Vorsicht betrachten.

Die Quartalsberichte
Manche Aktiengesellschaften, die besondere Voraussetzungen erfüllen, müssen zusätzlich Quartalsberichte erstellen – das gilt beispielsweise für alle im DAX gelisteten Unternehmen. Die Quartalberichterstattung ist in den USA schon lange üblich und setzt sich nun auch in Deutschland durch. Für den Anleger hat dies den Vorteil, dass man die Entwicklung des Aktienkurses stets mit der Gewinnsituation und der Umsatzentwicklung in dem betreffenden Unternehmen vergleichen kann. Die vierteljährlichen Termine werden von den Analysten, Investoren und Anlegern sehr genau wahrgenommen und die publizierten Zahlen sofort mit den Erwartungen und Prognosen der Analysten verglichen. Aktiengesellschaften, die diesen Vorhersagen und Analysen nicht gerecht werden oder sogar eine „Gewinnwarnung“ ankündigen müssen, werden an der Börse sehr schnell durch deutliche Kursverluste abgestraft. Ein Quartalsbericht kann so zum Kursrückgang von einigen Prozent führen, wenn das Unternehmen einen Umsatzrückgang, Verluste oder einen Gewinneinbruch meldet. Vielfach reicht es schon, wenn das Unternehmen die von den Analysten prognostizierten Gewinne nur geringfügig verfehlt. Der Begriff „Gewinnwarnung“ hat hier fast schon eine ironische Note, denn damit bezeichnet man nicht etwa die Warnung vor einem eigentlich erfreulichen Gewinn, sondern dass der angepeilte Gewinn verfehlt wurde oder sogar ein Verlust entstanden ist.
Quartalsberichte haben für den Anleger den entscheidenden Vorteil, dass sie die Entwicklung des Unternehmens in vierteljährlichen Abständen akribisch verfolgen können. In Deutschland stieß die Quartalberichterstattung anfangs nur auf wenig Gegenliebe bei den Unternehmen, denn die Vorstände sind nun gezwungen, jedes Quartal beste Leistungen vorzuweisen, sonst sind Anleger sofort geneigt, die Aktie abzustoßen. Andererseits führen diese kurzen Perioden dazu, dass in den Unternehmen die langfristige Planung von einem kurzfristigen Aktionismus abgelöst wird. Unter dem Druck der Quartalberichterstattung benötigt ein Vorstand viel Mut, um langfristige Investitionen durchzusetzen, denn diese führen zumindest vorübergehend zu einem Gewinnrückgang.

Ad-hoc-Mitteilungen
Zu den wichtigen Unternehmensinformationen zählen die Ad- hoc-Mitteilungen, die der Gesetzgeber eingeführt hat, damit Anleger stets über aktuelle kursrelevante Ereignisse unterrichtet sind. Geschehnisse, die den Kurs unmittelbar beeinflussen können, müssen nach dem Wertpapierhandelsgesetz unverzüglich (auf lateinisch: ad hoc) veröffentlicht werden. Natürlich ist es eine Ermessensfrage, was als kursrelevant eingestuft wird, und genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Problematik. Es besteht ein Konsens, dass eine drohende Überschuldung des Unternehmens, die bei Aktiengesellschaften bereits ein sofortiger Insolvenzgrund ist, Zahlungsunfähigkeit oder der Verkauf größerer Unternehmensteile umgehend veröffentlicht werden müssen. Ad-hoc-Mitteilungen erscheinen auf der Webseite des Unternehmens und in überregionalen Tageszeitungen, die von der Börse als Pflichtblatt anerkannt sind. Darüber hinaus muss das Unternehmen die zuständige Aufsichtsbehörde, nämlich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und die Börsenverwaltung unterrichten. In schwerwiegenden Fällen kann die Aufsichtsbehörde – beispielsweise bei einer bevorstehenden Insolvenz – den Kurs vorübergehend aussetzen, um einen Insiderhandel zu verhindern. Denn sonst könnten die bereits informierten Vorstände und Führungskräfte im Unternehmen ihre Aktien rechtzeitig verkaufen, was andere Anleger benachteiligen würde.
Zu Zeiten des Börsenbooms der New Economy, als Internetaktien kometengleich aufstiegen, kamen einige Unternehmen auf die Idee, mit Hilfe von Ad-hoc-Mitteilungen den Kurs in die Höhe zu treiben. Es wurden bereits anstehende Projekte als kursrelevante Nachricht veröffentlicht, obwohl es nur um erste Vorverhandlungen ging. Gelegentlich erhielt das Unternehmen dann doch nicht den Zuschlag, aber durch die Ad-hoc-Mitteilung war der Aktienkurs bereits stark angestiegen. Als durchsickerte, dass der Kunde kein Interesse zeigte, sackte der Aktienkurs wieder ab. Während der Boomjahre der New Economy wurden solche Ad-hoc-Mittellungen regelrecht wie ein Marketinginstrument eingesetzt. Als die Internetblase 2001 platzte und viele der neu gegründeten Technologie- und Internetunternehmen drastische Kurseinbußen verzeichneten, wurden immer mehr Manipulationen offenkundig. Der Gesetzgeber hat daraufhin die Regeln verschärft. Kursmanipulation wurde strafbar, und Unternehmen, die irreführende, verspätete oder falsche Ad-hoc-Mitteilungen veröffentlichen oder wichtige Informationen verschweigen, müssen damit rechnen, dass Aktionäre Schadenersatz geltend machen.

Insiderhandel
Unter Insiderhandel versteht man, dass Personen, die unmittelbar wichtige Erkenntnisse über eine Aktiengesellschaft haben, diese zu ihrem Vorteil nutzen. In der Praxis können dies Vorstände sein, die natürlich einen direkten Einblick in die laufenden Geschäfte haben. Aber auch Aufsichtsratsmitglieder oder Führungskräfte verfügen über den nötigen Zugang zu wichtigen internen Informationen. In Pharmaunternehmen oder anderen forschungsintensiven Branchen können auch die beteiligten Wissenschaftler Insider sein. Wenn beispielsweise Labortests die hohe Wirksamkeit eines neuen Krebsmedikaments oder einer Impfung belegen, dann könnte der Forscher heimlich Aktien an der Börse kaufen, ehe dies der Öffentlichkeit bekannt wird, und von dem anschließenden Kursanstieg enorm profitieren. Solche Insider nennt man Primärinsider, da sie direkt an der Nachrichtenquelle sitzen. Als Sekundärinsider bezeichnet man Personen, die über Umwege Kenntnis von solchen Neuigkeiten erlangen wie etwa die Vorstandssekretärin.

In Deutschland und in den meisten anderen Ländern ist diese Benutzung von internen Informationen, was auch als Frontrunning bezeichnet wird, verboten. Daher prüft die zuständige Aufsichtsbehörde, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), ob es vor der Veröffentlichung einer wichtigen Nachricht zu Unregelmäßigkeiten oder Auffälligkeiten im Verlauf des Aktienkurses kam. Im Zweifelsfall kann die Behörde solche Vorfälle zurückverfolgen. Um eine weitere Transparenz zu ermöglichen, gibt es in manchen Ländern Gesetze, die für einen bestimmten Kreis von Personen Aktiengeschäfte meldepflichtig machen. So müssen Vorstände und Aufsichtsräte, deren (Ehe-) Partner und Verwandte ersten Grades Geschäfte mit den Aktien der jeweiligen Gesellschaft melden, wenn innerhalb eines Monats Aktien für mehr als 25.000 Euro ge – oder verkauft wurden. Solche Geschäfte nennt man mit dem Fachbegriff „Director Dealings“. In den USA werden diese Vorschriften wesentlich strenger gehandhabt, denn dort müssen die Aktiengeschäfte bereits vorher angemeldet werden. In Deutschland hingegen erfolgt die Meldung oft Wochen später; darüber hinaus müssen juristische Personen – also beispielsweise eine GmbH oder ein Verein – gar keine Meldung machen.
Für Sie als Anleger können die „Director Dealings“ ein wichtiger Hinweis auf eine interessante Aktie sein. Sie sollten allerdings die amerikanischen Meldungen heranziehen, da diese aufgrund der strengen Regelungen zuverlässiger sind. Wenn beispielsweise der Vorstand eines Biotechnologieuntemehmens für Hunderttausende von Dollar Aktien des eigenen Unternehmens kauft, dann deutet dies darauf hin, dass das Unternehmen möglicherweise kurz vor einem großen Durchbruch steht. Natürlich handelt es sich hier nicht um Insidergeschäfte, sondern der Vorstand ist nur aufgrund der allgemeinen Situation im Unternehmen der Auffassung, dass das Unternehmen in Zukunft noch stärker prosperiert und gedeiht. Umgekehrt sollten Sie eine Aktie meiden, wenn bekannt wird, dass Vorstände oder Aufsichtsräte größere Aktienpakete verkaufen.

In den USA wurde aus diesen „Director Dealings“ bereits eine Anlagestrategie entwickelt, der sich Investment- und Pensionsfonds bedienen. Aufgrund der strengen Gesetzgebung in den USA werden alle Transaktionen veröffentlicht, und daher können aus Aktienkäufen und -Verkäufen sofort Rückschlüsse auf das Potenzial einer Aktie gezogen werden. Dennoch sollten Sie als Anleger bedenken, dass trotz der Nähe, die Vorstände und Aufsichtsräte haben, manche auch infolge ihrer „Betriebsblindheit“ sich anbahnende Krisen nicht erkennen. Anders als etwa das Marketing haben Vorstände und Aufsichtsräte nicht immer Kundenkontakt und Marktnähe, was schon vielen Unternehmen zum Verhängnis geworden ist.

Kapitalerhöhung durch Gesellschaftsmittel beim Aktienkauf

Es gibt eine weitere Form der Kapitalerhöhung, die für den Anleger erfreulich ist: eine Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln. Wenn eine Aktiengesellschaft in den letzten Jahren besonders hohe Gewinne erzielt hat, kann sie mit diesen Gewinnen eine Gewinnrücklage bilden. Wenn diese Gewinnrücklagen in Aktienkapital umgewandelt werden, dann erhalten die Aktionäre Berichtigungs- oder Gratisaktien. Diese Fachbegriffe sind eigentlich irreführend, denn obwohl der Anleger auf seinem Depot scheinbar plötzlich Aktien „geschenkt“ bekommt und sich seine Aktienzahl erhöht, ist dieser Vorgang bilanztechnisch nichts anderes als eine bloße Umbuchung. Der einzige Vorteil für den Aktionär besteht darin, dass diese Gratis- oder Berichtigungsaktien dividendenberechtigt sind und der Anleger von diesen zusätzlichen Ausschüttungen profitiert, sofern das Unternehmen überhaupt Dividenden auszahlt. Ein Problem ergibt sich nur, wenn der Aktionär in seinem Depot zu wenig oder eine ungünstige Anzahl von Aktien hat. Denn die Zuteilung von Gratis- oder Berichtigungsaktien erfolgt nach einem Bezugsverhältnis. Bei einer ungeraden Anzahl von Aktien oder zu wenig Papieren, werden Teilrechte bewilligt, da es keine halben Aktien oder Bruchteile von Aktien gibt. Diese Teilrechte müssen dann entweder an der Börse verkauft werden; oder der Anleger kauft weitere Teilrechte, um eine gerade Anzahl von Gratisaktien erwerben zu können.

Die Welt Emerging Markets verstehen

Die Emerging Markets sind Schwellenländer, die auf dem Sprung zu einer Industrienation sind oder sich gleich zu einer fort geschrittenen Dienstleistungsgesellschaft entwickeln. Zu den Emerging Markets zählen die osteuropäischen Länder (wie Polen, Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Slowenien, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Russland, das Baltikum) und viele Länder in Asien (China, Indien, Vietnam) und speziell in Südostasien (Thailand, Malaysia, Indonesien, Philippinen). Aber auch die Länder in Lateinamerika rechnen zu den Emerging Markets. In letzter Zeit haben auch Länder wie Ägypten und Marokko an Bedeutung gewonnen.

Einige Länder haben sich bereits so gut entwickelt, dass sie das Niveau einer fortgeschrittenen Volkswirtschaft erreicht haben und über ein Einkommen verfügen, das dem Durchschnittseinkommen in der Europäischen Union vergleichbar ist. Beispiele für solche Erfolgsgeschichten sind Südkorea und Singapur.
Als Anleger sollten Sie beachten, dass solche Märkte enorme Risiken mit sich bringen; denn wirtschaftliche und politische Unsicherheiten sind nicht zu übersehen. Die Bilanzierungspraxis unterscheidet sich oft erheblich von den Standards, die in der Europäischen Union oder Nordamerika üblich sind. Korruption, Misswirtschaft und ein instabiles Rechtssystem machen Geldanlagen in den Emerging Markets zu einer Gefahr. Hinzu kommen deutliche Währungsschwankungen und Investitionseinschränkungen für Ausländer, wenngleich dies inzwischen in vielen Schwellenländern abgeschafft wurde.

Angesichts dieser Risikofaktoren sollten Sie auf keinen Fall Einzelwerte kaufen; denn es ist äußerst schwierig, eine geeignete Aktie in einem solchen Markt zu finden. Wesentlich besser ist es, sich am Gesamtmarkt über ein Indexzertifikat zu beteiligen. Aber hierbei sollten Sie stets die Risiken beachten. In den letzten Jahren gab es einen regelrechten Boom der Schwellenländer. Innerhalb weniger Jahre konnte man in manchen Regionen einen Wertzuwachs von mehreren hundert Prozent erreichen.
Den Emerging Markets wird eine große Zukunft vorhergesagt, denn schon jetzt wächst beispielsweise die chinesische Volkswirtschaft um über 10 Prozent pro Jahr. Es ist nur noch eine Frage von Jahrzehnten, bis China zur größten Wirtschaftsmacht aufsteigen wird. Auch Länder wie Indien wachsen enorm schnell und haben
ein beträchtliches Potenzial. Die neuen Beitrittsländer der EU, Bulgarien und Rumänien, zeichnen sich durch eine ausgeprägte Dynamik aus, von der auch Kroatien beflügelt wird.

In Lateinamerika zählen Peru und Venezuela zu den Spitzenreitern; aber auch Mexiko und Brasilien sind bevorzugte Aktienmärkte, da insbesondere Mexiko vom Handel mit den USA und günstigen Produktionsbedingungen profitiert.

Region Börse
Asien Bangkok
Bombay
Hongkong
Karachi
Kuala Lumpur
Manila
Osaka
Seoul
Shanghai
Shenzhen
Lateinamerika Buenos Aires
Caracas
Lima
Managua
Mexiko
Santiago de Chile
Sao Paulo
Karibik Cayman Islands
Jamaica
Afrika Botswana
Kairo
Johannesburg
Nairobi
Ozeanien Sydney
Neuseeland

Zu den Stars der letzten Jahre gehörten Vietnam und Ägypten. Die vietnamesische Volkswirtschaft boomt seit langem, denn das Land zeichnet sich durch noch niedrigere Löhne als China, kaufmännisches Geschick und großen Fleiß aus. Seit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) konnte das Land deutlich zulegen. Innerhalb eines Jahres stieg die Börse in Hanoi um mehr als hundert Prozent. Noch eindrucksvoller war die Wertentwicklung in Ägypten. Der dortige Aktienindex CASE 30 stieg innerhalb von fünf Jahren um mehr als 1000 Prozent.

Land Emissionsbank des Zertifikats ISIN
Tschechien ABN Amro DE0003937520
Polen ABN Amro DE0003937504
Ungarn Commerzbank DE0007748998
Rumänien Raiffeisen Centrobank AT0000481403
Bulgarien ABN Amro NL0000732295
Kroatien Erste Bank AT0OOOAO42X6
Slowenien Raiffeisen Centrobank ATOOOOA038L9
Baltikum ABN Amro NL0000757417
Russland Deutsche Bank DE0007749004
Türkei Deutsche Bank DE000DB0AMD2
China Deutsche Bank DE0003721437
Thailand ABN Amro NL0000322865
Indonesien ABN Amro NL0000400166
Vietnam Deutsche Bank DE000DB6GSC5
Malaysia ABN Amro NL0000400182
Indien ABN Amro NL0000202166
Mexiko ABN Amro NL0000162527
Brasilien ABN Amro NL0000411478
Chile ABN Amro NL0000756583
Argentinien Goldman Sachs DE000GS0KCV2
Ägypten Goldman Sachs DE000GS0J632
Marokko ABN Amro NL0000716439

Auch wenn Ihnen die Emerging Markets verlockend erscheinen, sollten Sie stets die Risiken berücksichtigen. Ein Aktienmarkt, der innerhalb kürzester Zeit um 100 Prozent gestiegen ist, kann auch über Nacht dramatisch fallen. Die Schwankungen an den Aktienmärkten in Schwellenländern sind enorm. Wenn Sie fl dennoch auf Emerging Markets setzen wollen, haben Sie neben den Indexzertifikaten auch die Möglichkeit auf ganze Regionen oder alle Emerging Markets zu setzen. Die Länder Brasilien, Russland, Indien und China, die mit ihrer Größe das Schwergewicht bilden, werden durch so genannte BRIC-Zertifikate abgebildet. Darüber hinaus gibt es Wertpapiere auf den Index MSCI Emerging Markets, der die wichtigsten Schwellenländer zusammenfasst.

Für das Investment in Schwellenländern eignen sich auch spezialisierte Investmentfonds, die vor Ort die Aktiengesellschaft analysieren und dadurch Einzeltitel auswählen können. Für einige Schwellenländer gibt es noch keine Indexzertifikate, da die Börsen in den meisten Fällen zu klein sind, nicht über genügend Liquidität verfügen und die notierten Werte einseitig bestimmte Branchen wie Banken oder Rohstoffe repräsentieren.

Die Rolle des Aktionärs beim Aktienkauf

Als Aktionär sind Sie Miteigentümer des jeweiligen Unternehmens, deshalb gelten Aktien als Beteiligungspapiere. Anders als bei Anleihen haben Sie keinen Anspruch auf eine regelmäßige Verzinsung Ihres Kapitals. Ihr eigentlicher Gewinn besteht aus den Kursgewinnen, die die Aktie erzielt, und der ausgeschütteten Dividende. Einige Aktien, insbesondere Technologiewerte, schütten keine Dividende aus und reinvestieren die Gewinne sofort wieder. Als Aktionär besteht dann Ihr Gewinn in der Kurssteigerung der Aktie. Die meisten Anleger kaufen ohnehin Aktien vorwiegend wegen der Aussicht auf solche Kurszuwächse, wenngleich die Dividendenrendite bei einigen Anlagestrategien eine wichtige Rolle spielt.

Bei einer Insolvenz stehen Aktionäre bei der Verteilung des noch vorhandenen Restvermögens in der Rangfolge an einer der letzten Stellen, da zuerst beispielsweise die ausstehenden Löhne und Gehälter bezahlt und Sozialbeiträge entrichtet werden. Vor den Aktionären werden auch zuerst die Ansprüche der Anleiheninhaber, der Obligationäre, beglichen. Trotz dieses Risikos haben Aktionäre den Vorteil, dass sie in vollem Umfang von steigenden Kursgewinnen profitieren.
Früher hatten Aktien meist einen Nennwert, der auf einen bestimmten Geldbetrag lautete und einen Anteil am so genannten Grundkapital darstellt. Ein Aktiengesellschaft ist eine juristische Person; darunter versteht man, dass eine solche Gesellschaft im Rechtsverkehr wie eine Person behandelt wird, d.h. sie kann als Ganzes beispielsweise Verträge abschließen. Unternehmen, die keine juristische Person sind, können im Gegensatz dazu, nur wichtige Verträge abschließen, wenn alle Verantwortlichen in der Geschäftsführung zustimmen. Darüber hinaus ist eine Aktiengesellschaft ähnlich wie eine GmbH eine Kapitalgesellschaft, bei der
die Haftung eingeschränkt ist. In diesem Zusammenhang ist der Begriff Grundkapital wichtig; wenn eine Aktiengesellschaft insolvent wird, beschränkt sich die Haftung auf das Grundkapital. Mehr können die Gläubiger nicht fordern.
Vor der Euro-Umstellung wurde auf jede Aktie der Nennwert (Nominalwert) aufgedruckt; wenn beispielsweise der Nennwert 5 D-Mark lautete und eine Million Aktien ausgegeben wurde, dann belief sich das Grundkapital auf 5 Millionen D-Mark. Bis zu dieser Summe musste die Aktiengesellschaft für Verbindlichkeiten haften. Nach der Euro-Umstellung im Jahre 2002 zogen die meisten Unternehmen ein anderes Verfahren vor, das bereits in den USA gängig war: die nennwertlose Aktie. In diesem Fall wird das festgelegte Grundkapital einfach durch die Anzahl der Aktien dividiert. Wenn ein Unternehmen über ein Grundkapital von 10 Millionen Euro verfügt und 10 Millionen Aktien ausgegeben hat, dann beträgt der rechnerische Nennwert einer Aktie einen Euro. Die Aktie repräsentiert sozusagen eine Quote am Grundkapital, daher bezeichnet man nennwertlose Aktien auch als Quotenaktien. Im Grunde ist es für Sie als Anleger völlig unwichtig, ob Ihre Aktie eine Nennwertaktie oder eine nennwertlose Aktie (Quotenaktie) ist. Der Unterschied besteht darin, dass bei der einen der Wert auf der Aktienurkunde aufgedruckt ist, bei der anderen nicht. Für die Unternehmen hat das lediglich den Vorteil, dass sie sich den Druck neuer Urkunden ersparen. Für Sie selbst ändert sich dadurch nichts. Überhaupt werden Sie Ihre Aktien nie zu Gesicht bekommen, denn heutzutage werden alle Aktien nahezu ausnahmslos elektronisch verwaltet. Anleger, die sich die Aktienurkunden aushändigen lassen wollen, werden wohl bei jeder Bank Erstaunen und dann Misstrauen auslösen. Der Grund: Solche Tafelgeschäfte, wie man sie nennt, werden meist gemacht, um die Dividendencoupons im Ausland einzulösen; diese müssen Sie natürlich in Deutschland versteuern. Die Bank wird daher solche Tafelgeschäfte von vornherein ab lehnen. Bei Anleihen ist man inzwischen sogar dazu übergegangen, keine Einzelurkunden mehr auszudrucken.

Richtige Aktienurkunden können Sie daher nur noch bei historischen Wertpapieren zu sehen bekommen, die auf Auktionen ähnlich wie Briefmarken oder Münzen gehandelt werden.

Der Kurswert einer Aktie liegt natürlich in der Regel um ein Vielfaches über dem Nennwert, denn der Kurswert ist abhängig von der Einschätzung der Marktteilnehmer, von der Finanz- und Ertragslage des Unternehmens und von der allgemeinen Börsenstimmung. Auch wenn der Nennwert einer Aktie nur 5 Euro beträgt, kann ihr Kurswert beispielsweise bei über 1000 Euro liegen. Für Sie als Aktionär ist der Nennwert also völlig uninteressant. Das Entscheidende ist der aktuelle Kurs der Aktie. In besonders dramatischen Fällen, wenn schlechte Nachrichten über das Unternehmen im Umlauf sind und eine mögliche Insolvenz bevorsteht, kann die Aktie an der Börse so gebeutelt werden, dass der Kurs unter den Nennwert sinkt. Dies wäre ein unübersehbares Alarmsignal. Glücklicherweise sind solche Fälle relativ selten, denn es würde bedeuten, dass die Aktiengesellschaft an der Börse weniger wert ist als in der Bilanz.

Fundamentalanalyse beim Aktienhandel

Die Fundamentalanalyse entstand in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und bezieht sich auf die Bilanzkenn- zahlen, die über dem Geschäftsbericht der Aktiengesellschaft jährlich und meist auch im Quartal veröffentlicht werden. Zugegeben: Für viele Anleger sind eine Bilanz oder eine Gewinn- und Verlustrechnung ein Buch mit sieben Siegeln. Sie werden, wenn Sie einen solchen Geschäftsbericht durchlesen, ihn schon nach wenigen Seiten gelangweilt weglegen. Tatsächlich haben es viele Unternehmen noch nicht geschafft, den unverständlichen Jargon der Bilanzbuchhalter und Wirtschaftsprüfer in normales Deutsch zu übersetzen.

Dennoch gibt es einige sehr aussagekräftige Kennzahlen, die Sie in den meisten Geschäftsberichten als Zusammenfassung finden oder zur Not selbst berechnen können. Aber in über 95 Prozent der Fälle werden Sie die wichtigsten Kennzahlen in einer Übersicht auf den ersten Seiten des Geschäftsberichts vorfinden. Alternativ können Sie auch im Internet ein Finanzportal aufrufen und dort die Kennzahlen bereits ausgerechnet ablesen. Wichtige Finanzportale sind die Eingangsseiten von Direktbanken oder spezialisierten Dienstleistern wie Onvista (onvista*de).

Information und News über die Aktien – die Tageszeitungen und Zeitschriften

Die Tageszeitungen, die schon früher regelmäßig über Aktien und andere Wertpapiere berichteten und den Kurszettel der Börsen abdruckten, haben in den letzten Jahren eine Schwerpunktbildung eingeleitet. Viele Wirtschaftsredaktionen befürchten immer, in der Beliebtheitsskala der Leser auf dem vorletzten Platz vor dem Feuilleton zu landen. Daher haben die Bemühungen zugenommen, die Leserschaft nicht durch langatmige Unternehmensnachrichten aus der Provinz zu langweilen. Heute im Trend liegen informative Beiträge, die einen großen Kreis von Lesern ansprechen. Zu diesen Themen zählen aktuelle Artikel zur Geldanlage und zur Altersvorsorge.

In Deutschland sind die meisten Tageszeitungen mit einer umfassenden Börsenberichterstattung überregionale Zeitungen, die ein hohes Ansehen genießen, oder reine Wirtschaftszeitungen.

Neben Tageszeitungen erhalten Sie Börseninformationen auch über gängige Wirtschaftsmagazine, die häufig einzelne Aktien, Trends oder Börsen analysieren und den Lesern konkrete Tipps geben. Solche Berichte und Reportagen zeichnen sich vor allem durch ihre fundierte Hintergrundrecherche aus; die meisten Artikel sind bereits, wenn die Zeitschrift erscheint, einige Tage alt, so dass die Zahlen nicht mehr aktuell sind. Dennoch können solche Wirtschaftsmagazine für viele Anleger eine Hilfestellung sein, zumal einige Magazine speziell auf Themen eingehen, die für das Management relevant sind. Hierzu gehören Informationen zur Altersvorsorge, zu Steuerstrategien und zum Vermögensaufbau für Führungskräfte. Viele der in diesen Wirtschaftsmagazinen enthaltenen Börsentipps sind langfristig ausgerichtet und orientieren sich eher an grundlegenden Investmentideen.

Börsenjournale hingegen stellen einzelne Aktien und Investmentmöglichkeiten vor. Die Wertpapiere werden sehr ausführlich besprochen und erläutert, und häufig enthalten diese Börsenjournale eine Übersicht der in Deutschland gehandelten Aktien mit den jeweiligen Kennzahlen. Für viele Anleger können diese Börsenjournale zur Orientierung nützlich und hilfreich sein. Betrachten Sie aber die oft vorgestellten Musterdepots mit einer gewissen Skepsis. Auch wenn angeblich in der Vergangenheit überdurchschnittlich hohe Renditen erzielt wurden, sollten Sie Vorsicht walten lassen; denn diese Musterdepots werden bisweilen innerhalb kürzester Zeit (wöchentlich oder monatlich) umgeschichtet. Als Privatanleger sollten Sie bedenken, dass so häufige Umschichtungen mit erheblichen Transaktionskosten (Gebühren, Provisionen, Steuern) verbunden sind und die Rendite drastisch schmälern. Nach dem häufigen Wechsel von Wertpapieren bleibt Ihnen unter dem Strich kaum ein nennenswerter Gewinn übrig. Die überdurchschnittlichen Ergebnisse der Börsenjournale kommen bisweilen auch dadurch zustande, dass nur über die erfolgreichen Investments berichtet wird und Verlierer weggelassen werden. In letzter Zeit bemühen sich einige Börsenjournale, mehr Transparenz zu zeigen, und listen sowohl Gewinner als auch Verlierer auf. Dennoch kann es auch andere Probleme bei der Umsetzung solcher vermeintlich lukrativer Musterdepots geben. Wenn beispielsweise ein Stoppkurs festgelegt wird, der 10 Prozent unter dem Einstandspreis liegt, dann können Sie als Anleger nicht davon ausgehen, dass in einer Krisensituation die Bank Ihre Wertpapiere entsprechend Ihrer Stop-Loss-Order zu diesem Preis verkauft. Wenn die Kurse plötzlich absacken, kann ein Verkaufsauftrag auch erst nach einem Verlust von 15, 20 oder mehr Prozent zustande kommen. Überhaupt sind die in vielen Börsenjournalen angegebenen Ziel- und Stoppkurse eine Illusion, da niemand vorhersagen kann, ob die Aktie wirklich den Zielkurs erreichen wird. Lassen Sie sich also nicht von den scheinbar exakten Zieldaten beeindrucken; in der Realität hält sich kein Aktienkurs daran. Untersuchungen haben ohnehin ergeben, dass die rührigen Redaktionen genauso oft in ihrer Kursprognose daneben liegen wie Banken und Analysten. Je reißerischer ein Artikel geschrieben ist, um so nachdenklicher sollten Sie werden.

Dies gilt auch für Börseninformationsdienste, die häufig als Abonnement an Anleger vertrieben werden. Diese Dienste, die oft mit überdurchschnittlichen Erfolgschancen und einer Rendite von mehreren hundert Prozent werben, sind relativ teuer, und ob die Tipps und vermeintlichen „Hot Stocks“ wirklich zu den Stars zählen, sollten Sie eher skeptisch beurteilen. Nur ein Börseninformationsdienst, der Ihnen eine lückenlose Erfolgsstory präsentiert, wäre sein Geld wert. Aber selbst dann sollten Sie beachten, dass es keinen Sinn macht, eine Aktie eine Woche zu halten und dann wieder abzustoßen. Die Transaktionskosten und die Steuern, die Sie dann zahlen müssen, steigen ins Unermessliche, so dass Ihre Rendite sehr schnell schrumpft. Seien Sie also vorsichtig, wenn Börseninformationsdienste mit gigantischen Renditen oder außergewöhnlichen Erfolgschancen werben. Dasselbe lässt sich für Hotlines und E-Mail-Abonnements sagen.

Welche Renditen erzielt die Aktienanlage

Die Fragen, die sich aufdrängen, sind: Sind Aktien wirklich so lukrativ, wie immer wieder behauptet wird? Kann man mit Aktien reich oder zumindest wohlhabend werden? Natürlich lassen sich diese Fragen nicht einfach beantworten, aber man kann dennoch einige wichtige Aussagen machen. Die empirische Finanzmarktforschung hat eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien angefertigt, um die langfristigen Renditen der Aktienanlage zu ermitteln. Teilweise wurden Dat(in für einen Zeitraum erhoben, die sich auf ein ganzes Jahrhundert erstrecken. Glücklicherweise sind Börsendaten leicht verfügbar, da die Kurse in Zeitungen veröffentlicht wurden, so dass man sogar die Börsenentwicklung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen kann. Beispielhaft sind dafür die USA, in denen es eine kontinuierliche Börsengeschichte gibt, die weder durch Kriege noch durch andere historische Ereignisse unterbrochen wurde.

In der Geschichte gab es Perioden, in denen die Aktienanlage sehr schlecht abschnitt; in anderen Jahrzehnten hingegen boomten die Aktienmärkte und bescherten den Anlegern traumhafte Gewinne. Eine besonders ungünstige Phase waren die Jahre nach 1929; in diesem Jahr begann die Weltwirtschaftskrise, die an dem so genannten „schwarzen Freitag“ im Oktober in New York begann. Die Aktienkurse rutschten an einem einzigen Tag um fast 20 Prozent ab und fielen danach kontinuierlich. Manche Aktien verloren innerhalb von Monaten oder Jahren über 90 Prozent ihres Wertes. Die Szenen, die sich damals an der Wall Street abspielten, waren unbeschreiblich. Verzweifelte Anleger, die vollkommen ruiniert waren, sprangen aus dem Fenster. Banken brachen reihenweise zusammen, und die Arbeitslosigkeit stieg auf Rekordwerte. Vorausgegangen waren die 1920er Jahre, die als „Roaring Twenties“ in die Geschichtsbücher eingingen. Lebensfreude und Erfolgsstreben prägten die Dekade; die Aktienkurse kannten nur noch eine Richtung – nämlich die nach oben, und immer mehr Anleger kauften Aktien auch auf Kredit. Die Börsenaufsicht ließ die Zügel locker, und die Banken spekulierten immer mehr ohne Sicherheiten an der Börse.

Als der Zusammenbruch kam, war niemand darauf vorbereitet. Die 1930er und 1940er Jahre waren magere Börsenjahre; denn die meisten Aktienkurse waren um mehr als die Hälfte gefallen. Selbst Standardaktien erreichten Tiefstwerte, und niemand war bereit, an der Börse zu kaufen. Erst Ende der fünfziger Jahre setzte eine leichte Erholung ein, die jedoch nicht lange währte. Bereits Ende der 1960er Jahre zeichnete sich wieder ein Rückgang ab. Die siebziger Jahre waren geprägt von den Ölkrisen und den Konflikten im Nahen Osten. Während der Goldpreis zum Höhenflug ansetzte, stagnierten die meisten Aktienmärkte.
Angesichts dieser Rückschau werden Sie nun denken, dass Aktien nicht wirklich lukrativ sind. Tatsächlich hätten Anleger, die 1929 Aktien gekauft hätten, fast 30 Jahre warten müssen, um ihre Einstandskurse wieder zu erreichen. Dennoch hätte man auch damals einen Reibach machen können, wenn man bei Tiefstkursen etwa im Jahre 1932 wieder eingestiegen wäre. Darüber hinaus verloren nicht alle Aktien. Anleger konnten auch in den dreißiger und vierziger Jahren reich werden, wenn sie auf die richtigen Unternehmen setzten.
Der eigentliche Aufschwung der Börsen setzte 1983 ein, als niemand mehr wirklich Vertrauen zu den Aktien hatte. Unmerklich begannen die Kurse zu steigen. Was dann geschah, war ein wahres Kursfeuerwerk, das bis zum Jahr 2000 mit kleinen Unterbrechungen anhielt. Wer damals in Aktien eingestiegen wäre, hätte bis zur Jahrtausendwende eine jährliche Rendite von fast 30 Prozent erwirtschaftet. Die 1980er und 1990er Jahre sind in der gesamten Börsengeschichte einzigartig. In diesen zwei Jahrzehnten hätten Sie mit etwas Glück innerhalb weniger Jahre Millionär werden können.

Natürlich gab es auch in dieser Zeit Krisen und Einbrüche; beispielsweise brach die Börse 1987 kurzfristig ein, so dass die wichtigsten Aktienindizes an einem Tag bis zu 15 Prozent einbüßten. Doch schon zwei Jahre später war das Debakel vergessen, und die Aktienkurse erreichten wieder Höchststände. In den neunziger Jahren erschütterte der Irak-Krieg kurzfristig die Märkte, die sich aber schnell wieder erholten. Für kleinere Eintrübungen sorgten eine Krise in Lateinamerika 1995, die Asienkrise 1997 und die Russlandkrise 1998. Trotz dieser Ereignisse stiegen die Aktienkurse danach um so deutlicher, und als der Neue Markt als Börsensegment in Deutschland eröffnet wurde, gab es kein Halten mehr. Einige der Technologie- und Internetaktien waren bereits nach der Erstnotierung an der Börse ein Vielfaches ihres Ausgabepreises wert. Manche Aktien der so genannten New Economy zeigten atemberaubende Wertsteigerungen von mehreren hundert oder gar tausend Prozent. Internetunternehmen, die allenfalls Bücher oder CDs verkauften, hatten eine höhere Marktkapitalisierung als bekannte Unternehmen. Manche Menschen gaben ihren Beruf auf und setzten sich vor den Bildschirm, um täglich die Aktienkurse zu studieren. Daytrader spekulierten mit winzigen Kursschwankungen im Minutentakt. Die staunende Öffentlichkeit sah Zivis, die in Luxuslimousinen durch die Kaiserstraße in Frankfurt fuhren und über Nacht reich geworden waren. Selbst renommierte Unternehmen wie Siemens, die Deutsche Bank und andere hatten das Gefühl, hoffnungslos altmodisch zu sein und suchten händeringend nach Jungunternehmern mit innovativen Ideen für eine hippe Dot*com, wie man damals die aufstrebenden Internetunternehmen nannte. Die verrücktesten Ideen fanden ungeteilten Applaus. Beispielsweise hatte ein Student in den USA die simple, aber bestechende Idee, Pannenvideos auf eine Webseite zu stellen.

Sie kennen sicherlich diese Slapsticks, bei denen die Braut bei der Hochzeit auf einer Bananenschale ausrutscht oder der Hund die Geburtstagstorte vernascht. Die Videos wurden kostenlos im Internet publiziert; die Seite selbst finanziert sich über Werbeeinnahmen. Inzwischen residiert dieses Unternehmen in Manhattan und der Student ist Multimillionär geworden. Doch solche Erfolgsgeschichten bleiben die Ausnahmen; viele andere Internetunternehmen scheiterten.

Als der Siemens- Ableger Infineon an die Börse ging, kannte die Euphorie keine Grenzen mehr. Tausende von Rentnern, Hausfrauen und Studenten strömten in die Banken, um noch rechtzeitig ein Wertpapierdepot zu eröffnen und um Infineon-Aktien vor der ersten Börsennotiz zu zeichnen. Taxifahrer sprachen mit ihren Fahrgästen nicht mehr über Fußball oder das Wetter, sondern über die Börse. Selbst die Boulevard-Zeitungen berichteten nun ausführlich über Wertpapiere. Früher hätte man dieses Phänomen als Milchmädchen-Hausse bezeichnet.

Es kam, wie es kommen musste. Die Kurse fielen drastisch in die Tiefe. Die Kursverluste bei Technologieaktien waren so dramatisch, dass sie seihst die Weltwirtschaftskrise von 1929 in den Schatten stellten. Der Index des Neuen Marktes, der NEMAX, der nach diesem Prestigeverlust schlicht abgeschafft wurde, büßte mehr als 90 Prozent seines Wertes bis 2003 ein. Anleger, die auf Technologiewerte gesetzt hatten, verloren nahezu alles. Anders als 1929 hatte diesmal die Krise glücklicherweise keine größere Auswirkung auf die Gesamtwirtschaft; das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich, aber die Arbeitslosigkeit stieg nicht rasant an. Der DAX, der Aktienindex der wichtigsten 30 deutschen Standardwerte, fiel von über 8000 Punkten auf magere 2500 Punkte im Frühjahr 2003. Erst als der Irak-Krieg einsetzte, stiegen die Kurse wieder, so dass der DAX im Jahre 2007 wieder die Marke von immerhin 7000 Punkten zurückgewinnen konnte.

Angesichts dieser turbulenten und spannenden Börsengeschichte werden Sie Aktien eher mit gemischten Gefühlen betrachten. Sie sollten aber bei der Beurteilung Folgendes berücksichtigen: Wenn Sie in den 1980er Jahren Aktien gekauft hätten, hätten Sie trotz aller Turbulenzen, Krisen, Unwägbarkeiten und trotz des Zusammenbruchs des Neuen Marktes im Schnitt bis heute fast 20 Prozent Rendite pro Jahr erzielt. Das ist mehr, als Sie je mit den meisten Anleihen, einer Lebensversicherung oder einer Immobilie hätten verdienen können.

Sie werden nun einwenden, dass die guten Jahrzehnte nach so einer langen Erfolgsperiode vermutlich vorbei sind. Das kann niemand wirklich sicher prognostizieren, aber ein anderer Gesichtspunkt spielt eine Rolle. Die oben genannte Rendite hätten Sie mit dem Durchschnitt der wichtigsten Aktien erreicht, d.h. beispielsweise mit den Standardwerten, die im DAX enthalten sind. Wenn Sie einseitig auf Technologiewerte gesetzt hätten, hätten Sie drastische Verluste erlitten. Das Ergebnis wäre anders ausgefallen, wenn Sie beispielsweise auf osteuropäische, brasilianische, indische und chinesische Aktien gesetzt hätten. Diese Märkte boomen seit der Jahrtausendwende.

Es gibt verschiedene Anlagestrategien, die Ihnen helfen können, die Durchschnittswerte noch zu übertreffen. Diese Phänomene, die man als Überrendite-Effekte bezeichnet, sind bereits wissenschaftlich untersucht worden und können Ihnen helfen, eine noch höhere Wertsteigerung zu erreichen. Was Sie jedoch nicht tun sollten, ist nur auf eine Aktie oder wenige Werte zu setzen; denn Unternehmen können insolvent werden oder sich schlecht den Marktbedingungen anpassen, was unweigerlich zu Verlusten führt.

Sie haben die Wahl zwischen zwei grundsätzlich verschiedenen Methoden: Sie Irinnen den Durchschnitt einer Aktienauswahl kaufen; dann erhalten Sie in der Regel auch eine Durchschnittsrendite. Man bezeichnet dieses Vorgehen als Index- oder passive Investmentstrategie, denn Sie kaufen gleichsam mit dem Index einen ganz Korb voller Aktien. Wenn Sie nun denken, diese Strategie sei langweilig, mittelmäßig und eben nur „durchschnittlich“, kann ich Sie beruhigen: Ein Großteil der angeblich so professionell gemanagten Investmentfonds erreicht noch nicht einmal diese Durchschnittswerte. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Investmentfonds schneidet wesentlich schlechter ab. Wenn Sie also beispielsweise einen Aktienfonds mit deutschen Standardwerten in Ihrem Wertpapierdepot haben, der um 12 Prozent gestiegen ist, während der DAX im gleichen Zeitraum um 15 Prozent zulegte, dann sollten Sie diesen Investmentfonds verkaufen und gleich in ein DAX- Zertifikat investieren. Machen Sie sich einmal den Spaß und vergleichen Sie die Wertentwicklung von ein paar Fonds mit dem jeweiligen Index, der als Vergleichsmaßstab oder Benchmark dient. In fast allen Fällen werden Sie bestürzt feststellen, dass der Aktienfonds hinter dem Index zurückfällt. Nur wenige Spitzenfonds schaffen es, den Vergleichsindex um wenige Prozentpunkte zu übertreffen, Dabei ist häufig umstritten, ob diese Spitzenfonds „zufällig“ besser sind als der Markt oder ob dies auf besserem Wissen , Management und Können beruht.

Sie werden einwenden, wenn ein Fonds schon seit fünf oder zehn Jahren den Vergleichsindex geschlagen hat, dann kann dies kein Zufall sein. So leicht ist die Beweisführung nicht. Stellen Sie sich vor, Sie würden 500 Affen nehmen, und jeder Affe könnte den Anstieg des DAX durch ein Armheben signalisieren. Irgendwann wäre ein Großteil der Affen ausgeschieden, der die Entwicklung des DAX nicht richtig vorausgesagt hat. Aber ein oder zwei Affen hätten jedes Mal den Arm gehoben, wenn der DAX tatsächlich gestiegen ist. Würden Sie nun behaupten wollen, dass diese Affen herausragende Börsenexperten sind?

Sicherlich nicht. Ein ähnliches Problem entsteht beim so genannten Data Mining. Dabei werden riesige Datenmengen vom Computer durchwühlt und nach Gesetzmäßigkeiten durchsucht. Irgendwann führt diese akribische Suche dazu, dass man scheinbare Zusammenhänge herausfindet. So konnte man beispielsweise ermitteln, dass die Wertentwicklung des amerikanischen Aktienindex Dow Jones an der New Yorker Börse mit der Butterproduktion in Bangla Desh zusammenhängt. Natürlich ist das reiner Zufall. Oder glauben Sie, dass General Electric bei den vielen Tagungen die Sandwichs mit Butter aus Bangla Desh bestreicht und in schlechten Zeiten weniger Butter aus dem asiatischen Land bezieht? Verschwörungstheoretiker mögen bei solchen Szenarien vielleicht erst richtig in Fahrt kommen, aber wenn man es genau betrachtet, fördert das Durchforsten großer Datenmengen skurrile Zusammenhänge an den Tag. In der Mathematik nennt man solche scheinbaren Beziehungen Scheinkorrelationen. Was bei der Butter offensichtlich sein mag, ist es bei anderen gefundenen Zusammenhängen möglicherweise nicht. Es kann auch Vorkommen, dass zwei Variablen zwar einen Zusammenhang aufweisen, dass er aber über eine andere (intervenierende) Variable vermittelt wird. Beispielsweise besteht ein Zusammenhang zwischen den Sprachfertigkeiten und der Schuhgröße. Was anfangs grotesk anmutet, hat einen plausiblen Hintergrund: Die Schuhgröße hängt vom Alter ab. Kinder haben einen geringeren Wortschatz und eine geringere Sprachfertigkeit als Erwachsene.

Beim Data Mining ergeben sich also gleich mehrere Probleme: Zum einen muss man die Scheinkorrelationen Herausfiltern, die sich durch Zufall ergeben. Das ist jedoch in der Praxis fast unmöglich, da es kein Ausgrenzungskriterium gibt. Zum anderen muss man bei möglicherweise wahren Zusammenhängen erst prüfen, ob es nicht eine dritte Variable gibt, die die eigentliche Ursache ist. Auch dies ist bei den vielen Faktoren, die das Börsengeschehen beeinflussen, nur schwer möglich.

Trotz all dieser Probleme haben Wissenschaftler bestimmte Einflussgrößen herausfiltern können, die zu einer Überrendite führen, d.h. Anleger, die bestimmte Strategien verfolgen, können eine höhere Wertentwicklung als der Durchschnitt des Marktes erreichen. Als Anleger haben Sie die Wahl: Sie können auf die Indexstrategie setzen und sich gleichsam an den Markt ankoppeln und erzielen damit die marktübliche Rendite. Diese Strategie ist zumindest weitaus sicherer, als auf Investmentfonds zu setzen. Die andere Herangehensweise besteht darin, gezielt eine Strategie zu verfolgen, die wissenschaftlich überprüft wurde und eine Überrendite sichert. Ich werde Ihnen die einzelnen Strategien ausführlich in einem eigenen Artikel vorstellen.

Doch eine andere Frage, die Sie interessieren wird: Kann man mit Aktien wohlhabend oder reich werden? In vielen Börsenratgeber wird eine Strategie empfohlen, die wie von selbst dazu führt, dass Sie am Ende Millionär werden, und dazu müssen Sie Ihr Geld noch nicht einmal in Aktien anlegen. Allerdings muss ich Ihre Euphorie an dieser Stelle etwas bremsen: Die Strategie funktioniert zwar im Prinzip hundertprozentig, hat aber einige Voraussetzungen, die nicht jeder erfüllen kann.

Die einfachste Möglichkeit, sich als Millionär zur Ruhe zu setzen, beruht auf dem Zinseszinseffekt. Stellen Sie sich vor, dass Sie im Alter von 2C Jahren eine Summe von 10.000 Euro mit einem Zinssatz von 5 Prozent anlegen. Viele Leser werden entgegnen, dass Sie nicht mehr 20 Jahre alt sind oder dass Sie in diesem Alter keine 10.000 Euro zur Verfügung hatten. Sie haben natürlich Recht; aber die Zinseszinsstrategie beruht auf solchen Voraussetzungen. Ich werde später erläutern, ob es noch andere Möglichkeiten gibt. Wenn Sie nun das Geld zu diesen Konditionen anlegen, haben Sie im Alter von 60 Jahren 70.400 Euro. Sie sind damit noch nicht Millionär; aber wenn Sie jeden Monat zusätzlich 50 oder 100 Euro ansparen und entsprechend verzinsen, kommen Sie dem Ziel relativ nahe. Noch besser ist es, wenn Sie einen höheren Zinssatz wählen. Mit geschickt ausgewählten Anleihen war es in der Vergangenheit möglich, zwischen 6 und 7 Prozent Rendite zu erzielen. Mit einer Aktienanlage, die langfristig mit 10 bis 14 Prozent rentiert, werden bei einem durchschnittlichen Satz von 12 Prozent aus 10.000 Euro in 40 Jahren 930.510 Euro.
Sie sehen, es ist viel einfacher. Millionär zu werden, als manche Menschen glauben. Allerdings ist diese Rechnung in der Realität nicht so einfach, da es einige Hürden und Problempunkte gibt, die aber durch einiges Geschick ausgeräumt werden können.

Der erste Kritikpunkt an dieser Argumentation lautet in der Regel, dass 40 Jahre ein sehr langer und unüberschaubarer Zeitraum sind, in dem sich vieles ereignen kann. Dieser Ein wand ist teilweise richtig. Wenn Sie im Jahre 1915 Geld auf diese Weise angelegt hätten, dann hätten Sie den Ersten Weltkrieg, die katastrophale Hyperinflation von 1923, die Weltwirtschaftskrise von 1929, das Dritte Reich, den Zweiten Weltkrieg und die Währungsreform überstehen müssen. Unter diesen historischen Bedingungen wäre von Ihrer Anlage leider nichts übrig geblieben. Denn schon die galoppierende Inflation im Jahr 1923 hätte Ihr Geld komplett vernichtet. Bedenken Sie bitte, dass damals bereits ein Laib Brot mehrere Millionen Reichsmark kostete. Um diesen Zeitraum unbeschadet zu überstehen, hätten Sie Ihr Vermögen in neutralen Ländern wie der Schweiz oder in Schweden in Aktien oder Anleihen anlegen müssen. Aber wer wusste das schon im Jahr 1915?

Ein Anleger, der diese Strategie im Jahre 1965 begonnen hätte, könnte sich heute eines beträchtlichen Vermögens erfreuen und wäre sicher mehrfacher Millionär, da die Aktienmärkte in den achtziger und neunziger Jahren besonders stark boomten.
Ein anderer Kritikpunkt an der Zinseszinsstrategie lautet, dass man die Inflation mit einbeziehen müsse. Tatsächlich wird eine Million im Jahre 2020 oder 2040 wesentlich weniger wert sein als heute, so dass selbst Millionäre in der Zukunft wahrscheinlich nur noch als relativ wohlhabend eingestuft werden. Aber wenn Sie Ihr Geld mit 7 oder gar 12 Prozent angelegt haben, haben Sie schon alles unternommen, um die Inflation erheblich auszugleichen. Dieses Argument spricht nicht wirklich gegen die Zinseszinsstrategie. In der Vergangenheit lag die Inflationsrate in Deutschland im Durchschnitt bei zirka zwei Prozent, wenngleich es auch Phasen wie in den siebziger Jahren gab, als die Geldentwertung Rekordwerte von über 7 Prozent erreichte.

Ein dritter Kritikpunkt gegen diese Strategie bezieht sich auf die Realisierbarkeit. Bei Anleihen ist es relativ einfach, eine solche Anlagestrategie umzusetzen, da es Langläufer mit über zehn Jahren gibt. Ein Problem ergibt sich meist aus der Wiederanlage. Nehmen wir an, Sie legen Geld in einer Anleihe an, die Ihnen 6 Prozent Rendite einbringt. Nach zehn Jahren müssen Sie Geld erneut anlegen, doch diesmal rentieren sich Anleihen vielleicht nur mit vier Prozent. In dieser Situation können Sie nur Fremdwährungsanleihen nehmen, die höhere Zinssätze aufweisen; aber hier ergibt sich ein gewaltiges Währungsrisiko. Beispielsweise ist der Dollar gegenüber der D-Mark kontinuierlich gesunken. Ein Anleger, der in den sechziger Jahren Dollar-Anleihen für 30 Jahre gekauft hätte, hätte enorme Verluste verbucht. Eine andere Möglichkeit besteht darin, Anleihen mit geringerer Bonität zu kaufen. Doch in diesem Fall riskieren Sie, wenn der Schuldner nicht mehr zahlen kann, den totalen Verlust. Bei Staatsanleihen war dies erfreulicherweise relativ selten der Fall; in den letzten Jahren sorgte nur Argentinien mit einem Staatsbankrott für Aufsehen. Doch bei Unternehmensanleihen häuften sich auch in der Vergangenheit die Insolvenzen.

Solche Schwierigkeiten sind nicht nur bei Anleihen anzutreffen, sondern auch bei Aktien. Sie haben zuerst das Problem, dass Sie ein Aktienportfolio zusammenstellen müssen. Eine Auswahl von Aktien bedeutet immer ein Risiko, das Sie aber minimieren können, wenn Sie sich an bestimmte Strategien halten. Für Anleger, die eine Indes Strategie bevorzugen, wäre diese in den sechziger Jahren nicht realisierbar gewesen, denn es gab damals keine Anlageinstrumente, mit denen man den gesamten Index hätte erwerben können. Erst seit den 1990er Jahren gibt es nämlich in Deutschland Indexzertifikate, die einen Index abbilden. Doch auch solche In des Zertifikate bergen über lange Zeiträume Risiken in sich, denn es handelt sich um Inhaberschuldverschreibungen von Banken. Wenn nun im Jahre 2030 eine schwere Wirtschaftskrise ausbricht und die Bank, die das Zertifikat herausgegeben hat, Insolvenz anmelden muss, haben Sie einen Totalverlust erlitten.
Sie müssen einfach zur Kenntnis nehmen, dass ein Zeitraum von 30 oder 40 Jahren voller Überraschungen sein kann. Es hilft nichts darüber zu spekulieren, wie riskant es sein könnte. Vielmehr können Sie durch geschickte Maßnahmen sich vor solchen Gefahren schützen,. Wenn Sie die Wahl haben, Ihr Geld für 40 Jahre in Aktien anzulegen oder in die staatliche Rentenversicherung einzuzahlen, werden Sie sehr schnell erkennen, welche Entscheidung wirklich riskanter ist.

Bei Aktien besteht ein weiteres Problem: Wenn Sie sich einmal eine alte Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen aus dem Jahre 1970 ansehen, werden Sie die meisten Aktien, die auf dem Kurszettel verzeichnet sind, gar nicht kennen oder nur noch aus der Erinnerung. In einem Zeitraum von 30 oder 40 Jahren verschwinden viele Unternehmen von der Bildfläche; das liegt nicht nur an Insolvenzen, sondern viel häufiger an Fusionen oder Unternehmensübernahmen. Die Aktien aus dem Jahre 1970 gibt es heute größtenteils nicht mehr. Natürlich finden sich dort auch Werte wie Siemens, BASF oder Bayer Aber die meisten Aktien werden vom Kurszettel verschwunden sein. Denken Sie nur an Unternehmen wie Hoechst oder AEG. Branchen, die heute als wichtig und bedeutsam angesehen werden, gab es damals noch gar nicht – wie die Internetbranche, die Telekommunikation oder die Biotechnologie. Dies alles spricht aber nicht wirklich gegen die Zinseszinsstrategie, denn Sie müssen nur Ihr Depot in sinnvollen Abständen überprüfen.

Insgesamt betrachtet ist es möglich, mit Hilfe von Aktien Millionär zu werden. Sie sollten sich aber auf einen sehr langen Zeitraum von 20 oder 30 Jahren gefasst machen. Natürlich kann man auch durch gewagte Spekulationen reich werden, aber die meisten dieser Hasardeure enden verarmt und im Elend. Je größer nämlich der Hebel einer Spekulation ist, desto beträchtlicher ist auch das Verlustrisiko. Soziologische Untersuchungen aus den USA zeigen ohnehin, dass die meisten Millionäre nicht durch Wertpapierspekulation reich geworden sind, sondern durch eine selbstständige Tätigkeit. Als Angestellter oder Beamter können Sie nie ein so hohes Einkommen erzielen, dass Sie in wenigen Jahren reich werden. Jedoch ist auch die Selbstständigkeit keine Garantie für Wohlstand und Reichtum, denn in Deutschland scheitert jedes vierte Unternehmen innerhalb von fünf Jahren. Es zeigt sich auch, dass es bestimmte Branchen gibt, in denen die Chance, sehr reich zu werden, größer ist als in anderen. Die meisten großen Privatvermögen in den USA wurden durch Immobiliengeschäfte geschaffen. In vielen Fällen wurden Häuser und Grundstücke zu Spottpreisen in einer wirtschaftlichen Flaute aufgekauft, die Gebäude grundlegend renoviert und später zu hohen Preisen wieder abgestoßen. Ein anderer lukrativer Wirtschaftszweig sind die Finanzdienstleistungen. Wenn Sie in Harvard oder Yale Wirtschaftswissenschaften oder – speziell – Finance studiert haben, könnte ein renommierter Wallstreet- Broker Ihre Fahrkarte zum Glück sein; denn allein die Provisionen, die dort ausgeschüttet werden, erreichen mehrere hunderttausend Dollar. Viele Broker können sich bereits Mitte 30 zur Ruhe setzen.