Phase der Konsolidierung bei den Direktbanken und Angebote

Auch bei den breiter aufgestellten Direktbanken setzte in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre eine allmähliche Konsolidierungs- und Konzentrationsphase ein. Auffallend dabei ist, dass zunehmend ausländische Finanzdienstleister den deutschen Markt für das filiallose Bankgeschäft entdeckten. Die 1957 gegründete CC-Bank (CC = Car Kredit), die sich in den ersten Jahren auf die Finanzierung von Autos und anderen privaten Konsumgütern konzentriert hatte, wurde 1996 zur hundertprozentigen Tochter der spanischen Großbank Santander Central Hispano. Die CC-Bank – einer der Pioniere im Telefonbanking – bot neben dem Aktivgeschäft (Konsumentenkredite) im Passivbereich vor allem einfache Sparprodukte an, wie zum Beispiel Tagesgeldkonten. Im Jahr 2002 fusionierte die CC-Bank mit der AKB Privat- und Handelsbank, im Jahr darauf wurde sie mit der Santander Direkt Bank verschmolzen.

Bereits im Jahr 1999 hatte die damalige Allgemeine Deutsche Direktbank (heute ING-DiBa) die zur Bankgesellschaft Berlin gehörende Bank GiroTel – ein eher kleineres Institut – übernommen. Die Bank GiroTel hatte in den 1990er-Jahren einen interessanten, wenngleich nicht sonderlich erfolgreichen Versuch gestartet, dem Direkt Banking gleichsam ein „elektronisches Gesicht“ zu geben, und setzte auf Videobanking und Bildtelefonie.
Gemessen an den Kundenzahlen war die ehemalige Quelle-Bank bis Ende der 1990er-Jahre die größte Direktbank in Deutschland. Sie gehörte – ebenso wie die frühere Norisbank – zur Schickedanz-Unternehmensgruppe, die in den Wirtschaftswunderjahren ein wahres Firmenkonglomerat aufgebaut hatte, zu dem neben Banken und Versicherungen auch Brauereien sowie die Hersteller weltbekannter Markenartikel zählten. Um die Expansion in den neuen Bundesländern zu finanzieren, trennte sich die Familie Schickedanz von zahlreichen dieser Unternehmen. Die Norisbank wechselte zunächst zur HypoVereinsbank, später zum genossenschaftlichen Finanzverbund und ist seit 2006 ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank. Die einstige Quelle Bank, die im Gegensatz zur Norisbank kein Filialnetz unterhielt, firmierte ab dem Jahr 1999 unter dem Namen Entrium und ging an die Börse. Ihr Debüt am „Neuen Markt“ hatte die Bank am 20. September 1999. Im Gegensatz zu den anderen börsennotierten Direktbrokern war die Entrium Direct Bankers als Direktbank breiter aufgestellt und konzentrierte sich nicht allein auf den Wertpapierhandel. Das machte sich im Kurs der Aktie bemerkbar: Während die Kurse der anderen Direktbroker nach dem jähen Ende des Börsenbooms nahezu ins Bodenlose stürzten, hielten sich die Kursverluste bei Entrium in Grenzen.
Etwa ein Jahr nach dem Börsengang trennte sich die Schickedanz-Unternehmensgruppe von ihrer Mehrheit an Entrium und verkaufte ihre Aktienpakete an ein italienisches Kreditinstitut. Von dort ging die Direktbank im Jahr 2003 an die niederländische ING- Gruppe. Seit April 2004 ist die ehemalige Entrium-Bank in die ING- DiBa integriert.
Auch die Augsburger Aktienbank wechselte mehrfach den Eigentümer. So gehörte die Direktbank einige Zeit zur Allianz-Gruppe. Im Jahr 2002 wurde sie von der LVM Versicherung übernommen. Die Advance Bank schließlich – angetreten mit dem Ziel, sich als „Direktbank mit Beratung“ zu positionieren – wurde mittlerweile wieder in den Allianz-Dresdner-Bank-Konzern reintegriert.

Den Erfolg der filiallosen Institute – besonders im Spareinlagen- und Wertpapiergeschäft – spürten naturgemäß zunächst die Sparkassen, die unter den Geldinstituten nach wie vor absolute Marktführer im deutschen Privatkundengeschäft sind. Die Frankfurter Sparkasse reagierte im Jahr 1996 auf die zunehmende Konkurrenz mit der Gründung einer eigenen Direktbank, der 1822direkt.

Schnell und einfach – die Depoteröffnung für Direktbanking

Für die Eröffnung eines Wertpapierdepots bei einer Direktbank oder einem Direktbroker gelten dieselben Vorschriften wie für die Einrichtung eines Giro- oder Sparkontos. Das heißt: Der Kunde muss seine Personalien durch das beschriebene Postident-Verfahren überprüfen und bestätigen lassen. Unterhält er bereits ein Konto bei der betreffenden Direktbank, entfällt diese Prozedur.
Die meisten Kunden verfügen bereits über ein Wertpapierdepot bei ihrer Hausbank oder bei einer Fondsgesellschaft. Selbstverständlich kann jeder Anleger mehrere Depots führen – ebenso wie man mehrere Konten unterhalten kann. Da Direktbanken ihre Depots in vielen Fällen sogar gebührenfrei anbieten, entstehen somit keine zusätzlichen Kosten durch ein zweites Wertpapierdepot, allerdings erschwert eine solche Strategie die Übersichtlichkeit. In den Jahren des ungezügelten Aktienbooms zur Jahrtausendwende, als viele Anleger die Papiere von Unternehmen zeichneten, die neu an die Börse kamen, und damit anfangs zum Teil viel Geld verdienten, mag es Sinn gemacht haben, zwei oder drei Depots zu unterhalten. Dadurch stiegen nämlich die Chancen, bei der Zuteilung der in der Regel stark überzeichneten Aktien berücksichtigt zu werden. Heute indessen gehen mehrere Depots auf Kosten der Transparenz und verursachen nur unnötigen Papierkrieg (so müssen zum Beispiel mehrere Freistellungsaufträge erteilt und gegebenenfalls dem Finanzamt mehrere Jahresbescheinigungen über die realisierten Kapitalerträge vorgelegt werden).

Es empfiehlt sich daher, die im alten Depot gebuchten Wertpapiere ins neue Depot übertragen zu lassen. Das ist einfach und verursacht keinerlei Kosten für den Kunden. Und so gehen Sie vor: Sie beantragen bei der Direktbank bzw. bei einem Direktbroker die Eröffnung eines Wertpapierdepots. Nach dem vorgeschriebenen Weg zur Identifikation beauftragen Sie Ihre neue Bank mit der Depotübertragung. Hierzu füllen Sie einfach einen entsprechenden Auftrag aus und senden diesen an das „neue“ Geldinstitut. Um alles andere kümmert sich die Bank. Für eine solche Depotübertragung dürfen normalerweise keine Kosten entstehen. Sollte Ihre ehemalige Bank dennoch Gebühren berechnen, fragen Sie bei Ihrer Direktbank nach, inwieweit diese für die Kosten aufkommt. In manchen Fällen zeigen sich die Direktbanken in dieser Hinsicht kulant.

Praxistipp:
Die Übertragung von Wertpapieren nimmt erfahrungsgemäß einige Tage in Anspruch. Bitte beachten Sie, dass Sie in dieser Zeit mit den zur Übertragung anstehenden Papieren nicht handeln können. Sie sind also zum Beispiel nicht in der Lage, Ihre Aktien in diesem Zeitraum zu verkaufen, selbst wenn dies aufgrund der aktuellen Marktentwicklung angebracht wäre. Sie sollten daher eine Depotübertragung nicht unbedingt in einer Phase sehr hoher Volatilität, also stark ausgeprägter Schwankungen, vornehmen.
Die Wahl eines günstigen Depots
Darauf sollten Sie achten:
-Kostenlose Depotführung
-Günstige Transaktionskosten
-Fonds mit rabattierten Ausgabeaufschlägen
-Umfassendes Informationsangebot im Internet
-Zusätzliche Serviceleistungen, zum Beispiel „Außerbörslicher Handel“
-Gut verzinstes Transaktionskonto

Die Fakten auf einen Blick
Auch bei Direktbanken müssen Sie sich identifizieren. Dies geschieht durch das Postident-Verfahren.
Für das Postident-Verfahren entstehen Ihnen keine Kosten. Sie müssen sich bei Ihrer Direktbank nur einmal legitimieren. Sollten Sie dort ein weiteres Konto oder Depot eröffnen, ist kein neues Postident-Verfahren nötig. Kunden, die ihr Girokonto bei einer Direktbank unterhalten, können sich entweder an institutseigenen Geldausgabeautomaten oder mithilfe von Kreditkarten an jedem in- und ausländischen Automaten der entsprechenden Kartenorganisation mit Bargeld versorgen.

Erkundigen Sie sich vor der Kontoeröffnung, wie oft und gegebenenfalls in welchem Umfang Sie kostenlos Geld von Automaten abheben können. Viele Direktbanken bieten Kreditkarten zu sehr günstigen Konditionen an. Wer ein Girokonto eröffnet, erhält die Karte häufig kostenlos. Entscheidet sich der Kunde nur für die Kreditkarte, zahlt er eine vergleichsweise günstige Jahresgebühr. Auch die Versorgung mit Bargeld in fremden Währungen und mit Travellerschecks ist bei Direktbanken meist gewährleistet. Falls Sie mit Ihrem Wertpapierdepot zu einer Direktbank wechseln möchten, kümmert sich das neue Geldinstitut in Ihrem Auftrag um die Übertragung der in Ihrem bisherigen Depot enthaltenen Wertpapiere.
Während des Depotübertrags können Sie mit Ihren Wertpapieren nicht handeln.

Die kleinen Unterschiede in der Einlagensicherung und Angebote

Eine Direktbank hat keine Gesichter, keine Angestellten, denen man von Angesicht zu Angesicht in der Filiale gegenübersteht. Das Gefühl, bei Schwierigkeiten unter Umständen hilflos zu sein, niemanden verantwortlich machen zu können, hält manche Verbraucher davon ab, zu einer Direktbank zu wechseln, auch wenn sie im Vergleich zur Filialbank noch so günstig sein mag. Die gesichtslose Abwicklung der Direktbanken führt bei diesen Kunden zu dem diffusen Gefühl, dass das Geld bei einem solchen Institut möglicherweise nicht sicher sei. Ein Trugschluss, denn bei den großen Direktbanken, die dem deutschen Einlagensicherungssystem angehören, ist das Geld ebenso sicher wie bei Sparkassen oder Volksbanken. Manche Institute sind jedoch nur der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken angeschlossen. In diesem Fall gilt die europaweite Mindestabsicherung von 20.000 Euro pro Kunde.

Kurz erklärt: EdB
Die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB) gibt es seit 1998. Sie ist eine gesetzliche Sicherungseinrichtung und deckt 90 Prozent der Einlagen ab, maximal 20.000 Euro pro Kunde. Das entspricht dem, was die Europäische Union verlangt. Die meisten Banken gehören jedoch sowohl der EdB als auch der freiwilligen Einlagensicherung der privaten Banken an. Der Schutz des Einlagensicherungsfonds greift dort, wo die
Sicherung durch die EdB aufhört. Sollte der Fall der Fälle wirklich eintreten, erhält der Kunde die Entschädigung aus einer Hand durch den Bankenverband.
Wie gesagt: Die großen deutschen Direktbanken gehören in der Regel dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken an. Der Fonds sichert alle Verbindlichkeiten gegenüber dem Kunden, also Geld auf dem Girokonto, Termin- und Spareinlagen inklusive Sparbriefe. Sollte die Bank zahlungsunfähig werden, erhält der Kunde trotzdem sein Kapital und die angefallenen Zinsen zurück.

Das ist wichtig:
Finden Sie heraus, welchem Einlagensicherungsfonds Ihre Bank angehört. Dann wissen Sie auch über die Flöhe bzw. den Umfang der Sicherung Bescheid. Bei Neukunden ist die Bank sogar verpflichtet, diese Informationen weiterzugeben.
Direktbanken nennen die Art und den Umfang ihrer Einlagensicherung normalerweise auf der Internetseite. Geben Sie einfach im Suchfeld das Wort „Einlagensicherung“ ein.
Unter bankenverband*de finden Sie eine Liste der Institute, die dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken angehören. Dort können Sie auch mit einem Formular die Sicherungsgrenzen einzelner Banken abfragen. Dabei müssen Sie übrigens Name und Adresse angeben. Die schriftlich erteilte Antwort wird als Beweis gespeichert – zu keinem anderen Zweck.
Sollten Sie Ihre Bank auf dieser Liste nicht finden, ist das noch kein Grund zur Panik. Möglicherweise haben Sie bei der Suche nicht den vollständigen Namen verwendet. Über die EdB sind Sie auf jeden Fall bis 20.000 Euro abgesichert, aber Sie sollten schnellstens bei Ihrer Bank nachfragen, wenn Ihre Einlage darüber liegt.
Ihre Bank kann übrigens aus einem Sicherungsfonds austreten oder ihre Sicherungsgrenze ändern. Sie ist nicht verpflichtet, Ihnen das mitzuteilen. Sollte die Bank austreten, gibt es für die Kunden eine Art Bestandsschutz für die Einlagen, die vor dem Austritt getätigt wurden. Diese Einlagen sind bis zur Höhe der bisherigen Sicherungsgrenze geschützt, und zwar bis zur Fälligkeit oder bis zum nächstmöglichen Kündigungstermin. Die Sicherungsgrenze selbst entspricht beim Bundesverband deutscher Banken 30 Prozent des maßgeblich haftenden Eigenkapitals der betreffenden Bank. Wenn die gesamten Einlagen eines Kunden nicht über dieser Grenze liegen, sind sie vollständig gesichert. Verändert sich das Eigenkapital einer Bank, ändert sich auch die Sicherungsgrenze.
Ausländische Anbieter, die keine Niederlassung in Deutschland haben, unterliegen hinsichtlich der Insolvenzsicherung möglicherweise anderen Regelungen. Handelt es sich um in der EU ansässige Banken, gilt zumindest die 20.000 Euro-pro-Kunde-Regel. In jedem Fall sollten Sie sich kundig machen, denn bei Streitigkeiten und Problemen – und das bezieht sich nicht nur auf den Insolvenzfall – sind Klagen im Ausland langwierig und teuer.

Praxisbeispiel:
Bei einer Sicherungsgrenze von 10 Millionen Euro sind alle Kunden, deren Einlagen nicht mehr als 10 Millionen Euro betragen, vollständig geschützt. Auch wenn mehrere Kunden Einlagen in Höhe von jeweils 9 Millionen Euro bei dieser Bank haben, sind alle abgesichert. Die Sicherungsgrenze ist das Limit der Absicherung für die Einlagen jedes einzelnen Kunden. Bei der Zweigniederlassung Deutschland der CortalConsors S.A. lag die Sicherungsgrenze zum Beispiel Anfang 2008 bei 45 Millionen Euro, bei der Comdirect Bank waren knapp 163 Millionen Euro pro Kunde abgesichert, bei der ING-DiBa 1,17 Milliarden Euro. Das sollte für die meisten Kunden ein ausreichender Puffer sein.
Der Einlagensicherungsfonds schützt nicht alles. Er deckt sogenannte „Nichtbankeneinlagen“ ab. Darunter versteht man die Guthaben von Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Stellen, also Sicht-, Termin- und Spareinlagen. Dazu gehören auch auf den Namen lautende Sparbriefe. Nicht dazu zählen Verbindlichkeiten, über die eine Bank Inhaberpapiere ausgestellt hat, wie zum Beispiel Inhaberschuldverschreibungen. Schuldscheine jedoch, die von einer deutschen Bank emittiert werden, unterliegen als Schuldscheindarlehen dem Schutz des Einlagensicherungsfonds.
Ein Depot mit Aktien, Renten, Fonds oder Investmentzertifikaten wird von einer Insolvenz der Bank nicht tangiert. Die Bank verwaltet das Depot nur. Die Wertpapiere sind Eigentum des Kunden. Sie müssen also nicht gesichert werden. Sollte Ihre Bank tatsächlich insolvent werden, können Sie von ihr schriftlich die Herausgabe Ihrer Wertpapiere verlangen oder die Übertragung Ihres Depots auf ein anderes Kreditinstitut.

Weshalb Kunden ihren Filialbanken den Rücken kehren

So wie Sandra S. haben viele Bankkunden in Deutschland und auch in den Nachbarländern, wie etwa Österreich, gehandelt: Sie kehrten ihrer Hausbank entweder komplett den Rücken oder aber sie behielten dort lediglich noch ihr Girokonto und verlagerten ihre Sparkonten, Depots und oftmals auch ihre Immobilienfinanzierungen zu den Direktbanken, die in der Folge mit atemberaubenden Wachstumsraten aufwarteten. Allein beim deutschen Marktführer in Sachen Direktbanking – der ING-DiBa – stiegen die Kundenzahlen zwischen 2002 und 2008 von 1,8 auf über 6,5 Millionen.
Das Nachsehen haben vor allem die regional verankerten Sparkassen sowie die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken, bei denen nach wie vor die meisten Privatkunden ihre Konten unterhalten. Sie geraten in einen wahren Teufelskreis: Wegen ihrer kostenträchtigen Filialnetze weisen diese Institute naturgemäß eine ganz andere Kostenstruktur auf als eine Direktbank, die – falls sie dieses Geschäftsmodell stringent umsetzt – auf Filialen, Geschäftsstellen oder andere Formen des stationären Vertriebs verzichtet. „Unsere Bank hat so viele Mitarbeiter wie die deutschen Sparkassen Vorstände“, brachte es einmal der Chef einer deutschen Direktbank auf den Punkt. Keine Filialbank kann – von kurzfristigen Aktionen einmal abgesehen – dauerhaft in einen Wettstreit um die günstigsten Konditionen mit filiallosen Instituten eintreten. Daher betonen Sparkassen und Genossenschaftsbanken den Wert der sprichwörtlichen Nähe zum Kunden: Diese Institute sind vor Ort, die Direktbank unter Umständen ein paar hundert Kilometer entfernt. Um sich im härter gewordenen Wettbewerb der Finanzdienstleister weiterhin behaupten zu können, mussten die Filialbanken aber ihre Kosten reduzieren, was zu einer großen Zahl von mehr oder weniger gelungenen Fusionen und zu Filialschließungen führte. Das Argument der Kundennähe verlor dadurch an Überzeugungskraft.

Auch viele Kunden von Filialbanken wickeln ihre Standardgeschäfte (Überweisungen, Einrichten von Daueraufträgen sowie den Kauf und Verkauf von Wertpapieren) inzwischen ebenfalls im Onlineverfahren oder telefonisch ab. Nur noch viele ältere Kunden nehmen ihre Bankfiliale für solche Geschäfte in Anspruch – oft aus Gründen der Tradition. Die Bankfiliale gehört für diese Menschen zum sozialen Umfeld wie der Bäcker, der Hausarzt oder die Apotheke. Für das dauerhafte Überleben des Geldinstituts vor Ort ist das zu wenig. Dabei gibt es durchaus Lichtblicke für die Zukunft der Filialbanken: Vor einiger Zeit veröffentlichte das Mannheimer Ipos-Institut eine bemerkenswerte Studie, wonach sogar 60 Prozent der Direktbanken-Kunden den persönlichen Kontakt zu ihrem Geldinstitut für wichtig halten. Bei den Filialbanken-Kunden liegt dieser Wert bei rund 75 Prozent. Besonders dann, wenn es um höhere Summen und um langfristige Entscheidungen geht, legen die Kunden offenbar größeren Wert auf das persönliche Gespräch. Hier könnten mithin langfristige Chancen für die Filialbanken liegen, allerdings nur dann, wenn die Präsenz in der Fläche mit ausreichender Kompetenz ergänzt wird. Und genau daran mangelte es in den vergangenen Jahren: Die Filialen dienten überwiegend dem einfachen Standardgeschäft, bei komplexeren Finanz- und Vorsorgeentscheidungen wurden die Kunden oft an die Zentrale verwiesen. Mit einfachen Finanzdienstleistungen indessen lässt sich kaum Geld verdienen; jedenfalls nicht so viel, um ein kostenintensives Filialnetz dauerhaft aufrechterhalten zu können. Immer mehr Filialen wurden geschlossen, an ihre Stellen traten vollautomatisierte Stützpunkte, die mit Serviceterminals, Geldausgabeautomaten und Kontoauszugsdruckern ausgestattet sind. Von persönlicher Nähe kann in diesen Fällen keine Rede mehr sein und viele Kunden wechselten daher gleich zu einer Direktbank und sicherten sich in der Regel bessere Konditionen.

Was erfährt der Fiskus für Direktbanken

Vorweg und ganz pauschal: Direktbanken und ihre Kunden unterliegen genau denselben steuerlichen Gesetzen und Regeln wie Kunden bei Filialbanken. Natürlich können sie auch dieselben Freistellungsbeträge in Anspruch nehmen wie jeder andere.

Durch die ab Januar 2009 wirksame Abgeltungsteuer ergeben sich einige wichtige Änderungen. Die Auswirkungen auf den Anleger sind je nach Einkommen unterschiedlich. Lediglich der Sparerfreibetrag in Höhe von 801 Euro für Alleinstehende und 1602 Euro für Verheiratete bleibt bestehen. Darin enthalten ist ein Pauschalbetrag von 51 bzw. 102 Euro für Werbungskosten. Höhere Werbungskosten fallen höchstens bei Steuerpflichtigen mit einem sehr hohen Einkommen an. Allerdings profitieren die bereits von der Abgeltungsteuer, die in der Regel nicht ihrem persönlichen Einkommensteuersatz entspricht, nach dem früher Einkünfte aus Kapitalvermögen besteuert wurden, die über dem Sparerfreibetrag lagen.

Abgeltungsteuer in Kürze
Ab dem 1. Januar 2009 werden Einkünfte aus Kapitalvermögen in Deutschland einheitlich mit 25 Prozent besteuert. Darunter fällt grundsätzlich alles: Zinserträge aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten, Kapitalerträge aus Forderungswertpapieren, Dividenden, Erträge aus Investmentfonds, Termingeschäften und Zertifikaten Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften bei Wertpapieren, Investmentanteilen und Beteiligungen an Kapitalgesellschaften. Immobilien sind ausgenommen. Zu den 25 Prozent kommen allerdings noch Kirchensteuer (sofern der Anleger Kirchenmitglied ist) und Solidaritätsbeitrag hinzu. Insgesamt werden dann 28,5 Prozent fällig. In unseren Beispielen rechnen wir der Einfachheit halber mit 25 Prozent.
Die Abgeltungsteuer wird an der Quelle erhoben. Das bedeutet, dass die Banken verpflichtet sind, einen Steuerabzug vorzunehmen und an die Finanzverwaltung abzuführen. Damit ist die Einkommensteuer auf Kapitalerträge abgegolten, das heißt, der Steuerpflichtige muss die Kapitaleinkünfte nicht mehr in seiner Einkommensteuererklärung angeben. Für Kapitalanlagen im Ausland gilt nach wie vor, dass der Steuerpflichtige seine Erträge ermitteln und gegenüber dem Finanzamt erklären muss. Diese Erträge werden dann gleich behandelt wie inländische.

Die Regierung erhofft sich von der Einführung der Abgeltungsteuer mehr Steuerehrlichkeit der Bürger und einen attraktiveren Markt für Kapitalanleger. Bisher mussten über den Freibetrag hinausgehende Erträge mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Bei einem überdurchschnittlichen Einkommen waren das leicht 42 Prozent. Insofern nehmen sich die 25 Prozent Abgeltungsteuer auf den ersten Blick positiv aus. Doch die Sache hat auch einen Haken: Mit der Einführung der Abgeltungsteuer entfällt das Halbeinkünfteverfahren. Erzielte beispielsweise bisher ein Anleger 1000 Euro Gewinne aus Dividenden, musste er davon lediglich die Hälfte mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern, also 500 Euro, für die bei einem Steuersatz von 33 Prozent 165 Euro an den Fiskus abzuführen waren. Im Rahmen der Abgeltungsteuer müssen nun 250 Euro abgeführt werden. Das heißt zum einen, dass hier vor allem Anleger mit durchschnittlichem Einkommen belastet werden, zum anderen, dass die Anlage in Aktien und Fonds an Attraktivität verliert.

Minus für Aktien und Investmentfonds
Kursgewinne können nicht mehr steuerfrei vereinnahmt werden. Auf Kursgewinne von 1000 Euro fallen ebenso wie auf Zinsgewinne 250 Euro Abgeltungsteuer an.
Das gilt prinzipiell auch für Investmentfonds, allerdings wird zwischen thesaurierenden und ausschüttenden Fonds unterschieden. Thesaurierende Fonds sollen erst unter die Steuer fallen, wenn der Anleger Fondsanteile verkauft und seine Gewinne realisiert. Das bedeutet lediglich, dass die Besteuerung verschoben wird. Bei ausschüttenden Fonds greift der Fiskus zweimal zu: einmal jedes Jahr bei den ausgeschütteten Erträgen und dann noch einmal, wenn der Anleger seine Fondsanteile mit Gewinn verkauft. Gerade bei Fondssparern kann sich die Abgeltungsteuer nachteilig auswirken. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) hat folgende Rechnung aufgestellt: Legt ein Sparer jeden Monat 100 Euro in einem Aktienfonds mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 8,3 Prozent an, erreicht er nach 30 Jahren ein Endvermögen von 150.000 Euro. Davon konnte er nach altem Recht 20 Jahre lang eine monatliche Rente von 977 Euro finanzieren. Jetzt muss er 31,920 Euro an das Finanzamt überweisen. Der Rest des Geldes reicht dann noch für eine Monatsrente von 769 Euro, also gut 20 Prozent weniger als zuvor.

Profiteure: Immobilien und Immobilienfonds
Wer in Immobilien und Immobilienfonds investiert, ist fein raus. Für diese Anlageformen gilt die neue Steuer nicht. Sofern die Anteile bzw. die Immobilien zehn Jahre lang gehalten werden, können die Gewinne nach wie vor steuerfrei realisiert werden.
Lebens- und Rentenversicherungen
Auch Versicherungssparer sehen sich Veränderungen gegenüber. Wird in die Lebensversicherung mindestens zwölf Jahre lang eingezahlt und ist der Versicherte 60 Jahre oder älter, wenn ausgezahlt wird, muss die Hälfte der Erträge versteuert werden. Ausgehend von 25 Prozent Abgeltungsteuer liegt die Steuerlast bei 12,5 Prozent, ein leichter Vorteil gegenüber Fondsprodukten. Diese Regelung gilt nur für die sogenannten „Neuverträge“, also Verträge, die nach dem 31. Dezember 2004 abgeschlossen wurden.
Besser stellen sich Fondssparpläne innerhalb von Riester- oder Rürup-Rente. Sie zählen ganz klar zu den Gewinnern der Abgeltungsteuer. Die später ausgezahlte Rente wird zwar zum persönlichen Steuersatz versteuert, doch die Einzahlungen sind steuerfrei.

Tipp für Geringverdiener:
Sollte Ihr persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent liegen, haben Sie die Möglichkeit, Ihre Einkünfte aus Kapitalanlagen in der Einkommensteuererklärung anzugeben. Dafür benötigen Sie eine Bescheinigung Ihrer Bank. Sollte sich bei der Prüfung durch das Finanzamt herausstellen, dass die Veranlagung doch nicht günstiger ist als die Abgeltungsteuer, werden die Kapitaleinkünfte nicht berücksichtigt.

Was passiert mit Altverlusten?
Verluste, die nach dem alten Steuerrecht entstanden sind, können für eine Übergangszeit bis 2013 auch nach dem bisher geltenden Steuergesetz geltend gemacht werden. Der Anleger kann sie also mit Einkünften aus der Veräußerung von Kapitalanlagen verrechnen. Die Verrechnung mit Zinseinkünften oder Dividendenausschüttungen ist nicht möglich. Das war auch bisher nicht möglich. Die Voraussetzung für dieses Verfahren ist, dass der Anleger die Altverluste im Jahr ihrer Entstehung in seiner Steuererklärung angegeben hat und sie vom Finanzamt berücksichtigt wurden.

Was Sie noch wissen sollten
Die Abgeltungsteuer gilt grundsätzlich für alle Anlagen, die nach dem 31. Dezember 2008 getätigt wurden. Alles, was Sie davor erworben oder begonnen haben (Fondssparpläne), unterliegt dem alten Steuerrecht. Lebensversicherungen müssen dafür allerdings vor dem 31. Dezember 2004 abgeschlossen worden sein. Auch für Zertifikate gibt es eine Sonderregelung. Zertifikate, die ab dem 1. Juli 2009 verkauft werden, müssen am 14. März 2007 oder vorher erworben worden sein, damit die Gewinne steuerfrei bleiben.

Formen der privaten Altersvorsorge und Angebote

Früher war die Sache klar: Wenn die Deutschen für ihr Alter vorsorgten, schlossen sie – oftmals bedrängt von mehr oder minder seriösen Vertretern – Kapitallebensversicherungen ab. Dieses Produkt kombiniert die Hinterbliebenenversorgung im Todesfall mit der Altersversorgung (Auszahlung der sogenannten Ablaufleistung bei Renteneintritt). Seit aber die Renditen einer Kapitallebensversicherung mit dem Finanzamt geteilt werden müssen, haben diese Policen deutlich an Attraktivität eingebüßt. Doch welche Alternativen bieten sich? Sieht man von Riester-Produkten einmal ab, lassen sich die gängigen Vorsorgeinstrumente in drei Kategorien einteilen:

•Versicherungsprodukte
•Bankprodukte
•Sachwertorientierte Anlagen

Für welche der drei Kategorien sich der Kunde entscheidet, hängt von seinem individuellen Chancen/Risiko-Profil ab. In den meisten Fällen macht es Sinn, mehrere Anlageinstrumente aus unterschiedlichen Kategorien miteinander zu kombinieren. Doch schauen wir uns die einzelnen Produkte etwas genauer an:

Kategorie Versicherungsprodukte: Eine sehr beliebte Form der Altersvorsorge ist die private Rentenversicherung. Der Versicherte zahlt über mehrere Jahre ein und erhält im Ruhestand neben seinen Bezügen aus der gesetzlichen Rentenversicherung Monat für Monat eine Leibrente aus seiner privaten Altersversorgung. Beide Renten werden ein Leben lang gezahlt. Neben dieser aufgeschobenen Rentenversicherung gibt es die sogenannte Sofortrente. In diesem Fall zahlt der Kunde einmalig einen größeren Geldbetrag in seine Versicherung ein und erhält ab sofort (meist ab dem nächsten Monat) eine Rente ausgezahlt. Sinnvoll ist dies zum Beispiel, wenn Sie eine größere Erbschaft machen, eine Immobilie verkaufen oder sich anderweitig über einen reichen Geldsegen freuen können.
Falls Sie keine monatliche Auszahlung im Ruhestand wünschen, können Sie normalerweise mit der Versicherung auch eine Kapitalabfindung vereinbaren. Dann erhalten Sie zum Beispiel bei Eintritt in den Ruhestand einen Einmalbetrag ausgezahlt.
Bei der Entscheidung für eine private Rentenversicherung sollten Sie auf ein hohes Maß an Flexibilität achten. Nur so lässt sich ein wirklich passgenauer Aufbau Ihrer Altersversorgung erreichen. Einige Versicherungen bieten Ihnen interessante Extras an. Hier einige Beispiele:

•Neben Ihren regelmäßigen Leistungen können Sie auf Wunsch zusätzliche Einzahlungen vornehmen, um Ihre späteren Rentenbezüge zu erhöhen.
•Wenn Sie vor Beginn Ihrer Rente Teilzeit arbeiten möchten, besteht bei manchen Anbietern die Möglichkeit, eine vorzeitige Teilrente zu beziehen und den Ausstieg aus dem Erwerbsleben ganz nach Ihren individuellen Wünschen zu gestalten.
•Sie wünschen Weihnachts- und Urlaubsgeld? Dann fragen Sie bei der betreffenden Versicherung nach, ob die Auszahlung von 14 Monatsrenten pro Jahr möglich ist.
•Falls Sie bei Liquiditätsengpässen auf Ihr Erspartes zurückgreifen müssen, haben Sie bei flexiblen Anbietern die Chance, sich einen Teil des angesparten Kapitals auszahlen zu lassen.

Vorteile: bequem und unkompliziert, hohes Maß an Sicherheit Nachteile: wenig flexibel, eher geringe Renditen

Eine renditeträchtigere Alternative besteht darin, eine fondsgebundene Rentenversicherung abzuschließen. Sie funktioniert genau wie die klassische Variante, doch wird ein Teil des von den Versicherten vereinnahmten Geldes in Aktienfonds angelegt. Längerfristig wachsen damit die Chance auf höhere Renditen.

Vorteile: höhere Renditechancen, relativ bequem Nachteile: höhere Risiken

Kategorie Bankprodukte: Die simpelste und direkteste Form der privaten Vorsorge besteht im Abschluss eines Banksparplans. Sie lassen einfach monatlich einen Betrag Ihrer Wahl von Ihrem Girokonto auf ein Sparkonto überweisen und profitieren im Laufe der Jahre von Zins und Zinseszins. Im Alter erhalten Sie das angesparte Kapital in monatlichen Raten zurückgezahlt. Sie können einen Banksparplan jederzeit beenden und die monatlichen Raten reduzieren oder erhöhen. Allerdings brauchen Sie einen langen Atem, um ausreichend Kapital für Ihren Ruhestand anzusparen.

Vorteile: hohe Flexibilität und Übersichtlichkeit, hohe Sicherheit Nachteile: schlechte bis mäßige Rendite

Ähnlich funktioniert ein Fondssparplan. In diesem Fall fließen Ihre Sparraten nicht auf ein Sparkonto, vielmehr werden dafür Anteile an Wertpapierfonds gekauft. Bankberater schwärmen in diesem Zusammenhang immer wieder vom sogenannten Cost-Average-Effekt: Da Sie als Kunde in jedem Monat für einen festen Betrag Fondsanteile erwerben, bekommen Sie bei niedrigen Kursen mehr, bei höheren Kursen weniger Anteile. Dadurch, so die Banker, entstünde auf Dauer ein günstiger Durchschnittspreis. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Finanzmärkte von hoher Volatilität geprägt sind, das heißt, wenn sie über eine längere Zeit schwanken. Steigen die Kurse jedoch über Jahre hinweg, werden Sie immer teurer einkaufen. Kurzum: Versprechen Sie sich nicht allzu viel vom Cost-Average-Effekt.

Vorteile: bessere Renditen, hohe Flexibilität
Nachteile: Kapitalmarktrisiko, Ausschüttungen und Kursgewinne müssen ab 1. Januar 2009 unabhängig von der Haltezeit mit 25 Prozent versteuert werden.

So lange müssen Sie sparen
Das Szenario: Sie zahlen 100 Euro pro Monat in einen Sparplan. Dann haben Sie nach 10, 15, 20 oder 25 Jahren bei unterschiedlichen Zinsen folgenden Endbetrag:

Formen der privaten Altersvorsorge und Angebote 7

Und über so viel Geld können Sie später verfügen
Die folgenden Berechnungen gehen von folgenden Prämissen aus: Sie möchten 10,15 oder 20 Jahre lang aus Ihrem angesparten Guthaben einen festen Betrag entnehmen, der Rest wird weiterhin verzinst (in den unten stehenden Szenarien mit 4, 4,5 und 5 Prozent). Die angegebenen Beträge beziehen sich jeweils auf 10.000 Euro Endkapital. Bei höheren Beträgen multiplizieren Sie einfach die in der Tabelle angegebene Rente.
Rechenbeispiel: Sie haben 200.000 Euro angespart und wünschen eine über 20 Jahre gestreckte Auszahlung. Das jeweilige Restkapital wird weiterhin mit 4 Prozent verzinst. Bezogen auf 10.000 Euro Kapital ergibt dies eine monatliche Rente von 60,82 Euro. Da Sie aber über 200.000 Euro verfügen, multiplizieren Sie 60,82 Euro mit 20. Ergebnis: Sie bekommen 20 Jahre lang Monat für Monat 1216,40 Euro.

Formen der privaten Altersvorsorge und Angebote 8

Die Fakten auf einen Blick
Direktbanken bieten zum Teil auch einfache Versicherungsprodukte an. Meistens handelt es sich um Policen von Direktversicherern.
Der Aufbau einer privaten Altersvorsorge über eine Direktbank ist möglich.
Mit der Riester-Rente sichern sich Anleger Zulagen und Steuervorteile.
Allein die Riester-Rente reicht in den meisten Fällen nicht aus. Andere Formen der privaten Altersvorsorge sollten daher hinzukommen.
Geeignet erscheinen vor allem eine private Rentenversicherung sowie Spar- und Fondssparpläne.
Der Kapitalbedarf im Ruhestand wird von den meisten Bundesbürgern noch immer unterschätzt. Informieren Sie sich. Auf den Homepages der Direktbanken und vieler Direktversicherer finden Sie zahlreiche nutzwertige Tools, die Ihnen dabei helfen, eventuelle Versorgungslücken aufzuspüren.

Direktbanking, Direktbrokerage oder Onlinebanking wählen und Angebote

Vielleicht haben Sie sich diese Frage auch schon gestellt: Was genau ist eigentlich Direktbanking? Wie unterscheidet es sich von Direktbrokerage und vor allem von Onlinebanking, das mittlerweile so gut wie jede Bank und Sparkasse in Deutschland anbietet? Sorgen wir an dieser Stelle für Klarheit und nehmen hierzu einige Begriffe unter die Lupe, die in diesem Zusammenhang immer wieder auftauchen, hinter denen aber zum Teil ganz unterschiedliche Geschäftsmodelle stehen. Die noch immer vorherrschende Begriffsverwirrung führte in den vergangenen Jahren häufig zu einer gewissen Verunsicherung, da alle filiallosen Finanzdienstleister gleichsam „in einen Topf geworfen“ wurden.

Zunächst gilt es, zwischen den Produktpaletten der einzelnen Anbieter zu differenzieren. Direktbanken halten das gesamte Angebotsspektrum einer Hausbank bereit. Das reicht vom Gehalts- und Sparkonto über Konsumenten und Abrufkredite bis hin zum Wertpapiergeschäft und der Baufinanzierung. Direktbroker (mitunter auch als Onlinebroker oder Discountbroker bezeichnet) beschränken sich hingegen weitgehend auf das Wertpapiergeschäft, also auf den Kauf und Verkauf von Aktien, Anleihen, Optionsscheinen, Zertifikaten und Investmentfonds. In Deutschland kamen die ersten Direktbroker in den 1990er- Jahren an den Markt – und damit immerhin noch rechtzeitig, um vom großen Börsenboom am Ende der Dekade zu profitieren. In den USA freilich war diese Art des Börsenhandels keineswegs neu. Bereits in den 1970er-Jahren hatte Charles Schwab dort den Wertpapierhandel revolutioniert. War der Kauf und Verkauf von Aktien bis dahin mit hohen Nebenkosten verbunden, setzte der neue, unkonventionelle Finanzdienstleister – von der Branche anfangs als „Rebell“ beschimpft – auf direkte Wertpapierorders ohne Beratung. Der Kunde rief einfach an und gab seine Orders durch, die dann rasch und preisgünstig ausgeführt wurden. Dank dieses direkten Weges sparte der Kunde Transaktionskosten und erwirtschaftete somit potenziell eine höhere Rendite. In den folgenden Jahren baute die Charles Schwab Corporation die Palette ihrer Finanzdienstleistungen weiter gezielt aus. Auch knapp vier Jahrzehnte nach ihrer Gründung steht die Charles Schwab Corporation fast schon synonym für den direkten Weg an die Börse, selbst wenn dieser Finanzdienstleister in den vergangenen Jahren verstärkt auf Filialen setzte und sich damit von seiner ursprünglichen Geschäftsidee entfernte.

Die Idee, die hinter diesem Angebot steht, ist klar: Brokerage im Do-it-yourself-Verfahren; der Kunde entscheidet in eigener Verantwortung und ohne Beratungsleistung in Anspruch zu nehmen, welches Wertpapier er kaufen beziehungsweise verkaufen möchte. Was seinerzeit noch als revolutionär galt und bei den etablierten Brokern allenfalls ein Naserümpfen hervorrief, setzte sich spätestens in den 1990er-Jahren weltweit durch – nicht zuletzt in Deutschland, einem der stärksten Märkte für Direktbrokerage in Europa.
Das Internet bot den preiswerten Wertpapierhändlern neue, ungeahnte Chancen. Fortan konnten die Kunden noch bequemer und schneller Wertpapiere kaufen oder verkaufen. Darüber hinaus stellt das Internet eine Fülle von Möglichkeiten bereit, den Anleger mit umfassenden Informationen aus Quellen zu versorgen, die früher nur den professionellen Händlern zugänglich waren. Dass auch in Europa die Privatanleger mit kleinerem und mittlerem Vermögen die Aktie entdeckt haben, ist nicht zuletzt das Verdienst der Direktbroker. Sie machten mit geringen Transaktionskosten den Handel mit Wertpapieren nicht nur günstig, sondern nahmen den Anlegern zudem die „Schwellenangst“, die manche beschlich, die sich zum ersten Mal an die Börse wagten.

In den Zeiten des Börsenbooms kamen immer mehr Direktbroker an den Markt. Doch bald zeigte sich die Achillesferse dieses Geschäftsmodells: Der Erfolg steht und fällt mit der Stimmungslage an den Börsen. Der Crash nach der Jahrtausendwende setzte viele Direktbroker unter Druck. Erst als sich die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten allmählich erholte, ging es mit den Brokern wieder aufwärts. Allerdings haben sich viele dieser Institute inzwischen in Richtung Direktbank mit breiterem Produktfolio entwickelt. Der Unterschied zwischen den Geschäftsmodellen „Direktbanking“ und „Direktbrokerage“ liegt auf der Hand. Direktbroker haben sich vorrangig auf eine Dienstleistung (Wertpapiergeschäfte) spezialisiert, die sie in der Regel deutlich preisgünstiger abwickeln als Filialbanken. Direktbanken aber bieten alle Produkte einer Hausbank. Eine zweite Bankverbindung – zum Beispiel für das Gehaltskonto – ist in diesem Fall nicht erforderlich.

Auch der Begriff Onlinebanking wird off synonym für Direktbanking verwendet. Tatsächlich jedoch gibt es einen beträchtlichen Unterschied: Onlinebanking ist lediglich ein Vertriebsweg, wie ihn mittlerweile fast alle Banken und Sparkassen anbieten. Das heißt, der Kunde kann seine Geldgeschäfte rund um die Uhr von zu Hause aus über seinen Computer abwickeln. Daneben unterhalten diese Banken und Sparkassen jedoch ein mehr oder weniger dichtes Filialnetz. Der Kunde hat also die Wahl, entweder seiner Filiale einen Besuch abzustatten und seine Wünsche vor Ort zu äußern oder den schnellen Weg über das Internet zu gehen. Der entscheidende Nachteil beim Onlinebanking: Der Kunde kommt nicht oder nur in geringem Umfang in den Genuss günstiger Konditionen. Denn da die betreffenden Banken und Sparkassen nach wie vor ein aufwendiges Filialsystem finanzieren müssen, bleibt angesichts ungünstiger Kostenstrukturen (Filialen sind teuer!) wenig Spielraum zur kundenfreundlichen Gestaltung der Konditionen. Allenfalls wird ein kleiner Nachlass auf die Kontoführungsgebühren eingeräumt.

Bleibt schließlich noch die Abgrenzung gegenüber reinen Internetbanken. In diesem Fall handelt es sich um „One-Channel-Institute“. Der Kunde kann also nur den Weg über das Internet gehen. Schriftliche Orders per Post oder per Anruf im Callcenter, wie sie bei einer Direktbank zum Tagesgeschäft gehören, sind bei reinen Internetbanken in der Regel nicht möglich. Wenn wir daher auf den folgenden Seiten das Geschäftsmodell „Direktbanking“ näher betrachten, so meinen wir Geldinstitute, die folgender Definition entsprechen. Direktbanken unterhalten in der Regel keine oder nur sehr wenige Filialen und geben die daraus resultierenden Kostenvorteile in Form von günstigeren Konditionen an die Kunden weiter, bieten die gesamte Produkt- und Dienstleistungspalette einer Hausbank, stellen ihren Kunden mehrere Kommunikationswege zur Auswahl: telefonischer Kontakt über die Callcenter, computergesteuertes Telebanking, Internet und die konventionelle Form per Brief.

Das dreibeinige deutsche Bankensystem
Das Bankensystem in Deutschland ruht traditionell auf drei Säulen. Innerhalb der einzelnen Gruppen gibt es allerdings unterschiedliche Formen und Größenordnungen. Das wichtigste Unterscheidungskriterium stellen die Eigentumsverhältnisse dar.

Zu den privaten Banken gehören zum einen die führenden deutschen Geldhäuser, wie etwa Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank und HypoVereinsbank, zum anderen die feinen Privatbankiers, wie zum Beispiel Metzler, Hauck & Aufhäuser oder die kleine, sehr spezialisierte Allgäuer Sa-liter Bank. Aber auch die Direktbanken zählen zu dieser Kategorie. Eigentümer dieser Banken sind entweder die Aktionäre, oder – wie im Fall der Privatbankiers – zum Teil Privatpersonen oder Familien. Die meisten dieser Institute sind Mitglieder im Bundesverband deutscher Banken.

Die Volks- und Raiffeisenbanken sind hingegen genossenschaftlich und dezentral organisiert. Das heißt, jede dieser Banken ist ein unabhängiges Unternehmen mit eigenem Vorstand. Die Kunden dieser Institute können Anteile an dieser Genossenschaft erwerben und werden damit Mitinhaber mit Anspruch auf eine jährliche Gewinnbeteiligung (Dividende), die oft recht attraktiv ausfällt und die Erträge aus einer sicheren Spareinlage in der Regel übertrifft. Als Achillesferse der Genossenschaftsbanken erwies sich in den vergangenen Jahren, dass viele von ihnen schlicht zu klein waren und sich selbst Konkurrenz machten. So gibt es bis heute noch Regionen, wo sowohl Volks- als auch Raiffeisenbanken vertreten sind. Um sich am Markt behaupten zu können, mussten viele dieser Banken in der Vergangenheit mehr oder minder freiwillig fusionieren. Die Volks- und Raiffeisenbanken sind Teil des genossenschaftlichen Finanzverbundes, zu dem unter anderem die R+V-Versicherung, die Fondsgesellschaft Union Investment und die Bausparkasse Schwäbisch Hall gehören. Zentralinstitute sind die DZ Bank sowie die WGZ-Bank. Daneben vertreten die Genossenschaftsverbände die Interessen dieser Banken und fungieren gleichzeitig als Buchprüfer. Gründen diese Kreditinstitute eigene Direktbanken, sind diese ebenfalls Teil des genossenschaftlichen Finanzverbunds.

Die Sparkassen und Landesbanken schließlich bilden die öffentlich- rechtliche Säule im deutschen Bankensystem. Es handelt sich also gleichsam um Staatsbanken. Die Sparkassen befinden sich in der Regel im Eigentum der Städte und Landkreise, in denen sie ihr Geschäftsgebiet unterhalten. Allerdings gibt es daneben in Deutschland einige freie Sparkassen, die nicht in der Rechtsform der Körperschaft des öffentlichen Rechts geführt werden. Ähnlich wie die Genossenschaftsbanken sind auch die Sparkassen regional verankert und unabhängig voneinander. Ihre Geschäftsgebiete sind jedoch meist penibel abgegrenzt, sodass es normalerweise zu keinen Überschneidungen kommt. Allerdings gibt es Ausnahmen. In Frankfurt beispielsweise konkurriert die Sparkasse der Main-Metropole mit den Geschäftsstellen der mit Hauptsitz in Wiesbaden ansässigen Nassauischen Sparkasse. Auch im Sparkassensektor kam es in den vergangenen Jahren zu einer Vielzahl von Fusionen.

Die öffentlich-rechtlichen Sparkassen und ihre jeweiligen Träger (Städte, Landkreise) sind Mitglieder in einem der zwölf Sparkassen- und Giroverbände der Länder. Über diese Mitgliedschaft gehören sie darüber hinaus dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin an, der als Dachverband fungiert. Die ausgeprägte Regionalität mit starken „Provinzfürsten“ vor Ort und der Einfluss der Politik erschweren nach Ansicht von Branchenexperten den unumgänglichen Reformprozess innerhalb des Sparkassenwesens. Zur Sparkassen-Finanzgruppe gehören neben den Sparkassen und den Landesbanken unter anderem die Landesbausparkassen (LBS), die Sparkassen-Versicherungen, die Deutsche Leasing sowie die Fondsgesellschaft Deka.

Wie eine Notlösung den Markt revolutionierte

Die Gewerkschaften hatten allen Grund, zufrieden zu sein: Nach zähen Verhandlungen hatten sich die Arbeitgeber der Baubranche bereit erklärt, ihren Mitarbeitern zusätzlich zum Lohn die Sparbeiträge für die staatlich geförderten vermögenswirksamen Leistungen (damals besser bekannt als 312-DM-Gesetz) zu zahlen. Die Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden feierte diesen Erfolg als Durchbruch. Doch in der Praxis ergaben sich unversehens Probleme von ganz anderer Seite: Viele Banken weigerten sich, für die Bauarbeiter unter ihren Kunden entsprechende vermögenswirksame Sparkonten zu eröffnen – zu viel Aufwand, zu geringe Margen. Peanuts eben.
Georg Leber, der damalige Chef der Baugewerkschaft und spätere Bundesverteidigungsminister, stand vor einem Problem: Was tun, wenn sich die Geldinstitute dauerhaft weigern sollten, vermögenswirksame Sparkonten zu eröffnen? Leber löste diese Herausforderung ganz pragmatisch und gründete gemeinsam mit der gewerkschaftseigenen Bank für Gemeinwirtschaft ein neues Kreditinstitut. Im Oktober 1965 nahm die Bank für Spareinlagen und Vermögensbildung (BSV) ihre Geschäftstätigkeit auf – in einem Frankfurter Hinterzimmer. Es war eine Bank ohne Banker. „Wir hatten hier Schuster und Schreiner. Sogar ein Artist war dabei“ erinnert sich Marlene Mauer, eine der Mitarbeiterinnen der ersten Stunde. Sie war gerade mal 15 Jahre alt, als sie am 1. April 1966 bei der BSV an- fing. „Wir arbeiteten damals in so einem Erfassungszimmer, Loch raum hieß das. Dort haben wir die vermögenswirksamen Sparbeiträge in die Rechenmaschine eingetippt: Kontonummer, Betrag, Kontonummer, Betrag. Das hat die Maschine dann eingestanzt. Unten heraus kamen blaue Lochstreifen“, berichtet Marlene Mauer aus den Pionierzeiten des Direktbanking.

Sie führte zunächst ausschließlich vermögenswirksame Sparkonten, doch immerhin war die BSV die erste filiallose Bank in Deutschland. Ein interessantes Experiment: Konnte das Bankgeschäft ohne Filialen funktionieren? Damals noch für viele unvorstellbar. Die übermächtigen Konkurrenten am Finanzplatz Frankfurt belächelten denn auch die „Leber-Bank“, wie sie in Anspielung auf ihren Gründer genannt wurde. Die Presse kam allerdings zu einem differenzierteren Urteil: Die Zeitungen schrieben von einem „Paukenschlag“ (Neue Presse) und davon, dass nun das „Wettrennen um die Vermögensbeiträge“ (Handelsblatt) eröffnet sei. Und schon Anfang 1966 – also gerade einmal ein Vierteljahr nach Gründung der etwas unkonventionellen Bank – konstatierte die Monatszeitschrift „Junge Wirtschaft“: „Im Bankgewerbe hat das Vorhandensein dieser Bank wie der berühmte Hecht im Karpfenteich gewirkt. In den ersten beiden Monaten seit der Gründung der Bank haben sich die Anlagebedingungen für kleine Sparbeiträge verbessert. Auch jene Institute, die noch Vorjahresfrist entschieden gegen jede Vermögensbildung durch Tarifvertrag protestiert haben, bemühen sich jetzt eifrig um die Sparbeiträge der Arbeitnehmer.“ Vielleicht gehört es zu den Erfolgsgeheimnissen der Direktbanken, dass sie von der etablierten Konkurrenz von Anfang an unterschätzt wurden.
Dennoch blieb Deutschlands erste Bank ohne Filialen ungeachtet ihrer bemerkenswerten Erfolge ein Provisorium. Von einem zukunftsträchtigen Geschäftsmodell konnte noch keine Rede sein, was nicht zuletzt an den eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten lag. Damals hatten nur wenige Haushalte ein Telefon und so mussten die Bankgeschäfte per Brief abgewickelt werden. Im Fall der BSV funktionierte das so: Bei Kontoeröffnung erhielt der Kunde per Post ein rotes „Versand-Sparbuch“. Es folgten zweimal jährlich gelbe Kontoauszüge. In der Auszahlungsphase konnte der Kunde auf der Rückseite dieser Auszüge die gewünschte Summe abrufen. Manche indessen zogen es vor, zum Sitz der Briefbank nach Frankfurt zu reisen und sich das Geld dort bar auszahlen zu lassen, was an manchen Tagen zu wahren Menschenschlangen vor dem Gebäude der BSV führte.
Die anfangs eher belächelte erste Direktbank wuchs in den Folgejahren rapide. Im Jahr 1973 verwaltete das Institut bereits eine Million Konten. Drei Jahre zuvor hatte die BSV mit der Baufinanzierung begonnen. Heute erinnern sich nur noch wenige an diesen Direktbanking-Pionier. Aus dieser Keimzelle entwickelte sich nach einer höchst wechselvollen Geschichte die ING-DiBa – heute die größte Direktbank in Europa.

Zu den Pionieren des filiallosen Bankgeschäfts gehört darüber hinaus die Augsburger Aktienbank, die im Jahr 1966 gegründet wurde. Auch dabei handelte es sich um eine reine Briefbank, die sich ausschließlich an Privatkunden richtete. Die Direktbank aus der Fuggerstadt bietet bis heute vor allem standardisierte Sparprodukte an.
Geschäfte per Post abzuwickeln, das war für die Bundesbürger in den 1960er- und 1970er-Jahren keineswegs ungewöhnlich. Große Versandhäuser wie Quelle, Otto und Neckermann erlebten einen regelrechten Boom. Das filiallose Bankgeschäft indessen blieb – trotz stetig wachsender Kontenzahlen – ein Nischenangebot für einfache Sparprodukte oder Kleinkredite. Alles andere erledigten die Kunden in der nahe gelegenen Bankfiliale. Die Auswahl des Kreditinstituts erfolgte dabei überwiegend nach ganz pragmatischen Gesichtspunkten: Wer als Berufsanfänger ein Girokonto eröffnen wollte, entschied sich entweder für eine Filiale in der Nähe des Wohnortes oder wählte das Institut, bei dem bereits seine Eltern ein Konto unterhielten.

Sparen mit Sparbuch oder doch nicht

„Schlachtet das Sparschwein!“ Mit diesem etwas martialischen Slogan versuchte eine Bank, auf dem Höhepunkt des Börsenbooms aus einem Land der Sparer eine Nation der Aktionäre zu machen. Und zunächst stieß das Kreditinstitut damit durchaus auf offene Ohren. Die Deutschen plünderten ihre Sparkonten und steckten das Geld vorrangig in „Wachstumsaktien“, die neu auf den Markt kamen und schnelle Gewinne versprachen. Im Jahr 2001 sanken die Spareinlagen der Deutschen nach Angaben der Bundesbank auf 538 Milliarden Euro. Doch kaum zwei Jahre später wünschte sich so mancher Anleger, er hätte damals weiter auf das altmodische Sparschwein gesetzt. Dafür gibt es zwar nur vergleichsweise geringe Zinsen, die noch dazu versteuert werden müssen, falls sie den Sparerfreibetrag überschreiten, doch immerhin hätte der Bankkunde keine Verluste erlitten.
Nach dem für viele Anleger schmerzhaften Ende der Börseneuphorie standen sichere Sparformen hoch im Kurs: „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“, schien die Devise der Bankkunden zu lauten. Dennoch führte dies nicht zu einer Renaissance des traditionellen Sparbuchs. Und dies war für beide Seiten durchaus von Vorteil. Für die Banken bedeuten Sparbücher einen vergleichsweise hohen Arbeitsaufwand. So erfolgen Ein- und Auszahlungen in der Regel in bar und müssen einzeln eingetragen werden – viel Arbeit für die Damen und Herren in den Filialen. Von den jährlichen Zinsgutschriften zwischen Weihnachten und Neujahr ganz zu schweigen. Entsprechend gering fallen die Zinsen für diese antiquierte Sparform aus. Also suchen auch die Kunden nach besser verzinsten1, aber ebenso sicheren Alternativen. Und sie fanden sie vor allem in den Produktportfolios der Direktbanken: einfache Sparformen, kaum erklärungsbedürftig, überdurchschnittlich verzinst und trotzdem sicher. Mit Sparkonten, die diesen Anforderungen der Kunden entsprachen, warben die filiallosen Geldinstitute in erster Linie den Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken in den vergangenen Jahren Millionen von Kunden ab. Insbesondere die sehr flexiblen Tagesgeldkonten erwiesen sich als äußerst erfolgreiches Instrument zur Neukundengewinnung.
Nicht von ungefähr setzen die Direktbanken vorrangig auf diese Sparprodukte. Sie sind bestens geeignet für den Direktvertrieb, verursachen wenig Arbeit und erreichen eine große und breit gestreute Zielgruppe – vom Kleinsparer, der etwas Geld auf die hohe Kante legt, bis hin zum Aktieninvestor, der mit einem sicheren Sparpolster seine Risiken im Wertpapierbereich reduzieren möchte.
Es ist mithin ein Verdienst der Direktbanken, dass Anleger sich in Scharen vom althergebrachten Sparbuch mit mickriger Verzinsung verabschiedet haben und dass auch die Filialbanken gezwungen wurden, neue, attraktivere Produkte anzubieten. Trotzdem haben die Bundesbürger noch viel zu viel Geld auf größtenteils schlecht oder gar nicht verzinsten Girokonten. Die Bankkunden verschenken dadurch jedes Jahr viele Milliarden Euro an Zinsen. Laut Monatsbericht der Deutschen Bundesbank lagen im Februar 2007 etwa 450 Milliarden Euro auf Girokonten. Eine Untersuchung des Finanzdienstleisters FMH förderte zutage, dass die durchschnittliche Verzinsung von Girokonten bei nicht einmal 0,5 Prozent pro Jahr lag. Die Verzinsung von Tagesgeldkonten dagegen liegt im Mittel bei 2,45 Prozent. Das sind rund 400 Prozent mehr als auf einem durchschnittlich verzinsten Girokonto. Auf Sparbüchern mit niedriger Basisverzinsung und dreimonatiger Kündigungsfrist lagen laut Deutscher Bundesbank im Februar 2007 etwa 103 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Spareckzins lag bei 1,14 Prozent pro Jahr. Daraus resultiert ein Vorteil von 115 Prozent für das Tagesgeldkonto. Anleger könnten also durch den simplen Übertrag ihres Geldes von Girokonten und Sparbüchern auf Tagesgeldkonten 10 Milliarden Euro Zinsen pro Jahr zusätzlich kassieren.
Sparbücher gibt es bei den Direktbanken ohnehin nicht, aber natürlich bieten sie wie andere Banken auch Sparpläne an, bei denen der Sparer jeden Monat einen festen Betrag einzahlt. Meistens liegt der monatliche Mindestbetrag bei 75 bis 100 Euro. Später kann sich der Kunde das Guthaben komplett oder in monatlichen Raten auszahlen lassen. Vermögenswirksame Leistungen können auf diese Weise ebenfalls bei vielen Direktbanken angelegt werden. Auch hier sollten Sie vergleichen, bevor Sie sich für einen Anbieter entscheiden.

In manchen Fällen erweisen sich Fondsparpläne als sinnvolle Alternative. Die Rendite ist je nach Fonds höher als bei einem normalen Sparplan. Hier sollten Sie allerdings darauf achten, dass verschiedene Fonds eine unterschiedliche Anlagedauer nötig machen und eventuell ein höheres Risiko bergen als ein Sparplan nach dem Sparbuchprinzip. Zum Beispiel macht ein Fondssparplan für einen Aktienfonds nur dann Sinn, wenn er auf Dauer angelegt ist, also mindestens fünf Jahre, eher mehr. Aktien sind nun einmal keine kurzfristige Anlage. Einer der Vorteile des Fondssparens ist die Flexibilität. Sie können jederzeit die Einzahlung beenden, die Höhe des Sparbetrags reduzieren oder erhöhen und in einen anderen Fonds wechseln.
Natürlich bieten Direktbanken ebenso wie Filialbanken Sparpläne für alle gängigen Fonds an, also zum Beispiel auch für Rentenfonds, gemischte Fonds oder sogenannte Balance-Produkte, in denen sich Fonds unterschiedlichster Art befinden, deren Anteile am Gesamtpaket dem Lebensalter des Sparers angepasst werden – also risikoreicher in jungen Jahren, eher auf Sicherheit bedacht im fortschreitenden Alter.

Ist Direktbanking heutzutage wirklich sicher

Die Zahlen sprechen für sich: Direktbanking gewinnt immer mehr an Beliebtheit. Das sieht man zum Beispiel daran, dass sich die Direktbanken in der Top-1OO-Liste der deutschen Banken immer weiter nach oben schieben. Kein Zweifel, das Vertrauen der Verbraucher in diese Geldinstitute ist in den vergangenen Jahren gewachsen – und damit auch das Vertrauen in das Onlinebanking. Dennoch sehen nach wie vor viele Verbraucher das größte Risiko der Direktbanken in der Sicherheit der Transaktionen. Die Befürchtungen bezüglich des Onlinebankings sind besonders bei denen ausgeprägt, die es bisher noch nicht nutzen. Eine Umfrage des Bundesverbands deutscher Banken zeigte, dass knapp die Hälfte der Deutschen davon ausgeht, Onlinebanking sei „nicht so sicher“ (36 Prozent) oder „überhaupt nicht sicher“ (12 Prozent). Aber nur 2 Prozent derjenigen, die bereits Onlinebanking machen, waren der Meinung, dieses Verfahren sei „überhaupt nicht sicher“.

Folgerichtig waren bereits zu Beginn des neuen Jahrtausends bei einer Flow-Analysis-Studie des Marktforschungsinstituts Infratest Burke in München Onlinekunden nicht nur eher bereit, ihre Bank zu wechseln, sondern 20 Prozent der Wechsler entschieden sich für eine Direktbank. Außerdem stellte man fest, dass sich jeder zehnte Neukunde, der sich zum ersten Mal ein Konto einrichten ließ, für eine Direktbank entschied. Dies ist ein Hinweis nicht nur auf die hohe Affinität junger Menschen zu Internet und Computer, sondern auch ein Beleg für das gewachsene Kostenbewusstsein, das zunehmend die Treue zum Bankberater vor Ort ersetzt.

Doch obwohl Onlinebanking längst als zumindest ebenso sicher gilt wie die Abwicklung von Bankgeschäften mittels Papierbelegen, wird in den Medien immer wieder über spektakuläre Manipulationen berichtet. So viel gleich vorab: Wer ein paar wichtige Sicherheitstipps beachtet und nicht allzu vertrauensselig ist, hat beim Onlinebanking nichts zu befürchten. Wir werden hierauf gleich detaillierter eingehen. Zunächst aber ein Thema, das die potenziellen Direktbanken-Kunden meist noch stärker interessiert als der Kampf gegen Phishing und Trojaner. Eine der ersten Fragen lautet: Wie sicher ist mein Geld? Und die Verbraucher tun gut daran, hier sehr genau hinzuschauen.