Konsequenzerwartung und Selbstwirksamkeit helfen während Ihres Studiums – effektive Lernmethoden

Nutzen
Erfahren Sie, dass nur die internale Konsequenzerwartung eine selbstreflexive Kognition ist.

Kontrollüberzeugung
Der Begriff der Kontrollüberzcugung bzw. Kontrollerwartung (Locus of control ol reinforcement) wurde von Rotter im Rahmen seiner sozialen Lerntheorie eingeführt und bezeichnet die generalisierte Erwartungshaltung eines Individuums, ob es durch eigenes Verhalten wichtige Ereignisse herbeiführen kann (internale Kontrolle) oder ob die Konsequenzen seines Verhaltens außerhalb seiner Einflussmöglichkeit (externale Kontrolle) liegen (vgl. Rotter 1966).

3 Dimensionen
Levenson erweiterte das Konzept der Kontrollüberzeugung und unterschied drei Dimensionen (vgl. Levenson 1972): 1. internale Kontrolle, d.h. die Person erlebt, dass sie die Ereignisse selbst kontrollieren kann, 2. sozial-externale Kontrolle, d.h. die Person nimmt die Ereignisse als durch andere Personen kontrolliert wahr und 3. Fatalistisch externale Kontrolle, bei der Zufall und Glück für das Eintreten von Ereignissen verantwortlich gemacht werden.

Kausalität
Bei dem Konzept der Kontrollüberzeugungen steht also die Einschätzung des (kausalen) Zusammenhangs einer Handlung mit der Folge dieser Handlung im Vordergrund.
Kontrollüberzeugungen lassen sich außerdem als stabil oder instabil sowie als global oder spezifisch beschreiben. Beschreibt ein Individuum z.B. die Konsequenzen seines Verhaltens als stabil-global-internal, so hat es ein starkes Kontrollbewusstsein und ist in vielen Lebensbereichen der Meinung, die Konsequenzen des eigenen Verhaltens kontrollieren zu können. Externale Kontrollüberzeugungen sind keine selbstreflexiven Kognitionen, da die Person keinen direkten Zusammenhang zwischen sich und den Verhaltenskonsequenzen annimmt und deshalb die eigene Person von vornherein als Urheber ausblendet. Nach Levenson kann das zwei grundlegend verschiedene Ursachen haben (vgl. Levenson 1972): Zum einen sieht das Individuum sein Leben oder bestimmte Aspekte seines Lebens von anderen Menschen beeinflusst, zum anderen fühlt sich das Individuum vom Schicksal gelenkt.

Selbstreflexive
Kognition
Im Unterschied dazu ist bei internalen Kontrollüberzeugungen eine Person davon überzeugt, dass die Konsequenzen ihres Verhaltens von ihr selbst abhängen. Dieser Schluss kann von dem Individuum jedoch nur dann gezogen werden, wenn es sich selbst zum Gegenstand der Analyse und Bewertung gemacht hat. Nur die internale Kontrolle stellt also eine selbstreflexive Kognition dar.

Das bringt Sie weiter
Lesen Sie hierzu auch: Schwarzer 1996.

Selbstwirksamkeit
Nutzen
Lernen Sie das Konzept der Selbstwirksamkeit als Schlüsselkonzept für ein erfolgreiches Studium kennen. In der Auseinandersetzung mit dem Erwartungskonzept trifft Bandura eine Unterscheidung zwischen Ergebniserwarumg (Kontrollerwartung) und Selbstwirksamkeitserwartung (self-efficacy, vgl. Bandura 1977 und 1997; Schwarzer nennt dies Kompetenzerwartung, vgl. Schwarzer 1996). Ergebniserwartungen sind subjektive Wahrscheinlichkeiten dafür, dass auf bestimmte Verhaltensweisen bestimmte Konsequenzen folgen. Damit ist jedoch noch keine Aussage darüber getroffen, ob sich ein Mensch überhaupt kompetent genug und in der Lage fühlt, eine Handlung auch ausführen zu können.

Kompetenzerwartung
Diese Aussage ist nun aber der Kernpunkt der Selbstwirksamkeits- bzw. Kompetenzerwartung. Sie kommt in der Überzeugung einer Person zum Ausdruck, aus eigener Kraft und aufgrund eigenen Handelns, schwierige Anforderungen bewältigen zu können, d.h. eigene Verhaltensweisen dahin gehend zu verändern, dass diesen Anforderungen entsprochen werden kann. Wahrgenommene Selbstwirksamkeit bezieht sich auf Über-zeugungen hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten, die man benötigt, um eine bestimmte Handlung zu organisieren und auszuführen und damit bestimmte Ziele zu erreichen (Bandura 1997, Übers, der Verf.). Während bei der Konsequenzerwartung auch personenunspezifische Zusammenhänge zwischen Handlung und Ergebnis denkbar sind (Wenn man das vom Dozenten geforderte Fachwissen lernt, dann besteht man die Prüfung), enthält die Kompetenzerwartung einen Selbstbezug, da die persönliche Verfügbarkeit von Handlungen angesprochen wird (Ich selbst fühle mich in der Lage, mir das vom Dozenten geforderte Fachwissen anzueignen und die Prüfung zu bestehen),

Selbstwirksamkeit
Selbstwirksamkeit kommt nur in solchen Situationen zum Tragen, deren Schwierigkeitsgrad Handlungsprozesse der Anstrengung und Ausdauer erforderlich machen (vgl. Schwarzer 2004). Bei Situationen, die durch einfache Routine zu lösen sind, trifft dies nicht zu. Selbstwirksamkeit kann auch nicht mit Fähigkeiten oder Wissen gleichgesetzt werden, sondern sie bezeichnet die Überzeugung einer Person, zu einer Handlung in der Lage zu sein. Bei Personen, die objektiv über die gleichen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen, wird die Person erfolgreicher sein, die von ihrer Handlungskompetenz überzeugt ist, als jene, die an ihren Fähigkeiten zweifelt.

Das bringt Sie weiter
Weitere Informationen finden Sie in: Bandura 1997.

Komponenten der Selbstwirksamkeit
Nutzen
Machen Sie sich die verschiedenen Komponenten der Selbstwirksamkeit klar.

Komponenten
Bandura unterscheidet drei Komponenten der Selbstwirksamkeit (vgl. Bandura 1977, 1986 und 1997): Ausmaß, Allgemeinheitsgrad und Gewissheit. Mit dem Ausmaß oder Niveau (magnitude) der Selbstwirksamkeitserwartungen ist die Schwierigkeit der Aufgabe gemeint. Je schwieriger und angsterregender die Aufgabe bzw. Verhaltensweise ist, desto höher muss das Ausmaß der Selbstwirksamkeit sein, um die Aufgabe bewältigen zu können [Ich lasse mich bei dem Dozenten prüfen, weil er ein sehr hohes Leistungsniveau erwartet. Ich bin in der Lage, diese Leistung zu erbringen). Personen, die von ihrer Handlungskompetenz überzeugt sind, fassen anspruchsvolle und potenziell mit Stress verbundene Ereignisse eher als eine Herausforderung als eine Bedrohung auf und stellen sich diesen häufiger als Personen mit niedrigen Selbstwirksamkeitserwartungen [vgl. Jerusalem 1990).

Der Allgemeinheitsgrad (generality) bezieht sich auf die Menge an Situationen. für die eine Selbstwirksamkeitserwartung gilt. Spezifische Selbstwirksamkeitserwartungen sind situationsgebunden, während generalisierte Selbstwirksamkeitserwartungen mehr globaler Natur sind. So können sich Menschen nur in spezifischen Situationen und bei bestimmten Aufgaben (Ich bin in der Lage, bei schriftlichen Hausaufgaben eine gute Note zu erlangen. Das gelingt mir bei mündlichen Prüfungen jedoch nicht) oder aber auch generell als selbstwirksam wahrnehmen (Ich schätze mich allgemein als einen leistungsstarken Studenten ein). Die Stärke bzw. Gewissheit (strength) der Selbstwirksamkeitserwartung gibt an, wie sicher man sich wirklich ist, über eigene Kompetenzen zu verfügen, und wie resistent diese Kompetenzen gegenüber Misserfolgen sind (Ich habe zwar die letzte Klausur nicht so gut bestanden, das ändert jedoch nichts daran, dass ich ein guter Student bin).

Selbstreferentialität
Selbst Wirksamkeit ist eine Kognition, deren selbstreferenzielle Eigenschaft besonders deutlich ist: Eine Person kann nur dann zu einem Urteil über das Ausmaß, den Allgemeinheitsgrad und die Gewissheit ihrer Kompetenz in einer spezifischen Situation gelangen, wenn sie eine Metarepräsentation über die eigenen Erfahrungen, stellvertretenden Erfahrungen, Rückmeldungen anderer Personen und über die eigene physiologische Erregungbildet. In diesem Sinne ist Selbstwirksamkeit eine selbstreferenzielle Erwartungshaltung (vgl. Schröder 1997), die das Ergebnis eines Reflexionsprozesses ist. bei dem die Person eine Entscheidung darüber treffen muss, ob sie sich überhaupt in der Lage fühlt, eine Handlung auszuführen.

Das bringt Sie weiter
Denken Sie über die Bereiche der Selbstwirksamkeit nach. Wie würden Sie Ihre Selbstwirksamkeitserwartungen beschreiben

Auswirkungen der Gedanken auf die Psyche und Interaktion – Strategien für erfolgreich lernen

Nutzen
Erfahren Sie, welche Auswirkungen Gedanken auf psychische Prozesse wie Konzentration, Stimmung und Gefühle haben.

Übung
Nehmen Sie sich bitte 10-15 Minuten Zeit. Versetzen Sie sich in Ihre Schulzeit zurück. Dann fällt Ihnen vermutlich schnell eine Situation ein, in der Sie eine schlechte Schulnote bekommen haben. Die meisten Menschen haben die eine oder andere Klausur mit einer schlechten Note abgeschlossen und entwickelten in diesem Zusammenhang eine Reihe negativer Gefühle. Ist Ihnen eine solche Situation präsent? Gut, dann lassen Sie Ihren Gedanken freien Lauf. Erinnern Sie sich an das Fach, in dem Sie die schlechte Note erhalten haben. Stellen Sie sich den Raum vor, in dem das unangenehme Ereignis stattfand. Erinnern Sie sich an den Lehrer/die Lehrerin. Vielleicht wissen Sie noch, wer neben Ihnen saß. Erinnern Sie sich wenn möglich an Einzelheiten des Raumes: Geruch, Licht, Geräusche, Ihre körperlichen Reaktionen. Sie sehen die Klausur vor sich und lassen alle Gefühle auf sich wirken. Welche Beziehungen sehen Sie zwischen Ihren Gedanken und Ihren Gefühlen?

Paradigmenwechsel
Die Erkenntnis, dass die Gedanken bei psychischen Prozessen und Phänomenen eine große Rolle spielen, hat Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts das wissenschaftliche Weltbild der Psychologie radikal verändert. Es fand ein Paradigmenwechsel statt: Versuchte man vor dieser Zeit noch, der menschlichen Psyche durch einfache Lerngesetze auf die Spur zu kommen, gibt es heute keine Modelle über die menschliche Psyche mehr, die ohne die Einbeziehung der Gedanken auskommen. Das wird insbesondere im Bereich der Klinischen Psychologie deutlich, deren Schwerpunkt die Diagnostik und Behandlung von psychischen Störungen ist. Die Entstehung und der Verlauf psychischer Störungen werden in der Klinischen Psychologie im Zusammenhang mit negativen oder problematischen Gedanken gesehen. So haben z.B. Patienten mit Depressionen häufig negative Gedanken über sich, ihre Umwelt und ihre Zukunft. Patienten mit Magersucht (Anorexia Nervosa) plagen sich ständig mit dem irrationalen Gedanken, sie könnten zu dick sein. Angstpatienten denken, dass an sich harmlose Tiere (z.B. kleine ungiftige Spinnen), Situationen (z.B. mit dem Aufzug fahren) oder körperliche Reaktionen (z.B. der eigene Herzschlag) mit Gefahr verbunden sind. Bei der psychotherapeutischen Behandlung dieser psychischen Störungen ist die Veränderung der Gedanken oft der Schlüssel zum Erfolg.

Das bringt Sie weiter
Weitere Informationen finden Sie in: Wittchen/Hoyer 2006.

Auswirkungen auf die Interaktion
Nutzen
Erkennen Sie die Auswirkungen von Gedanken auf die Interaktion. Gedanken haben nicht nur Auswirkungen auf den Körper und die Psyche, sondern sie haben auch Einfluss auf die Interaktion, die zwischenmenschlichen Beziehungen. Niemand hat das besser zum Ausdruck gebracht als Watzlawick, ein Pionier der Kommunikationsforschung:

Beispiel 1
Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er >Guten Tag< sagen kann, schreit ihn unser Mann an: >Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!<

Realitätsgehalt
In diesem Beispiel wird die ganze Interaktion nur durch die Erwartungen des Mannes an den Nachbarn bestimmt. Das Fatale ist, dass der Mann an keiner Stelle den Realitätsgehalt seiner Vermutungen überprüft, sondern in seiner Gedankenwelt dem Nachbarn Motive und Absichten unterstellt, die dieser vermutlich gar nicht hat. Solche Gedanken, deren Realitätsgehalt nicht überprüft wird, sondern die im Kopfkino des Menschen eine seltsame Eigendynamik entwickeln, können so extrem werden, dass die betroffenen Personen ihr ganzes Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen danach ausrichten. Im Extremfall leiden diese Menschen und ihre Umweh unter den Folgen einer Persönlichkeitsstörung, bei der das Denken, Fühlen und Verhalten deutlich von der soziokulturellen Erwartung ihrer Umgebung abweicht und die sie eventuell ihr ganzes Leben lang nicht mehr loswerden. So fürchten Menschen mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung ständig, anderen Menschen könnten ihnen Schaden zufügen. Ihr zwischenmenschliches Verhallen wird von einem zentralen Gedanken geleitet, den man so formulieren könnte: Die anderen Menschen wollen mich erniedrigen oder ärgern. Andere Menschen haben extreme Selbstzweifel und sind sehr unsicher bezogen auf die eigene Person. Deren Verhalten scheint programmiert zu sein von Gedanken wie: Die Welt ist gefährlich. Jede Kritik ist gleichbedeutend mit einer Niederlage. Nur wenn ich absolut akzeptiert werde, kann ich in Beziehung treten. Man muss mich mögen, ich darf nicht dumm oder ungeschickt erscheinen.

Mündliche Prüfungen
Es lässt sich leicht nachvollziehen, dass solche Gedanken auch Auswirklingen auf mündliche Prüfungen haben.

Beispiel 2
Man stelle sich nun folgendes Szenario vor: Ein Student, wir nennen ihn mal Peter Müllersbusch beabsichtigt, eine mündliche Prüfung in Statistik abzulegen, in einem Gebiet, das ihm – was vorkommt – irgendwie liegt. Zuerst informiert er sich über den Dozenten. Er besorgt sich Informationen über die Standardfragen des Dozenten, aber er möchte auch Persönlichkeitsmerkmale des Prüfers herausbekommen: locker oder nicht locker, streng oder nachgiebig, fair oder unfair, freundlich oder unfreundlich. Genauere Nachfragen des Studenten können allerdings nie ganz klären, ob die Beschreibungen der anderen Kommilitonen mehr der Gerüchteküche entstammen oder valide Informationen über das tatsächliche Verhalten des Dozenten darstellen. Mit diesen Informationen macht sich Herr Müllersbusch an die Vorbereitung seiner mündlichen Prüfung. Wegen seiner extremen Schüchternheit bereitet er sich wie immer ohne Arbeitsgruppe in seinem stillen Kämmerlein vor. Neben statistischen Begriffen wie Produktmomentkorrelation, Signifikanz und Varianzanalyse beschäftigen Herrn Müllersbusch genauso intensiv andere Gedanken:

Ich werde die Frage nicht beantworten können, weil der Dozent nicht berechenbar ist. Schon bei der ersten Frage finde ich keine Antwort und dann bin ich durchgefallen. Niemand wird sehen, dass ich in Statistik eigentlich besser bin als andere Studenten. Vielleicht werde ich die ersten Fragen beantworten können, dann jedoch nach einer Frage, die ich nicht gleich verstehe, einen Blackout haben. Vielleicht sieht der Dozent mir meine Nervosität gleich an und vermutet, dass ich nicht gut vorbereitet bin, weil ich so nervös bin.

Mit diesen unangenehmen Gedanken quält Herr Müllersbusch sich durch die Prüfungszeit, wobei er vermutlich nicht einmal sagen kann, ob er sich häufiger Gedanken über statistische Fragen oder über sein Versagen und die gemeinen Fragen des Prüfers macht. Am Morgen des Prüfungstages geht Herr Müllersbusch so häufig zur Toilette wie sonst im Verlauf eines ganzen Tages. Im Prüfungsgespräch ist er dann so aufgeregt, dass er bei den Fragen des Dozenten kaum zuhört, sondern gleich mit einer Antwort losplatzt, als wollte er verhindern, dass ihm noch weitere unangenehme Fragen gestellt werden. Jedenfalls meint der Dozent nachher, dass bei Herrn Müllersbusch Grundlagenkenntnisse vorhanden sind, aber die Antworten bei komplexeren Fragestellungen nicht so gelungen waren. 3,7 lautet die Note zum Schluss. Enttäuscht verläßt Herr Müllersbusch die Prüfung. Auch deshalb, weil sein Kommilitone, der im Seminar nicht einmal den Median vom Modus unterscheiden konnte, mit einer glatten 2 hinausgegangen ist.

Das bringt Sie weiter
Hier können Sie sich weiter informieren: Schulz von Thun 1981 und Watzlawick u.a. 2000.

Selbstwirksamkeit ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Prüfung und Vorbereitung – erfolgreich lernen

Wirkung eigener Gedanken
Nicht die Tatsachen selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Meinungen darüber. Epiktet (Epiktet 1958). Mit diesem Satz beschreibt der griechische Philosoph Epiktet (um 55- 140 n. Chr.), dass das menschliche Verhalten in entscheidendem Maße von den eigenen Gedanken geprägt wird. Für Ihre Prüfungssituation bedeutet das, dass Ihre Gedanken mit darüber entscheiden, wie Sie sich in der ganzen Prüfungsphase fühlen und welche Note Sie schließlich erzielen. In diesem Artikel können Sie erfahren, welche Gedanken den Ablauf und das Ergebnis von Prüfungen bestimmen:
■ Welche Gedanken können Ihnen schaden?
■ Welche Gedanken helfen Ihnen, Ihr Ziel zu erreichen?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, unternehmen wir in diesem Artikel eine Reise durch die Welt der Gedanken, die den Prüfungserfolg mitbestimmen.

Gliederung
Sie erfahren zunächst etwas über die Macht der Gedanken. Was bewirken sie bei uns, was lösen sie aus? Welche Art von Gedanken ist es, die solche Macht entfaltet, dass Sie in der Prüfungsvorbereitung entspannt dasitzen, oder aber verzweifelt in Ihren Unterlagen blättern? Und dass Sie dann in der Prüfung Ihren eigenen Herzschlag deutlicher hören als die Fragen des Prüfers?
Außerdem sollen Sie zur Diagnose Ihrer eigenen Gedanken, die Sie sich in der Prüfungszeit machen, befähigt werden: Welche Gedanken helfen mir? Welche Gedanken hindern mich daran, mein Ziel zu erreichen? Es werden weiterhin Techniken und Methoden vorgestellt, mit denen Sie Ihren Gedankenstrom so ordnen können, dass Sie Herr Ihrer eigenen Gedanken werden und nicht von lästigen unwillkürlichen Gedanken bei der Prüfungsvorbereitung gestört werden.

Selbstwirksamkeit
Erkennen Sie, dass es einen Schlüsselfaktor gibt, der den Erfolg in Ihrer Prüfling bestimmt:

Selbst Wirksamkeit:
Die innere Überzeugung, eine Prüfung trotz Anstrengung und Schwierigkeit bewältigen zu können.
Trotz Schwierigkeiten und Anstrengungen kann ich die Prüfung bewältigen. Davon bin ich fest überzeugt! Diese Überzeugung fällt natürlich nicht vom Himmel. Es ist nicht so. dass Sie eines Morgens aufstehen und plötzlich ist die Selbstwirksamkeit da. Vielmehr ist es eine innere Haltung, die im Laufe der Zeit stärker wird, wenn Sie richtig mit Ihren Gedanken umgehen und Ihr Verhalten nach den gewonnenen Erkenntnissen ausrichten. Am Anfang mag es noch sein, dass negative Gedanken Sie daran hindern, Ihre Prüfungsziele zu erreichen. Diese kommen zwischendurch immer mal wieder, doch schließlich macht sich der Gedanke breit, dass Sie Ihre Ziele erreichen können.
Sie werden zum Coach Ihrer selbst.

Die Macht der Gedanken während Ihres Studiums
Nutzen
Ihre Prüfungsleistung wird von Ihrer Einstellung und Ihren Gedanken maßgeblich beeinflusst.

Berge versetzen
Der Volksmund sagt: Der Glaube kann Berge versetzen. Er beschreibt damit die enorme Macht, die der Glaube, die Überzeugungen und die Gedanken haben. Dieser Satz sollte allerdings nicht allzu wörtlich genommen werden. So als könne man durch Gedanken wirklich alles erreichen, man müsse eben nur das Richtige denken und fest daran glauben. Das suggeriert natürlich auch, dass jeder seine Welt selbst erschaffen kann und Glück und Unglück von jedem Menschen selbst abhängen. Im Umkehrschluss verleitet dieser Satz sogar zu dem moralischen Urteil, dass Menschen, denen es durch Krankheit, Armut oder Erfolglosigkeit schlecht geht, selbst an ihrem Schicksal schuld sind. Wenn diese Menschen nur die richtigen Gedanken gehabt hätten, dann müssten sie auch nicht so viele Rückschläge und Nachteile erdulden.

Übertragen auf das Studium bedeutet das, dass Leistungen von Studenten (ihre Note) nicht nur von ihren eigenen Gedanken abhängen, sondern auch entscheidend von dem Verhalten des Prüfers geprägt sind. Wenn der Prüfer meint, er könne seine Studenten für sein Fach nur mithilfe einer Durchfallquote von mehr als zwei Dritteln begeistern, dann hängt das Abschneiden des Studenten selbstverständlich auch vom Verhalten des Dozenten ab. Auf die Gedanken seines Professors hat der Student nur einen geringen Einfluss. Aber unter Umständen kann er seine Gedanken und damit seine Leistung so weit verändern, dass er selbst unter solch schwierigen Bedingungen zu denen gehört, die die Prüfung bestehen. Um das zu erreichen, beschäftigen sich die folgenden Ausführungen zunächst mit den möglichen Auswirkungen der Gedanken auf den Körper, die Psyche und die Interaktion

Das bringt Sie weiter
Sie müssen mit Ihren Gedanken nicht gleich Berge versetzen. Sie sollen aber lernen, die eigenen Gedanken so weit zu verändern, dass Sie auch unter schwierigen Bedingungen Prüfungen erfolgreich bewältigen können.

Quellen und Folgen der Selbstwirksamkeit – Strategien für erfolgreich lernen

Nutzen
Lernen Sie die Ursachen der Selbstwirksamkeit kennen und machen Sie sich klar, weiche Bereiche davon beeinflusst werden.

Quellen und Folgen der Selbstwirksamkeit8
Eigene Erstellung nach Bandura 1977 und 1997

Quellen
Bandura unterscheidet vier Quellen, die in unterschiedlicher Weise die Entwicklung der Selbstwirksamkeit als eine erlernte kognitive Überzeugung fördern. Welchen Einfluss diese Quellen entfalten hangt davon ab, wie die erhaltenen Informationen selektiert, interpretiert und in das Überzeugungssystem integriert werden. Unterschiede in der Selbstwirksamkeit zweier Personen, die über die gleiche Erfahrung verfügen, kann daher auch durch eine unterschiedliche Informationsverarbeitung erklärt werden.

Die vier Quellen der Selbstwirksamkeit sind:
■ eigene Erfahrung bzw. eigenes Ausführen der Handlung,
■ stellvertretende Erfahrung durch Beobachtung anderer,
■ verbale Beeinflussung durch Ermutigung und Unterstützung von anderen Menschen,
■ Attribution physiologischer und emotionaler Erregung beim Ausführen der Handlung.

Die einflussreichste Quelle ist die eigene Erfahrung bzw. das eigene Ausführen der betreffenden Handlung. Diese Quelle besitzt größere Bedeutung als z.B. die Beobachtung von Modellpersonen, da sie Eigenständigkeit und Kontrolle über das eigene Verhalten und das eigene Bewältigen der Situation erleben lässt. Hierbei muss der relative Anteil der persönlichen Fähigkeit für das Zustandekommen einer erfolgreichen Handlung abgeschätzt werden. Ist die Person einmal in der Lage gewesen, ein bestimmtes Verhalten erfolgreich auszuführen, so erhöht dies ihr Selbstbewusstsein für zukünftige Situationen, in denen dieses Verhalten gefordert wird (So, bisher habe ich alle Klausuren bestanden. Dann schaffe ich die letzte auch noch).

Der zweitstärkste Faktor ist die stellvertretende Erfahrung. Bereits das Beobachten einer anderen Person, die eine Handlung erfolgreich ausführt, kann durch Modelllernen (Beobachtungslernen) zur Erhöhung der Selbstwirksamkeit führen (Wenn der die Prüfung besteht, dann schaffe ich das auch). Eine weitere Quelle für die Entwicklung von Selbstwirksamkeit ist die verbale Beeinflussung oder Überredung. Im Mittelpunkt stellen dabei positive Verstärkungen durch andere Personen, ein Verhalten zu zeigen (Ich traue Dir zu, dass Du die Prüfung schaffen wirst). Die verbale Ermutigung durch andere kann als soziale Ressource verstanden werden, mit der es einfacher ist, ein eigenes Konzept von Selbstwirksamkeit auf-zubauen.

Die Attribution, d.h. die Ursachenzuschreibung physiologischer und emotionaler Erregung hat nach Bandura den geringsten Einfluss auf die Selbst Wirksamkeit. Das autonome Nervensystem ist aber in der Lage, auf Belastungen mit viszeralen Erregungsmustern zu reagieren, die mit Angst und Vermeidungsverhalten einhergehen können. Eine hohe Erregung kann z.B. als Angst vor der bevorstehenden Aufgabe interpretiert werden und eine geringe Einschätzung der Selbstwirksamkeit erzeugen (Ich war deshalb so aufgeregt, weil ich in dem Fach nicht so gut bin).

Geringe körperliche Erregung führt dagegen in der Regel zu einer höheren Ein-schätzung der Selbstwirksamkeit, da man sie mit Gelassenheit und erfolgreicher Aufgabenbewältigung in Verbindung bringt. Selbstwirksamkeitserwartungen haben eine ausgeprägte Bedeutung für alle Phasen der Selbstregulation von individuellen Handlungen. Schwarzer hat das in seinem Modell der selbstregulativen Zielerreichungsprozesse besonders deutlich herausgearbeitet (vgl. Schwarzer 1996).

Folgen
Selbstwirksamkeitserwartungen haben zunächst Einfluss auf die Auswahl der Ziele, die eine Person sich setzt. Lin Beispiel: Ein Student, der seine Fähigkeiten beim Verfassen einer Bachelorarbeit besonders hoch einschätzt, wird sich als Ziel vielleicht eine Zensur über 2,0 setzen. Sein Kommilitone schätzt aber seine eigene Fähigkeit nicht so hoch ein und will eine Zensur zwischen 2,7 und 3,3 erreichen. Darüber hinaus haben Kompetenzerwartungen Auswirkungen auf die Planungen bei der Zielerreichung. Ein Beispiel: Wenn ein Sportstudent, der seine Begabung für das Laufen nicht besonders hoch einschätzt, im 1000-Meter-Lauf eine gute Zensur erreichen möchte, dann muss er für seine Vorbereitung ein intensiveres Training einplanen, als wenn er seine Begabung höher einschätzen würde.

Schließlich haben Selbstwirksamkeitserwartungen auch Einfluss auf die Handlungsausführung angesichts von Schwierigkeiten und Barrieren, insbesondere darauf, mit welcher Ausdauer und Anstrengung die Handlung durchgeführt, aufrechterhalten und nach einer Unterbrechung wieder aufgenommen wird. Diese Einflüsse der Selbstwirksamkcit auf die Selbstregulation sind weitgehend unabhängig von den tatsächlichen Fähigkeiten der Person. Bei gleichen Fähigkeiten hängen die Anstrengung und Ausdauer, das Anspruchsniveau, die Effektivität beim Zeitmanagement, die strategische Flexibilität bei der Suche nach Problemlösungen und die Leistung von der Höhe der Selbstwirksamkeit ab (vgl. Bandura 1997).

Psychische Störungen
Selbstwirksamkeitserwartungen stehen in Zusammenhang mit allen Bereichen der Selbstregulation. Empirische Untersuchungen von Wälte stützen sogar die Hypothese, dass Selbstwirksamkeitserwartungen ein Indikator für psychische Störungen sind (vgl. Wälte 2003). Bei Patienten mit psychischen Störungen ist die Selbstwirksamkeit geringer als bei Personen, die keine psychische Störung haben. Es konnte eine lineare Beziehung zwischen Selbstwirksamkeit und psychischer Störung nachgewiesen werden: Je stärker die psychische Störung, desto geringer ist die Selbstwirksamkeit. Diese Beziehung zeigte sich bei allen untersuchten Störungen. Bei erfolgreicher Psychotherapie steigt die Selbstwirksamkeit wieder an.

Der Zusammenhang zwischen psychischer Störung und einer geringen Selbstwirksamkeit ist insofern plausibel, als die individuellen Überzeugungen über die eigenen Bewältigungskapazitäten das Stressniveau von Menschen beeinflussen. Menschen, die sich selbst als wenig wirksam wahrnehmen, sehen viele Aspekte ihrer Umwelt als gefährlich an und sorgen sich in übertriebenem Maße um Dinge, die vielleicht gar nicht passieren werden. Menschen, deren psychisches Gleichgewicht gestört ist, tendieren zu einer negativen Selbstreferenz, was dazu führt, dass ihre geringe Selbstwirksamkeit sich immer weiter verstärkt. Bei einer psychischen Störung, im Unterschied zur Veränderung der Selbstwirksamkeit für eine Leistungssteigerung im Studium, reicht es allerdings nicht aus, sich einfach einmal richtig anzustrengen, sondern es bedarf fremder Hilfe und einer therapeutischen Intervention.

Das bringt Sie weiter
Beschäftigen Sie sich ausführlicher mit diesem Thema. Lesen Sie hierzu: Bandura 1997.

Effektives Mitschreiben ist die beste Vorbereitung für eine Prüfung – erfolgreich lernen

Das kennen Sie bestimmt auch:
Sie besuchen die Vorlesungen regelmäßig (mit religiösem Eifer, könnte man sagen), geben sich aber Mühe, so weil wie möglich vom Vortragenden weg zu sitzen (es ist nicht gut, die Aufmerksamkeit unverstandener, aber mächtiger Kräfte zu erregen) und schreiben vollständig mit. Manche Vortragende liefern dafür Vorlagen in solchem Tempo (oft mit der Hilfe des technologischen Äquivalents einer tibetanischen Gebetsmühle – einem Overheadprojektor), dass die Gemeinde voll damit beschäftigt ist, die meisten aber an der Aufgabe scheitern. Die Lücken, die dabei entstehen, werden von den Aufsässigeren mit gedämpfter (oder nicht so gedämpfter) Unterhaltung, dem Lesen von Zeitungen etc. ausgefüllt, während die übrigen Kringel malen oder Tagträumen. Die Mitschriften der Vorlesungen bleiben dann unangetastet bis zu den Ferien oder, noch häufiger, bis eine Woche vor den Prüfungen; dann werden sie sorgfältig mit neongelben Leuchtshilfen bearbeitet (ein Prozess, der sich Nacharbeiten nennt). … Sobald mehr als 50 % der Mitschrift so hervorgehoben worden ist, gilt die Nacharbeit als vollständig, die magische Kraft der Mitschriften hat sich erschöpft, und sie werden sorgfältig in einem Aktenordner abgeheftet und dann nie wieder in die Hand genommen. (Körner, 13.5.2007) Das sollte Ihnen nicht passieren. Lernen Sie vielmehr, Informationen aus den Vorlesungen und Seminaren als Wissen festzuhalten.

Lernen Sie, richtig mitzuschreiben!
Vorlesungen und Seminare werden von den meisten von Ihnen zu Recht als eine der zentralen Veranstaltungen Ihres Studiums betrachtet. Hier wird Ihnen nicht nur Wissen für Ihre berufliche Zukunft vermittelt, sondern Sie erhalten auch alle notwendigen Hinweise und Inhalte für die leidigen Prüfungen und Klausuren. Also mitschreiben, was das Zeug hält, Informationen sammeln, speichern, festhalten: Nur nichts Wichtiges verpassen!

Alles gleichzeitig
Sie alle kennen das Problem, gleichzeitig dem Inhalt zu folgen und alles Wichtige festhalten zu wollen. Das Zuhören und gleichzeitige Mitschreiben erweist sich als ziemlich anstrengend und meistens auch nicht als erfolgreich. Viele Professoren haben das Problem erkannt und bieten heute öfters Hilfen an, wie z. B. online verfügbare Skripte, Powerpoint-Präsentationen etc. – und dennoch sitzen immer noch Scharen von Studierenden emsig mitschreibend in den Vorlesungen und Seminaren. Denn erstens muss man ja die Inhalte der Skripte und Folien auch später noch verstehen, zweitens sind nicht alle Skripte und Folien wirklich hilfreich und drittens braucht man die eigenen Texte ja für die Vorbereitung der Klausuren oder der anderen Prüfungen. Alles klar, auch Sie halten das eigene Mitschreiben in Vorlesungen für sehr wichtig.
Und das ist auch richtig – aber …

Wie geht es richtig?
Dahinter verbergen sich eigentlich drei Fragen, die mit den drei Anforderungen für eine wirkungsvolle Mitschrift verbunden sind:
■ Wie erkennen Sie die wirklich wichtigen Informationen, die Sie unbedingt behalten müssen?
■ Wie können Sie diese Informationen schnell und effizient festhalten (mitschreiben)?
■ Wie muss eine Mitschrift aussehen, damit Sie diese später auch effektiv nutzen können?

In Zahlen
Wir erheben keinen Anspruch darauf, dass die unten angegebenen Kennzahlen einer wissenschaftlichen Prüfung standhalten, sie sind aber auch nicht fernab von der Realität.
■ Während einer Vorlesung von 1,5 Stunden spricht ein Dozent (wenn er nicht unterbrochen wird) zwischen 5.000 und 9.000 Wörter.
■ In der Regel führt er damit zwei Dutzend neue Tatsachen ein, mit denen er versucht, ungefähr ein halbes Dutzend Kerngedanken zu vermitteln (die restlichen Worte braucht er für: Beispiele. Erläuterungen, Wiederholungen und sprachliches Füllmaterial).
■ Sie können ungefähr 25 bis 30 kurze Wörter pro Minute aufschreiben (okay, die oben genannten Zahlen gelten für durchschnittlich schnelle Schreiber, wenn Sie natürlich schneller sind …).
■ Die Sprechgeschwindigkeit beträgt im Extremfall über 130 Wörter pro Minute (die werden Sie auch als Schnellschreiber nicht erreichen).
■ Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Sie höchstens ein Drittel des Inhaltes einer Vorlesung mitschreiben können.

Stenografie
Natürlich, wenn Sie Stenografie beherrschen oder eine eigene Form von Eilschrift oder Kürzeln entwickelt haben, klappt es besser. Aber wie gelangt man auch ohne Stenografie zu einer verwertbaren, kurzen und prägnanten Mitschrift? Dafür ist es besonders wichtig, das entscheidende Drittel der Informationen zu erkennen und nicht einfach Ihre Schreibgeschwindigkeit zu erhöhen. Und was ist mit den restlichen zwei Dritteln? Wenn Sie die wichtigen Inhalte einer Vorlesung (also das entscheidende Drittel) aufgenommen und notiert haben, sind Sie in der Lage, den Rest nachträglich aus diesen Notizen zu rekonstruieren.

Tipp
■ Überlegen Sie, wofür Sie eigentlich mitschreiben. Was wollen Sie mit Ihren Notizen später anstellen?
■ Und wie müssen diese aussehen, um diesen Zweck erfüllen zu können?

Auswirkungen der Gedanken auf den Körper – Strategien für erfolgreich lernen

Nutzen
Spüren Sie die Macht der Gedanken in Ihrem Körper. Um die Auswirkungen der Gedanken auf den Körper etwas näher kennenzulernen, versetzen Sie sich bitte in die folgende Situation (lesen Sie hierfür die Sätze langsam durch und lassen Sie die inneren Bilder auf sich wirken):

Übung 1
Sie kommen gerade nach Hause, nachdem Sie auf dem Markt eingekauft haben. Dort haben Sie bei Ihrem Gemüsehändler zwei Zitronen erworben, weil Sie gerne das neue Rezept Ihrer Kommilitonin Hähnchen in Zitrone ausprobieren möchten. Nun beginnen Sie mit der Vorbereitung des Gerichts. Sie holen eine Zitrone aus der Einkaufstasche und riechen an der Zitrone, um das Aroma zu testen. Nun legen Sie die Zitrone auf ein Küchenbrett und schneiden sie mit einem scharfen Messer in der Mitte durch. Bereits beim Schneiden strömt der Geruch der aufgeschnittenen Zitrone Ihnen entgegen. Um ganz sicher zu gehen, dass Sie die richtigen Zitronen gekauft haben, nehmen Sie eine Zitronenhälfte in die rechte Hand und lecken ganz leicht an der Schnittseite. Haben Sie etwas bemerkt? Den meisten Menschen läuft bei dieser kleinen Geschichte das Wasser im Munde zusammen.

Ergebnis
Machen Sie sich klar: Das passiert nicht etwa dadurch, dass Sie tatsächlich eine Zitrone in der Hand haben, sondern die körperliche Reaktion (das Wasser läuft im Munde zusammen) kam nur durch das Hineinversetzen, das Eintauchen in die Gedanken zustande.

Übung 2
Eine weitere Übung lässt sich aus einer Geschichte ableiten, die sich vielleicht in einem Shaolin-Kloster abspielen könnte:

Meister Lee führt seine sechs Schüler im Alter von zehn Jahren in einen Raum. Dort befindet sich ein zwei Meter langes, zwei Meter breites und zwei Meter tiefes Becken, also ein kleiner Swimmingpool mit angenehm warmem Wasser. Über dem Becken liegt ein dreißig Zentimeter breiter stabiler Balken. Meister Lee bittet nun seine Schüler nacheinander, über den Balken zu balancieren.

Die Schüler freuen und wundern sich über die leichte Übung und lösen einer nach dem anderen die Aufgabe mit Bravour. Nach dieser Übung führt Meister Lee die Schüler in einen zweiten Raum, der architektonisch ein Spiegelbild des ersten Raumes darstellt. Nun bittet Meister Lee seine Schüler, auch über diesen Balken zu balancieren.

Ich möchte zuerst dran kommen, ruft sein Schüler Hu und bittet seinen Lehrer um den Vortritt. Hast du dir das gut überlegt?, fragt ihn der Meister. Aber das ist doch ganz leicht. Meister Lee, antwortet der Schüler Hu etwas verwirrt.

Dann eröffnet der Meister seinen Schülern: Bevor ihr diese Übung macht, sollt ihr wissen, dass sich in diesem Becken Salzsäure befindet. Das Kindergrab hinter unserem Kloster stammt von einem Schüler, der vor zwei Jahren von dem Balken gefallen ist. Nun, wer möchte zuerst über den Balken laufen?. Im Raum herrscht Totenstille. Niemand traut sich an die Aufgabe des Meisters heran. Deshalb macht der Meister die Übung vor und spricht laut den Satz: Ich bin in der Lage, über diesen Balken zu laufen. Nur zögernd meldet sich einer der Schüler, hinter dessen Rücken der Schüler Hu sich versteckt: Ich würde es ja versuchen, aber ich denke immer, ich könnte in die Salzsäure fallen. Während er das sagt, zittert der Schüler leicht. Deshalb gibt Meister Lee die Instruktion: Der Balken ist 30 cm breit. Ich bin in der Lage, über diesen Balken zu laufen. Mit diesem Satz überquert der Schüler den Balken an der Hand seines Meisters vorsichtig und sicher. Schüler Hu denkt jedoch so sehr an seine Angst und die Möglichkeit, ins Becken zu fallen, dass er die Instruktion seines Meisters nicht hört. Obgleich auch er von dem Meister geführt wird, wäre er ins Becken gefallen, wenn der Meister ihn nicht festgehalten und weitergeführt hätte. Zum Schluss der Übung eröffnet der Meister seinen Schülern, dass sich auch in dem zweiten Becken lauwarmes Wasser befindet. Die Schüler erkennen nun den Sinn der Übung, den Meister Lee verdeutlichen wollte.

Ergebnis
Gedanken können sich so stark auf den Körper auswirken, dass eine leichte motorische Übung plötzlich nicht mehr bewältigt werden kann. Wie ein unsichtbarer Faden haben sie eine direkte oder indirekte Wirkung auf den Körper.

Übung 3
Machen Sie bitte auch noch die folgende Übung (Achtung: Halten Sie sich dabei gut an dem Treppengeländer fest). Gehen Sie zu einer kleinen Treppe, die Sie schon häufig benutzt haben. Diese Treppe stellt für Sie normalerweise nur eine kleine Hürde dar, bevor Sie Ihr Ziel (z.B. Wohnung, Hochschulgebäude) erreichen. Sie verschwenden normalerweise keinen Gedanken daran, dass Ihnen das Treppensteigen schwer fallen konnte oder dass diese Treppe für Sie überhaupt eine wirkliche Hürde darstellen könnte. Nun suchen Sie genau diese Treppe mit der inneren Einstellung auf, dass Sie auf der Treppe ausrutschen und sich beim Sturz ernsthaft verletzen könnten. Das möchten Sie natürlich unbedingt vermeiden. Um den möglichen Treppensturz zu verhindern, achten Sie auf jede Bewegung, die sie auf der Treppe machen. Konzentrieren Sie sich besonders auf Ihre Beine und Füße, beachten Sie jede Einzelheit bei der Koordination Ihrer Schritte.

Ergebnis
Wenn Sie die Übung richtig gemacht haben, werden Sie feststellen, dass Ihnen das Treppensteigen plötzlich sehr schwer gefallen ist. Für Außenstehende wirkte das vermutlich sehr ungeschickt und unbeholfen. Beim Treppensteigen waren die Gedanken (Erwartung eines Sturzes, Konzentration auf die Koordination der Beine und Füße) irgendwie störend. Vielleicht ging es Ihnen in der Übung wie dem Tausendfüßler in der Parabel, der seine Beine immer koordiniert bewegen konnte, bis er eines Tages über die Koordination seiner Beine nachdachte und stolperte.

Körperliche Symptome
Negative Gedanken können bei Menschen dazu beitragen, dass sich langfristig körperliche Symptome derart intensiv einstellen, dass der Betreffende fest davon ausgeht, es handle sich um eine organische Störung. Diese Störungen werden als somatoforme Störungen bezeichnet und zählen zu den häufigsten Erkrankungen, da ca. 10% der Bevölkerung darunter leiden. Die Bezeichnung somatoforme Störungen dient als Oberbegriff für eine Gruppe von Krankheiten, bei denen medizinisch unklare körperliche Symptome, Befürchtungen bezüglich körperlicher Erkrankung oder äußerer Entstellung im Vordergrund stehen. Die Störungen erscheinen körperlich verursacht, sind es jedoch nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand nicht. Patienten mit somatoformen Störungen hegen jedoch die Befürchtung oder Überzeugung, eine schwere körperliche Krankheit zu haben. Im Extremfall können negative Gedanken, insbesondere aufgrund traumatischer Erfahrungen, sogar so weit führen, dass spezifische körperliche Funktionen ausfallen, obgleich keine organische (neurologische) Erkrankung vorliegt. Solche Störungen werden in dem Klassifikationssystem der psychischen Störungen nach ICD-10 als Konversionsstörungen bezeichnet.

Übrigens: Die Psychosomatik ist das Lehrgebiet, das sich intensiv mit der Beziehung zwischen psychischen Prozessen (dazu gehören Gedanken) und den körperlichen Reaktionen und den Wechselwirkungen zwischen Psyche und Körper beschäftigt.

Das bringt Sie weiter
Wenn Sie den Eindruck haben, dass negative Gedanken bei Ihnen einen starken Einfluss auf unangenehme körperliche Symptome haben, dann kann Ihnen vielleicht ein Entspannungstraining weiterhelfen. Aber sprechen Sie dies bitte immer vorher mit Ihrem Hausarzt ab und lernen Sie die Technik unbedingt bei einem Profi (z. B. Psychologen)!

Beachten Sie wichtige Regeln beim Mitschreiben in der Vorlesung – Strategien für erfolgreich lernen

Nutzen
Merken Sie sich die folgenden Regeln für Ihre Mitschriften und Sie werden wesentlich mehr mit Ihren Aufzeichnungen anfangen können.

Regeln
■ Strukturieren Sie das Gehörte. Wenn Ihnen der Aufbau und die Gliederung des Stoffs bekannt sind, wirkt diese Struktur wie ein Gerüst, dessen Lücken Sie mit Ihren Notizen füllen können. Nutzen Sie kommentierte Vorlesungsverzeichnisse und bereiten Sie sich auf den Besuch einer Vorlesung vor.
■ Hören Sie aktiv zu. Stellen Sie Fragen und beteiligen sich an Diskussionen. Wenn eine Vorlesung das nicht zulässt, notieren Sie diese Fragen und Anmerkungen.
■ Schreiben Sie erst, wenn ein Sinnabschnitt beendet ist. Wenn Sie zu früh das Zuhören unterbrechen und möglicherweise Gedanken selbst zu Ende denken, kommen Sie vielleicht zu anderen Ergebnissen als der Dozent.
■ Kennzeichnen Sie eigene Ergänzungen. Aus der Mitschrift soll der eigentliche Tenor der Vorlesung hervorgehen.
■ Setzen Sie das Gehörte in Beziehung zu Ihrem vorhandenen Wissen. Dadurch ergeben sich schnell offene Fragen oder Anregungen, den Stoff an bestimmten Punkten zu vertiefen.
■ Achten Sie auf die Aufmerksamkeitssignale des Dozenten.

■ Formulieren Sie wichtige Kerngedanken in eigenen Worten. Dadurch erkennen Sie sehr schnell, ob Sie sie wirklich verstanden haben.
■ Schreiben Sie keine Sätze, sondern Stichpunkte.
■ Entwickeln Sie ein eigenes System von Abkürzungen und Symbolen. Ihre Abkürzungen müssen auch später noch verständlich sein. Nutzen Sie daher auch die gängigen Abkürzungen (z. B. für zum Beispiel, usw. für und so weiter, d. h. für das heißt und u. für und).
■ Ersetzen Sie immer wiederkehrende Schlüsselwörter durch feste, eindeutige Abkürzungszeichen. Geht es beispielsweise in einem Vortrag um diskontinuierliche Erwerbsverläufe, können Sie diesen Begriff immer durch ein einfaches d. E. ersetzen. Einsilbige Wörter sollten Sie immer ausschreiben.

Das bringt Sie weiter
Tauschen Sie sich in Ihrer Lerngruppe über Ihre Fortschritte aus. So erhalten Sie wertvolle Tipps und Hinweise.

Die perfekte Struktur für Ihre Mitschrift in der Vorlesung – Strategien für erfolgreich lernen

Nutzen Sie ein gut strukturiertes Mitschriftenblatt.

Beispiel

Rand zum Abheften Name der Veranstal­tung: BWL I Titel der Vorlesung: Controlling Datum

15.5.07

Seite

8

Dozent; Heister Rand für

Anmerkungen,

Notizen,

Kommentare,

Markierungen.

Def.

 

Überleitung zur letzten Veranstaltung: Thema/Thesen/Fragen:

Differenzierung strategisches und operatives Controlling

Inhalte der Veranstaltung – gut leserlich

P. 3. strateg. Controlling Ziele

Struktur…

 

Lücken, um in der Nacharbeit Infos einfügen zu können

Instrumente des strateg. Controllings SWOT (Swot Analyse)

Balanced Scorecard

Ergebnisse der späteren Nacharbeit

Hinweise auf Zusammenhänge zu anderen Seiten

 

Das bringt Sie weiter
Erstellen Sie sich eine Word-Vorlage, drucken diese aus und kopieren Sie sie mehrmals, dann haben Sie eine Vorlage bzw. Schablone für Ihre Mitschriften in Vorlesungen und Seminaren.

Durch Markieren besser kapieren
Nutzen
Verschaffen Sie sich dank sinnvoller Markierungen einen schnellen Überblick über Ihre Mitschriften. Um die Informationen Ihrer Mitschrift anschließend gut verwerten zu können, sollten Sie Markierungen und Hervorhebungen einsetzen. Wenn Sie Ihre Mitschrift dann zum Aufarbeiten oder Lernen wieder hervorholen, bekommen Sie schneller einen Überblick. Sehr hilfreich ist es, wenn Sie sich ein persönliches Repertoire an Zeichen und Markierungen anlegen.

Randsymbole
Die folgenden Beispiele für Randsymbole finden Sie neben weiteren Tipps für gute Mitschriften auf der Internetseite von W. Pohl

Ich habe den Stoff verstanden. ? Nach begrifter  Nachfragen! O Beispielsätze, Beispielrechnungen;
Sohne Hier ist mir ein auf gegangen  ! Sehr wichtiger Stoff! Def Definition
Zus Zusammenfassung Disk Hier es gab sich eine Diskussion HA Hausaufgabe

www*pohlw*de

Weitere Beispiele:

 

 

Randmarkierungen Randkommentare

 

Markierungen innerhalb des Textes
! wichtig Th = These Einkreisen  Schlüsselworte
!! sehr wichtig Arg. = Argument Unterstreichungen In gleicher Farbe = zusam­mengehörende Aspekte
?! fragwürdig Def. = Definition Wellenlinien = noch mal nachlesen
? nachfragen ZSF = Zusammenfassung Blauer Kugelschreiber = normaler Text
+ gut Link = Hyperlink Schwarzer Bleistift = Bei­spiel
-schlecht Aufg. = Aufgabe bzw. Übung
ÜÜÜ Übung Log? = Widerspruch in
der Argumentation
=> daraus folgt Bsp = Beispiel

vgl. Lit. = Hinweis auf entsprechende Literatur

Das bringt Sie weiter
Nehmen Sie immer dieselben Kürzel. Üben Sie so lange, bis Sie sie automatisch verwenden.

Erkennen Sie die Struktur der Vorlesung – Strategien für erfolgreich lernen

Nutzen
Lernen Sie den Aufbau einer Vorlesung verstehen, dann können Sie die wesentlichen Aspekte besser erfassen. Dieses Artikel soll Sie von dem oft noch aus der Schule vertrauten Abpinnen von Folien oder von der Tafel wegführen. Wenn Sie den Aufbau einer Vorlesung durchschauen, erkennen Sie die wichtigen Punkte und können sich auf den Stoff der Vorlesungen selbst konzentrieren.

Erkennungssignale
Für die Gliederung, also die Struktur einer Vorlesung gibt es sprachliche und nicht sprachliche Erkennungssignale. In Seminaren haben Sie oft sogar vorgegebene, eindeutige Bestandteile, die Sie anhand der gestellten Fragen oder Aufgaben zuordnen können. Um diese Signale erkennen zu können, genügt es nicht einfach zuzuhören, sondern Sie müssen das Gehörte auch verstehen.

Hörverstehen
Das Hörverstehen ist ein Zusammenspiel Ihrer (neuro-)physiologischen (Reizaufnahme/Hören), mentalen und kognitiven (die Erkenntnis betreffende) Fähigkeiten. Mit der Wahrnehmung eines geäußerten Sprachschalles beginnen in Ihnen, gleichzeitig viele Prozesse abzulaufen. Sollten Sie jedenfalls, wenn Sie aufmerksam zuhören. Diese Prozesse bewirken, dass das Gehörte von Ihnen Sinn konstituierend und anwendungsbezogen verarbeitet wird. Erst wenn Sie das, was gemeint ist, wirklich verstanden und erfasst haben, können Sie es später aufschreiben. Gleichzeitig mit dem Hören und Verstehen bilden Sie Vermutungen über den weiteren Verlauf der Äußerungen des Dozenten. Diese gedanklichen Vorwegnahmen über das, was jetzt vermutlich gesagt wird, beeinflussen das weitere Verstehen und auch Ihre weiteren Reaktionen: jetzt weghören und aufschreiben – oder lieber erst einmal weiter zuhören. Das klingt plausibel, aber was hat das mit der Struktur einer Vorlesung zu tun oder mit Ihrer Mitschrift? Nun, wenn Sie nicht richtig zuhören und die Signale des Dozenten zu dem, was als Nächstes kommt, falsch interpretieren, entscheiden Sie sich an den falschen Stellen wegzuhören und verpassen wichtige Informationen – weil Sie sich gerade entschieden haben, jetzt aufzuschreiben.

Einflussfaktoren
Ihr Hörverstehen wird durch viele Faktoren beeinflusst, vom Dozenten, von Ihnen, der Situation und dem Inhalt des Gesagten.
■ Dozent: Haltung, Gestik, Mimik, Stimme, Aussprache (Betonung der Silben), Wort- und Ausdruckswahl, Aufbau der Äußerung,
■ Sie als Hörender: Erwartungen, Hörabsichten, Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnisleistung, Vorwissen,
■ Situation: Ruhe oder Unruhe, Entfernung zum Dozenten (Sitzplatz), Raumluft,
■ Inhalt: Verständlichkeit, Nachvollziehbarkeit, Verwertbarkeit.

Was tun?
Wie können Sie dieses Wissen nutzen?
■ Nutzen Sie die Haltung. Gestik. Mimik. Stimme und sprachliche Ausdrucksweise des Dozenten als Signale für die Struktur der Vorlesung und erkennen Sie daran die inhaltlich wichtigen Informationen.
■ Betrachten Sie sich als aktiven Teil der Vorlesung. Sie beeinflussen mit Ihren Erwartungen. Ihrer Hörabsicht und der damit verbundenen Aufmerksamkeit den Nutzen, den Sie aus dem Vorlesungsbesuch ziehen können.
■ Suchen Sie gezielt Ihren Platz im Vorlesungssaal oder Seminarraum aus. Ihre Aufmerksamkeit wird mehr auf den Dozenten gelenkt, wenn Sie nicht neben der Studienkollegin sitzen, die Sie jetzt schon zwei Wochen nicht gesehen haben.
■ Mit dem Inhalt müssen Sie lernen umzugehen, denn den können Sie nicht beeinflussen.

TQ3L-Verfahren
Nicht nur Werner Stangl empfiehlt dazu das TQ3L-Verfahren (vgl Stangl, 26.5.2007), sondern auch wir haben damit viele positive Erfahrungen gemacht.
■ Tune-In: Stimmen Sie sich auf die nun kommende Vorlesung, das Seminar positiv ein. Auch wenn es nicht Ihr Lieblingsthema ist, das dort behandelt wird. Machen Sie sich deutlich, wofür Sie den Erkenntnisgewinn nutzen können, das hilft.
■ Question: Stellen Sie sich Fragen zum voraussichtlichen Stundenthema. Was wollen Sie erfahren, was macht sie neugierig. Stimulieren Sie damit Ihr Interesse.
■ Look at the Speaker. Schauen Sie den Dozenten an. Nehmen Sie eine beobachtende Haltung an, dann entgehen Ihnen Hervorhebungen (z. B. durch Gestik) nicht.
■ Listen: Hören Sie genau hin. Achten Sie auch auf die Stimmmodulationen. Viele Dozenten lassen so Hervorhebungen erkennen, die Sie für die Mitschrift nutzen können.
■ Look over: überdenken Sie von Zeit zu Zeit das Gehörte. Können Sie den roten Faden noch erkennen? Oder verstehen Sie gar nicht mehr, worum es gerade geht?

Langeweile
Ein ganz wichtiges Signal ist die eigene Langeweile. Die taucht auf, wenn Sie abgeschaltet haben. Abschalten geschieht meistens infolge der Empfindungen: Jetzt verstehe ich nur noch Bahnhof oder Das kenne ich doch alles schon!

Wenn Sie den Anschluss verpasst haben und nicht direkt nachfragen können, notieren Sie die Stelle – mit einer konkreten Fragestellung, was Sie nicht verstanden haben. Hören Sie anschließend weiter zu, ohne den Versuch zu machen, weiter mitzuschreiben. Erstens nützt Ihnen eine unverstandene Mitschrift überhaupt nichts. Zweitens gelingt es Ihnen so, mit erhöhter Aufmerksamkeit, eher wieder einen Ansatzpunkt für Ihre Verständnis zu finden. Klären Sie Ihre Verständnisfragen später – aber unbedingt vor der nächsten Vorlesung.

Wenn Sie alles schon kennen versuchen Sie einmal vorauszudenken, z.B. schon einmal Lösungsansätze zu entwickeln. Sind Sie anderer Meinung als der Dozent, entwickeln Sie Gegenargumente und notieren Sie sie. Stellen Sie hierzu eine Frage am Ende des Vortrags oder in der an-schließenden Diskussion.

Beispiel
Hier ein Vorlesungsausschnitt als Beispiel:
Das wäre also jetzt das Ergebnis unserer Finanzplanung und damit ist allerdings die Sache nicht beendet, sondern jetzt kommen wir zum dritten Punkt zur Liquiditätsreserveplanung. (Grütz, 17.5.2007)

Gliederungsignale
Hier finden Sie folgende strukturierenden Hinweise für Ihre Mitschrift:
■ Das wäre also jetzt das Ergebnis unserer Finanzplanung.
Dies ist der Hinweis auf die Beendigung eines Unterpunktes (Finanzplanung) und dessen Stellenwert (Ergebnis),

■ Und damit ist allerdings die Sache nicht beendet, sondern ….
Hier wird von einem Unterpunkt zu einem weiteren übergeleitet und der Zusammenhang mit dem vorherigen Unterthema aufgezeigt.

■ Und wir kämen dann zum dritten Teil.
Hier die Ankündigung des neuen Unterthemas und die Einordnung in das Gesamtthema: dritter Punkt.

So könnte eine kurze und knappe Mitschrift dazu aussehen:
Ergebnis: Finanzplanung 3. Liquiditätsreserveplanung
Weitere strukturierende Hinweise sind z.B.:

Wir kämen jetzt zu … Einleitung einer neuen Thematik
Schauen Sie, Beachten Sie Wichtige Information, oft auch Kerngedanke
Damit ist auch deutlich geworden, dass… Zusammenfassung
Es geht nicht darum Es geht darum Begrenzung der Thematik, der Bedeutung auf das Wesentliche
Sodass die Frage ist Das wirft die Frage auf… Vorschau

Beobachten Sie Ihre Dozenten und hören Sie ihnen genau zu. Sie werden dann bestimmte Muster erkennen und für Ihre Mitschriften nutzen können.

Veränderung der Gedanken Teil I – Strategien für erfolgreich lernen

Nutzen
Sie lernen Techniken kennen, mit denen Sie Ihre Gedanken so verändern können, dass Sie Ihr Prüfungsziel erreichen. Mithilfe der Fragebogenanalyse im vorigen Artikel haben Sie nun erkannt, welche Gedanken Ihnen bei der Bewältigung der Prüfung im Wege stehen. Hier werden Sie nun über Techniken und Methoden informiert, mit denen sich negative Gedanken verändern lassen. In der Kognitiven Verhaltenstherapie, die sich von allen Therapierichtungen am intensivsten mit der Veränderung von Kognitionen beschäftigt hat, werden diese Methoden und Techniken als kognitive Umstrukturierung bezeichnet.

Kognitive
Umstrukturierung
Die kognitive Umstrukturierung umfasst Techniken und Methoden, die auf die Veränderung der Wahrnehmungs- und Denkprozesse sowie deren Produkte (Wahrnehmungsstile, Vorstellungen, Einstellungen, Überzeugungen, Schlussfolgerungen, Gedanken, Erwartungen) gerichtet sind, um Gefühle und Verhalten zu modifizieren. Kognitive Umstrukturierung hat nichts mit Gehirnwäsche zu tun, sondern beschreibt einen Veränderungsprozess von dysfunktionalen (unlogischen, rigiden, einseitigen) Gedanken zu funktionalen (logischen, flexiblen, differenzierten) Gedanken. Es ermöglicht Ihnen, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Übung
Damit Sie sich die Wirkung einer kognitiven Umstrukturierung vorstellen können, lassen Sie sich bitte auf folgende kleine Geschichte ein: Sie sind gerade auf einer langen Zugreise zu einem Treffen mit Ihrem Traumpartner und dösen vor sich hin. Ein flüchtiger Blick mit geneigtem Kopf auf eine Turmuhr suggeriert Ihnen, dass es eine Minute vor zwölf sei. ihr Partner möchte Sie um 15:20 Uhr vom Bahnhof abholen. Sie beschließen, weiter zu dösen. Doch dann schauen Sie noch einmal genau auf die Turmuhr und sind plötzlich hellwach. Warum?

Veränderung der Gedanken Tei10
Foto: Werner Heister

Techniken
Wenn Sie die folgenden Methoden und Techniken der kognitiven Umstrukturierung für sich nutzen möchten, ist es sinnvoll, sich an folgende Reihenfolge zu halten:

Veränderung der Gedanken Tei12

Bei allen Stufen sollten Sie Ihre Gedanken unbedingt aufschreiben und systematisch bearbeiten. Eine bloße unsystematische und spontane Erinnerung an die negativen Gedanken treibt Sie nur weiter in die Spirale des Grübelns und ist deshalb kontraproduktiv. Bei der ersten Stufe (I. Klärung der Probleme) sollten Sie sich Klarheit darüber verschaffen, wo Sie der Schuh in der Prüfungsvorbereitung drückt. Dabei kann Ihnen die unten stehende Checkliste behilflich sein. Schreiben Sie zunächst auf, um welche Probleme es sich handelt. Dabei sollten Sie sich auf die wichtigsten Probleme beschränken. Vielleicht haben Sie sich schon Gedanken über die möglichen Ursachen gemacht, jedoch noch nicht alles systematisch zu Ende gedacht. Dann sollten Sie alle Möglichkeiten aufschreiben, die Ihnen spontan zur Verbesserung Ihrer Situation einfallen. Sie sollten nicht allzu lange überlegen. Wenn Ihnen spontan nichts einfällt, sprechen Sie lieber mit Freunden darüber.

Checkliste
Für die Klärung Ihrer Probleme in Prüfungssituationen:
■ Was sind Ihre größten Probleme bei einer Prüfung?
■ Wie haben Sie sich diese Probleme bisher erklärt?
■ Welche Verbesserungsmöglichkeiten fallen Ihnen spontan ein?
■ Falls Ihnen selbst keine Möglichkeiten einfallen, sprechen Sie bitte mit Personen Ihres Vertrauens.

Um eine Prüfung selbstwirksam bewältigen zu können, muss man sich der Prüfungssituation und den damit verbundenen Gedanken stellen. Die zweite Stufe (2. Konfrontation mit den Problemen) sieht deshalb vor, dass Sie sich den Prüfungsanforderungen tatsächlich aussetzen. Falsch wäre es, wenn man eine Prüfung oder sogar mehrere Prüfungen immer wieder vor sich herschiebt. Das verlängert nur unnötig die Studienzeit und erhöht die Wahrscheinlichkeit. dass die negativen Gedanken immer stärker werden.

Am besten ist es, wenn Sie die Prüfung als eine Hürde betrachten, und Sie sind davon überzeugt, diese Hürde zu schaffen. Bei Problemen mit Prüfungen stellt sich in der Regel heraus, dass diese durch negative Gedanken verursacht werden oder zumindest von negativen Gedanken begleitet sind.
Sollten negative Gedanken deutlich überwiegen, dann kann Ihnen der dritte Schritt helfen (3. Umstrukturierung negativer Gedanken], eine positive Einstellung zur Prüfung zu bekommen. Schreiben Sie dafür alle negativen Gedanken auf, die Ihnen zur Prüfung einfallen. Sie können hierfür das folgende Arbeitsblatt verwenden:

Arbeitsblatt

Bereich der Kognition Welche negativen Gedanken habe ich? Welche positiven Gedanken kann ich formulieren?
Situationserwartung
Kompetenzerwartung
Konsequenzerwartung
globale Selbsteinschätzung

Beschreiben Sie zunächst alle Gedanken zur Situationserwartung, d.h. alle Befürchtungen, die Sie hinsichtlich der Prüfungssituation haben (z.B. Der Hauptprüfer wird nur schwere Fragen stellen, Ich werde schon die erste Frage nicht beantworten können, Die Prüfer sehen, wie ich zittere und schwitze, Ich werde nur zu Themen gefragt, die ich nicht so gut beherrsche). Dann notieren Sie Ihre negativen Gedanken zur Kompetenzerwartung (Selbstwirksamkeit) in der Prüfung. Viele Studenten mit Problemen bei Prüfungen denken z.B. Folgendes: Auch auf leichte Fragen kann ich keine passenden Antworten geben, weil ich viel zu sehr aufgeregt bin, Ich werde mich versprechen, Ich komme nicht sofort auf die Antwort,

Bei schwierigen Fragen habe ich einen Blackout. >Ich werde vor Nervosität keinen Satz herausbekommen. Negative Gedanken kreisen auch um befürchtete Konsequenzen (Konsequenzerwartungen), die häufig überzogen sind (z.B. Wenn ich die Prüfung nicht schaffe, werde ich keinen Job bekommen, Ich werde durch ein schlechtes Ergebnis mein ganzes Zeugnis ruinieren, Wenn ich jetzt durchfalle, falle ich auch das nächste Mal durch, Alle werde mich auslachen, wenn ich durchfalle). Schließlich können negative Gedanken vor einer Prüfung sogar so weit gehen, dass der Prüfling seine ganze Persönlichkeit in Zweifel zieht (globale Selbsteinschätzung) (z.B. Wenn ich durch die Prüfung falle, dann bin ich ein totaler Versager, Am nächsten Prüfungsergebnis wird man erkennen können, ob ich blöd bin oder nicht). Solche oder ähnliche negativen Gedanken sind für die Prüfungsvorbereitung extrem hinderlich und lassen kaum Gedanken an die Selbstwirksamkeit aufkommen.

Deshalb müssen die negativen Gedanken auf ihren Realitätsgehalt hin überprüft werden (z.B. Ist es wirklich so, dass der Hauptprüfer mir nur schwere Fragen stellt?, Warum werde ich einen Blackout bekommen?, Bin ich wirklich ein Versager, wenn ich durch die Prüfung falle?). In der dritten Spalte sollen die negativen Gedanken positiv umformuliert werden, sodass sie nicht mehr so bedrohlich sind: Anstatt Am nächsten Prüfungsergebnis wird man erkennen können, ob ich blöd bin oder nicht sollten Sie besser schreiben: Am nächsten Prüfungsergebnis kann ich erkennen, ob ich gut vorbereitet war. Viele Menschen neigen dazu, sich bei schlechten Prüfungsleistungen insgesamt abzuwerten. Mit dem nachfolgenden Arbeitsblatt können Sie ein realistisches Bild von sich selbst bekommen. Beurteilen Sie hierfür eine (n) erfolgreiche(n) Kommilitonin bzw. Kommilitonen (nicht den absoluten Überflieger!) nach den aufgeführten Bereichen:

Weiterlesen Veränderung der Gedanken Teil II – Strategien für erfolgreich lernen