Cuxhaven: Alter Fischereihafen wird mit innovativem Energiekonzept zum modernen Stadtquartier

Cuxhaven: Alter Fischereihafen wird mit innovativem Energiekonzept zum modernen Stadtquartier

Der Alte Fischereihafen in Cuxhaven zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Hafenanlagen an der deutschen Nordseeküste. Einst war das Areal eines der wichtigsten Zentren der Fischereiindustrie. Heute entsteht dort jedoch ein völlig neues Stadtviertel, das nicht nur Wohnraum, Hotels, Restaurants und Gewerbeflächen bieten soll, sondern auch mit einem außergewöhnlichen Energiekonzept Maßstäbe setzen möchte. Besonders innovativ ist dabei die Nutzung der Hafenmauer, die künftig gleichzeitig als Wärmetauscher dienen wird und Gebäude sowohl beheizen als auch kühlen soll.

Vom historischen Fischereihafen zum modernen Stadtquartier

Vor rund 100 Jahren war der Alte Fischereihafen das wirtschaftliche Herzstück der Fischerei in Cuxhaven. Mit dem Wandel der Branche verlor das Gebiet jedoch zunehmend an Bedeutung. Nun erlebt das ehemalige Industrieareal eine umfassende Neugestaltung.

Das Projekt folgt einem europaweiten Trend, bei dem ehemalige Hafen- und Industrieflächen in attraktive Wohn- und Geschäftsviertel umgewandelt werden. Gerade in Küstenstädten befinden sich solche Flächen häufig in bester Lage und bieten enormes Entwicklungspotenzial.

In Cuxhaven entstehen deshalb neue Wohnungen, Hotels, Restaurants, Büroflächen sowie öffentliche Plätze. Erste Gebäude werden bereits genutzt und das Viertel entwickelt sich Schritt für Schritt wieder zu einem lebendigen Bestandteil der Stadt.

Die Hafenmauer wird zum Wärmetauscher

Besonders außergewöhnlich ist die geplante Energieversorgung. Die neue Kaimauer erfüllt künftig nicht nur ihre klassische Aufgabe als Schutzbauwerk, sondern wird gleichzeitig Bestandteil des Heiz- und Kühlsystems des gesamten Quartiers.

Dafür werden rund 24 Kilometer Rohrleitungen direkt in die Stahlkonstruktion integriert. Durch diese Leitungen fließt ein Wärmeträger, der die im Hafenwasser gespeicherte Energie aufnimmt. Moderne Wärmepumpen erhöhen anschließend die Temperatur und stellen sie den Gebäuden zum Heizen zur Verfügung.

Im Sommer funktioniert das System genau umgekehrt. Dann kann die gleiche Technik zur Kühlung der Wohnungen und Gewerbegebäude genutzt werden.

Ein wichtiger Vorteil besteht darin, dass das Hafenwasser selbst nicht abgepumpt oder verändert wird. Das System nutzt ausschließlich den natürlichen Temperaturunterschied zwischen Wasser und Wärmeträger. Dadurch sollen Eingriffe in die Umwelt möglichst gering gehalten werden.

Energie für mehr als 60.000 Quadratmeter

Die geplante Anlage erreicht eine Heizleistung von rund 2.050 Kilowatt und soll jährlich etwa 5.000 Megawattstunden Wärmeenergie liefern.

Damit können Gebäude mit einer Gesamtfläche von ungefähr 61.000 Quadratmetern zuverlässig beheizt beziehungsweise gekühlt werden. Dazu gehören sowohl Wohnhäuser als auch Gewerbeimmobilien innerhalb des neuen Quartiers.

Für die Umsetzung der Energieversorgung werden rund 3,1 Millionen Euro investiert. Das Land Niedersachsen unterstützt das Projekt mit einer Förderung von etwa 1,4 Millionen Euro.

Wasser als nachhaltige Wärmequelle

Die Nutzung von Fluss-, See- oder Meerwasser als Energiequelle gewinnt in Europa zunehmend an Bedeutung. Wasser speichert Wärme deutlich konstanter als die Umgebungsluft, wodurch Wärmepumpen insbesondere im Winter häufig effizienter arbeiten können.

Bereits heute kommen ähnliche Systeme in verschiedenen europäischen Ländern zum Einsatz. Häufig werden dabei Seen, Flüsse oder Hafenbecken als natürliche Wärmequelle genutzt.

Bestehende Infrastruktur doppelt nutzen

Das eigentlich Besondere am Projekt in Cuxhaven liegt jedoch nicht allein in der Wärmepumpentechnik. Vielmehr zeigt das Vorhaben, wie bestehende Infrastruktur mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen kann.

Die Hafenmauer wäre ohnehin für die Entwicklung des neuen Stadtteils notwendig gewesen. Durch die Integration der Rohrleitungen erhält sie nun zusätzlich eine energetische Funktion. Dadurch muss kein separates Bauwerk für die Wärmegewinnung errichtet werden.

Dieses Prinzip gilt als Beispiel dafür, wie Städte vorhandene Bauwerke künftig effizienter nutzen können.

Nicht überall lässt sich das Konzept umsetzen

Trotz des innovativen Ansatzes eignet sich diese Technologie nicht für jede Stadt.

Voraussetzung sind geeignete Gewässer mit ausreichend stabilen Temperaturen, ein hoher Wärmebedarf sowie eine passende Infrastruktur zur Verteilung der Energie. Außerdem benötigen Wärmepumpen weiterhin elektrischen Strom. Wie klimafreundlich das Gesamtsystem letztlich arbeitet, hängt deshalb maßgeblich davon ab, wie dieser Strom erzeugt wird.

Cuxhaven als Vorbild für zukünftige Stadtentwicklung?

Das Projekt in Cuxhaven ersetzt klassische Heizsysteme nicht vollständig und ist auch nicht auf jeden Standort übertragbar. Dennoch zeigt es eindrucksvoll, wie Städte vorhandene Infrastruktur intelligenter nutzen können.

Mit der Kombination aus Stadtentwicklung, nachhaltiger Energieversorgung und moderner Wärmepumpentechnik entsteht im Alten Fischereihafen ein Quartier, das weit über die Grenzen Niedersachsens hinaus Aufmerksamkeit erregen dürfte. Sollte sich das Konzept langfristig bewähren, könnte es künftig auch für andere Hafenstädte in Deutschland und Europa als Vorbild dienen.

FAQ

Was ist das Besondere am Projekt in Cuxhaven?

Die Hafenmauer dient künftig nicht nur dem Küstenschutz, sondern gleichzeitig als Wärmetauscher für das Heiz- und Kühlsystem des neuen Stadtquartiers.

Wie funktioniert die Energiegewinnung?

Über rund 24 Kilometer Rohrleitungen wird Wärme aus dem Hafenwasser aufgenommen. Wärmepumpen wandeln diese anschließend in nutzbare Heizenergie um.

Wie groß ist die Energieanlage?

Die Anlage erreicht eine Heizleistung von etwa 2.050 Kilowatt und erzeugt jährlich rund 5.000 Megawattstunden Wärmeenergie.

Welche Gebäude profitieren davon?

Versorgt werden Wohn- und Gewerbegebäude mit einer Gesamtfläche von rund 61.000 Quadratmetern.

Wie hoch sind die Investitionskosten?

Die Kosten für das Energiesystem liegen bei etwa 3,1 Millionen Euro, wovon rund 1,4 Millionen Euro durch das Land Niedersachsen gefördert werden.

Kann dieses Konzept auch in anderen Städten umgesetzt werden?

Grundsätzlich ja, allerdings nur dort, wo geeignete Gewässer, ausreichender Wärmebedarf und passende technische Infrastruktur vorhanden sind.

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